Elektro Tretroller

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Re: Elektro Tretroller

Beitragvon Ein Terraner » Mo 8. Jul 2019, 17:14

Selina hat geschrieben:(08 Jul 2019, 17:08)

Bestimmter technischer Fortschritt entstand aus sowas Zerstörerischem wie dem Krieg. Und bestimmte technische "Errungenschaften", die früher als das Nonplusultra galten, wie die Erfindung des Automobils, richten sich eines Tages gegen den Menschen, indem die Umweltschäden durch den immensen Autoverkehr kaum noch aufzuhalten, geschweige denn wiedergutzumachen sind. Die menschlichen Bedürfnisse befinden sich in ständiger Entwicklung. Eine eben noch als Fortschritt bezeichnete Sache entpuppt sich zig Jahre später als rückschrittlich.

Alles ist im Wandel, der Fortschritt von Gestern ist die Vergangenheit von Morgen. Und nur weil wir Heute mehr wissen als damals war es dennoch ein Fortschritt weil die einzige alternative zum Fortschritt der Stillstand ist. Ob etwas im Detail als gut oder schlecht entpuppt sieht man meistens erst wenn man es ausprobiert hat und sich auf die Veränderung eingelassen hat. Und es ist absolut nicht schlimm Fehler zu machen, es ist nur schlimm aus diesen Fehlern nichts zu lernen.
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Re: Elektro Tretroller

Beitragvon schokoschendrezki » Di 9. Jul 2019, 13:04

Selina hat geschrieben:(08 Jul 2019, 16:15)

Zustimmung. Da gibts interessante Forschungen zum Warenfetisch. Aber was meinst du mit "Auflösung der gesellschaftlichen Zwangszusammenhänge". Dass Menschen miteinander agieren, bestimmte Interessen und Ziele teilen, gerade weil es um Fortschritt geht, halte ich nicht für falsch. Ja, natürlich völlig ohne Zwang, ganz freiwillig. Der Ansatz müsste eben immer nur sein, dass nicht der Gewinn das oberste Prinzip/Ziel ist, sondern vor allem der Mensch mit seinen Bedürfnissen im Fokus dieser Fortschrittsbestrebungen steht.

Das sehe ich etwas anders. Es gibt zunächst einmal existenzielle Grundbedürfnisse. Essen, Kleidung, Schutz vor Naturgewalten. Darüber ist man in Mitteleruopa hinaus und darüber braucht man auch nicht groß diskutieren. Das nächste Bedürfnis für mich ist Freiheit, Selbstbestimmtheit und Autonomie. Ein OpenSource-Betriebssystem zu benutzen beginnt in aller Regel damit, dass man von einem funktionierenden Computer das (zumeist) mitgelieferte Betriebssystem entfernt. Dass man also einen Gebrauchsgegenstand gebrauchsunfähig macht. Es spielt weniger eine Rolle, ob dann irgendwann am Ende ein praktikablerer Gebrauchsgegenstand entsteht. Es ist erstmal Fortschritt als "selber fortschreiten" und nicht einfach nur entgegennehmen eines Fortschritts. Selbstbestimmtheit rangiert für mich weit über "praktische Vorteile".

"Entgegennehmen eines Fortschritts" ist heute sowas wie eine Religion und nicht von ungefähr haben die Präsentationen irgendeiner neuen Version eines Apple-Geräts die Form eines Gottesdiensts.

Auch ein möglichst minimalistisches Fahrrad (Single-Speed ohne alles) ermöglicht einem eine Auslebung von Selbstbestimmtheit. Auch wenn ein E-Tretroller leicht, praktikabel und irgendwann auch weitgehend ohne ökologischen Fußabdruck ist. Er muss aufgeladen werden. Man muss wissen wo und wie. Man lebt sich quasi in ein Netzwerk von Informations- und vor allem Herstellerabhängigkeiten ein.
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Re: Elektro Tretroller

Beitragvon Ein Terraner » Di 9. Jul 2019, 13:12

schokoschendrezki hat geschrieben:(09 Jul 2019, 13:04)

Das sehe ich etwas anders. Es gibt zunächst einmal existenzielle Grundbedürfnisse. Essen, Kleidung, Schutz vor Naturgewalten. Darüber ist man in Mitteleruopa hinaus und darüber braucht man auch nicht groß diskutieren. Das nächste Bedürfnis für mich ist Freiheit, Selbstbestimmtheit und Autonomie. Ein OpenSource-Betriebssystem zu benutzen beginnt in aller Regel damit, dass man von einem funktionierenden Computer das (zumeist) mitgelieferte Betriebssystem entfernt. Dass man also einen Gebrauchsgegenstand gebrauchsunfähig macht. Es spielt weniger eine Rolle, ob dann irgendwann am Ende ein praktikablerer Gebrauchsgegenstand entsteht. Es ist erstmal Fortschritt als "selber fortschreiten" und nicht einfach nur entgegennehmen eines Fortschritts. Selbstbestimmtheit rangiert für mich weit über "praktische Vorteile". Selbst wenn man am Ende als eine Art moderner Diogenes lebt.

"Entgegennehmen eines Fortschritts" ist heute sowas wie eine Religion und nicht von ungefähr haben die Präsentationen irgendeiner neuen Version eines Apple-Geräts die Form eines Gottesdiensts.

Auch ein möglichst minimalistisches Fahrrad (Single-Speed ohne alles) ermöglicht einem eine Auslebung von Selbstbestimmtheit. Auch wenn ein E-Tretroller leicht, praktikabel und irgendwann auch weitgehend ohne ökologischen Fußabdruck ist. Er muss aufgeladen werden. Man muss wissen wo und wie. Man lebt sich quasi in ein Netzwerk von Informations- und vor allem Herstellerabhängigkeiten ein.

Und wann geht nun dein Aussteiger Leben an?
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Re: Elektro Tretroller

Beitragvon Selina » Di 9. Jul 2019, 13:13

schokoschendrezki hat geschrieben:(09 Jul 2019, 13:04)

Das sehe ich etwas anders. Es gibt zunächst einmal existenzielle Grundbedürfnisse. Essen, Kleidung, Schutz vor Naturgewalten. Darüber ist man in Mitteleruopa hinaus und darüber braucht man auch nicht groß diskutieren. Das nächste Bedürfnis für mich ist Freiheit, Selbstbestimmtheit und Autonomie. Ein OpenSource-Betriebssystem zu benutzen beginnt in aller Regel damit, dass man von einem funktionierenden Computer das (zumeist) mitgelieferte Betriebssystem entfernt. Dass man also einen Gebrauchsgegenstand gebrauchsunfähig macht. Es spielt weniger eine Rolle, ob dann irgendwann am Ende ein praktikablerer Gebrauchsgegenstand entsteht. Es ist erstmal Fortschritt als "selber fortschreiten" und nicht einfach nur entgegennehmen eines Fortschritts. Selbstbestimmtheit rangiert für mich weit über "praktische Vorteile".

"Entgegennehmen eines Fortschritts" ist heute sowas wie eine Religion und nicht von ungefähr haben die Präsentationen irgendeiner neuen Version eines Apple-Geräts die Form eines Gottesdiensts.

Auch ein möglichst minimalistisches Fahrrad (Single-Speed ohne alles) ermöglicht einem eine Auslebung von Selbstbestimmtheit. Auch wenn ein E-Tretroller leicht, praktikabel und irgendwann auch weitgehend ohne ökologischen Fußabdruck ist. Er muss aufgeladen werden. Man muss wissen wo und wie. Man lebt sich quasi in ein Netzwerk von Informations- und vor allem Herstellerabhängigkeiten ein.


Ja, das kann man alles tun. Finden sich aber mehrere autonome Leute zusammen mit ähnlichen Zielen, können sehr praktikable Dinge dabei rauskommen. Und genauso läuft es ja auch. In einer zukünftigen Welt werden sich immer wieder Leute zusammenfinden, um gemeinsam zu forschen und Dinge weiterzuentwickeln. Sie geben deshalb noch lange nicht ihre Autonomie auf. Und dass heute längst nicht alles, was als "Fortschritt" deklariert wird, auch welcher ist, hab ich ja in einem anderen Post geschrieben. Siehe diese Dauererfindungen neuer Smartphones.
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Re: Elektro Tretroller

Beitragvon schokoschendrezki » Di 9. Jul 2019, 13:35

Selina hat geschrieben:(09 Jul 2019, 13:13)

Ja, das kann man alles tun. Finden sich aber mehrere autonome Leute zusammen mit ähnlichen Zielen, können sehr praktikable Dinge dabei rauskommen. Und genauso läuft es ja auch. In einer zukünftigen Welt werden sich immer wieder Leute zusammenfinden, um gemeinsam zu forschen und Dinge weiterzuentwickeln.

Ich glaube, sagen wir es mal vorsichtig, ich habe ein nicht ganz so positives Bild von Gemeinschaftlichkeit wie Du.
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Re: Elektro Tretroller

Beitragvon Selina » Di 9. Jul 2019, 13:51

schokoschendrezki hat geschrieben:(09 Jul 2019, 13:35)

Ich glaube, sagen wir es mal vorsichtig, ich habe ein nicht ganz so positives Bild von Gemeinschaftlichkeit wie Du.


Ich habe absolut kein "positives Bild von Gemeinschaftlichkeit". Da interpretierst du etwas in meine Kommentare hinein, was da nicht steht. Erstens haben wir (meine Familie und ich) auch schon diese vordergründige DDR-Gemeinschaftlichkeit nicht mitgemacht und zweitens machen wir auch die heutige "Gemeinschaftlichkeit" gegen Geflohene, gegen alles "Fremde" nicht mit. Und auch nicht diese Konsum-Gemeinschaftlichkeit. Da sind wir immer unabhängig geblieben, damals wie heute. Was ich aber hier konkret meinte, ist der Trugschluss, dass Forschung und Entwicklung ein unbedingtes Einzelgängertum zur Voraussetzung haben müssen. Was wissenschaftliches und technisches Forschen anbelangt, da sieht man doch ständig, dass da mehrere begabte Leute an bestimmten Forschungen sitzen, deren Ergebnisse dann mosaikartig zusammengeführt werden. Wo verworfen und wiederholt und verbessert wird. Nur so wird es eine Chance geben, ein Medikament gegen Krebs oder auch einen Elektro-Roller zur Produktionsreife zu führen. Dennoch gibt keiner der Beteiligten seine Autonomie auf. Das ist ein Wechselverhältnis zwischen Unabhängigkeit und gegenstandsbezogener zeitweiliger "Abhängigkeit"... in Form von Zusammenarbeit. Wobei Literaten und Übersetzer ja wirklich mehr alleine arbeiten. Das muss aber nicht überall so sein. Ist es auch nicht.
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Re: Elektro Tretroller

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 10. Jul 2019, 09:33

Selina hat geschrieben:(09 Jul 2019, 13:51)

Ich habe absolut kein "positives Bild von Gemeinschaftlichkeit". Da interpretierst du etwas in meine Kommentare hinein, was da nicht steht. Erstens haben wir (meine Familie und ich) auch schon diese vordergründige DDR-Gemeinschaftlichkeit nicht mitgemacht und zweitens machen wir auch die heutige "Gemeinschaftlichkeit" gegen Geflohene, gegen alles "Fremde" nicht mit. Und auch nicht diese Konsum-Gemeinschaftlichkeit. Da sind wir immer unabhängig geblieben, damals wie heute. Was ich aber hier konkret meinte, ist der Trugschluss, dass Forschung und Entwicklung ein unbedingtes Einzelgängertum zur Voraussetzung haben müssen. Was wissenschaftliches und technisches Forschen anbelangt, da sieht man doch ständig, dass da mehrere begabte Leute an bestimmten Forschungen sitzen, deren Ergebnisse dann mosaikartig zusammengeführt werden. Wo verworfen und wiederholt und verbessert wird. Nur so wird es eine Chance geben, ein Medikament gegen Krebs oder auch einen Elektro-Roller zur Produktionsreife zu führen. Dennoch gibt keiner der Beteiligten seine Autonomie auf. Das ist ein Wechselverhältnis zwischen Unabhängigkeit und gegenstandsbezogener zeitweiliger "Abhängigkeit"... in Form von Zusammenarbeit. Wobei Literaten und Übersetzer ja wirklich mehr alleine arbeiten. Das muss aber nicht überall so sein. Ist es auch nicht.

Da gibts wahrscheinlich gegenseitige Missverständnisse. Natürlich ist "wissenschaftliches und technisches Forschen" auf Austausch und von daher auch auf Gemeinschaftlichkeit angewiesen. Es geht gar nicht anders.

Es geht ja hier aber nicht so sehr um die Entwicklung enstprechender Technologien sondern um die Anwendung und Benutzung. Der eine optimiert seine Tageswachheit mit Schlafgadgets, der zweite seine Fitness mit Activity Trackern, der dritte seine Kurzstreckenmobilität mit E-Scootern. Und der vierte stellt eben Autonomie und Selbstbestimmtheit in der Rangfolge ganz nach oben. Und? Schlimm? Natürlich gibt es in modernen Gesellschaften nicht wirklich "Autonomie". Aber die Abhängigkeiten lassen sich minimieren. Oberhalb von nicht hungern und nicht frieren braucht auch der Mensch in der modernen Gesellschaft eigentlich nur sehr wenig. Ein Produkt oder eine Dienstleistung, sei es nun ein E-Tretroller oder ein Facebook-Account ist heutzutage immer ein weiterer Schritt in ein immer dichter werdendes Netz von Abhängigkeiten. Dass die Dinger praktischerseits die viel bessere Alternative zur autogerechten Stadt und zur zeitgeistigen Tendenz nach Riesenfahrzeugen sind steht völlig außer Frage.
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Re: Elektro Tretroller

Beitragvon Selina » Mi 10. Jul 2019, 10:16

schokoschendrezki hat geschrieben:(10 Jul 2019, 09:33)

Da gibts wahrscheinlich gegenseitige Missverständnisse. Natürlich ist "wissenschaftliches und technisches Forschen" auf Austausch und von daher auch auf Gemeinschaftlichkeit angewiesen. Es geht gar nicht anders.

Es geht ja hier aber nicht so sehr um die Entwicklung enstprechender Technologien sondern um die Anwendung und Benutzung. Der eine optimiert seine Tageswachheit mit Schlafgadgets, der zweite seine Fitness mit Activity Trackern, der dritte seine Kurzstreckenmobilität mit E-Scootern. Und der vierte stellt eben Autonomie und Selbstbestimmtheit in der Rangfolge ganz nach oben. Und? Schlimm? Natürlich gibt es in modernen Gesellschaften nicht wirklich "Autonomie". Aber die Abhängigkeiten lassen sich minimieren. Oberhalb von nicht hungern und nicht frieren braucht auch der Mensch in der modernen Gesellschaft eigentlich nur sehr wenig. Ein Produkt oder eine Dienstleistung, sei es nun ein E-Tretroller oder ein Facebook-Account ist heutzutage immer ein weiterer Schritt in ein immer dichter werdendes Netz von Abhängigkeiten. Dass die Dinger praktischerseits die viel bessere Alternative zur autogerechten Stadt und zur zeitgeistigen Tendenz nach Riesenfahrzeugen sind steht völlig außer Frage.


Ja, da hatten wir uns wirklich missverstanden. Denn bestimmte "Gemeinschaftlichkeiten" sind mir ein Graus. Und was die Selbstbestimmtheit anbelangt, ja, die stelle auch ich in der Rangfolge nach ganz weit oben. Das ist auch vernünftig so. Und umweltfreundlicher. In meinen Augen kann eine Reduktion der diversen Schein-Bedürfnisse weitaus fortschrittlicher im Ergebnis sein als das ständige Streben nach den neuesten technischen Entwicklungen. Insofern verhält sich der Dauer-Radfahrer auf alle Fälle fortschrittlicher als der Dauer-SUV-Fahrer. Ob dieser ständig angepriesene Tretroller nun eine gute Alternative ist, kann ich bei dieser Häufung von Unfällen nicht genau einschätzen. Und noch etwas: Wenn es kein Spleen ist, sich von allem und jedem unabhängig zu machen, sondern eine ernsthafte Überlegung, was die Zukunft dieser einen Erde anbelangt, dann kann man solcherart Fortschritt nur begrüßen. Das meine ich hier alles natürlich nur im technischen Sinne. Politisch sieht es noch mal ein wenig anders aus.
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Re: Elektro Tretroller

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 10. Jul 2019, 11:11

Selina hat geschrieben:(10 Jul 2019, 10:16)

Ja, da hatten wir uns wirklich missverstanden. Denn bestimmte "Gemeinschaftlichkeiten" sind mir ein Graus. Und was die Selbstbestimmtheit anbelangt, ja, die stelle auch ich in der Rangfolge nach ganz weit oben. Das ist auch vernünftig so. Und umweltfreundlicher. In meinen Augen kann eine Reduktion der diversen Schein-Bedürfnisse weitaus fortschrittlicher im Ergebnis sein als das ständige Streben nach den neuesten technischen Entwicklungen. Insofern verhält sich der Dauer-Radfahrer auf alle Fälle fortschrittlicher als der Dauer-SUV-Fahrer. Ob dieser ständig angepriesene Tretroller nun eine gute Alternative ist, kann ich bei dieser Häufung von Unfällen nicht genau einschätzen. Und noch etwas: Wenn es kein Spleen ist, sich von allem und jedem unabhängig zu machen, sondern eine ernsthafte Überlegung, was die Zukunft dieser einen Erde anbelangt, dann kann man solcherart Fortschritt nur begrüßen. Das meine ich hier alles natürlich nur im technischen Sinne. Politisch sieht es noch mal ein wenig anders aus.


Natürlich ist es oft auch eine Art Spleen. Eine Abneigung gegen die Ameisenhaftigjkeit menschlichen Tuns. Dass alle machen, was alle machen. Das gibts von den Kynikern im alten Griechenland bis zu Schopenhauer und Nietzsche. Und diese Abneigung kann man zum Beispiel so beschreiben: "Da ist jemand so töricht, zu glauben, dass er den technischen Fortschritt aufhalten kann".

Nichts steht aus meiner Sicht für "Ameisenhaftigkeit" so sehr wie "Autofahren". Auch im eigentlichen, physischen Sinne. In einem öffentlichen Verkehrsmittel kannst Du aufstehen und den Waggon wechseln oder einfach aussteigen und zu Fuß weitergehen. Du bist und bleibst ein freier Mensch. Nicht gekettet an ein Hilfsmittel. Die Frage ist, ob Du "Freiheit" eher darin siehst, zu einer gegebenen Zeit irgendwo zu sein oder eher darin, dein eigenes Ding zu machen.

Der Hype um neue technische Spielzeuge ist eher eine Ameisenhaftigkeit auf der Ebene von Konsumgewohnheiten.

So ein E-Tretroller steht wohl irgendwo dazwischen. Physikalisch verleiht er natürlich sehr wohl so etwas wie Autonomie und Selbstbestimmtheit.

Was das ganze Ökologische anbetrifft. Da unterschätzen wir wohl, mich eingeschlossen, häufig die Komplexität der Auswirkungen. Da sind sehr umfangreiche Rechnungen mit allen möglichen Nebenwirkungen anzustellen.
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Re: Elektro Tretroller

Beitragvon Selina » Mi 10. Jul 2019, 12:02

schokoschendrezki hat geschrieben:(10 Jul 2019, 11:11)

Natürlich ist es oft auch eine Art Spleen. Eine Abneigung gegen die Ameisenhaftigjkeit menschlichen Tuns. Dass alle machen, was alle machen. Das gibts von den Kynikern im alten Griechenland bis zu Schopenhauer und Nietzsche. Und diese Abneigung kann man zum Beispiel so beschreiben: "Da ist jemand so töricht, zu glauben, dass er den technischen Fortschritt aufhalten kann".

Nichts steht aus meiner Sicht für "Ameisenhaftigkeit" so sehr wie "Autofahren". Auch im eigentlichen, physischen Sinne. In einem öffentlichen Verkehrsmittel kannst Du aufstehen und den Waggon wechseln oder einfach aussteigen und zu Fuß weitergehen. Du bist und bleibst ein freier Mensch. Nicht gekettet an ein Hilfsmittel. Die Frage ist, ob Du "Freiheit" eher darin siehst, zu einer gegebenen Zeit irgendwo zu sein oder eher darin, dein eigenes Ding zu machen.

Der Hype um neue technische Spielzeuge ist eher eine Ameisenhaftigkeit auf der Ebene von Konsumgewohnheiten.

So ein E-Tretroller steht wohl irgendwo dazwischen. Physikalisch verleiht er natürlich sehr wohl so etwas wie Autonomie und Selbstbestimmtheit.

Was das ganze Ökologische anbetrifft. Da unterschätzen wir wohl, mich eingeschlossen, häufig die Komplexität der Auswirkungen. Da sind sehr umfangreiche Rechnungen mit allen möglichen Nebenwirkungen anzustellen.


Kenne ich diese "Abneigung gegen Ameisenhaftigkeit". Daher mag ich auch (fast) nie die Filme sehen und die Bücher lesen, die "alle" als "absolute Highlights" und Bestseller bezeichnen. Dieses komische "must have". Es ist manchmal regelrecht ein Kriterium für einen guten Film (also aus meiner Sicht), wenn das Kino nur sehr spärlich besucht ist. Oder wenn er im "Lichtblick" läuft.
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Re: Elektro Tretroller

Beitragvon Ein Terraner » Mi 10. Jul 2019, 12:06

schokoschendrezki hat geschrieben:(10 Jul 2019, 11:11)

Natürlich ist es oft auch eine Art Spleen. Eine Abneigung gegen die Ameisenhaftigjkeit menschlichen Tuns. Dass alle machen, was alle machen. Das gibts von den Kynikern im alten Griechenland bis zu Schopenhauer und Nietzsche. Und diese Abneigung kann man zum Beispiel so beschreiben: "Da ist jemand so töricht, zu glauben, dass er den technischen Fortschritt aufhalten kann".

Nichts steht aus meiner Sicht für "Ameisenhaftigkeit" so sehr wie "Autofahren". Auch im eigentlichen, physischen Sinne. In einem öffentlichen Verkehrsmittel kannst Du aufstehen und den Waggon wechseln oder einfach aussteigen und zu Fuß weitergehen. Du bist und bleibst ein freier Mensch. Nicht gekettet an ein Hilfsmittel. Die Frage ist, ob Du "Freiheit" eher darin siehst, zu einer gegebenen Zeit irgendwo zu sein oder eher darin, dein eigenes Ding zu machen.

Der Hype um neue technische Spielzeuge ist eher eine Ameisenhaftigkeit auf der Ebene von Konsumgewohnheiten.

So ein E-Tretroller steht wohl irgendwo dazwischen. Physikalisch verleiht er natürlich sehr wohl so etwas wie Autonomie und Selbstbestimmtheit.

Was das ganze Ökologische anbetrifft. Da unterschätzen wir wohl, mich eingeschlossen, häufig die Komplexität der Auswirkungen. Da sind sehr umfangreiche Rechnungen mit allen möglichen Nebenwirkungen anzustellen.

Mal eine kurze Zwischenfrage, wie stellst du dir die Stadt der Zukunft vor?
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Re: Elektro Tretroller

Beitragvon schokoschendrezki » Do 11. Jul 2019, 09:29

Ein Terraner hat geschrieben:(10 Jul 2019, 12:06)

Mal eine kurze Zwischenfrage, wie stellst du dir die Stadt der Zukunft vor?

Die Stadt der Zukunft nach meinem Geschmack? Weitgehend autoungerecht jedenfalls und - was Verkehr anbelangt - weitgehend auf öffentlichen Nahverkehr basierend.

Die wahrscheinlich reale Stadt der Zukunft? Zunehmend unlebbar.

Was das Phänomen E-Scooter anbelangt. Irgendwo weiter oben hat jemand sinngemäß geschrieben, er könne das ja mal ausprobieren, und wenns nicht gefällt, kann er das Teil immer noch in die Weser schmeißen. Irgendein Juicer wird es schon herausfischen. Und irgendwann wird man irgendwo in Afrika die noch verwertbaren Bestandteile herausschrauben. So nüchtern muss man das vielleicht sehen.
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Re: Elektro Tretroller

Beitragvon Teeernte » Do 11. Jul 2019, 09:35

schokoschendrezki hat geschrieben:(11 Jul 2019, 09:29)

Die Stadt der Zukunft nach meinem Geschmack? Weitgehend autoungerecht jedenfalls und - was Verkehr anbelangt - weitgehend auf öffentlichen Nahverkehr basierend.

Die wahrscheinlich reale Stadt der Zukunft? Zunehmend unlebbar.

Was das Phänomen E-Scooter anbelangt. Irgendwo weiter oben hat jemand sinngemäß geschrieben, er könne das ja mal ausprobieren, und wenns nicht gefällt, kann er das Teil immer noch in die Weser schmeißen. Irgendein Juicer wird es schon herausfischen. Und irgendwann wird man irgendwo in Afrika die noch verwertbaren Bestandteile herausschrauben. So nüchtern muss man das vielleicht sehen.


Aber ein "langsames" Hooverbord ...wo man Tasche//Koffer//Einkauf mit abstellen kann - sollte denkbar sein... nicht rasend schnell, da ohne HAltegriff - aber der "Rollweg" am Flughafen funktioniert auch so.... Wenn dann alle Bords...auf dem Bordstein gleich schnell sind... geht es nur noch ums abbiegen und anhalten.
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Elektro Tretroller

Beitragvon schokoschendrezki » Do 11. Jul 2019, 09:45

Man sollte sich darüber im Klaren sein, was heute, 2019 "Rückwärtsgewandtheit" bedeutet. Blick zurück auf die 50er bis 70er: Eine deutsche Biedermeier-Nachkriegsgesellschaft, die folgende Ideale hat: Fressen, Einfamilienhaus, großes Auto, viel Zeugs. Ist eine Idee wie etwa "nur 300 Dinge besitzen" rückwärtsgewandt? Ist die Angewohnheit, alle 3 Jahre das eine Technikspielzeug durch das Spielzeug der nächsten Generation auszutauschen mit solchen Ideen vereinbar? Verschiebt sich mit der Sharing-Idee diese viel-zeugs-Ideologie nicht nur vom Individuum auf irgendwelche Gemeinschaften?
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Re: Elektro Tretroller

Beitragvon schokoschendrezki » Do 11. Jul 2019, 09:53

Teeernte hat geschrieben:(11 Jul 2019, 09:35)

Aber ein "langsames" Hooverbord ...wo man Tasche//Koffer//Einkauf mit abstellen kann - sollte denkbar sein... nicht rasend schnell, da ohne HAltegriff - aber der "Rollweg" am Flughafen funktioniert auch so.... Wenn dann alle Bords...auf dem Bordstein gleich schnell sind... geht es nur noch ums abbiegen und anhalten.

Hoverboard. Die Grenze lässt sich klar und eindeutig ziehen: Motorisierter Individualverkehr. Motorisiert und Individual. Beides. Und unabhängig von Größe und Gewicht.
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Re: Elektro Tretroller

Beitragvon Teeernte » Do 11. Jul 2019, 09:57

schokoschendrezki hat geschrieben:(11 Jul 2019, 09:53)

Hoverboard. Die Grenze lässt sich klar und eindeutig ziehen: Motorisierter Individualverkehr. Motorisiert und Individual. Beides. Und unabhängig von Größe und Gewicht.


Ich mein schon eins mit Motor. Stadteinheitlich . Gleich schnell... unabhängig von Größe und Gewicht des Reisenden.
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Elektro Tretroller

Beitragvon schokoschendrezki » Do 11. Jul 2019, 10:30

Teeernte hat geschrieben:(11 Jul 2019, 09:57)

Ich mein schon eins mit Motor. Stadteinheitlich . Gleich schnell... unabhängig von Größe und Gewicht des Reisenden.

Allein "Motor" bzw. das "E-" davor garantiert, dass es eine schnelle Generationenabfolge gibt. Das Modell aus dem Jahr n ist im Jahr n+1 Zeug von gestern. Das ist der Unterschied oder einer der Unterschiede zu nicht E-Tretrollern oder konventionellen Fahrrädern. Es landet alles auf dem Müll (oder in der Spree).
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Re: Elektro Tretroller

Beitragvon Selina » Do 11. Jul 2019, 12:23

schokoschendrezki hat geschrieben:(11 Jul 2019, 09:45)

Man sollte sich darüber im Klaren sein, was heute, 2019 "Rückwärtsgewandtheit" bedeutet. Blick zurück auf die 50er bis 70er: Eine deutsche Biedermeier-Nachkriegsgesellschaft, die folgende Ideale hat: Fressen, Einfamilienhaus, großes Auto, viel Zeugs. Ist eine Idee wie etwa "nur 300 Dinge besitzen" rückwärtsgewandt? Ist die Angewohnheit, alle 3 Jahre das eine Technikspielzeug durch das Spielzeug der nächsten Generation auszutauschen mit solchen Ideen vereinbar? Verschiebt sich mit der Sharing-Idee diese viel-zeugs-Ideologie nicht nur vom Individuum auf irgendwelche Gemeinschaften?


Nur 300 Dinge besitzen? Finde ich spannend. Wird aber sicher nicht zukunftsfähig sein, wie es so schön heißt. Weil es zu wenige mitmachen würden. Ich finde auch nichts Schlimmes daran, dass jeder auch ein paar Dinge besitzt, die in seinen Augen purer Luxus und eigentlich nicht dringend nötig sind. Gerade, wenn man aus sehr ärmlichen Verhältnissen stammt, neigt man dazu, später etwas aufzuholen diesbezüglich. Menschlich ist das total verständlich. Wie gesagt, ein paar solche "Luxus"-Dinge (je nachdem, was jeder darunter versteht) sind in meinen Augen völlig normal. Sie machen das Leben rund. Dagegen würde ich kritikloses Raffen und sinnloses Konsumieren über das normale Maß hinaus als Umwelt schädigend und Horizont verengend bezeichnen. Besitzen um des Besitzes willen. Kaufen, kaufen, kaufen. Immer das Neueste, das Beste, das Teuerste. Nur noch den Konsum im Kopf haben und sich um das Wohlergehen der Mitmenschen nicht scheren. Nicht mehr kommunizieren, nicht mehr lesen, nicht mehr ins Theater und ins Kino gehen, sich nicht mehr mit Freunden treffen, nur noch Gegenstände kaufen, nur noch an Gegenstände denken. Sich mit Dingen völlig zudecken. Als Ventil für fehlende Interessen, fehlende Neugier auf Menschen. Das ist das Pathologische dabei (ohne, dass ich jetzt die spezielle Kaufsucht meine, das ist noch einmal etwas anderes). Mal ganz davon abgesehen, dass das auch wieder ne typisch europäische Mittel- und Wohlstands-Diskussion ist. Von solchen "Sorgen" können Menschen anderer Regionen der Welt nur träumen...

Nur nebenbei: Die Minimalismus-Idee hat auch ihre Grenzen. Da wird vieles zur Marotte, zum Spleen. Weil es viele gerade tun, will man es halt auch tun. Nachdem ich den taz-Text las, habe ich gleich weniger Lust, das auszuprobieren :D
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Re: Elektro Tretroller

Beitragvon firlefanz11 » Do 11. Jul 2019, 15:11

schokoschendrezki hat geschrieben:(11 Jul 2019, 09:29)

Die Stadt der Zukunft nach meinem Geschmack? ... weitgehend auf öffentlichen Nahverkehr basierend.

Wenn wirklich JEDER mit Öffis führe ginge NICHTS mehr! Vööiger Kollaps! Siehe U-Bahn in Berlin wenn mal 3 cm Schnee gefallen sind... :rolleyes:
"Wer hier ist, weil er Hilfe beansprucht, hat eine besondere moralische Verpflichtung, den Helfern nicht das Leben zu zerstören."
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Re: Elektro Tretroller

Beitragvon schokoschendrezki » Do 11. Jul 2019, 15:49

Selina hat geschrieben:(11 Jul 2019, 12:23)

Nur 300 Dinge besitzen? Finde ich spannend. Wird aber sicher nicht zukunftsfähig sein, wie es so schön heißt. Weil es zu wenige mitmachen würden. Ich finde auch nichts Schlimmes daran, dass jeder auch ein paar Dinge besitzt, die in seinen Augen purer Luxus und eigentlich nicht dringend nötig sind. Gerade, wenn man aus sehr ärmlichen Verhältnissen stammt, neigt man dazu, später etwas aufzuholen diesbezüglich. Menschlich ist das total verständlich. Wie gesagt, ein paar solche "Luxus"-Dinge (je nachdem, was jeder darunter versteht) sind in meinen Augen völlig normal. Sie machen das Leben rund. Dagegen würde ich kritikloses Raffen und sinnloses Konsumieren über das normale Maß hinaus als Umwelt schädigend und Horizont verengend bezeichnen. Besitzen um des Besitzes willen. Kaufen, kaufen, kaufen. Immer das Neueste, das Beste, das Teuerste. Nur noch den Konsum im Kopf haben und sich um das Wohlergehen der Mitmenschen nicht scheren. Nicht mehr kommunizieren, nicht mehr lesen, nicht mehr ins Theater und ins Kino gehen, sich nicht mehr mit Freunden treffen, nur noch Gegenstände kaufen, nur noch an Gegenstände denken. Sich mit Dingen völlig zudecken. Als Ventil für fehlende Interessen, fehlende Neugier auf Menschen. Das ist das Pathologische dabei (ohne, dass ich jetzt die spezielle Kaufsucht meine, das ist noch einmal etwas anderes). Mal ganz davon abgesehen, dass das auch wieder ne typisch europäische Mittel- und Wohlstands-Diskussion ist. Von solchen "Sorgen" können Menschen anderer Regionen der Welt nur träumen...

Nur nebenbei: Die Minimalismus-Idee hat auch ihre Grenzen. Da wird vieles zur Marotte, zum Spleen. Weil es viele gerade tun, will man es halt auch tun. Nachdem ich den taz-Text las, habe ich gleich weniger Lust, das auszuprobieren :D


Natürlich ist dieses 300-Dinge-Ding ein Extrembeispiel. Und ich selbst bin Lichtjahre von einem solchen Zustand entfernt. Ich finds aber trotzdem bewundernswert.

Der Punkt zum Thema ist, dass in immer kürzeren Generationenzyklen irgendwelche Gadgets auf den Markt geworfen werden. Zusammen mit den rosa Brillen, die das dann als schöne neue Welt erscheinen lassen.

Eine Mindestvoraussetzung, damit ich das nicht als Schnickschnack ansehe, wäre irgendeine Form von Langlebigkeit. Es ist aber so: Sobald dort Digitaltechnik oder Antriebstechnik verbaut ist, hat es sich mit der Langlebigkeit. Nicht aus technischen Gründen sondern weil Version x.y bereits bei Auslieferung veraltet ist. Weil das Bewerben und Verkaufen von Konsumtechnik nach diesem Grundmodell verläuft. Du musst die neue Version haben! Zur Not wechselt man die Steckernormen und dann kannst du nicht mehr aufladen. Will man nicht vollständig aus der Gesellschaft aussteigen, bleibt nur der konsequente Rückzug auf irgendeine konventionelle Technik, die zumindest in Teilbereichen aus diesen Teufels-Zyklen raus ist. Und das ist im Bereich der individuellen Fortbewegung im Nahbereich nun mal das konventionelle Fahrrad.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt

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