längere Inkubationszeit - Horizont der Gesellschaftsveränderung

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Der Neandertaler
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längere Inkubationszeit - Horizont der Gesellschaftsveränderung

Beitragvon Der Neandertaler » Fr 15. Mär 2019, 15:22

Nach dem Ende der Ära Adenauer folgte schließlich eine große Koalition unter Kurt Georg Kiesinger. Die FDP ging mit ihren 9,5 Prozent in die Opposition.
Jahre zuvor wurde der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS) als eine Jugendorganisation der SPD gebildet. Er war später Kern der nachfolgenden Außerparlamentarische Opposition (APO). Als ihr wesentliches Teilziel sah die APO an, daß sie eine effektive außerparlamentarische Opposition gegen die Große Koalition von 1966 bilden wollte und mußte - da die seinerzeit einzig verliebene parlamentarische Oppositionspartei ja wenig ausrichten konnte. Im Weiteren verstand sie ihren Protest als Beitrag gegen starre Strukturen.

Tausende Studenten gingen daraufhin in den 1960er Jahren auf die Straße. Die Polizei hatte die deutsche Studentenbewegung zunächst gar nicht auf der Rechnung - griff danach aber umso härter durch.

Nachdem 1967 während der Demonstrationen gegen den Staatsbesuch des persischen Schahs Mohammad Reza Pahlavi der Student Benno Ohnesorg vom Polizisten Karl-Heinz Kurras erschoßen wurde, radikalisierte sich die Studentenbewegung und wurde zunehmend militanter. Den Rest kennen alle:
    aus der Protestbewegung heraus entwickelte sich in den Folgejahren ein zunehmend militanter Teil:
      die erste Generation der RAF.
Letztendlich wollte die Studentenbewegung ... die Protestbewegung einige soziale Reformen und einen längerfristigen kulturellen Wertewandel erreichen.

Gegen die Haltung von Politik in Sachen Klima und für eine bessere Klimapolitik planen hunderttausende junger Menschen dieser Tage in rund 105 Staaten (von Neuseeland bis Brasilien, von Paris bis nach Nigeria) weltweite Aktionen. Ganz im Sinne der 16-jährigen schwedischen Umweltaktivistin Greta Thunberg, die mit ihrem Protest den Anfang gemacht hat, organisieren sie als "die letzte Generation, die noch etwas gegen den Klimawandel ausrichten und katastrophale Folgen verhindern kann" gemeinsame Protest-Aktionen. Sie wollen mit ihren Aktionen lautstark für einen schnellstmöglichen Kohleausstieg demonstrieren. Zuvor trifft die Bewegung sich zu einem Gespräch mit der Kohlekommission.

Während sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Justizministerin Katarina Barley positiv zu den "Fridays for Future"-Demonstrationen äußern, hat die nordrhein-westfälische Landesregierung bisher wenig Verständnis für Proteste während der Unterrichtszeit gezeigt.
Steinmeier:
    Viele der Erwachsenen hätten noch nicht gemerkt, "daß es fünf vor Zwölf ist"
      "Wir brauchen junge Menschen, die sich einmischen"
Merkel:
    "Ich unterstütze sehr, daß Schülerinnen und Schüler für den Klimaschutz auf die Straße gehen und dafür kämpfen"
Katarina Barley:
    "Daß die Jugendlichen jetzt für den Klimaschutz demonstrieren und sich so engagieren, ist doch großartig"
Nun ist nicht zu erwarten, daß Politik ähnlich grob gegen die "Fridays for Future"-Protestler vorgeht, wie seinerzeit gegen die deutsche Studentenbewegung der 1960er Jahre, ... nicht so radikal - viel infamer!

Ministerpräsident Laschet übte im WDR deutliche Kritik an den Protesten. Diese Schüler seien nichts als Schulschwänzer. Das Schulministerium verdeutlichte daraufhin in einem versendeten Brief die Linie der Landesregierung. Tenor:
    es sei glaubwürdiger wenn sich die Schüler und Schülerinnen nach Schulschluß versammeln würden.
Ein Sprecher des Ministeriums sprach auf Nachfrage von einer Dienstanweisung, in ihr wird auf einen Erlaß verwiesen, der das dauernde Fernbleiben vom Unterricht regelt. Es wird somit mit "zwangsweise Zuführung" und "Ordnungswidrigkeitsverfahren" gedroht.

Die Bezirksregierung Düsseldorf hat nun die Schulleiter in Wuppertal gebeten, "zu dokumentieren, wer wegen dieser Demonstration dem Unterricht ferngeblieben ist". Einige Schulleiter sind darüber empört:
    "Wir brauchen die Unterstützung der Bezirksregierung vielmehr bei anderen Problemen." Es wurden nicht alle Schulen im Regierungsbezirk angeschrieben, sondern nur jene in Wuppertal. Als Grund wurde vermerkt, daß seitens des Polizeipräsidiums eine Großdemo erwartet werde.
      Wohlgemerkt:
        Gemeldet waren ca. 1200 Demostrations-Teilnehmer.
Die Bezirksregierung erklärte dazu, daß man mit diesen Zahlen einen Überblick erhalten könne, wie und wo man die Schulleiter unterstützen könne - zum Beispiel: wie ein Schulleiter damit umgehen könne, wenn viele Schüler nicht zum Unterricht erschienen, weil sie an der Fridays for Future-Demo teilnehmen. Auf Nachfrage des WDR wurden dazu aber keine konkreten Angaben gemacht. Die Schüler antworteten: [list]"Nicht mit uns" ... und vefaßten tagsdrauf eine Einladung an Schulministerin Yvonne Gebauer, doch persönlich nach Wuppertal zu kommen - sie könne dann selbst die Demonstranten zählen.

Wenn also 1200 Jugendliche und Schülerinnen und Schüler schon "eine Großdemo" sind, ... wie sollte sich die Polizei der 1960er Jahre gefühlt haben?
"Ich teile Ihre Meinung nicht, ich werde aber bis zu meinem letzten Atemzug kämpfen, daß Sie Ihre Meinung frei äußern können." (Voltaire)
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Re: längere Inkubationszeit - Horizont der Gesellschaftsveränderung

Beitragvon irgendwer » Fr 15. Mär 2019, 19:35

Alte Erfahrungen und neue Gedanken dazu.

Römer 7, Vers 19 Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.

http://www.spiegel.de/lebenundlernen/sc ... 57871.html

In Deutschland soll es also 200 Proteste geben.
Ein paar Protestplakate für Herrn Lindner und seine Partei bitte. Und ein paar Abbildungen von Kindern, die soeben geboren werden, um endlich die vieldiskutierte Frage zu beantworten: Woher kommen wir alle, wir Kinder?

- Einen Nobelpreis für Greta finde ich wirklich gut.
Was sie tut, ist sinnvoller als riesige, teure Lauscher zum Sehen oder Hören in die Weiten des Universums. Wo bitte gibt es Leben in diesem Universum? Welcher Außerirdische kann uns sagen, welche Höhe unsere Hochhäuser auf dem Jupiter haben dürfen, weil wir doch niemals in der Lage sein werden, unser Bevölkerungswachstum zu kontrollieren?
Und weitaus sinnvoller als teures und umweltschädliches Kriegsgerät.

Zur Zeit sehe ich noch Grund für Proteste gegen Fehlentscheidungen. Noch. Sie möchten also dranbleiben und sich nicht einschüchtern oder maßregeln lassen, bis sich das ändert und sie nicht mehr ignoriert werden.
Natürlich: Damit sind auch die anderen Länder bzw. Staaten gemeint, in denen Kinder protestieren. Ich müsste lange nachdenken, ob mir ein Staat einfallen würde, in dem auch an die Kinder der jetzigen Kinder gedacht wird. Und zwar nicht so, dass es immer mehr, immer mehr werden müssen.

Danke Greta und ihr Kinder! Denkt auch gelegentlich über Gott und die Welt nach. Es bedeutet gleichzeitig, über Ursachen nachzudenken und über Ziele.
Sich zu fragen, was man wirklich WILL, Sprüche und Widersprüche zu entdecken, und seien sie nur durch ein kleines Wörtchen wie "sondern" markiert.

http://www.spiegel.de/panorama/frankrei ... 57956.html

"Schweröl ist ausgetreten". Wem gehört dieses selbstaustretende Schweröl?

... "Im nahe der spanischen Grenze liegenden Badeort Biarritz will Präsident Emmanuel Macron im August den Gipfel der sieben großen Industrieländer (G7) ausrichten."

Protestwillige, diesmal könnt ihr zu Hause bleiben. Die Herrscher der Welt erhalten durch Zufall und durch die Natur einen ausreichenden Blick von ihrem Herrensitze direkt auf ihr Werk.
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Quatschki
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Re: längere Inkubationszeit - Horizont der Gesellschaftsveränderung

Beitragvon Quatschki » Fr 15. Mär 2019, 20:11

irgendwer hat geschrieben:(15 Mar 2019, 19:35)


"Schweröl ist ausgetreten". Wem gehört dieses selbstaustretende Schweröl?

... "Im nahe der spanischen Grenze liegenden Badeort Biarritz will Präsident Emmanuel Macron im August den Gipfel der sieben großen Industrieländer (G7) ausrichten."

Protestwillige, diesmal könnt ihr zu Hause bleiben. Die Herrscher der Welt erhalten durch Zufall und durch die Natur einen ausreichenden Blick von ihrem Herrensitze direkt auf ihr Werk.

Es handelt sich um den Treibstoff des Schiffes.
Der wird routiniert beseitigt.
Und im August wird man davon garnichts mehr merken.

Übrigens sind in den Weltkriegen in der Biskaya hunderte Schiffe versenkt worden. Auch viele Tanker. Und ständig wurden irgendwo Wasserbomben geworfen oder Seeminen gelegt oder geräumt, heißt zur Detonation gebracht.
Die Meeresfauna hat sich in diesen Jahren eher erholt. Weil die Fischer nicht rauskonnten!
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Re: längere Inkubationszeit - Horizont der Gesellschaftsveränderung

Beitragvon irgendwer » Fr 15. Mär 2019, 20:59

Quatschki hat geschrieben:(15 Mar 2019, 20:11)

Es handelt sich um den Treibstoff des Schiffes.
Der wird routiniert beseitigt.
Und im August wird man davon garnichts mehr merken.

Übrigens sind in den Weltkriegen in der Biskaya hunderte Schiffe versenkt worden. Auch viele Tanker. Und ständig wurden irgendwo Wasserbomben geworfen oder Seeminen gelegt oder geräumt, heißt zur Detonation gebracht.
Die Meeresfauna hat sich in diesen Jahren eher erholt. Weil die Fischer nicht rauskonnten!


Die Medien reden alle von "Ölpest". Aber nicht nur die sogenannten linken Staatsmedien.
https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96lverschmutzung

Ein Abwiegeln und Denken "Das wird schon wieder, die Natur hilft sich schon selbst." halte ich für falsch. Stell dir nur vor, sämtliche Unternehmen auf der Welt denken und arbeiten genau so wie du.

Kleine Zusatzinformation: Ich habe soeben gelesen, dass auch Kirchen die Kinder bei ihren Demonstrationen unterstützen. Widerstand von Leuten, die glauben "Nach mir die Sintflut" ist zwecklos.

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