Das alte Parteiensystem ist über

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Jouri
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Das alte Parteiensystem ist über

Beitragvon Jouri » Mi 5. Feb 2020, 13:50

Moin zusammen,
ich schreibe hier als junger Erwachsener, und möchte euch mit euch einmal die Ansicht diskutieren die ich und viele jungen Erwachsenen bei mir an der Universität vertreten. Wir sind von der Demokratie überzeugt, werden nächstes Jahr Erstwähler sein, und freuen uns schon, endlich mit unserer Stimme mitwirken zu können. Uns stellt sich nur das Problem, dass wir nicht wissen welche Partei wir wählen sollen.
In unseren Augen wird die aktuelle Parteienlandschaft dem 21.Jhr. nicht gerecht. In unseren Augen steht zwar ganz klar fest,dass wir alle gegen die Rechten wählen werden. Aber dann wird es schwierig. Es ist übertrieben zu sagen man wählt das kleinste Übel, so ist es nicht, aber es gibt keine Parteien die die Probleme des 21.Jhr. vollends angreifen.
Ich werde jetzt nicht erläutern was uns expliziert an jeder einzelnen Partei stört, und was uns gefällt. Allerdings finden wir, dass einige Parteien in unserer Parteienlandschaft nach rechts rücken und andere nach links. Uns fehlt eine Partei der Mitte.
Es ist nicht mehr Modern in unseren Augen, dass Parteien in ihrem Parteiprogramm eine feste Linie verfolgen. Die Probleme unserer Zeit erfordern doch ein individuelles betrachten der einzelnen Situationen. Die Parteien legen sich mit ihrer Linie schon vorher fest wie sie handeln werden. (ein Beispiel zur Erklärung: die Grünen werden niemals etwas Klimaschädliches entscheiden, auch wenn es gerade in der Situation für die Allgemeinheit das beste wäre.)
Eine moderne Welt, die so schnelllebig ist, wie die unsere, die vernetzter ist als je zuvor, die aber auch angreifbarer ist wie nie zuvor, finden wir es veraltet, dass alt eingesessene Parteien aufgrund ihrer Parteilinie nicht flexibel auf heutige Probleme eingehen.
Es bräuchte eine Partei in der heutigen Zeit, die bei jeder Entscheidung abwiegt was ist das beste für die Bevölkerung, unabhängig von Lobbyisten, unabhängig von einer festen Parteiline und unabhängig von veralteten Ansichten.
Heutige Probleme müssen halt manchmal konservativ gelöst werden, manchmal progressiv, manchmal im Sinne der Wirtschaft, manchmal im Sinn der ärmsten dieses Landes, manchmal Global und manchmal halt nur National.
Wir wissen in vielen Punkten entscheiden Parteien auch gegen ihr Parteilinie, da drauf kann man sich nur nicht verlassen und diese Parteien geraten dann immer in innerparteiliche Streitereien.
Wir wünschten uns eine Partei, die von vornherein klar dafür steht, Situationsbedingt zu entscheiden, mit dem Ziel das beste zu erreichen für die Allgemeinheit.
Uns würde interessieren wie ihr zu der Einstellung steht, ob ihr so eine Partei befürworten würdet, und ob ihr auch meint, dass es an der Zeit wäre sich auch politisch auf die moderne Zeit einzustellen?
Mit besten Grüßen
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JosefG
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Re: Das alte Parteiensystem ist über

Beitragvon JosefG » Mi 5. Feb 2020, 16:54

Jouri hat geschrieben:(05 Feb 2020, 13:50)

Wir wünschten uns eine Partei, die von vornherein klar dafür steht, Situationsbedingt zu entscheiden, mit dem Ziel das beste zu erreichen für die Allgemeinheit.

Wünschen kann man viel. Ich würde mir die Abschaffung des Fraktionszwangs wünschen,
oder wenigstens Abstimmungen mit wechselnden Mehrheiten ohne Koalitionszwang.
Und Volksbegehren und Volksentscheide auf Bundesebene, auch in Verfassungsfragen.
Leider sehen das die Politiker anders. Und deshalb wird sich nichts ändern.
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imp
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Re: Das alte Parteiensystem ist über

Beitragvon imp » Mi 5. Feb 2020, 19:24

Jouri hat geschrieben:(05 Feb 2020, 13:50)

Moin zusammen,
ich schreibe hier als junger Erwachsener, und möchte euch mit euch einmal die Ansicht diskutieren die ich und viele jungen Erwachsenen bei mir an der Universität vertreten. Wir sind von der Demokratie überzeugt, werden nächstes Jahr Erstwähler sein, und freuen uns schon, endlich mit unserer Stimme mitwirken zu können. Uns stellt sich nur das Problem, dass wir nicht wissen welche Partei wir wählen sollen.
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Du solltest besser nur für dich sprechen. Die meisten jungen Wahlberechtigten wählen und sie wählen meistens die Parteien, die es in den letzten 30 Jahren in der einen oder anderen Form immer gab.
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Re: Das alte Parteiensystem ist über

Beitragvon Adam Smith » Mi 5. Feb 2020, 19:58

Die Politik reagiert natürlich auf Ereignisse. Der Reaktorunfall in Japan ist dafür ein gutes Beispiel.


Fukushima und erneute Wende

Am 11. März 2011 ereignete sich in Japan die Nuklearkatastrophe von Fukushima, eine mit der höchsten INES-Stufe 7 bewerte Unfallserie, bei der insgesamt 4 Reaktoren des Kernkraftwerk Fukushima Daiichi zerstört und große Mengen Radioaktivität in die Umwelt freigesetzt wurden. Durch die sich damit ergebenden Druck auf die Regierung kam es zu einer erneuten Wende in der Energiepolitik: Bereits 3 Tage nach Beginn der Katastrophe gab die deutsche Bundesregierung ein dreimonatiges Atom-Moratorium bekannt und am 6. Juni 2011 dann den Atomausstieg bis zum Jahr 2022.



https://de.m.wikipedia.org/wiki/Energie ... eutschland
Das ist Kapitalismus:

Die ständige Wahl der Bürger bestimmt das Angebot.
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Re: Das alte Parteiensystem ist über

Beitragvon Jouri » Mi 5. Feb 2020, 20:19

imp hat geschrieben:(05 Feb 2020, 19:24)

Du solltest besser nur für dich sprechen. Die meisten jungen Wahlberechtigten wählen und sie wählen meistens die Parteien, die es in den letzten 30 Jahren in der einen oder anderen Form immer gab.


Entschuldige wenn das falsch rüber kam, ich will hier nicht für alle Jugendlichen pauschal reden. Ich rede von einigen bei mir an der Universität, wir sind gerade ca. 40 die diese Meinung vertreten. So sollte das rüber kommen dass ich für diese 40 rede.
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Re: Das alte Parteiensystem ist über

Beitragvon imp » Mi 5. Feb 2020, 20:23

Jouri hat geschrieben:(05 Feb 2020, 20:19)

Entschuldige wenn das falsch rüber kam, ich will hier nicht für alle Jugendlichen pauschal reden. Ich rede von einigen bei mir an der Universität, wir sind gerade ca. 40 die diese Meinung vertreten. So sollte das rüber kommen dass ich für diese 40 rede.

Mir ist das alles zu viel Blabla und zu viel Idee von einer objektiv richtigen "Politik von heute", die alle anderen bitte einsehen sollen statt ihre abweichenden Werte, Interessen und Einschätzungen zu vertreten. Gesellschaftliche Konflikte entstehen doch nicht aus einem Mangel an Information oder Denkbereitschaft.
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Re: Das alte Parteiensystem ist über

Beitragvon Skeptiker » Mi 5. Feb 2020, 21:37

Hallo Jouri, zu großen Teilen kann ich deine Argumentation unterstreichen. Dass als Verbesserungsansatz dann aber eine "Partei für Opportunismus und Pragmatismus" gegründet werden sollte, sehe ich noch nicht so zwingend.

Mit den Piraten hatte man ja schon etwas, was ganz grob in diese Richtung ging. Auch die haben Demokratieexperimente gemacht und waren recht breit aufgestellt. Aber eine Partei verfolgt nunmal konkrete Ziele. Also werden sich Strömungen durchsetzen - was auch normal und okay ist. Diese Strömungen werden sich NICHT so wie du dir das vorstellst, an objektiven Erfordernissen orientieren, sondern natürlich am subjektiven Empfinden der Mitglieder der Partei. So lange also ein represäntativer Schnitt der Bevölkerung in die Partei GEZWUNGEN wird, würde die Partei also immer einen Charakter ausbilden, der nicht notwendigerweise mit dem der Bevölkerung deckungsgleich ist (so wie das in allen Parteien der Fall ist).

Ich sehe eine Lösung des Problemes eher in Ansätzen für mehr direkte Demokratie. Da kann man durchaus kreativ auch neue Medien einsetzen um zu Richtungsentscheidungen ein direktes und represäntatives Votum einzuholen, welches eine sehr hohe Legitimation besäße.

Noch werden Risiken dieser Systematik immer wieder überbetont. Da sehe ich eine klassische deutsche Grundhaltung, die Risiken oft höher gewichtet als Chancen, mit einer Interessenlage der Parteien, welche der Bevölkerung gerne Glauben machen SIE wären die Demokratie, sich unheilvoll ergänzen. In meinen Augen wird aber an einer Erneuerung unserer Demokratie hin zu mehr - nicht ausschießlich, aber mehr - direkter Demokratie unumgänglich sein. Man darf sich heute keine 20 Jahre mehr Zeit lassen, bis die richtige Lösung endlich mal umgesetzt werden kann, weil vorher immer das falsche Gesamtpacket gewonnen hat.
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Re: Das alte Parteiensystem ist über

Beitragvon Tomaner » Fr 7. Feb 2020, 14:39

Jouri hat geschrieben:(05 Feb 2020, 13:50)

Moin zusammen,
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In unseren Augen wird die aktuelle Parteienlandschaft dem 21.Jhr. nicht gerecht. In unseren Augen steht zwar ganz klar fest,dass wir alle gegen die Rechten wählen werden. Aber dann wird es schwierig. Es ist übertrieben zu sagen man wählt das kleinste Übel, so ist es nicht, aber es gibt keine Parteien die die Probleme des 21.Jhr. vollends angreifen.
Ich werde jetzt nicht erläutern was uns expliziert an jeder einzelnen Partei stört, und was uns gefällt. Allerdings finden wir, dass einige Parteien in unserer Parteienlandschaft nach rechts rücken und andere nach links. Uns fehlt eine Partei der Mitte.
Es ist nicht mehr Modern in unseren Augen, dass Parteien in ihrem Parteiprogramm eine feste Linie verfolgen. Die Probleme unserer Zeit erfordern doch ein individuelles betrachten der einzelnen Situationen. Die Parteien legen sich mit ihrer Linie schon vorher fest wie sie handeln werden. (ein Beispiel zur Erklärung: die Grünen werden niemals etwas Klimaschädliches entscheiden, auch wenn es gerade in der Situation für die Allgemeinheit das beste wäre.)
Eine moderne Welt, die so schnelllebig ist, wie die unsere, die vernetzter ist als je zuvor, die aber auch angreifbarer ist wie nie zuvor, finden wir es veraltet, dass alt eingesessene Parteien aufgrund ihrer Parteilinie nicht flexibel auf heutige Probleme eingehen.
Es bräuchte eine Partei in der heutigen Zeit, die bei jeder Entscheidung abwiegt was ist das beste für die Bevölkerung, unabhängig von Lobbyisten, unabhängig von einer festen Parteiline und unabhängig von veralteten Ansichten.
Heutige Probleme müssen halt manchmal konservativ gelöst werden, manchmal progressiv, manchmal im Sinne der Wirtschaft, manchmal im Sinn der ärmsten dieses Landes, manchmal Global und manchmal halt nur National.
Wir wissen in vielen Punkten entscheiden Parteien auch gegen ihr Parteilinie, da drauf kann man sich nur nicht verlassen und diese Parteien geraten dann immer in innerparteiliche Streitereien.
Wir wünschten uns eine Partei, die von vornherein klar dafür steht, Situationsbedingt zu entscheiden, mit dem Ziel das beste zu erreichen für die Allgemeinheit.
Uns würde interessieren wie ihr zu der Einstellung steht, ob ihr so eine Partei befürworten würdet, und ob ihr auch meint, dass es an der Zeit wäre sich auch politisch auf die moderne Zeit einzustellen?
Mit besten Grüßen

Ich glaube du verstehst einfach die Grundlagen von Demokratie nicht. Nehmen wir mal den Faschismus oder Monarchie, hat man eine Figur oder eine kleine Elite, die für alle bestimmt was Gut für sie zu sein hat. Dies schließt aus, das überhaupt Gruppen entstehen, die bestimmte Interessen vertreten. Ein Blick beispielsweise ins NPD Programm, Verbot von Gruppenegoismen, heißt es da. Was in sich ja logisch ist, wenn man daran glaubt nur ein führer weiß was für alle Gut sei.

Bei Demokratie ist es genau umgekehrt, es bilden sich verschiedenste Gruppen, die bestimmte interessen vertreten, beispielsweise Sozialverbände wie VDK, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände, und eben auch Parteien. Jeder Mensch, bzw. jeder Wähler hat bestimmte Interessen und wird in der Regel eine Organisation unterstützen, bzw. eine Partei mit der das größte gemeinsames Vielfaches hat oder sogar eine neue Partei gründen. Wenn ich dich verstehe, willst du aber eine Partei haben, die heute für Kernkraft ist, morgen dann dagegen und übermorgen wieder dafür? Eine Partei die vielleicht heute sagt sie stehe für Arbeitnehmerrechte und Mitbestimmung und dann morgen auf dem Schoss der Arbeitgeber sitzt und übertrieben gesagt, das Betreibsverfassungsgesetz abschafft?

Im Prinzip hat man aber doch genau in der Parteienlandschaft das was du willst. Es stehen verschiedenste Interessensgruppen zur Wahl, die dann sich zusammensetzen müssen, um Mehrheiten zu bilden. Dies schließt sogar den Schutz von Minderheiten ein, da man heute an der Macht sein kann und morgen nach einer Wahl selbst eine Minderheit sein kann.
Ein Problem oder auch nicht an der Demokratie ist halt, je nachdem wie man es sieht ist, wenn ich die beste Idee aller Zeiten hätte und die ganze Welt auf einen Schlag retten könnte, nutzt dies überhaupt nichts, wenn ich keine Mehrheit dafür finde!

Eine Patei nach dem Motto deiner Vorstellung, heute hier morgen dort, bin kaum da, bin ich schon wieder fort, löst wohl kaum Probleme. Man wählt schlicht die Katze im Sack!
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Re: Das alte Parteiensystem ist über

Beitragvon grün » Sa 8. Feb 2020, 21:50

Jouri hat geschrieben:Es bräuchte eine Partei in der heutigen Zeit, die bei jeder Entscheidung abwiegt was ist das beste für die Bevölkerung, unabhängig von Lobbyisten, unabhängig von einer festen Parteiline und unabhängig von veralteten Ansichten.


Bis neulich hätte ich noch die Humanisten empfohlen, aber die nennt sich neuerdings auch eine "sozialliberale" Partei - verzichtbar also.
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Re: Das alte Parteiensystem ist über

Beitragvon Sören74 » Sa 8. Feb 2020, 21:56

Vielleicht ist das Problem einfach nur, dass die Menschen in der heutigen Zeit weit weniger kompromissbereit sind als früher. Man sieht sehr kritisch auf Parteien, und manchmal ist es so, wenn ein Vorsitzender was blödes twittert, dann heißt es in den Userkommentaren von einigen "nee, die Partei wähle ich nicht mehr". Aber die Partei, die zu 100% meine Ansichten teilt, gab es noch nie. Das hat die Menschen früher auch nicht gestört. Anders kann ich es mir nicht erklären, warum in den 70er Jahren zu 99% die Menschen mit drei Parteien auskamen, CDU/CSU, SPD und FDP. Ihr müsst euch mal die Wahlergebnisse dieser Zeit anschauen.
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Re: Das alte Parteiensystem ist über

Beitragvon grün » Sa 8. Feb 2020, 22:03

Sören74 hat geschrieben:warum in den 70er Jahren zu 99% die Menschen mit drei Parteien auskamen, CDU/CSU, SPD und FDP.


Kamen sie nicht, guck doch mal spaßeshalber, wie viele Parteien in den 70ern gegründet wurden.

Aber find mal eine Mehrheit für was Neues in einem Land, in dem es den meisten Menschen zu gut geht. Die erste wirklich neue Partei seit den Neunzigern, der mehr als bloß ein Einmalerfolg (siehe Piraten) gelingt, ist die AfD. Warum? Weil der Euro, später die Flüchtlinge gemäß Wahlkampf ihren Alltag dort betrafen, wo es sie stört: in ihrem Portemonnaie.
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Re: Das alte Parteiensystem ist über

Beitragvon Sören74 » Sa 8. Feb 2020, 22:30

grün hat geschrieben:(08 Feb 2020, 22:03)

Kamen sie nicht, guck doch mal spaßeshalber, wie viele Parteien in den 70ern gegründet wurden.


Das ist schon interessant. Es war wohl eine Hochzeit der Parteigründungen. Die 99% beziehen sich auf bundesweite Wahlergebnisse, beispielsweise 1976. Auf "Sonstige" entfielen nur 0,9%. Die größte davon war die DKP.

https://de.wikipedia.org/wiki/Bundestagswahl_1976
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Re: Das alte Parteiensystem ist über

Beitragvon grün » Sa 8. Feb 2020, 22:45

Das ist das Problem bei einer Fünfprozenthürde... ;)
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Re: Das alte Parteiensystem ist über

Beitragvon imp » Sa 8. Feb 2020, 22:46

grün hat geschrieben:(08 Feb 2020, 22:45)

Das ist das Problem bei einer Fünfprozenthürde... ;)

Die meisten von denen hätten auch die natürliche Hürde für ein Mandat nicht übersprungen. Der Bundestag war damals ne ganze Ecke kleiner.
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Re: Das alte Parteiensystem ist über

Beitragvon harry52 » Sa 8. Feb 2020, 22:48

Jouri hat geschrieben: Die Parteien legen sich mit ihrer Linie schon vorher fest wie sie handeln werden. (ein Beispiel zur Erklärung: die Grünen werden niemals etwas Klimaschädliches entscheiden, auch wenn es gerade in der Situation für die Allgemeinheit das beste wäre.)

Bin etwas überrascht, denn meist geht die Kritik genau in die andere Richtung,
nämlich dass die Parteien in der Regierung ihre Grundsätze und Wahlprogramme komplett vergessen und ganz anders handeln, als sie vorher versprochen haben. Ich bin sogar total krass überrascht, denn keine Regierung hat jemals stur an dem festgehalten, was sie vorher festgelegt hat. Immer wurde auf aktuelle nicht vorhergesehene Ereignisse reagiert und oft gegen alle alten Grundsätze.

Ich könnte Dir da x Beispiele nennen.
Nimm mal die rassistischen Massenmorde und Massenvergewaltigungen im ehemaligen sozialistischen Jugoslawien. Das hat sogar viele hartgesottenen grüne Pazifisten zum Umdenken gebracht.
"Gut gemeint" ist nicht das Gleiche wie "gut gemacht".
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Re: Das alte Parteiensystem ist über

Beitragvon grün » Sa 8. Feb 2020, 22:51

imp hat geschrieben:Die meisten von denen hätten auch die natürliche Hürde für ein Mandat nicht übersprungen.


Die parlamentarische Demokratie kann man im Prinzip also nur mit direkter Demokratie kitten?

harry52 hat geschrieben:Bin etwas überrascht, denn meist geht die Kritik genau in die andere Richtung,
nämlich dass die Parteien in der Regierung ihre Grundsätze und Wahlprogramme komplett vergessen und ganz anders handeln, als sie vorher versprochen haben.


Ach, in Baden-Württemberg sind sogar die Grünen eine Autopartei. Im Übrigen empfehle ich Müntefering, 2005: "Es ist unfair, Politiker an ihren Wahlversprechen zu messen."
Die Ideen der Linken sind vor allem langweilig.
-- Nicolás Gómez Dávila
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Re: Das alte Parteiensystem ist über

Beitragvon Alpha Centauri » Sa 8. Feb 2020, 22:57

grün hat geschrieben:(08 Feb 2020, 22:51)

Die parlamentarische Demokratie kann man im Prinzip also nur mit direkter Demokratie kitten?



Ach, in Baden-Württemberg sind sogar die Grünen eine Autopartei. Im Übrigen empfehle ich Müntefering, 2005: "Es ist unfair, Politiker an ihren Wahlversprechen zu messen."


Naja Muntefering ist ohnehin so eine Art Politiker der bei vielen EX SPD,Wählern bis heute,sauer aufstößt

" Wer nicht arbeiten will, hat auch keinen Hunger" der Satz stammt auch von dem, wohl gemerkt ein SPD Mann.
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Re: Das alte Parteiensystem ist über

Beitragvon imp » Sa 8. Feb 2020, 22:58

grün hat geschrieben:(08 Feb 2020, 22:51)

Die parlamentarische Demokratie kann man im Prinzip also nur mit direkter Demokratie kitten?

Wer in der Wahldemokratie keine paar Tausend Wähler für einen rechnerischen Sitz zusammenbekommt, der wird bei einer Abstimmungsdemokratie wahrscheinlich auch der Hanswurst mit den Schildern sein, an dem man zügig vorbei geht und möglichst unverbindlich geradeaus schaut.

Ach, in Baden-Württemberg sind sogar die Grünen eine Autopartei. Im Übrigen empfehle ich Müntefering, 2005: "Es ist unfair, Politiker an ihren Wahlversprechen zu messen."

Münte ist manchmal bissel humorlos gewesen. Vom Humor haben mir Stoiber und später Kauder mehr behagt.
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Re: Das alte Parteiensystem ist über

Beitragvon grün » Sa 8. Feb 2020, 23:01

imp hat geschrieben:Wer in der Wahldemokratie keine paar Tausend Wähler für einen rechnerischen Sitz zusammenbekommt, der wird bei einer Abstimmungsdemokratie wahrscheinlich auch der Hanswurst mit den Schildern sein, an dem man zügig vorbei geht und möglichst unverbindlich geradeaus schaut.


Uff.

Bleiben wir mal bei einem konkreten Beispiel: Es gibt ein paar vergangene Abstimmungen, bei denen eine bestimmte (nicht immer identische) Partei in meinem Sinne abgestimmt hat. Bei einer gewissen Häufung guckt man sich das genauer an und stellt dann fest, dass die Partei in anderen Themen das genaue Gegenteil von dem ist, was man sucht - und stimmt dann doch für wen anders, also eigentlich gegen seine eigenen Interessen.

Wie einflussreich die Piratenpartei zum Beispiel sein könnte, wenn sie keine Partei wäre? Ist die Mehrheit der Deutschen eher christlich (CDU/CSU) oder vernünftig (PdV, Humanisten)? Alles irrelevant im bestehenden System.
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Re: Das alte Parteiensystem ist über

Beitragvon Alpha Centauri » Sa 8. Feb 2020, 23:04

grün hat geschrieben:(08 Feb 2020, 22:03)

Kamen sie nicht, guck doch mal spaßeshalber, wie viele Parteien in den 70ern gegründet wurden.

Aber find mal eine Mehrheit für was Neues in einem Land, in dem es den meisten Menschen zu gut geht. Die erste wirklich neue Partei seit den Neunzigern, der mehr als bloß ein Einmalerfolg (siehe Piraten) gelingt, ist die AfD. Warum? Weil der Euro, später die Flüchtlinge gemäß Wahlkampf ihren Alltag dort betrafen, wo es sie stört: in ihrem Portemonnaie.



Naja, dafür gibt gesellschaftlich immer wieder Protest gegen Fehlentscheidungen in der Politik , lange vor der AFD und Flüchtlingsthema,gab es den Proest gegen die AGENDA 2010 und die Hartz Gesetze ( die berühmten Montagsdemos) heute schon wieder größtenteils vergessen, ( gleich wohl die schrödersche AGENDA Politik und speziell das Hartz4 System bis heute umstritten ist was die Sozialpolitik angeht)

Dann haben wir heute noch die neue Nsch Grüne Umwelbewegung rund um die Fridays for Future , die laut einigen bekunden nicht zu einer politischen Partei werden will, weil sie nicht selbst ein Teil des Problems sein wollen.

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