Änderung des deutschen Rentensystems

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jorikke
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Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon jorikke » Mo 11. Feb 2019, 09:03

Ich beziehe mich hier ausdrücklich auf den Beitrag von Raskolnikof im SPD Rentenforum, in dem er auf Vorteile des dänischen Systems hinwies. Da gehört, Skull wies darauf hin, dieses Thema nicht hin. Deshalb diese "Neueröffnung."
Zunächst, für mich hört es sich verblüffend gerecht an. Ich war schon immer der Meinung Einkommen im Erwerbsleben richten sich nach eigenen Fähigkeiten, Renteneinkommen sollten einer anderen Bewertung unterliegen.
Kurz und etwas grob begründet:
Wer große Fähigkeiten hat und die einbringt, soll auch groß verdienen. Wer geringere Fähigkeiten hat und deshalb nur geringere Leistungen erbringen kann, muss sich finanziell bescheiden.
Ich unterstelle aber, alle Arbeitnehmer geben 100% ihres Leistungsvermögens. Deshalb empfinde ich es als gerecht, wenn bei Renteneintritt, wo die Rentenhöhe keiner zeitgleichen Leistung mehr zugewiesen werden kann, die 100% honoriert werden.
D.h. die Rentenhöhe sollte gleich sein, Abweichungen nach der Lebensarbeitszeit würde ich akzeptieren.
Dem kommt das dänische Modell recht nahe. (Zumindest nach meinem ersten Eindruck.)
Eins bleibt aber in beiden Systemen bestehen, die Summe der ausgezahlten Renten ist identisch mit den Einnahmen.
Wenn in Dänemark also keine Rentenbeiträge bezahlt werden, müssen die Mittel wohl aus Steuermitteln kommen. Was bedeuten würde, die formal so prächtige Einheitsrente könnte auf der Steuerseite ganz andere Ungerechtigkeiten zeitigen.
Eine techn. Frage:
Wie wäre ein solches Rentensystem auf das Deutsche übertragbar? ( Stichwort Bestandsschutz )
und, ganz banal, bekommt bei Ehepartnern jeder 1.600,- oder gibt es da Abstriche?
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Teeernte
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Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon Teeernte » Mo 11. Feb 2019, 09:19

Erste Säule,

Als Pauschalbeitrag zahlen Arbeitnehmer und Selbständige einen Betrag in Höhe von acht Prozent ihres Arbeitsverdienstes beziehungsweise Gewinns.

Die Höhe dieser Pauschalbeträge hängt von der Wohnsitzdauer in Dänemark und vom Familienstand ab. Der vor dem Rentenbeginn erzielter Verdienst hat keinen Einfluss auf die Höhe der Pauschalbeträge und beeinflusst auch nicht die Höhe Ihrer Rente.

Die volle Rente erhält man, wenn man zwischen dem 15. Geburtstag und dem Beginn der Rente mindestens 40 Jahre in Dänemark gewohnt hat. Die monatliche Rente setzt sich dann aus den folgenden Beträgen zusammen:

dem vollen Grundbetrag in Höhe von 5254 DKK (rund 705 Euro) und
der vollen Rentenzulage in Höhe von 5289 DKK (rund 709 Euro).
Wer weniger als 40 Jahre in Dänemark gewohnt hat, erhält eine anteilige Rente.


Zweite Säule:

Die Altersrente des ATP-Systems (arbejdsmarkedets tillægspension) – einer Pflichtversicherung für Arbeitnehmer - wird parallel zur Volksrente gezahlt.

Die Höhe der ATP-Rente ist abhängig von der Dauer der Beitragszahlung, der Höhe der vom Berechtigten und seinem Arbeitgeber eingezahlten Beiträge, den vom ATP-System erwirtschafteten Erträgen und der durchschnittlichen Lebenserwartung. Im Jahr 2009 betrug der monatliche ATP-Beitrag für alle Vollzeitbeschäftigten unabhängig von ihrem Einkommen 270 DKK (rund 36 Euro). Die ATP-Rente wird je nach Rentenhöhe einmal im Jahr oder monatlich gezahlt.
https://www.vile-netzwerk.de/daenemark/ ... ystem.html

Ob das "GUT" oder Schlecht ist....ein Blick auf das Rentenkonto >> für die MEISTEN ist es GUT - >>....für Versicherungen schlecht. (Viel weniger GESCHÄFT !)
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Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon Skull » Mo 11. Feb 2019, 09:29

Meine Idee und Gedankengang wäre da übrigens folgender...

Ich würde eine Umstellung/Änderung dergestalt wünschen, das man weg von reinen Geldgrössen kommt,
und stärker zu Arbeitszeiten übergehen würde. Das nicht die Einkommenshöhe eine Rolle spielt,
sondern die erbrachte Arbeitszeit.

Das jemand der sein Leben lang Vollzeit arbeiten würde, eben auch eine Vollzeitrente erhalten würde.
Egal ob als Vorstandschef oder Hilfsarbeiter. Und somit es eher auf eine mittlere Maximalrente hinausläuft.
Höherversicherung dann privat oder durch freiwillige Höherversicherung in der gesetzlichen RV.

Ich weiss, das ist eher ein theoretischer Gedanke. Umstellung und Finanzierung eher schwierig.

mfg
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Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon Wolverine » Mo 11. Feb 2019, 10:01

Skull hat geschrieben:(11 Feb 2019, 09:29)

Meine Idee und Gedankengang wäre da übrigens folgender...

Ich würde eine Umstellung/Änderung dergestalt wünschen, das man weg von reinen Geldgrössen kommt,
und stärker zu Arbeitszeiten übergehen würde. Das nicht die Einkommenshöhe eine Rolle spielt,
sondern die erbrachte Arbeitszeit.

Das jemand der sein Leben lang Vollzeit arbeiten würde, eben auch eine Vollzeitrente erhalten würde.
Egal ob als Vorstandschef oder Hilfsarbeiter. Und somit es eher auf eine mittlere Maximalrente hinausläuft.
Höherversicherung dann privat oder durch freiwillige Höherversicherung in der gesetzlichen RV.

Ich weiss, das ist eher ein theoretischer Gedanke. Umstellung und Finanzierung eher schwierig.

mfg


Kein schlechter Vorschlag. Aber ob das zu der BRD passt? Inzwischen müsste doch jeder gemerkt haben, dass am deutschen System nicht alles Gold ist, was glänzt. Mal davon abgesehen, dass die Leute mit fehlenden Beitragsjahren nicht immer "Faulenzer " sind und dass man die auch nicht im Regen stehen lässt. Finanziert werden die auch, dann eben aus anderen Töpfen. Das könnte man doch vereinfachen.
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Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon Skull » Mo 11. Feb 2019, 10:17

Wolverine hat geschrieben:(11 Feb 2019, 10:01)

Kein schlechter Vorschlag. Aber ob das zu der BRD passt?

Inzwischen müsste doch jeder gemerkt haben, dass am deutschen System nicht alles Gold ist, was glänzt.

Ich kenne kein einziges System wo ALLES Gold ist, was glänzt. Du etwa ?

Wolverine hat geschrieben:(11 Feb 2019, 10:01)

Mal davon abgesehen, dass die Leute mit fehlenden Beitragsjahren nicht immer "Faulenzer "
sind und dass man die auch nicht im Regen stehen lässt. Finanziert werden die auch, dann eben aus anderen Töpfen.
Das könnte man doch vereinfachen.

Die Verwendung des Wortes Faulenzer halte ich für völlig daneben.
Und bringt nur wieder Stress in solche Threads. Lasse das doch bitte.

Das man Leistung (und eben auch Lebensleistung) als wesentliche Komponente bei der RV einfliessen und bestehen lässt,
halte ich...für richtig und notwendig. Und eben auch für gerecht.

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Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon Wolverine » Mo 11. Feb 2019, 10:47

Skull hat geschrieben:(11 Feb 2019, 10:17)

Ich kenne kein einziges System wo ALLES Gold ist, was glänzt. Du etwa ?


Die Verwendung des Wortes Faulenzer halte ich für völlig daneben.
Und bringt nur wieder Stress in solche Threads. Lasse das doch bitte.

Das man Leistung (und eben auch Lebensleistung) als wesentliche Komponente bei der RV einfliessen und bestehen lässt,
halte ich...für richtig und notwendig. Und eben auch für gerecht.

mfg


Ich hatte das Wort ************nicht negativ belegt sondern es im Zusammenhang mit evtl. fehlenden Beitragsjahren gebracht und nicht verallgemeinert sondern bezogen auf die individuelle Lebenssituation. Ich bitte meinen Verstoß wohlwollend zu betrachten.
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Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon Skull » Mo 11. Feb 2019, 10:48

Wolverine hat geschrieben:(11 Feb 2019, 10:47)

Ich hatte das Wort ************nicht negativ belegt

Ist klar, das Wort Faulenzer ist ja auch bestimmt allgemein...ganz neutral behaftet. :dead:

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Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon Teeernte » Mo 11. Feb 2019, 11:03

Rente (Deutsch) Bedeutungen:
Altersruhegeld für Arbeiter und Angestellte
https://de.wiktionary.org/wiki/Rente

Jede andere Zuwendung ist "Grusi" oder Sozialgeld .

Die ************** sind in der Regel NICHT-Einzahler in das Sozialsystem.

Wenn man da was ändert - sind das Versicherungsfremde Leistungen - die der Staat über Steuern in das System zusätzlich leisten MUSS.

Die GLEICHMACHEREI - Rentenkürzung und später Anhebung einer Grundsicherung ist ENTEIGNUNG der LEistungsträger.
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Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon jorikke » Mo 11. Feb 2019, 11:04

Wolverine hat geschrieben:(11 Feb 2019, 10:47)

Ich hatte das Wort ************nicht negativ belegt sondern es im Zusammenhang mit evtl. fehlenden Beitragsjahren gebracht und nicht verallgemeinert sondern bezogen auf die individuelle Lebenssituation. Ich bitte meinen Verstoß wohlwollend zu betrachten.


Du hast dich verschrieben.
Drei Sternchen zuviel. :p
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Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon relativ » Mo 11. Feb 2019, 11:08

Skull hat geschrieben:(11 Feb 2019, 09:29)

Meine Idee und Gedankengang wäre da übrigens folgender...

Ich würde eine Umstellung/Änderung dergestalt wünschen, das man weg von reinen Geldgrössen kommt,
und stärker zu Arbeitszeiten übergehen würde. Das nicht die Einkommenshöhe eine Rolle spielt,
sondern die erbrachte Arbeitszeit.

Das jemand der sein Leben lang Vollzeit arbeiten würde, eben auch eine Vollzeitrente erhalten würde.
Egal ob als Vorstandschef oder Hilfsarbeiter. Und somit es eher auf eine mittlere Maximalrente hinausläuft.
Höherversicherung dann privat oder durch freiwillige Höherversicherung in der gesetzlichen RV.

Ich weiss, das ist eher ein theoretischer Gedanke. Umstellung und Finanzierung eher schwierig.

mfg


Das wäre ungefähr auch mein Modell.
Alle zahlen ein, auch je nach Einkommen unterschiedlich hoch, und jeder bekommt unabhängig von Verdienst gesetzliche Rente (Höhe der Rente muss so gestaltet werden, das jeder ohne Aufstockung von Staat seine Lebensabend gestalten kann. Nur Faktoren wie Arbeitszeit (Kinder und Pflege eingerechnet) spielen eine Rolle. Wer mehr Rente will, sorgt Privat vor.
Das Banale braucht man nicht zu schälen.
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Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon Skull » Mo 11. Feb 2019, 11:16

relativ hat geschrieben:(11 Feb 2019, 11:08)

Das wäre ungefähr auch mein Modell.
Alle zahlen ein, auch je nach Einkommen unterschiedlich hoch, und jeder bekommt unabhängig von Verdienst gesetzliche Rente (Höhe der Rente muss so gestaltet werden, das jeder ohne Aufstockung von Staat seine Lebensabend gestalten kann. Nur Faktoren wie Arbeitszeit (Kinder und Pflege eingerechnet) spielen eine Rolle. Wer mehr Rente will, sorgt Privat vor.

guckst Du. :)

Manchmal sind Gedanken...gar nicht so weit voneinander entfernt.

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Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon Wolverine » Mo 11. Feb 2019, 11:23

jorikke hat geschrieben:(11 Feb 2019, 11:04)

Du hast dich verschrieben.
Drei Sternchen zuviel. :p



Danke für die Klarstellung. ;)
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Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon Europa2050 » Mo 11. Feb 2019, 11:28

relativ hat geschrieben:(11 Feb 2019, 11:08)

Das wäre ungefähr auch mein Modell.
Alle zahlen ein, auch je nach Einkommen unterschiedlich hoch, und jeder bekommt unabhängig von Verdienst gesetzliche Rente (Höhe der Rente muss so gestaltet werden, das jeder ohne Aufstockung von Staat seine Lebensabend gestalten kann. Nur Faktoren wie Arbeitszeit (Kinder und Pflege eingerechnet) spielen eine Rolle. Wer mehr Rente will, sorgt Privat vor.


Womit wir dann wieder bei der Lieblingsmelkkuh der Nation wären: dem Bezieher mittlerer und höherer inländischer Lohneinkommen. Der zahlt höhere Beiträge für eine Kasse, aus der er keine entsprechende Rückzahlung bekommt.

Andere Einkommensarten sind wieder außen vor. Wenn schon so ein Modell, dann komplett steuerfinanziert, dann sind alle dabei, und man weiß wenigstens, dass es ein Umlagesystem und keine „Versicherung“ ist. Sozusagen ein BGE für Rentner, wobei da im Detail wahnsinnig viele Ecken und Kanten stecken.
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Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon relativ » Mo 11. Feb 2019, 11:38

Europa2050 hat geschrieben:(11 Feb 2019, 11:28)

Womit wir dann wieder bei der Lieblingsmelkkuh der Nation wären: dem Bezieher mittlerer und höherer inländischer Lohneinkommen. Der zahlt höhere Beiträge für eine Kasse, aus der er keine entsprechende Rückzahlung bekommt.
Diese Modelle ergeben sich doch eigentlich automatisch aus unserem sozialen System. Wie hoch die Unterschiede der Beitragszahlungen gestaltet werden hängt davon ab, wie viel Steuergelder man in so ein System einfließen lassen möchte. Nur Beitragsgebunden wird wohl nicht gehen.

Andere Einkommensarten sind wieder außen vor. Wenn schon so ein Modell, dann komplett steuerfinanziert, dann sind alle dabei, und man weiß wenigstens, dass es ein Umlagesystem und keine „Versicherung“ ist. Sozusagen ein BGE für Rentner, wobei da im Detail wahnsinnig viele Ecken und Kanten stecken.
Das könnte man auch machen, nur dürftest du dann auch um Steuererhöhungen nicht drumrum kommen und dann hängt es auch wieder daran welche Steuer erhöht wird.
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Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon Raskolnikof » Mo 11. Feb 2019, 14:33

jorikke hat geschrieben:(11 Feb 2019, 09:03)

Ich beziehe mich hier ausdrücklich auf den Beitrag von Raskolnikof im SPD Rentenforum, in dem er auf Vorteile des dänischen Systems hinwies. Da gehört, Skull wies darauf hin, dieses Thema nicht hin. Deshalb diese "Neueröffnung."(...) Wenn in Dänemark also keine Rentenbeiträge bezahlt werden, müssen die Mittel wohl aus Steuermitteln kommen. Was bedeuten würde, die formal so prächtige Einheitsrente könnte auf der Steuerseite ganz andere Ungerechtigkeiten zeitigen.
Eine techn. Frage:
Wie wäre ein solches Rentensystem auf das Deutsche übertragbar? ( Stichwort Bestandsschutz )
und, ganz banal, bekommt bei Ehepartnern jeder 1.600,- oder gibt es da Abstriche?

Ja, die Volksrente wird in Dänemark beiden Ehepartnern ohne Abschläge gezahlt. Die im anderen Rententhread genannten ~ 1600 Euro brutto Volksrente gibt es natürlich nur, sofern Mann/Frau mind. 40 Jahre vom dänischen Sozialversicherungssystem erfasst war.
Die Volksrente ist aber nur eine Säule des dänischen Rentensystems und stellt das Grundsicherungssystem im Alter dar. Daneben gibt es noch eine Altersrente (Arbejdsmarkedets Tillægspension) für die je nach Arbeitseinkommen Pflichtbeiträge getätigt werden müssen. Die dritte Säule gibt es dann noch Betriebsrenten die zwar nicht verpflichtend sind aber häufiger als bei uns gewährt werden. Ja und privat ist dann natürlich alles erdenkliche möglich.
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Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon jorikke » Mo 11. Feb 2019, 15:17

Europa2050 hat geschrieben:(11 Feb 2019, 11:28)

Womit wir dann wieder bei der Lieblingsmelkkuh der Nation wären: dem Bezieher mittlerer und höherer inländischer Lohneinkommen. Der zahlt höhere Beiträge für eine Kasse, aus der er keine entsprechende Rückzahlung bekommt.

Andere Einkommensarten sind wieder außen vor. Wenn schon so ein Modell, dann komplett steuerfinanziert, dann sind alle dabei, und man weiß wenigstens, dass es ein Umlagesystem und keine „Versicherung“ ist. Sozusagen ein BGE für Rentner, wobei da im Detail wahnsinnig viele Ecken und Kanten stecken.


Ich glaube, du machst den gleichen Denkfehler den ich auch bei mir beobachtet habe.
Einerseits möchte ich eine annähernd gleich hohe Rente für alle, andererseits soll aber jeder entsprechend seiner Einzahlungen berentet werden.
Deshalb kam mir das dänische Beispiel zunächst vielversprechend vor.
Niemand zahlt in die Rentenversicherung etwas ein und alle bekommen das Gleiche raus.
Also steuerfinanzierte Rente.
Leider ist das wohl Augenwischerei. Da die geringen Einkommen gleichermaßen wenig RV Beiträge bzw. Steuern zahlen, die hohen Einkommen umgekehrt, macht es schlussendlich überhaupt keinen Unterschied ob Beitrags-o. Steuer finanziert.
Die Gesamtsumme die an Renten ausgezahlt wird, muss irgendwoher auch eingezahlt werden. Will man eine gleich hohe Grundrente für alle, muss man das bisherige Äquivalenzprinzip aufweichen. Es mag dann etwas sozialer werden, allerdings durch einerseits Mehrbelastung der Gutverdiener und Bevorteilung der Geringverdiener.
Deshalb würde ich es bei unserem bisherigen System belassen, unsozial niedrige Renten aber steuerfinanziert sponsern.
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Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon Wolverine » Mo 11. Feb 2019, 15:28

jorikke hat geschrieben:(11 Feb 2019, 15:17)

Will man eine gleich hohe Grundrente für alle, muss man das bisherige Äquivalenzprinzip aufweichen. Es mag dann etwas sozialer werden, allerdings durch einerseits Mehrbelastung der Gutverdiener und Bevorteilung der Geringverdiener.
Deshalb würde ich es bei unserem bisherigen System belassen, unsozial niedrige Renten aber steuerfinanziert sponsern.


Das wäre ein guter Vorschlag. So kann es nicht weiter gehen. Das Rentensystem welches ein Herr Blüm noch propagiert hat muss sich auch den neuen Lebensumständen anpassen, den wirtschaftlichen Prozessen und der allgemeinen Situation der Volkswirtschaften. Eine rein über den Beitrag finanzierte Rente ist irgendwie nicht gerecht, denn wie schon angeführt kann man nicht alle selbst dafür verantwortlich machen, wenn z.B. fünf Jahre an Einzahlungen fehlen.
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Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon Wähler » Mo 11. Feb 2019, 17:44

jorikke hat geschrieben:(11 Feb 2019, 15:17)
Deshalb würde ich es bei unserem bisherigen System belassen, unsozial niedrige Renten aber steuerfinanziert sponsern.

Der Vorschlag mit der Grundrente bleibt ja auch im System, wenn die Aufschläge konsequent aus Steuergeldern finanziert werden.
Ein Konzept zur Systemänderung kann nur aus einem Vergleich mit den Rentensystemen in den EU-Nachbarländern entstehen.
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Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon Skull » Mo 11. Feb 2019, 17:47

Wähler hat geschrieben:(11 Feb 2019, 17:44)

Ein Konzept zur Systemänderung kann nur aus einem Vergleich mit den Rentensystemen in den EU-Nachbarländern entstehen.

Aber bitte auch mit steuerlichen Belastungen und anderen Abgaben für Zahlende und Empfänger.
Das macht das ja alles immer so "schön" komplex.

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Re: Änderung des deutschen Rentensystems

Beitragvon Gruwe » Di 12. Feb 2019, 08:24

jorikke hat geschrieben:(11 Feb 2019, 09:03)
Zunächst, für mich hört es sich verblüffend gerecht an. Ich war schon immer der Meinung Einkommen im Erwerbsleben richten sich nach eigenen Fähigkeiten, Renteneinkommen sollten einer anderen Bewertung unterliegen.
Kurz und etwas grob begründet:
Wer große Fähigkeiten hat und die einbringt, soll auch groß verdienen. Wer geringere Fähigkeiten hat und deshalb nur geringere Leistungen erbringen kann, muss sich finanziell bescheiden.
Ich unterstelle aber, alle Arbeitnehmer geben 100% ihres Leistungsvermögens. Deshalb empfinde ich es als gerecht, wenn bei Renteneintritt, wo die Rentenhöhe keiner zeitgleichen Leistung mehr zugewiesen werden kann, die 100% honoriert werden.
D.h. die Rentenhöhe sollte gleich sein, Abweichungen nach der Lebensarbeitszeit würde ich akzeptieren.


Dieser Argumentation kann ich nur in dem Fall folgen, wenn im Erwerbsleben auch jeder nur gleiche Beiträge zahlt.
Sobald aber die Beitragshöhe abhängig ist vom Einkommen, ist diese - und damit auch die Rentenauszahlung - wieder an die Leistung im Erwerbsleben geknüpft.
Ob diese Rente nun zeitgleich oder eben nicht erfolgt, ist unerheblich...zumindest wüsste ich nicht, inwiefern dein Vorschlag sonst "gerecht" sein sollte!



Skull hat geschrieben:(11 Feb 2019, 09:29)
Ich würde eine Umstellung/Änderung dergestalt wünschen, das man weg von reinen Geldgrössen kommt,
und stärker zu Arbeitszeiten übergehen würde. Das nicht die Einkommenshöhe eine Rolle spielt,
sondern die erbrachte Arbeitszeit.


Naja, aber wieso sollte es gerechter sein, nur die reine Arbeitszeit zu zählen und eben nicht auch der jeweilige Beitrag zum System?
Sowohl Arbeitszeit als auch der entsprechende Beitrag je Arbeitszeit wird ja über die Beitragssumme berücksichtigt.


Das jemand der sein Leben lang Vollzeit arbeiten würde, eben auch eine Vollzeitrente erhalten würde.
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Kann ich mir schwer vorstellen!
Was man machen könnte und was ich noch ansatzweise nachvollziehen könnte, wäre ein System, in dem die Rentenpunkte nicht nur danach vergeben werden, wie viel Jemand eingezahlt hat in einem Kalenderjahr, sondern davon abhängig ist, wie viel Rentenpunkte er bereits erworben hat. Diesen Verlauf kann man dann degressiv gestalten.
Verdient Jemand immer genau den Schnitt, würde also pro Jahr 1 Rentenpunkt erhalten, erhält er zu Beginn seiner Einzahlungen (also wenn er noch 0 Punkte hat) eben z.B. 1,25 Punkte. Wenn er bereits 10 Rentenpunkte hat, bekommt er nur noch 1,1 Punkte. Und wenn er bereits 50 Rentenpunkte hat, bekommt er eben nur noch 0,9 Punkte.
So kann man auch, wenn man weniger als den Schnitt verdient ebenfalls über 1 Rentenpunkt im Jahr bekommen, wenn man eben erst 10 Punkte hat.

Das würde ich deutlich gerechter finden als das, was du vorschlägst!

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