Quo vadis, DB?

Moderator: Moderatoren Forum 4

Benutzeravatar
Milady de Winter
Moderator
Beiträge: 14341
Registriert: Mi 18. Jan 2012, 16:37
Benutzertitel: Weiß wie Schnee, rot wie Blut

Quo vadis, DB?

Beitragvon Milady de Winter » Sa 11. Jan 2020, 10:10

Edit: dieser Strang ist ein „Spin-off“ aus dem Strang „Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt“, da sich die Diskussion dort ab meinem Beitrag hier sehr spitz in Richtung DEUTSCHE BAHN entwickelt hat. Der Strang dient folglich der Diskussion rund um die DB, den Status Quo, aber auch die Frage, wohin sich die BAHN zukünftig entwickelt - mit allen Pros und Cons.

+++++++++++++++++++

Dazu - fast völlig wertfrei - nur mal ein Beispiel aus der DB: anders als in Indien fahren überfüllte Züge (ich spreche hier vom ICE) nicht. Ist der ICE zu voll, und das heißt, haben zu viele Personen einen Stehplatz, dann bleibt der Zug so lange im Bahnhof, bis eine adäquate Zahl an Passagieren wieder ausgestiegen ist. Das kommt in letzter Zeit öfter mal vor. Ich bin kein Experte, und ich gehe davon aus, dass das ggf. auch nur den ICE bzw. IC betrifft (wegen der Geschwindigkeit?), aber wenn bei all den Problemen, die regelmäßig im Betrieb der DB auftreten, dann auch noch mehr Personen vom Flugverkehr oder der Straße auf den Schienenverkehr ausweichen sollen... Gute Nacht.
Zuletzt geändert von Milady de Winter am Sa 11. Jan 2020, 21:10, insgesamt 1-mal geändert.
- When he called me evil I just laughed -
Benutzeravatar
Brainiac
Vorstand
Beiträge: 7336
Registriert: Do 30. Jun 2011, 11:41

Re: Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

Beitragvon Brainiac » Sa 11. Jan 2020, 10:27

Milady de Winter hat geschrieben:(11 Jan 2020, 10:10)

Dazu - fast völlig wertfrei - nur mal ein Beispiel aus der DB: anders als in Indien fahren überfüllte Züge (ich spreche hier vom ICE) nicht. Ist der ICE zu voll, und das heißt, haben zu viele Personen einen Stehplatz, dann bleibt der Zug so lange im Bahnhof, bis eine adäquate Zahl an Passagieren wieder ausgestiegen ist. Das kommt in letzter Zeit öfter mal vor.

Das ist aber nur eine Möglichkeit und nicht unbedingt der Regelfall. https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/wegen-ueberfuellung-klimaaktivistin-sitzt-im-gang-wie-greta-thunberg-auf-die-bahn-kritik-per-twitter-reagierte/25336272.html

Ich bin kein Experte, und ich gehe davon aus, dass das ggf. auch nur den ICE bzw. IC betrifft (wegen der Geschwindigkeit?), aber wenn bei all den Problemen, die regelmäßig im Betrieb der DB auftreten, dann auch noch mehr Personen vom Flugverkehr oder der Straße auf den Schienenverkehr ausweichen sollen... Gute Nacht.

Vollständige Reservierungspflicht einführen, ist ja anderswo gang und gäbe.
Ja, meines Wissens betrifft das nur den Fernverkehr. RE's etc sind selten so überfüllt, und bei S-Bahnen wäre das aufgrund der Taktdichte gar nicht machbar.
Jeder hat das Recht
Benutzeravatar
imp
Beiträge: 13518
Registriert: Fr 14. Jul 2017, 20:37
Benutzertitel: Es ist Zeit fuer eine Pause.

Re: Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

Beitragvon imp » Sa 11. Jan 2020, 13:18

Milady de Winter hat geschrieben:(11 Jan 2020, 10:10)

Dazu - fast völlig wertfrei - nur mal ein Beispiel aus der DB: anders als in Indien fahren überfüllte Züge (ich spreche hier vom ICE) nicht. Ist der ICE zu voll, und das heißt, haben zu viele Personen einen Stehplatz, dann bleibt der Zug so lange im Bahnhof, bis eine adäquate Zahl an Passagieren wieder ausgestiegen ist. Das kommt in letzter Zeit öfter mal vor. Ich bin kein Experte, und ich gehe davon aus, dass das ggf. auch nur den ICE bzw. IC betrifft (wegen der Geschwindigkeit?), aber wenn bei all den Problemen, die regelmäßig im Betrieb der DB auftreten, dann auch noch mehr Personen vom Flugverkehr oder der Straße auf den Schienenverkehr ausweichen sollen... Gute Nacht.

Oft, nicht immer, ist der ICE voll, weil ein anderer Zug nicht fuhr. Ein Teufelskreis.
"Don't say words you gonna regret" - Eric Woolfson
Benutzeravatar
imp
Beiträge: 13518
Registriert: Fr 14. Jul 2017, 20:37
Benutzertitel: Es ist Zeit fuer eine Pause.

Re: Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

Beitragvon imp » Sa 11. Jan 2020, 13:22

Brainiac hat geschrieben:(11 Jan 2020, 10:27)
Vollständige Reservierungspflicht einführen, ist ja anderswo gang und gäbe.
Ja, meines Wissens betrifft das nur den Fernverkehr. RE's etc sind selten so überfüllt, und bei S-Bahnen wäre das aufgrund der Taktdichte gar nicht machbar.

In meinen Augen eine Alkoholinspiration. Ein wesentlicher Vorteil der Bahn, ausser Sprintern, gegenüber Flugzeug und einigen Verkehrsträgern ist die Flexibilität des Fahrscheines. Ich bin als jüngerer Mensch schon telefonisch aus dem bestiegenen Zug herausgelockt worden, um dann zu späterer Stunde oder am Folgetag ohne Formalitäten die Reise fortzusetzen. Zu welchem Zweck und Vorteil, muss hier nicht stehen. Schön war die Zeit.
"Don't say words you gonna regret" - Eric Woolfson
Benutzeravatar
Brainiac
Vorstand
Beiträge: 7336
Registriert: Do 30. Jun 2011, 11:41

Re: Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

Beitragvon Brainiac » Sa 11. Jan 2020, 13:39

imp hat geschrieben:(11 Jan 2020, 13:22)

In meinen Augen eine Alkoholinspiration. Ein wesentlicher Vorteil der Bahn, ausser Sprintern, gegenüber Flugzeug und einigen Verkehrsträgern ist die Flexibilität des Fahrscheines. Ich bin als jüngerer Mensch schon telefonisch aus dem bestiegenen Zug herausgelockt worden, um dann zu späterer Stunde oder am Folgetag ohne Formalitäten die Reise fortzusetzen. Zu welchem Zweck und Vorteil, muss hier nicht stehen. Schön war die Zeit.

So früh noch nicht. :) Klar hat das offene System Vorteile, aber eben auch Nachteile, und warum wohl haben die allermeisten Hochgeschwindingkeitsbahnen weltweit Reservierungpflcht. Man kann alles viel besser managen, und im Zeitalter der Apps sollte es kein Problem mehr sein, mal eben in der Meetingpause schnell und problemlos zu buchen oder umzubuchen. Da könnte man aber ein eigenes Thema draus machen.

imp hat geschrieben:Oft, nicht immer, ist der ICE voll, weil ein anderer Zug nicht fuhr. Ein Teufelskreis.

Oft auch ist der ICE voll, weil ein Flugzeug nicht flog.
Jeder hat das Recht
Benutzeravatar
imp
Beiträge: 13518
Registriert: Fr 14. Jul 2017, 20:37
Benutzertitel: Es ist Zeit fuer eine Pause.

Re: Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

Beitragvon imp » Sa 11. Jan 2020, 14:04

Brainiac hat geschrieben:(11 Jan 2020, 13:39)

So früh noch nicht. :) Klar hat das offene System Vorteile, aber eben auch Nachteile, und warum wohl haben die allermeisten Hochgeschwindingkeitsbahnen weltweit Reservierungpflcht.

Weil die andere Funktionen erfüllen als das deutsche IC/ICE-Netz mit seinen vielen vielen Zwischenhalten.

Es ging nur um die Idee, nicht den Urheber ;)

Man kann alles viel besser managen, und im Zeitalter der Apps sollte es kein Problem mehr sein, mal eben in der Meetingpause schnell und problemlos zu buchen oder umzubuchen. Da könnte man aber ein eigenes Thema draus machen.

Im aktuellen System muss ich gar nichts tun und kann sogar bis zur letzten Minute noch hoffen, dass knappe Anschlüsse irgendwie klappen.

Der große Fehler der Mehdornzeit war die Konzentration auf Punkt-zu-Punkt-Reisende. Die deutsche Bahnrealität ist nun mal kleinteilig und von Umstiegen geprägt. Ohne den, der spontan nach Gießen will, wird ein IC selbst ins absolute Zentrum Frankfurt weniger abwerfen. Trotz gefühlt so häufiger Überfüllung.


Oft auch ist der ICE voll, weil ein Flugzeug nicht flog.

Das geht dann auch nicht mehr. Nennenswerte Restsitze werden bei flächendeckender Reservierpflicht verramscht statt sie leer zu lassen für den kalkulierbaren Gelegenheitsverkehr.
"Don't say words you gonna regret" - Eric Woolfson
Benutzeravatar
Brainiac
Vorstand
Beiträge: 7336
Registriert: Do 30. Jun 2011, 11:41

Re: Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

Beitragvon Brainiac » Sa 11. Jan 2020, 14:29

imp hat geschrieben:(11 Jan 2020, 14:04)

Weil die andere Funktionen erfüllen als das deutsche IC/ICE-Netz mit seinen vielen vielen Zwischenhalten.

Die den Begriff "Hochgeschwindigkeitsverkehr" ohnehin ad absurdum führen. Ich halte nichts von den vielen Zwischenhalten eines ICE, die teilweise nur existieren, weil wir 16 Bundesländer haben, die alle auf jeder Schnellverbindung unbedingt ihren eigenen Halt haben müssen, selbst wenn er 20 km vom nächsten entfernt ist, Beispiel Limburg / Montabaur. Die Flächenanbindung sollte besser mit anderen Zugkonzepten oder Verkehrsmitteln gelöst werden.


Es ging nur um die Idee, nicht den Urheber ;)


Im aktuellen System muss ich gar nichts tun und kann sogar bis zur letzten Minute noch hoffen, dass knappe Anschlüsse irgendwie klappen.

Der große Fehler der Mehdornzeit war die Konzentration auf Punkt-zu-Punkt-Reisende. Die deutsche Bahnrealität ist nun mal kleinteilig und von Umstiegen geprägt. Ohne den, der spontan nach Gießen will, wird ein IC selbst ins absolute Zentrum Frankfurt weniger abwerfen. Trotz gefühlt so häufiger Überfüllung.


Wir reden hier ja aber über das Szenariio "viel mehr auf die Schiene, wie soll das gehen?" M.E. nur mit Reservierungspflicht, mindestens für die hauptsächlichen Fernverbindungen. Und natürlich, wieder anderes Thema, bessere Pünktlichkeit, Planbarkeit und Taktdichte. Reservierungspflicht trägt zur Pünktlichkeit bei, da die Bahnhofshalte seltener ausufern.
Jeder hat das Recht
Benutzeravatar
imp
Beiträge: 13518
Registriert: Fr 14. Jul 2017, 20:37
Benutzertitel: Es ist Zeit fuer eine Pause.

Re: Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

Beitragvon imp » Sa 11. Jan 2020, 14:48

Brainiac hat geschrieben:(11 Jan 2020, 14:29)

Die den Begriff "Hochgeschwindigkeitsverkehr" ohnehin ad absurdum führen. Ich halte nichts von den vielen Zwischenhalten eines ICE, die überwiegend nur existieren, weil wir 16 Bundesländer haben, die alle auf jeder Schnellverbindung unbedingt ihren eigenen Halt haben müssen, selbst wenn er 20 km vom nächsten entfernt ist, Beispiel Limburg / Montabaur. Die Flächenanbindung sollte besser mit anderen Zugkonzepten oder Verkehrsmitteln gelöst werden.

Es ist Deutschland hier. Wir können nicht ein neues Land erträumen, nur damit wir besser Eisenbahn spielen können. Einige Bundesländer kaufen jetzt bei der Bahn IC-Verlängerungen als Regionalbahn ein. Da kannst du dann mit dem Bimmelbahnpreis in einen hochwertigen Zug einsteigen, der als Regionalzug fährt und überall hält (auf Kosten des bestellenden Landes) bis er an irgendeinem Halt zum IC wird und ab da Zuschlag kostet, nur noch jede dritte Stadt mitnimmt. Das hat weniger mit Reisezeit zu tun als mit Anschlussqualität. Das Konzept, abgehängte Ex-Fernhalte mit einer besseren S-Bahn anzubinden, wird die Umwelt- und Ordnungsziele nicht erreichen.

Wir reden hier ja aber über das Szenariio "viel mehr auf die Schiene, wie soll das gehen?" M.E. nur mit Reservierungspflicht, mindestens für die hauptsächlichen Fernverbindungen.

Da du Stehplätze nicht reservieren kannst, wird da eher weniger als mehr draus. Dabei sind diese langjährige Praxis.

Der Bahn fehlt es nicht an Bürokratie sondern an
- modernen Führungs- und Sicherungssystemen für dichtere Zugfolgen
- Rollendem Material jeder Art und Güte, Loks, Wagen, Triebzügen
- Werkstattkapazität
- Wartung der Trassen
- Kapazitäten für Neubau.

Da sind kluge und fähige Leute am Werk, trotz Mangelwirtschaft wie im Krieg oder im Kommunismus (K&K) das Beste draus zu machen.

Wenn mehr Leute Züge fahren sollen, muss das erst mal technisch darstellbar sein und dann auch noch attraktiv. Man sollte einfach reinhopsen können und per App eine Monatsrechnung bekommen, evtl mit automatischem Upgrade auf die nächstbeste Rabattstufe bei erreichen der nötigen Intensität.

Um einen Verkehrshalt planbar zu machen, muss man ihn einfach realistisch lang planen. Viel öfter stehtbder minimal verspätete Zug aber minutenlang vor dem Bahnhof im unmodernen und über die Jahre auf das Minimum vereinfachten Vorfeld und wartet auf eine freigegebene Verbindung zum Bahnsteig. Das liesse sich mit Geld ohne Komfortverlust lösen.
"Don't say words you gonna regret" - Eric Woolfson
Benutzeravatar
Brainiac
Vorstand
Beiträge: 7336
Registriert: Do 30. Jun 2011, 11:41

Re: Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

Beitragvon Brainiac » Sa 11. Jan 2020, 15:59

imp hat geschrieben:(11 Jan 2020, 14:48)

Einige Bundesländer kaufen jetzt bei der Bahn IC-Verlängerungen als Regionalbahn ein. Da kannst du dann mit dem Bimmelbahnpreis in einen hochwertigen Zug einsteigen, der als Regionalzug fährt und überall hält (auf Kosten des bestellenden Landes) bis er an irgendeinem Halt zum IC wird und ab da Zuschlag kostet, nur noch jede dritte Stadt mitnimmt. Das hat weniger mit Reisezeit zu tun als mit Anschlussqualität.

Dagegen habe ich nichts, es ging um den ICE.


Da du Stehplätze nicht reservieren kannst, wird da eher weniger als mehr draus. Dabei sind diese langjährige Praxis.

Richtig, davon müsste man sich natürlich verabschieden. Ob das wirklich einen großen Verlust darstellt?

Der Bahn fehlt es nicht an Bürokratie sondern an
- modernen Führungs- und Sicherungssystemen für dichtere Zugfolgen
- Rollendem Material jeder Art und Güte, Loks, Wagen, Triebzügen
- Werkstattkapazität
- Wartung der Trassen
- Kapazitäten für Neubau.

Kein Einspruch.


Da sind kluge und fähige Leute am Werk, trotz Mangelwirtschaft wie im Krieg oder im Kommunismus (K&K) das Beste draus zu machen.

Wenn mehr Leute Züge fahren sollen, muss das erst mal technisch darstellbar sein und dann auch noch attraktiv. Man sollte einfach reinhopsen können und per App eine Monatsrechnung bekommen, evtl mit automatischem Upgrade auf die nächstbeste Rabattstufe bei erreichen der nötigen Intensität.

Um einen Verkehrshalt planbar zu machen, muss man ihn einfach realistisch lang planen. Viel öfter stehtbder minimal verspätete Zug aber minutenlang vor dem Bahnhof im unmodernen und über die Jahre auf das Minimum vereinfachten Vorfeld und wartet auf eine freigegebene Verbindung zum Bahnsteig. Das liesse sich mit Geld ohne Komfortverlust lösen.


Mal eben auf dem Smartphone sich reinbuchen ist doch heutzutage keine Barriere mehr. Dann weiß man auch, dass man tatsächlich sitzen kann, und wo, weiß auch über die aktuelle Verspätungslage Bescheid, etc.

Wir haben in Deutschland ja 80 Mio Bahnvorstände, die alle ganz genau wissen, was die Bahn tun müsste, obwohl das in Wirklichkeit überhaupt niemand weiß, weil man dazu nämlich Hellseher sein müsste. Das gilt für dich wie mich oder Millionen andere. Ich selbst kann allerdings für mich zumindest in Anspruch nehmen, dort längere Zeit in (u.a.) netzplanender Funktion gearbeitet zu haben und einige Einblicke von innen bekommen zu haben, auch wenn es länger her ist.

Nach meiner Überzeugung ist die Kernursache der ganzen Verpätungs- und Qualitätsmisere, und die halte ich für das Problem Nr. 1, die unendliche Komplexität des Systems mit den Millionen an unkalkulierbaren Einflüssen, sowie den inneren Abhängigkeiten, die für Schneeballeffekte sorgen (Anschlussbindung -> Folgeverspätungen). Viele Einflussfaktoren davon lassen sich nicht eliminieren, sie sind eben so, wie zB Nachfrage / Reisendenströme, oder das Wetter (zB dass jedes Jahr unerwartet wieder Winter wird :D ). Aber manches hat man in der Hand, und alles was Komplexität reduziert, ohne das Leistungsangebot zu sehr einzuschränken, halte ich für richtig.
Dazu gehört für mich eindeutig Reservierungspflicht. Ja, Frankfurt am Main ist hinsichtlich der Fernlinienführung aus dem Bahnhof heraus eine Katastrophe, aber das ist eben nur eine von vielen Ursachen für Verspätungen (und nur mit enormen Kosten behebbar - gleichwohl sellte man es tun), und Reisendenscharen, die auf der Suche nach freien Sitzplätzen am Zug vorbei bzw. durch den im Ergebnis mit 120% seiner Sollkapazität befüllten Zug eilen, oder nicht genau wissen wo sie hin wollen oder müssen, sind eben auch einer davon. Mit Reservierungspflicht weiß zudem man genau, welcher Zug aktuell wie voll ist, weiß genauer als heute, wie voll er morgen vermutlich sein wird, und kann entsprechend disponieren.
Das ICE-Netz sollte so autonom wie möglich betrieben werden. Dazu gehört eine weitestmögliche Trassenentmischung von anderen Zuggattungen auf derselben Strecke. Das wäre Stand heute nicht unbedingt wirtschaftlich und somit auch nicht sinnvoll, ich bin aber immer noch bei dem Szenario, dass es eine politisch gewollte und geförderte starke Verlagerung des MIV und des innerländischen Flugverkehrs auf die Schiene gäbe.
Dazu gehört auch, als ICE grundsätzlich nicht auf Anschlusszüge zu warten. Der Shinkansen macht das so und jeder akzeptiert das.
Der Entfall von nicht wirklich sinnvollen ICE-Zwischenhalten reduziert ebenfalls Komplexität (und verbessert für die Mehrheit der Fahrgäste die Reisezeit). Ich will nicht alle abschaffen, wäre aber dafür, orientiert am Nachfragepotenzial deutlich auszusieben. Wiesbaden ok, Limburg ok, Montabaur nok.
Ich bin bei dir, dass Fahrpläne realistischer und "luftiger" gestaltet werden sollten - auch das reduziert Komplexität. Insbesondere, was eine realistische Langsamfahrplanung betrifft im Zusammenhang mit Wartungsarbeiten an der Strecke.
Dass an der richtigen Stelle (Streckennetz, Knoten, rollendes Material, Personal) ordentlich Geld in die Hand genommen werden müsste, versteht sich von selbst.
Jeder hat das Recht
Benutzeravatar
McKnee
Beiträge: 3823
Registriert: Sa 2. Sep 2017, 16:18
Benutzertitel: Immer gerade und nie verbogen
Wohnort: Daheim

Re: Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

Beitragvon McKnee » Sa 11. Jan 2020, 16:12

Milady de Winter hat geschrieben:(11 Jan 2020, 10:10)

Dazu - fast völlig wertfrei - nur mal ein Beispiel aus der DB: .....


Ja, hab ich auch schon von gehört. Allerdings kenne ich auch andere Beispiele aus dem ICE. Durch Ersatzzüge erstezte Ersatzzüge, in denen die Reservierung mal so richtig inne Buchse gegangen ist. Volle Gänge bis vor´s Klo, kein Durchkommen (gut, dass ich meine Blase unter Kontrolle habe). MIt Glück verlässt man da den Zug im richtigen Bahnhof
Der Hauptgrund für Stress ist der tägliche Kontakt mit Idioten.

Es ist mir egal, ob es ein Albert-Einstein-Zitat ist ...

.....er wusste es :D
Benutzeravatar
imp
Beiträge: 13518
Registriert: Fr 14. Jul 2017, 20:37
Benutzertitel: Es ist Zeit fuer eine Pause.

Re: Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

Beitragvon imp » Sa 11. Jan 2020, 17:02

Brainiac hat geschrieben:(11 Jan 2020, 15:59)

Dagegen habe ich nichts, es ging um den ICE.


Richtig, davon müsste man sich natürlich verabschieden. Ob das wirklich einen großen Verlust darstellt?

In der Rückschau hätte das wohl viele, viele Nächte bedeutet, in denen ich nicht spät sondern überhaupt nicht ans Ziel gelangt wäre. Dann doch lieber Auto.

Mal eben auf dem Smartphone sich reinbuchen ist doch heutzutage keine Barriere mehr.

Oft genug blieb keine Zeit, sich zu vergewissern, ob ich im richtigen Zugteil bin bevor die Fahrt los ging. Und da soll ich im vollen Lauf zwischen Gleis 10 und Gleis 22 noch mit Gepäck und Brezn am Telefon rumdillern? Nein, nicht attraktiv.

Dann weiß man auch, dass man tatsächlich sitzen kann, und wo, weiß auch über die aktuelle Verspätungslage Bescheid, etc.

Niemand, schon gar nicht die Bahn selber, weiss, ob "wenige Minuten verspätet" bedeutet 5 Minuten oder 120. Jedenfalls nicht vor Ablauf.

Wir haben in Deutschland ja 80 Mio Bahnvorstände, die alle ganz genau wissen, was die Bahn tun müsste

Real haben wir nicht mal 30 Millionen Bahncards. Der Rest weiss von der Bahn vor allem, dass er lieber Auto fährt. Wahr ist aber, dass es wenig Hoffnung gibt, dass du oder ich daran was ändern.

Nach meiner Überzeugung ist die Kernursache der ganzen Verpätungs- und Qualitätsmisere, und die halte ich für das Problem Nr. 1, die unendliche Komplexität des Systems mit den Millionen an unkalkulierbaren Einflüssen, sowie den inneren Abhängigkeiten, die für Schneeballeffekte sorgen (Anschlussbindung -> Folgeverspätungen).


Die Rückschau auf frühere Bahnleistungen ist oft verklärt. Über Qualität und Komfort, auch in Relation zu anderen Verkehrsträgern der jeweiligen Zeit, kann man genauso diskutieren wie über Reisegeschwindigkeiten und Zuverlässigkeit. Da ist vieles schon früher nicht so schön gewesen. Die Bahn, wie sie heute ist, wurde aber in vollem Wissen um das Deutschland, das wir damals hatten und in Grundzügen auch behalten würden, als Geschäft geführt. Wenn die heutige Struktur, die heutige Vorplanung, Reserve, Investition etc bis hin zu aberwitzigen Fahrplänen so eklatant ungeeignet für dieses Deutschland ist, wird man wohl höheren Ortes arg daneben gegriffen haben. Da kann der ehrenvolle Planer auch nur noch sein möglichstes tun.

Viele Einflussfaktoren davon lassen sich nicht eliminieren, sie sind eben so, wie zB Nachfrage / Reisendenströme, oder das Wetter (zB dass jedes Jahr unerwartet wieder Winter wird :D


Wenn man Reisende auf die Bahn locken will, sollte man evtl an der Robustheit gegenüber Wetter im Rahmen des Möglichen weniger knausern. Dass ein schwerer Sturm, der ganze Landstriche verwüstet, den Bahnverkehr ungeschoren lässt, verlangt man nicht. Die Fähigkeit, mit normalem Wetter
oder entdeckten Mängeln einer einzelnen Baureihe umzugehen, das ist ein anderes Thema. Wir reden hier von Vorläufen, gegen die ist der Kohleausstieg ein Atemzug ;)


Reisendenscharen, die auf der Suche nach freien Sitzplätzen am Zug vorbei bzw. durch den im Ergebnis mit 120% seiner Sollkapazität befüllten Zug eilen, oder nicht genau wissen wo sie hin wollen oder müssen, sind eben

im Gegensatz zu denen, die nicht vom Fleck kommen, Reisende mit der Bahn.


Mit Reservierungspflicht weiß zudem man genau, welcher Zug aktuell wie voll ist, weiß genauer als heute, wie voll er morgen vermutlich sein wird, und kann entsprechend disponieren.

Was aber wenig nützt - es dreht sich mittlerweile um die Frage, ob man besser Zug a oder Zug b ausfallen lässt, nicht darum, ob man irgendwo was nachschießen kann. Hätte man hingegen diese Flexibilität, bräuchte man die Reservierungsdiskussion nicht.

Das ICE-Netz sollte so autonom wie möglich betrieben werden.

Das ist nun wieder für Deutschland in den nächsten Jahrzehnten sehr sehr anspruchsvoll. Es gibt bis auf wenige Trassen und Vorhaben, ausgesprochene Sprintstrecken, wenige Abschnitte, die davon profitieren würden. Es gibt nicht mal genug Planer, um nennenswert Ersatz für Exklusivstrecken zu projektieren. Es gibt auch nicht die Baufirmen, den Vorlauf auf der rechtlichen Seite, nichts davon in ausreichender Menge, um das ernsthaft zu verfolgen - in Konkurrenz zu Nah- und Güterverkehr, Lärmschutz, Bürgeranliegen.

Da ist dem Umweltschutz vermutlich mit ein paar Milliarden für Ubahnen mehr gedient.


Der Shinkansen macht das so und jeder akzeptiert das.

Der Schinken hat einen ganz anderes Bündel von Reisebedürdnissen zu erfüllen in einem anderen Land. Dasselbe gilt für den TGV. Das darf man nicht außer Acht lassen. Warten auf Reisende gibt es heute ohnehin nur noch als Einzelfallentscheidung. Da muss schon der absehbare Nutzen größer als der Schaden sein. Diesen Ermessensspielraum dem Disponenten nehmen spart manches Gegrübel, das auch heute überwiegend im nein endet. Besser wird da wenig.

Dass an der richtigen Stelle (Strecke, rollendes Material, Personal) ordentlich Geld in die Hand genommen werden müsste, versteht sich von selbst.

Wir sind uns im Grunde einig. Es wird teuer, es wird möglicherweise auf Dauer teuer bleiben. Ein Ja zur Bahn ist wie das Ja zum Auto zuerst eine politische Ordnungsfrage, bevor es um Geld und Kapaziten geht. Denn da, wo binnen weniger Jahre wirklich hunderte Züge herkommen könnten, wollen wir lieber nicht einkaufen und die europäischen Anbieter können kaum die bereits eingegangenen Verpflichtungen bedienen. Geht in Sachen Strecke exakt so weiter.

Woran es die nächsten 10 Jahre wohl auch mangeln wird: Lokführer, Lokrangierführer, Rangierbegleiter für jede Art von Verkehr, von der Bim bis zum Güterzug. Angesichts des absehbaren Endes dieses stolzen Berufs kann man auch nur wenigen unter 40 raten, da ein Auge drauf zu werfen.
"Don't say words you gonna regret" - Eric Woolfson
Benutzeravatar
imp
Beiträge: 13518
Registriert: Fr 14. Jul 2017, 20:37
Benutzertitel: Es ist Zeit fuer eine Pause.

Re: Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

Beitragvon imp » Sa 11. Jan 2020, 17:05

McKnee hat geschrieben:(11 Jan 2020, 16:12)

Ja, hab ich auch schon von gehört. Allerdings kenne ich auch andere Beispiele aus dem ICE. Durch Ersatzzüge erstezte Ersatzzüge, in denen die Reservierung mal so richtig inne Buchse gegangen ist. Volle Gänge bis vor´s Klo, kein Durchkommen (gut, dass ich meine Blase unter Kontrolle habe). MIt Glück verlässt man da den Zug im richtigen Bahnhof

Gilt analog für die Sperrung von Zugteilen, etwa aus Klimatechnik-Gründen. Da ist mir lieber die Reservierung dahin als die ganze Fahrt.

In Italien hat es in manchen Nahverkehrszügen an jedem Sitzplatz eine Steckdose. In Deutschland bei manchen Privatbahnen immerhin "fast". Das ist eben ein anderes Land, auch dort ist vieles gar nicht prima.
"Don't say words you gonna regret" - Eric Woolfson
Benutzeravatar
Milady de Winter
Moderator
Beiträge: 14341
Registriert: Mi 18. Jan 2012, 16:37
Benutzertitel: Weiß wie Schnee, rot wie Blut

Quo vadis, DB?

Beitragvon Milady de Winter » Sa 11. Jan 2020, 17:18

Ich habe mal einen eigenen Strang zur DB eröffnet, vielleicht können die anderen Beiträge integriert werden.



Ich habe es bislang so erlebt, dass „Stehen oder auf dem Boden sitzen im Zug“ nicht generell ein Problem ist, auch nicht auf den Hochgeschwindigkeitsstrecken. Es war immer dann der Fall, wenn ein Zug extrem überfüllt war und Leute schon dicht gedrängt in den Gängen standen. Da wurde dann so lange gehalten, bis ausreichend Personen den Zug verlassen hatten.

Vollständige Reservierungspflicht einführen, ist ja anderswo gang und gäbe.
Ja, meines Wissens betrifft das nur den Fernverkehr. RE's etc sind selten so überfüllt, und bei S-Bahnen wäre das aufgrund der Taktdichte gar nicht machbar.

Das ist in meinen Augen kein Problem bei Zugbindung, aber wenn flexibel bleiben will oder muss, dann könnte das im schlimmsten Fall bedeuten, dass man wieder unflexibel wird, weil man in dem kurzfristig gewählten Zug keine Reservierung mehr bekommt. Zudem sind bei Zug- oder Routenänderungen die Reservierungen hinfällig, d.h. man hat womöglich eine, aber kriegt trotzdem keinen Platz im Zug weil der Ersatzzug anders getaktet ist... Dilemma.
- When he called me evil I just laughed -
Benutzeravatar
McKnee
Beiträge: 3823
Registriert: Sa 2. Sep 2017, 16:18
Benutzertitel: Immer gerade und nie verbogen
Wohnort: Daheim

Re: Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

Beitragvon McKnee » Sa 11. Jan 2020, 17:24

imp hat geschrieben:(11 Jan 2020, 17:05)

Gilt analog für die Sperrung von Zugteilen, etwa aus Klimatechnik-Gründen. Da ist mir lieber die Reservierung dahin als die ganze Fahrt.

In Italien hat es in manchen Nahverkehrszügen an jedem Sitzplatz eine Steckdose. In Deutschland bei manchen Privatbahnen immerhin "fast". Das ist eben ein anderes Land, auch dort ist vieles gar nicht prima.


Ging nicht um meine Reservierung....ALLE und damit brach Chaos aus.

Gerne werden Züge auch Mal außerplanmäßig zusammengeführt und wieder getrennt, was zu Verspätungen und Verlust der Anschlüsse führt
Der Hauptgrund für Stress ist der tägliche Kontakt mit Idioten.

Es ist mir egal, ob es ein Albert-Einstein-Zitat ist ...

.....er wusste es :D
Benutzeravatar
McKnee
Beiträge: 3823
Registriert: Sa 2. Sep 2017, 16:18
Benutzertitel: Immer gerade und nie verbogen
Wohnort: Daheim

Re: Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

Beitragvon McKnee » Sa 11. Jan 2020, 17:26

Spaßig war auch, nen planmäßigen Zug um ne halbe Stunde vorzuverlegen und die Zeit am 2. Bahnhof durch einen verlängerten Halt wieder anzupassen

Führt auch gerne zu außerplanmäßigen Überfüllungen
Der Hauptgrund für Stress ist der tägliche Kontakt mit Idioten.

Es ist mir egal, ob es ein Albert-Einstein-Zitat ist ...

.....er wusste es :D
Benutzeravatar
Brainiac
Vorstand
Beiträge: 7336
Registriert: Do 30. Jun 2011, 11:41

Re: Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

Beitragvon Brainiac » Sa 11. Jan 2020, 17:30

imp hat geschrieben:(11 Jan 2020, 17:02)

In der Rückschau hätte das wohl viele, viele Nächte bedeutet, in denen ich nicht spät sondern überhaupt nicht ans Ziel gelangt wäre. Dann doch lieber Auto.


Oft genug blieb keine Zeit, sich zu vergewissern, ob ich im richtigen Zugteil bin bevor die Fahrt los ging. Und da soll ich im vollen Lauf zwischen Gleis 10 und Gleis 22 noch mit Gepäck und Brezn am Telefon rumdillern? Nein, nicht attraktiv.

Das hängt von den Alternativen ab. Wenn das Autofahren erheblich teurer wäre, sähe es vielleicht anders aus.


Niemand, schon gar nicht die Bahn selber, weiss, ob "wenige Minuten verspätet" bedeutet 5 Minuten oder 120. Jedenfalls nicht vor Ablauf.

"Pünktlich" heisst aber bereits heute mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch "wird pünktlich bleiben", und die Wahrscheinlichkeit wird sich hoffentlich steigern lassen.


Die Rückschau auf frühere Bahnleistungen ist oft verklärt.

Richtig. Die Bundesbahn war ein Milliardengrab mit in jedem Jahr zweistelligen Milliardenbeträgen in rot.


Über Qualität und Komfort, auch in Relation zu anderen Verkehrsträgern der jeweiligen Zeit, kann man genauso diskutieren wie über Reisegeschwindigkeiten und Zuverlässigkeit. Da ist vieles schon früher nicht so schön gewesen. Die Bahn, wie sie heute ist, wurde aber in vollem Wissen um das Deutschland, das wir damals hatten und in Grundzügen auch behalten würden, als Geschäft geführt. Wenn die heutige Struktur, die heutige Vorplanung, Reserve, Investition etc bis hin zu aberwitzigen Fahrplänen so eklatant ungeeignet für dieses Deutschland ist, wird man wohl höheren Ortes arg daneben gegriffen haben. Da kann der ehrenvolle Planer auch nur noch sein möglichstes tun.

Das Problem ist eher, dass du selbst als Bahnvorstand kaum etwas machen kannst, um das System wirklich grundlegend zu verändern. Die politischen Zwänge und Restriktionen (incl. Gewerkschaften und Fahrgastverbänden mit unglaublich guten Pressekontakten) sind so enorm, dass niemand Erfolg hat, der nicht "politisch" führt. Es war Mehdorns Hauptfehler, das nicht zu tun und zu glauben, er könnte sein Ding durchziehen. Was er intern alles angestossen hat, war nicht so schlecht.


Was aber wenig nützt - es dreht sich mittlerweile um die Frage, ob man besser Zug a oder Zug b ausfallen lässt, nicht darum, ob man irgendwo was nachschießen kann. Hätte man hingegen diese Flexibilität, bräuchte man die Reservierungsdiskussion nicht.

Du kannst aber in einem komplexen Betriebsablauf nicht eben irgendwo im Großraum München einen Zug "nachschießen", der bei Nürnberg steht. Es bleibt dabei, mit Reservierungspflicht gäbe es die Überfüllungen nicht mehr und die Bahnhofshalte würden pünktlicher.


Das ist nun wieder für Deutschland in den nächsten Jahrzehnten sehr sehr anspruchsvoll. Es gibt bis auf wenige Trassen und Vorhaben, ausgesprochene Sprintstrecken, wenige Abschnitte, die davon profitieren würden. Es gibt nicht mal genug Planer, um nennenswert Ersatz für Exklusivstrecken zu projektieren. Es gibt auch nicht die Baufirmen, den Vorlauf auf der rechtlichen Seite, nichts davon in ausreichender Menge, um das ernsthaft zu verfolgen - in Konkurrenz zu Nah- und Güterverkehr, Lärmschutz, Bürgeranliegen.

Da ist dem Umweltschutz vermutlich mit ein paar Milliarden für Ubahnen mehr gedient.

Das mit dem Vorlauf stimmt natürlich, es geht aber nicht nur um Neubaustrecken. Man kann auch im vorhandenen Streckennetz über Ausbaumaßnahmen erheblich mehr tun, beispielsweise Vmax deutlich erhöhen oder ein oder zwei Gleise mehr bauen. Wir hatten das damals ziemlich intensiv untersucht (natürlich ist heute die Situation teilweise eine andere). Politiker geben aber lieber Geld für Neubaustrecken aus, das bringt bessere Publicity.


Der Schinken hat einen ganz anderes Bündel von Reisebedürdnissen zu erfüllen in einem anderen Land. Dasselbe gilt für den TGV. Das darf man nicht außer Acht lassen.

Worin soll den hier der grundlegende Unterschied zu Deutschland bestehen?


Warten auf Reisende gibt es heute ohnehin nur noch als Einzelfallentscheidung. Da muss schon der absehbare Nutzen größer als der Schaden sein. Diesen Ermessensspielraum dem Disponenten nehmen spart manches Gegrübel, das auch heute überwiegend im nein endet. Besser wird da wenig.

Bei einem grundsätzlichen "wartet nicht, man nehme den nächsten" wären diese Einzelfallentscheidungen dem Disponenten so nicht mehr möglich. Das würde mehr Klarheit und Pünktlichkeit schaffen. Nur am Ende des Tagesfahrplans müsste man das vielleicht etwas aufweichen, aber dann sind wiederum die Netzabhängigkeiten nicht mehr so groß.


Wir sind uns im Grunde einig. Es wird teuer, es wird möglicherweise auf Dauer teuer bleiben. Ein Ja zur Bahn ist wie das Ja zum Auto zuerst eine politische Ordnungsfrage, bevor es um Geld und Kapaziten geht. Denn da, wo binnen weniger Jahre wirklich hunderte Züge herkommen könnten, wollen wir lieber nicht einkaufen und die europäischen Anbieter können kaum die bereits eingegangenen Verpflichtungen bedienen. Geht in Sachen Strecke exakt so weiter.

Woran es die nächsten 10 Jahre wohl auch mangeln wird: Lokführer, Lokrangierführer, Rangierbegleiter für jede Art von Verkehr, von der Bim bis zum Güterzug. Angesichts des absehbaren Endes dieses stolzen Berufs kann man auch nur wenigen unter 40 raten, da ein Auge drauf zu werfen.

Ja, das ist einer der größten Fehler seit der Privatisierung gewesen: Die Berufe derart unattraktiv zu machen, und dazu noch als Fußabtreter der Nation dienen zu lassen. Ich kann keinem überforderten und versagendem Zugchef einen Vorwurf machen.
Jeder hat das Recht
Benutzeravatar
Milady de Winter
Moderator
Beiträge: 14341
Registriert: Mi 18. Jan 2012, 16:37
Benutzertitel: Weiß wie Schnee, rot wie Blut

Re: Quo vadis, DB?

Beitragvon Milady de Winter » Sa 11. Jan 2020, 17:37

imp hat geschrieben:(11 Jan 2020, 13:18)

Oft, nicht immer, ist der ICE voll, weil ein anderer Zug nicht fuhr. Ein Teufelskreis.

Durchaus. Aber es gibt sowohl Ersatzzüge als auch vorhersehbare Überfüllungen, gebunden an spezielle Zeiten, Anlässe oder Locations. Und da fielen mir Defizite auf.

Ich bin vor kurzem auf meiner Stammstrecke FRA-AMS, die ich immer geflogen bin, auf die Bahn umgestiegen. Hat Vor- und Nachteile, aber ich sehe aktuell die Vorteile überwiegen. Was ich jedoch regelmäßig als kurios empfinde ist, dass es kaum eine Fahrt gibt, bei der nicht irgendwas schief läuft. Dafür ist nicht immer die Bahn verantwortlich zu machen - denn wenn es eine Oberleitungsstörung gibt, dann gibt es halt eine Oberleitungsstörung, und dann kann der Zug die Strecke nicht passieren - aber Dinge wie Bordbistro nicht in Betrieb, weil... Personal nicht vorhanden ist... es einen technischen Defekt gibt... Ware nicht geliefert wurde... oder die Klimaanlage einfach nicht im Griff zu halten ist - im Sommer fällt sie aus, im Winter kühlt sie, sodass alle im Zug frieren müssen... die Reservierungsanzeigen ausgefallen sind... Verspätungen, Ausfälle, und das ist nur ein Bruchteil - das lässt mich häufig wirklich daran zweifeln, dass ich eigentlich in einem technisch versierten Fortbewegungsmittel in Deutschland sitze, das von einem deutschen Konzern bedient wird.

Dennoch: im Moment siegt bei mir die Bahn über das Flugzeug auf dieser Strecke. Und nicht etwa, weil ich meine CO2-Bilanz verbessern möchte, sondern weil ich unter halbwegs normalen Umständen ca. 3 Stunden am Stück in Ruhe arbeiten kann, was natürlich beim Fliegen aufgrund der kurz getakteten Segmente und Abläufe nicht möglich ist. Zeitlich gibt und nimmt sich Fliegen und Bahnfahren nichts, allerdings ist auf dieser Strecke die Bahn selbst beim vollen Flexpreis meistens günstiger als das Flugzeug.

Aber es gibt in meinen Augen durchaus Raum für Verbesserungen. Manche wünschenswert oder vielleicht nur „nice to have“ - andere bitter nötig.
- When he called me evil I just laughed -
Benutzeravatar
imp
Beiträge: 13518
Registriert: Fr 14. Jul 2017, 20:37
Benutzertitel: Es ist Zeit fuer eine Pause.

Re: Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

Beitragvon imp » Sa 11. Jan 2020, 17:38

McKnee hat geschrieben:(11 Jan 2020, 17:26)

Spaßig war auch, nen planmäßigen Zug um ne halbe Stunde vorzuverlegen und die Zeit am 2. Bahnhof durch einen verlängerten Halt wieder anzupassen

Führt auch gerne zu außerplanmäßigen Überfüllungen

Eine ausserplanmässige Abfahrt vor der Zeit hatte ich auch mal vor mir wegfahren sehen - und ich war nicht knapp angekommen. Kann ich mir nur so erklären, dass der systematische Schaden durch pünktliche Abfahrt absehbar sehr groß war. Aber weder solche Gründe erfährt der Reisende so wenig wie er eine brauchbare Vorschau bekommt, ob der nächste Ersatz zu früh, zu spät oder gar nicht kommt.

Was ich liebe, was aber selten geworden ist: Züge, die am Anfang/Ende ihrer Tour frühzeitig für die nächste Runde im Bahnhof bereitstehen, in die der Reisende also lange vor der Zeit einsteigen kann, schlafen kann, arbeiten kann in der hohen Wahrscheinlichkeit, dass zumindest diesen Teil des Weges er voraussichtlich "schaffen" wird. Bahnsteige sind ja oft so unbequem für den längeren Aufenthalt.
"Don't say words you gonna regret" - Eric Woolfson
Benutzeravatar
Milady de Winter
Moderator
Beiträge: 14341
Registriert: Mi 18. Jan 2012, 16:37
Benutzertitel: Weiß wie Schnee, rot wie Blut

Re: Quo vadis, DB?

Beitragvon Milady de Winter » Sa 11. Jan 2020, 17:44

imp hat geschrieben:(11 Jan 2020, 17:38)
Was ich liebe, was aber selten geworden ist: Züge, die am Anfang/Ende ihrer Tour frühzeitig für die nächste Runde im Bahnhof bereitstehen, in die der Reisende also lange vor der Zeit einsteigen kann, schlafen kann, arbeiten kann in der hohen Wahrscheinlichkeit, dass zumindest diesen Teil des Weges er voraussichtlich "schaffen" wird. Bahnsteige sind ja oft so unbequem für den längeren Aufenthalt.

Das kenne ich eigentlich so nur von den Nahverkehrs- oder Regionalexpress-Zügen. Die stehen meiner Beobachtung nach häufig immer noch recht frühzeitig am Gleis.
- When he called me evil I just laughed -
Benutzeravatar
imp
Beiträge: 13518
Registriert: Fr 14. Jul 2017, 20:37
Benutzertitel: Es ist Zeit fuer eine Pause.

Re: Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

Beitragvon imp » Sa 11. Jan 2020, 18:31

Brainiac hat geschrieben:(11 Jan 2020, 17:30)

Das hängt von den Alternativen ab.

Die Alternative ist das klimatisierte Auto, das egal wie stressig und verspätet einzig abhängig von meiner "Kondition" früher oder später bis zum Endziel durchkommen wird, mein Gepäck nicht verliert, möglicherweise mich bald sogar schlafen lässt.

"Pünktlich" heisst aber bereits heute mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch "wird pünktlich bleiben", und die Wahrscheinlichkeit wird sich hoffentlich steigern lassen.

Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit werde ich den nächsten Abschnitt erreichen. Gäbe es dieses Grundvertrauen nicht - und ich habe auch monatelange Sondersituationen wir 2007 mitgemacht - könnte man das ganze abschreiben. Verspätungen beginnen aber "gefühlt" genauso oft mit einer früh angezeigten kleinen Verspätung wie mit einem "pünktlich" bis 5 Minuten nach geplanter Abfahrt. Der Reisende hat es nicht immer leicht, gut informiert klug zu handeln.

Richtig. Die Bundesbahn war ein Milliardengrab mit in jedem Jahr zweistelligen Milliardenbeträgen in rot.

Das ist die monetäre Seite. Aus heutiger Sicht und mit heutigem Fahrgastaufkommen hätte man das sicher mit Freuden vieles weiter bezahlt und einige Sparmaßnahmen sein lassen. Das heisst nicht, dass alles falsch war. Hinterher besser wissen ist leicht. Manche hatten aber auch vorher schon recht gut geraten ;) und den Blick ins Ausland konnte man auch bemühen. Bundesbahn und Reichsbahn waren Anfang der 90er im Verhältnis ihrer Zeit auch schon ziemlich abgewirtschaftet, unbequem, ungeliebt. Im Verhältnis zu heutigen Ansprüchen gleich dreimal.

Das Problem ist eher, dass du selbst als Bahnvorstand kaum etwas machen kannst, um das System wirklich grundlegend zu verändern. Die politischen Zwänge und Restriktionen (incl. Gewerkschaften und Fahrgastverbänden mit unglaublich guten Pressekontakten) sind so enorm, dass niemand Erfolg hat, der nicht "politisch" führt. Es war Mehdorns Hauptfehler, das nicht zu tun und zu glauben, er könnte sein Ding durchziehen. Was er intern alles angestossen hat, war nicht so schlecht.

Es gibt viel gutes und schlechtes bei der Reihe der Bahnchefs und ihrer politischen Auftraggeber. Hier pauschal auf einzelne Personen zu schimpfen, ist sicher leichtfertig.


Du kannst aber in einem komplexen Betriebsablauf nicht eben irgendwo im Großraum München einen Zug "nachschießen", der bei Nürnberg steht.

Du kannst auch in Nürnberg nichts machen. Ich glaube, fast jeder Vielreisende hat die meisten der wenigen Ersatzgarnituren mit ihrem maroden Charme schon durch - so schrecklich viel ist da nicht verfügbar, sonst kämen die gar nicht erst dran.
Es bleibt dabei, mit Reservierungspflicht gäbe es die Überfüllungen nicht mehr und die Bahnhofshalte würden pünktlicher.

Du möchtest mich also schlimmstenfalls weder in den aktuellen noch in den nachfolgenden Zug einsteigen lassen, wenn in meinem Zug ein Zugteil gesperrt wird und falls im Folgezug doch ein Platz frei ist, habe ich dieselbe Unwägbarkeit beim nächsten Umstieg wieder. Möglicherweise macht das das System Bahn im Ganzen wirklich stabiler aber subjektiv ist das furchtbar.


Das mit dem Vorlauf stimmt natürlich, es geht aber nicht nur um Neubaustrecken. Man kann auch im vorhandenen Streckennetz über Ausbaumaßnahmen erheblich mehr tun, beispielsweise Vmax deutlich erhöhen oder ein oder zwei Gleise mehr bauen. Wir hatten das damals ziemlich intensiv untersucht (natürlich ist heute die Situation eine andere). Politiker geben aber lieber Geld für Neubaustrecken aus, das bringt bessere Publicity.

Auch die Ausbaustrecke gibt in Sachen Entflechtung für sich genommen wenig her. Sie ermöglicht je nach Ausstattung höhere Höchstgeschwindigkeiten (häufig überbewertet und jenseits 120 dann auch richtig, richtig teuer) und eine günstigere Zugfolge.

Worin soll den hier der grundlegende Unterschied zu Deutschland bestehen?

Die Trennung in Relationen, auf denen sich ein superschneller Ausbau und ein Verzicht auf fast alle Zwischenhalte lohnt und "den Rest" sehe ich in Japan und - teilweise - Frankreich wesentlich definierter als in Deutschland, wo es das von dir beschriebene komplexe System aus einem Bedürfnis heraus gibt. Ob das in 50 Jahren so noch besteht, naja, dazu haben wir einen sehr meinungsstarken und zur Kontroverse neigenden Vertreter von Urbanisierung und Zentralisierung an Bord, falls er nicht gerade Pause machen muss. Ich persönlich bin da gar nicht so super sicher ;)

Bei einem grundsätzlichen "wartet nicht, man nehme den nächsten" wären diese Einzelfallentscheidungen dem Disponenten so nicht mehr möglich. Das würde mehr Klarheit und Pünktlichkeit schaffen. Nur am Ende des Tagesfahrplans müsste man das vielleicht etwas aufweichen, aber dann sind wiederum die Netzabhängigkeiten nicht mehr so groß.

Das setzt voraus, dass die Einzelfallentscheidung heute ganz überwiegend falsch getroffen wird. Anderenfalls ist der angeführte Pünktlichkeitsbegriff ein abstrakter, der sich nicht an Reisebedürfnissen orientiert und möglicherweise eine falsche Optimierung.

Eine andere Frage ist, ob es wirtschaftlich sinnvoll ist, den Disponenten - oder zukünftig zunehmend den ihn unterstützenden Automaten - von der Fragestellung zu entlasten.

Ja, das ist einer der größten Fehler seit der Privatisierung gewesen: Die Berufe derart unattraktiv zu machen, und dazu noch als Fußabtreter der Nation dienen zu lassen. Ich kann keinem überforderten und versagendem Zugchef einen Vorwurf machen.

Daneben droht auch hier, wie am LKW und Taxi, mittelfristig der Automat. In ausgewählten isolierten Bereichen ist er schon da. Das ist möglicherweise für die Bahn gut, für die Suche nah Lokführern für heute und morgen aber eine Belastung.
"Don't say words you gonna regret" - Eric Woolfson

Zurück zu „41. Verkehrswesen - Fahrzeuge - Logistik“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste