Ist der Euro eine Fehlgeburt oder ein Erfolgsmodell?

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Atalanttore
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Ist der Euro eine Fehlgeburt oder ein Erfolgsmodell?

Beitragvon Atalanttore » Sa 16. Mai 2020, 13:28

Von Crashpropheten wird regelmäßig behauptet und mehr oder weniger nachvollziehbar begründet, warum eine gemeinsame Währung in der EU nicht funktionieren kann. Demgegenüber gibt es Länder, die größer sind und/oder mehr Einwohner haben als die EU (VR China, USA), und mit einer Währung im ganzen Land wirtschaftlich sehr erfolgreich sind.

Mit Prophezeiungen zum Ausstieg Griechenlands aus dem Euro oder dem EU-Austritt südeuropäischer EU-Länder infolge der Finanzkrise 2007 und daran anschließender Eurokrise haben sich einige Crashpropheten bereits mindestens einmal geirrt.

Ist der Euro tatsächlich eine Fehlgeburt oder nur ein weiteres Hassobjekt von Nationalisten?
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Adam Smith
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Re: Ist der Euro eine Fehlgeburt oder ein Erfolgsmodell?

Beitragvon Adam Smith » Sa 16. Mai 2020, 14:57

Der Euro ist so stark wie seine Mitgliedsstaaten sind. Die italienische Lira war schwach, weil Italien halt wirtschaftlich deutlich schwächer als Deutschland war. Auch war das Staatsdefizit von Italien deutlich höher als das von Deutschland.

https://www.sfm.econ.uni-muenchen.de/le ... talien.pdf

Aus dem Grund schwächt Italien den Euro. Ein Austritt von Italien aus dem Euro würde den Euro deutlich stärken.

«Ich halte es für möglich, dass eine italienische Regierung Ernst macht und sagt, wir müssen aus dem Euro raus», entgegnet Kappeler. «Wenn Italien aus der Währung austritt, kann das Land mit einem Federstrich alle Schulden in der Lira haben und dann mit Inflation arbeiten.» Im Euro würde Italien hingegen nach europäischem Recht in der Gemeinschaftswährung verschuldet bleiben und von den Gläubigern bedrängt werden.


https://www.nzz.ch/video/nzz-standpunkt ... ld.1555096
Das ist Kapitalismus:

Die ständige Wahl der Bürger bestimmt das Angebot.
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Re: Ist der Euro eine Fehlgeburt oder ein Erfolgsmodell?

Beitragvon Mendoza » Sa 16. Mai 2020, 15:03

@Atalanttore
Ich bin der Meinung der Euro ist ein Fehler. Im Gegensatz zu den von dir genannten Staaten hat die Eurozone keine eigene Regierung. So brechen viele Länder
die Stabilitätsregeln wie sie wollen ohne dass das Konsequenzen hat. Auch von der No-Bailout-Klausel ist nicht mehr viel übrig nachdem der Euro-Rettungsschirm
eingeführt wurde. Wir haften über den ESM de facto für die Schulden anderer Länder. Die Länder sind auch zu unterschiedlich. Die Wechselkurse haben als Scharnier gedient um unterschiedliche Entwicklungen auszugleichen. Das ist weggefallen. Jetzt knirscht es ständig. Ich war anfangs Fan des Euro. Als die Regeln (erst von D und F) immer wieder gebrochen wurden habe ich gemerkt: Ich habe mich geirrt :(
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Re: Ist der Euro eine Fehlgeburt oder ein Erfolgsmodell?

Beitragvon H2O » Sa 16. Mai 2020, 15:18

Atalanttore hat geschrieben:(16 May 2020, 13:28)

Von Crashpropheten wird regelmäßig behauptet und mehr oder weniger nachvollziehbar begründet, warum eine gemeinsame Währung in der EU nicht funktionieren kann. Demgegenüber gibt es Länder, die größer sind und/oder mehr Einwohner haben als die EU (VR China, USA), und mit einer Währung im ganzen Land wirtschaftlich sehr erfolgreich sind.

Mit Prophezeiungen zum Ausstieg Griechenlands aus dem Euro oder dem EU-Austritt südeuropäischer EU-Länder infolge der Finanzkrise 2007 und daran anschließender Eurokrise haben sich einige Crashpropheten bereits mindestens einmal geirrt.

Ist der Euro tatsächlich eine Fehlgeburt oder nur ein weiteres Hassobjekt von Nationalisten?


Die Geburtsfehler des Euros wurden seinerzeit schon vor dessen Einführung genannt. Mit einer gemeinsamen Wirtschafts-, Steuer-, Sozial- und Finanzpolitik wäre das gar kein ernstes Problem geworden. Aber man ließ das Prinzip Hoffnung gelten, daß sich diese Voraussetzungen wie von allein erfüllen würden, weil alle Partner doch die Gemeinschaft wollten. Und so gibt es eben so viele unterschiedliche Ansichten zur Zukunft des Euros wie es Euro-Partner gibt.

Deutschland könnte derzeit aus einer Position wirtschaftlicher Stärke heraus, fast schon aus seiner Übermacht heraus, dafür sorgen, daß den Sorgenkindern Steine vom Hals fallen und sie sich ganz willig an einer europäischen zentralen Wirtschaftsregierung beteiligen. Auf deutscher Seite ist aber Wagemut nicht angesagt. Und so könnte es in der Tat zu einer europäischen Pleite kommen und zu Verwerfungen in der EU, also zum Gegenteil dessen, was die Europäer im ersten Überschwang angekündigt hatten.
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Re: Ist der Euro eine Fehlgeburt oder ein Erfolgsmodell?

Beitragvon Wähler » Sa 16. Mai 2020, 17:41

Mendoza hat geschrieben:(16 May 2020, 15:03)
Wir haften über den ESM de facto für die Schulden anderer Länder.

Die Haftung über den ESM ist für Deutschland auf 190 Milliarden Euro begrenzt. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes pocht auf eine strikte Einhaltung der EZB bei Anleihenaufkäufen hinsichtlich des Anteilsschlüssels der einzelnen EWU-Ländern an der EZB.
Sollte der Euro scheitern, kommt es zu einer Währungsreform in allen EWU-Ländern und zu einer Neubewertung des Außenwertes der neu entstehenden vielen nationalen Währungen, die an Stelle des Euros treten. Die Bilanz der EZB verschwindet dann einfach, da es deren Zentralbankgeldkreislauf nicht mehr geben wird. Nach dem zweiten Weltkrieg und der Währungsreform von 1948 wurden die realen Wirtschaftswerte als Grundlage für die Berechnung des neuen Innenwertes der Deutschen Mark genommen. So wird es dann, allerdings auf höherem realwirtschaftlichem Niveau, wieder geschehen, falls der Euro zusammenbricht. Problematischer dürften die zu erwartenden Staatsschuldenschnitte sein, da hier im Gegensatz zu den Sachwerten nominale Geldwerte vernichtet werden.
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Re: Ist der Euro eine Fehlgeburt oder ein Erfolgsmodell?

Beitragvon Maikel » Sa 16. Mai 2020, 18:36

Atalanttore hat geschrieben:(16 May 2020, 13:28)

Von Crashpropheten wird regelmäßig behauptet und mehr oder weniger nachvollziehbar begründet, warum eine gemeinsame Währung in der EU nicht funktionieren kann. Demgegenüber gibt es Länder, die größer sind und/oder mehr Einwohner haben als die EU (VR China, USA), und mit einer Währung im ganzen Land wirtschaftlich sehr erfolgreich sind.

Das sind ja auch "Länder" und kein Verbund selbständiger Staaten (im Fall China auch noch mit einem völlig anderen politischen System).

Im übrigen gibt es in den USA z.B. einen zwingenden Ausgleich zwischen den Salden der einzelnen Distrikt-Notenbanken.
Entspricht in der EU den Target-Salden, die bekanntermaßen nicht ausgeglichen werden, was ggf. zu erheblichen Problemen führen kann (siehe entsprechende Diskussionen.
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Re: Ist der Euro eine Fehlgeburt oder ein Erfolgsmodell?

Beitragvon H2O » So 17. Mai 2020, 08:10

Wir verlieren bei unserer Diskussion aus den Augen, daß es Zeiten gab, in denen "der Markt" gegen europäische Währungen wettete. Ein letzter Versuch war eine Wette gegen den Euro, die EZB-Präsident Draghi mit seinem sagenhaften: "Whatever it takes!" vom Tisch fegen konnte. Man kann sich also vorstellen, daß von Dritter Seite die Währungen der weniger wirtschaftsstarken EU-Partner zusammen brechen... ein Außenwert auf Ramschniveau.

Ich habe nur sehr laienhafte Vorstellungen von einer Geldwirtschaft und von Währungssystemen. Aber ich erinnere mich an Zeiten, als die griechische Drachme in Deutschland (vor der Wiedervereinigung!) nicht mehr gehandelt wurde. Da mußte man DM in Bar oder Reiseschecks mitnehmen, um Hotelrechnungen und Dienstwagen bezahlen zu können. In den 50er Jahren ist der französische Franc von einer DM-Parität auf 1/3 davon zusammengesackt, und die italienischen Lire über einige Jahrzehnte auf 1/10.

Diese Vorgänge muß man einmal in die heutige Zeit verlegen: Fertigungsketten im Automobilbau, Zusammenarbeit im Flugzeugbau, Zulieferungen an Werften... wer will denn da noch kaufwilligen Kunden ein Angebot ohne etliche Fußnoten machen?

Ich erlebe das gerade im kleinen Maßstab in Polen. Ich benötige privat kostspieliges technisches Gerät aus Österreich und den Niederlanden, das ich wegen des Kundendienstes aber in Polen einkaufen möchte. Natürlich steht in meinem Angebot ein Preis in PLN (złoty), aber eben auch eine Fußnote, daß der Preis sich verändern kann mit dem Wechselkurs des PLN gegen den Euro. Je nachdem sich also die polnische Währung "wettbewerbsfähig" macht, werden meine zu zahlenden PLN deutlich höher liegen. Als Privatmann und Endverbraucher kein so gewaltiges Ding; als Zulieferer oder an Gewerken Beteiligte aber kaum im Wettbewerb zu kalkulieren. Dann schließen Firmen Versicherungen gegen Währungsverluste ab, die natürlich Geld kosten... usw, usf.

Ein besonders "lustiges" Beispiel als Beitrag zur Frage, ob der Euro eine Fehlgeburt sei kann ich auch noch berichten: Schweizer Banken hatten in großem Stil in Polen Immobilienkredite (Häuslebauer... waren gerade gut in Schwung gekommen) angedient; zinsgünstiger als polnische Banken... deshalb also mit ziemlich großem Erfolg. Und plötzlich sieht die Schweiz die Notwendigkeit, den Schweizer Franken um 20% auf zu werten. Mit dem "Erfolg", daß polnische Kreditnehmer eine um 20% erhöhte Schuld zu verzinsen hatten. Das war vor drei oder vier Jahren eine Haupt- und Staatsaffäre, in der der polnische Staat Schuldnern Hilfestellung leisten mußte, damit die nicht zahlungsunfähig wurden.

Derzeit rutscht der PLN immer wieder einmal ab von der Langzeitmarke 4,25 PLN/€ auf 4,55 oder sogar schon kurzfristig 5!

Was ich mit diesen langen Geschichten sagen will: Wenn es den Euro nicht gäbe, dann müßte er glatt erfunden werden... würde er wohl auch. Nun haben wir uns in der EU darin eingerichtet, unser Wohlstand durch Austausch und Handel gründet auch auf den Vorteilen der gemeinsamen Währung und offener Grenzen. Und schon sehen wir Nachteile viel deutlicher, weil die Vorteile einer Gemeinschaftswährung so selbstverständlich geworden sind. Die Vorteile kann man aber auch einbüßen und damit ein bitteres Erwachen herbei führen.

Anstatt also vom Ende des Euros zu reden, sollten wir Europäer gemeinsam darauf dringen, seine Geburtsfehler nun endlich durch eine gemeinsame Wirtschafts- Sozial- und Finanzpolitik ab zu schmelzen, Schritt für Schritt, meinetwegen mit den Merkelschen Trippelschritten, wenn der Parademarsch zum sicheren Euro nicht möglich ist!
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Re: Ist der Euro eine Fehlgeburt oder ein Erfolgsmodell?

Beitragvon Wähler » So 17. Mai 2020, 11:31

H2O hat geschrieben:(17 May 2020, 08:10)
Anstatt also vom Ende des Euros zu reden, sollten wir Europäer gemeinsam darauf dringen, seine Geburtsfehler nun endlich durch eine gemeinsame Wirtschafts- Sozial- und Finanzpolitik ab zu schmelzen, Schritt für Schritt, meinetwegen mit den Merkelschen Trippelschritten, wenn der Parademarsch zum sicheren Euro nicht möglich ist!

Diesen Optimismus würde ich auch gerne teilen. ;) Die Coronakrise wird die EU vor eine Zerreißprobe stellen, da von Deutschland gewaltige Transferleistungen erwartet werden. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes hat schon eine mögliche Grenze aufgezeigt. Wir sollten die Bereitschaft der deutschen Bevölkerung zu mehr Integration auf EU-Ebene nicht überschätzen.
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Re: Ist der Euro eine Fehlgeburt oder ein Erfolgsmodell?

Beitragvon H2O » So 17. Mai 2020, 12:04

Wähler hat geschrieben:(17 May 2020, 11:31)

Diesen Optimismus würde ich auch gerne teilen. ;) Die Coronakrise wird die EU vor eine Zerreißprobe stellen, da von Deutschland gewaltige Transferleistungen erwartet werden. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes hat schon eine mögliche Grenze aufgezeigt. Wir sollten die Bereitschaft der deutschen Bevölkerung zu mehr Integration auf EU-Ebene nicht überschätzen.


Sie vermengen die notwendige Weiterentwicklung der Euro-Gruppe mit den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie! Wenn ich Merkel hieße, dann gäbe es deutsche Leistungen nur gegen vertiefte Integration in ein gemeinsames Finanz-, Sozial- und Wirtschaftssystem. Kein vernünftiger Mensch wird einem Verfahren zustimmen können, das den Empfänger von Leistungen ganz befreit von der Mitwirkung am Gelingen der Gemeinschaft. Das werden auch Franzosen, Spanier, Italiener und Griechen einsehen. Müssen sie ja nicht, wir dann aber auch nicht. Wie kommen wir dazu!?
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Re: Ist der Euro eine Fehlgeburt oder ein Erfolgsmodell?

Beitragvon Wähler » So 17. Mai 2020, 13:08

Wähler hat geschrieben:(17 May 2020, 11:31)
Diesen Optimismus würde ich auch gerne teilen. ;) Die Coronakrise wird die EU vor eine Zerreißprobe stellen, da von Deutschland gewaltige Transferleistungen erwartet werden. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes hat schon eine mögliche Grenze aufgezeigt. Wir sollten die Bereitschaft der deutschen Bevölkerung zu mehr Integration auf EU-Ebene nicht überschätzen.

H2O hat geschrieben:(17 May 2020, 12:04)
Sie vermengen die notwendige Weiterentwicklung der Euro-Gruppe mit den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie! Wenn ich Merkel hieße, dann gäbe es deutsche Leistungen nur gegen vertiefte Integration in ein gemeinsames Finanz-, Sozial- und Wirtschaftssystem. Kein vernünftiger Mensch wird einem Verfahren zustimmen können, das den Empfänger von Leistungen ganz befreit von der Mitwirkung am Gelingen der Gemeinschaft. Das werden auch Franzosen, Spanier, Italiener und Griechen einsehen. Müssen sie ja nicht, wir dann aber auch nicht. Wie kommen wir dazu!?

Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie in Italien, sowie Spanien und die Weiterentwicklung der Euro-Gruppe hängen miteinander zusammen. Die EZB wird ihr Anleihenkaufprogramm nicht ohne deutsche Gegenwehr auf die Südländer der EWU focusieren können. Auch das Volumen des ESM ist durch die Haftungsgrenze Deutschlands begrenzt. Eine Erhöhung des EU-Rahmenhaushaltes wird ebenfalls zu harten Auseinandersetzungen führen. Die einzelnen Diskussionen laufen bereits unabhängig davon, wie die Bevölkerung in den einzelnen EWU-Ländern sich wirtschaftlich verhalten wird.
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Re: Ist der Euro eine Fehlgeburt oder ein Erfolgsmodell?

Beitragvon firlefanz11 » So 17. Mai 2020, 13:44

Fehlgeburt...
Der einzig gangbare Weg wäre Abwicklung der EU u. des Euro sowie Gründung der Vereinigten Staaten von Europa meiner gemeinsamen Wirtschafts-, Steuer-, Sozial- und Finanzpolitik sowie anstatt Lokalbankgeld EZB-Geld Konten for everybody... Da das aber niemals geschehen wird, das sich die Regierungen der einzelnen Länder nicht die Butter vom Brot nehmen lassen wollen, wird einfach weiter gerettet, geflickschustert, und Schulden vergemeinschaftet bis das ganze Kunstkonstrukt krachend zusammenfällt...
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Re: Ist der Euro eine Fehlgeburt oder ein Erfolgsmodell?

Beitragvon H2O » So 17. Mai 2020, 14:52

Wähler hat geschrieben:(17 May 2020, 13:08)

Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie in Italien, sowie Spanien und die Weiterentwicklung der Euro-Gruppe hängen miteinander zusammen. Die EZB wird ihr Anleihenkaufprogramm nicht ohne deutsche Gegenwehr auf die Südländer der EWU focusieren können. Auch das Volumen des ESM ist durch die Haftungsgrenze Deutschlands begrenzt. Eine Erhöhung des EU-Rahmenhaushaltes wird ebenfalls zu harten Auseinandersetzungen führen. Die einzelnen Diskussionen laufen bereits unabhängig davon, wie die Bevölkerung in den einzelnen EWU-Ländern sich wirtschaftlich verhalten wird.


Diskussionen sind noch keine Zahlungen; ich werde gegen Leistungen zu Lasten Deutschlands stimmen, wo immer das Thema sein wird, wenn damit keine vertiefte europäische Zusammenarbeit verbunden ist. Es geht darum, daß Dritte über unser Geld verfügen wollen, ohne uns Mitsprache bei seiner Verwendung einräumen zu wollen. Das Verfahren sollte schon beiderseitig auf dem Volkswillen beruhen... sie sagten ja schon, daß man für das beabsichtigte einseitige Verfahren wohl keine hinreichende Zustimmung des deutschen Steuerzahlers bekommen wird. Ein völlig normaler Vorgang. Ich verstehe überhaupt nicht, was daran aufregend sein kann!
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Re: Ist der Euro eine Fehlgeburt oder ein Erfolgsmodell?

Beitragvon Wähler » So 17. Mai 2020, 15:09

Wähler hat geschrieben:(17 May 2020, 13:08)
Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie in Italien, sowie Spanien und die Weiterentwicklung der Euro-Gruppe hängen miteinander zusammen. Die EZB wird ihr Anleihenkaufprogramm nicht ohne deutsche Gegenwehr auf die Südländer der EWU focusieren können. Auch das Volumen des ESM ist durch die Haftungsgrenze Deutschlands begrenzt. Eine Erhöhung des EU-Rahmenhaushaltes wird ebenfalls zu harten Auseinandersetzungen führen. Die einzelnen Diskussionen laufen bereits unabhängig davon, wie die Bevölkerung in den einzelnen EWU-Ländern sich wirtschaftlich verhalten wird.

H2O hat geschrieben:(17 May 2020, 14:52)
Das Verfahren sollte schon beiderseitig auf dem Volkswillen beruhen... sie sagten ja schon, daß man für das beabsichtigte einseitige Verfahren wohl keine hinreichende Zustimmung des deutschen Steuerzahlers bekommen wird. Ein völlig normaler Vorgang. Ich verstehe überhaupt nicht, was daran aufregend sein kann!

Ich befürchte in den nächsten 2 Jahren eine finanzwirtschaftliche Dynamik im Euro-Raum, die kaum Zeit lassen wird, den deutschen Steuerzahler angemessen zu befragen und in seiner Mehrheit bei dieser Entwicklung mitzunehmen. Ein Vorteil ist vielleicht, dass die Bundestagswahl bis zum Ende dieses Zeitraumes stattfinden wird.
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Re: Ist der Euro eine Fehlgeburt oder ein Erfolgsmodell?

Beitragvon H2O » So 17. Mai 2020, 15:23

Wähler hat geschrieben:(17 May 2020, 15:09)

Ich befürchte in den nächsten 2 Jahren eine finanzwirtschaftliche Dynamik im Euro-Raum, die kaum Zeit lassen wird, den deutschen Steuerzahler angemessen zu befragen und in seiner Mehrheit bei dieser Entwicklung mitzunehmen. Ein Vorteil ist vielleicht, dass die Bundestagswahl bis zum Ende dieses Zeitraumes stattfinden wird.


Eine Anleihendynamik zum Schaden der deutschen Steuerzahler ohne jeden Fortschritt in der europäischen Einigung: Nur gegen meinen ausdrücklichen Rat und Willen. Ja, der Termin für die Bundestagswahlen liegt dazu sehr günstig. Da hat der Steuerzahler und Wähler das Wort.
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Re: Ist der Euro eine Fehlgeburt oder ein Erfolgsmodell?

Beitragvon Troh.Klaus » So 17. Mai 2020, 15:33

H2O hat geschrieben:(16 May 2020, 15:18)
Deutschland könnte derzeit aus einer Position wirtschaftlicher Stärke heraus, fast schon aus seiner Übermacht heraus, dafür sorgen, daß den Sorgenkindern Steine vom Hals fallen und sie sich ganz willig an einer europäischen zentralen Wirtschaftsregierung beteiligen. Auf deutscher Seite ist aber Wagemut nicht angesagt. Und so könnte es in der Tat zu einer europäischen Pleite kommen und zu Verwerfungen in der EU, also zum Gegenteil dessen, was die Europäer im ersten Überschwang angekündigt hatten.

Das meinst Du jetzt nicht ernst. Selbstverständlich wird man deutsche Geschenke gerne annehmen, aber sich doch gleichzeitig heftig dagegen wehren, dass Deutschland Einfluss auf die nationale Wirtschaftspolitik der Empfängerländer nimmt. Was glaubst Du, wie da die Hitlerschnauzer in den Gazetten spriessen würden.
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Re: Ist der Euro eine Fehlgeburt oder ein Erfolgsmodell?

Beitragvon H2O » So 17. Mai 2020, 15:54

Troh.Klaus hat geschrieben:(17 May 2020, 15:33)

Das meinst Du jetzt nicht ernst. Selbstverständlich wird man deutsche Geschenke gerne annehmen, aber sich doch gleichzeitig heftig dagegen wehren, dass Deutschland Einfluss auf die nationale Wirtschaftspolitik der Empfängerländer nimmt. Was glaubst Du, wie da die Hitlerschnauzer in den Gazetten spriessen würden.


Das ist doch ziemlich Wurst. Die Hitlerbärtchen sprießen immer, wenn man von Deutschen etwas abpressen will, was sie nicht voreilend freiwillig machen. Wir können unser Steuergeld auch ohne fremde Hilfe verbrauchen. Da würde ich schon erwarten, daß die Mitbestimmung über unser Steuergeld auch eine Mitbestimmung über seine Verwendung nach sich zieht. Das eine sollte ohne das andere nicht zu haben sein. Ich (hoffentlich: wir) will mehr europäische Gemeinsamkeit; das ist die Aufgabe von Hoheitsrechten wert... und war so ja auch in etlichen Bereichen... und nun eben etwas mehr davon. Wenn das kein gemeinsames Ziel mehr sein sollte, dann sollte man die Veranstaltung beenden.
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Re: Ist der Euro eine Fehlgeburt oder ein Erfolgsmodell?

Beitragvon Troh.Klaus » So 17. Mai 2020, 15:58

H2O hat geschrieben:(17 May 2020, 15:54)
Das ist doch ziemlich Wurst. Die Hitlerbärtchen sprießen immer, wenn man von Deutschen etwas abpressen will, was sie nicht voreilend freiwillig machen. Wir können unser Steuergeld auch ohne fremde Hilfe verbrauchen. Da würde ich schon erwarten, daß die Mitbestimmung über unser Steuergeld auch eine Mitbestimmung über seine Verwendung nach sich zieht. Das eine sollte ohne das andere nicht zu haben sein. Ich (hoffentlich: wir) will mehr europäische Gemeinsamkeit; das ist die Aufgabe von Hoheitsrechten wert... und war so ja auch in etlichen Bereichen... und nun eben etwas mehr davon. Wenn das kein gemeinsames Ziel mehr sein sollte, dann sollte man die Veranstaltung beenden.

Da bin ich voll bei Dir. Aber was sind denn z.B. die geforderten Euro-Bonds anderes als die Vergemeinschaftung von Schulden ohne Vergemeinschaftung der Mitbestimmung über die Verwendung. Das ist - leider - das bevorzugte Gemeinschaftsmodell.
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Re: Ist der Euro eine Fehlgeburt oder ein Erfolgsmodell?

Beitragvon H2O » So 17. Mai 2020, 16:09

Troh.Klaus hat geschrieben:(17 May 2020, 15:58)

Da bin ich voll bei Dir. Aber was sind denn z.B. die geforderten Euro-Bonds anderes als die Vergemeinschaftung von Schulden ohne Vergemeinschaftung der Mitbestimmung über die Verwendung. Das ist - leider - das bevorzugte Gemeinschaftsmodell.


Stimmt; wie so viele Dinge ein Kompromiß, um des lieben Friedens willen. Aber nun wird dieser Rahmen sehr deutlich überdehnt, und damit sollte die deutsche Seite etwas für die Gemeinschaft heraus holen. Für uns Deutsche (aber auch den Rest der Menschen in EU-Europa) hängt unser künftiges Wohl und Wehe von Fortschritten in der europäischen Einigung ab. Europa muß sich selbst in dieser sich neu formierenden Welt behaupten können. Da müssen wir jede Möglichkeit nutzen, dem Ziel der europäischen Einigung näher zu kommen. Eine Veranstaltung der Mißvergnügten kann doch im Ernst kein Ziel sein! Am Ende gehen dann alle Beteiligten verdrossen nach Hause!
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Re: Ist der Euro eine Fehlgeburt oder ein Erfolgsmodell?

Beitragvon oga » So 17. Mai 2020, 16:46

Atalanttore hat geschrieben:(16 May 2020, 13:28)

Von Crashpropheten wird regelmäßig behauptet und mehr oder weniger nachvollziehbar begründet, warum eine gemeinsame Währung in der EU nicht funktionieren kann. Demgegenüber gibt es Länder, die größer sind und/oder mehr Einwohner haben als die EU (VR China, USA), und mit einer Währung im ganzen Land wirtschaftlich sehr erfolgreich sind.

Mit Prophezeiungen zum Ausstieg Griechenlands aus dem Euro oder dem EU-Austritt südeuropäischer EU-Länder infolge der Finanzkrise 2007 und daran anschließender Eurokrise haben sich einige Crashpropheten bereits mindestens einmal geirrt.

Ist der Euro tatsächlich eine Fehlgeburt oder nur ein weiteres Hassobjekt von Nationalisten?
Mal eine simple Frage. Wie soll ich mir eine "crash" des Euros vorstellen? Ist das eine Hyperinflation, werden dann die Wände mit 100€ Scheinen tapeziert, oder was? :?:
I guess I should warn you, if I turn out to be particularly clear, you've probably misunderstood what I've said.
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Re: Ist der Euro eine Fehlgeburt oder ein Erfolgsmodell?

Beitragvon Orbiter1 » So 17. Mai 2020, 21:13

H2O hat geschrieben:(17 May 2020, 15:54)

Das ist doch ziemlich Wurst. Die Hitlerbärtchen sprießen immer, wenn man von Deutschen etwas abpressen will, was sie nicht voreilend freiwillig machen. Wir können unser Steuergeld auch ohne fremde Hilfe verbrauchen. Da würde ich schon erwarten, daß die Mitbestimmung über unser Steuergeld auch eine Mitbestimmung über seine Verwendung nach sich zieht. Das eine sollte ohne das andere nicht zu haben sein. Ich (hoffentlich: wir) will mehr europäische Gemeinsamkeit; das ist die Aufgabe von Hoheitsrechten wert... und war so ja auch in etlichen Bereichen... und nun eben etwas mehr davon. Wenn das kein gemeinsames Ziel mehr sein sollte, dann sollte man die Veranstaltung beenden.
Ich empfehle Ihnen mal einen Blick auf das aktuellste (Herbst 2019) Eurobarometer (regelmäßige Umfrage der EU-Kommission) zu werfen. Welche der 27 EU-Staaten haben das geringste Vertrauen in die EU? Es sind Italien, Griechenland und Frankreich. Und welche der 19 Euroländer zeigen die größte Abneigung gegen die Währung Euro? Es sind Frankreich, Österreich, Griechenland und Italien. Und mit denen wollen sie einen Deal machen der die EU weiterbringt und den Euro stärkt? Italien ist noch nicht einmal bereit einen ESM-Milliardenkredit mit einem Zinssatz von 0,1% anzunehmen. Einzige Bedingung, das Geld soll für die Stärkung des Gesundheitssystems verwendet werden. Die Regierungspartei M5S ist im Kampf gegen die "Zwangsunion" EU, die Empfänger ihrer Hilfe zu Reformen zwingt, erst groß geworden. Die anstehenden Milliarden-Hilfsgelder (man erwartet Zuschüsse keine Kredite) nehmen die nur ohne jegliche Bedingung an. Ich hoffe der Zerfall des Euro erfolgt so rasch wie möglich. Evtl schließen sich anschließend ein paar Staaten zu einer Währungsunion zusammen die auch zusammenpassen. Aber beim nächsten Mal ohne desaströse Geburtsfehler. Wahrscheinlich wird aber der massive Vermögensverlust der mit der Auflösung des Euros einhergeht eine weitere Währungsunion mehrere Generationen lang unmöglich machen.

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