Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

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Audi
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Audi » So 26. Jul 2020, 14:02

Maxxy01 hat geschrieben:(25 Jul 2020, 18:30)

Autokratien machen zum Großteil eine verbrecherische Politik. Es gibt keinen Grund das gut zu finden.

Man kann es gut finden oder nicht. Realpolitik interessiert es nicht.
Deswegen lässt man Polen und Ungarn mehr oder weniger in Ruhe.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Atue001 » Mi 29. Jul 2020, 23:33

Lenny hat geschrieben:(23 Jul 2020, 09:22)

Wie beurteilen sie denn als Bildungsbürgerin die unteschiedlichen Renteneintritssalter in den Europäischen Ländern?
Warum arbeiten wir in Deutschland bis 67?


Vielleicht tut ihnen etwas mehr Bildung gut:

- die Deutschen haben weniger Immobilien/Privatbesitz als die Einwohner der südlichen europäischen Länder
- die Deutschen arbeiten deutlich länger als die EInwohner der südlichen europäischen Länder

und warum?
Damit das Geld fleißig zum Fenster rausgeworfen wird und ein paar Euro-Hipster hinstellen können und sagen "ich bin so stolz auf Europa"

und alle paar jahre muss ein "Rettungspaket" geschnürt werden, weil sonst alle pleite sind.
eigentlich seltsam, das die Deutschen da wider jedes bessere Wissen zu wiederholten Male mitmachen.

So wird Europa auf Dauer nicht funktionieren.
Weder werden die südlichen Länder stärker, noch wird Deutschland dieses Niveau beibehalten



Das unterschiedliche Renteneintrittsalter in den europäischen Ländern hat vor allem mit den völlig unterschiedlich organisierten zugehörigen Sozialsystemen zu tun. Bei ausreichender Beschäftigung mit dem Thema wäre das auch ihnen sicherlich zu vermitteln. In Deutschland hat der Gesetzgeber sich dafür entschieden, ein höheres Rentenalter in Kauf zu nehmen, um im Gegenzug höhere Beiträge zur Rentenversicherung vermeiden zu können. Das hätte man auch anders machen können - so wird beispielsweise in Frankreich gesellschaftlich akzeptiert, dass man höhere Beiträge für die Vorsorge zahlt, während man gleichzeitig weiterhin früher in Rente gehen will. Wäre man in Deutschland bereit, auch einen Rentenversicherungsbeitrag von 30% zu akzeptieren? Wäre das gesellschaftlich mehrheitsfähig?

Die Rentenbeiträge haben sehr wenig damit zu tun, was die einzelnen Länder an Beiträgen für den EU-Haushalt zahlen. Da sie hier implizit annehmen, dass dies anders wäre, gehe ich davon aus, dass sie dies auch belegen können - wenn nicht, dann ist das ein Indiz dafür, dass mal wieder aufgrund fehlenden Wissens und fehlender Bildung Schlussfolgerungen akzeptiert und von populistischen Vordenkern übernommen werden, weil letzten Endes Bildung fehlt! Also - entweder Belege beitragen, oder ggf. selbstkritisch nachdenken, ob wirklich die notwendigen Zusammenhänge ausreichend verstanden sind.....

Und die Rettungspakete? Bei ausreichener Bildung wäre ihnen klar, dass Deutschland ganz faktisch von den Rettungspaketen beispielsweise bei Griechenland monetär eine positive Bilanz hat. Faktisch finanziert Griechenland Deutschland mit, weil Deutschland Griechenland einen Kredit gegeben hat......durch diese Kreditsituation gewinnt Deutschland faktisch Millionen im Jahr, was sich über die Jahre auf Milliraden summiert. Ob eine solche positive Bilanz wirklich dem populistischen Kriterium genügt, dass da Geld aus dem Fenster gworfen wird....das ist starker Tobak, der keiner einzigen ernsthaften wissenschaftlichen Prüfung standhält.

Aber Wissenschaft lehnen Populisten ja gerne ab.......

Es gibt tatsächlich gute Gründe, die dazu führen könnten, dass die EU auseinanderbricht - doch entgegen ihrer Erwartungshaltung werden die vor allem dann greifen, wenn Deutschland nicht ausgleichend mehr investiert! Die EU wird auf Dauer nur funktionieren, wenn Deutschland wesentliche Teile der jährlichen Gewinne aus der EU auch wieder in die EU reinvestiert! Das ist derzeit noch viel zu wenig der Fall!


Überprüfen sie ihren Bildungsstand also gerne nochmal - wie genau profitiert Deutschland von der EU, und wie ist dann die Nettobilanz für Deutschland?
Derzeit wäre es für Deutschland faktisch eine Katastrophe, wenn wir auf die EU verzichten würden! Wirtschaftlich wäre das der absolute Abgrund. Ist ihnen das hinreichend klar? Wenn nicht - recherchieren sie mal ein wenig - die Daten dazu sind durchaus öffentlich verfügbar, wer sie also für seine Überlegungen berücksichtigen will, kann dies einfach tun.

Wer darauf verzichtet, weil er niedrige Motive zur Verschleierung der Realität verfolgt - ist halt auch wenig seriös unterwegs.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Orbiter1 » Do 30. Jul 2020, 07:49

Atue001 hat geschrieben:(29 Jul 2020, 23:33)

Und die Rettungspakete? Bei ausreichener Bildung wäre ihnen klar, dass Deutschland ganz faktisch von den Rettungspaketen beispielsweise bei Griechenland monetär eine positive Bilanz hat. Faktisch finanziert Griechenland Deutschland mit, weil Deutschland Griechenland einen Kredit gegeben hat......durch diese Kreditsituation gewinnt Deutschland faktisch Millionen im Jahr, was sich über die Jahre auf Milliraden summiert. Ob eine solche positive Bilanz wirklich dem populistischen Kriterium genügt, dass da Geld aus dem Fenster gworfen wird....das ist starker Tobak, der keiner einzigen ernsthaften wissenschaftlichen Prüfung standhält.
Da sie ja offenbar auf allerhöchstem wissenschaftlichen Niveau unterwegs sind haben sie ja bei der Bilanz der Rettungspakete für Deutschland mit Sicherheit auch die Folgen des Schuldenschnitts aus dem Jahr 2012 berücksichtigt. Der hat den deutschen Steuerzahler über 4 Mrd € gekostet weil die Hypo Real Estate, oder besser ausgedrückt deren Bad Bank, die FMS Wertemanagement seinerzeit griechische Staatsanleihen im Wert von über 8 Mrd € im Depot hatte. https://www.welt.de/wirtschaft/article1 ... ahler.html Auch eine Reihe anderer deutscher Banken hat mit dem Schuldenschnitt Mio an Verluste eingefahren, dementsprechend hat sich ihre Steuerschuld in Deutschland reduziert. Wie sieht denn die Bilanz der Rettungspakete für Deutschland nun aus? Gerne mit wissenschaftlicher Überprüfung.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Atue001 » Sa 1. Aug 2020, 23:31

Orbiter1 hat geschrieben:(30 Jul 2020, 07:49)

Da sie ja offenbar auf allerhöchstem wissenschaftlichen Niveau unterwegs sind haben sie ja bei der Bilanz der Rettungspakete für Deutschland mit Sicherheit auch die Folgen des Schuldenschnitts aus dem Jahr 2012 berücksichtigt. Der hat den deutschen Steuerzahler über 4 Mrd € gekostet weil die Hypo Real Estate, oder besser ausgedrückt deren Bad Bank, die FMS Wertemanagement seinerzeit griechische Staatsanleihen im Wert von über 8 Mrd € im Depot hatte. https://www.welt.de/wirtschaft/article1 ... ahler.html Auch eine Reihe anderer deutscher Banken hat mit dem Schuldenschnitt Mio an Verluste eingefahren, dementsprechend hat sich ihre Steuerschuld in Deutschland reduziert. Wie sieht denn die Bilanz der Rettungspakete für Deutschland nun aus? Gerne mit wissenschaftlicher Überprüfung.


Ihnen wäre es also lieber gewesen, nicht die privaten Gläubiger mit einzubeziehen? Also die, die das Ganze mit verursacht haben? Schlimm genug, dass in Deutschland für das Fehlverhalten der Banken der Steuerzahler aufkommen muss - normalerweise wäre das auch in Deutschland nicht deren Aufgabe! Nur - meinen sie ernsthaft, es wäre billiger gewesen, die genannten Banken einfach pleite gehen zu lassen?

Dazu ist die Rechnung der Welt natürlich auch ganz besonders seriös - spricht sie doch von entgangengen Steuereinnahmen wegen der Wertberichtigungen. So gesehen könnte man der deutschen Wirtschaft Jahr für Jahr missmanagement und Steuerhinterziehung im großen Stil vorwerfen, weil es in Deutschland und auch weltweit kein einziges Unternehmen gibt, welches nicht hätte produktiver sein können. Wären die Unternehmen produktiver, würden sie höhere Gewinne abwerfen, und die Steuerquellen würden ins unermessliche sprudeln.....so gesehen - wäre ihr Tipp also lieber die Wirtschaft abzuschreiben?

Bleiben wir auf ihrem wissenschaftlichen Niveau, und überprüfen mal auch mit derselben Zeitung.....
https://www.welt.de/wirtschaft/article177927368/Griechenland-Rettung-Deutschland-verdiente-an-Zinsgewinnen-fast-drei-Milliarden.html

Das war 2018 - inzwischen laufen die Kredite weiter und werden bedient - der Betrag dürfte inzwischen um einiges höher liegen.
Nun rechnen sie nochmals gegen.....fällt ihnen was auf?
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon schokoschendrezki » So 2. Aug 2020, 18:01

Bis kommenden Mittwoch, 5. August muss eigentlich die EZB sich für das vom Bundesverfassungsgericht bemängelte Anleiheprogramm rechtfertigen. Eigentlich. Denn inzwischen hat die Bundesregierung und der Bundestag dieses Programm als rechtens angesehen. Aber wiederum eigentlich stehen weder Bundesregierung noch Bundestag über dem Verfassungsgericht. CSU-Politiker Gauweiler z.B. besteht auf eine fristgerechte Rechtfertigung. Komme diese nicht, müsse die Bundesbank eigentlich aussteigen. Es ist unwahrscheinlich bis unmöglich, dass es soweit kommt. Aber an und für sich wäre dies der Anfang vom Ende der EU.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Fliege » So 2. Aug 2020, 18:18

schokoschendrezki hat geschrieben:(02 Aug 2020, 18:01)
Bis kommenden Mittwoch, 5. August muss eigentlich die EZB sich für das vom Bundesverfassungsgericht bemängelte Anleiheprogramm rechtfertigen. Eigentlich. Denn inzwischen hat die Bundesregierung und der Bundestag dieses Programm als rechtens angesehen. Aber wiederum eigentlich stehen weder Bundesregierung noch Bundestag über dem Verfassungsgericht. CSU-Politiker Gauweiler z.B. besteht auf eine fristgerechte Rechtfertigung. Komme diese nicht, müsse die Bundesbank eigentlich aussteigen. Es ist unwahrscheinlich bis unmöglich, dass es soweit kommt. Aber an und für sich wäre dies der Anfang vom Ende der EU.

Ja, die EU ist leider politisch und finanziell an den Baum gefahren worden. Das EZB-Problem macht dies besonders plastisch.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon schokoschendrezki » So 2. Aug 2020, 19:31

Fliege hat geschrieben:(02 Aug 2020, 18:18)

Ja, die EU ist leider politisch und finanziell an den Baum gefahren worden. Das EZB-Problem macht dies besonders plastisch.

Ja. Im Konjunktiv allerdings.

Der Stand in der Angelegenheit EZB vs. Bundesverfassungsgericht ist der, dass die EZB den geforderten Erklärungen eigentlich nachgekommen ist und dem Bundestag entsprechende Unterlagen zukommen ließ.Die sind allerdings z.T. geheim und der Öffentlichkeit insofern nicht zugänglich, als dass Abgeordnete sie zwar einsehen aber nicht daraus zitieren dürfen. U.a. Lucke und Gauweiler haben nun (ich glaube am Freitag) einen Antrag auf eine Vollstreckungsanordnung gestellt. Mit der diese Unterlagen öffentlich gemacht werden sollen. Kaum jemand glaubt, dass das noch irgendetwas an der Sachlage ändern wird. Aber man hat sich halt für die Sache des Volks bis zuletzt mutig in die Bresche geworfen. :rolleyes:

Dennoch: die ganze Rechtslage. Das Wirrwarr zwischem nationalen Recht und EU-Recht ... ein gutes Licht auf die EU wirft das nicht gerade.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Fliege » So 2. Aug 2020, 20:44

schokoschendrezki hat geschrieben:(02 Aug 2020, 19:31)
Ja. Im Konjunktiv allerdings.

Der Stand in der Angelegenheit EZB vs. Bundesverfassungsgericht ist der, dass die EZB den geforderten Erklärungen eigentlich nachgekommen ist und dem Bundestag entsprechende Unterlagen zukommen ließ.
Die sind allerdings z.T. geheim und der Öffentlichkeit insofern nicht zugänglich, als dass Abgeordnete sie zwar einsehen aber nicht daraus zitieren dürfen. U.a. Lucke und Gauweiler haben nun (ich glaube am Freitag) einen Antrag auf eine Vollstreckungsanordnung gestellt. Mit der diese Unterlagen öffentlich gemacht werden sollen. Kaum jemand glaubt, dass das noch irgendetwas an der Sachlage ändern wird. Aber man hat sich halt für die Sache des Volks bis zuletzt mutig in die Bresche geworfen. :rolleyes:

Dennoch: die ganze Rechtslage. Das Wirrwarr zwischem nationalen Recht und EU-Recht ... ein gutes Licht auf die EU wirft das nicht gerade.

Glaubst du ungeprüft, was die EZB erzählt? Ich tue das nicht.

(Und ich glaube auch nicht ungeprüft, was die Bundesregierung in dieser Angelegenheit verlautbart. Zudem sind Gauweiler und dessen Prozessbevollmächtigten Murswiek, wie du sagst, noch nicht alle Unterlagen zugestellt worden, die die EZB bei der Bundesregierung eingereicht hat. Die bisher bekannten Unterlagen sollen unzureichend im Sinne des Bundesverfassungsgerichtsurteils sein, so dass Murswiek zu der Formulierung fand, die Bundesregierung verhöhne das Verfassungsgericht, wenn sie der EZB eine Freisprechung erteile.)

Ja, ein gutes Licht auf die EU und deren Verhältnis zur Bundesrepublik Deutschland wirft das nicht.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon H2O » Mo 3. Aug 2020, 07:05

Merkwürdige Gedankengänge: Die EU und die Bundesrepublik sind so eng miteinander verzwirbelt, daß ganz natürlich die bestehenden Regelwerke dieser Entwicklung nicht folgen konnten. Also wird man das Grundgesetz so ändern müssen, daß es zum europäischen Recht paßt. Ich glaube auch nicht, daß Bundesrichter die Entwicklung der EU behindern möchten. Also nachbessern... möglichst auch auf der Seite der EU.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Fliege » Mo 3. Aug 2020, 13:56

H2O hat geschrieben:(03 Aug 2020, 07:05)
Merkwürdige Gedankengänge: Die EU und die Bundesrepublik sind so eng miteinander verzwirbelt, daß ganz natürlich die bestehenden Regelwerke dieser Entwicklung nicht folgen konnten. Also wird man das Grundgesetz so ändern müssen, daß es zum europäischen Recht paßt. Ich glaube auch nicht, daß Bundesrichter die Entwicklung der EU behindern möchten. Also nachbessern... möglichst auch auf der Seite der EU.

Da die Bundesrepublik Deutschland ein souveräner Staat ist (siehe Jura-Portal: "Die Bundesrepublik Deutschland ist abgesehen von den (revidierbaren) Kompetenzübertragungen an die EU selbstverständlich ein vollständig souveräner Staat") und die EU eine Vertragsgemeinschaft souveräner Staaten (siehe EU-Vertrag, Artikel 50: "Jeder Mitgliedstaat kann im Einklang mit seinen verfassungsrechtlichen Vorschriften beschließen, aus der Union auszutreten"), hat EU-Recht der deutschen Verfassung (Grundgesetz) zu entsprechen (und nicht umgekehrt).
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Senexx » Mo 3. Aug 2020, 14:06

Fliege hat geschrieben:(03 Aug 2020, 13:56)

Da die Bundesrepublik Deutschland ein souveräner Staat ist (siehe Jura-Portal: "Die Bundesrepublik Deutschland ist abgesehen von den (revidierbaren) Kompetenzübertragungen an die EU selbstverständlich ein vollständig souveräner Staat") und die EU eine Vertragsgemeinschaft souveräner Staaten (siehe EU-Vertrag, Artikel 50: "Jeder Mitgliedstaat kann im Einklang mit seinen verfassungsrechtlichen Vorschriften beschließen, aus der Union auszutreten"), hat EU-Recht der deutschen Verfassung (Grundgesetz) zu entsprechen (und nicht umgekehrt).

H2O wünscht sich ja auch, "Durchgriffssrechte der EU" in die Haushalte der Mitgliedsländer". Etwas, was es ja nicht einmal innerhalb Deutschlands gibt.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Fliege » Mo 3. Aug 2020, 14:37

Senexx hat geschrieben:(03 Aug 2020, 14:06)
H2O wünscht sich ja auch, "Durchgriffssrechte der EU" in die Haushalte der Mitgliedsländer". Etwas, was es ja nicht einmal innerhalb Deutschlands gibt.

Mit souveränen EU-Mitgliedsstaaten in einer Vertragsgemeinschaft gehen "Durchgriffsrechts der EU in die Haushalte der Mitgliedsländer" so gar nicht. Und einer EU im derzeitigen Zustand, die sich ans "Arbeiten" mit Regelverletzungen gewöhnt hat, würde ich eher Rechte wegnehmen, als weitere Rechte übertragen.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon H2O » Mo 3. Aug 2020, 14:45

Das mag ja alles Ihrem gesunden Staatsempfinden entsprechen. Ich möchte eben gern noch einen europäischen Bundesstaat mit weitgehend harmonisierten Regelwerken erleben. Den wollen Sie nicht haben. Aber solche Fragen werden im Laufe der Zeit mit politischen Mehrheiten in Wahlen entschieden. Ich hoffe, daß Deutschland diese vertiefte Integration der Regionen der EU fördert und sie zum Staatsziel erklärt.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Senexx » Mo 3. Aug 2020, 14:52

H2O hat geschrieben:(03 Aug 2020, 14:45)

Das mag ja alles Ihrem gesunden Staatsempfinden entsprechen. Ich möchte eben gern noch einen europäischen Bundesstaat mit weitgehend harmonisierten Regelwerken erleben. Den wollen Sie nicht haben. Aber solche Fragen werden im Laufe der Zeit mit politischen Mehrheiten in Wahlen entschieden. Ich hoffe, daß Deutschland diese vertiefte Integration der Regionen der EU fördert und sie zum Staatsziel erklärt.

Ihre Vorstellungen widersprechen dem Geist des Grundgesetzes, welche eine föderale Ordnung und das Prinzip der Subsidiarität zugrunde legt.

Andere EU-Staaten sollte dem endlich folgen und sich föderalisieren.

Die Überlegenheit unseres föderalen Systems konnte man gerade wieder in der Coronakrise sehen.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Fliege » Mo 3. Aug 2020, 15:02

H2O hat geschrieben:(03 Aug 2020, 14:45)
Das mag ja alles Ihrem gesunden Staatsempfinden entsprechen. Ich möchte eben gern noch einen europäischen Bundesstaat mit weitgehend harmonisierten Regelwerken erleben. Den wollen Sie nicht haben. Aber solche Fragen werden im Laufe der Zeit mit politischen Mehrheiten in Wahlen entschieden. Ich hoffe, daß Deutschland diese vertiefte Integration der Regionen der EU fördert und sie zum Staatsziel erklärt.

Die Briten machen schon längst nicht mehr mit bei einem EU-Bundesstaat mit Durchgriffsrechten in die Bundesstaaten, die fünf Sparsamen (Niederländer, Dänen, Schweden, Finnen, Österreicher) wollen nicht, die Migrationsunwilligen (vom Baltikum bis Ungarn) ebenfalls nicht. Von daher sehe ich keine Chance für einen Vertrag zur Errichtung eines EU-Bundesstaates. Da können die Deutschen ihr Grundgesetz so sehr ändern (verhunzen), wie sie wollen.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon H2O » Mo 3. Aug 2020, 15:07

Senexx hat geschrieben:(03 Aug 2020, 14:52)

Ihre Vorstellungen widersprechen dem Geist des Grundgesetzes, welche eine föderale Ordnung und das Prinzip der Subsidiarität zugrunde legt.

Andere EU-Staaten sollte dem endlich folgen und sich föderalisieren.

Die Überlegenheit unseres föderalen Systems konnte man gerade wieder in der Coronakrise sehen.


Dann zeigen Sie mir bitte, wo ich die bundesstaatliche Ordnung unseres Landes anzweifele oder gar beseitigen möchte! Europa kann ich mir anders gar nicht vorstellen als bundesstaatlich geordnet; möglichst sogar in Regionen aufgeteilt. Aber das ist der letzte Schritt. Zuvor muß die nationalstaatliche Souveränität freiwillig und durch politische Wahlen auf eine gemeinsame europäische Regierung und einen gemeinsamen europäischen Gesetzgeber (EU-Parlament) über gehen.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Senexx » Mo 3. Aug 2020, 15:12

H2O hat geschrieben:(03 Aug 2020, 15:07)

Dann zeigen Sie mir bitte, wo ich die bundesstaatliche Ordnung unseres Landes anzweifele oder gar beseitigen möchte! Europa kann ich mir anders gar nicht vorstellen als bundesstaatlich geordnet; möglichst sogar in Regionen aufgeteilt. Aber das ist der letzte Schritt. Zuvor muß die nationalstaatliche Souveränität freiwillig und durch politische Wahlen auf eine gemeinsame europäische Regierung und einen gemeinsamen europäischen Gesetzgeber (EU-Parlament) über gehen.

Gerade jetzt wieder.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon H2O » Mo 3. Aug 2020, 15:27

Fliege hat geschrieben:(03 Aug 2020, 15:02)

Die Briten machen schon längst nicht mehr mit bei einem EU-Bundesstaat mit Durchgriffsrechten in die Bundesstaaten, die fünf Sparsamen (Niederländer, Dänen, Schweden, Finnen, Österreicher) wollen nicht, die Migrationsunwilligen (vom Baltikum bis Ungarn) ebenfalls nicht. Von daher sehe ich keine Chance für einen Vertrag zur Errichtung eines EU-Bundesstaates. Da können die Deutschen ihr Grundgesetz so sehr ändern (verhunzen), wie sie wollen.


Ich ahne es: Ein Europa auf dem Stand der souveränen Nationalstaaten soll es sein. Irgendwann so glücklich, wie es jetzt schon die Briten geworden sind.

Das Gegenprogramm ist nun einmal die europäische Einigung. Und die gilt es aus zu bauen und Zukunftsschritte zu überlegen. Darum müssen die europäischen Partner ringen, um die Form zu finden, die den Wünschen der Europäer weitgehend nahe kommt. Darüber entscheiden aber keine nationalen Juristen, sondern Wähler in vielen Wahlen. Nicht die Form bestimmt die Funktion, sondern umgekehrt prägt die Funktion
schließlich eine gemeinsame Form.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Senexx » Mo 3. Aug 2020, 16:46

H2O hat geschrieben:(03 Aug 2020, 15:27)

Ich ahne es: Ein Europa auf dem Stand der souveränen Nationalstaaten soll es sein. Irgendwann so glücklich, wie es jetzt schon die Briten geworden sind.

Das Gegenprogramm ist nun einmal die europäische Einigung. Und die gilt es aus zu bauen und Zukunftsschritte zu überlegen. Darum müssen die europäischen Partner ringen, um die Form zu finden, die den Wünschen der Europäer weitgehend nahe kommt. Darüber entscheiden aber keine nationalen Juristen, sondern Wähler in vielen Wahlen. Nicht die Form bestimmt die Funktion, sondern umgekehrt prägt die Funktion
schließlich eine gemeinsame Form.

Zum Glück entscheidet darüber der Wähler und nicht das Hinterzimmer.

Und ich bin optimistisch, dass die Zentralisten gebremst werden.
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Re: Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

Beitragvon Wähler » Mo 3. Aug 2020, 18:18

H2O hat geschrieben:(03 Aug 2020, 15:27)
Ich ahne es: Ein Europa auf dem Stand der souveränen Nationalstaaten soll es sein. Irgendwann so glücklich, wie es jetzt schon die Briten geworden sind.
Das Gegenprogramm ist nun einmal die europäische Einigung. Und die gilt es aus zu bauen und Zukunftsschritte zu überlegen.

Der Vertrag von Lissabon ermöglich ja auf vielen Politikfeldern eine stärkere Integration der EU-Mitgliedsstaaten. Die Bürger in den einzelnen EU-Mitgliedsstaaten wollen allerdings im Durchschnitt auch Fortschritte erkennen können. Eine Fiskalunion und eine stärk koordinierte Wirtschaftspolitik können den Binnenmarkt wieder aus der Corona-Krise heraus und nach vorne bringen. Warten wir also ein Jahr ab, um die wirtschaftliche, innen- und außenpolitische Entwicklung der EU besser beurteilen zu können. Dann können nächste Integrationsschritte folgen.
Zeitungstexte bei Genios mit Bibliotheksausweis kostenlos: https://www.wiso-net.de/login?targetUrl=%2Fdosearch (Zugang auch bundesweit)

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