Kampf gegen Links

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JJazzGold
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von JJazzGold »

Selina hat geschrieben:(05 Jul 2020, 14:09)

Apropos "Listen an linksextremen Verbrechen": Vergleicht man solche Listen, die sich mit unserem deutschen Geschehen seit der Wende befasst, dann gibt es schon einen gravierenden Unterschied. Denn auf der Liste rechtsextremer Gewalt steht eine Vielzahl von Toten.
Gut, dann brauchen wir auch der Toten vor 1990 nicht mehr zu gedenken, egal welchem Regime linksaussen oder rechtsaussen sie zum Opfer fielen, könne die Denkmäler schleifen und vielleicht mal in ferner Zukunft neue errichten, wenn die Zahlen hoch genug sind.
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Skeptiker

Re: Kampf gegen Links

Beitrag von Skeptiker »

Selina hat geschrieben:(05 Jul 2020, 18:20)

Nö, hab ich nicht gesagt.

Übrigens: Die konservative AKK sagt gerade auf ARD sehr konsequente Dinge zum Rechtsextremismus und seinem parlametarisch-politischen Arm, der AfD :thumbup:

Wo sind hier solche konsequenten Konservativen?
Das ist doch toll.

Können wir dann zum Strangthema zurückkehren, oder gibt es noch etwas zum Thema Rechtsextremismus im Strang zum Thema Linksextremismus zu erzählen?
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firlefanz11
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von firlefanz11 »

Selina hat geschrieben:(05 Jul 2020, 13:31)

Ja, das ist furchtbar. Kaum auszuhalten. Genauso haben deutsche Nazis in der Sowjetunion und anderswo auf der Welt, vor allem in den Konzentrationslagern, gewütet. Das war kein bisschen besser oder humaner.
Und schon wieder: "Aber die Anderen...!" *schnarch* :rolleyes:
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JJazzGold
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von JJazzGold »

firlefanz11 hat geschrieben:(05 Jul 2020, 21:05)

Und schon wieder: "Aber die Anderen...!" *schnarch* :rolleyes:
Bevor nicht alle Bundesländer unsere Nazi Vergangenheit aufgearbeitet haben, dürfen wir linksterroristische Regime nicht kritisieren. Ich hoffe, Sachsen, Brandenburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sind bald mal so weit.
Zuletzt geändert von JJazzGold am Sonntag 5. Juli 2020, 21:20, insgesamt 1-mal geändert.
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firlefanz11
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von firlefanz11 »

Selina hat geschrieben:(05 Jul 2020, 14:09)

Apropos "Listen an linksextremen Verbrechen": Vergleicht man solche Listen, die sich mit unserem deutschen Geschehen seit der Wende befasst, dann gibt es schon einen gravierenden Unterschied. Denn auf der Liste rechtsextremer Gewalt steht eine Vielzahl von Toten.
Und NOCH mal whataboutism... :rolleyes:

Bleiben wir mal bei der Neuzeit... Es geht nicht immer nur um Kapitalverbrechen... Eine ar- u. wehrlose Frau zusammenzuschlagen nur weil sie Immobilienmaklerin ist oder Polizisten gezielt in eine Falle zu locken um dann mit Eisenstangen u. Ä. auf sie los zu gehen hat schon was... Das ist was anderes als wenn mal ne Wanne brennt oder das Geschäftsfenster einer armen Bäckerin eingeschlagen wird...
Aber wehe sie kriegen dafür auf die Mütze. Dann sind Polizei u. Staat ganz furchtbar pöse u. räääächts und gehören abgeschafft... :rolleyes:
Zuletzt geändert von firlefanz11 am Sonntag 5. Juli 2020, 21:22, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von firlefanz11 »

JJazzGold hat geschrieben:(05 Jul 2020, 21:11)

Bevor nicht in allen Bundesländern unsere Nazi Vergangenheit aufgearbeitet haben, dürfen wir linksterroristische Regime nicht kritisieren. Ich hoffe, Sachsen, Brandenburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sind bald mal so weit.
Um mal Monty Python zu paraphrasieren: "Na und?! Ich sags trotzdem: MADURO....MADURO...!!!"
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JJazzGold
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von JJazzGold »

firlefanz11 hat geschrieben:(05 Jul 2020, 21:21)

Um mal Monty Python zu paraphrasieren: "Na und?! Ich sags trotzdem: MADURO....MADURO...!!!"
Um es mal mit Teilen der Die Linke zu sagen, “Hände weg von Venezuela - vorwärts zum Sozialismus“.
Frei interpretiert, wenn Maduro sein Volk verrecken lassen will, dann steht das einem lupenreinen Sozialisten wie ihm zu.
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von Findulin »

Selina hat geschrieben:(05 Jul 2020, 12:38)

Nein, ist es nicht. Wikipedia ist die größte freie gemeinnützige und sehr seriöse Enzyklopädie, von tausenden Ehrenamtlern zusammengetragen, die mittlerweile den Vergleich mit anderen älteren Nachschlagewerken durchaus bestehen kann. Es sind überall Abschnitte zu Kritik enthalten und genügend Verlinkungen zur Gegenprobe. Lasst euch Wikipedia nicht schlechtreden, liebe Leute. Parallel kann man jederzeit auf Originalqellen zugreifen, auf die Wikipedia auch verweist.
Allein, dass du schon Wikipedia verteidigst, sollte jeden Unvoreingenommenen nachdenklich werden lassen. Quellen produzieren sie selbst. Andreas Kemper etwa schreibt ein Buch und zitiert dann daraus in der Wikipedia, um seine Thesen zu "belegen".
Skeptiker

Re: Kampf gegen Links

Beitrag von Skeptiker »

JJazzGold hat geschrieben:(05 Jul 2020, 21:11)
Bevor nicht alle Bundesländer unsere Nazi Vergangenheit aufgearbeitet haben, dürfen wir linksterroristische Regime nicht kritisieren. Ich hoffe, Sachsen, Brandenburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sind bald mal so weit.
Man müsste nun mal das StGb durchgehen und schauen, was alles nicht so schlimm ist wie Genozid. Wenn wir das nun auch alles nicht verfolgen, weil der Nationalsozialismus noch nicht so aufgearbeitet wurde wie Linksradikale sich das vorstellen, dann machen die Forderungen von "Defund the Police" auch auf einmal Sinn. Wozu braucht man schließlich Polizei, wenn man die Verbrechen eh nicht verfolgen will?

Ich frage mich manchmal ganz ehrlich in welcher Traumwelt Linksideologen leben. Das scheint mit zum Teil eine pathologische Komponente zu haben. Mir fehlt da manchmal der Sinn dafür, dass der Kategorische Imperativ die Grundlage unseres Verständnisses von gesellschaftlichem Miteinander bildet. Bist du aber links, scheint das alles nicht mehr zu gelten. Regeln sind nur für die anderen da. Opfer ist man immer selber, Täter immer der, den man sich gerade dazu ausdenkt. Praktischerweise zählen Opferargumente immer mehr als Täterargumente, sodass kein Zweifel aufkommen kann, dass man selber im Recht ist. Es erscheint manchmal so dämlich, dass es surreal wirkt, aber es ist Wirklichkeit.
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von Elmar Brok »

Findulin hat geschrieben:(05 Jul 2020, 22:03)

Allein, dass du schon Wikipedia verteidigst, sollte jeden Unvoreingenommenen nachdenklich werden lassen. Quellen produzieren sie selbst. Andreas Kemper etwa schreibt ein Buch und zitiert dann daraus in der Wikipedia, um seine Thesen zu "belegen".
Der Ruf von Wikipedia lässt Wikipedia definitiv zu schlecht dastehen. Das kann durchaus mal festgehalten werden.
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von schokoschendrezki »

Selina hat geschrieben:(03 Jul 2020, 19:21)

Die immer behauptete enge Verbandelung von Putin mit Dugin (den meinst du ja sicher) wird nirgendwo so richtig belegt. Falls du so einen Beleg - jenseits von irgendwelchen Behauptungen und Vermutungen - hast, wär ich dir dankbar. Autokrat und Machtmensch Putin kann einem wirklich nicht ganz geheuer sein, stimmt, für einen Neuen Rechten oder gar Faschisten halte ich ihn dennoch nicht. Zumal russischer Nationalismus (auch wenn ich Nationalismus generell ablehne) trotzdem noch ein anderer als deutscher Nationalismus ist.
Aber nicht doch! Ich meinte Iwan Alexandrowitsch Iljin (1883-1954). Ein russischer rechtskonservativ-monarchistischer, slawophiler Philosoph. Auf den beruft sich Putin ganz ausdrücklich. Iljin war offen Anti-Bolschewist. Worauf es mir ankam: Die Generation Nachkrieg sortiert den Ex-KGBler Putin vermutlich und (ja nicht ganz unmotiviert) noch in die Kategorie "kommunistisches Sowjetreich" ein. Kulakenmörder, Kirchenzerstörer, Kollektivierer, Roter Stern. Die müssen einerseits völlig umdenken und andererseits verstehen, dass die Ex-UdSSR und das heutige großimperiale Russland doch auch nur zwei Varianten der Realisierung eines expandierenden Machtapparats sind.
Ich finde, wir haben allen Grund, die Neue Rechte im eigenen Land etwas stärker unter die Lupe zu nehmen. Was die mit Andersdenkenden und Anderslebenden vorhat im Falle der erträumten und gewünschten "Machtübernahme", das braucht sich vor Hitlerzeiten nicht zu verstecken.
Ja. Aber das betrifft aus meiner Sicht nur oder vor allem die Neue Rechte im Staatsapparat bzw. in der Mehrheitsgesellschaft. Ich stehe völlig auf der Seite des Bundesverfassungsgerichts in seinem Entschluss zum Nichtverbot der NPD. Meinungsfreiheit geht im Zweifel über Kampf gegen unerwünschte politische Richtungen.

Das schockierende an dem Anti-Soros-Plakat seinerzeit in Ungarn war für mich nicht so sehr sein offen antisemitischer Inhalt (solche Fratzen-Bilder habe ich auch schon woanders gesehen), sondern die Tatsache, dass es sich um eine Staatskampagne, eine Regierungskampagne handelt. Von einer Regierungspartei, die nicht durch einen Militärputsch an die Macht kam sondern durch völlig legale ordnungsgemäß durchgeführte Wahlen.

Bezogen auf Deutschland bedeutet diese Grundhaltung für mich, dass mich nicht so sehr die AfD oder die Stiefelnazis in Anklam beunruhigen sondern aktuell vor allem die rechtsextremen Tendenzen in der Eliteeinheit KSK.

Es ist längstens an der Zeit, endlich gedanklich aus dieser Vorstellung einer bipolaren Weltordnung auszusteigen und sich von der chaotischen politischen Szenerie, die sich dem entideologisierten Blick bietet, nicht kirre machen zu lassen.
Ich habe nie in meinem Leben irgendein Volk oder Kollektiv geliebt ... ich liebe in der Tat nur meine Freunde und bin zu aller anderen Liebe völlig unfähig (Hannah Arendt)
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von Selina »

schokoschendrezki hat geschrieben:(06 Jul 2020, 08:39)

Aber nicht doch! Ich meinte Iwan Alexandrowitsch Iljin (1883-1954). Ein russischer rechtskonservativ-monarchistischer, slawophiler Philosoph. Auf den beruft sich Putin ganz ausdrücklich. Iljin war offen Anti-Bolschewist. Worauf es mir ankam: Die Generation Nachkrieg sortiert den Ex-KGBler Putin vermutlich und (ja nicht ganz unmotiviert) noch in die Kategorie "kommunistisches Sowjetreich" ein. Kulakenmörder, Kirchenzerstörer, Kollektivierer, Roter Stern. Die müssen einerseits völlig umdenken und andererseits verstehen, dass die Ex-UdSSR und das heutige großimperiale Russland doch auch nur zwei Varianten der Realisierung eines expandierenden Machtapparats sind.



Ja. Aber das betrifft aus meiner Sicht nur oder vor allem die Neue Rechte im Staatsapparat bzw. in der Mehrheitsgesellschaft. Ich stehe völlig auf der Seite des Bundesverfassungsgerichts in seinem Entschluss zum Nichtverbot der NPD. Meinungsfreiheit geht im Zweifel über Kampf gegen unerwünschte politische Richtungen.

Das schockierende an dem Anti-Soros-Plakat seinerzeit in Ungarn war für mich nicht so sehr sein offen antisemitischer Inhalt (solche Fratzen-Bilder habe ich auch schon woanders gesehen), sondern die Tatsache, dass es sich um eine Staatskampagne, eine Regierungskampagne handelt. Von einer Regierungspartei, die nicht durch einen Militärputsch an die Macht kam sondern durch völlig legale ordnungsgemäß durchgeführte Wahlen.

Bezogen auf Deutschland bedeutet diese Grundhaltung für mich, dass mich nicht so sehr die AfD oder die Stiefelnazis in Anklam beunruhigen sondern aktuell vor allem die rechtsextremen Tendenzen in der Eliteeinheit KSK.

Es ist längstens an der Zeit, endlich gedanklich aus dieser Vorstellung einer bipolaren Weltordnung auszusteigen und sich von der chaotischen politischen Szenerie, die sich dem entideologisierten Blick bietet, nicht kirre machen zu lassen.
Richtig. Da hast du meine hundertprozentige Zustimmung. Was die "Vorstellung von einer bipolaren Weltordnung" anbelangt, das empfinde ich wie Eulen nach Athen tragen. Aber vielleicht hast du damit ja auch gar niemanden persönlich gemeint. Ja klar wird der neue Faschismus erst dann wirklich gefährlich, wenn er Staatspolitik wird. Selbstverständlich. Allerdings halte ich es dennoch für besorgniserregend, faschistoide Erscheinungen jeglicher Art zu übersehen, wissentlich oder unwissentlich. Denn bevor das Staatspolitik wird, gibts erste Schritte auf dem Weg dahin. In Deutschland überdeutlich zu sehen.
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von schokoschendrezki »

JJazzGold hat geschrieben:(05 Jul 2020, 21:26)

Um es mal mit Teilen der Die Linke zu sagen, “Hände weg von Venezuela - vorwärts zum Sozialismus“.
Frei interpretiert, wenn Maduro sein Volk verrecken lassen will, dann steht das einem lupenreinen Sozialisten wie ihm zu.
Irgendwann in den letzten Tagen bin ich mit dem Fahrrad am Spreeufer in Treptow, an den Anlegestellen der Ausflugsschiffe vorbeigekommen. Da wo sich das sich vorwiegend links sehende Publikum aus dem benachbarten Friedrichshain am Wasser erholt. Da gabs auch so einen Verkaufsstand mit venezolanischen - ich glaub Maisfladen. Von der ganzen Aufmachung her irgendwie 70er, "Che". Die linke Szene ist in weiten Teilen noch immer oder schon wieder ähnlich kulturalisiert wie die rechte. Ich hab' mich mal eine ganze Weile mit einem kritischen Menschen aus Mittelamerika unterhalten. Der meinte: Was die sich als links gebenden Europäer manchmal so nachquatschen, mitsingen, nachempfinden, mitmachen ... die können sich oft gar nicht vorstellen, wie voll dieses Zeug von schlimmstem Machotum, Nationalismus oder auch religiös geprägter Rückständigeit häufig ist.
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von tarkomed »

McKnee hat geschrieben:(05 Jul 2020, 13:25)

Belassen wir es dabei. Es ist schon heftig mir zu unterstellen, ich würde hier einen Beruf und was dazu gehört in der Anonymität vortäuschen. Danke für eure Geduld mit mir
Ich habe dir nicht unterstellt, du würdest deinen Beruf hier vortäuschen. Ich habe lediglich betont, dass dein Beruf – speziell die Informationen, auf die du berufsbedingt Zugriff hast – hier im Forum irrelevant ist, weil dein Spezialwissen durch deinen Beruf bei einer Diskussion hier eine Argumentation dafür oder dagegen unmöglich macht. Eine vernünftige Diskussion ist nur möglich, wenn alle Beteiligten die gleichen Möglichkeiten haben, zu allen für ihre Argumentation benötigten Informationen gleichermaßen zuzugreifen, denn sonst laufen sie sehr schnell Gefahr, der Lüge bezichtigt zu werden und sie können sich nicht dagegen wehren.
Gib dich nicht so, dass alle andern dich für etwas halten, was du nicht sein willst.
Wenn sie es trotzdem tun, dann bist du es...
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von JJazzGold »

schokoschendrezki hat geschrieben:(06 Jul 2020, 09:17)

Irgendwann in den letzten Tagen bin ich mit dem Fahrrad am Spreeufer in Treptow, an den Anlegestellen der Ausflugsschiffe vorbeigekommen. Da wo sich das sich vorwiegend links sehende Publikum aus dem benachbarten Friedrichshain am Wasser erholt. Da gabs auch so einen Verkaufsstand mit venezolanischen - ich glaub Maisfladen. Von der ganzen Aufmachung her irgendwie 70er, "Che". Die linke Szene ist in weiten Teilen noch immer oder schon wieder ähnlich kulturalisiert wie die rechte. Ich hab' mich mal eine ganze Weile mit einem kritischen Menschen aus Mittelamerika unterhalten. Der meinte: Was die sich als links gebenden Europäer manchmal so nachquatschen, mitsingen, nachempfinden, mitmachen ... die können sich oft gar nicht vorstellen, wie voll dieses Zeug von schlimmstem Machotum, Nationalismus oder auch religiös geprägter Rückständigeit häufig ist.
Das glaube ich sofort. Wenn ich die Berichte unserer damaligen Kollegen vor Ort zugrunde lege, dann fehlt mir jedes Verständnis für das Applaudieren der Linken zugunsten Maduros.
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von schokoschendrezki »

Selina hat geschrieben:(06 Jul 2020, 09:11)

Richtig. Da hast du meine hundertprozentige Zustimmung. Was die "Vorstellung von einer bipolaren Weltordnung" anbelangt, das empfinde ich wie Eulen nach Athen tragen. Aber vielleicht hast du damit ja auch gar niemanden persönlich gemeint. Ja klar wird der neue Faschismus erst dann wirklich gefährlich, wenn er Staatspolitik wird. Selbstverständlich. Allerdings halte ich es dennoch für besorgniserregend, faschistoide Erscheinungen jeglicher Art zu übersehen, wissentlich oder unwissentlich. Denn bevor das Staatspolitik wird, gibts erste Schritte auf dem Weg dahin. In Deutschland überdeutlich zu sehen.
Aber auch in Richtung AfD müssen Diskussionen politisch-inhaltlich geführt werden und sollten nicht auf ein gedachtes "wann werden die endlich verboten ..." hinauslaufen.

Es gibt besorgniserregende Dinge außerhalb dieser poltiischen Debatten genug. Bei der Spezialeinheit KSK gibts nicht nur rechtsextreme Tendenzen und den Brandbrief eines verzweifelten Kommandeurs ... es ist massenweise Munition und Sprengstoff dort verschwunden. Ich war nicht bei der Armee. Aber man hat mir erzählt, dass eigentlich schon die Unauffindbarkeit einer einzelnen Patrone ein schwerwiegendes Problem sein müsste.
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von JJazzGold »

Skeptiker hat geschrieben:(05 Jul 2020, 22:10)

Man müsste nun mal das StGb durchgehen und schauen, was alles nicht so schlimm ist wie Genozid. Wenn wir das nun auch alles nicht verfolgen, weil der Nationalsozialismus noch nicht so aufgearbeitet wurde wie Linksradikale sich das vorstellen, dann machen die Forderungen von "Defund the Police" auch auf einmal Sinn. Wozu braucht man schließlich Polizei, wenn man die Verbrechen eh nicht verfolgen will?

Ich frage mich manchmal ganz ehrlich in welcher Traumwelt Linksideologen leben. Das scheint mit zum Teil eine pathologische Komponente zu haben. Mir fehlt da manchmal der Sinn dafür, dass der Kategorische Imperativ die Grundlage unseres Verständnisses von gesellschaftlichem Miteinander bildet. Bist du aber links, scheint das alles nicht mehr zu gelten. Regeln sind nur für die anderen da. Opfer ist man immer selber, Täter immer der, den man sich gerade dazu ausdenkt. Praktischerweise zählen Opferargumente immer mehr als Täterargumente, sodass kein Zweifel aufkommen kann, dass man selber im Recht ist. Es erscheint manchmal so dämlich, dass es surreal wirkt, aber es ist Wirklichkeit.
Dieser Satz kann unverändert sowohl auf den linken als auch den rechten Rand angewandt werden. Eine Schnittmenge, die mir immer wieder auffällt. Man selbst ist immer Opfer und “die Anderen“ immer Täter.
Was nachvollziehbar erscheint, nicht akzeptabel!, wenn zugrunde gelegt wird, dass die Erkenntnis, nicht zur bürgerlichen Mitte zu zählen eingesickert und die Aussicht dieses jemals zu erreichen gering bis unmöglich ist.
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von schokoschendrezki »

JJazzGold hat geschrieben:(06 Jul 2020, 09:40)

Dieser Satz kann unverändert sowohl auf den linken als auch den rechten Rand angewandt werden. Eine Schnittmenge, die mir immer wieder auffällt. Man selbst ist immer Opfer und “die Anderen“ immer Täter.
Was nachvollziehbar erscheint, nicht akzeptabel!, wenn zugrunde gelegt wird, dass die Erkenntnis, nicht zur bürgerlichen Mitte zu zählen eingesickert und die Aussicht dieses jemals zu erreichen gering bis unmöglich ist.
Das kann ich ajus meiner Erfabhrung überhaupt nicht nachvollziehen. Um "Linksideologe" zu sein oder sich als solcher zu geben oder zu fühlen, bedarf es ganz klar einer gewissen ökonomischen und sozialen Sicherheit. Alle die Menschen aus meiner persönlichen Erfahrung, die ich irgendwie mehr oder weniger als "Linksideologen" sehen würde, zeichnen sich dadurch aus, dass sie im bürgerlichen Sinne sorgenfrei sind, in Staatsapparat (oder auch Kirche!) einen gut bezahlten Job haben und sich persönlich und selbst nie und nimmer als "Opfer" sehen würden. Sie meinen oft, andere Gruppen (sozial Schwache, das "palästiensische Volk", Textilarbeiterinnen in Bangla Desh) oder wen auch immer interessensmäßig vertreten zu müssen ... aber sie selbst sind weder objektiv Opfer noch sehen sie sich als solche.

Bei denen wiederum, die es als unmöglich ansehen, zur "bürgerlichen Mitte" in Bezug auf Einkommen und soziale Stellung aufzusteigen ... und wo dies in der Regel auch zutreffend ist ... habe ich noch nie, niemals auch nur den Anflug von "Linksideologie" erlebt. Im Gegenteil: Diese soziale Gruppen, illusionslos zur Kenntnis genommen, suchen sich so gut wie immer selbst Opfer, die möglichst immer noch unter ihnen stehen (Migranten zum Beispiel) und auf denen sie unter dem Beifall ihrer Gruppengefährten herumtrampeln können. "Opfer" ist unter den realiter tatsächlich Abgehängten ein Schimpfwort. Jedes beliebige Rap-Video sollte einem das klar machen.
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von imp »

schokoschendrezki hat geschrieben:(06 Jul 2020, 09:59)

Das kann ich ajus meiner Erfabhrung überhaupt nicht nachvollziehen. Um "Linksideologe" zu sein oder sich als solcher zu geben oder zu fühlen, bedarf es ganz klar einer gewissen ökonomischen und sozialen Sicherheit. Alle die Menschen aus meiner persönlichen Erfahrung, die ich irgendwie mehr oder weniger als "Linksideologen" sehen würde, zeichnen sich dadurch aus, dass sie im bürgerlichen Sinne sorgenfrei sind, in Staatsapparat (oder auch Kirche!) einen gut bezahlten Job haben und sich persönlich und selbst nie und nimmer als "Opfer" sehen würden. Sie meinen oft, andere Gruppen (sozial Schwache, das "palästiensische Volk", Textilarbeiterinnen in Bangla Desh) oder wen auch immer interessensmäßig vertreten zu müssen ... aber sie selbst sind weder objektiv Opfer noch sehen sie sich als solche.

Bei denen wiederum, die es als unmöglich ansehen, zur "bürgerlichen Mitte" in Bezug auf Einkommen und soziale Stellung aufzusteigen ... und wo dies in der Regel auch zutreffend ist ... habe ich noch nie, niemals auch nur den Anflug von "Linksideologie" erlebt. Im Gegenteil: Diese soziale Gruppen, illusionslos zur Kenntnis genommen, suchen sich so gut wie immer selbst Opfer, die möglichst immer noch unter ihnen stehen (Migranten zum Beispiel) und auf denen sie unter dem Beifall ihrer Gruppengefährten herumtrampeln können. "Opfer" ist unter den realiter tatsächlich Abgehängten ein Schimpfwort. Jedes beliebige Rap-Video sollte einem das klar machen.
Rap ist doch oft eher so ein Abiturientenspaß für die gar nicht mal so hochwertige Ironie-und-Trotz-Phase. Anführertum aller Art ist häufig ein Elitending, ob man da nun auf Luther, Marx, Putin oder Mandela schaut - übrigens nicht immer von privilegierter Geburt, aber doch von situiertem Stand. Schaut man auf die klassische Arbeiterbewegung oder auf moderne soziale Bewegungen, dann hat man die Biographien, die selbst betroffen sind, allenfalls an der Basis. Die halten Schilder hoch oder zünden mal eine Mülltonne an, aber feurige Reden, Querbinder oder Mode-Schal sind doch ihre Sache nicht. Wer wirklich im Überlebenskampf steckt, hat vielleicht für ein verstetigtes Engagement auch gar keinen Kopf und keine Kraft.

Auf der rechten Seite haben wir klassisch auch nicht so sehr die Verarmten sondern vielmehr die untere Mittelschicht mit konkreten oder diffusen Abstiegsängsten, vor allem in Krisenzeiten. Auch hier kommt das Anführertum meist eher aus einer Elite. Als in den 90ern etwa der Rechtsextremismus im Osten auf die Straßen und in die Parlamente drang, waren die Anführer - Schlierer (Anwalt), Voigt, Apfel, Frey (Verleger und Immobilienbesitzer), Pastörs (Juwelier), Deckert (Gymnasiallehrer), Gansel (Burschenschafter, Politikwissenschaftler), Petzold (Selbständiger Gastronom), eher gut situiert, während die Basis häufig ein Bild von Tierquälern, Kleinkriminellen und Wirrköpfen (DVU) oder Schlägertypen und verkrachten Existenzen (NPD) abgab. Fast alle namentlich Genannten kamen übrigens erst nach dem Beitritt in den Osten.
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Selina
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von Selina »

schokoschendrezki hat geschrieben:(06 Jul 2020, 09:39)

Aber auch in Richtung AfD müssen Diskussionen politisch-inhaltlich geführt werden und sollten nicht auf ein gedachtes "wann werden die endlich verboten ..." hinauslaufen.

Es gibt besorgniserregende Dinge außerhalb dieser poltiischen Debatten genug. Bei der Spezialeinheit KSK gibts nicht nur rechtsextreme Tendenzen und den Brandbrief eines verzweifelten Kommandeurs ... es ist massenweise Munition und Sprengstoff dort verschwunden. Ich war nicht bei der Armee. Aber man hat mir erzählt, dass eigentlich schon die Unauffindbarkeit einer einzelnen Patrone ein schwerwiegendes Problem sein müsste.
Nur noch so viel, dann höre ich auf wegen OT. Nur, weil du es ansprichst: Bei mir gibts kein gedachtes "wann werden die endlich verboten ..." Man sollte sie nur nicht durch Schweigen oder Gleichgültigkeit dabei unterstützen, dass sie ihre "Machtübernahme"-Fantasien ausleben können. Im Theaterbereich vereinzelt schon gut zu beobachten. Die Weltoffenheit der meisten Theaterleute ist denen ein Dorn im Auge. Eigentlich in allen Alltags-und-Kunst-Kultur-Bereichen mischen die Partei-"Experten" schon mit. Oft im Hintergrund, aber spürbar. Sie setzen das um, was sie in ihrem "geheimen" Strategie-Papier geplant haben, nämlich, alle Alltagsthemen systematisch zu besetzen. Dabei werden sie fleißig unterstützt von denen, die sie für eine "normale demokratische Partei" halten. Und was die Diskussionen anbelangt, die "politisch-inhaltlich geführt werden müssen", da gebe ich dir natürlich recht. Und deshalb hatte ich mit Julian zum Beispiel sehr lange inhaltliche und detaillierte Diskussionen. Ich gehörte zu den ganz wenigen Usern, die überhaupt versucht hatten, sich sachlich mit ihm auseinanderzusetzen. Als er dann gesperrt werden sollte, argumentierte ich gegen eine Sperrung. Warum? Weil ich eben gerade immer für die inhaltlich-argumentative Auseinandersetzung bin. Aber gut, vielleicht war bei ihm auch eine Grenze erreicht. Kann ich nicht einschätzen. Und so ist das auch bei etlichen anderen Anhängern dieser Partei, mit denen ich schon oft längere inhaltliche Debatten hatte. Ich wünschte mir mehr solche Auseinandersetzungen auch anderer Leute mit denen und nicht dieses ständige Wegducken oder Verharmlosen.

Und was die KSK-Einheit anbelangt, ja, das ist schlimm. Und Munition geistert noch viel mehr im Land herum, nicht nur die von denen. Daher fand ich es auch gut, dass sich gestern AKK ziemlich deutlich gegen Rechtsextremismus in der Bundeswehr geäußert hat. Sie sprach auch davon, dass diese KSK-Einheit nur eine rechtsextreme Gruppierung sei und es noch viel mehr Derartiges in der Bundeswehr gäbe. Was ja jeder weiß. Es gibt auch rechtsextreme Netzwerke in der Polizei. Ohne die Polizei in ihrer Gänze verurteilen zu wollen. Trotzdem sollte diesen Vorgängen mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Was da wirklich an Prävention und Bekämpfung derartiger Erscheinungen getan wird, weiß ich nicht. Hoffentlich sinds nicht nur leere Worte. Denn an wen wendet man sich dann, wenn man selbst Opfer der bewussten Gewalt wird????

Ich würde diese Partei auch nicht so trennen inhaltlich vom sonstigen Rechtsextremismus. Das ist alles gut miteinander vernetzt. Die Gefahr besteht darin, dass die Partei in den Parlamenten sitzt und über jede Menge Steuergeld verfügt, das in Kanäle fließt, vor denen mir graut.
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von Skeptiker »

JJazzGold hat geschrieben:(06 Jul 2020, 09:40)
Dieser Satz kann unverändert sowohl auf den linken als auch den rechten Rand angewandt werden. Eine Schnittmenge, die mir immer wieder auffällt. Man selbst ist immer Opfer und “die Anderen“ immer Täter.
Was nachvollziehbar erscheint, nicht akzeptabel!, wenn zugrunde gelegt wird, dass die Erkenntnis, nicht zur bürgerlichen Mitte zu zählen eingesickert und die Aussicht dieses jemals zu erreichen gering bis unmöglich ist.
Das ist grundsätzlich richtig, und trifft in seiner Allgemeinheit auf die politischen Ränder zu.

Linke haben allerdings eine besondere Beziehung zum "Opfer". Das geht sehr schön aus einem längeren Beitrag von Jan Fleischhauer auf der Seite des Deutschen Institutes für Jugend und Gesellschaft hervor.
Die Erfindung des Opfers
Die Aufwertung des Opfers war ursprünglich einmal ein beachtlicher Fortschritt in der Zivilisationsgeschichte. Jahrtausendelang war der Mensch gezwungen, anderen durch Stärke zu imponieren; sein Bestreben ging stets dahin, dominant zu erscheinen, auch dominanter, als er sich tatsächlich fühlte. Was hätte er dabei gewinnen können, sich schwach und angreifbar zu machen? Der Schwache lädt dazu ein, ihn zu erniedrigen, er muss fürchten, dass man sein Feld verwüstet und ihn seiner Habe beraubt. Auch im Tierreich ist keine Gattung bekannt, die durch demonstrative Schwäche herausfordert. Es gibt wohl Arten, die sich möglichst unsichtbar machen, um ihren Feinden zu entgehen, aber das Vorzeigen von Wehrlosigkeit ist nur als Unterwerfungsgeste bekannt, um nach einem verlorenen Kampf Schonung zu erwirken, nicht zur Vorteilsgewinnung.

Die Vervielfachung des Opferbegriffs
Heute dagegen ist das Opfer in seinen vielen neuen Spielarten ein respektierter Vertreter unserer Zeit geworden. Es ist längst aus der geschützten Sphäre der Selbsthilfegruppen und Therapiekreise in die Alltagswelt hinausgetreten. Man begegnet ihm am Arbeitsplatz als Mobbing­opfer oder Opfer sexistischer Beleidigung und Benachteiligung. In der Familie taucht es als Opfer der Doppelbelastung auf, als Leidtragende oder Leidtragender emotionaler Vernachlässigung und später dann, wenn alles auseinandergeflogen ist, als Scheidungsopfer. Es gibt das Stressopfer, das Opfer von Spiel- und Sexsucht, das Stalkingopfer und natürlich, ganz allgemein, das Opfer der Verhältnisse.
So hat sich der Opferbegriff mit seiner Vervielfachung erstaunlich erweitert, die Politik ist damit vor neue Aufgaben gestellt. Anders als das klassische Opfer von Krieg, Gewalt und Terror, das in einer traumatischen Erfahrung völlig gefangen ist und sich demzufolge von der Umwelt abschließt, sucht das Opfer in seiner neuen, modernen Form den Kontakt nach außen. Es begreift seine Geschichte als exemplarisch und damit verallgemeinerbar, folglich gibt es keinen Grund, sich der Opferrolle zu schämen oder sie zu bemänteln. Das Zeigen von Schwäche wird, im Gegenteil, als Stärke gewertet: Der Austausch über das eigene Erleben schafft Verbindung und Nähe und erlaubt anderen, sich anzuschließen und zugehörig zu fühlen; die subjektive Betroffenheit ist Ausweis sozialer Kompetenz und damit Voraussetzung gesellschaftlicher Akzeptanz.

Aufmerksamkeit und Anteilnahme
Der neuartige Opferstatus ist darum in mehrfacher Hinsicht von Gewinn. Er verspricht Entlastung, indem er die Verlagerung von Schuldanteilen ermöglicht und die eigene Verantwortung minimiert. Nichts ist ja an einer Niederlage deprimierender als die Einsicht, dass man sich sein Versagen selber zuzuschreiben hat. Welche Erleichterung, wenn es plötzlich eine Erklärung gibt, die Gründe außerhalb der eigenen Person findet, wenn es Vorurteilsstrukturen sind, die einen kleingehalten und dafür gesorgt haben, dass einem der Respekt versagt wird, den man erwarten darf, oder die Position, die einem nach eigener Einschätzung zustände!
Der Opferstatus sichert Aufmerksamkeit und Anteilnahme, das ist sein zweiter Vorteil. Opfer gelten grundsätzlich als bedauernswerte Mitmenschen, die unseren Beistand verdient haben. Die Kultur des Mitleids verlangt, dass wir uns an ihrem Schicksal nicht ergötzen, wie es frühere Generationen vielleicht getan hätten, sondern ihnen Anteilnahme und Achtung entgegenbringen. Die Anteilnahme besteht zunächst darin, geduldig zuzuhören, das ist der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung. Jedes Opfer hat eine Geschichte, die es loswerden will, eine Kränkung, von der es nicht loskommt und die seinem Leben eine Wende gegeben hat. Umstehenden mag das auslösende Ereignis auf den ersten Blick banal vorkommen, sogar nichtig, es kann eine Zurückweisung sein, eine verletzende Bemerkung, manchmal eine unbedachte Geste, das Opfer erlebt die Situation gleichwohl als so gravierend, dass es nun entsprechende Beachtung und Hilfe erwartet.

...
https://www.dijg.de/analysen-zeitgeist/ ... ng-opfers/

Zwar hat Schoko Recht, wenn er schreibt, dass "Opfer" in unterschichtigen Kreisen als Schimpfwort gewertet wird. Dennoch ist das Konzept der Opfer/Täter-Definition fester Bestandteil linker Politik und Ideologie. Sämtliche Themen der Minderheitenpolitik gehen aus dieser Philosophie hervor.
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von imp »

Die verloren gegangenen Sprengstoffe werden beim Kampf gegen links sicher früher oder später wieder auftauchen. Im Bereich des Rechtsradikalismus gibt es nicht nur die Parteiebene. Viele Akteure haben da Vernetzungen untereinander, auch über Parteigrenzen hinweg, aus Jugend- oder Studientagen, aus dem publizistischen Bereich, aus wirtschaftlichen Verbindungen, aus Mitwirkung in Issue-Gruppen - von solchen, die das ganze eher nichtöffentlich bleiben und irgendwo am Rand der Union mitwirken bis hin in den Bereich Burschenschaften, Internet-Aktivismus, Kameradschaften, organisierte Kriminalität, offen rechtsextreme Parteien und Verbände gibt es da mehrere sich überlappende Kreise, die auch in Konkurrenz zueinander stehen. Worüber wir auch selten reden, das sind die großen und kleinen stillen Sponsoren. Politik ist am Ende eine Sachen von Personennetzwerken, nicht von Organigrammen.
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von JJazzGold »

schokoschendrezki hat geschrieben:(06 Jul 2020, 09:59)

Das kann ich ajus meiner Erfabhrung überhaupt nicht nachvollziehen. Um "Linksideologe" zu sein oder sich als solcher zu geben oder zu fühlen, bedarf es ganz klar einer gewissen ökonomischen und sozialen Sicherheit. Alle die Menschen aus meiner persönlichen Erfahrung, die ich irgendwie mehr oder weniger als "Linksideologen" sehen würde, zeichnen sich dadurch aus, dass sie im bürgerlichen Sinne sorgenfrei sind, in Staatsapparat (oder auch Kirche!) einen gut bezahlten Job haben und sich persönlich und selbst nie und nimmer als "Opfer" sehen würden. Sie meinen oft, andere Gruppen (sozial Schwache, das "palästiensische Volk", Textilarbeiterinnen in Bangla Desh) oder wen auch immer interessensmäßig vertreten zu müssen ... aber sie selbst sind weder objektiv Opfer noch sehen sie sich als solche.

Bei denen wiederum, die es als unmöglich ansehen, zur "bürgerlichen Mitte" in Bezug auf Einkommen und soziale Stellung aufzusteigen ... und wo dies in der Regel auch zutreffend ist ... habe ich noch nie, niemals auch nur den Anflug von "Linksideologie" erlebt. Im Gegenteil: Diese soziale Gruppen, illusionslos zur Kenntnis genommen, suchen sich so gut wie immer selbst Opfer, die möglichst immer noch unter ihnen stehen (Migranten zum Beispiel) und auf denen sie unter dem Beifall ihrer Gruppengefährten herumtrampeln können. "Opfer" ist unter den realiter tatsächlich Abgehängten ein Schimpfwort. Jedes beliebige Rap-Video sollte einem das klar machen.
Linke "Opfer", (ich habe noch nie ein Rap Video gesehen, weshalb der Begriff für mich keine Beleidigung darstellt), stilisieren sich auf vielfältige Weise, als Opfer des Kapitalismus, als Opfer der Kritik (z.B. am Linksextremismus), als Opfer angeblich ungleicher Chancen und nicht zuletzt als Opfer männlicher Dominanz im wirtschaftlichen Bereich. Was sie, das ist korrekt, nicht daran hindert, dem Selbstwertgefühl geschuldet, sich selbst Opfer zu suchen.

Die Handvoll gut Situierter, die sich Linksideologie gönnen, ist in der Summe der linksrandigen Wähler vernachlässigbar, hat meines Erachtens längst den Trend grün zu sein entdeckt und kommt insofern der Die Linke sukzessive abhanden. Was zu dem führt, worauf ich hinaus wollte, die Betrachtung der Opfer-Täter Mentalität der parteilichen Vertreter und ihres verlässlichen Wählerklintels.
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von JJazzGold »

Skeptiker hat geschrieben:(06 Jul 2020, 10:46)

Das ist grundsätzlich richtig, und trifft in seiner Allgemeinheit auf die politischen Ränder zu.

Linke haben allerdings eine besondere Beziehung zum "Opfer". Das geht sehr schön aus einem längeren Beitrag von Jan Fleischhauer auf der Seite des Deutschen Institutes für Jugend und Gesellschaft hervor.

https://www.dijg.de/analysen-zeitgeist/ ... ng-opfers/

Zwar hat Schoko Recht, wenn er schreibt, dass "Opfer" in unterschichtigen Kreisen als Schimpfwort gewertet wird. Dennoch ist das Konzept der Opfer/Täter-Definition fester Bestandteil linker Politik und Ideologie. Sämtliche Themen der Minderheitenpolitik gehen aus dieser Philosophie hervor.
Guter Artikel, bei dem mir nur eines fehlt, der Opferstatus als gesellschaftlicher und politischer Erpressungsversuch.
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von Selina »

Ein Autor, der gerne auf neurechten Parties tanzt (nicht nur wörtlich gemeint), der zwischen allen Stühlen sitzt, aber schon mit einem Stuhl besonders liebäugelt, der beschreibt sehr zur Freude der so genannten "neutralen bürgerlichen Mitte" den angeblichen "permanenten Opfer-Status von Linksideologen". Das ist echt ein Lacher :D
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von imp »

Selina hat geschrieben:(06 Jul 2020, 13:15)

Ein Autor, der gerne auf neurechten Parties tanzt (nicht nur wörtlich gemeint), der zwischen allen Stühlen sitzt, aber schon mit einem Stuhl besonders liebäugelt, der beschreibt sehr zur Freude der so genannten "neutralen bürgerlichen Mitte" den angeblichen "permanenten Opfer-Status von Linksideologen". Das ist echt ein Lacher :D
Vielleicht ist Fleisch doch viel zu billig. Wer weiß. Tatsächlich ist Identitätspolitik und Klientelismus aber gar nicht im Kern liberal, fortschrittlich oder sonst wie links. Es ist im Grunde eine eher konservative Idee. Der Klientelismus beharrt auf dem Recht des Klientels, zu bestehen statt sich darum zu kümmern, wie es bestehen kann und was dafür konkret zu verändern sein. Damit schafft er immer neue Konventionen, die das Überkommene verteidigen sollen.
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von Selina »

imp hat geschrieben:(06 Jul 2020, 10:52)

Die verloren gegangenen Sprengstoffe werden beim Kampf gegen links sicher früher oder später wieder auftauchen. Im Bereich des Rechtsradikalismus gibt es nicht nur die Parteiebene. Viele Akteure haben da Vernetzungen untereinander, auch über Parteigrenzen hinweg, aus Jugend- oder Studientagen, aus dem publizistischen Bereich, aus wirtschaftlichen Verbindungen, aus Mitwirkung in Issue-Gruppen - von solchen, die das ganze eher nichtöffentlich bleiben und irgendwo am Rand der Union mitwirken bis hin in den Bereich Burschenschaften, Internet-Aktivismus, Kameradschaften, organisierte Kriminalität, offen rechtsextreme Parteien und Verbände gibt es da mehrere sich überlappende Kreise, die auch in Konkurrenz zueinander stehen. Worüber wir auch selten reden, das sind die großen und kleinen stillen Sponsoren. Politik ist am Ende eine Sachen von Personennetzwerken, nicht von Organigrammen.
Ja klar gibt es nicht nur die Parteien-Ebene. Zur Neuen Rechten gehören die AfD als hiesiger Kern, die Identitären, große Teile der Burschenschaften und auch große Teile der Reichsbürger. Und selbstverständlich alle von dir Genannten. Und Rechtsintellektuelle auf diversen Blogs. Und alle miteinander vernetzt. Da ist schon mächtig was am Laufen.
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von DogStar »

Selina hat geschrieben:(06 Jul 2020, 14:17)

Ja klar gibt es nicht nur die Parteien-Ebene. Zur Neuen Rechten gehören die AfD als hiesiger Kern, die Identitären, große Teile der Burschenschaften und auch große Teile der Reichsbürger. Und selbstverständlich alle von dir Genannten. Und Rechtsintellektuelle auf diversen Blogs. Und alle miteinander vernetzt. Da ist schon mächtig was am Laufen.
Das werden auch bestimmt nicht weniger werden, so lange die linken Ideologen so maßlos übertreiben. Ist doch klar, dass das Gegenreaktion provoziert ;) ...
Ich find`s blöd ... wir stehen aktuell vor unfassbar großen, kaum zu bewältigenden Herausforderungen ... und laufen in einen gewaltigen links - rechts - Konflikt hinein. Das wird uns schlecht bekommen ... ich hoffe, wir fangen uns wieder - wüsste aber gerade nicht, wie das bei diesen verhärteten Fronten geschehen sollte.
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von JJazzGold »

Selina hat geschrieben:(06 Jul 2020, 13:15)

Ein Autor, der gerne auf neurechten Parties tanzt (nicht nur wörtlich gemeint), der zwischen allen Stühlen sitzt, aber schon mit einem Stuhl besonders liebäugelt, der beschreibt sehr zur Freude der so genannten "neutralen bürgerlichen Mitte" den angeblichen "permanenten Opfer-Status von Linksideologen". Das ist echt ein Lacher :D
Autobahn.
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von Selina »

DogStar hat geschrieben:(06 Jul 2020, 14:28)

Das werden auch bestimmt nicht weniger werden, so lange die linken Ideologen so maßlos übertreiben. Ist doch klar, dass das Gegenreaktion provoziert ;) ...
Ich find`s blöd ... wir stehen aktuell vor unfassbar großen, kaum zu bewältigenden Herausforderungen ... und laufen in einen gewaltigen links - rechts - Konflikt hinein. Das wird uns schlecht bekommen ... ich hoffe, wir fangen uns wieder - wüsste aber gerade nicht, wie das bei diesen verhärteten Fronten geschehen sollte.
Das ist kein Rechts-Links-Konflikt. Das ist ein Rechtsruck, die Bedrohung der Demokratie durch die Neue Rechte. Das hat mit dem herbeigeredeten Rechts-Links nüscht zu tun. Schau dir das historische Vorbild an. Die Vorväter durchdrangen damals auch mit ihrer Ideologie alle Bereiche, was auch das Bestreben unserer neuen Blaunen ist. Du brauchst dir nur die Bundestags-Debatten anzuhören. Oder auch ab und an Landtags-Debatten, die bei wichtiger Tagesordnung ja auch veröffentlicht werden. Dort verbreiten die Nasen ganz unverblümt ihren Menschenhass und ihre Demokratiefeindlichkeit. Die sind lediglich auf demokratischem Ticket in die Parlamente gelangt, selbst sind sie keine Demokraten. Gut, dass es immer noch eine Mehrheit gibt, die da ordentlich und deutlich Einspruch dagegen erhebt.
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von Selina »

JJazzGold hat geschrieben:(06 Jul 2020, 14:39)

Autobahn.
Ich hab heute schon dreimal "Autobahn" gesagt. Schlimm? :D

Nee, mal im Ernst: Was soll das heißen? Keine Argumente mehr? Luft raus?
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von JJazzGold »

Selina hat geschrieben:(06 Jul 2020, 14:42)

Ich hab heute schon dreimal "Autobahn" gesagt. Schlimm? :D

Nee, mal im Ernst: Was soll das heißen? Keine Argumente mehr? Luft raus?
Das steht für Ihre ausgeprägte Neigung, "räächts" zu krähen, um sich nicht mit Inhalten auseinandersetzen zu müssen.
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von DogStar »

Selina hat geschrieben:(06 Jul 2020, 13:15)

Ein Autor, der gerne auf neurechten Parties tanzt (nicht nur wörtlich gemeint), der zwischen allen Stühlen sitzt, aber schon mit einem Stuhl besonders liebäugelt, der beschreibt sehr zur Freude der so genannten "neutralen bürgerlichen Mitte" den angeblichen "permanenten Opfer-Status von Linksideologen". Das ist echt ein Lacher :D
Man kann doch nicht einfach jede Meinung, die nicht ins eigene Weltbild passt, als "rechts" diffamieren (auch nicht, wenn man es etwas verdruckst verpackt). Das ist genau das, was ich in meinem vorherigen Post ansprach. So kommen wir nirgendwohin ... bzw. steuern einem riesen Konflikt entgegen.
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von imp »

DogStar hat geschrieben:(06 Jul 2020, 14:50)

Man kann doch nicht einfach jede Meinung, die nicht ins eigene Weltbild passt, als "rechts" diffamieren
Tut ja auch keiner.
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von DogStar »

Lies halt einfach erst mit und antworte dann. Das ist sonst extrem mühsam und macht keinen Spaß ;) !
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von Elmar Brok »

DogStar hat geschrieben:(06 Jul 2020, 14:50)

Man kann doch nicht einfach jede Meinung, die nicht ins eigene Weltbild passt, als "rechts" diffamieren (auch nicht, wenn man es etwas verdruckst verpackt). Das ist genau das, was ich in meinem vorherigen Post ansprach. So kommen wir nirgendwohin ... bzw. steuern einem riesen Konflikt entgegen.
Ach, das ist etwas völlig normales, was es auch schon früher gab. Ich werde hier auch schon häufig (z.B. Gestern) als „Linker“ diffamiert.
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von DogStar »

Elmar Brok hat geschrieben:(06 Jul 2020, 15:01)

Ach, das ist etwas völlig normales, was es auch schon früher gab. Ich werde hier auch schon häufig (z.B. Gestern) als „Linker“ diffamiert.
Passiert mir leider auch manchmal ... insofern hast du recht - ist normal. Aber trotzdem doof, weil es wirklich niemanden weiterbringt. Es würde sehr zur Gesprächskultur und auch zur Wahrheitsfindung beitragen, wenn man dieses Zuordnen in Schubladen einfach mal aus den Diskussionen tilgen könnte.
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von Elmar Brok »

Skeptiker hat geschrieben:(05 Jul 2020, 22:10)

Man müsste nun mal das StGb durchgehen und schauen, was alles nicht so schlimm ist wie Genozid. Wenn wir das nun auch alles nicht verfolgen, weil der Nationalsozialismus noch nicht so aufgearbeitet wurde wie Linksradikale sich das vorstellen, dann machen die Forderungen von "Defund the Police" auch auf einmal Sinn. Wozu braucht man schließlich Polizei, wenn man die Verbrechen eh nicht verfolgen will?

Ich frage mich manchmal ganz ehrlich in welcher Traumwelt Linksideologen leben. Das scheint mit zum Teil eine pathologische Komponente zu haben. Mir fehlt da manchmal der Sinn dafür, dass der Kategorische Imperativ die Grundlage unseres Verständnisses von gesellschaftlichem Miteinander bildet. Bist du aber links, scheint das alles nicht mehr zu gelten. Regeln sind nur für die anderen da. Opfer ist man immer selber, Täter immer der, den man sich gerade dazu ausdenkt. Praktischerweise zählen Opferargumente immer mehr als Täterargumente, sodass kein Zweifel aufkommen kann, dass man selber im Recht ist. Es erscheint manchmal so dämlich, dass es surreal wirkt, aber es ist Wirklichkeit.
Du machst aus meiner Sicht einen grundlegenden Fehler, du versuchst einer bestimmten Gruppierung bestimmte Merkmale und Muster zuzuordnen. Die Zuschreibung „links“ ist eine völlig undifferenzierte, heterogene Masse an Menschen, die durch relativ wenig verbunden werden. Wenn du also „linke“ Muster genauer in den Blick nehmen willst, solltest du auch die Unterteilung in „links“ weiter ausdifferenzieren. Ansonsten kommt es automatisch zu Widersprüchen.
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von Elmar Brok »

DogStar hat geschrieben:(06 Jul 2020, 15:04)

Passiert mir leider auch manchmal ... insofern hast du recht - ist normal. Aber trotzdem doof, weil es wirklich niemanden weiterbringt. Es würde sehr zur Gesprächskultur und auch zur Wahrheitsfindung beitragen, wenn man dieses Zuordnen in Schubladen einfach mal aus den Diskussionen tilgen könnte.
Ich denke, ein grundsätzlich positiverer Umgang mit dem Begriff rechts würde helfen. Man tut sich keinen Gefallen damit, rechts automatisch als etwas schlechtes zu sehen.

Oder aber eine grundlegende Überarbeitung der Unterteilung in rechts und links. Besonders durch die historische Belastung der Begriffe, wäre es nötig. Das dürfte aber eine Utopie bleiben.
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von Selina »

JJazzGold hat geschrieben:(06 Jul 2020, 14:45)

Das steht für Ihre ausgeprägte Neigung, "räächts" zu krähen, um sich nicht mit Inhalten auseinandersetzen zu müssen.
Ich kann mich auch gerne detailliert mit den von Ihnen bevorzugten Autoren und ihren Kommentaren auseinandersetzen. Was ich übrigens schon mehrfach tat im Forum. Im Moment aber lacht die Sonne zu schön und meine Lieben freuen sich auf Kaffee und Kuchen. Da möchte ich uns allen nicht den Appetit verderben mit diesem Wühlen im Morast :D
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von DogStar »

Elmar Brok hat geschrieben:(06 Jul 2020, 15:10)

Ich denke, ein grundsätzlich positiverer Umgang mit dem Begriff rechts würde helfen. Man tut sich keinen Gefallen damit, rechts automatisch als etwas schlechtes zu sehen.
Oder so :) ! Leider ist der Begriff inzwischen so dermaßen negativ besetzt, fdass das schwierig werden dürfte.
Warum also nicht mal ohne links/rechts (als Wertung) auskommen?
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von Selina »

Elmar Brok hat geschrieben:(06 Jul 2020, 15:08)

Du machst aus meiner Sicht einen grundlegenden Fehler, du versuchst einer bestimmten Gruppierung bestimmte Merkmale und Muster zuzuordnen. Die Zuschreibung „links“ ist eine völlig undifferenzierte, heterogene Masse an Menschen, die durch relativ wenig verbunden werden. Wenn du also „linke“ Muster genauer in den Blick nehmen willst, solltest du auch die Unterteilung in „links“ weiter ausdifferenzieren. Ansonsten kommt es automatisch zu Widersprüchen.
Genau. Zumal es grüne Linke, linke Sozialdemokraten, Linksliberale und Linke gibt. Und dann noch "Mischformen" :D
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von imp »

DogStar hat geschrieben:(06 Jul 2020, 15:18)

Oder so :) ! Leider ist der Begriff inzwischen so dermaßen negativ besetzt, fdass das schwierig werden dürfte.
Warum also nicht mal ohne links/rechts (als Wertung) auskommen?
Links und rechts sind zur Einordnung meist ganz praktisch, so limitiert diese eindimensionale Skale auch sein mag.
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von DogStar »

imp hat geschrieben:(06 Jul 2020, 15:21)

Links und rechts sind zur Einordnung meist ganz praktisch, so limitiert diese eindimensionale Skale auch sein mag.
Dafür ist es ja auch ok. Ich meinte jetzt eher, dass man z.B. einen Autor (in dem Fall war es Norbert Bolz) verlinkt und statt einer Auseinandersetzung mit dem Text dann bloß: "naja ... wer solche rechten Hetzer verlinkt ..." kommt. Wenn man diese Einordnung in solchen Fällen mal weglassen könnte, wäre schon viel gewonnen.
Skeptiker

Re: Kampf gegen Links

Beitrag von Skeptiker »

Elmar Brok hat geschrieben:(06 Jul 2020, 15:08)
Du machst aus meiner Sicht einen grundlegenden Fehler, du versuchst einer bestimmten Gruppierung bestimmte Merkmale und Muster zuzuordnen. Die Zuschreibung „links“ ist eine völlig undifferenzierte, heterogene Masse an Menschen, die durch relativ wenig verbunden werden. Wenn du also „linke“ Muster genauer in den Blick nehmen willst, solltest du auch die Unterteilung in „links“ weiter ausdifferenzieren. Ansonsten kommt es automatisch zu Widersprüchen.
Ich rede hier von Linksideologen, und selbstverständlich überspitze ich. Wenn man von "Linken" spricht, dann sollte doch jedem klar sein, dass nicht "alle gleich" sind. Es geht also eher um die typischen Eigenschaften oder Neigungen, die man mit "Links" verbindet.
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von imp »

DogStar hat geschrieben:(06 Jul 2020, 15:30)

Dafür ist es ja auch ok. Ich meinte jetzt eher, dass man z.B. einen Autor (in dem Fall war es Norbert Bolz) verlinkt und statt einer Auseinandersetzung mit dem Text dann bloß: "naja ... wer solche rechten Hetzer verlinkt ..." kommt. Wenn man diese Einordnung in solchen Fällen mal weglassen könnte, wäre schon viel gewonnen.
Die Qualifikation ist hier Hetzer. Ich finde es legitim, wenn man sich mit manchen Quellen und Autoren nicht weiter aufhalten will. Nur, dann ist da eben auch wenig Gespräch zu möglich.
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von DogStar »

imp hat geschrieben:(06 Jul 2020, 15:38)

Die Qualifikation ist hier Hetzer. Ich finde es legitim, wenn man sich mit manchen Quellen und Autoren nicht weiter aufhalten will. Nur, dann ist da eben auch wenig Gespräch zu möglich.
So ist gar kein sinnvolles Gespräch möglich ... was ja meistens auch bewiesen wird.
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von Vongole »

Skeptiker hat geschrieben:(06 Jul 2020, 15:34)

Ich rede hier von Linksideologen, und selbstverständlich überspitze ich. Wenn man von "Linken" spricht, dann sollte doch jedem klar sein, dass nicht "alle gleich" sind. Es geht also eher um die typischen Eigenschaften oder Neigungen, die man mit "Links" verbindet.
Nein, was Du mit links verbindest. Und damit unterscheidest Du dich kaum von denen, die bei jeder ihnen nicht passenden Ansicht "neurechts" krähen.
Das Ergebnis des Ganzen ist das Verharren in der eigenen Blase, das jede wirkliche Diskussion erschwert bzw. unmöglich macht.
Übrigens auch der Grund, warum ich in diesem Thread kaum noch schreibe, es bringt nichts, und hat vor allem mit dem realen Leben draußen nur rudimentär etwas zu tun.
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von imp »

DogStar hat geschrieben:(06 Jul 2020, 15:43)

So ist gar kein sinnvolles Gespräch möglich ... was ja meistens auch bewiesen wird.
Man kann ja eine alternative Quelle anbieten, wenn man möchte. Oder eben schreiben, was man meint, mit eigenen Worten. Ich halte wenig davon, in einem Forum Wikipedia zu spielen.
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Re: Kampf gegen Links

Beitrag von DogStar »

imp hat geschrieben:(06 Jul 2020, 15:46)

Man kann ja eine alternative Quelle anbieten, wenn man möchte. Oder eben schreiben, was man meint, mit eigenen Worten. Ich halte wenig davon, in einem Forum Wikipedia zu spielen.
Ehm ... naja ... die "eigene Meinung" hat ja meist auch irgendeinen Ursprung. Ist doch ok, wenn man das verlinkt und nicht so tut, als sei es auf dem eigenen Mist gewachsen. Und manchmal drückt es jemand einfach besser aus ... auch da finde ich einen Link legitim. Natürlich sollte man sich nicht darauf beschränken ... schon klar ;) !
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