Exzessive Staatsverschuldung ist kein Problem

Moderator: Moderatoren Forum 1

Benutzeravatar
Adam Smith
Beiträge: 25086
Registriert: Mi 18. Jan 2012, 21:57

Re: Exzessive Staatsverschuldung ist kein Problem

Beitragvon Adam Smith » Mi 17. Apr 2019, 08:56

z4ubi hat geschrieben:(16 Apr 2019, 21:07)
Fährt der Staat seine Schulden hoch (Beispiel USA, Japan) führt das zu niedrigeren Zinsen. Für Unternehmen und private Haushalte sind Bedingungen besser geworden, an Geld zu kommen.


Die Staatsverschuldung von Japan beträgt etwa 13 Billionen US-Dollar. Müsste der Staat darauf 5% Zinsen pro Jahr zahlen wären das 650 Millionen US-Dollar an Zinsen. Sämtliche Steuereinnahmen des Staatshaushaltes würden in die Zinsausgaben fließen.

https://www.boerse.de/boersenwissen/staatsverschuldung/
Benutzeravatar
Orbiter1
Beiträge: 3627
Registriert: Fr 23. Feb 2018, 13:25

Re: Exzessive Staatsverschuldung ist kein Problem

Beitragvon Orbiter1 » Mi 17. Apr 2019, 09:00

Adam Smith hat geschrieben:(17 Apr 2019, 08:56)

Die Staatsverschuldung von Japan beträgt etwa 13 Billionen US-Dollar. Müssten der Staat darauf 5% Zinsen pro Jahr zahlen wären das 650 Millionen US-Dollar an Zinsen. Sämtliche Steuereinnahmen des Staatshaushaltes würden in die Zinsausgaben fließen.
Das bestätigt ja die Aussage von z4ubi. Wäre denn eine Welt mit de facto Nullzins so schlimm?
Benutzeravatar
Adam Smith
Beiträge: 25086
Registriert: Mi 18. Jan 2012, 21:57

Re: Exzessive Staatsverschuldung ist kein Problem

Beitragvon Adam Smith » Mi 17. Apr 2019, 09:06

Orbiter1 hat geschrieben:(17 Apr 2019, 09:00)

Das bestätigt ja die Aussage von z4ubi. Wäre denn eine Welt mit de facto Nullzins so schlimm?


Hohe Zinsen verhindern z.B. hohe Schulden. Es müsste hier also zu gesetzlichen Massnahmen kommen. In Deutschland gibt es die ja in Bezug auf den Staat.
Benutzeravatar
Skull
Vorstand
Beiträge: 21280
Registriert: Do 12. Apr 2012, 22:22
Benutzertitel: woaussie
Wohnort: NRW
Kontaktdaten:

Re: Exzessive Staatsverschuldung ist kein Problem

Beitragvon Skull » Mi 17. Apr 2019, 09:28

Orbiter1 hat geschrieben:(17 Apr 2019, 09:00)

Wäre denn eine Welt mit de facto Nullzins so schlimm?

Ja. :)

mfg
Man dient für Lohn und liebt sich für Geschenke
z4ubi
Beiträge: 256
Registriert: Di 22. Sep 2015, 20:32

Re: Exzessive Staatsverschuldung ist kein Problem

Beitragvon z4ubi » Mi 17. Apr 2019, 13:52

Adam Smith hat geschrieben:(17 Apr 2019, 08:56)

Die Staatsverschuldung von Japan beträgt etwa 13 Billionen US-Dollar. Müsste der Staat darauf 5% Zinsen pro Jahr zahlen wären das 650 Millionen US-Dollar an Zinsen. Sämtliche Steuereinnahmen des Staatshaushaltes würden in die Zinsausgaben fließen.

https://www.boerse.de/boersenwissen/staatsverschuldung/


Und was würde die japanische Zentralbank mit den Zinnsgewinnen machen ? Brav an das japanische Finanzministerium überweisen.

franktoast hat geschrieben:(17 Apr 2019, 08:41)

Es suggeriert ein free lunch.

Nein, Verschuldung suggeriert da gar nichts.
Wenn ich einen Kredit für den Hausbau aufnehme, suggeriere ich auch keinen free-lunch.

John Galt hat geschrieben:(17 Apr 2019, 08:38)

Das liegt an der Zentralbank die das Geldangebot steuert.

Würde die nichts machen, würde die Nachfrage des Staates den Preis (Zins) erhöhen.


Aber das wollen die MMTler doch. Staatsverschuldung mit frischem Zentralbankgeld.
Niemand wird vom Staat verdrängt, sondern dem privaten Sektor fließt mehr Geld zu bzw. dem Bankensystem mehr Zentralbankguthaben zu.
Zuletzt geändert von z4ubi am Mi 17. Apr 2019, 14:40, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
3x schwarzer Kater
Vorstand
Beiträge: 16552
Registriert: Mo 26. Mai 2014, 16:25
Benutzertitel: Do legst di nieda
Wohnort: Schwaben

Re: Exzessive Staatsverschuldung ist kein Problem

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mi 17. Apr 2019, 13:57

Orbiter1 hat geschrieben:(17 Apr 2019, 09:00)

Das bestätigt ja die Aussage von z4ubi.


Nö ... es gibt einen Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität.
„Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.“ (Karl Valentin)
Benutzeravatar
BlueMonday
Beiträge: 1992
Registriert: Mo 14. Jan 2013, 17:13

Re: Exzessive Staatsverschuldung ist kein Problem

Beitragvon BlueMonday » Mi 17. Apr 2019, 14:04

franktoast hat geschrieben:(16 Apr 2019, 15:23)

Anstatt die Symptome bekämpfen zu wollen, sollten man sich mal fragen, warum Japan eine so niedrige Inflation und niedriges Wachstum hat. Würde an der MMT etwas dran sein, müsste Japans Wirtschaft nicht längst florieren?

Ich finde, man kommt weiter, wenn man ehrlich ist. Und wenn der Staat Ressourcen nutzen will oder umverteilen, dann soll er diese auch über Steuern eintreiben. Und nicht so hinten rum.


Der Staat funktioniert ja im Wesentlichen durch die Erzeugung von Illusionen. Er selbst ist die Illusion schlechthin.
Die MMT ist da auch Etatismus pur. Man aggregiert und verdeckt:"Privater Sektor" vs. "Staatlicher Sektor" => Die Privaten können nur sparen, wenn der Staat sich verschuldet => der Staat ist unabdingbar als Schuldner => "je mehr je vieler" (L. de Funès). Dass der private Sektor in unzählige Akteure zerfällt, wo der eine dem anderen schuldet, das sieht man durch diese grobe Aggregatsbildung freilich nicht. Man hat das eigentliche Geschehen verdeckt.

Der Staat ist im Wesentlichen ein absurder gewaltgestützter Umverteilungsmechanismus. Je undurchschauberer desto besser, also wenn der Einzelne kaum noch feststellen kann, ob er nun Gewinner oder Verlierer des ganzen Spiels ist.
Es geht um die kaum prüfbare Einbildung, etwas gewonnen zu haben: "Der Staat ist die große Fiktion, nach der sich JEDERMANN bemüht, auf Kosten JEDERMANNS zu leben." (Bastiat)
But who would build the roads?
Benutzeravatar
Alter Stubentiger
Beiträge: 4390
Registriert: Fr 6. Jan 2012, 08:20
Benutzertitel: Sozialdemokrat

Re: Exzessive Staatsverschuldung ist kein Problem

Beitragvon Alter Stubentiger » Mi 17. Apr 2019, 14:42

z4ubi hat geschrieben:(16 Apr 2019, 21:07)
Fährt der Staat seine Schulden hoch (Beispiel USA, Japan) führt das zu niedrigeren Zinsen. Für Unternehmen und private Haushalte sind Bedingungen besser geworden, an Geld zu kommen.


So gut dass diese Politik 2008 direkt in die Subprime-Krise führte. Da war Geld so billig dass sich jeder Niedriglöhner ein Haus kaufen konnte. Daran sieht man dass es nicht reicht einfach viel Geld auf den Markt zu werfen. Die Folgen sind früher oder später immer katastrophal.
Niemand hat vor eine Mauer zu errichten (Walter Ulbricht)
...und die Mauer wird noch in 50 oder 100 Jahren stehen (Erich Honecker)
Benutzeravatar
Alter Stubentiger
Beiträge: 4390
Registriert: Fr 6. Jan 2012, 08:20
Benutzertitel: Sozialdemokrat

Re: Exzessive Staatsverschuldung ist kein Problem

Beitragvon Alter Stubentiger » Mi 17. Apr 2019, 14:43

BlueMonday hat geschrieben:(17 Apr 2019, 14:04)

Der Staat funktioniert ja im Wesentlichen durch die Erzeugung von Illusionen. Er selbst ist die Illusion schlechthin.
Die MMT ist da auch Etatismus pur. Man aggregiert und verdeckt:"Privater Sektor" vs. "Staatlicher Sektor" => Die Privaten können nur sparen, wenn der Staat sich verschuldet => der Staat ist unabdingbar als Schuldner => "je mehr je vieler" (L. de Funès). Dass der private Sektor in unzählige Akteure zerfällt, wo der eine dem anderen schuldet, das sieht man durch diese grobe Aggregatsbildung freilich nicht. Man hat das eigentliche Geschehen verdeckt.

Der Staat ist im Wesentlichen ein absurder gewaltgestützter Umverteilungsmechanismus. Je undurchschauberer desto besser, also wenn der Einzelne kaum noch feststellen kann, ob er nun Gewinner oder Verlierer des ganzen Spiels ist.
Es geht um die kaum prüfbare Einbildung, etwas gewonnen zu haben: "Der Staat ist die große Fiktion, nach der sich JEDERMANN bemüht, auf Kosten JEDERMANNS zu leben." (Bastiat)


Und ohne Staat?
Niemand hat vor eine Mauer zu errichten (Walter Ulbricht)
...und die Mauer wird noch in 50 oder 100 Jahren stehen (Erich Honecker)
Benutzeravatar
Alter Stubentiger
Beiträge: 4390
Registriert: Fr 6. Jan 2012, 08:20
Benutzertitel: Sozialdemokrat

Re: Exzessive Staatsverschuldung ist kein Problem

Beitragvon Alter Stubentiger » Mi 17. Apr 2019, 14:47

Orbiter1 hat geschrieben:(17 Apr 2019, 09:00)

Das bestätigt ja die Aussage von z4ubi. Wäre denn eine Welt mit de facto Nullzins so schlimm?

Natürlich. Erdogan hat so freilich einen langen Aufschwung finanziert. Aber jetzt kommt die Rechnung mit 20% Zinsen für die vielen verschuldeten Haushalte. Denn das viele Geld steht in keinem Verhältnis mehr zur realen Wirtschaftsleistung. Also wird es entwertet.
Niemand hat vor eine Mauer zu errichten (Walter Ulbricht)
...und die Mauer wird noch in 50 oder 100 Jahren stehen (Erich Honecker)
z4ubi
Beiträge: 256
Registriert: Di 22. Sep 2015, 20:32

Re: Exzessive Staatsverschuldung ist kein Problem

Beitragvon z4ubi » Mi 17. Apr 2019, 17:35

Alter Stubentiger hat geschrieben:(17 Apr 2019, 14:42)

So gut dass diese Politik 2008 direkt in die Subprime-Krise führte. Da war Geld so billig dass sich jeder Niedriglöhner ein Haus kaufen konnte. Daran sieht man dass es nicht reicht einfach viel Geld auf den Markt zu werfen. Die Folgen sind früher oder später immer katastrophal.


Bessere Bedingungen heißt noch lange nicht, dass es Hauskredite zum Nulltarif gibt. Und wenn doch, dann vielleicht doch auf Vollgeld umstellen?
Benutzeravatar
Alter Stubentiger
Beiträge: 4390
Registriert: Fr 6. Jan 2012, 08:20
Benutzertitel: Sozialdemokrat

Re: Exzessive Staatsverschuldung ist kein Problem

Beitragvon Alter Stubentiger » Mi 17. Apr 2019, 17:55

z4ubi hat geschrieben:(17 Apr 2019, 17:35)

Bessere Bedingungen heißt noch lange nicht, dass es Hauskredite zum Nulltarif gibt. Und wenn doch, dann vielleicht doch auf Vollgeld umstellen?


Vollgeld vielleicht nicht. Aber eine massive Einschränkung des Geldschöpfungsprivilegs der Banken wäre gut. Das würde die Exzesse an den Börsen ziemlich einschränken.
Niemand hat vor eine Mauer zu errichten (Walter Ulbricht)
...und die Mauer wird noch in 50 oder 100 Jahren stehen (Erich Honecker)
Benutzeravatar
franktoast
Beiträge: 3794
Registriert: So 29. Jun 2014, 10:24

Re: Exzessive Staatsverschuldung ist kein Problem

Beitragvon franktoast » Mi 17. Apr 2019, 18:06

Alter Stubentiger hat geschrieben:(17 Apr 2019, 14:43)

Und ohne Staat?

Auch ohne Staat regiert die Mehrheit, wird Regeln aufstellen und die Misachtung bestrafen. Die Frage ist nur wie. Die Idee ist, wenn der Staat heute eine Dienstleistung liefert, die sinnvoll ist, dann wird es auch private Organisationen (egal ob gewinnorientiert oder nicht) geben, die diese bereitstellen. Teilweise geht das ja auch schon. Ein deine Wohnung ausgeraubt wird, bleibt dir nur die private Versicherung. Wenn dein Haus abbrennt auch. Und nein, gewinnorientierte Sicherheitsunternehmen führen keinen Krieg, denn Krieg ist teuer und die Klientel (du und ich) unterstützen keine Kriege. Und zu glauben, ein Bezos oder Gates würden eine private Armee aufstellen, um die Menschheit zu versklaven, weil sie eben Geld haben und es können, ist mehr als babyhaft...
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
Benutzeravatar
franktoast
Beiträge: 3794
Registriert: So 29. Jun 2014, 10:24

Re: Exzessive Staatsverschuldung ist kein Problem

Beitragvon franktoast » Mi 17. Apr 2019, 18:09

z4ubi hat geschrieben:(17 Apr 2019, 13:52)
Nein, Verschuldung suggeriert da gar nichts.
Wenn ich einen Kredit für den Hausbau aufnehme, suggeriere ich auch keinen free-lunch.

Du bezahlst es ja zurück. Die Idee der MMT ist ja, dass der Staat es nie zurück bezahlt und am besten auch keine Zinsen auf den Kredit anfallen.
Hey, der Staat braucht 50Mrd., um die Renten zu erhöhen.
Option A: Der Mineralölsteuer steigt um 1€ pro Liter
Option B: Der Staat nimmt 50Mrd. an Schulden auf, darauf fallen keine Zinsen an, muss nie zurück bezahlt werden.
Option C: Es gibt keine Rentenerhöhung

Welche Option wird beim Wähler besser ankommen?
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
z4ubi
Beiträge: 256
Registriert: Di 22. Sep 2015, 20:32

Re: Exzessive Staatsverschuldung ist kein Problem

Beitragvon z4ubi » Mi 17. Apr 2019, 19:06

franktoast hat geschrieben:(17 Apr 2019, 18:09)

Du bezahlst es ja zurück. Die Idee der MMT ist ja, dass der Staat es nie zurück bezahlt und am besten auch keine Zinsen auf den Kredit anfallen.
Hey, der Staat braucht 50Mrd., um die Renten zu erhöhen.
Option A: Der Mineralölsteuer steigt um 1€ pro Liter
Option B: Der Staat nimmt 50Mrd. an Schulden auf, darauf fallen keine Zinsen an, muss nie zurück bezahlt werden.
Option C: Es gibt keine Rentenerhöhung

Welche Option wird beim Wähler besser ankommen?


Auch in der MMT kann der Staat seine Schulden zurückzahlen. Du ahnst es sicher schon. Durch neue Schulden, Steuern oder beides (lagebedingt).
Ob A oder B die bessere Option ist, hängt auch hier von der gegebenen Lage ab.
Benutzeravatar
Skull
Vorstand
Beiträge: 21280
Registriert: Do 12. Apr 2012, 22:22
Benutzertitel: woaussie
Wohnort: NRW
Kontaktdaten:

Re: Exzessive Staatsverschuldung ist kein Problem

Beitragvon Skull » Do 18. Apr 2019, 12:14

Guten Tag,

einige Beiträge und deren Antworten als themenfremden Spam...entsorgt.
Man dient für Lohn und liebt sich für Geschenke

Zurück zu „1. Wirtschaft“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Majestic-12 [Bot] und 3 Gäste