Was ist Faschismus?

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Europa2050
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Europa2050 » Mi 4. Dez 2019, 22:06

Nun stellt sich die Frage der Einordnung des Faschismus (und seines kleineren Bruders des Nationalismus) in das ideologische Spektrum.

In der marxistischen Welt ging man vom Faschismus als Kampfversion der Bourgeoise aus. Gerade die Unterstützung, die der aufkommende Faschismus auch aus Adligen und grossbürgerlichen Kreisen genoss, lässt dies nicht von der Hand weisen. Und tatsächlich teilen eben Faschisten und Konservative (insbesondere in den monarchistischen und religiösen Ausprägungen) nicht den Ansatz der Gleichwertigkeit jedes Menschen, den Liberale und Sozialisten vertreten, sondern gehen von der Existenz naturgegebener Hierarchien aus.

Im Westen war dagegen die Totalitarismustheorie angesagt. Faschismus und Kommunismus setzen - hier im Gegensatz zu Konservativismus und Liberalismus - das Kollektiv über das Individuum, was wesentliche, katastrophale Auswirkungen für den individuellen Menschen hat.

Vermutlich ist keine der Theorien falsch und keine alleine Richtig - ermöglichen aber ein Ideologieviereck in dem in den Diagonalen mit der größten Entfernung (Nichtübereinstimmung) einmal Konservativismus und Kommunismus und auf der anderen Diagonale Liberalismus und Faschismus stehen.
Zuletzt geändert von Europa2050 am Mi 4. Dez 2019, 22:15, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Dark Angel » Mi 4. Dez 2019, 22:09

Brainiac hat geschrieben:(04 Dec 2019, 21:50)

[MOD] Ich habe nochmals aufgeräumt. Weder wird hier anderen Usern Antisemitismus unterstellt, noch Biologismus, noch sonstwas. Die Reaktionen auf diese Auseinandersetzung mussten auch dran glauben.

Das Thema "Was ist Faschismus?" kann jetzt im Geschichtsforum weiter diskutiert werden.
Überlegungen zum Inhalt des Faschismusbegriffes werden hiermit auf seine historische Entstehungsgeschichte ausgeweitet.
Betrachtungen im Zusammenhang mit den Ergebnissen des WK1, der Oktoberrevolution, Versailer Vertrag etc sind ausdrücklich erwünscht. [MOD]
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon BlueMonday » Mi 4. Dez 2019, 22:46

Europa2050 hat geschrieben:(04 Dec 2019, 22:06)

Und tatsächlich teilen eben Faschisten und Konservative (insbesondere in den monarchistischen und religiösen Ausprägungen) nicht den Ansatz der Gleichwertigkeit jedes Menschen, den Liberale und Sozialisten vertreten, sondern gehen von der Existenz naturgegebener Hierarchien aus.


Gleichwertigkeit und Liberalismus?
Der italienische Faschismus positionierte sich jedenfalls gegen den damaligen klassischen Liberalismus. Egalitäre Anwandlungen gab es erst viel später mit Rawls, der sicher kein Vertreter des klassischen Liberalismus war.
Der Stein des Anstoßes für den Faschismus war im Wesentlichen der "Egoismus" des Liberalismus, dass das Werturteil der Einzelnen das Primat hatte und nicht das des Staates oder irgendeines Kollektivkörpers. Für den Faschisten Mussolini ist diese Bejahung des Eigensinns oder Eigeninteresses das wesentliche Übel des Liberalismus. Stattdessen hat der Staat wesentliche Urteile zu fällen und hat den Einzelnen voranzugehen und gibt damit allem einen gedeihlichen Rahmen. Der Faschismus ist letztlich ein extremer Etatismus. Ein aufs Extrem gesteigerter Sinn für das "Allgemeininteresse". Das Bild des "Rutenbündels" (fasces) hat durchaus seinen Sinn und Grund. Der Einzelne sollte zur Faser eines ganzen Bündels werden und so seine Kraft vervielfachen.

Hierarchien sind nun auch heutzutage allgegenwärtig und kein faschistisches Spezifikum und auch der gegenwärtige Liberalismus hat damit kein prinzipielles Problem.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon BlueMonday » Mi 4. Dez 2019, 23:19

odiug hat geschrieben:(04 Dec 2019, 15:07)

Gott ... wo fängt man da an :?:
Ersteinmal ist dein Beitrag Beleg dafür, dass du nicht weißt, was mit Gewaltenteilung eigentlich gemeint ist.
Das ist traurig :(


Ach Gottchen. Was verstehst du nicht an "tatsächlicher Gewaltenteilung"? Damit wird ja nun gerade ausdrücklich abgegrenzt vom üblichen Begriff, der dadurch Gegenstand der Kritik wird, etwa mit der Frage nach der tatsächlichen Wirksamkeit solcher scheinbaren oder vermeintlichen "Teilung" im Rahmen irgendeiner Staatsverfassung. Du stolperst da den ersten Schritt. Es ist ja nichts Verwerfliches, den ersten Schritt zu tun, das mussten wir ja irgendwann alle - aber - man sollte sich bewusst sein, wo man steht und stolpert und enstprechend Demut an den Tag legen.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Bartleby » Mi 4. Dez 2019, 23:48

conscience hat geschrieben:(04 Dec 2019, 14:37)

Für diese Behauptung fehlt der entsprechende Link als Nachweis. Bitte nachliefern.


Der wird auch nicht nachgeliefert werden - was man dann im Zeitalter des Positiven wohl als stilles Eingeständnis eines Irrtums nach Überdenken interpretieren darf.

Als weitere Lesart bietet sich an:

1. Der Unterschied zwischen Kampf und Wettstreit konnte dargestellt werden. :)

2. Platons Höhlenbewohner würden den "Erleuchteten" ja bekanntlich auch töten, wenn sie seiner habhaft würden. :D

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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon odiug » Do 5. Dez 2019, 00:18

BlueMonday hat geschrieben:(04 Dec 2019, 23:19)

Ach Gottchen. Was verstehst du nicht an "tatsächlicher Gewaltenteilung"? Damit wird ja nun gerade ausdrücklich abgegrenzt vom üblichen Begriff, der dadurch Gegenstand der Kritik wird, etwa mit der Frage nach der tatsächlichen Wirksamkeit solcher scheinbaren oder vermeintlichen "Teilung" im Rahmen irgendeiner Staatsverfassung. Du stolperst da den ersten Schritt. Es ist ja nichts Verwerfliches, den ersten Schritt zu tun, das mussten wir ja irgendwann alle - aber - man sollte sich bewusst sein, wo man steht und stolpert und enstprechend Demut an den Tag legen.

Nochmals: Gewaltenteilung meint die Teilung staatlicher Gewalt auf mehrere staatliche Institutionen, die unabhängig voneinander sich gegenseitig überwachen und gegebenenfalls auch sanktionieren im Falle von Missbrauch.
Gewaltenteilung heißt nicht, dass der Staat sein Gewaltmonopol aufgibt und seine Gewalt mit nichtstaatlichen Organisationen teilt.
Kein Staat wird auf sein Gewaltmonopol verzichten, welches eh ausschließlich bei der Exekutive ruht.
Das gilt so für das second Amendment der US Verfassung wie auch für Artikel 20 des Deutschen Grundgesetz.
Beide Artikel beziehen sich auf das Recht der Bürger auf Widerstand gegen eine nicht legitimierte Regierung ... sie treten also nur dann in Kraft, wenn der Staat sein Gewaltmonopol bereits verloren hat angesichts nicht legitimierter Gewalt.
Zuletzt geändert von odiug am Do 5. Dez 2019, 02:31, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon unity in diversity » Do 5. Dez 2019, 01:17

Hier hat Höcke schon mal dargebracht, wie er sich den totalitären Wandel in Deutschland vorstellt:
viewtopic.php?f=75&t=69215&start=180#p4618635
Daß er dazu die Gewaltenteilung abschaffen muß, dürfte jeder einsehen, die 3 Gewalten werden auf den Führer vereidigt und Wahlen sind sowas wie Volkszählung.

Jetzt fehlen noch Beispiele zum totalitären Wandel von Links, Religion und Ökologie.
Also von Strömungen mit genau so universellem Wahrheitsanspruch, der mit liberal verfaßten Gesellschaften kollidiert und wo der Zweck jedes Mittel heiligt.

Artikel 20, Absatz 4 gibt dem Volk das Recht zum Widerstand gegen totalitäre Herrschaftsformen, wenn keine anderen Mittel mehr möglich sind.
Zu wirklich koordinierten Handlungen gegen eine bestimmte totalitäre Bedrohung, halte ich das tief gespaltene Volk nicht mehr für imstande. Zu viele Bruchlinien, ohne Überbrückungs- und damit Bündnispotenzial.
Oder es wehrt erfolgreich eine Bedrohung ab und hat dafür eine andere totalitäre Herrschaft installiert.
Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze:
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Europa2050 » Do 5. Dez 2019, 07:05

BlueMonday hat geschrieben:(04 Dec 2019, 22:46)

Gleichwertigkeit und Liberalismus?
Der italienische Faschismus positionierte sich jedenfalls gegen den damaligen klassischen Liberalismus. Egalitäre Anwandlungen gab es erst viel später mit Rawls, der sicher kein Vertreter des klassischen Liberalismus war.
Der Stein des Anstoßes für den Faschismus war im Wesentlichen der "Egoismus" des Liberalismus, dass das Werturteil der Einzelnen das Primat hatte und nicht das des Staates oder irgendeines Kollektivkörpers. Für den Faschisten Mussolini ist diese Bejahung des Eigensinns oder Eigeninteresses das wesentliche Übel des Liberalismus. Stattdessen hat der Staat wesentliche Urteile zu fällen und hat den Einzelnen voranzugehen und gibt damit allem einen gedeihlichen Rahmen. Der Faschismus ist letztlich ein extremer Etatismus. Ein aufs Extrem gesteigerter Sinn für das "Allgemeininteresse". Das Bild des "Rutenbündels" (fasces) hat durchaus seinen Sinn und Grund. Der Einzelne sollte zur Faser eines ganzen Bündels werden und so seine Kraft vervielfachen.

Hierarchien sind nun auch heutzutage allgegenwärtig und kein faschistisches Spezifikum und auch der gegenwärtige Liberalismus hat damit kein prinzipielles Problem.


Zum Thema Gleichwertigkeit:
Hierarchien gibt es natürlich überall wo mindestens zwei Menschen kooperieren, beginnend in der Ehe. Also auch in Sozialismus und Liberalismus. Die Unterschied ist nur, sind diese gesetzlich oder nach Geburt vorgegeben (Konservativismus/Faschismus) und damit auch zementiert oder ergeben sie sich temporär und nach Gegebenheit und sind bei Änderung der Rahmenbedingungen auch wieder veränderlich (Sozialismus/Liberalismus). Ich hoffe, du siehst den Unterschied...

Zum Thema Mussolini:
Mussolini ist natürlich das Paradebeispiel für die Totalitarismustheorie. 1908 in Lausanne noch von Lenin himself als hervorragendes kommunistisches Nachwuchstalent geadelt, entdeckte er eben im WK1 den Italiener in ihm.
In neuerer Zeit vielleicht vergleichbar mit der Familie Kim, bei der die Einordnung zwischen Kommunismus und Faschismus auch schwer fällt.
Im Gegenzug stützen Hitlers Unterstützung durch die monarchistischen Kräfte des DR, des Austrofaschismus durch den Klerus, Pinochet und die Chicago boys, sowie Putins Unterstützung durch Jelzins Oligarchenklan sowie die Orthodoxie die „Klassenkampftheorie“.
Es bleibt also komplex ...

Und in Deutschland:
Höcke, seine Thesen und sein Erfolg im totalitsrismuserprobten Osten sprächen eher für die Totalitarismustheorie.
Meuthen und sein Kurs sowie der Erfolg bei Bildungsbürgertum undKleingewerbetreibenden eher für die Klassenkampftheorie.
Vermutlich wird es da innerhalb der AfD auch noch gewaltig Flügelkämpfe geben ...
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Alpha Centauri » Do 5. Dez 2019, 08:29

Europa2050 hat geschrieben:(05 Dec 2019, 07:05)

Zum Thema Gleichwertigkeit:
Hierarchien gibt es natürlich überall wo mindestens zwei Menschen kooperieren, beginnend in der Ehe. Also auch in Sozialismus und Liberalismus. Die Unterschied ist nur, sind diese gesetzlich oder nach Geburt vorgegeben (Konservativismus/Faschismus) und damit auch zementiert oder ergeben sie sich temporär und nach Gegebenheit und sind bei Änderung der Rahmenbedingungen auch wieder veränderlich (Sozialismus/Liberalismus). Ich hoffe, du siehst den Unterschied...

Zum Thema Mussolini:
Mussolini ist natürlich das Paradebeispiel für die Totalitarismustheorie. 1908 in Lausanne noch von Lenin himself als hervorragendes kommunistisches Nachwuchstalent geadelt, entdeckte er eben im WK1 den Italiener in ihm.
In neuerer Zeit vielleicht vergleichbar mit der Familie Kim, bei der die Einordnung zwischen Kommunismus und Faschismus auch schwer fällt.
Im Gegenzug stützen Hitlers Unterstützung durch die monarchistischen Kräfte des DR, des Austrofaschismus durch den Klerus, Pinochet und die Chicago boys, sowie Putins Unterstützung durch Jelzins Oligarchenklan sowie die Orthodoxie die „Klassenkampftheorie“.
Es bleibt also komplex ...

Und in Deutschland:
Höcke, seine Thesen und sein Erfolg im totalitsrismuserprobten Osten sprächen eher für die Totalitarismustheorie.
Meuthen und sein Kurs sowie der Erfolg bei Bildungsbürgertum undKleingewerbetreibenden eher für die Klassenkampftheorie.
Vermutlich wird es da innerhalb der AfD auch noch gewaltig Flügelkämpfe geben ...


Nun dass sich politische Extremisten von links wie rechts ( im übrigen auch die religiösen Fanatiker) im Grunde von ihren Denkmustern her ziemlich ähneln und dass sie den biologische Fakt " soziales "Gesellschaftswesen" Mensch, immer auch für ihre jeweiligen Zwecke zu instrumentalisieren verstehen, wurde in dem Forum hier ja schon des öfteren durchgekaut.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon conscience » Do 5. Dez 2019, 09:36

Alpha Centauri hat geschrieben:(05 Dec 2019, 08:29)

Nun dass sich politische Extremisten von links wie rechts ( im übrigen auch die religiösen Fanatiker) im Grunde von ihren Denkmustern her ziemlich ähneln und dass sie den biologische Fakt " soziales "Gesellschaftswesen" Mensch, immer auch für ihre jeweiligen Zwecke zu instrumentalisieren verstehen, wurde in dem Forum hier ja schon des öfteren durchgekaut.


Aber tun das nicht alle Herrschaftssysteme und -formen außer den Anarchisten ?

Die Farbe der Anarchisten ist schwarz, die des italienischen Faschismus auch. Warum ?

Gibt’s da einen Zusammenhang?
Solidarität mit Israel - gegen Antisemitismus und Antizionismus.

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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon odiug » Do 5. Dez 2019, 09:46

Alpha Centauri hat geschrieben:(05 Dec 2019, 08:29)

Nun dass sich politische Extremisten von links wie rechts ( im übrigen auch die religiösen Fanatiker) im Grunde von ihren Denkmustern her ziemlich ähneln und dass sie den biologische Fakt " soziales "Gesellschaftswesen" Mensch, immer auch für ihre jeweiligen Zwecke zu instrumentalisieren verstehen, wurde in dem Forum hier ja schon des öfteren durchgekaut.

Also menschliche Gesellschaften sind keine Rudel ... zumindest sind sie es schon lange nicht mehr.
Zwar rotten sich ab und zu Menschen zu Rudeln zusammen und das kann sich zu einem gesellschaftlichen Problem ausarten ... zB Hooligans oder ein Mob, der Ausländer durch Chemnitz jagt, das macht diese Zusammenrottungen aber nicht zu einem biologischen Fakt.
Das macht sie bestenfalls zu einem massenpsychologischen Studienobjekt.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Bartleby » Do 5. Dez 2019, 10:12

odiug hat geschrieben:(05 Dec 2019, 09:46)

Also menschliche Gesellschaften sind keine Rudel ... zumindest sind sie es schon lange nicht mehr.
Zwar rotten sich ab und zu Menschen zu Rudeln zusammen und das kann sich zu einem gesellschaftlichen Problem ausarten ... zB Hooligans oder ein Mob, der Ausländer durch Chemnitz jagt, das macht diese Zusammenrottungen aber nicht zu einem biologischen Fakt.
Das macht sie bestenfalls zu einem massenpsychologischen Studienobjekt.


Der Mensch ist keine kleine Schildkröte, die nach dem Schlüpfen zum Wasser rennt und dann, wenn sie ankommt, alles selbst lernt. Stattdessen rottet sich der Säugling mit mindestens seiner Mutter aus biologischen Gründen zusammen. Auch sonst ist es zur Gehirnentwicklung von Vorteil, sich möglichst auch mit anderen zusammenzurotten. Wie Kaspar Hauser oder sonstwie vernachlässigte Kinder exemplarisch zeigen, können ausgefallene Zusammenrottungen ernsthafte auch biologische Folgen für das Nichtzusammenrottungswesen haben. Dabei ist nicht die Zusammenrottung der biologische Fakt, sondern die Notwendigkeit, es zum Überleben und zum eigenen Vorteil hin und wieder zu tun, vor allem im Frühstadium menschlicher Entwicklung. Später dann, insbesondere unter misanthropischen Vorzeichen, kann man auch darauf verzichten- wobei es bekanntlich heißt, Menschen mit gesunder Ansprache, ergo Zusammenrottung, würden länger leben.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon odiug » Do 5. Dez 2019, 10:18

Bartleby hat geschrieben:(05 Dec 2019, 10:12)

Der Mensch ist keine kleine Schildkröte, die nach dem Schlüpfen zum Wasser rennt und dann, wenn sie ankommt, alles selbst lernt. Stattdessen rottet sich der Säugling mit mindestens seiner Mutter aus biologischen Gründen zusammen. Auch sonst ist es zur Gehirnentwicklung von Vorteil, sich möglichst auch mit anderen zusammenzurotten. Wie Kaspar Hauser oder sonstwie vernachlässigte Kinder exemplarisch zeigen, können ausgefallene Zusammenrottungen ernsthafte auch biologische Folgen für das Nichtzusammenrottungswesen haben. Dabei ist nicht die Zusammenrottung der biologische Fakt, sondern die Notwendigkeit, es zum Überleben und zum eigenen Vorteil hin und wieder zu tun, vor allem im Frühstadium menschlicher Entwicklung. Später dann, insbesondere unter misanthropischen Vorzeichen, kann man auch darauf verzichten- wobei es bekanntlich heißt, Menschen mit gesunder Ansprache, ergo Zusammenrottung, würden länger leben.

Ja ... der Mensch hat Instinkte.
So fremdeln Kleinkinder in einer Phase ihrer Entwicklung und manche bleiben darin stecken und wählen AfD oder rennen PEGIDA hinterher ... stimmt.
Und auch ja ... das kann, bzw ist ein gesellschaftliches Problem.
Dennoch ist das keine Frage der Biologie, sondern der Psychologie.
Man kann das Therapieren.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Tom Bombadil » Do 5. Dez 2019, 10:42

odiug hat geschrieben:(05 Dec 2019, 10:18)

Und auch ja ... das kann, bzw ist ein gesellschaftliches Problem.

Das ist vor allem auch ein Problem, das durch falsche Politik hervorgerufen wird.
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Bartleby » Do 5. Dez 2019, 10:58

odiug hat geschrieben:(05 Dec 2019, 10:18)

Ja ... der Mensch hat Instinkte.
So fremdeln Kleinkinder in einer Phase ihrer Entwicklung und manche bleiben darin stecken und wählen AfD oder rennen PEGIDA hinterher ... stimmt.
Und auch ja ... das kann, bzw ist ein gesellschaftliches Problem.
Dennoch ist das keine Frage der Biologie, sondern der Psychologie.
Man kann das Therapieren.


Soso, Psychologie hat nix mit Biologie zu tun und man kann falsches Wählen therapieren. Das wäre dann allerdings ganz sicher faschistoid, wobei es traditionell ja eher in China und der Sowjetunion angewandt wird bzw. wurde.

Ansonsten:

https://de.wikipedia.org/wiki/Biopsychologie
In der Einsamkeit frisst sich der Einsame selbst auf, in der Vielsamkeit fressen ihn die Vielen. Nun wähle.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon odiug » Do 5. Dez 2019, 11:00

Tom Bombadil hat geschrieben:(05 Dec 2019, 10:42)

Das ist vor allem auch ein Problem, das durch falsche Politik hervorgerufen wird.

Kommt darauf an, über was wir hier reden.
Es war sicherlich nicht falsch den Flüchtlingen aus Syrien eine Stätte der Zuflucht in Deutschland zu bieten.
Da hatte Merkel recht.
Wie das jedoch gehandhabt wurde, vor allem auf der administrativen Ebene, war mehr als erbärmlich.
Es bedurfte viel zu viel Zeit, das halbwegs in den Griff zu bekommen und in georderte Bahnen zu lenken.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon odiug » Do 5. Dez 2019, 11:02

Bartleby hat geschrieben:(05 Dec 2019, 10:58)

Soso, Psychologie hat nix mit Biologie zu tun und man kann falsches Wählen therapieren. Das wäre dann allerdings ganz sicher faschistoid, wobei es traditionell ja eher in China und der Sowjetunion angewandt wird bzw. wurde.

Ansonsten:

https://de.wikipedia.org/wiki/Biopsychologie

Es gibt immer interdisziplinäre Ansätze, wo sich zwei wissenschaftliche Zweige überschneiden.
Das ist aber kein Grund, beide miteinander zu verwurschteln.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Bartleby » Do 5. Dez 2019, 11:12

odiug hat geschrieben:(05 Dec 2019, 11:02)

Es gibt immer interdisziplinäre Ansätze, wo sich zwei wissenschaftliche Zweige überschneiden.
Das ist aber kein Grund, beide miteinander zu verwurschteln.


Nicht das Verwursteln ist das Problem, sondern die Ignoranz von Wissenschaft. Freud hätte sich an die Birne gelangt, wenn man seine Disziplin biologisch rein hätte haben wollen. Manchmal habe ich das Gefühl, am Ende schicken Antifaschisten noch eine Abordnung zur Sonne, weil die mal Faschisten gewärmt hat.
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Selina » Do 5. Dez 2019, 11:13

Bartleby hat geschrieben:(05 Dec 2019, 10:58)

Soso, Psychologie hat nix mit Biologie zu tun und man kann falsches Wählen therapieren. Das wäre dann allerdings ganz sicher faschistoid, wobei es traditionell ja eher in China und der Sowjetunion angewandt wird bzw. wurde.

Ansonsten:

https://de.wikipedia.org/wiki/Biopsychologie


Genauso, wie die Psychologie natürlich auch mit dem Sozialen zu tun hat. Stichwort Sozialpsychologie.

Zitat:

Die Sozialpsychologie ist ein Teilgebiet der Psychologie und Soziologie, das die Auswirkungen der tatsächlichen oder vorgestellten Gegenwart anderer Menschen auf das Erleben und Verhalten des Individuums erforscht (Gordon Allport 1968).

Zwei fundamentale Axiome der Sozialpsychologie lauten:[1]

Menschen konstruieren ihre eigene Realität.
Das gesamte Erleben und Verhalten wird von sozialen Beziehungen beeinflusst


https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialpsychologie

In Bezug auf den diskutierten Faschismus bedeutet das, dass sich verschiedene Menschen einer derartigen Richtung anschließen, weil sie dort Vorbilder finden oder Freunde/Bekannte, die sich in einem derartigen Umfeld bewegen und dort scheinbar ihre Erfüllung finden. Was natürlich auch für andere ideologische und politischen Richtungen gilt.
Zuletzt geändert von Selina am Do 5. Dez 2019, 11:17, insgesamt 2-mal geändert.
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
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Re: Was ist Faschismus?

Beitragvon Europa2050 » Do 5. Dez 2019, 11:13

Tom Bombadil hat geschrieben:(05 Dec 2019, 10:42)

Das ist vor allem auch ein Problem, das durch falsche Politik hervorgerufen wird.


Ich glaube nicht, dass sich ideologische Prägungen, die sich wohl irgendwann in der Jugend bilden (vom Umfeld beeinflusst natürlich) durch Tagespolitik verändern, bestenfalls persönlich erschütternde Ereignisse mögen da was ins Wanken bringen.
Was sich verändert, mag die Intensität sein, in der sie betrieben werden.

Ich habe Brandt, Schmidt, Genscher, Kohl, Schröder, Fischer, Merkel ... erlebt, Nachrüstung, Auflösung der sozialistischen Staaten, katastrophale US-Präsidenten, katastrophale FDP-Politiker, Wirtschaftskrise ...
Und doch bin ich meinem Liberalen Weltbild treu geblieben - weil es meinen Grundüberzeugungen entspricht. Egal, was real existierende Politiker aktuell draus machen.

Und deshalb mögen Menschen mit einem Hang zur national kollektiven Überhöhung eine ruhige Masse abgeben, wenn sie den Eindruck haben, allein zu stehen, wenn ihnen aber in ihrer Blase wieder und wieder eingehämmert wird, dass sie sich jetzt aktivieren müssen (Entrüstungsindustrie), dann tun sie es halt früher oder später.

Das war schon immer die Stärke der Faschisten - Massen zu aktivieren, Teilaspekte des gesellschaftlichen Lebens zu pushen, in dem sie grösstmögliche Deckung erreichten. Ob das nun „Versailles“ bei den Nazis, „Fiume und der verschenkte Sieg“ bei Mussolini, „Heimholung der Krim“ bei Putin oder eben „Merkels Grenzöffnung“ ist ...

Alles Dinge, die im Leben des jeweiligen Bürgers auf Prio 3 rangierten, aber bis zur Unendlichkeit gepushed wurden...
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