Wärmepumpen-Kraftwerk - Energie mit möglichst wenig Erderwärmung?

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Kamikaze
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Wärmepumpen-Kraftwerk - Energie mit möglichst wenig Erderwärmung?

Beitragvon Kamikaze » Mo 18. Mai 2020, 12:32

Hallo zusammen!

Seit etlichen Jahren heize ich mein Haus mit einer "Wärmepumpe" - also einem Konstrukt, das umgekehrt wie ein Kühlschrank funktioniert.
Dabei wird einem natürlichen Medium (in meinem Fall Grundwasser - bei meinem Nachbarn Außenluft) durch einen Wärmetauscher Energie entzogen, welche anschließend durch Kompression über einen anderen Wärmetauscher nutzbar gemacht wird. So ist es mir möglich mit relativ geringem Einsatz an Primärenergie relativ viel Heizwert für mein Gebäude zu erzielen. Ich erreiche so fast des Faktor 5 - kann also mit 1kWh elektrischer Energie ca. 5kWh Heizenergie in mein Haus einspeisen.

Wäre es auf diesem Wege nicht möglich, die Luftwärme in geeigneten Kraftwerken ebenso zu nutzen und so sozusagen "Energie aus dem warmen Klima" zu ziehen, ohne riesige PV-Felder, strahlenden Substanzen oder fossilen Energieträgern?
Natürlich würden diese Anlagen einen Teil ihrer erzeugten Energie selbst verbrauchen, aber das wäre ja kein (großes) Problem, wenn sie sich selbst versorgen und gleichzeitig noch Energie ins Versorgungsnetz eingespeist werden könnte.

Was spricht dafür?
Was spricht dagegen?
Warum wird das noch nicht im großen Stil eingesetzt? (Wo sind die Probleme?)
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Re: Wärmepumpen-Kraftwerk - Energie mit möglichst wenig Erderwärmung?

Beitragvon Enas Yorl » Di 19. Mai 2020, 02:10

Kamikaze hat geschrieben:(18 May 2020, 12:32)Warum wird das noch nicht im großen Stil eingesetzt? (Wo sind die Probleme?)

Das Problem ist der Wirkungsgrad. Ich halte es bewusst einfach, das fachliche Stichwort hierzu wäre der "Carnot-Wirkungsgrad". Dazu aber, werde ich in diesen Thread für Laien keine Vorlesung halten.

Wärmepumpen sind gut darin mit einem kleinen Temperaturgefälle (so bis zu 50°C) arbeiten. Bei höheren Gefälle sinkt der Wirkungsgrad erheblich und damit steigt auch der Energiebedarf. Bei Turbinen, Stirlingmotoren & Co die Wärme in kinetische Energie umwandeln um damit einen elektr. Generator anzutreiben, ist es umgekehrt. Je höher das Temperaturgefälle (so ab 600°C) umso besser der Wirkungsgrad.
Nun ist es so das in deinem Beispiel, deine Wärmepumpe zwar mit 1kWh elektrischer Energie ca. 5kWh Wärmeenergie erzeugt. Aber mit einem so geringen Temperaturgefälle, das sich daraus nicht mit einem rentablen Wirkungsgrad elektrische Energie erzeugen lässt, das dabei am Ende ein Überschuss erzeugt wird.
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Re: Wärmepumpen-Kraftwerk - Energie mit möglichst wenig Erderwärmung?

Beitragvon Kamikaze » Di 19. Mai 2020, 07:07

Enas Yorl hat geschrieben:(19 May 2020, 02:10)
Wärmepumpen sind gut darin mit einem kleinen Temperaturgefälle (so bis zu 50°C) arbeiten. Bei höheren Gefälle sinkt der Wirkungsgrad erheblich und damit steigt auch der Energiebedarf. Bei Turbinen, Stirlingmotoren & Co die Wärme in kinetische Energie umwandeln um damit einen elektr. Generator anzutreiben, ist es umgekehrt. Je höher das Temperaturgefälle (so ab 600°C) umso besser der Wirkungsgrad.


Und was spräche gegen ein mehrstufiges System, das im Einzelnen mit geringen Temperaturgefällen arbeitet und die Nutzung dann in einer Stufe erfolgt?
Andererseits erahne ich die Antwort hierauf schon, wenn ich mir die teils gigantischen Kühltürme manchen konventioneller Kraftwerke ansehe, wo Megawattweise Energie "verballert" wird, weil es sich einfach nicht lohnt sie zu nutzen... :|
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Re: Wärmepumpen-Kraftwerk - Energie mit möglichst wenig Erderwärmung?

Beitragvon H2O » Di 19. Mai 2020, 07:40

Kamikaze hat geschrieben:(19 May 2020, 07:07)

Und was spräche gegen ein mehrstufiges System, das im Einzelnen mit geringen Temperaturgefällen arbeitet und die Nutzung dann in einer Stufe erfolgt?
Andererseits erahne ich die Antwort hierauf schon, wenn ich mir die teils gigantischen Kühltürme manchen konventioneller Kraftwerke ansehe, wo Megawattweise Energie "verballert" wird, weil es sich einfach nicht lohnt sie zu nutzen... :|


Ja, eine derart blinde Verschwendung von Wärmeenergie ist unerträglich. Aber man muß doch auch sehen, daß moderne Wärmekraftwerke als Kraft-Wärme-gekoppelte Einheiten aufgebaut werden. Die Niederlande betreiben ihre riesigen Gewächshäuser mit dieser "Abwärme", in Bremen wird ein noch sehr neues Kohlekraftwerk so betrieben, und die Müllverbrennungsanlage erzeugt nicht nur Strom, sondern eben auch Wärme (Heizung, Warmes Wasser) für ein großes Stadtviertel. Da fehlen dann ganz einfach die Schornsteine auf den Wohngebäuden.

Aber wir regen uns auf über eine Technik, die in dieser Form mit fossilen Brennstoffen betrieben keine große Zukunft mehr haben wird. Aber Müllkraftwerke und Biogas-Kraftwerke bieten ja auch künftig noch viele Einsatzmöglichkeiten für die Kraft-Wärme-Kopplung!
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Re: Wärmepumpen-Kraftwerk - Energie mit möglichst wenig Erderwärmung?

Beitragvon Cobra9 » Di 19. Mai 2020, 08:02

Kamikaze hat geschrieben:(19 May 2020, 07:07)

Und was spräche gegen ein mehrstufiges System, das im Einzelnen mit geringen Temperaturgefällen arbeitet und die Nutzung dann in einer Stufe erfolgt?
Andererseits erahne ich die Antwort hierauf schon, wenn ich mir die teils gigantischen Kühltürme manchen konventioneller Kraftwerke ansehe, wo Megawattweise Energie "verballert" wird, weil es sich einfach nicht lohnt sie zu nutzen... :|



Kaskade?

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Re: Wärmepumpen-Kraftwerk - Energie mit möglichst wenig Erderwärmung?

Beitragvon Kamikaze » Di 19. Mai 2020, 09:15

Cobra9 hat geschrieben:(19 May 2020, 08:02)
Dein System funktioniert nicht


Das war mir schon ziemlich klar, als ich dieses Thema erstellt habe. (Warum sonst wäre da noch niemand drauf gekommen das kommerziell zu nutzen?)
Nur das Warum interessiert mich. ;)
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Re: Wärmepumpen-Kraftwerk - Energie mit möglichst wenig Erderwärmung?

Beitragvon Kamikaze » Di 19. Mai 2020, 09:32

H2O hat geschrieben:(19 May 2020, 07:40)
Ja, eine derart blinde Verschwendung von Wärmeenergie ist unerträglich. Aber man muß doch auch sehen, daß moderne Wärmekraftwerke als Kraft-Wärme-gekoppelte Einheiten aufgebaut werden. Die Niederlande betreiben ihre riesigen Gewächshäuser mit dieser "Abwärme", in Bremen wird ein noch sehr neues Kohlekraftwerk so betrieben, und die Müllverbrennungsanlage erzeugt nicht nur Strom, sondern eben auch Wärme (Heizung, Warmes Wasser) für ein großes Stadtviertel. Da fehlen dann ganz einfach die Schornsteine auf den Wohngebäuden.


Kraft-Wärme-Kopplung ist natürlich im direkten Vergleich zu Kühltürmen oder Laufwasserkühlung super.
Allerdings ging es mir eher um die Nutzung von frei verfügbarer Wärmeenergie.
Zum Heizen von halbwegs gut gedämmten Gebäuden mit entsprechend ausgelegter "Wärmetauscher-Fläche" (also: sehr großen Heizkörpern, Fußbodenheizung, oä.) funktionieren diese Systeme schon recht gut. Allerdings führt wohl auf absehbare Zeit kein Weg hin zur Wandlung dieser frei verfügbaren Energie in edlere Energieformen wie z.B. Elektrizität. Zwar macht sich Windkraft indirekt diese Energie zu Nutze - allerdings erst über den Umweg "atmospärischer Massenbewegung durch thermodynamische Prozesse" (sprich: Wind).
Das Entziehen "überschüssiger" Energie aus der Atmosphäre und die Umwandlung selbiger in "edle" Energieformen wie z.B. BlueCrude oder Elektrizität, Wasserstoff oä. wäre ja auch ein Schritt im Kampf gegen die Erderwärmung - wenn sie denn funktionieren würde. Bevor es aber soweit ist, dass das globale Klima davon profitieren könnte müsste wiederum erst im "kleinen" erwiesen werden, dass es klappen kann, bzw. wie es klappen kann.

Eine weitere frei verfügbare Energieform wäre Geothermie. Dabei kann das Temperaturgefälle schon recht brauchbar sein. Allerdings wird hier aktuell nur mit "relativ geringen" Temperaturen von ~100-130°C (zumindest bei mir in der Gegend) gearbeitet, und diese Wärme bisher auch "nur" uns Fernwärmenetz eingespeist. Auch hier findet idR. keine Wandlung hin zu "edleren" Energieformen wie z.B. Elektrizität statt.
Gerade in Kombination beider Techniken (Geothermie und Wärmepumpe) sollte es doch möglich sein Temperaturgefälle zu erzeugen, die den effizienten Betrieb von Generatoren ermöglicht, oder nicht? (Vermutlich eher nicht, aber warum nicht?)

Warum fasziniert mich "frei verfügbare Energie" so arg? Sie ist nahezu überall vorhanden und könnte örtlich relativ eng begrenzt genutzt werden, was den Bedarf nach großen Windparks und Solarfeldern, sowie gigantischen Batteriespeichern reduzieren könnte. Auch die Stabilisierung von Stromnetzen (Überbrückung von Dunkelflauten) könnte damit gefördert werden.
Zuletzt geändert von Kamikaze am Di 19. Mai 2020, 09:38, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wärmepumpen-Kraftwerk - Energie mit möglichst wenig Erderwärmung?

Beitragvon Cobra9 » Di 19. Mai 2020, 09:36

Kamikaze hat geschrieben:(19 May 2020, 09:15)

Das war mir schon ziemlich klar, als ich dieses Thema erstellt habe. (Warum sonst wäre da noch niemand drauf gekommen das kommerziell zu nutzen?)
Nur das Warum interessiert mich. ;)
Ich bin ja auch nur Laie und habe nur rudimentäres Wissen in Maschinenbau und Thermodynamik... Also erleuchte mich. :)



Wurdest Du schon von den Leuten vor mir. Aber das einfachste Argument für mich ist du kannst derzeit den für den Betrieb notwendigen Strom nicht neutral erzeugen und theoretisch brauchst du Kombilösungen.

Bsp kann Geothermie insgesamt eine Chance teilweise sein, wo ja Technik zum Tragen kommt der Wärmepumpen. In Kombination mit anderen Techniken ergeben sich Möglichkeiten.


Beispiel PV einbinden.

Eine Alternative zur Speicherung von Solarstrom in Solarbatterien besteht in der Speicherung der Energie in Thermospeichern. Dazu wird Solarstrom z. B. mit einer Wärmepumpe verwertet, um Brauchwasser zu erhitzen, welches in einem Wärmespeicher (ähnlich einer Isolierkanne) zwischengepuffert wird. Die so gespeicherte thermische Energie wird anschließend nicht in elektrische Energie zurückverwandelt, sondern dem Heizsystem zugeführt oder zur Warmwasserbereitung genutzt. Mit dem Verfall der PV-Modulpreise ist solch ein System oft kostengünstiger als eine Solarthermieanlage und bietet die Flexibilität, sowohl elektrische als auch thermische Energie nutzen zu können.

Aber das ist alles im Moment nicht wirklich in der Breite darstellbar
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Re: Wärmepumpen-Kraftwerk - Energie mit möglichst wenig Erderwärmung?

Beitragvon Kamikaze » Di 19. Mai 2020, 09:51

Cobra9 hat geschrieben:(19 May 2020, 09:36)
Aber das ist alles im Moment nicht wirklich in der Breite darstellbar


Bevor es im Großen Stil funktioniert, muss es ja zunächst in relativ kleinem Maßstab erprobt und getestet (und ggf. verbessert) werden.
Leider konnte ich zu dem Thema weder brauchbare Studien, noch Pressemitteilungen oder andere Publikationen finden.
Zwar halte ich es für äußerst unwahrscheinlich, dass ich auf eine Idee komme, die noch niemand vor mir hatte, aber mich würde doch interessieren, wo die Problemfelder liegen - optimalerweise nicht nur als kurz-Post, sondern idealerweise in Form eines Links zu einer entsprechenden Studie oder Publikation zum Thema. Auch gescheiterte und/oder eingestellte Experimente würden mich interessieren. :)
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Re: Wärmepumpen-Kraftwerk - Energie mit möglichst wenig Erderwärmung?

Beitragvon Enas Yorl » Di 19. Mai 2020, 10:54

Kamikaze hat geschrieben:(19 May 2020, 07:07)Und was spräche gegen ein mehrstufiges System, das im Einzelnen mit geringen Temperaturgefällen arbeitet und die Nutzung dann in einer Stufe erfolgt?

Weil man für jede Stufe wieder elektrische Energie investieren muss.

Um bei deinen Beispiel zu bleiben. Deine Wärmepumpe erzeugt aus 1kWh elektrischer Energie ca. 5kWh Heizenergie mit einem Niveau auf 60°C. Die nächste Stufe hebt mit weiteren 1kWh elektrischer Energie diese 5kWh Heizenergie auf ein Niveau von 110°C. Das würde so Stufe für Stufe weiter gehen, bis du ein nutzbares Temperaturgefälle von 600°C erreicht hast, welches dann mit einem Wirkungsgrad von ca. 60% verstromt wird. Ich überlasse es dir selbst auszurechnen, wie viel elektrische Energie du investieren musst, und wie viel du heraus bekommst.
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Re: Wärmepumpen-Kraftwerk - Energie mit möglichst wenig Erderwärmung?

Beitragvon Cat with a whip » Di 19. Mai 2020, 11:26

Kamikaze hat geschrieben:(19 May 2020, 09:15)

Das war mir schon ziemlich klar, als ich dieses Thema erstellt habe. (Warum sonst wäre da noch niemand drauf gekommen das kommerziell zu nutzen?)
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Ich bin ja auch nur Laie und habe nur rudimentäres Wissen in Maschinenbau und Thermodynamik... Also erleuchte mich. :)


Weil Temperatur bzw. auch deren Unterschied eine intensive Größe ist, sie ändert sich mit Größe der Luftmasse nicht.

Ansonsten empfehle ich einen kleinen Ausflug in die Meteorologie und Meereskunde. Dort wurde von der Natur ihr Rad bereits erfunden. Über Luftmassen und Meeresströmungen werden auf ganz natürliche Weise unfassbare Energiemengen in nördliche Breitengrade gefördert.
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Re: Wärmepumpen-Kraftwerk - Energie mit möglichst wenig Erderwärmung?

Beitragvon Kamikaze » Di 19. Mai 2020, 11:29

Enas Yorl hat geschrieben:(19 May 2020, 10:54)
Weil man für jede Stufe wieder elektrische Energie investieren muss.

Ein sehr einleuchtendes Beispiel. Danke dafür! :)
Also scheitert es aktuell daran, dass die Generator-Kraftmaschinen zu hohe Temperaturen benötigen für ein solches System, oder habe ich da was falsch verstanden?
Was spricht gegen die Nutzung von Niedertemperatur-Systemen?
Klingt jetzt vielleicht doof, aber die Dampfmaschine, die ich als Kind hatte, lieferte schon bei ~130°C "nutzbare" Leistung...
Selbst, wenn Systemweit "nur" eine Arbeitszahl von 1,1 (also für 1kWh investierte el. Energie werden 1,1kWh el. Energie "erzeugt") heraus käme, könnte sich das System zumindest energetisch selber tragen und die frei verfügbare "Naturwärme" nutzen... Dass es evtl. noch eine größere Arbeitszahl braucht, um auch wirtschaftlich rentabel zu werden sehe ich zwar ein, aber daran könnte ja gearbeitet werden...
Zuletzt geändert von Kamikaze am Di 19. Mai 2020, 11:35, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wärmepumpen-Kraftwerk - Energie mit möglichst wenig Erderwärmung?

Beitragvon Kamikaze » Di 19. Mai 2020, 11:31

Cat with a whip hat geschrieben:(19 May 2020, 11:26)

Weil Temperatur bzw. auch deren Unterschied eine intensive Größe ist, sie ändert sich mit Größe der Luftmasse nicht.

Ansonsten empfehle ich einen kleinen Ausflug in die Meteorologie und Meereskunde. Dort wurde von der Natur ihr Rad bereits erfunden. Über Luftmassen und Meeresströmungen werden auf ganz natürliche Weise unfassbare Energiemengen in nördliche Breitengrade gefördert.


Ich verstehe Ihren Post leider nicht... :?:
Natürlich sind mit natürliche Phänomene wie Meeresströmungen, Winde, etc. bekannt, aber welche Verbindung haben diese Phänomene mit der Idee frei verfügbare Wärmeenergie in nutzbare "edle" Energie um zu wandeln?
Winde werden ja schon genau dafür genutzt. Bei Meeresströmungen ist man da noch nicht ganz so weit...
Meine Idee war ja sich den Umweg über diese natürlichen Resultate der "freien Wärmeenergie" zu umgehen.
Zuletzt geändert von Kamikaze am Di 19. Mai 2020, 11:36, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wärmepumpen-Kraftwerk - Energie mit möglichst wenig Erderwärmung?

Beitragvon Cat with a whip » Di 19. Mai 2020, 11:35

Kamikaze hat geschrieben:(19 May 2020, 11:31)

Ich verstehe Ihren Post leider nicht... :?:
Man kann Temperaturgefälle einer gleichen Basistemperatur leider prinzipiell nicht kaskadieren. Das sollte es bedeuten. Wenn man zu einem Liter 30°C warmes Wasser einen weiteren Liter 30°C warmes Wasser schüttet hat man zwar die Energiemenge über die Masse verdoppelt, aber nicht die Temperatur.

Oder was meinten Sie mit kaskadieren?
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Re: Wärmepumpen-Kraftwerk - Energie mit möglichst wenig Erderwärmung?

Beitragvon Kamikaze » Di 19. Mai 2020, 11:56

Cat with a whip hat geschrieben:(19 May 2020, 11:35)

Man kann Temperaturgefälle einer gleichen Basistemperatur leider prinzipiell nicht kaskadieren. Das sollte es bedeuten. Oder was meinten Sie mit kaskadieren?


Natürlich kann man das. Es ist ja "nur" eine Frage des Energieerhaltungssatzes: Um z.B. (fiktive Zahlen - bin gerade zu faul den spezifischen Energiegehalt der verschiedenen Medien zu googlen) 1l Wasser auf der Verbraucherseite um 1°C zu erwärmen muss man 200m³ Außenluft um 1°C abkühlen. Oder: Um 1l Wasser auf der Verbraucherseite um 1°C zu erwärmen muss man 100m³ Außenluft um 2°C abkühlen. Oder um 1kWh nutzbare Energie auf der Abgabe-Seite zu erhalten muss man dem Primärmedium diese 1kWh + Verbrauch des Aggregats entziehen.
In einer Kaskade würde das bedeuten: Eprim = EAgg1 + EAgg2 + EAggx + EAbgabe
Alles Andere wäre eine Frage der Leistung. Die einzelnen Aggregate müssten natürlich darauf ausgelegt sein - also z.B. müsste bei einer Verdopplung des Energiegehalts des Sekundärmediums die Durchflussmenge an Primärmedium (bei gleichem spezifischen Energiegehalt) doppelt so hoch sein, wie auf der Sekundärseite.
Also um beim stark vereinfachten Beispiel von oben zu bleiben:

Außenluft -> Aggregat 1
Außenluft -> Aggregat 2 } Aggregat 4 (ca. dreifache Leistungsabgabe von Aggregat 1-3)
Außenluft -> Aggregat 3

Natürlich ist die Lösung aus Ingenieurssicht unschön, weil jede Stufe wieder Verluste mit sich bringt und eine potentielle Fehlerquelle ist, aber in engem Rahmen wäre das durchaus machbar.
Unterm Strich bleibe ich aber dabei: Solange die Abgabeenergie des Systems nur um eine Winzigkeit größer ist, als die aufgewendete Energie für den Betrieb würden sich doch zumindest Forschungen in diese Richtung lohnen. Warum also finde ich dazu nichts?
Fusionsreaktoren laufen ja aktuell auch (noch) endotherm - brauchen also mehr Energie als sie abgeben. Warum wird an so etwas hochkomplexen seit Jahrzehnten geforscht und gleichzeitig nichts zu so "einfachen" Systemen publiziert? Zu uncool?
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Re: Wärmepumpen-Kraftwerk - Energie mit möglichst wenig Erderwärmung?

Beitragvon Cat with a whip » Di 19. Mai 2020, 12:11

Kamikaze hat geschrieben:(19 May 2020, 11:56)

Natürlich kann man das.


Dann sollten Sie erstmal ausführen wie sie das praktisch anstellen wollen. Wo nehmen sie das Temperaturgefälle her? Wie bewegen Sie die Massen? Und wohin?
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Re: Wärmepumpen-Kraftwerk - Energie mit möglichst wenig Erderwärmung?

Beitragvon Enas Yorl » Di 19. Mai 2020, 12:23

Kamikaze hat geschrieben:(19 May 2020, 11:29)Also scheitert es aktuell daran, dass die Generator-Kraftmaschinen zu hohe Temperaturen benötigen für ein solches System, oder habe ich da was falsch verstanden?

Wenn man einen hohen Wirkungsgrad haben will, Ja.

Kamikaze hat geschrieben:(19 May 2020, 11:29)Was spricht gegen die Nutzung von Niedertemperatur-Systemen?

Ihr geringer Wirkungsgrad.

Kamikaze hat geschrieben:(19 May 2020, 11:29)
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Selbst, wenn Systemweit "nur" eine Arbeitszahl von 1,1 (also für 1kWh investierte el. Energie werden 1,1kWh el. Energie "erzeugt") heraus käme, könnte sich das System zumindest energetisch selber tragen und die frei verfügbare "Naturwärme" nutzen... Dass es evtl. noch eine größere Arbeitszahl braucht, um auch wirtschaftlich rentabel zu werden sehe ich zwar ein, aber daran könnte ja gearbeitet werden...

Aktuell kannst du bei einem Temperaturgefälle von etwa 50°C, mit etwa einen Wirkungsgrad von 4 - 6% an erzeugter elektrischer Leistung rechnen. Bei 1kWh eingesetzter elektrischer Energie in ca. 5kWh Heizenergie also etwa 200 bis 300 Wh. Das wäre ein energetisches Verlustgeschäft, von den finanziellen Kosten ganz zu schweigen. Was dir da vorschwebt an Niedrigtemperaturwandlung mit hohen Wirkungsgrad ist so etwas wie der heilige Gral in der Energietechnik. Da träumen viel davon, und es wird auch kräftig geforscht und optimiert. Aber ganz ehrlich, ein absehbarer Erfolg ist hier nicht in Sicht.
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Re: Wärmepumpen-Kraftwerk - Energie mit möglichst wenig Erderwärmung?

Beitragvon Kamikaze » Di 19. Mai 2020, 12:48

Enas Yorl hat geschrieben:(19 May 2020, 12:23)
Aktuell kannst du bei einem Temperaturgefälle von etwa 50°C, mit etwa einen Wirkungsgrad von 4 - 6% an erzeugter elektrischer Leistung rechnen. Bei 1kWh eingesetzter elektrischer Energie in ca. 5kWh Heizenergie also etwa 200 bis 300 Wh. Das wäre ein energetisches Verlustgeschäft, von den finanziellen Kosten ganz zu schweigen. Was dir da vorschwebt an Niedrigtemperaturwandlung mit hohen Wirkungsgrad ist so etwas wie der heilige Gral in der Energietechnik. Da träumen viel davon, und es wird auch kräftig geforscht und optimiert. Aber ganz ehrlich, ein absehbarer Erfolg ist hier nicht in Sicht.


Verstehe. Haben Sie zu dem Thema irgendwelche aktuellen Studien, Forschungsergebnisse, Experiment, oä. wo ich mir dahingehend zusätzliches Wissen zum aktuellen Stand aneignen kann?
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Re: Wärmepumpen-Kraftwerk - Energie mit möglichst wenig Erderwärmung?

Beitragvon Cat with a whip » Di 19. Mai 2020, 13:02

Am Perpetuum mobile wird schon lange geforscht, jaja.
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Re: Wärmepumpen-Kraftwerk - Energie mit möglichst wenig Erderwärmung?

Beitragvon Kamikaze » Di 19. Mai 2020, 13:14

Cat with a whip hat geschrieben:(19 May 2020, 12:11)

Dann sollten Sie erstmal ausführen wie sie das praktisch anstellen wollen. Wo nehmen sie das Temperaturgefälle her? Wie bewegen Sie die Massen? Und wohin?


Und abermals weiß ich nicht, worauf Sie hinaus wollen...
Es geht um die Nutzung freier, natürlich vorkommender Energie bzw. deren Umwandlung in edle bzw. nutzbare Energieformen wie z.B. Elektrizität.
Das Temperaturgefälle soll durch eine Kompressions-Wärmetausch-Maschine ähnlich einer handelsüblichen Wärmepumpe erzeugt werden.
Massen will ich möglichst gar nicht (sprich: so wenig wie möglich aber so viel wie nötig) bewegen. Der Transport von Masse ist immer mit Energieaufwand verbunden. Im Zuge der Effizienz sollte man das also nicht übertreiben. Das macht schon die Natur, um Temperaturgefälle durch Durchmischung aus zu gleichen. :?

Am Perpetuum mobile wird schon lange geforscht, jaja.


Ein Perpetuum mobile ist eine ewig laufende Maschine, die ohne Energiezufuhr von Außen funktioniert. So ein Konstrukt kann gemäß dem Energieerhaltungssatz nicht funktionieren.
Meine Idee hingegen wäre explizit sogar große Mengen von Energie zu zu führen - nämlich aus einem frei verfügbaren Medium (z.B. Luft), welches abgekühlt wird und so einen Anteil der "gebundenen" Wärmeenergie in das System abgibt. ;)
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