Giftgasangriff in Syrien

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Platon
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon Platon » So 9. Apr 2017, 11:33

Joker hat geschrieben:(09 Apr 2017, 12:07)

Stürzt Assad führt das zu einen Loch das wieder gefüllt wird

Gibt absolut nix das darauf schließen lässt das alles was nach Assad kommen könnte auch nur einen Hauch besser sein könnte

Es geht nicht darum, dass nach Assad jemand Besseres käme, sondern das mit einem Rücktritt Assads überhaupt erst die Möglichkeit zu einem Verhandlungsfrieden entsteht. Weil an den strukturellen Gegebenheiten in Syrien würde sich ja erstmal nichts ändern. Es gibt den Baath-Staat, der von Russen und Iranern an der Macht gehalten wird und es gibt eine Opposition, die von verschiedenen sunnitischen Communities im Land mit Kämpfern ausgerüstet und von ihren ausländischen Verbündeten militärisch, finanziell und politisch unterstützt wird. Nach Assad kommt ein neuer Assad, der von der Persönlichkeit vielleicht etwas anders ist, aber der sich auf die gleichen Säulen der Macht stützen würde. Als da sind Geheimdienste, Militärs, ausländische Unterstützer und die Angst der Bevölkerung vor den Islamisten.

Ein Rücktritt Assads würde es der Opposition erheblich erleichtern einem Frieden zuzustimmen, nachdem die Beseitigung des Baath-Staates von seinen ausländischen Verbündeten verhindert wurde.
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon Joker » So 9. Apr 2017, 11:57

Platon hat geschrieben:(09 Apr 2017, 12:33)

Es geht nicht darum, dass nach Assad jemand Besseres käme, sondern das mit einem Rücktritt Assads überhaupt erst die Möglichkeit zu einem Verhandlungsfrieden entsteht. Weil an den strukturellen Gegebenheiten in Syrien würde sich ja erstmal nichts ändern. Es gibt den Baath-Staat, der von Russen und Iranern an der Macht gehalten wird und es gibt eine Opposition, die von verschiedenen sunnitischen Communities im Land mit Kämpfern ausgerüstet und von ihren ausländischen Verbündeten militärisch, finanziell und politisch unterstützt wird. Nach Assad kommt ein neuer Assad, der von der Persönlichkeit vielleicht etwas anders ist, aber der sich auf die gleichen Säulen der Macht stützen würde. Als da sind Geheimdienste, Militärs, ausländische Unterstützer und die Angst der Bevölkerung vor den Islamisten.

Ein Rücktritt Assads würde es der Opposition erheblich erleichtern einem Frieden zuzustimmen, nachdem die Beseitigung des Baath-Staates von seinen ausländischen Verbündeten verhindert wurde.

Es sind in Syrien aber keine Truppen einer Opposition die wirklich bindende Friedensverhandlungen durchführen könnten


Wer sind denn dort die Köpfe der Opposition ?
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon yogi61 » So 9. Apr 2017, 11:58

Joker hat geschrieben:(09 Apr 2017, 12:57)

Es sind in Syrien aber keine Truppen einer Opposition die wirklich bindende Friedensverhandlungen durchführen könnten


Wer sind denn dort die Köpfe der Opposition ?


Die kennt ja keiner. Man wird schon mit Verbrecherhorden und Islamisten verhandeln müssen.
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon Joker » So 9. Apr 2017, 12:03

Die Formel für Syrien
" Rücktritt Assad= Frieden"

Halte ich ganz grundsätzlich für vollkommen Naiv
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon King Kong 2006 » So 9. Apr 2017, 12:07

Assad wird nur bemüht, weil keiner gerne Tacheles redet. Kommt blöd rüber, siehe der Rücktritt von Bundespräsident Köhler, als er bemerkte, das die Einsätze im Ausland auch etwas mit wirtschaftlicher Sicherheit zu tun hat. Den USA, Russland und Iran geht es um beinharte goestrategische Interessen. Nicht um Assad.

Moskau und Teheran brauchen die Begrifflichkeit Assad, um davon abzulenken. Sie versuchen staatsrechtlich die Intervention zu rechtfertigen. Washington braucht die Begrifflichkeit Assad, um ihre geostrategischen Interessen behaupten zu können. So wie die nicht vorhandenen ABC-Waffen im Irak. Als Argument zur Intervention.

Die drei kämpfen um Ressourcen, Transportwege, politisches Gewicht. Syrien ist ein Baustein dafür in Der Region und die Region global gesehen. Jeder redet lieber um staatsrechtliche Dinge und Menschenrechte, weil es besser klingt. Sonst macht man den Köhler. Wäre ein Novum, wenn es dort bei den Interventionen plötzlich um Menschenrechte gehen würde. Die USA, Russland und der Iran sind dort aus anderen Gründen. Und die nächsten dort, mehr am Rande wie Saudi-Arabien, Türkei und China sind wegen nichts anderem da.

Assad, IS und Co. sind Detailfragen. Und Platzhalter. Die wirkliche Lösung wird wohl bei den größeren Playern zu finden sein....
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon yogi61 » So 9. Apr 2017, 12:10

Joker hat geschrieben:(09 Apr 2017, 13:03)

Die Formel für Syrien
" Rücktritt Assad= Frieden"

Halte ich ganz grundsätzlich für vollkommen Naiv


Frau Merkel hat es doch mehrfach erklärt. Assad weg und dann soll die Bevölkerung eine demokratische Regierung wählen, so wie in Dänemark etwa. :)
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon Platon » So 9. Apr 2017, 12:17

Joker hat geschrieben:(09 Apr 2017, 12:57)

Es sind in Syrien aber keine Truppen einer Opposition die wirklich bindende Friedensverhandlungen durchführen könnten


Wer sind denn dort die Köpfe der Opposition ?

https://en.wikipedia.org/wiki/High_Nego ... _Committee

Dieses Gremium verhandelt für die Opposition. :)
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon Joker » So 9. Apr 2017, 12:22

Platon hat geschrieben:(09 Apr 2017, 13:17)

https://en.wikipedia.org/wiki/High_Nego ... _Committee

Dieses Gremium verhandelt für die Opposition. :)

Also gibt es keine Opposition
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon DarkLightbringer » So 9. Apr 2017, 12:29

Joker hat geschrieben:(09 Apr 2017, 12:07)

Stürzt Assad führt das zu einen Loch das wieder gefüllt wird

Gibt absolut nix das darauf schließen lässt das alles was nach Assad kommen könnte auch nur einen Hauch besser sein könnte

Seit 6 Jahren kommt Assad nach Assad und alles ist schlechter geworden.
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon DarkLightbringer » So 9. Apr 2017, 12:32

yogi61 hat geschrieben:(09 Apr 2017, 12:58)

Die kennt ja keiner. Man wird schon mit Verbrecherhorden und Islamisten verhandeln müssen.

In Genf kennt man die Opposition schon, wie auch das Regime. Wie das in "Bierstadt" aussieht, vermag ich nicht zu beurteilen.
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon Kardux » So 9. Apr 2017, 12:34

King Kong 2006 hat geschrieben: Ich glaube, daß gerade Russland, ob Rücksichtnahme Trumps bei der Zielauswahl oder nicht, den meisten Schaden hat. Putin profitierte stets davon, daß viele glauben, das die russische Präsenz so eine Art Schutz für Assad darstellen würde. Nach dem Motto "seht her, wer ein Freund Russlands ist, ist unantastbar" anders als Mubarak, der Schah, Saddam, usw. die nach politischer Lage fallen gelassen werden. Und der Popanz über die russischen Luftabwehrsysteme. Einmal da, alles klar. Dabei sollte schon bei den israelischen Luftangriffen klar gewesen sein, daß da was nicht stimmt. Erst die Übernahme durch iranische Luftabwehrspezialisten reagierten die syrisch-russischen Systeme auf israelische Luftangriffe. Kurzum, Putin der für viele als "Garant" aufgebaut wurde, ist signifikant beschädigt in der Darstellung. Wie Moskau jetzt auch die Beziehungen zur USA als signifikant beschädigt bezeichnet.


Ich glaube nicht, dass irgendwer an eine Unantastbarkeit Assads glaubt, nur weil die Russen ihre schützende Halt über ihn halten. Schon die Tatsache, dass kleine arabische Golfstaaten wie Katar offen ihre Unterstützung für die syrische Opposition offenbarten, zeigte doch klar das Assad niemals unantastbar war. Und wenn es noch letzte Zweifel daran gab das der russische Vasall Assad nicht unantastbar ist, so war der Abschuss des russischen Jets seitens der Türkei (ja, der Türkei, und nicht der USA) der letzte Beweis dafür. Das waren aber alles nichts weiter als Nadelstiche. Nichtsdestotrotz hat Russland seine Stärke und seinen Willen mit seinem direkten Kriegseintritt (2015) der ganzen Welt offen gelegt. Der direkte Kriegseintritt erfolgte ja als sunnitische "Rebellen" kurz davor standen Damaskus einzunehmen. Die schiitische Hizbollah und weitere schiitische Milizen welche der Iran zur Hilfe sandte (im Jahr 2013) konnten den Vormarsch sunnitischer Terroristen nicht verhindern, dass sollte man auch nicht vergessen. Der IS alleine kontrollierte vor dem Kriegseintritt der Russen mehr als 50% syrischen Territoriums. Die Gebiete waren zwar größtenteils Wüstengebiete, aber darunter befanden sich auch sehr viele strategische Städte. Vor dem direkten Kriegseintritt der Russen sah es schlecht um Assad aus. Heute greift er nach Idlib - das ist eigentlich Wahnsinn. Und wenn die USA weiterhin so agiert wie bisher wird Assad auch Idlib erobern.

Entgegen Ihrer Meinung, glaube ich sehr wohl dass viele Despoten interessiert das russische Vorgehen verfolgt haben und sich Russland anhand der Tatsachen die am Boden geschaffen wurden weltweit Respekt verschafft hat.

Der einzige wirkliche Gesichtsverlust für Russland war der Abschuss ihres Jets - und was hat er letztendlich für Folgen gehabt? Erdogan musste vor Putin kuschen und Aleppo wurde erobert.
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elmore

Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon elmore » So 9. Apr 2017, 12:43

Dieter Winter hat geschrieben:(09 Apr 2017, 08:50)

Kann er aber nicht. Schon deshalb, weil die "freie Welt" daran kein Interesse hat.

Einfach mal 1 und 1 zusammenzählen und auch dem angeblich rein hassgesteuerten syrischen Staatschef zutrauen, dass er das hinbekommt.


Ach so. Und wie deuten Sie dann die Russischen Ablenkungsversuche? - Ebenso die Behauptungen Syriens bzw. Rußlands,
gar nicht im Besitz von Giftgasbomben zu sein? - Ob die "freie Welt" daran kein Interesse hat bzw. vorrangig
die USA weder den Russen noch Assad ihre Propaganda-Märchen abnehmen, ist eine andere Baustelle.
Offenkundig tun sie es nicht und halten Assad für voll verantwortlich.

Aber selbst ihre Reaktionen zeigen doch, wie erfolgreich die übliche Verschleierungs- und Verdrehungstaktik
sowohl Rußlands als auch Syriens schon Erfolg hatte.

Wie man unschwer an den Reaktionen und geäusserten Zweifeln auch international in der Presse
nachlesen kann. Und diese Zweifel bzw. "den Angriff anderen in die Schuhe zu schieben", gelingt
umso mehr, als man ja weiss, wie sehr gerade die USA und auch genauso GB damals
hinsichtlich der Massenvernichtungswaffen im Irak gelogen und betrogen hatten, die US-Regierung und ganz besonders
der damalige Aussenminister der USA, Powell, bewusst die Weltöffentlichkeit belogen…

Und leider ist in der aktuellen Situation der neue Präsident Trump kein Hort der Verläßlichkeit oder des Vertrauens,
dessen Aussagen man so ohne weiteres trauen könnte.

Es ist also im Prinzip propagandistisch alles angerichtet, um die Fakten zu verdrehen…

Und ja, ich halte Assad für eine ganz besonders klinische Hass- und Schlachterscheinung am
internationalen Politfirmament. Der Apfel fällt bekanntlich meist nicht sehr weit vom Stamm.
Der Mann geht genauso über jeder Giftgasleiche wie vormals Saddam Hussein im Krieg gegen den
Iran. Die Skrupellosigkeit, politische Gegner mit allen Mitteln zu vernichten, wenn es dem eigenen
Machterhalt nützt, ist offenkundig.

Von mir aus können Sie ja Assad für "völlig normal" halten. Ich tue es jedenfalls nicht.
Assad ist und bleibt der Ausgangspunkt dieses unsäglichen Krieges und seiner unfassbaren,
nicht mehr enden wollenden Spirale von Gewalt, Tod und Kriegsverbrechen in Serie.

---
Man wird abwarten müssen, wieweit die USA den noch vor kurzem verlautbarten Kurs,
ggf. mit dem politischen Verbrecher Assad leben zu können, nun doch abweichen,
wie die neuesten Verlautbarungen des Weissen Hauses vermuten lassen,
"es könne keine Lösung mit Assad geben".

Wiedermal eine 180°-Kehrtwende der US-Syrienpolitik. Wieweit das ernst zu nehmen ist,
oder doch nur der schon sattsam bekannten Sprunghaftigkeit des neuen US-Präsidenten Trump
geschuldet ist, die heute "so" sagt und morgen "genau anders herum" … je nachdem, ob gerade
Dienstag, Donnerstag oder Sonntag ist oder ihn auch zu viel Hafer im Frühstücksmüsli sticht…

Möglich ist immerhin auch, dass die durchaus erfahrenen Militärs im nationalen Sicherheitsrat
und im Pentagon den Herrn Präsidenten doch noch zu einer berechenbaren Linie und Haltung
bezüglich Syrien bringen…

Insgesamt muß man zweifellos konstatieren, dass es in den letzten Jahren (seit 9/11)
keine planvolle und mit klaren Konzepten ausgearbeitete Aussen- bzw. internationale
Krisenpolitik gab. Es herrscht nachwievor das Prinzip, erst mal schießen und bomben,
und dann gucken, wie sich danach die verbrannte Erde entwickelt …wie man
zerschossene und zerstückelte, politisch in völliges Chaos versunkene
Länder und Regionen dann wieder in Ordnung bringen kann…

Ich glaube, die USA haben immer noch nicht begriffen, wie die arabische (besser die tief glaubensgespaltene) Machoseele tickt:
Sich nämlich wegen jedem Fliegenschiss jederzeit an die Gurgel zu gehen, und zwar
so nachhaltig und selbstzerstörerisch, dass man nur noch von einem klinischen Vorfall reden kann.
Solange die Menschen dort in dieser Region des nahen und mittleren Ostens (incl. Iran)
Sonnenkönige und fanatisierte Fundamentalisten als Landesführer akzeptieren, wird
es weiterhin - wie seit Jahrhunderten - den Streit geben. Genährt durch die zerstörerische
Kraft eines internen Glaubenskrieges innerhalb des Islam, der sich wundervoll für Tod,
Unterdrückung, Zerstörung und Krieg instrumentalisieren und missbrauchen lässt.

Man sollte auch nicht vergessen, dass der Islam ca. 750 Jahre jünger als das Christentum ist…
und die sog. christlich-abendländische Glaubensregion des Christentums einen
Jahrhunderte dauernden inneren Kampf mit dem christlichen Glauben und dessen
weltlichen Machtansprüchen auszufechten hatte, bis letztlich säkulare Macht die
Oberhand über den Fundamentalismus gewann. Es kostete unsäglich grausame,
irrsinnige Kriege und Verwerfungen, zig-millionenfachen Tod.

Es wird leider noch dauern, bis der innere Glaubenskrieg des Islam und das Ringen um
die Oberhand politischer Macht neue Fakten schaffen können, die dem Frieden eine
Chance geben können. Bis dahin kann man nur hoffen…

Jedenfalls ist aktuell keine Bereitschaft oder ernsthaftes Bemühen von arabischer/iranischer
Seite und den betreffenden Machthabern erkennbar, wirklich Frieden zu wollen und ein Ende
von Mord- und Todschlag. Man bringt sich eben lieber gegenseitig um und möglichst viele
andere dazu...
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon King Kong 2006 » So 9. Apr 2017, 13:23

Kardux hat geschrieben:(09 Apr 2017, 13:34)

Ich glaube nicht, dass irgendwer an eine Unantastbarkeit Assads glaubt, nur weil die Russen ihre schützende Halt über ihn halten. Schon die Tatsache, dass kleine arabische Golfstaaten wie Katar offen ihre Unterstützung für die syrische Opposition offenbarten, zeigte doch klar das Assad niemals unantastbar war. Und wenn es noch letzte Zweifel daran gab das der russische Vasall Assad nicht unantastbar ist, so war der Abschuss des russischen Jets seitens der Türkei (ja, der Türkei, und nicht der USA) der letzte Beweis dafür. Das waren aber alles nichts weiter als Nadelstiche. Nichtsdestotrotz hat Russland seine Stärke und seinen Willen mit seinem direkten Kriegseintritt (2015) der ganzen Welt offen gelegt. Der direkte Kriegseintritt erfolgte ja als sunnitische "Rebellen" kurz davor standen Damaskus einzunehmen. Die schiitische Hizbollah und weitere schiitische Milizen welche der Iran zur Hilfe sandte (im Jahr 2013) konnten den Vormarsch sunnitischer Terroristen nicht verhindern, dass sollte man auch nicht vergessen. Der IS alleine kontrollierte vor dem Kriegseintritt der Russen mehr als 50% syrischen Territoriums. Die Gebiete waren zwar größtenteils Wüstengebiete, aber darunter befanden sich auch sehr viele strategische Städte. Vor dem direkten Kriegseintritt der Russen sah es schlecht um Assad aus. Heute greift er nach Idlib - das ist eigentlich Wahnsinn. Und wenn die USA weiterhin so agiert wie bisher wird Assad auch Idlib erobern.

Entgegen Ihrer Meinung, glaube ich sehr wohl dass viele Despoten interessiert das russische Vorgehen verfolgt haben und sich Russland anhand der Tatsachen die am Boden geschaffen wurden weltweit Respekt verschafft hat.

Der einzige wirkliche Gesichtsverlust für Russland war der Abschuss ihres Jets - und was hat er letztendlich für Folgen gehabt? Erdogan musste vor Putin kuschen und Aleppo wurde erobert.


Ich glaube auch, das alle wissen, das Assad ersetzbar ist. Mir ging es nur um die öffentliche Debatte. Diese erzeugt ein Bild, das Assad eine Bedeutung zumisst, die er nicht hat. Es geht um strategische Interessen größerer Mächte.

Auch will ja wie erwähnt Russland als Garant in unsicheren Zeiten erscheinen. Das ist jetzt erschüttert. Auch, wenn es ein symbolischer Luftschlag war, Moskau sagte nein und konnte die USA nicht abwehren. Auch die ständigen Luftangriffe Israels zeigen, das Moskau keinen wirklichen Schutz bieten kann/will. Das wird einige misstrauisch machen. Als zuletzt nach behaupteter Intervention Irans bei der Luftabwehr erstmalig seit Jahren Mal eine Rakete daraufhin gestartet werden konnte und Israel das erste Mal richtig erbost war, werden sich auch einige fragen, wie weit der Schutz Russlands geht. Aber das ist Realpolitik.
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon DarkLightbringer » So 9. Apr 2017, 13:35

US-Botschafterin Haley hat erklärt, auf ein weiteres Handeln vorbereitet zu sein. Man werde dem Einsatz von Chemiewaffen nicht tatenlos zusehen.
Denke, das ist deutlich.
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon Teeernte » So 9. Apr 2017, 15:07

DarkLightbringer hat geschrieben:(09 Apr 2017, 14:35)

US-Botschafterin Haley hat erklärt, auf ein weiteres Handeln vorbereitet zu sein. Man werde dem Einsatz von Chemiewaffen nicht tatenlos zusehen.
Denke, das ist deutlich.



....ein unabhängiger Bericht ...

http://www.heute.de/streit-ueber-giftga ... 24556.html
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon Frank_Stein » So 9. Apr 2017, 15:55

DarkLightbringer hat geschrieben:(09 Apr 2017, 14:35)

US-Botschafterin Haley hat erklärt, auf ein weiteres Handeln vorbereitet zu sein. Man werde dem Einsatz von Chemiewaffen nicht tatenlos zusehen.
Denke, das ist deutlich.



das erinnert alles an GoT
und ich hoffe sehr, dass das nun die letzte Staffel ist und die
Serie endlich endet

es gab schon genug Tote und zu viel Zerstörung Jahrtausende alter Kulturgüter
Wer die Rente für die Zukunft sicherer machen will, investiert heute mehr in Kindergärten und Schulen.
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon DarkLightbringer » So 9. Apr 2017, 16:02

Teeernte hat geschrieben:(09 Apr 2017, 16:07)

....ein unabhängiger Bericht ...

http://www.heute.de/streit-ueber-giftga ... 24556.html

Die Propaganda geht immer in diese Richtung. Die schnelle Antwort war insofern überraschend und schreibt die Spielregeln neu.
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon DarkLightbringer » So 9. Apr 2017, 16:10

theo hat geschrieben:(09 Apr 2017, 16:55)

das erinnert alles an GoT
und ich hoffe sehr, dass das nun die letzte Staffel ist und die
Serie endlich endet

es gab schon genug Tote und zu viel Zerstörung Jahrtausende alter Kulturgüter

GoT geht zu Ende, "Game of Syria" noch nicht.

Aber um aus dem "Lied von Eis und Feuer" zu zitieren: "Wir alle müssen eine Wahl treffen (...) Mann oder Frau, jung oder alt, Lord oder Bauer, wir alle stehen vor der gleichen Wahl. (...) Wir wählen das Licht oder die Dunkelheit. Wir wählen das Gute oder das Böse."
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon Ammianus » So 9. Apr 2017, 16:50

DarkLightbringer hat geschrieben:(09 Apr 2017, 17:10)

GoT geht zu Ende, "Game of Syria" noch nicht.

Aber um aus dem "Lied von Eis und Feuer" zu zitieren: "Wir alle müssen eine Wahl treffen (...) Mann oder Frau, jung oder alt, Lord oder Bauer, wir alle stehen vor der gleichen Wahl. (...) Wir wählen das Licht oder die Dunkelheit. Wir wählen das Gute oder das Böse."


Der Hund würde sagen: "Scheiß auf das Gute. Scheiß auf das Böse".
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Re: Giftgasangriff in Syrien

Beitragvon Frank_Stein » So 9. Apr 2017, 16:56

DarkLightbringer hat geschrieben:(09 Apr 2017, 17:10)

GoT geht zu Ende, "Game of Syria" noch nicht.

Aber um aus dem "Lied von Eis und Feuer" zu zitieren: "Wir alle müssen eine Wahl treffen (...) Mann oder Frau, jung oder alt, Lord oder Bauer, wir alle stehen vor der gleichen Wahl. (...) Wir wählen das Licht oder die Dunkelheit. Wir wählen das Gute oder das Böse."



wenn man bei GoT eines gelernt hat dann, dass die Grenzen zwischen Gut und Böse verwischen

es gibt unterschiedliche Ziele und Interessen, die jeweils mit einer brutalen Rücksichtslosigkeit verfolgt werden - von verschiedenen Seiten
und manches ist nicht so klar, wie es anfangs den Anschein hat
Zuletzt geändert von Frank_Stein am So 9. Apr 2017, 17:08, insgesamt 1-mal geändert.
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