Stigmatisierungen von Ostdeutsche

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rain353
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Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von rain353 »

Warum werden Pauschalisierungen/Witze von rechtskonservativer Seite fast als das schlimmste gebrandmarkt, während von linker Seite es voll in Ordnung und sogar als notwendig dargestellt wird?

Doppelmoral
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Alexyessin
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von Alexyessin »

rain353 hat geschrieben:(28 Dec 2021, 13:45)

Warum werden Pauschalisierungen/Witze von rechtskonservativer Seite fast als das schlimmste gebrandmarkt, während von linker Seite es voll in Ordnung und sogar als notwendig dargestellt wird?

Doppelmoral
Irgendwas liegt dir auf dem Herzen. Wie wäre es, wenn du mal konkrete Beispiele dafür nennst und dein Problem beschreibst. Vielen Dank.
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franzmannzini

Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von franzmannzini »

Vielleicht passt das hier rein:
https://taz.de/Professorin-ueber-Identitaeten/!5501987/
Professorin über Identitäten:
„Ostdeutsche sind auch Migranten“
Ostdeutsche und Migranten erleben Stigmatisierung gleichermaßen, sagt Naika Foroutan. Unser Autor, in der DDR geboren, hat mit ihr diskutiert.
Ansonsten haben wir ja dieses Thema auch in anderen Strängen diskutiert,
was aktuell nun etwas scher fällt, da der Corona-Schleier darüber liegt.
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Alexyessin
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von Alexyessin »

franzmannzini hat geschrieben:(28 Dec 2021, 14:47)

Vielleicht passt das hier rein:
https://taz.de/Professorin-ueber-Identitaeten/!5501987/

Ansonsten haben wir ja dieses Thema auch in anderen Strängen diskutiert,
was aktuell nun etwas scher fällt, da der Corona-Schleier darüber liegt.
Ist die Frage, ob eine DDR-Sozialisierung automatisch zu einem Migrant ohne Wanderung führt. Der Gedanke als solches ist nicht verkehrt. Nur sehe ich dann wenig Stigmatisierung dahinter.
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Milady de Winter
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von Milady de Winter »

Alexyessin hat geschrieben:(28 Dec 2021, 16:00)

Ist die Frage, ob eine DDR-Sozialisierung automatisch zu einem Migrant ohne Wanderung führt. Der Gedanke als solches ist nicht verkehrt. Nur sehe ich dann wenig Stigmatisierung dahinter.
Aus dem verlinkten Artikel:
Ein westdeutscher Haushalt hat im Durchschnitt ein Nettovermögen von etwa 140.000 Euro, ein ostdeutscher 61.200 Euro. Die versprochene Gleichheit ist einfach keine empirische Realität.
Dieser Tenor zieht sich durch das gesamte Interview, das in meinen Augen höchst einseitig, verschoben und z.T. auch ziemlich pathetisch anmutet. Aber das muss jeder für sich beurteilen.
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von Astrocreep2000 »

rain353 hat geschrieben:(28 Dec 2021, 13:45)

Warum werden Pauschalisierungen/Witze von rechtskonservativer Seite fast als das schlimmste gebrandmarkt, während von linker Seite es voll in Ordnung und sogar als notwendig dargestellt wird?
Was soll man denn jetzt aus dieser Aussage in Kombination mit dem Thread-Titel folgern?

Dass alle Ostdeutschen Zielscheibe von "Stigmatisierungen" und "Pauschalisierungen/Witze von rechtskonservativer Seite" sind?

Demnach alle Westdeutschen auf der "rechtskonservativen Seite" stehen, da ja die "Ostdeutschen" die "Opfer" sind?

Ich kann da schwer herauslesen, worum es Dir genau geht...!?
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von Realist2014 »

Milady de Winter hat geschrieben:(28 Dec 2021, 16:10)


Dieser Tenor zieht sich durch das gesamte Interview, das in meinen Augen höchst einseitig, verschoben und z.T. auch ziemlich pathetisch anmutet. Aber das muss jeder für sich beurteilen.

Das Gesamt- Vermögen der Westdeutschen Bürger war 1990 ja schon viel höher als das der ehemaligen DDR-Bürger.

Und da kaum "reiche Wessis" in die neuen Bundesländer umziehen, wird der Unterschied auch immer bleiben.
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Milady de Winter
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von Milady de Winter »

Realist2014 hat geschrieben:(28 Dec 2021, 16:32)

Das Gesamt- Vermögen der Westdeutschen Bürger war 1990 ja schon viel höher als das der ehemaligen DDR-Bürger.

Und da kaum "reiche Wessis" in die neuen Bundesländer umziehen, wird der Unterschied auch immer bleiben.
Wir wissen aber auch, dass die breite Masse im Westen nicht über 140k Nettovermögen verfügt, und wie dieser Durchschnitt zustande kommt. Eigentlich war diese Aussage auch nur ein Beispiel für den Tenor des gesamten Interviews. Wie gesagt - in meinen Augen einseitig und verzerrt. Und am Ende doch ohne konkrete Aussage zum eigentlichen "vermeintlichen" Problem.
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von Realist2014 »

Milady de Winter hat geschrieben:(28 Dec 2021, 16:37)

Wir wissen aber auch, dass die breite Masse im Westen nicht über 140k Nettovermögen verfügt, und wie dieser Durchschnitt zustande kommt.
Hatte ich ja geschrieben- über die "Reichen" im Westen...
Eigentlich war diese Aussage auch nur ein Beispiel für den Tenor des gesamten Interviews. Wie gesagt - in meinen Augen einseitig und verzerrt. Und am Ende doch ohne konkrete Aussage zum eigentlichen "vermeintlichen" Problem.
Das angebliche "Problem" sind Unterschiede zwischen den als 2 Einheiten zusammengefassten "alten Bundesländern" und "neuen" Bundesländern.
Die "im Problem" enthaltenen "Ungleichheiten" würde es ja auch bei anderer Zusammensetzung der 2 Einheiten geben.
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von Sören74 »

Milady de Winter hat geschrieben:(28 Dec 2021, 16:37)

Wir wissen aber auch, dass die breite Masse im Westen nicht über 140k Nettovermögen verfügt, und wie dieser Durchschnitt zustande kommt. Eigentlich war diese Aussage auch nur ein Beispiel für den Tenor des gesamten Interviews. Wie gesagt - in meinen Augen einseitig und verzerrt. Und am Ende doch ohne konkrete Aussage zum eigentlichen "vermeintlichen" Problem.
Der Unterschied ist nun mal im Durchschnitt vorhanden. Unabhängig ob man das arithmetische Mittel oder den Median heranzieht. Das ändert durchaus die persönlichen Möglichkeiten im Leben auch bei Fragen, entsprechende Immobilien zu kaufen oder Unternehmen zu gründen oder allgemein in die Zukunft zu schauen.
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von Realist2014 »

Sören74 hat geschrieben:(28 Dec 2021, 16:53)

Der Unterschied ist nun mal im Durchschnitt vorhanden. Unabhängig ob man das arithmetische Mittel oder den Median heranzieht. n.
Das ist auch beim Vergleich von Bremen oder München der Fall...
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von Sören74 »

Realist2014 hat geschrieben:(28 Dec 2021, 16:54)

Das ist auch beim Vergleich von Bremen oder München der Fall...
Der Unterschied zwischen Bremen und München dürfte nicht so groß sein, wie zwischen alte und neue Bundesländer.
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von Realist2014 »

Sören74 hat geschrieben:(28 Dec 2021, 17:01)

Der Unterschied zwischen Bremen und München dürfte nicht so groß sein, wie zwischen alte und neue Bundesländer.
der ist noch viel größer
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von Helmuth_123 »

Übelgemeinte Witze, Häme, Pauschalurteile bzw. Vorurteile gegenüber „Ostdeutschen“ und „Ostdeutschland“ gibt es seit der Wiedervereinigung bzw. schon davor. Genauso wie es im Gegenzug negative Einstellungen und Äußerungen gegenüber „Westdeutschen“ und „Westdeutschland“ von Seiten der „Ostdeutschen“ gibt. Das solche Sichtweisen hoffentlich verschwinden, ist eine Bildungsfrage (Bildung in einem weiten Sinne).

Die Kategorisierung „ostdeutsch“ und „westdeutsch“ wird wohl nicht verschwinden und soll auch nicht verschwinden. Die über vierzigjährige Nachkriegsgeschichte Deutschlands lässt sich nicht ungeschehen machen und stiftet teilweise die jeweilige Identität der Menschen, nicht nur derjenigen, die die Zeit mit erlebt haben, sondern auch der Nachfahren, die die Lebensgeschichten der Eltern und Großeltern hören. Und die Entwicklungen in den neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung prägen nicht nur die noch DDR-Erfahrenen sondern auch die nicht mehr DDR-Erfahrenen (meine Generation, die Geburtsjahrgänge der späten 80er und frühen 90er Jahre). Diese „ostdeutschen“ identitätsstiftenden Elemente sollen auch nicht verschwinden. Allerdings sollte man die Kategorie „ostdeutsch“ nicht überbewerten und überbetonen. Die neuen Bundesländer bilden eine reiche und sich unterscheidende deutsche Kulturlandschaft. Die DDR-Geschichte verbindet Mecklenburger und Thüringer und sorgt für kulturelle Gemeinsamkeiten, aber ebenso gibt es eine gemeinsame norddeutsche Geschichte und Kultur, die Mecklenburger und Holsteiner miteinander verbindet oder auch eine gemeinsame hessisch-thüringische Geschichte (Ludowinger oder das enge Bündnis der Ernestiner und der Hessen während der Reformation). Und womöglich sind diese Gemeinsamkeiten größer, als die „ostdeutschen“ Gemeinsamkeiten.

Um auf die Frage der gegenseitigen Vorurteile zurückzukommen. Um diese abzubauen, sollte das gegenseitige Verständnis gefördert werden und der Blick auf die gemeinsame Geschichte und Kultur gerichtet werden. Aber das ist wie gesagt eine Bildungsfrage und kann nicht erzwungen werden.

Die neuen Bundesländer haben auch heute noch spezifische gemeinsame Probleme, besonders hervorstechend ist wohl der geringere Wohlstand und die geringere ökonomische Leistungsfähigkeit und damit verbunden ein demographisches Ungleichgewicht. Diese Probleme zu lösen und für gleichwertige Lebensverhältnisse zu sorgen ist Aufgabe des Staates.
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von Realist2014 »

Helmuth_123 hat geschrieben:(28 Dec 2021, 18:09)

Übelgemeinte Witze, Häme, Pauschalurteile bzw. Vorurteile gegenüber „Ostdeutschen“ und „Ostdeutschland“ gibt es seit der Wiedervereinigung bzw. schon davor. Genauso wie es im Gegenzug negative Einstellungen und Äußerungen gegenüber „Westdeutschen“ und „Westdeutschland“ von Seiten der „Ostdeutschen“ gibt. ............................s.
Die gibt es auch - und zwar schon länger- zwischen den Fischköppen und den Lederhosenträgern...

Ist nun kein spezielles "Ost/West" Thema....
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von Billie Holiday »

Realist2014 hat geschrieben:(28 Dec 2021, 18:19)

Die gibt es auch - und zwar schon länger- zwischen den Fischköppen und den Lederhosenträgern...

Ist nun kein spezielles "Ost/West" Thema....
Nicht zu vergessen die Ostfriesenwitze.
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von Vongole »

Realist2014 hat geschrieben:(28 Dec 2021, 18:19)

Die gibt es auch - und zwar schon länger- zwischen den Fischköppen und den Lederhosenträgern...

(..)
Ich glaube, das meint der TE nicht, sondern eher etwas wie die Bezeichnung "Dunkeldeutschland", oder die pauschalen negativen Aussagen über "die" Sachsen/Erzgebirgler bzgl. Corona.
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von Meruem »

Vongole hat geschrieben:(28 Dec 2021, 18:42)

Ich glaube, das meint der TE nicht, sondern eher etwas wie die Bezeichnung "Dunkeldeutschland", oder die pauschalen negativen Aussagen über "die" Sachsen/Erzgebirgler bzgl. Corona.

Da passt Rechtsknaller Deutschland besser und in Bezug auf Baden Württemberg und Bayern was Coronaspinner angeht "Esoterika" passender. :cool:
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von franzmannzini »

Alexyessin hat geschrieben:(28 Dec 2021, 16:00)

Ist die Frage, ob eine DDR-Sozialisierung automatisch zu einem Migrant ohne Wanderung führt. Der Gedanke als solches ist nicht verkehrt. Nur sehe ich dann wenig Stigmatisierung dahinter.
Die DDR-Sozialisierung spielt dabei für mich erst mal keine Rolle, sondern hauptsächlich die Erfahrung, welche ich als
Betroffener gemacht habe. Das Stigma ist für mich "Ostdeutscher" oder noch schlimmer "Ossi".
Persönliches:
Bei mir betraf das hauptsächlich mein Berufsleben (2.Job, eine Westfirma), Anfang der Neunziger, denn grundsätzlich wurde mir nichts
zugetraut, was überdeutlich an meiner Herkunft festgemacht wurde (Vorurteil), ich mußte beweisen, daß ich etwas kann und das noch
bei einer Bezahlung 10Mark/h vs 17Mark/h. Mit viel Enthusiasmus haben meine "Kollegen" daran gearbeitet, mich scheitern zu sehen,
damit sich ihre Prophezeiung erfüllt, hat sie aber nicht. Dafür mußte ich unnachgiebig kämpfen
Allgemeines:
Letzendlich kommt es auf den Umgang jedes Einzelnen mit dieser Problematik an und auch auf den Umgang mit der ewigen Aufwärmung
des "Problems", das "anders seins". So muß man eben damit rechnen, daß wenn man "den" Ostdeutschen ständig darauf hinweist, daß
er anders ist, daraus Handlungen resultieren, die einem anders vorkommen.
Und selbst wenn "der" Ostdeutsche anders ist, also die These stimmen würde, müßte man ihn nicht dann auch anders behandeln ?
Sollte es dann nicht auch eine andere Meßlatte geben ?
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von Misterfritz »

Helmuth_123 hat geschrieben:(28 Dec 2021, 18:09)
Die Kategorisierung „ostdeutsch“ und „westdeutsch“ wird wohl nicht verschwinden und soll auch nicht verschwinden.
Interessant finde ich, dass die "Westdeutschen" plötzlich mit der Wiedervereinigung Wessies wurden - eine Zuschreibung von den "Ossies".
Ich hatte mich bis dahin nur als Deutsche wahrgenommen, eher noch nach Gegend (also Norden, Süden ....).
Das Salz in der Suppe des Lebens ist nicht Selbstdisziplin, sondern kontrollierte Unvernunft ;)
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von Sören74 »

Misterfritz hat geschrieben:(28 Dec 2021, 21:05)

Interessant finde ich, dass die "Westdeutschen" plötzlich mit der Wiedervereinigung Wessies wurden - eine Zuschreibung von den "Ossies".
Ich hatte mich bis dahin nur als Deutsche wahrgenommen, eher noch nach Gegend (also Norden, Süden ....).
Und von wem stammt die Zuschreibung "Ossies"? ;) Lustig fand ich es übrigens nach meinem Wohnungswechsel in den Westen, dass es dort genauso wie bei mir vor der Wende den Spruch gab "wenn es Dir hier nicht gefällt, dann geh doch nach drüben". "Drüben" habe ich zuvor immer mit dem assoziiert, was westlich des eisernen Vorhangs war. Ich wusste nicht, dass dass "drüben" die Zuschreibung für uns war. :? :p
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von franzmannzini »

Misterfritz hat geschrieben:(28 Dec 2021, 21:05)

Interessant finde ich, dass die "Westdeutschen" plötzlich mit der Wiedervereinigung Wessies wurden - eine Zuschreibung von den "Ossies".
Ich hatte mich bis dahin nur als Deutsche wahrgenommen, eher noch nach Gegend (also Norden, Süden ....).
Dazu sollte man unbedingt über die Herkunft des Begriffes "Wessi" bescheid wissen, denn der wurde weit vor 1989 schon benutzt.
Das kann ein Westdeutscher (Provinz) der nicht nach Westberlin "geflohen" ist, aber nicht wissen.
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Andreas62
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von Andreas62 »

Die Westberliner können einem irgendwie leid tun, die sind nun auch ohne eigenes Zutun zum Ossi mutiert.
Aber wir Sachsen nehmen ihnen in Bezug auf Bashing einiges ab, obwohl die Ickendorfer uns noch nie leiden konnten.
"Alles Käse Genossen!"
(Erich Mielke)
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von rain353 »

Astrocreep2000 hat geschrieben:(28 Dec 2021, 16:26)

Was soll man denn jetzt aus dieser Aussage in Kombination mit dem Thread-Titel folgern?

Dass alle Ostdeutschen Zielscheibe von "Stigmatisierungen" und "Pauschalisierungen/Witze von rechtskonservativer Seite" sind?

Demnach alle Westdeutschen auf der "rechtskonservativen Seite" stehen, da ja die "Ostdeutschen" die "Opfer" sind?

Ich kann da schwer herauslesen, worum es Dir genau geht...!?
Es geht mir darum, dass eine Seite ein Monopol auf Pauschalisierungen beansprucht bzw. sich herausnimmt.
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von franzmannzini »

rain353 hat geschrieben:(29 Dec 2021, 01:51)

Es geht mir darum, dass eine Seite ein Monopol auf Pauschalisierungen beansprucht bzw. sich herausnimmt.
Gibt es denn ein aktuelles Beispiel, welches den Threadtitel und den Eingangsbeitrag verbildlicht ?
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von Alexyessin »

franzmannzini hat geschrieben:(28 Dec 2021, 20:10)

Die DDR-Sozialisierung spielt dabei für mich erst mal keine Rolle, sondern hauptsächlich die Erfahrung, welche ich als
Betroffener gemacht habe. Das Stigma ist für mich "Ostdeutscher" oder noch schlimmer "Ossi".
Ich meinte mal gelesen zu haben, dass es einige gibt, die nicht nur das System verloren hatten sondern auch den Staat, die Heimat. Also Migrant ohne Flucht.
Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin kein Nazi, aber...
Baier is ma ned so - Baier sei is a Lebenseinstellung
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von Andreas62 »

Am lustigsten damals war als die strammsten Genossen zu Marktwirtschaftern mutierten.
Aber ist wohl bei Systemwechseln immer so.
"Alles Käse Genossen!"
(Erich Mielke)
PeterK
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von PeterK »

franzmannzini hat geschrieben:(28 Dec 2021, 20:10)
Das Stigma ist für mich "Ostdeutscher" oder noch schlimmer "Ossi".
Meine Mutter, die als Teenager ihr Leben riskiert hat, um aus der DDR zu fliehen, hat sich verschiedentlich weitaus despektierlicher über die Wir-sind-das-Volk-"Helden" geäußert.
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Milady de Winter
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von Milady de Winter »

Andreas62 hat geschrieben:(28 Dec 2021, 22:41)

Die Westberliner können einem irgendwie leid tun, die sind nun auch ohne eigenes Zutun zum Ossi mutiert.
Echt? Also Berliner sind für mich persönlich "Berliner", egal ob aus Ost oder West.
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Sören74

Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von Sören74 »

Andreas62 hat geschrieben:(29 Dec 2021, 08:57)

Am lustigsten damals war als die strammsten Genossen zu Marktwirtschaftern mutierten.
Aber ist wohl bei Systemwechseln immer so.
Die schnelle Anpassungsfähigkeit von Menschen ist eben eine natürliche Gabe. ;)
franzmannzini

Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von franzmannzini »

PeterK hat geschrieben:(29 Dec 2021, 11:04)

Meine Mutter, die als Teenager ihr Leben riskiert hat, um aus der DDR zu fliehen, hat sich verschiedentlich weitaus despektierlicher über die Wir-sind-das-Volk-"Helden" geäußert.
Das ist verständlich, andere Erfahrungen, andere Sichtweise.
Ein Flüchtling aus der DDR wurde z.B. mit offenen Armen empfangen, er wurde als politischer Sieg gefeiert.
Als sich nach der Wende die Flüchtlingsheime im Westen füllten, sah das schon ganz anders aus.
Ansonsten ist das Thema "Wir sind das Volk" im Zusammenhang mit den Demonstration vor dem November 89 wieder ein ganz Anderes.
Bei der von mir so bezeichneten Stigmatisierung, ging es um die Zeit Anfang der 90ziger.
Sören74

Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von Sören74 »

franzmannzini hat geschrieben:(29 Dec 2021, 12:16)

Das ist verständlich, andere Erfahrungen, andere Sichtweise.
Ein Flüchtling aus der DDR wurde z.B. mit offenen Armen empfangen, er wurde als politischer Sieg gefeiert.
Naja, ganz so war es auch nicht. Viele mussten monatelang in Aufnahmelage hinter der Grenze verbringen. Klar, offiziell kehrten die Brüder und Schwestern aus dem Osten "zu uns" zurück und waren herzlich willkommen. Aber man sah schon zu, dass nicht zu viele auf einmal die alte Bundesrepublik bevölkerten.
franzmannzini

Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von franzmannzini »

Sören74 hat geschrieben:(29 Dec 2021, 12:32)

Naja, ganz so war es auch nicht. Viele mussten monatelang in Aufnahmelage hinter der Grenze verbringen. Klar, offiziell kehrten die Brüder und Schwestern aus dem Osten "zu uns" zurück und waren herzlich willkommen. Aber man sah schon zu, dass nicht zu viele auf einmal die alte Bundesrepublik bevölkerten.
Ich meinte hier nur die Flüchtlinge welche unter Einsatz ihres Lebens die Grenze überwunden haben,
also alle die diesen Versuch vor der Grenzöffnung in Ungarn unternommen haben.
PeterK
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von PeterK »

franzmannzini hat geschrieben:(29 Dec 2021, 12:16)
Das ist verständlich, andere Erfahrungen, andere Sichtweise.
Ein Flüchtling aus der DDR wurde z.B. mit offenen Armen empfangen, er wurde als politischer Sieg gefeiert.
Es geht wohl eher darum, dass manche für ihre Freiheit ihr Leben riskiert haben, während andere bis zu 40 Jahre lang auf den Händen gesessen und brav "Ja, Erich, mach' ich, Erich." gesagt haben. Dass die Letzteren von ihrer "Revolution" o.ä. schwafeln, stößt natürlich vielen als ziemlich unangebracht auf.

Wie auch immer. Ich bin meiner Mom dankbar für ihren Mut und bin froh, dass die Drecksäcke von den "Grenztruppen" sie nicht getroffen haben.
Sören74

Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von Sören74 »

PeterK hat geschrieben:(29 Dec 2021, 13:16)

Es geht wohl eher darum, dass manche für ihre Freiheit ihr Leben riskiert haben, während andere bis zu 40 Jahre lang auf den Händen gesessen und brav "Ja, Erich, mach' ich, Erich." gesagt haben.
In der DDR gab es noch mehr als diese beiden Gruppen.
PeterK
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von PeterK »

Sören74 hat geschrieben:(29 Dec 2021, 13:55)
In der DDR gab es noch mehr als diese beiden Gruppen.
Das ist ein schönes Allgemeinplätzchen, dem ich keineswegs widerprechen will.
Sören74

Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von Sören74 »

PeterK hat geschrieben:(29 Dec 2021, 14:16)

Das ist ein schönes Allgemeinplätzchen, dem ich keineswegs widerprechen will.
Nur scheitern leider viele Versuche, konstruktiv über das Thema deutsche Geschichte zu diskutieren, in dem wiederholt Schwarz-Weiß-Aufstellungen bzgl. der Bevölkerung stattfinden. :|
Schnitter
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von Schnitter »

franzmannzini hat geschrieben:(28 Dec 2021, 20:10)

Die DDR-Sozialisierung spielt dabei für mich erst mal keine Rolle, sondern hauptsächlich die Erfahrung, welche ich als
Betroffener gemacht habe. Das Stigma ist für mich "Ostdeutscher" oder noch schlimmer "Ossi".
Persönliches:
Bei mir betraf das hauptsächlich mein Berufsleben (2.Job, eine Westfirma), Anfang der Neunziger, denn grundsätzlich wurde mir nichts
zugetraut, was überdeutlich an meiner Herkunft festgemacht wurde (Vorurteil), ich mußte beweisen, daß ich etwas kann und das noch
bei einer Bezahlung 10Mark/h vs 17Mark/h. Mit viel Enthusiasmus haben meine "Kollegen" daran gearbeitet, mich scheitern zu sehen,
damit sich ihre Prophezeiung erfüllt, hat sie aber nicht. Dafür mußte ich unnachgiebig kämpfen
Das ist also der Grund warum so viele Ostdeutsche Verständnis für Flüchtlinge bzw. Ausländer aufbringen :p
Sören74

Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von Sören74 »

Schnitter hat geschrieben:(29 Dec 2021, 14:26)

Das ist also der Grund warum so viele Ostdeutsche Verständnis für Flüchtlinge bzw. Ausländer aufbringen :p
Sorry, ich verstehe jetzt nicht, was das eine mit dem anderen zu tun hat?
Schnitter
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von Schnitter »

Sören74 hat geschrieben:(29 Dec 2021, 14:29)

Sorry, ich verstehe jetzt nicht, was das eine mit dem anderen zu tun hat?
Dann denk mal drüber nach ;)
Sören74

Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von Sören74 »

Schnitter hat geschrieben:(29 Dec 2021, 14:44)

Dann denk mal drüber nach ;)
Habe ich und ich denke, es hat nichts miteinander zu tun, sondern soll zur Provokation dienen.
PeterK
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von PeterK »

Sören74 hat geschrieben:(29 Dec 2021, 14:22)
Nur scheitern leider viele Versuche, konstruktiv über das Thema deutsche Geschichte zu diskutieren, in dem wiederholt Schwarz-Weiß-Aufstellungen bzgl. der Bevölkerung stattfinden. :|
Unterschiede bestehen halt. Und es hilft ja nichts, Tatsachen aus übertriebener Rücksicht wegdiskutieren zu wollen. Interessant ist sicherlich, die Ursachen für die Unterschiede zu ergründen.
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Helmuth_123
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von Helmuth_123 »

Misterfritz hat geschrieben:(28 Dec 2021, 21:05)

Interessant finde ich, dass die "Westdeutschen" plötzlich mit der Wiedervereinigung Wessies wurden - eine Zuschreibung von den "Ossies".
Ich hatte mich bis dahin nur als Deutsche wahrgenommen, eher noch nach Gegend (also Norden, Süden ....).
Der „Wessie“ ist teilweise wohl auch eine Reaktion auf den „Ossie“.
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Andreas62
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von Andreas62 »

Jeder konnte ja nun auch nicht fliehen, für mich war da wo ich wohnte einfach die Heimat, egal ob die Kommunisten das Sagen hatten, es war das Erzgebirge und dort ist der Erzgebirger verwurzelt.
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von Schnitter »

Sören74 hat geschrieben:(29 Dec 2021, 14:49)

Habe ich und ich denke, es hat nichts miteinander zu tun, ....
Nun das was Franz beschreibt ist genau das was viele Ausländer erleben.

Nämlich dass sie beäugt werden und mehr leisten müssen als andere um anerkannt und respektiert zu werden.
PeterK
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von PeterK »

Andreas62 hat geschrieben:(29 Dec 2021, 15:36)
Jeder konnte ja nun auch nicht fliehen ...
Natürlich nicht. Aber die Flucht der vielen (häufig gebildeten) Menschen, die den Willen und den Mut hatten, hat wohl zu einem Brain-Drain geführt, unter dem der Osten heute noch zu leiden scheint.
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von 3x schwarzer Kater »

PeterK hat geschrieben:(29 Dec 2021, 17:24)

Natürlich nicht. Aber die Flucht der vielen (häufig gebildeten) Menschen, die den Willen und den Mut hatten, hat wohl zu einem Brain-Drain geführt, unter dem der Osten heute noch zu leiden scheint.
Du meinst, wer Hirn hatte ist abgehauen ;)
„Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.“ (Karl Valentin)
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von Astrocreep2000 »

franzmannzini hat geschrieben:(28 Dec 2021, 20:10)

Die DDR-Sozialisierung spielt dabei für mich erst mal keine Rolle, sondern hauptsächlich die Erfahrung, welche ich als
Betroffener gemacht habe. Das Stigma ist für mich "Ostdeutscher" oder noch schlimmer "Ossi".
Persönliches:
Bei mir betraf das hauptsächlich mein Berufsleben (2.Job, eine Westfirma), Anfang der Neunziger, denn grundsätzlich wurde mir nichts
zugetraut, was überdeutlich an meiner Herkunft festgemacht wurde (Vorurteil), ich mußte beweisen, daß ich etwas kann und das noch
bei einer Bezahlung 10Mark/h vs 17Mark/h. Mit viel Enthusiasmus haben meine "Kollegen" daran gearbeitet, mich scheitern zu sehen,
damit sich ihre Prophezeiung erfüllt, hat sie aber nicht. Dafür mußte ich unnachgiebig kämpfen
Allgemeines:
Letzendlich kommt es auf den Umgang jedes Einzelnen mit dieser Problematik an und auch auf den Umgang mit der ewigen Aufwärmung
des "Problems", das "anders seins". So muß man eben damit rechnen, daß wenn man "den" Ostdeutschen ständig darauf hinweist, daß
er anders ist, daraus Handlungen resultieren, die einem anders vorkommen.
Und selbst wenn "der" Ostdeutsche anders ist, also die These stimmen würde, müßte man ihn nicht dann auch anders behandeln ?
Sollte es dann nicht auch eine andere Meßlatte geben ?
Meine ersten persönlichen Begegnungen mit "Ossis" hatte ich 1992, als ich mich nach dem Abi beim Bund verpflichtet hatte. An der Offizierschule stammte bestimmt ein Viertel der Rekruten aus den neuen Bundesländern: In Gesprächen wurde schnell deutlich, dass dies auch der mangelnden (Ausbildungs-)Perspekektive im Osten geschuldet war. Na, als junge Menschen begegnete man sich jedenfalls vorurteilsfrei, man war einfach "unter Kameraden", die Uniformität der BW hat das sicher auch begünstigt. Es war für mich natürlich spannend zu hören, wie eine Jugend in der DDR der 80er war. Allgemein kamen wir "Wessis" uns vergleichsweise "verweichlicht" vor, die Kameraden aus dem Osten waren irgendwie schon "abgehärteter", was besonders bei den Überlebenslehrgängen deutlich wurde ;-) Einige hatten schon eine in der DDR mögliche "vor-militärische" Ausbildung gehabt.

Jedenfalls kann ich sagen, dass ich in meinem Leben keine schlechte Erfahrungen mit Menschen aus den neuen Bundesländern gemacht habe, die ich auf ihre Herkunft oder Sozialisierung zurückführen würde. In den 2000ern haben wir einige Urlaube in den "neuen" Bundesländern verbracht, auf Usedom, Rügen, Darß, Städtetrips nach Dresden oder Weimar und immer sind wir zurückgekommen mit tollen Eindrücken und Begegnungen.

Deswegen finde ich es insgesamt schon ein wenig deprimierend, wenn immer noch diese alten Klischees - von beiden "Seiten" - bemüht werden, bzw. diese immer noch negativ besitzt sind ...

... oder vielmehr wieder: Bis zu Pegida und dem Rechtsruck der AfD und deren Erfolg im Osten hatte ich eigentlich das Gefühl, Willy Brands Prognose von den knapp 30 Jahren des (nahtlosen) Zusammenwachsens würde aufgehen...

rain353 hat geschrieben:(29 Dec 2021, 01:51)

Es geht mir darum, dass eine Seite ein Monopol auf Pauschalisierungen beansprucht bzw. sich herausnimmt.
... allerdings erweist ein kleiner, aber eben entsprechend lauter und aggressiv auftretender Teil der ostdeutschen Bevölkerung seinen (Bundes-)Landsleuten seit 2015/16 einen echten Bärendienst, was das Bild der "Ostdeutschen" in den Augen der "Westdeutschen" angeht. Ich bin ich nicht immer einverstanden, wie in den Medien damit umgegangen wird, die Problematik, dass da etliche immer noch nicht im "Gesamtdeutschland nach 1990" angekommen sind, lässt sich allerdings auch nicht wegdikutieren.
PeterK
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Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von PeterK »

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(29 Dec 2021, 19:39)
Du meinst, wer Hirn hatte ist abgehauen ;)
Soweit ich weiß, war dem zumindest teilweise so. Deshalb lag der Volksmund mit dem Begriff "Der Doofe Rest" wohl auch - wie so oft - nicht ganz falsch.

Ein Beispiel: https://www.bpb.de/geschichte/deutsche- ... uote]Nicht ohne Grund bezeichnen viele Historiker den 13. August 1961 als die "heimliche" oder "endgültige" Gründung der DDR, da der Mauerbau die anhaltende Fluchtbewegung aus der DDR weitgehend stoppte und den "Aderlass" von Fachkräften, zum Beispiel Medizinern, unterband.[/quote]
Man kann das nicht verallgemeinern, aber ein intellektueller Aderlass hat wohl schon stattgefunden. Und das ist für eine Gesellschaft natürlich ein - wahrscheinlich über Generationen fortgetragenes - Problem.
franzmannzini

Re: Stigmatisierungen von Ostdeutsche

Beitrag von franzmannzini »

Schnitter hat geschrieben:(29 Dec 2021, 14:26)

Das ist also der Grund warum so viele Ostdeutsche Verständnis für Flüchtlinge bzw. Ausländer aufbringen :p
Warum sollte das so sein ?
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