IS vs AQ oder der globale Bürgerkrieg der Jihadisten

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Platon
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IS vs AQ oder der globale Bürgerkrieg der Jihadisten

Beitragvon Platon » Fr 14. Aug 2015, 00:15

Liebe Userinnen und User

Die Ausrufung des Kalifats durch den Islamischen Staat hatte sich im Sommer 2014 eine Alternative im radikal-jihadistischen Lager zu al Qaida etabliert. Seither gibt es in vielen Gebieten in denen militante Gruppen aktiv sind, sowohl solche die al Qaida, d.h. Ayman al Zawahiri und solche die sich dem Islamischen Staat, d.h. Abu Bakr al Bagdadi den Gefolgschaftseid (Ba’ia) geleistet haben.
Da mich das Thema interessiert, zunächst ein historischer Abriss, wie es zur Entstehung dieses Konflikts kam. :)

Entstehung von Salafi-Jihadistischen Gruppen

Seit den 1980er Jahren haben sich in der islamischen Welt neu entstehende militante Gruppen den islamistischen Lager zugerechnet. Dabei gibt es zwei große Hauptrichtungen, die der Muslimbrüder und die der Salafisten. Die Muslimbrüder sind eine sozial-politische Bewegung, die in Ägypten in den 1920er Jahren entstanden ist und eine islamische Alternative zur säkularen Gesellschaft und Politik bieten will und erst einmal ganz abstrakt eine Islamisierung von Individuum, Politik und Gesellschaft vorantreiben will. Im Kern ist es aber eine konservativ-islamische soziale Bewegung.
Die Salafisten sind hingegen eine Islamische Reformbewegung, welche den Islam und alle Muslime reformieren will. Das heißt sie wollen das durchsetzen was Muhammad Abd Al Wahab den tauhīd al-ulūhīya genannt hat, d.h. jede Verehrung soll nur Gott gelten und alle Mittler, Fürsprecher oder ähnliches muss abgeschafft werden. Gemeint sind damit z.B. Orte an denen man Imame, Sufi-Scheichs verehrt oder Kultstätten vorislamischer Religionen. Dazu gibt es noch ein paar weitere Eigenheiten, die würden jetzt aber zu weit führen.
Das Endziel ist in beiden Fällen ein Islamischer Staat in dem die eigene Version des Islams herrscht, wobei die Muslimbrüder theologisch und allgemein etwas flexibler sind und vielen Dingen, wie z.B. demokratischen Wahlen, weitaus offener gegenüber stehen, solange es nur glaubhaft als genuin islamisch begründet werden kann. Das ganze vermischt man in beiden Fällen mit anti-kolonialem Gedankengut, welches von praktisch allen Ideologien der Region geteilt wird. Begründet wird es häufig damit, dass es vor allem ausländische Mächte sind, welche die Errichtung der islamischen Ordnung entgegen stehen. Die Menschen wollen ja Islam, mit denen man sie beglücken will bzw. sie sollen ihn wollen, damit sie ins Paradies kommen können. Es gibt dann ebenfalls in beiden Fällen die Möglichkeit dieses Ziel durch apolitische Mission und soziale Arbeit, durch die Teilnahme an politischen Prozessen wie z.B. demokratischen Wahlen, oder durch den bewaffneten Kampf - d.h. Jihad - zu erreichen. Der Jihad ist also nur ein Weg das Ziel der Reislamisierung der Muslime, der islamischen Gesellschaften, der islamischen Welt zu erreichen.

Die Salafisten waren lange Zeit ausschließlich unpolitisch, sie hatten durch ihr Bündnis mit der Saud-Familie ihren Staat Saudi-Arabien bekommen, in dem sie dann in der religiösen Bürokratie den Ton angaben, dafür den Saudis die politische Herrschaft zusprachen. Ein Aufstand gegen die herrschende Ordnung der Sauds glich einer Selbstmordaktion, da es ja immer eine ziemlich schlechte Idee ist, an dem Ast zu sägen auf dem man sitzt. Also beschränkte man sich auf die Mission, die durch die Petrodollars, die seit der Ölkrise 1973 astronomische Mengen annahmen, zu einer echten salafistischen Weltmission wurden. Vor allem die Islamische Weltliga und damit verbundene Hilfsorganisationen waren hier die Hauptakteure. Es entwickelte sich dann auch eine internationalisierte Version des Wahabismus, die Salafisten, wo da jetzt die Unterschiede sind, würde hier aber zu weit führen. Die politische Situation unter Nasser in Ägypten und die zeitweils äußerst brutale Verfolgung der Muslimbrüder in den 1960er und 1970ern führte zu Migration vieler ihrer Mitglieder nach Saudi Arabien. Dort wurden sie z.B. im Bildungssystem beschäftigt, wodurch sie Gelegenheit erhielten viele Saudis mit ihren politischen Ideen bekannt zu machen. Ein prominentes Beispiel ist der Bruder des bekannten Sayyid Qutb Mohammed Qutb, der die Ideen seines Bruders zu den Salafisten brachte. Das Ergebnis dieses Zusammenkommens politischer Ideen von Muslimbrüdern und des Reformeifers der Salafisten war eine Politisierung und später dann Militarisierung eines Teils der Salafistischen Reformbewegung einerseits und eine Salafisierung einiger Muslimbrüder andererseits, die allerdings mehrheitlich der Gewalt abgeschworen hatten. Auch die Wahabiten und Salafisten sind in ihrer überwiegenden Mehrheit in der Mission aktiv und gehören keiner gewaltbereiten Gruppe an. Als dann Nasser im 6-Tage-Krieg besiegt, die panarabische und sozialistische Ideologie an Anziehungskraft verlor und eine allgemeine Hinwendung zur Religion hoffähig wurde, war der Weg frei für islamistische Gruppen, verschiedenster Machart.

Der Stern militanter Gruppen mit salafistischer Ideologie begann weiter zu steigen, als die Saudis bemerkten, dass sie diese Leute als eine Art fromme Fremdenlegion einsetzen konnten. Ganz prominent natürlich in Afghanistan, als Abdallah Azzam zahlreiche Araber dazu rekrutierte, in den Kampf gegen die Sowjets zu ziehen. Und seitdem werden immer wieder Gruppen gefördert, zumeist von Stiftungen und Privatpersonen. Wer da wem Geld gibt ist für den neutralen Beobachter zumeist nicht zu ermitteln. Zumeist als Instrument saudischer Außenpolitik, wie jetzt in Syrien, oder für eine Art jihadistische Weltmission. Weil natürlich erwartet man von diesen Gruppen, dass sie zum einen einen legitimen islamistischen Gegner haben, also ein säkularer Herrscher, Israel oder ein Verbündeter Irans. Und das sie in den von ihnen eroberten Gebieten die salafistische Doktrin durchsetzen und Anlagen, die vom tauhīd al-ulūhīya ablenken, zerstören. Das nennen sie dann Scharia wieder einführen.

Entstehung von al Qaida

Das Hauptproblem mit diesen Gruppen ist, neben der falschen Ideologie, der Brutalität und dem anti-kulturellen Eifer, dass die Saudis ihre Leute nicht im Griff haben. Denn bin Laden, der mit seinem Geld in den 1990ern eine Gruppe alter Afghanistan-Veteranen um sich scharte, wurde erst wirklich zum Problem als er sich 1990 mit den Saudis überwarf, die lieber Hunderttausende US-Soldaten, auf die arabische Halbinsel holten, als ihn und seine Mujahedin Kuwait befreien zu lassen. Also die fromme Fremdenlegion das tun zu lassen, was sie immer tun sollten, „den Islam“ d.h. saudische Interessen im Ausland zu verteidigen. Bin Laden war nicht allein mit seiner Kritik. Denn es gab eine Reihe von wahabitischen Gelehrten die die Aktion der Saudis Ungläubige, und dann auch noch Frauen, ins Land zu lassen hart kritisierten. (Sahwa (Saudi-Arabien)) Im Ergebnis fanden sich die Kritiker im Gefängnis wieder, bin Laden verlor seine saudische Staatsbürgerschaft und erklärte 1998 den Garanten der Herrschaft der Saudi-Familie: den USA den Krieg, weil diese in die islamische Welt eingefallen und anti-islamische Diktatoren wie die Saudis unterstützten und an der Macht hielten. Es folgten Anschläge auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania 1998, der Anschlag auf die USS Cole 2000, und 2001 schließlich 9/11.

Daraufhin wurden die Taliban, welche Bin Laden und seinen Mannen in Afghanistan Unterschlupf gegeben hatten, von der Macht entfernt, es gelang jedoch sich nach Pakistan ins Grenzgebiet zu retten. Von dort etablierte sich bin Laden als Kopf eines Internationalen Netzwerks, d.h. alle möglichen salafistischen Jihad-Gruppen schlossen sich seinem Kampf an. Darüber hinaus schickte er selbst die Mitglieder seiner Organisation aus Saudi Arabien in sein Heimatland, wo sie einige Anschläge verübten, allerdings schnell aufgerieben wurden. Nicht zuletzt, weil die Gelehrten der Sahwa-Bewegung auf die bin Laden sich dereinst in seiner Kritik am saudischen Königshaus berufen hatte, sich offen gegen ihn aussprachen und ihm daher die soziale Basis entzogen. (Beispiel) Die AQ-Mitglieder die überlebten, zogen dann weiter und bildeten einen al Qaida-Ableger im Jemen, welches als Rückzugsraum diente und Anschläge im Westen organisierte. Dazu gibt es eine Reihe weiterer Gruppen die sich al Qaida direkt anschlossen oder zumindest als al Qaida irgendwie verbunden angesehen werden. Die Prominentesten:
Al Qaida im Islamischen Maghreb (d.h. Algerien und umliegende Sahara-Gebiete)
Al Shabab in Somalia.
Islamisches Emirat im Kaukasus
Al Qaida im Irak (heute der Islamische Staat)
Inwiefern Boko Haram Verbindungen zu al Qaida hat, weiß ich jetzt nichts genaues.

Die Taliban sind übrigens kein Teil von al Qaida, sondern umgekehrt. Bin Laden und Zawahiri hatten Mullah Omar die Gefolgschaft geschworen, ist er doch ihr Gastgeber. Ganz aktuell hat Zawahiri dem neuen Anführer der Taliban die Bai’a geleistet. Die Nachricht vom Tod Mullah Omars ging ja erst kürzlich durch die Medienlandschaft und es wurde mit Mullah Akhter Mansour ein neuer Chef gewählt.

Die so genannte Kern Al Qaida war nach 9/11 vor allem der ideologischer Kopf und Aushängeschild dieser Gruppen bzw. des "AQ-Netwerks", d.h. bin Laden, nach dessen Tod Zawahiri. Sie hielten bzw. im Falle von Zawahiri halten sie sich in Pakistan auf und standen und stehen in Kontakt mit all diesen Gruppen. Die Frage ist natürlich wie weit dieser Treueeid wirklich Bedeutung hatte oder ob die verschiedenen Gruppen nicht in erster Linie selbstständig handeln. Denn es kommt durchaus auch zu Meinungsverschiedenheite. Denn Zawahiri sieht auch nach dem Tod bin Ladens in den USA den Hauptfeind und nicht z.B. den Iran und den schiitischen Einfluss. Die USA haben in den letzten Jahren sehr erfolgreich versucht die Veteranen von Kern al Qaida anzugreifen und sehr viele sind getötet worden. Am prominentesten natürlich die gezielte Tötung von Bin Laden. Hierdurch konnte Kern al Qaida kaum noch viel mehr machen, als hin und wieder eine Erklärung rauszugeben. Wirklich aktiv wurden die Ableger, im Westen vor allem Al Qaida im Jemen, zu dem viele Lone Wolf-Terroristen im Westen Kontakte hatten. Auch die Paketbomben kamen aus dem Jemen.

Wie man sich die Rolle von Kern al Qaida vorzustellen hat sieht man an folgender englisch-sprachiger Publikation von Zawahiri:
General Guidelines for Jihad - Shaikh Ayman al Zawahiri (das ist keine AQ-nahe Seite sondern von einem westlichen Kommentator, der Quellen sammelt)

Entstehung des IS

Die Wurzeln des IS ist die jihadistische Gruppe um Abu Musab az Zarqawi. Dieser wurde in der berühmten Rede von Colin Powell vor dem UN-Sicherheitsrat, in der er den Irak Krieg 2003 zu rechtfertigen versuchte, als Bindeglied zwischen Saddam Hussein und al Qaida genannt und wurde dadurch schlagartig bekannt. Er gehörte zwar dem Salafistisch-Jihadistischen Millieu an, hatte sich aber zunächst nicht der Gruppe von Bin Laden angeschlossen. Er führte ab 2003 dann eine sunnitische Gruppe an, die gegen die USA einen Guerilla-Krieg führte und vor allem durch blutige Anschläge gegen Schiiten und Zivilisten bekannt wurde. Man rechtfertigte das damit, es handele sich um Abtrünnige, weil sie der Zentralregierung in Bagdad helfen bzw. weil sie Schiiten seien. Er leistete 2004 schließlich al Qaida die Gefolgschaft und nannte sich seitdem „Al Qaida im Zweistromland“, welche mit der Zeit zur stärksten Organisation im sunnitischen Bürgerkrieg aufstieg und sich 2006 in den Islamischen Staat Irak umbenannte.
Es kam seit jeher zu Streitigkeiten mit Kern Al Qaida über die Frage ob es jetzt wirklich notwendig ist so viele Schiiten und Zivilisten zu töten. Zawahiri, wie bin Laden vor ihm, kritisierte dies und meinte man dürfe Schiiten nicht töten, weil sie Schiiten seien, zumindest nicht solange man sie nicht angemessen zum korrekten Islam eingeladen und über ihn unterrichtet habe. Da man nicht sicher sein kann, dass diese Vorbedingung erfüllt ist, sollte man von willkürlichen Anschlägen gegen Zivilisten absehen. Man muss wohl Salafist sein um auf so ein Argument zu kommen, wenn man begründen will, warum man keinen Massenmord an Unschuldigen verüben sollte. Es gab jedenfalls seit jeher Spannungen zwischen der Organisation im Irak und der Zentrale in Pakistan.


Der Konflikt IS vs al Qaida

In den Jahren 2013 und 2014, also nach dem Tod von Bin Laden einerseits und Zarqawi andererseits, eskalierte der Streit schließlich. Nachdem man 2007 durch ein Bündnis sunnitischer Stämme und der US-Armee geschlagen wurde, und man nur noch ein Schatten einstiger Größe war, übernahm 2010 der spätere „Kalif“ Abu Bakr al Bagdadi die Führung der Organisation. Gegen Ende 2011 begann der Bürgerkrieg in Syrien richtig Fahrt aufzunehmen und auch im Irak bildete sich eine sunnitische Protestbewegung, da die Sunniten nach dem Abzug der USA aus dem Irak aus dem politischen System rausgedrängt wurden. Die Protestbewegung wurde niedergeschlagen, der ISI erstarkte aufs Neue und expandierte nach Syrien, wo mit al Nusra ein Ableger der Organisation gegründet wurde. Es folgte ein denkwürdiger Aufstieg der Gruppe und als Bagdadi 2013/2014 versuchte die Gruppe unter dem neuen Namen ISIS (Islamischer Staat in Irak und Syrien bzw. ISIL Islamic State in Iraq and the Levante) in seine Hauptgruppe einzugliedern, widersetzte sich der Führer von al Nusra al Julani und wollte sich nicht so einfach der irakischen Organisation unterordnen. Kern-al Qaida, d.h. Ayman al Zawahiri, erklärte daraufhin, dass al Nusra für Syrien und die Bagdadi-Gruppe für den Irak zuständig sei und beide Organisationen nicht vereinigt werden sollten. Das akzeptierte Bagdadi jedoch nicht.
Am Ende, d.h. in der ersten Jahreshälfte von 2014, kam es zum offenen Bruch zwischen Zawahiri und ISIS, begleitet vom Beginn des Krieges zwischen syrischen Rebellen und ISIS. Teile von al Nusra unter Julani schlossen sich dabei den anderen Rebellen an und beide Seiten teilten sich die Rebellenterritorien unter sich auf. Als im Irak dann auch noch die irakische Armee auseinanderfiel und ISIS weite Teile des Irak eroberte, hatte man eine Herrschaft von Aleppo bis Bagdad etabliert und rief am 29. Juni 2014 das Kalifat aus.

Vor allem letzteres war ein ziemlicher Coup mit dem man die anderen jihadistischen Gruppen, allen voran al Qaida ordentlich überrumpelt hatte. Man hatte eine weitreichende Herrschaft von Aleppo bis Bagdad etabliert und darin die Salafi-Scharia eingeführt, man eroberte immer neue Territorien und hatte sogar das 1924 abgeschaffte Kalifat erneut ausgerufen. Während andere Gruppen froh sind, wenn sie ein paar Dörfer halten können herrscht der Islamische Staat über eine Großstadt wie Mossul und Raqqah, in dem man das eigene Hauptquartier aufschlug, hatte vor dem Krieg auch immerhin 200 000 Einwohner. Damit hatte man sich als Spitze der salafistisch-jihadistischen Bewegung etabliert und al Qaida um Zawahiri offen herausgefordert.

Denn man erhebt den Anspruch den eigenen wahren Islam in die ganze Welt zu tragen. Wie man sich das so vorstellt hatte man ja durch eine Karte recht deutlich gemacht.

Und ähnlich wie sich eine Reihe von Gruppen nach 9/11 der al Qaida Kernorganisation angeschlossen haben, haben sich eine Reihe von Gruppen zum Islamischen Staat bekannt und sich ihm faktisch untergeordnet. Dies führt zu der Situation, dass wir im Internationalen Salafi-Jihad-Geschäft eine Konkurrenzsituation haben.

Gruppen die sich bisher dem Islamischen Staat angeschlossen haben:
1. Ansar Bait al-Maqdis auf dem Sinai, sind im Moment recht aktiv
2. Boko Haram aus Nigeria, sehr bemerkenswert
3. Teile des Islamischen Emirats Kaukasus
4. Islamic Movement of Uzbekistan eine Gruppe, die wie der Name schon sagt ursprünglich aus Usbekistan stammt, da aber erfolglos war und schon viele Jahre im pakistanischen Grenzgebiet lebt.
5. Teile der Taliban sollen sich dem IS angeschlossen haben.
6. Teile von Ansar al Sharia, einer jihadistischen Gruppe in Libyen, haben sich unter dem kreativen Namen ISIL in Libya dem IS angeschlossen.
7. Teile von AQIM haben sich als Jund al Khilafah dem IS angeschlossen.
8. Mehrere Anschläge in Saudi Arabien auf schiitische Moscheen im Juli 2015, für die der IS die Verantwortung übernommen hatte, lösten Massenverhaftungen aus. Letzte Woche gab es einen weiteren Anschlag auf eine Moschee der saudischen Armee.
9. Auch im Jemen verübte man Anschläge auf schiitische Moscheen und ist dort in jedem Fall aktiv. Quelle
10. Teile von Abu Sayyaf auf den Philippinen, wobei das wie so manches andere Bai’a Video der weiteren Erläuterung bedarf.

Es haben sich also vor allem Gruppen aus der zweiten Reihe und einzelne Kommandeure, die wohl mit ihrer Hauptorganisation unzufrieden oder einfach nur persönlichen Ehrgeiz haben, dem IS angeschlossen. Mit der prominenten Ausnahme von Boko Haram. Das deutet darauf hin, dass es mit der Anziehungskraft des IS dann auch nicht so weit her ist. Wo der IS meinem Eindruck nach die Nase vorne hat, ist im Internet und in den sozialen Medien.

Islamischer Staat - Die Zukunft des Terrors - Vortrag von Guido Steinberg über Geschichte des IS und der AQ-Ableger. Guido Steinberg führender Experte zum Thema in deutscher Sprache. :)

In diesem Strang möchte ich über diese verschiedenen Untergruppen von al Qaida und dem Islamischen Staat schreiben, über die Frage, welche Gruppe sich welchem Lager angeschlossen hat, über die Streitpunkt und auch Diskussionen zwischen den Gruppen, über die direkten militärischen Auseinandersetzungen usw. usf. Es ist zu erwarten, dass es in den nächsten Monaten und Jahren immer wieder Ereignisse gibt, die mit dieser Situation zusammenhängen und es gibt sicherlich immer wieder auch Artikel und Berichte im Internet hierzu.

:)
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Re: IS vs AQ oder der globale Bürgerkrieg der Jihadisten

Beitragvon UncleSams_Berater » Fr 14. Aug 2015, 01:03

Meiner Meinung nach bleibt aber im Moment Al Qaida was Anschläge und so an geht für den Westen gefährlicher, der IS ist vorallem ein regionales Problem und für die Menschen vor Ort sehr schlimm. Al Qaida hat es nie geschafft mit einer Art Terror Armee so ein großes Gebiet zu besetzen. Aber der IS hat bis jetzt im Moment nur durch Einsame Wölfe, Anschläge im Westen verübt(was auch sehr schlimm ist) die man nicht mit den größeren Anschlägen die AQ verübt vergleichen kann.
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Re: IS vs AQ oder der globale Bürgerkrieg der Jihadisten

Beitragvon Platon » Fr 14. Aug 2015, 01:14

Der letzte große Anschlag im Westen von AQ liegt ja nun auch schon 10 Jahre zurück, bzw. seitdem wurde einiges verhindert und es gab die Lone Wolf-Anschläge und natürlich Charlie Hepdo.
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Re: IS vs AQ oder der globale Bürgerkrieg der Jihadisten

Beitragvon UncleSams_Berater » Fr 14. Aug 2015, 01:20

Man sieht einfach nur dass allgemein auf der Welt der islamistische Terror immer größer wird und gerade zu diesem Zeitpunkt haben wir eine Witzfigur im Oval Office die eine Menge Schuld an diesem Desaster trägt
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Re: IS vs AQ oder der globale Bürgerkrieg der Jihadisten

Beitragvon Platon » Fr 14. Aug 2015, 09:01

Ein Ort an dem der jihadistische Bürgerkrieg zu bestaunen ist, ist das afghanisch-pakistanische Grenzgebiet. Dort haben einige Taliban-Kommandeure sich dem IS angeschlossen und wurden daraufhin vom IS zu Gouverneuren ihrer Provinzen ernannt. Es geht also durchaus darum, dass der IS unzufriedenen Gruppen und Abspaltungen von der Hauptgruppe die Möglichkeit gibt Anerkennung und Prestige durch ihre Verbindungen zum IS zu gewinnen, wenn diese sich zum IS bekennen.
Vor allem hier deutet das Auftreten des IS auf eine Krise der dortigen Jihadisten-Organisation, welche durch den Tod Mullah Omars - der ja bereits 2013 eingetreten war - und die damit verbundene Führerlosigkeit ausgelöst wurde. Dazu kommen Spaltungen innerhalb der Organisation, wie mit den Friedensgesprächen mit der afghanischen Regierung umzugehen sei. Dabei geht es darum, dass Taliban-Chefs Stellen in der Staatsbürokratie - und entsprechend eine dauerhafte Einnahmequelle - angeboten wurde, wenn sie ihre Waffen niederlegen und es zu einer nationalen Aussöhnung kommt. Ebenso zeigt sich, dass die Haltung der Taliban gegenüber den afghanischen Schiiten schon fast freundlich wird und entsprechend die Haltung zum Iran offener wird. Hier deutet sich, dass eine Mäßigung bzw. Revisionismus von Teilen der Jihadisten die Stärkung der Radikalsten Option - dem islamischen Staat - begünstigt.
http://www.theguardian.com/world/iran-b ... -iran-isis

Berichte wonach sich Hekmatyar, ja den gibt es noch, dem IS angeschlossen hat, haben sich nicht bestätigt.
http://www.reuters.com/article/2015/07/ ... SH20150713

Ganz aktuell haben die Taliban dem IS gesagt, dass er sich aus Afghanistan heraushalten soll und es gab dieser Tage die Verurteilung eines Video des IS. Diese einige Dorfälteste die die Taliban unterstützten auf Sprengstoff gesetzt und den Sprengstoff dann gezündet und das Video davon im Internet hochgeladen. Die Taliban verurteilten dieses Video wegen seiner Brutalität und weil es respektlos ist Stammesälteste zu töten, gar auf diese Weise.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/i ... 47725.html

In Afghanistan und Pakistan hat sich ein echter Bürgerkrieg entwickelt, wenngleich die Taliban zahlenmäßig die Überhand haben.
http://jihadology.net/2015/08/11/new-st ... nangarhar/
http://www.abendzeitung-muenchen.de/inh ... 7648a.html
http://nationalinterest.org/feature/tal ... stan-13153

Interessant ist auch wer alles den Tod von Mullah Omar kondoliert hat. Die Taliban hatten Ende Juli ihren charismatischen Anführer und Gründungsfigur für tot erklärt und daraufhin Mullah Mohammed Akhter Mansour zum neuen Oberbefehlshaber ernannt.
Daraufhin setzte eine Flut an Beileidsbekunden ein, darunter Ahrar al Shams, al Nusra, AQIM, AQAP, Ansar Dine uvm.. Dies kann wohl auch als Bildung einer Gruppe verstanden werden, die sich für AQ und die Taliban und gegen den IS stellt. Kondolenzen von Boko Haram wären mir nicht bekannt.


Weitere Links zu IS und die Taliban:
Situating the Emergence of the Islamic State of Khorasan
http://jihadology.net/2015/07/20/jihado ... er-part-1/
http://jihadology.net/2015/07/23/jihado ... er-part-2/
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Re: IS vs AQ oder der globale Bürgerkrieg der Jihadisten

Beitragvon Platon » Fr 14. Aug 2015, 10:44

Wo das mit dem "Revolutionsexport" für den IS recht gut geklappt hat ist auf dem Sinai. Dort sind nach der Revolution 2011 militante Gruppen entstanden, deren bedeutendste zunächst mit al Qaida in Verbindung gebracht, nach der Ausrufung des Kalifats sich aber dem IS angeschlossen hat und seitdem als "Provinz Sinai" bzw. arabisch "Wilayat Saina" aktiv ist. Sie war allerdings auch schon während der Zeit von Mohammed Morsi aktiv und ist nicht das Resultat des Militärputsches von al-Sissi.
https://en.wikipedia.org/wiki/Islamic_S ... i_Province

Auf ihr Konto gehen mehrere groß angelegte Angriffe im Norden des Sinai bei denen viele ägyptische Soldaten und Polizisten umgekommen sind. Es hat auch mal ein Fahrzeug mit Touristen angegriffen. Dazu haben sie erst kürzlich eine kroatische Geisel enthauptet, die sie für die Entlassung der "Frauen in ägyptischen Gefängnissen" austauschen wollten. Man versucht auch Ziele in Israel anzugreifen, aber die IDF ist dann doch ein etwas anderes Kaliber als die ägyptische Armee. Es handelt sich damit um die aktivste Terrorgruppe in Ägypten derzeit.
https://en.wikipedia.org/wiki/Ansar_Bait_al-Maqdis
https://de.wikipedia.org/wiki/Sinai-Aufstand
http://www.longwarjournal.org/archives/ ... ostage.php

Videos/Statements der Gruppe:
http://jihadology.net/category/the-isla ... ina-sinai/

In diesem Fall sieht man, dass für neue aufstrebende Gruppen der Islamische Staat aktuell deutlich attraktiver ist, als al Qaida.
Zuletzt geändert von Platon am Fr 14. Aug 2015, 10:48, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: IS vs AQ oder der globale Bürgerkrieg der Jihadisten

Beitragvon Platon » Fr 14. Aug 2015, 12:29

Eine weitere Front zwischen al Qaida und dem IS ist die ideologische. Die berühmtesten Ideologen der jihadistischen Gruppen, welche auch bzw. damit zentral für al Qaida sind, haben sich gegen den IS und für al Nusra/Zawahiri ausgesprochen. Teilweise werden sie sogar aus dem Gefängnis entlassen, damit sie dann die entsprechenden Statements im Fernsehen machen. Der bekannteste und bedeutendste ist Muhammad al Maqdisi, welcher dereinst der Mentor von IS-Ahnherr Abu Musab al Zarqawi war, sich allerdings später von ihm und seiner Gruppe abwandte und im Konflikt IS vs al Qaida zur Loyalität mit al Qaida-Chef Zawahiri aufruft. Er wurde anlässlich der Gefangenname des jordanischen Piloten, der dann verbrannt wurde, entlassen und sollte einen Gefangenenaustausch mit einer von Jordanien gefangenen Jihadistin al Rishawi erreichen. Allerdings war er nicht erfolgreich, er hat dann im jord. Fernsehen ein Interview gegeben:
Jordan releases jihadi cleric and Isis critic after group’s murder of pilot


mit dt. Untertiteln

Eine deutsche Übersetzung einer Fatwa von Maqdisi gegen den IS findet sich hier:
https://burhanulhaqq.wordpress.com/2014 ... 26-5-2014/

Maqdisi ist nicht irgendwer, sondern eine zentrale Figur der Jihadisten. Es gibt sogar eine englischsprachige wissenschaftliche Biographie über ihn, von 2012.
A Quietist Jihadi: The Ideology and Influence of Abu Muhammad al-Maqdisi

Abu Qatada ist ein weiterer bekannter AQ-Ideologe der sich in Jordanien für AQ und gegen den IS ausspricht:
https://www.youtube.com/watch?v=knkA_79jjI0

http://www.theguardian.com/world/2015/j ... d-al-qaida
Langer aber informativer Artikel über das Verhältnis von AQ und IS, jemand erzählt die Geschichte und hat gleichzeitig Maqdisi und Abu Qatada in Jordanien besucht. Sehr spannend, auch wenn man den Teil über die Geschichte des IS überspringen kann.
Zuletzt geändert von Platon am Fr 14. Aug 2015, 12:31, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: IS vs AQ oder der globale Bürgerkrieg der Jihadisten

Beitragvon Brainiac » Fr 14. Aug 2015, 18:32

Vielen Dank für diese fundierten und informativen Beiträge. :)

Die ganzen Machtkämpfe der verschiedenen Gruppen wirken ja eher fokussiert auf das Ziel der Vorherrschaft in der islamischen Welt. Ich frage mich, inwieweit auch das Ausdehnungsziel in Richtung "erste Welt" eine ernsthafte Rolle spielt oder eher Show ist.

In der oben verlinkten Karte ist zB Griechenland als künftig islamisch dargestellt. Wie will man das erreichen? Angriffskriege kommen wohl kaum ernsthaft in Betracht, und Terroranschläge bringen zwar Prominenz, eine signifikante Destabilisierung der westlichen Welt kann man ja aber wohl nicht erwarten.

Oder ist die "Unterwanderung" mit muslimischen Migranten, wie von Sarrazin als Schreckensszenario beschworen, vielleicht tatsächlich ein strategisches Ziel?
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Re: IS vs AQ oder der globale Bürgerkrieg der Jihadisten

Beitragvon Kardux » Fr 14. Aug 2015, 21:59

Brainiac hat geschrieben:Oder ist die "Unterwanderung" mit muslimischen Migranten, wie von Sarrazin als Schreckensszenario beschworen, vielleicht tatsächlich ein strategisches Ziel?


Ich, als Mitteleuropäer mit "islamischen Migrationshintergrund" habe die Empörung der deutschen Gesellschaft gegenüber Sarrazin niemals verstanden. Vieles was er schrieb ist korrekt. Wer sich diese Wahrheit nicht eingestehen will soll einfach dumm sterben. Das sehr viele muslimische Migranten die europäischen Demokratiewerte schamlos ausnutzen und sich im Abendland immer "breiter" machen ist Fakt. Die Unterwanderung findet statt - definitiv. Was ich nie verstanden habe ist, weshalb die westlichen Staaten den Islamunterricht an Schulen fördern. Oftmals wird dort nicht einmal die eigentliche Lehre des Islams erkundet, sondern nur Hetze gegen die europäischen Werte betrieben. Da spreche ich aus Erfahrung !

Im Gegensatz dazu wird der Unterricht des christlichen Glaubens an öffentlichen Schulen in muslimischen Staaten nicht gewährt, obwohl die Christen dort Einheimische sind und nicht Wirtschaftsflüchtlinge oder politische Flüchtlinge. Verkehrte Welt...
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Re: IS vs AQ oder der globale Bürgerkrieg der Jihadisten

Beitragvon Jekyll » Fr 14. Aug 2015, 23:46

Kardux » Fr 14. Aug 2015, 20:59 hat geschrieben:Ich, als Mitteleuropäer mit "islamischen Migrationshintergrund" habe die Empörung der deutschen Gesellschaft gegenüber Sarrazin niemals verstanden.
Es gab eine "Empörung der deutschen Gesellschaft" gegenüber Sarrazin? Kardux, wo haben Sie bloß die letzten Jahre verbracht?

Vieles was er schrieb ist korrekt. Wer sich diese Wahrheit nicht eingestehen will soll einfach dumm sterben. Das sehr viele muslimische Migranten die europäischen Demokratiewerte schamlos ausnutzen und sich im Abendland immer "breiter" machen ist Fakt.
Für Fakt halten das auch braune Rechte ganz ohne Migrationshintergrund (neuerdings auch in Gestalt des "besorgten Bürgers")...was ist los mit Ihnen Kardux? Sie klingen immer mehr nach Breivik (oder waren Sie schon immer so?).

Die Unterwanderung findet statt - definitiv.
Ja, natürlich...die stehen sogar kurz vor der Machtübernahme. Was gedenken Sie eigentlich dagegen zu unternehmen? Sie aus dem Land jagen kann man ja nicht mehr. Irgendwelche konstruktiven Ideen um dieser definitiv stattfindenen Unterwanderung Herr zu werden?

Was ich nie verstanden habe ist, weshalb die westlichen Staaten den Islamunterricht an Schulen fördern. Oftmals wird dort nicht einmal die eigentliche Lehre des Islams erkundet, sondern nur Hetze gegen die europäischen Werte betrieben. Da spreche ich aus Erfahrung !
Lassen Sie mich raten - nach Ihrer "Erfahrung" sind es rein zufälligerweise fast ausschließlich türkische und evtl. auch arabische Ausländer, die sich so frech verhalten, auf keinen Fall aber kurdische, schon gar nicht die linksextremistisch-terroristischen PKK-Kurden. Stimmts?
Sie schufen eine Wüste und nannten es...Frieden.
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Re: IS vs AQ oder der globale Bürgerkrieg der Jihadisten

Beitragvon Jekyll » Fr 14. Aug 2015, 23:53

UncleSams_Berater » Fr 14. Aug 2015, 00:03 hat geschrieben:Meiner Meinung nach bleibt aber im Moment Al Qaida was Anschläge und so an geht für den Westen gefährlicher, der IS ist vorallem ein regionales Problem und für die Menschen vor Ort sehr schlimm. Al Qaida hat es nie geschafft mit einer Art Terror Armee so ein großes Gebiet zu besetzen. Aber der IS hat bis jetzt im Moment nur durch Einsame Wölfe, Anschläge im Westen verübt(was auch sehr schlimm ist) die man nicht mit den größeren Anschlägen die AQ verübt vergleichen kann.
Richtig. Das ist genau der Grund, warum z. B. für die Türkei die PKK eine höhere Priorität hat als die IS. Die große Anzahl der in der Türkei seitens der PKK verübten Anschläge inkl. der getöteten Opfer sprechen da eine klare Sprache.
Sie schufen eine Wüste und nannten es...Frieden.
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Kardux
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Re: IS vs AQ oder der globale Bürgerkrieg der Jihadisten

Beitragvon Kardux » Sa 15. Aug 2015, 07:46

Jekyll hat geschrieben:Für Fakt halten das auch braune Rechte ganz ohne Migrationshintergrund (neuerdings auch in Gestalt des "besorgten Bürgers")...was ist los mit Ihnen Kardux? Sie klingen immer mehr nach Breivik (oder waren Sie schon immer so?).


Ihr Argumentationsstil ist sehr einseitig, vielleicht spiegelt das auch Ihren sehr einfachen Geist wieder.

Wenn es auch nur im Ansatz um Kurden geht schwingen Sie mit der Terrorismuskeule. Wenn man die schleichende Islamisierung Europas anspricht schwingen Sie die Nazikeule.

Ich kann nur über Zustände urteilen, ob ich mich da wie Breivik oder sonstwer anhöre ist eine andere Geschichte.

Jekyll hat geschrieben:Ja, natürlich...die stehen sogar kurz vor der Machtübernahme. Was gedenken Sie eigentlich dagegen zu unternehmen? Sie aus dem Land jagen kann man ja nicht mehr. Irgendwelche konstruktiven Ideen um dieser definitiv stattfindenen Unterwanderung Herr zu werden?


Menschen die nicht gewillt sind sich den christlich- abendländischen Werten anzupassen sollten schon in dem Stadium wo sie nur einen Flüchtlingsstatus besitzen abgeschoben werden. Man muss den Menschen auch irgendwo Grenzen aufzeigen, wenn das nicht schon zu Beginn geschieht ist der Weg für eine Parallelgesellschaft geebnet. Ansonsten würde ich den Islam- Unterricht aus dem Lehrplan streichen oder eine scharfe Kontrolle gegenüber den Islam- Lehrern durchführen. Oftmals sind diese Islam- Lehrer in Deutschland, Österreich oder der Schweiz Menschen mit einer extremistischen Gesinnung. Oftmals war der Grund ihres Aufenthalts in Europa die Flucht vor dem Heimatland weil sie dort wegen ihrer Gesinnung in Haft saßen. Vielleicht sollten die europäischen Staaten, wenn sie schon Islam- Unterricht fördern wollen, mehr Initiative zeigen und viel kontrollierter handeln. Das heißt das es einen fix geregelten Lehrplan für diese Lehrer geben muss, wo nur der Islam an sich, sprich die Lehre gelehrt wird und nicht politische Diskussionen geführt werden und das bei der Auswahl der Islamlehrer einfach besser selektiert werden muss. In der Türkei zum Beispiel regelt das Amt für religiöse Angelegenheiten (Diyanet) die Reden der Prediger und auch sonst wird der Versuch unternommen den radikalen Islam einzudämmen. Nach Erdogan hat sich das natürlich verändert, aber für westliche Staaten wie Deutschland könnte dies ein gutes Modell sein. Die totale Bewachung von Moscheen und auch Klassenzimmern wo Islam gelehrt wird wäre förderlich.

Aber ich denke, das solche Massnahmen nicht durchgesetzt werden. Die Europäer schaffen sich und ihre Werte selber ab. Herr Sarrazin hätte es kaum besser beschreiben können.

Jekyll hat geschrieben:Lassen Sie mich raten - nach Ihrer "Erfahrung" sind es rein zufälligerweise fast ausschließlich türkische und evtl. auch arabische Ausländer, die sich so frech verhalten, auf keinen Fall aber kurdische, schon gar nicht die linksextremistisch-terroristischen PKK-Kurden. Stimmts?


:?
Linksextremistisch- terroristische PKK- Kurden als Islam- Lehrer ?

Nein, davon habe ich noch nicht gehört. So schlimm ist es um Sie bereits, das Sie sogar hier PKK- Kurden wittern.

Jekyll hat geschrieben:Richtig. Das ist genau der Grund, warum z. B. für die Türkei die PKK eine höhere Priorität hat als die IS.


Der IS hat für die Türkei überhaupt KEINE Priorität. Wollen wir das einmal klarstellen.
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Re: IS vs AQ oder der globale Bürgerkrieg der Jihadisten

Beitragvon Brainiac » Sa 15. Aug 2015, 09:54

Back to topic: Hier geht es ja darum, was ISIS oder Al Quaida oder die Muslimbrüder tatsächlich wollen und was ihre Strategien sind. Ich bin mir nicht im klaren darüber, ob Unterwanderung der "ersten Welt" durch Migration wirklich dazugehört. Vielleicht wird dieser Prozess ja auch als nicht wünschenswert empfunden, weil die Migration ja in der Mehrheit eher zu Säkularisierung und Anpassung an westliche Standards führt.

Ich kenne mich hier zu wenig aus, habe auf die Schnelle das hier gefunden:
Included in the documents seized during the raid of Nada’s Swiss villa was a 14-page plan written in Arabic and dated December 1, 1982, which outlines a 12-point strategy to “establish an Islamic government on earth” – identified as The Project.[...]What makes The Project so different from the standard “Death of America! Death to Israel!” and “Establish the global caliphate!” Islamist rhetoric is that it represents a flexible, multi-phased, long-term approach to the “cultural invasion” of the West.
http://archive.frontpagemag.com/readArticle.aspx?ARTID=4476

Wenn ich dann aber das Bezugsdokument lese, geht das mit der "kulturellen Invasion" für mich nicht so daraus hervor.
http://archive.frontpagemag.com/readArticle.aspx?ARTID=4475

Vielleicht bin ich ungenügend mit der eher indirekten Ausdrucksweise vertraut? Was sind die entsprechenden kritischen Stellen aus dem Bezugsdokument?
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Re: IS vs AQ oder der globale Bürgerkrieg der Jihadisten

Beitragvon Platon » Sa 15. Aug 2015, 10:20

Jo, es gibt ein Dokument das in den USA bei Muslimbrüdern gefunden wurde, in denen erklärt wird die USA und die westliche Zivilisation von innen besiegen zu wollen.
https://en.wikipedia.org/wiki/Muslim_Br ... ted_States
http://www.clarionproject.org/Muslim_Br ... emorandum#

Von al Qaida selbst wäre mir so etwas aber nicht bekannt. Da geht es darum wie man in der islamischen Welt die aktuellen Herrscher stürzt und ein Kalifat errichtet und die Eroberung der Welt kommt dann irgendwann am "utopischen" Schluss, wenn quasi der Endsieg in der islamischen Welt schon eingetreten ist. Der Westen spielt da die Rolle des Unterstützers der aktuellen Herrscher, welche die Errichtung des Islamischen Staates mit der korrekten Scharia behindern.
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Re: IS vs AQ oder der globale Bürgerkrieg der Jihadisten

Beitragvon Platon » Sa 15. Aug 2015, 10:23

Die IS-Weltkarte schlägt übrigens die Territorien dem Bagdadi-Kalifat zu, welche in der Vergangenheit von einem islamischen Reich beherrscht wurden. Also die größte Ausdehnung der Osmanen (Österreich wird der Einfachheit halber komplett dem Kalifat zugeschlagen), Spanien natürlich auch, Indien wurde dereinst vom Mogul-Reich beherrscht und in Zentralasien und Ostchina gab es auch ein paar islamische Herrschaften. Es ist einfach eine sehr großzügige Auffassung, was denn alles "Islamische Welt" bedeutet.
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Re: IS vs AQ oder der globale Bürgerkrieg der Jihadisten

Beitragvon Brainiac » Sa 15. Aug 2015, 11:13

Ok, danke.

In Summe kann man dann wohl sagen, dass die von vielen befürchtete zunehmende Islamisierung Europas zwar vielleicht nicht auszuschliessen ist, dies aber dann nicht das Ergebnis irgendeines teuflischen Masterplans wäre, sondern das Resultat zufälliger, chaotischer, unsteuerbarer Prozesse (Flüchtlinge, Migration).
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Re: IS vs AQ oder der globale Bürgerkrieg der Jihadisten

Beitragvon Quatschki » Sa 15. Aug 2015, 11:29

... zufälliger, chaotischer, unsteuerbarer Prozesse (Flüchtlinge, Migration).

Was ist daran zufällig oder chaotisch oder unsteuerbar?
Hinter der bundesrepublikanischen Flüchtlings- und Migrationspolitik steht ein klarer politscher Wille, der jeden Versuch, das Chaos unter Kontrolle zu bringen, das Steuer herumzureißen und die Zukunft des Landes zu bewahren, aktiv bekämpft!
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Re: IS vs AQ oder der globale Bürgerkrieg der Jihadisten

Beitragvon Jekyll » Sa 15. Aug 2015, 11:30

Das was Kardux meint hat auch eher was mit dem äußerst populären Schreckgespenst vieler Islamophoben und Xenophoben über die Ottonormal-Muslime zu tun, die angeblich mangels Anpassung Parallelgesellschaften bilden und so die christlich-abendländische Zivilisation usurpieren und aufheben würden, als mit einem ominösen Masterplan durchgeknallter Islamisten, die Weltherrschaft an sich zu reißen.
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Re: IS vs AQ oder der globale Bürgerkrieg der Jihadisten

Beitragvon IndianRunner » Sa 15. Aug 2015, 11:46

Quatschki » Sa 15. Aug 2015, 10:29 hat geschrieben:Was ist daran zufällig oder chaotisch oder unsteuerbar?
Hinter der bundesrepublikanischen Flüchtlings- und Migrationspolitik steht ein klarer politscher Wille, der jeden Versuch, das Chaos unter Kontrolle zu bringen, das Steuer herumzureißen und die Zukunft des Landes zu bewahren, aktiv bekämpft!


So siehts aus. Volle Kraft voraus, in den Untergang...
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Re: IS vs AQ oder der globale Bürgerkrieg der Jihadisten

Beitragvon Platon » Sa 15. Aug 2015, 12:11

Nur Putin kann uns jetzt noch retten.

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