Muslimische Politiker in deutschen Parteien

Moderator: Moderatoren Forum 2

Benutzeravatar
Brainiac
Vorstand
Beiträge: 7337
Registriert: Do 30. Jun 2011, 11:41

Muslimische Politiker in deutschen Parteien

Beitragvon Brainiac » Do 9. Jan 2020, 10:36

Die meisten werden den Eklat um Sener Sahin mitbekommen haben. Der muslimische Politiker ist anscheinend in seiner Heimatgemeinde, Wallerstein, bestens integriert und vernetzt. Er sollte Bürgermeister für die CSU werden, jedoch:


Sahin hat erklärt, dass er auf eine Kandidatur für die CSU als Bürgermeister bei den Kommunalwahlen in seinem bayerischen Heimatort Wallerstein im Landkreis Donau-Ries verzichtet. Der Grund: Es gab Vorbehalte der Basis gegen ihn - weil er Muslim ist.
https://www.spiegel.de/politik/deutschland/sener-sahin-nach-csu-rueckzug-das-ist-schon-schwach-und-traurig

Das Argument der Gegner: Ein Muslim stehe der Christlich-Sozialen Union nicht gut zu Gesicht. Andere CSU-Kandidaten für den Marktrat drohten mit Rückzug, falls Sahin antrete.
https://www.sueddeutsche.de/bayern/wallerstein-csu-buergermeisterkandidat-sener-sahin-1.4746982

Ich bin schon etwas überrascht. Weder kann ich die CSU wählen, noch würde ich es, aber ich hätte die Partei etwas weltoffener eingeschätzt. Offenbar ist aber Partei nicht gleich Partei und die Führung auf Landesebene tickt vermutlich doch etwas anders als die Basis auf dem Land. Vielleicht kann jemand von den Forumsbayern mehr dazu sagen.

Mich hat das zu der Frage geführt, wie es generell mit Muslimen in den großen deutschen Parteien aussieht, da ich das grundsätzlich für ein positives Zeichen im Sinne der Integration halte. Man muss natürlich, wie bei allen Politikern, hinschauen, was so die Standpunkte sind. Aber nicht gleich eine Machtergreifung des Islam in Deutschland befürchten.

Bei der Union sieht es da auch bundesweit relativ dünn aus - die Vorbehalte der CSU-Basis in Bayern gibt es auch in der CDU. Als Fraktionschef Brinkhaus letztes Jahr einmal Gedankenspiele äußerte, dass er sich theoretisch auch einen muslimischen Buskanzler vorstellen könnte, gab es erhebliche Irritationen. Immerhin, ein paar sind weit gekommen, zB Serap Güler in NRW oder Aygül Özkan in Niedersachsen.
In der SPD gibt es erwartungsgemäß ein paar mehr, und auch einen eigenen Arbeitskreis: https://akmuslime.spd.de/wir-ueber-uns/
In der FDP gab es Aiman A. Mazyek und Serkan Tören. Bei den Grünen steht bzw. stand mit Cem Özdemir ein Muslim ganz oben. In der Linkspartei gibt es zB Sevim Dağdelen. Und selbst in der AfD sorgte der Fall Arthur Wagner, der zum Islam konvertierte, für Furore.

Ich habe keine umfassende Suche durchgeführt - nur mal kurz geschaut. Wer von euch hat mehr Informationen zu muslimischen Politikern in deutschen Parteien, und wie bewertet ihr diese? Wie ist deren Arbeit, und tragen sie zur besseren Integration von Muslimen in Deutschland bei?
Jeder hat das Recht
Benutzeravatar
Kritikaster
Vorstand
Beiträge: 10435
Registriert: Sa 1. Okt 2016, 00:55
Benutzertitel: TROLLJÄGER

Re: Muslimische Politiker in deutschen Parteien

Beitragvon Kritikaster » Do 9. Jan 2020, 10:49

Brainiac hat geschrieben:(09 Jan 2020, 10:36)

Die meisten weden den Eklat um Sener Sahin mitbekommen haben. Der muslimische Politiker ist anscheinend in seiner Heimatgemeinde, Wallerstein, bestens integriert und vernetzt. Er sollte Bürgermeister für die CSU werden, jedoch:

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/sener-sahin-nach-csu-rueckzug-das-ist-schon-schwach-und-traurig

https://www.sueddeutsche.de/bayern/wallerstein-csu-buergermeisterkandidat-sener-sahin-1.4746982

Ich bin schon etwas überrascht. Weder kann ich die CSU wählen, noch würde ich es, aber ich hätte die Partei etwas weltoffener eingeschätzt. Offenbar ist aber Partei nicht gleich Partei und die Führung auf Landesebene tickt vermutlich doch etwas anders als die Basis auf dem Land. Vielleicht kann jemand von den Forumsbayern mehr dazu sagen.

Mich hat das zu der Frage geführt, wie es generell mit Muslimen in den großen deutschen Parteien aussieht, da ich das grundsätzlich für ein positives Zeichen im Sinne der Integration halte. Man muss natürlich, wie bei allen Politikern, hinschauen, was so die Standpunkte sind. Aber nicht gleich eine Machtergreifung des Islam in Deutschland befürchten.

Bei der Union sieht es da auch bundesweit relativ dünn aus - die Vorbehalte der CSU-Basis in Bayern gibt es auch in der CDU. Als Fraktionschef Brinkhaus letztes Jahr einmal Gedankenspiele äußerte, dass er sich theoretisch auch einen muslimischen Buskanzler vorstellen könnte, gab es erhebliche Irritationen. Immerhin, ein paar sind weit gekommen, zB Serap Güler in NRW oder Aygül Özkan in Niedersachsen.
In der SPD gibt es erwartungsgemäß ein paar mehr, und auch einen eigenen Arbeitskreis: https://akmuslime.spd.de/wir-ueber-uns/
In der FDP gab es Aiman A. Mazyek und Serkan Tören. Bei den Grünen steht bzw. stand mit Cem Özdemir ein Muslim ganz oben. In der Linkspartei gibt es zB Sevim Dağdelen. Und selbst in der AfD sorgte der Fall Arthur Wagner, der zum Islam konvertierte, für Furore.

Ich habe keine umfassende Suche durchgeführt - nur mal kurz geschaut. Wer von euch hat mehr Informationen zu muslimischen Politikern in deutschen Parteien, und wie bewertet ihr diese? Wie ist deren Arbeit, und tragen sie zur besseren Integration von Muslimen in Deutschland bei?

Das ist in der Tat bedauerlich.

Ich würde aber Abstriche machen, ob das Verhalten der Mitglieder einer 3.500-Seelen-Gemeinde repräsentativ für die gesamte CSU ist.
Der am höchsten entwickelte Sinn ist der Unsinn. (Peter E. Schumacher)
Wo der Sinn aufhört, beginnt der Wahnsinn. (Erhard Horst Bellermann)
Benutzeravatar
Tom Bombadil
Beiträge: 42561
Registriert: Sa 31. Mai 2008, 16:27
Benutzertitel: Non Soli Cedit

Re: Muslimische Politiker in deutschen Parteien

Beitragvon Tom Bombadil » Do 9. Jan 2020, 11:02

Das ist Rassismus, sehr bedauerlich. Wenn der Mann qualifiziert ist, Bürgermeister zu werden, dann soll er auch kandidieren.
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
Thomas Jefferson
Benutzeravatar
Moses
Vorstand
Beiträge: 10232
Registriert: Di 20. Mär 2012, 14:43
Benutzertitel: Cogito ergo hic erro.
Wohnort: Da wo die Liebe wohnt

Re: Muslimische Politiker in deutschen Parteien

Beitragvon Moses » Do 9. Jan 2020, 13:32

Diese Causa lässt mich kopfschüttelnd zurück.
Der Herr gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich nicht hinnehmen kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Benutzeravatar
Vongole
Vorstand
Beiträge: 6266
Registriert: Di 24. Mär 2015, 18:30

Re: Muslimische Politiker in deutschen Parteien

Beitragvon Vongole » Do 9. Jan 2020, 13:40

Hinterwäldlerischer rassistischer Schwachsinn, der ganz sicher nicht zur potentiellen Integration beiträgt.
Benutzeravatar
Kritikaster
Vorstand
Beiträge: 10435
Registriert: Sa 1. Okt 2016, 00:55
Benutzertitel: TROLLJÄGER

Re: Muslimische Politiker in deutschen Parteien

Beitragvon Kritikaster » Do 9. Jan 2020, 13:48

Tom Bombadil hat geschrieben:(09 Jan 2020, 11:02)

Das ist Rassismus, sehr bedauerlich. Wenn der Mann qualifiziert ist, Bürgermeister zu werden, dann soll er auch kandidieren.

Auf jeden Fall sollte er das. Sollen die anderen CSU-Kandidaten doch das Handtuch werfen!
Der am höchsten entwickelte Sinn ist der Unsinn. (Peter E. Schumacher)
Wo der Sinn aufhört, beginnt der Wahnsinn. (Erhard Horst Bellermann)
Benutzeravatar
JJazzGold
Beiträge: 37573
Registriert: Mo 25. Mai 2009, 01:34
Benutzertitel: L'État, c'est moi

Re: Muslimische Politiker in deutschen Parteien

Beitragvon JJazzGold » Do 9. Jan 2020, 13:54

Brainiac hat geschrieben:(09 Jan 2020, 10:36)

Die meisten weden den Eklat um Sener Sahin mitbekommen haben. Der muslimische Politiker ist anscheinend in seiner Heimatgemeinde, Wallerstein, bestens integriert und vernetzt. Er sollte Bürgermeister für die CSU werden, jedoch:

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/sener-sahin-nach-csu-rueckzug-das-ist-schon-schwach-und-traurig

https://www.sueddeutsche.de/bayern/wallerstein-csu-buergermeisterkandidat-sener-sahin-1.4746982

Ich bin schon etwas überrascht. Weder kann ich die CSU wählen, noch würde ich es, aber ich hätte die Partei etwas weltoffener eingeschätzt. Offenbar ist aber Partei nicht gleich Partei und die Führung auf Landesebene tickt vermutlich doch etwas anders als die Basis auf dem Land. Vielleicht kann jemand von den Forumsbayern mehr dazu sagen.

Mich hat das zu der Frage geführt, wie es generell mit Muslimen in den großen deutschen Parteien aussieht, da ich das grundsätzlich für ein positives Zeichen im Sinne der Integration halte. Man muss natürlich, wie bei allen Politikern, hinschauen, was so die Standpunkte sind. Aber nicht gleich eine Machtergreifung des Islam in Deutschland befürchten.

Bei der Union sieht es da auch bundesweit relativ dünn aus - die Vorbehalte der CSU-Basis in Bayern gibt es auch in der CDU. Als Fraktionschef Brinkhaus letztes Jahr einmal Gedankenspiele äußerte, dass er sich theoretisch auch einen muslimischen Buskanzler vorstellen könnte, gab es erhebliche Irritationen. Immerhin, ein paar sind weit gekommen, zB Serap Güler in NRW oder Aygül Özkan in Niedersachsen.
In der SPD gibt es erwartungsgemäß ein paar mehr, und auch einen eigenen Arbeitskreis: https://akmuslime.spd.de/wir-ueber-uns/
In der FDP gab es Aiman A. Mazyek und Serkan Tören. Bei den Grünen steht bzw. stand mit Cem Özdemir ein Muslim ganz oben. In der Linkspartei gibt es zB Sevim Dağdelen. Und selbst in der AfD sorgte der Fall Arthur Wagner, der zum Islam konvertierte, für Furore.

Ich habe keine umfassende Suche durchgeführt - nur mal kurz geschaut. Wer von euch hat mehr Informationen zu muslimischen Politikern in deutschen Parteien, und wie bewertet ihr diese? Wie ist deren Arbeit, und tragen sie zur besseren Integration von Muslimen in Deutschland bei?



Hallo Brainiac,

nachdem mir die religiöse Zugehörigkeit bisher nie ein Kriterium für parteiliche und kommunale Arbeit erschien, wollte ich zuerst einen Blick auf die zur anstehenden Kommunalwahl erstellte Liste werfen, ob wir in unserem Kreis ggfls. Jemanden mit muslimischer Zugehörigkeit haben, habe es dann aber sein lassen, weil es mich schlichtweg nach wie vor nicht interessiert.
Die Kriterien die ich ansetzte, sind Bedarfserkennung, Organisation und Aktion zugunsten der Kommune, sowie eine unantastbare Abwicklung von in Angriff genommenen Projekten. Insofern kann ich die negative Reaktion im o.g. Beispiel nicht nachvollziehen und würde in einem analogen Fall hier vor Ort auch mit Verweis auf die von mir genannten Kriterien dagegen angehen.

Gruß JJ
Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.
Alexander Freiherr von Humboldt
Benutzeravatar
naddy
Beiträge: 1035
Registriert: Mo 18. Mär 2019, 11:50

Re: Muslimische Politiker in deutschen Parteien

Beitragvon naddy » Do 9. Jan 2020, 14:47

Brainiac hat geschrieben:(09 Jan 2020, 10:36)

Die meisten weden den Eklat um Sener Sahin mitbekommen haben. Der muslimische Politiker ist anscheinend in seiner Heimatgemeinde, Wallerstein, bestens integriert und vernetzt. Er sollte Bürgermeister für die CSU werden, jedoch:

"Das Argument der Gegner: Ein Muslim stehe der Christlich-Sozialen Union nicht gut zu Gesicht. Andere CSU-Kandidaten für den Marktrat drohten mit Rückzug, falls Sahin antrete.".

https://www.sueddeutsche.de/bayern/wallerstein-csu-buergermeisterkandidat-sener-sahin-1.4746982?

Nichts ist begrüßenswerter als ein derartiger "Realitätseinbruch" in die heile Welt des Schubladendenkens! Noch besser, wenn es sogar weite Kreise zieht:
Sener Sahin hat geschrieben:Es ging nie um meine Person, sondern immer nur um meinen Glauben. Das C in CSU und ich als Moslem, das passe absolut nicht zusammen, hieß es zum Beispiel. Ich dachte mir: Na gut, es gibt immer drei, vier Leute, die gegen etwas sind. Aber dann muss das alles einen unglaublichen Lauf genommen haben. Bis nach Berlin. Ich weiß nicht, wer das alles war, aber es haben sogar Leute bei unserem Bundestagsabgeordneten angerufen und sich beschwert. Nach dem Motto: Wie kann man einen Türken als Bürgermeisterkandidaten aufstellen? Das war für mich ein Schock.
(f.v.m.).

Ob Merkel ihren Koalitionsfreunden in Wallerstein demnächst wohl auch ein tröstliches "Wir schaffen das!" zukommen läßt? Alternativ könnte sie natürlich auch Sener Sahin den "verstärkten Besuch christlicher Kirchen" ans Herz legen. Ein Traum, wenn sich politische Bigotterie einmal so gelungen selbst entlarvt.
"Das gefährliche an der Dummheit ist, daß sie die dumm macht, die ihr begegnen." (Sokrates).
Benutzeravatar
Quatschki
Beiträge: 9904
Registriert: Mi 4. Jun 2008, 09:14
Wohnort: rechtselbisch

Re: Muslimische Politiker in deutschen Parteien

Beitragvon Quatschki » Do 9. Jan 2020, 15:15

Ich finde, das Etikett sollte schon mit dem Inhalt übereinstimmen.
Parteien können sich ja auch umbenennen, wenn der Name nicht mehr zeitgemäß erscheint.
Benutzeravatar
Brainiac
Vorstand
Beiträge: 7337
Registriert: Do 30. Jun 2011, 11:41

Re: Muslimische Politiker in deutschen Parteien

Beitragvon Brainiac » Do 9. Jan 2020, 15:15

Kritikaster hat geschrieben:(09 Jan 2020, 10:49)

Das ist in der Tat bedauerlich.

Ich würde aber Abstriche machen, ob das Verhalten der Mitglieder einer 3.500-Seelen-Gemeinde repräsentativ für die gesamte CSU ist.

Laut dem SZ-Artikel scheint die Lage in Wallerstein kein Einzelfall zu sein.
Jeder hat das Recht
Benutzeravatar
Brainiac
Vorstand
Beiträge: 7337
Registriert: Do 30. Jun 2011, 11:41

Re: Muslimische Politiker in deutschen Parteien

Beitragvon Brainiac » Do 9. Jan 2020, 15:20

JJazzGold hat geschrieben:(09 Jan 2020, 13:54)

Hallo Brainiac,

nachdem mir die religiöse Zugehörigkeit bisher nie ein Kriterium für parteiliche und kommunale Arbeit erschien, wollte ich zuerst einen Blick auf die zur anstehenden Kommunalwahl erstellte Liste werfen, ob wir in unserem Kreis ggfls. Jemanden mit muslimischer Zugehörigkeit haben, habe es dann aber sein lassen, weil es mich schlichtweg nach wie vor nicht interessiert.
Die Kriterien die ich ansetzte, sind Bedarfserkennung, Organisation und Aktion zugunsten der Kommune, sowie eine unantastbare Abwicklung von in Angriff genommenen Projekten. Insofern kann ich die negative Reaktion im o.g. Beispiel nicht nachvollziehen und würde in einem analogen Fall hier vor Ort auch mit Verweis auf die von mir genannten Kriterien dagegen angehen.

Gruß JJ

Mich interessiert es eben unter dem Aspekt, dass es aus meiner Sicht ein Indiz für die muslimische Integration in Deutschland darstellt.

Wobei der aktuelle Fall ja gut zeigt, dass Integration immer zwei Seiten hat. Integration ist erst mal eine Bringschuld, aber sie wird eben auch manchmal tatsächlich von der anderen Seite nicht gewollt, ggfs sogar behindert.

LG
Jeder hat das Recht
Benutzeravatar
Keoma
Beiträge: 15456
Registriert: Mi 25. Jun 2008, 13:27
Benutzertitel: Drum Legend
Wohnort: Österreich

Re: Muslimische Politiker in deutschen Parteien

Beitragvon Keoma » Do 9. Jan 2020, 15:22

Brainiac hat geschrieben:(09 Jan 2020, 15:20)

Mich interessiert es eben unter dem Aspekt, dass es aus meiner Sicht ein Indiz für die muslimische Integration in Deutschland darstellt.

Wobei der aktuelle Fall ja gut zeigt, dass Integration immer zwei Seiten hat. Integration ist erst mal eine Bringschuld, aber sie wird eben auch manchmal tatsächlich von der anderen Seite nicht gewollt, ggfs sogar behindert.

LG


Und genau das ist ein großes Problem, weil der Integrationswillige irgendwann sagt, egal was ich mache, ihr wollt mich sowieso nicht.
Jeder hat das Grundrecht auf eine eigene Meinung. Aber nicht auf eigene Fakten.
Daniel Patrick Moynihan
Benutzeravatar
Vongole
Vorstand
Beiträge: 6266
Registriert: Di 24. Mär 2015, 18:30

Re: Muslimische Politiker in deutschen Parteien

Beitragvon Vongole » Do 9. Jan 2020, 15:22

Quatschki hat geschrieben:(09 Jan 2020, 15:15)

Ich finde, das Etikett sollte schon mit dem Inhalt übereinstimmen.
Parteien können sich ja auch umbenennen, wenn der Name nicht mehr zeitgemäß erscheint.

Nach dieser Lesart wäre auch Atheisten bei CSU oder CDU unwählbar, und die dürften zahlreich vertreten sein.
Im Übrigen ist der ganze Vorgang, neben seiner Bigotterie, ein Verstoß gegen Art. 3 GG.
https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_3.html
Benutzeravatar
Brainiac
Vorstand
Beiträge: 7337
Registriert: Do 30. Jun 2011, 11:41

Re: Muslimische Politiker in deutschen Parteien

Beitragvon Brainiac » Do 9. Jan 2020, 15:23

naddy hat geschrieben:(09 Jan 2020, 14:47)

Nichts ist begrüßenswerter als ein derartiger "Realitätseinbruch" in die heile Welt des Schubladendenkens! Noch besser, wenn es sogar weite Kreise zieht:
(f.v.m.).

Ob Merkel ihren Koalitionsfreunden in Wallerstein demnächst wohl auch ein tröstliches "Wir schaffen das!" zukommen läßt? Alternativ könnte sie natürlich auch Sener Sahin den "verstärkten Besuch christlicher Kirchen" ans Herz legen. Ein Traum, wenn sich politische Bigotterie einmal so gelungen selbst entlarvt.

Deine Haltung zu diesem Thema wird mir, ehrlich gesagt, aus deinem Beitrag nicht so ganz klar.
Jeder hat das Recht
Benutzeravatar
Kritikaster
Vorstand
Beiträge: 10435
Registriert: Sa 1. Okt 2016, 00:55
Benutzertitel: TROLLJÄGER

Re: Muslimische Politiker in deutschen Parteien

Beitragvon Kritikaster » Do 9. Jan 2020, 15:26

Brainiac hat geschrieben:(09 Jan 2020, 15:15)

Laut dem SZ-Artikel scheint die Lage in Wallenstein kein Einzelfall zu sein.

Möglich ist das selbstverständlich, und ich bin bereits von diesem einen Fall angewidert.

Aber: Auch mehrere "Einzelfälle" ergeben noch nicht unbedingt ein repräsentatives Bild, wenngleich auch ich davon ausgehe, dass gerade bei der CSU eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine weiter reichende Verbreitung derartiger "Geistes"-Haltung angenommen werden muss.
Der am höchsten entwickelte Sinn ist der Unsinn. (Peter E. Schumacher)
Wo der Sinn aufhört, beginnt der Wahnsinn. (Erhard Horst Bellermann)
Benutzeravatar
naddy
Beiträge: 1035
Registriert: Mo 18. Mär 2019, 11:50

Re: Muslimische Politiker in deutschen Parteien

Beitragvon naddy » Do 9. Jan 2020, 15:32

Brainiac hat geschrieben:(09 Jan 2020, 15:23)

Deine Haltung zu diesem Thema wird mir, ehrlich gesagt, aus deinem Beitrag nicht so ganz klar.

Die läßt sich anhand deiner eigenen Bemerkung:
Brainiac hat geschrieben:Mich interessiert es eben unter dem Aspekt, dass es aus meiner Sicht ein Indiz für die muslimische Integration in Deutschland darstellt.

leicht präzisieren: Der Wille zur Integration nimmt bei Politikern offensichtlich deutlich ab, wenn sie die selber leisten sollen und zu diesem Zweck ihre eigene Voreingenommenheit überwinden müssten. So lange diese Aufgabe an ein anonymes "wir" delegiert werden kann, ist alles in Ordnung.
"Das gefährliche an der Dummheit ist, daß sie die dumm macht, die ihr begegnen." (Sokrates).
Benutzeravatar
BenJohn
Beiträge: 922
Registriert: Fr 13. Dez 2019, 07:58

Re: Muslimische Politiker in deutschen Parteien

Beitragvon BenJohn » Do 9. Jan 2020, 15:32

Sener Sahin ist ja ein Musterbeispiel für gute Integration. Und er hat mit den Werten der CSU ganz offensichtlich kein Problem. Ihn nur wegen seines Glaubens nicht als Kandidaten zuzulassen, ist in meinen Augen ganz klarer Rassismus.

Mich würde nur interessieren wie gut seine Chancen waren. In so einem kleinen bayrischen Dörfchen könnte es gut sein, dass er keine Chance hätte gewählt zu werden. Aber das werden wir jetzt wohl nie erfahren.
Für manche Linken ist einer schon rechtsradikal, wenn er nur pünktlich zur Arbeit kommt. Heiner Geißler
Benutzeravatar
3x schwarzer Kater
Beiträge: 17734
Registriert: Mo 26. Mai 2014, 16:25
Benutzertitel: Do legst di nieda
Wohnort: Schwaben

Re: Muslimische Politiker in deutschen Parteien

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Do 9. Jan 2020, 15:53

BenJohn hat geschrieben:(09 Jan 2020, 15:32)

In so einem kleinen bayrischen Dörfchen könnte es gut sein, dass er keine Chance hätte gewählt zu werden. .


Neulich in einem bayerischen Dorf im Dorfwirtshaus am Stammtisch:

Hias: "Du i sog das, de Scheißtüakn kinnan sie bei uns übahaupt ned integrian"
Mehmet: "Hias du oida Depp, etz reiß die amoi a wengal zam. Du woaßt doch ganz genau, dass i a a Tüak bin."
Hias: "A gäh Mämed, du doch ned"

Oder anders ausgedrückt. Wer die bayerische Mentalität kennt, wird wissen, dass am Dorf die Chancen besser stehen als in der Stadt.
„Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.“ (Karl Valentin)
Benutzeravatar
BenJohn
Beiträge: 922
Registriert: Fr 13. Dez 2019, 07:58

Re: Muslimische Politiker in deutschen Parteien

Beitragvon BenJohn » Do 9. Jan 2020, 15:58

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(09 Jan 2020, 15:53)

Neulich in einem bayerischen Dorf im Dorfwirtshaus am Stammtisch:

Hias: "Du i sog das, de Scheißtüakn kinnan sie bei uns übahaupt ned integrian"
Mehmet: "Hias du oida Depp, etz reiß die amoi a wengal zam. Du woaßt doch ganz genau, dass i a a Tüak bin."
Hias: "A gäh Mämed, du doch ned"

Oder anders ausgedrückt. Wer die bayerische Mentalität kennt, wird wissen, dass am Dorf die Chancen besser stehen als in der Stadt.


Wenn seine Chancen gut standen, dann kann ich den Widerstand nicht verstehen. Angeblich waren ja nur einige wenige dagegen. Eventuell hätte sich die Mehrheit da mal durchsetzen sollen. Herr Sahin hat ja seine Kandidatur selbst zurückgezogen. Hätten die anderen ihn mehr unterstützt, dann hätte er es vielleicht durchgezogen.
Für manche Linken ist einer schon rechtsradikal, wenn er nur pünktlich zur Arbeit kommt. Heiner Geißler
Benutzeravatar
JosefG
Beiträge: 453
Registriert: Mi 18. Jul 2012, 07:11
Benutzertitel: antichristlich antiislamisch
Wohnort: Regensburg
Kontaktdaten:

Re: Muslimische Politiker in deutschen Parteien

Beitragvon JosefG » Do 9. Jan 2020, 16:05

Vongole hat geschrieben:(09 Jan 2020, 15:22)

Nach dieser Lesart wäre auch Atheisten bei CSU oder CDU unwählbar, und die dürften zahlreich vertreten sein.

Wirklich? Mir fällt im Augenblick kein einziger CSU- oder CDU-Politiker ein, der sich zum Atheismus bekennt.

Zurück zu „22. Parteien“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: JosefG, Tomaner und 1 Gast