Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

In diesem Forum werden Themen rund um die sozialen Sicherungsysteme diskutiert.
Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Arbeitslosengeld 2 (HartzIV), Rentenversicherung, Sozialgesetzbuch.

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Teeernte
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon Teeernte » Di 18. Aug 2015, 11:31

jorikke » Di 18. Aug 2015, 09:37 hat geschrieben:
Das kann man lernen.
Zu Beginn übt man an Prognosen, die die Vergangenheit betreffen.


Ja Prognosen kann man lernen.....

Die Hohe Noppe der Deutschen Politik >>> so "Beraten" Dass die Bürgerschaft in möglichst kurzer Zeit um das Produkt//Politik des Beraters nicht mher umhin kommt.

Einfachste Sache : Baukosten gering ansetzen - und danach - jetzt haben wir schon ....

Die HOHE NOPPE Politik >> Aus der Familientradition von Kupferkabelherstellern die Verwendung von Glasfaserkabeln als Dienstherr ablehnen !

>> Deshalb liegt in D so wenig Glasfaser. (Bötsch)

Wohnen in Städten schafft grosse Abhängigkeit der Einwohner . Das ist GUT für das Beamtentum >> die oberen Chargen..
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
herbert42
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon herbert42 » Mo 24. Aug 2015, 18:26

'Infi » Mo 12. Aug 2013, 16:46 hat geschrieben:Natürlich macht es überspitzt gesagt ökologisch mehr Sinn, die Menschen so eng wie möglich zusammenzupferchen. (auch wenn du das nicht direkt meintest).

Ich möchte nicht in einer Großstadt wohnen, nur weil das ökologisch mehr Sinn macht oder ökonomisch besser für alle ist. Wohnen und Leben ist irgendwie auch mehr als Berechnung und Kosten/Nutzenkalkulation.


man sollte dabei auch bedenken, daß die Lebenserwartung durch weniger Umweltbelastung auf dem Land höher ist.
Ich bin dagegen in den Städten günstigen Wohnraum zu schaffen.
Sind nicht die Städte schon heute total nicht nur verkehrsmäßig, überlastet?
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon HugoBettauer » Mi 26. Aug 2015, 17:04

herbert42 » Mo 24. Aug 2015, 17:26 hat geschrieben:
man sollte dabei auch bedenken, daß die Lebenserwartung durch weniger Umweltbelastung auf dem Land höher ist.
Ich bin dagegen in den Städten günstigen Wohnraum zu schaffen.
Sind nicht die Städte schon heute total nicht nur verkehrsmäßig, überlastet?
herbert42

Die Menschen wollen Arbeit. Wenn durch die Schaffung von Online-Arbeitsplätzen, bessere Verkehrsmittel und besseren Gütertransport die Menschen kaum mehr in die Stadt müssen, werden auch existenzielle Gründe verschwinden, aus denen Menschen vom Land abhauen.
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon frems » Mi 27. Jan 2016, 09:11

Der Trend setzt sich insb. in Ostdeutschland fort. Die Großstädte halten ihre Bevölkerungszahl konstant oder verzeichnen sogar ein kleines Wachstum. Das liegt bekanntlich nicht an einer hohen Geburtenrate, sondern am Zuzug, insb. aus dem ländlichen Raum. In Altmark, Erzgebirge, Lausitz und Uckermark verzeichnen die Kommunen einen extremen Verlust ihrer Bevölkerung durch den Wegzug nach Jena, Magdeburg, Leipzig, Cottbus und Rostock.

Die Abwanderung aus Ostdeutschland ist vorerst gestoppt. Neben dem Boom von Städten wie Dresden und Potsdam veröden aber ganze Regionen. Einzelne Dörfer werben deshalb um Familien und Flüchtlinge.

http://www.welt.de/politik/deutschland/ ... egion.html
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon NMA » Mi 27. Jan 2016, 09:22

Es wird kein Trend in die totale Entleerung bleiben, sondern ein preisbestimmtes Hin und Her.
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon frems » Mi 27. Jan 2016, 09:32

NMA hat geschrieben:(27 Jan 2016, 09:22)

Es wird kein Trend in die totale Entleerung bleiben, sondern ein preisbestimmtes Hin und Her.

Landwirte werden sicherlich bleiben, sofern sie nicht pleite gehen. Die Urbanisierung ist nun auch kein deutsches Phänomen. Und gemeint ist ja auch nicht der Speckgürtel von Großstädten.
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon NMA » Mi 27. Jan 2016, 09:38

Landwirte und Tourismus werden auch eine schmale Infrastruktur erhalten. Und günstige Preise werden auch Bewohner draußen halten. Vielleicht wird Zuzug ja ein Altersphänomen. Entgegen eines möglichen Alterstarrsinns ist das denkbar. Die Infrastruktur wird nicht zu den Menschen gebracht, sondern die Menschen zur Infrastruktur.

Solange Bäcker und Metzger auch für mich weiterhin zu Fuß erreichbar bleiben, ist alles gut. :D
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon frems » Mi 27. Jan 2016, 09:45

Günstige Preise nützen aber nur etwas, wenn der Arbeitsplatz von dort auch erreichbar ist. Und je größer die Strecken für Pendler werden, desto eher lohnt sich auch ein etwas teurerer Wohnort wieder. Momentan haben auch einige Städte zu viel Infrastruktur.

Gerade in MV gibt's da einige Orte, die vier, fünf Zubringerstraßen haben, die sie sich gar nicht mehr leisten können und ihnen ein, zwei Straßen völlig reichen würden. Aber für den Rück- und Abbau gibt es keine Förderung von Land und Bund, während sich die Gemeinden das nicht selbst leisten können. Da Sanierung auch kaum gefördert wird, machen sie es anders: sie ertüchtigen einzelne Straßen, wodurch der Belag erneuert und die Straße verbreitert wird. Bringt erst einmal eine Verbesserung, aber die Betriebskosten steigen und das Problem wird nur in die Zukunft verlagert (und noch größer). :|
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon H2O » Do 28. Jan 2016, 10:19

@frems:

Ist das Ausbluten des ländlichen Raums nicht eine Folge
der industrialisierten Landwirtschaft, die ihre Produktivität
so erhöht hat, daß sie mit vielleicht 1% der früher in der
Landwirtschaft notwendigen Menschen auskommt? Dann
entfallen ja nicht nur diese Arbeitsplätze, sondern auch alle
zur übrigen Versorgung dieser Menschen notwendigen
Arbeitsplätze in der Verwaltung, der Schulbildung, der Gesund-
heitsversorgung... und... und, selbst in kleineren "Oberzentren".

Mit etwas Phantasie könnte man daran denken, daß dann ein-
same Landwirtschaftszentren ihre lebenswichtige Versorgung
mit Privatflugzeugen sicher stellen müssen. Dazu ist Deutschland
wohl noch zu kleinteilig angelegt... aber werden nicht heute schon
Unfallopfer und lebensgefährlich Verunglückte und Erkrankte mit
Hubschraubern in Krankenhäuser gebracht?

Warum soll also nicht der Tierarzt für Nutztierbestände in Massen-
tierhaltungen so ausgerüstet sein, oder der Notarzt, oder der
Landwirtschaftsmaschinenmechaniker? Und dann kommt vielleicht
tatsächlich die Drohne ins Spiel, die dorthin die Versorgungsgüter
transportiert, weil die Fahrten zum Warenverteilzentrum zu viel
Zeit kosten und Menschen binden...
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon NMA » Di 2. Feb 2016, 11:18

Als Arbeitgeber ist die Landwirtschaft vernächlässigbar. Nicht vergessen werden darf, dass die Landwirtschaft nicht nur die Funktion der Nahrungsmittel-, oder Energieproduktion hat. Nicht nur, aber insbesondere da, wo die Landwirtschaft kleinteilig und diversiv ist, also eher in der Südhälfte Deutschlands, hat die Landwirtschaft auch die Funktion des Landschaftserhalts. Landwirtschaft bedeutet Kulturlandschaftspflege und damit Attraktivität und Fruchtbarkeitserhalt. Ohne traditionelle landschaftliche Nutzung wäre z. B. die Fränkische Schweiz naturgemäß ein einziges Gebüsch.

Ers durch Nutzung wurde daraus eines der schönsten Flecken Deutschlands und ein international bedeutsames, hoch geschätztes El Dorado für Kletterer. Und, das ist vielleicht nicht gleich ganz offensichtlich, aber erst die Forstwirtschaft hat das Vorkommen von Mischwald in ganz Deutschland ausdifferenziert (ja, es gibt auch weite Flächen Monokultur und ja, an die denkt man zuerst) und ein höheres Vorkommen sowie größere Stabilität möglich gemacht. Forstwirtschaft verhinderte das stärkere Ausbreiten des Borkenkäfers (dem es wiederum in den schwachen Monokulturen besonders gut gefallen hat).

Selbst im Norden, mit riesigen schon fast industriell bewirtschafteten Feldern hat die Landwirtschaft mehr Funktion als Nahrungsmittel- und Energieproduzent. Sie erhält die Fruchtbarkeit der Böden. Würde dies wegfallen, hätten wir z. B. im Nordosten schnell die monotone, kaum fruchtbare Sandlandschaft wieder, die bis ins 18. Jahrhundert dominierte. Man darf das Bild einer Landschaft aus der vorindustriellen Zeit nicht romantisch verklären. Im 16.-17. Jahrhundert waren die Baumbestände landesweit auf einem Tiefstniveau. Fast alles abgeholzt. Man musste aus reiner Holzarmut zur nachhaltigen Bewirtschaftung übergehen.
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon Nele28 » Di 2. Feb 2016, 17:56

NMA hat geschrieben:(27 Jan 2016, 09:38)

Landwirte und Tourismus werden auch eine schmale Infrastruktur erhalten. Und günstige Preise werden auch Bewohner draußen halten. Vielleicht wird Zuzug ja ein Altersphänomen. Entgegen eines möglichen Alterstarrsinns ist das denkbar. Die Infrastruktur wird nicht zu den Menschen gebracht, sondern die Menschen zur Infrastruktur.

Solange Bäcker und Metzger auch für mich weiterhin zu Fuß erreichbar bleiben, ist alles gut. :D


Vom Hörensagen weiß ich, dass in unserem 400 Seelen-Ort 2 Lebensmittelgeschäfte mit kleiner Metzgerei, eine Bäckerei, eine Poststelle und 4 gastronomische Betriebe angesiedelt waren. Die sog. Tante-Emma-Läden starben aus, die Kneipen auch.
Die Bürger mußten zum Einkaufen in Zentren auf der "grünen Wiese" fahren. Hin und Zurück sind das heute 30 km.
Die Politiker bedauerten diese Entwicklung unnd versuchten, mit Zuschussprogrammen Tante Emma-Läden zu beleben. Vergebens!
Tatsächlich haben die Bürger diese Entscheidung, die zum Aussterben der kleinen Läden in den Dörfern führten, selbstgetroffen.

Ich weiß nicht, wie die alten Menschen dort, die es gewohnt waren, fast täglich mit dem Einkaufszettel und Einkaufstasche ihre Besorgungen erledigten, dies heute organisieren. Es gibt zwar einen Marktbus, der die Bürger für 1Euro in ein Einkaufszentrum bringt und wieder zurückfährt, aber bei den Sparprogrammen der klammen Kommunen ist dieser Dienstleistung kein langer Erfolg beschieden. Viele alte Dorfbewohner in den ländlichen Strukturen werden entwurzelt und müssen in die Stadtziehen. Ein Trend, bei dem einem nicht wohl ist. Hinzu kommt, dass der gesellschaftliche Gemeinsinn fast zum Erliegen gekommen ist.
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon frems » Di 2. Feb 2016, 18:28

H2O hat geschrieben:(28 Jan 2016, 10:19)
Ist das Ausbluten des ländlichen Raums nicht eine Folge
der industrialisierten Landwirtschaft, die ihre Produktivität
so erhöht hat, daß sie mit vielleicht 1% der früher in der
Landwirtschaft notwendigen Menschen auskommt? Dann
entfallen ja nicht nur diese Arbeitsplätze, sondern auch alle
zur übrigen Versorgung dieser Menschen notwendigen
Arbeitsplätze in der Verwaltung, der Schulbildung, der Gesund-
heitsversorgung... und... und, selbst in kleineren "Oberzentren".

Die Landwirtschaft spielt beim Arbeitsmarkt schon seit einigen Jahrzehnten keine nennenswerte Rolle mehr. Die wenigsten Dorfbewohner sind heute in der Landwirtschaft tätig.

Mit etwas Phantasie könnte man daran denken, daß dann ein-
same Landwirtschaftszentren ihre lebenswichtige Versorgung
mit Privatflugzeugen sicher stellen müssen. Dazu ist Deutschland
wohl noch zu kleinteilig angelegt... aber werden nicht heute schon
Unfallopfer und lebensgefährlich Verunglückte und Erkrankte mit
Hubschraubern in Krankenhäuser gebracht?

Warum soll also nicht der Tierarzt für Nutztierbestände in Massen-
tierhaltungen so ausgerüstet sein, oder der Notarzt, oder der
Landwirtschaftsmaschinenmechaniker? Und dann kommt vielleicht
tatsächlich die Drohne ins Spiel, die dorthin die Versorgungsgüter
transportiert, weil die Fahrten zum Warenverteilzentrum zu viel
Zeit kosten und Menschen binden...

Die Menschen ziehen einfach in Städte. Es spricht ja nichts gegen kreative Lösungen vor Ort, aber das wird flächendeckend nichts bringen. Und selbst wenn alle Orte mit weniger als 100.000 Einwohnern wegbrechen, wird die Versorgung ja noch ausreichend sein. Ist ja nicht so wie in Australien, wo es vier, fünf Millionenstädte gibt, die teilweise mehrere Flugstunden auseinander liegen.
Labskaus!

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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon frems » Di 2. Feb 2016, 18:44

Nele28 hat geschrieben:(02 Feb 2016, 17:56)

Vom Hörensagen weiß ich, dass in unserem 400 Seelen-Ort 2 Lebensmittelgeschäfte mit kleiner Metzgerei, eine Bäckerei, eine Poststelle und 4 gastronomische Betriebe angesiedelt waren. Die sog. Tante-Emma-Läden starben aus, die Kneipen auch.
Die Bürger mußten zum Einkaufen in Zentren auf der "grünen Wiese" fahren. Hin und Zurück sind das heute 30 km.
Die Politiker bedauerten diese Entwicklung unnd versuchten, mit Zuschussprogrammen Tante Emma-Läden zu beleben. Vergebens!
Tatsächlich haben die Bürger diese Entscheidung, die zum Aussterben der kleinen Läden in den Dörfern führten, selbstgetroffen.

Stimmt. Die Bürger mussten nicht in die Zentren fahren, sondern taten es aus Gründen und deshalb gibt's einige Geschäfte nicht mehr.

Ich weiß nicht, wie die alten Menschen dort, die es gewohnt waren, fast täglich mit dem Einkaufszettel und Einkaufstasche ihre Besorgungen erledigten, dies heute organisieren. Es gibt zwar einen Marktbus, der die Bürger für 1Euro in ein Einkaufszentrum bringt und wieder zurückfährt, aber bei den Sparprogrammen der klammen Kommunen ist dieser Dienstleistung kein langer Erfolg beschieden. Viele alte Dorfbewohner in den ländlichen Strukturen werden entwurzelt und müssen in die Stadtziehen. Ein Trend, bei dem einem nicht wohl ist. Hinzu kommt, dass der gesellschaftliche Gemeinsinn fast zum Erliegen gekommen ist.

Wegen letzterem ziehen sie ja in die Städte. Senioren, die bei Kindern oder Altersgenossen sein wollen, young professionals, die lieber mit Gleichgesinnten als willkürlichen Nachbarn zusammen Dinge unternehmen wollen, Migranten, die Menschen mit ähnlichem Hintergrund suchen etc. pp. Dorfnachbarschaften sind häufig verkrampfte Zwangsbeziehungen, weil einfach niemand anderes da ist. Ein gesundes Sozialisieren ist das nicht. (Klar, man kann Glück haben und bei einem privat ist es nicht anders; deshalb bleiben ja auch einige auf dem Land. Aber die Regel ist es nicht, sondern der gegenteilige Trend)
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon H2O » Di 2. Feb 2016, 19:32

frems hat geschrieben:(02 Feb 2016, 18:28)

Die Landwirtschaft spielt beim Arbeitsmarkt schon seit einigen Jahrzehnten keine nennenswerte Rolle mehr. Die wenigsten Dorfbewohner sind heute in der Landwirtschaft tätig.


Die Menschen ziehen einfach in Städte. Es spricht ja nichts gegen kreative Lösungen vor Ort, aber das wird flächendeckend nichts bringen. Und selbst wenn alle Orte mit weniger als 100.000 Einwohnern wegbrechen, wird die Versorgung ja noch ausreichend sein. Ist ja nicht so wie in Australien, wo es vier, fünf Millionenstädte gibt, die teilweise mehrere Flugstunden auseinander liegen.


Ja, die Menschen haben immer weniger
Veranlassung, ihr Leben auf der Landstraße
oder gar Autobahn zu verbringen, um in der
Stadt zu arbeiten und dann weit entfernt
zu wohnen. In meinem Arbeitsleben hatte ich
KollegInnen, die täglich (!) 100 km hin und
zurück pendeln mussten. Wer soll das noch
bezahlen... und die verplemperte Lebenszeit
kommt dazu.

Diese Art zu leben beginnt schon in der Schulzeit;
Schulbus oder Linienbus zur Schule, die Kameraden
über einige Ortschaften verteilt. Vor Ort tote Hose.

Vielleicht erleben wir die letzte Generation, in der
die Aktiven ihre Angehörigen noch versorgen konnten,
weil sie Tür an Tür leben. Ein verlockendes beruf-
liches Angebot, und schon stehen die Alten allein;
schwierig an Güter des täglichen Bedarfs zu kommen.
Arztbesuche, Optiker, Autofahrten im Winter im Mittel-
gebirge oder über die Prairie... auch nicht so einfach
für alte Leute.

Die "ausreichende Versorgung" ist nun einmal nicht
gut. Besonders romantisch ist das Leben neben einem
Großstall für Milchvieh, Geflügel oder Mastvieh auch
nicht mehr. Deshalb meine ich, daß etwas getan werden
muß, um überhaupt die Landwirtschaft auf Dauer noch
in Betrieb zu halten. Vielleicht bieten Länder, wo die
dörfliche Landwirtschaft nie die ganz entscheidende
Rolle gespielt hat, dafür Anschauungsunterricht? Wie sieht
es mit der Landwirtschaft im Mittleren Westen der USA aus,
oder in Australien, oder in Rußland, oder in Argentinien?
Gibt es dort Gemeinsamkeiten, auf die wir uns planerisch
einstellen sollten?
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon frems » Di 2. Feb 2016, 19:54

H2O hat geschrieben:(02 Feb 2016, 19:32)

Ja, die Menschen haben immer weniger
Veranlassung, ihr Leben auf der Landstraße
oder gar Autobahn zu verbringen, um in der
Stadt zu arbeiten und dann weit entfernt
zu wohnen. In meinem Arbeitsleben hatte ich
KollegInnen, die täglich (!) 100 km hin und
zurück pendeln mussten. Wer soll das noch
bezahlen... und die verplemperte Lebenszeit
kommt dazu.

Diese Art zu leben beginnt schon in der Schulzeit;
Schulbus oder Linienbus zur Schule, die Kameraden
über einige Ortschaften verteilt. Vor Ort tote Hose.

Dann zieht man halt um oder nimmt einen weniger lukrativen Job in der eigenen Region an. Ich hab ja schon häufiger hier in Diskussionen eingebracht, dass Leute Wohn- und Mobilitätskosten mal als Einheit begreifen sollten, wenn sie ihre "was kostet mich Wohnort x"-Rechnung aufmachen. Aber das war ein aussichtsloser Kampf.

Vielleicht erleben wir die letzte Generation, in der
die Aktiven ihre Angehörigen noch versorgen konnten,
weil sie Tür an Tür leben. Ein verlockendes beruf-
liches Angebot, und schon stehen die Alten allein;
schwierig an Güter des täglichen Bedarfs zu kommen.
Arztbesuche, Optiker, Autofahrten im Winter im Mittel-
gebirge oder über die Prairie... auch nicht so einfach
für alte Leute.

Also ich kenn einige Personen, die ihre Angehörigen versorgen, regelmäßig besuchen und es an sozialer Infrastruktur und Interaktion nicht mangelt. Die wohnen aber nicht im Outback, sondern Agglomerationen.

Die "ausreichende Versorgung" ist nun einmal nicht
gut. Besonders romantisch ist das Leben neben einem
Großstall für Milchvieh, Geflügel oder Mastvieh auch
nicht mehr. Deshalb meine ich, daß etwas getan werden
muß, um überhaupt die Landwirtschaft auf Dauer noch
in Betrieb zu halten. Vielleicht bieten Länder, wo die
dörfliche Landwirtschaft nie die ganz entscheidende
Rolle gespielt hat, dafür Anschauungsunterricht? Wie sieht
es mit der Landwirtschaft im Mittleren Westen der USA aus,
oder in Australien, oder in Rußland, oder in Argentinien?
Gibt es dort Gemeinsamkeiten, auf die wir uns planerisch
einstellen sollten?

Romantisch war das Landleben noch nie -- außer in der Vorstellung von Städtern, die es nicht kennen und für exotisch halten. Der Förster, der abends mit seinem Hund ein paar Runden dreht und in sein Horn bläst, am besten noch mit lustigen Uniformen. Tatsächlich ist es einfach nur industrielle Waldarbeit. Oder manch ehemaliges Dorfkind, das an die sorgenfreie Jugend aufm Lande zurückdenkt, wo die Eltern die Sorgen trugen. Die Landwirtschaft wird schon halten. Ist ja ein nettes Milliardengeschäft.

In den USA ist die Landwirtschaft noch großteiliger als bei uns. Gespritzte Monokulturen, ökologischer Irrsinn, Profitmaximierung vom feinsten. Also wie hier, nur noch etwas exzessiver aufgrund der verfügbaren Flächen und wenigen Akteure.
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon William » Di 2. Feb 2016, 19:58

H2O hat geschrieben:(02 Feb 2016, 19:32)

.......
Die "ausreichende Versorgung" ist nun einmal nicht
gut.
......


Du bist ein Stadtkind, habe ich recht?
Vom Leben auf dem Land hast du nämlich überhaupt keine Ahnung.
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon Helmuth_123 » Di 2. Feb 2016, 20:08

frems hat geschrieben:(02 Feb 2016, 19:54)

Dann zieht man halt um oder nimmt einen weniger lukrativen Job in der eigenen Region an. Ich hab ja schon häufiger hier in Diskussionen eingebracht, dass Leute Wohn- und Mobilitätskosten mal als Einheit begreifen sollten, wenn sie ihre "was kostet mich Wohnort x"-Rechnung aufmachen. Aber das war ein aussichtsloser Kampf.


Also ich kenn einige Personen, die ihre Angehörigen versorgen, regelmäßig besuchen und es an sozialer Infrastruktur und Interaktion nicht mangelt. Die wohnen aber nicht im Outback, sondern Agglomerationen.


Romantisch war das Landleben noch nie -- außer in der Vorstellung von Städtern, die es nicht kennen und für exotisch halten. Der Förster, der abends mit seinem Hund ein paar Runden dreht und in sein Horn bläst, am besten noch mit lustigen Uniformen. Tatsächlich ist es einfach nur industrielle Waldarbeit. Oder manch ehemaliges Dorfkind, das an die sorgenfreie Jugend aufm Lande zurückdenkt, wo die Eltern die Sorgen trugen. Die Landwirtschaft wird schon halten. Ist ja ein nettes Milliardengeschäft.

In den USA ist die Landwirtschaft noch großteiliger als bei uns. Gespritzte Monokulturen, ökologischer Irrsinn, Profitmaximierung vom feinsten. Also wie hier, nur noch etwas exzessiver aufgrund der verfügbaren Flächen und wenigen Akteure.


In einer Dokumentation zum Thema Wirtschaft in den neuen Bundesländern, wurde auch über die hiesige Landwirtschaft gesprochen. Diese ist demnach produktiver als die in den USA oder Russland. Es ging dabei auch um Hamburger Geschäftsleute, die hier mit Land scheinbar ganz gute Geschäfte machen.
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon frems » Di 2. Feb 2016, 20:10

Helmuth_123 hat geschrieben:(02 Feb 2016, 20:08)

In einer Dokumentation zum Thema Wirtschaft in den neuen Bundesländern, wurde auch über die hiesige Landwirtschaft gesprochen. Diese ist demnach produktiver als die in den USA oder Russland. Es ging dabei auch um Hamburger Geschäftsleute, die hier mit Land scheinbar ganz gute Geschäfte machen.

Über Hamburger Geschäftsleute weiß ich nichts, aber generell ist der Osten produktiv(er) in diesem Bereich, das stimmt. Es gibt mehr Großbetriebe mit entsprechenden Flächen und weniger Klein- bzw. Familienbetriebe mit geerbtem Gut. Zudem kriegt man leichter günstige Arbeiter aus den Ostgebieten. Dürfte sich aber in den nächsten Jahrzehnten anpassen.
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon H2O » Di 2. Feb 2016, 20:14

Also, dann fehlen noch die Vergleiche mit anderen
Ländern ohne unsere mitteleuropäischen Dörfer,
um das Gemeinsame zu erkennen. Wer weiß darüber
etwas? USA: Das glaube ich sofort!

Doch, das Dorfleben war schon sehr angenehm. Ich
kenne das aus den 50er Jahren und Ferien auf dem
Lande bei den Großeltern. Die verlebten dort ihre
Alten Tage; das ging ganz gut, alles Notwendige noch
vor Ort. Kleine Bauern, aber zu Essen und zu Trinken
genug, und für Geräte beim Schmied und etwas Bau-
material reichte es auch. Abends Besuche bei Nachbarn,
nachdem das Vieh versorgt war. Auto gab's nicht; Trecker
übrigens auch nicht. Nur eine Dreschmaschine. Einmal
am Tag ein Bus in die nächste Kleinstadt. Sehr beschei-
denes Leben, aber nicht griesgrämig.

Alles weg, das Dorf und seine Menschen, verstreut in alle
Winde. Das Nachbardorf auch. Die Armut war zu offen-
sichtlich, als die große Motorisierung einsetzte... 60er Jahre.
Heute gibt es dort noch zwei Gehöfte mit sehr viel Land drum
herum.
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Re: Den ländlichen Raum ausbluten lassen?

Beitragvon H2O » Di 2. Feb 2016, 20:16

William hat geschrieben:(02 Feb 2016, 19:58)

Du bist ein Stadtkind, habe ich recht?
Vom Leben auf dem Land hast du nämlich überhaupt keine Ahnung.


Aha! Mag natürlich sein, daß wir in
Deutschland sehr unterschiedliche
Arten des Landlebens kennen...

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