Blick nach Estland

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Blick nach Estland

Beitragvon imp » Fr 20. Okt 2017, 07:25

Hallo, mir ist aufgefallen, dass es über das sympathische kleine Euroland an der Narva noch keinen eigenen Thread gibt.
Hier also wahllos Themen zu unserem digital starken Nachbarn, der schon WLAN im Bus hatte, als man im ICE noch nicht mal richtig telefonieren konnte.

Hart getroffen wird Estland leider dieser Tage von einer Sicherheitslücke im digitalen Ausweis. Die seit 2014 ausgegebenen Chipkarten verwenden eine vom deutschen Konzern Infineon entwickelte Sicherheitssoftware für RSA-Verschlüsselung. In dieser Software, die auch in den beliebten Lenovo Thinkpads im TPM-Chip verwendet wird, wurden nun kritische Fehler entdeckt. Wie russische Sicherheitsforscher, aber auch deutsche Experten einhellig bestätigen, sinkt durch diese Lücke der Rechenaufwand für die Entschlüsselung der Daten auf der Karte um mehrere Größenordnungen, sodass Identitätsdiebstahl leicht möglich wird. Infineon hat bereits ein Update zur Verfügung gestellt, das Lenovo für seine Geräte angepasst herausgegeben hat. Viele Embedded-Hersteller, etwa von Anlagensteuerungen, überprüfen derzeit, ob die fragliche Softwareversion auf verbauten Chips im Einsatz ist. Viele unterlassen das auch, was gerade in sicherheitskritischen Bereichen ein Problem werden kann. Die estnischen Ausweise lassen sich laut Experten nicht ohne weiteres aktualisieren - sie werden wohl neu ausgegeben werden müssen. Ca 750.000 Bürger sind betroffen.


https://cve.mitre.org/cgi-bin/cvename.cgi?name=CVE-2017-15361

Estland ist 1990 quasi mit einem Neuaufbau von Verwaltung und IT-Netz gestartet und lebt daher mit weniger Altlasten als klassische Technologiestandorte wie Deutschland. Das Land hat schon vor der Euro-Einführung beachtliche Wachstumsraten hingelegt. Ich bin selbst gern dort gewesen. Viele Esten sprechen deutsch, unter jungen Esten ist auch Englisch sehr verbreitet. Die russische Minderheit lebt teilweise isoliert und ist in gesellschaftlichen Positionen unterrepräsentiert, was man aber nicht allein auf Bildungsniveau und Spracherwerb zurückführen kann. Laut EU erfüllt Estland alle relevanten Auflagen zum Schutz von Minderheitenrechten.
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Re: Blick nach Estland

Beitragvon Kritikaster » Fr 20. Okt 2017, 17:11

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(20 Oct 2017, 08:25)

Hallo, mir ist aufgefallen, dass es über das sympathische kleine Euroland an der Narva noch keinen eigenen Thread gibt.
Hier also wahllos Themen zu unserem digital starken Nachbarn, der schon WLAN im Bus hatte, als man im ICE noch nicht mal richtig telefonieren konnte.

Hart getroffen wird Estland leider dieser Tage von einer Sicherheitslücke im digitalen Ausweis. Die seit 2014 ausgegebenen Chipkarten verwenden eine vom deutschen Konzern Infineon entwickelte Sicherheitssoftware für RSA-Verschlüsselung. In dieser Software, die auch in den beliebten Lenovo Thinkpads im TPM-Chip verwendet wird, wurden nun kritische Fehler entdeckt. Wie russische Sicherheitsforscher, aber auch deutsche Experten einhellig bestätigen, sinkt durch diese Lücke der Rechenaufwand für die Entschlüsselung der Daten auf der Karte um mehrere Größenordnungen, sodass Identitätsdiebstahl leicht möglich wird. Infineon hat bereits ein Update zur Verfügung gestellt, das Lenovo für seine Geräte angepasst herausgegeben hat. Viele Embedded-Hersteller, etwa von Anlagensteuerungen, überprüfen derzeit, ob die fragliche Softwareversion auf verbauten Chips im Einsatz ist. Viele unterlassen das auch, was gerade in sicherheitskritischen Bereichen ein Problem werden kann. Die estnischen Ausweise lassen sich laut Experten nicht ohne weiteres aktualisieren - sie werden wohl neu ausgegeben werden müssen. Ca 750.000 Bürger sind betroffen.

https://cve.mitre.org/cgi-bin/cvename.cgi?name=CVE-2017-15361

Estland ist 1990 quasi mit einem Neuaufbau von Verwaltung und IT-Netz gestartet und lebt daher mit weniger Altlasten als klassische Technologiestandorte wie Deutschland. Das Land hat schon vor der Euro-Einführung beachtliche Wachstumsraten hingelegt. Ich bin selbst gern dort gewesen. Viele Esten sprechen deutsch, unter jungen Esten ist auch Englisch sehr verbreitet. Die russische Minderheit lebt teilweise isoliert und ist in gesellschaftlichen Positionen unterrepräsentiert, was man aber nicht allein auf Bildungsniveau und Spracherwerb zurückführen kann. Laut EU erfüllt Estland alle relevanten Auflagen zum Schutz von Minderheitenrechten.

Mit Blick auf die baltischen Staaten insgesamt liest man häufig den Propagandavorwurf, der dort lebenden russischstämmigen Minderheit würde gezielt der Zugang zu bestimmten Berufen verwehrt oder auch das Wahlrecht vorenthalten.

In der Realität sieht es aber so aus, dass es jedem Russischstämmigen frei steht, sich beispielsweise für die estnische Staatsbürgerschaft zu entscheiden. Wer dies nicht tut, entscheidet sich gezielt und selbstbestimmt für den Verzicht auf volle Gleichstellung mit den sonstigen Esten.
Der am höchsten entwickelte Sinn ist der Unsinn. (Peter E. Schumacher)
Wo der Sinn aufhört, beginnt der Wahnsinn. (Erhard Horst Bellermann)
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Re: Blick nach Estland

Beitragvon unity in diversity » Fr 20. Okt 2017, 17:23

Kritikaster hat geschrieben:(20 Oct 2017, 18:11)

Mit Blick auf die baltischen Staaten insgesamt liest man häufig den Propagandavorwurf, der dort lebenden russischstämmigen Minderheit würde gezielt der Zugang zu bestimmten Berufen verwehrt oder auch das Wahlrecht vorenthalten.

In der Realität sieht es aber so aus, dass es jedem Russischstämmigen frei steht, sich beispielsweise für die estnische Staatsbürgerschaft zu entscheiden. Wer dies nicht tut, entscheidet sich gezielt und selbstbestimmt für den Verzicht auf volle Gleichstellung mit den sonstigen Esten.

Hört sich irgendwie nach Apartheid an.
Ich dachte, dieser Unsinn sei nicht mehr demokratiekompatibel.
Vielleicht gibt es Doppelpaßmöglichkeiten?
Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze:
Den Falschen und den Unsrigen.
Aus den USA.
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Re: Blick nach Estland

Beitragvon Kritikaster » Fr 20. Okt 2017, 17:37

unity in diversity hat geschrieben:(20 Oct 2017, 18:23)

Hört sich irgendwie nach Apartheid an.
Ich dachte, dieser Unsinn sei nicht mehr demokratiekompatibel.
Vielleicht gibt es Doppelpaßmöglichkeiten?

Nein. Zu allen 3 Punkten übrigens.

Apartheid ist ein blödsinniger Vorwurf, da die Betroffenen die freie Wahlmöglichkeit haben, ihren Status zu ändern.
Dieser "Unsinn" ist, sogar völkerrechtlich geregelt, absolut zulässig und demokratiekompatibel.
Doppelpaß ist nicht vorgesehen. DEN Unsinn muss nun wirklich nicht jeder nachmachen.

Lies Dich mal ein wenig ins Thema ein: https://www.bundestag.de/blob/502250/65 ... f-data.pdf
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Re: Blick nach Estland

Beitragvon imp » Fr 20. Okt 2017, 17:57

Kritikaster hat geschrieben:(20 Oct 2017, 18:37)

Nein. Zu allen 3 Punkten übrigens.

Apartheid ist ein bködsinniger Vorwurf, da die Betroffenen die freie Wahlmöglichkeit haben, ihren Status zu ändern.
Dieser "Unsinn" ist, sogar völkerrechtlich geregelt, absolut zulässig und demokratiekompatibel.
Doppelpaß ist nicht vorgesehen. DEN Unsinn muss nun wirklich nicht jeder nachmachen.

Lies Dich mal ein wenig ins Thema ein: https://www.bundestag.de/blob/502250/65 ... f-data.pdf

In Israel kannst du neben dem israelischen Pass so viele andere haben wie die anderen Länder zulassen. Finde ich praktisch. Dass die Bürger überhaupt den estnischen Pass beantragen müssen, finde ich etwas unglücklich. Das Problem wird sich aber irgendwann reduzieren. Ich würde vorsichtig sein, Esten gegenüber von "den Baltenstaaten" oder ähnlichem zu reden. Das ist nicht Benelux. Vielen Esten ist Finnland gedanklich näher oder präsenter als Litauen. Was mich bei meinen Reisen etwas verwundert hat, ist ein etwas bedenkenloser Umgang mit der Ns-Vergangenheit in Denkmälern, Gedenktafeln, aber auch im kleineren Gespräch. Man darf das nicht mit einer politisch rechten Orientierung verwechseln. Zumindest die Leute, die mir begegneten, waren recht liberal und EU-affin, aber auch nicht sooo russenkritisch, wie der gemeine Zeitungsleser sich das vielleicht vorstellt. Freilich sollte man nicht jeden erstbesten auf russisch anreden. Das würde manche dann doch irritieren. Ein interessantes kleines Land, das ich im Sommer auch jungen Touristen empfehlen kann.
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Re: Blick nach Estland

Beitragvon Ebiker » Fr 20. Okt 2017, 18:41

Traditionsbewußt ist der Este. Da marschieren gerne mal Veteranen der estnischen SS- Verbände zum Jahrestag diverser Schlachten auf.
Eine interessante Kunstszene gibts da auch. Wobei ein Video fangen spielender nackter Gefangener in einer Gaskammer hierzulande eher auf Unverständnis stoßen dürfte.
Und kreative Werbefirmen, als Gasinstallationsfirma mit Auschwitzbildern oder Schlankheitspillen mit Buchenwaldbildern zu bewerben bietet sich thematisch doch irgendwie an. Jedenfalls für Esten. Fürwar ein buntes Völkchen.
Eines Tages werden Millionen Menschen die südliche Hemisphäre verlassen, um in der nördlichen Hemisphäre einzufallen. Und sie werden sie erobern, indem sie sie mit ihren Kindern bevölkern.
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Re: Blick nach Estland

Beitragvon imp » Do 26. Okt 2017, 11:59

http://www.zeit.de/kultur/2017-10/estla ... cy-10nach8 estland wirbt weltweit um Millionenzuwachs.
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Re: Blick nach Estland

Beitragvon imp » Sa 28. Okt 2017, 12:59

Estland schließt Kommunal- und Verwaltungsreform erfolgreich ab. http://m.baltictimes.com/article/jcms/id/139875/
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Re: Blick nach Estland

Beitragvon Europa2050 » Mo 4. Mär 2019, 13:04

Liberale gewinnen Parlamentswahl in Estland !

Das ist doch mal ein Grund, zu gratulieren.
Nationalismus lehrt Dich,
stolz auf Dinge zu sein, die Du nie getan hast und
Leute zu hassen, denen Du nie begegnet bist.
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Re: Blick nach Estland

Beitragvon imp » Mo 4. Mär 2019, 13:23

Europa2050 hat geschrieben:(04 Mar 2019, 13:04)

Liberale gewinnen Parlamentswahl in Estland !

Das ist doch mal ein Grund, zu gratulieren.

Das ist eine gute Sache. Die EU-Hetzer haben leider auch ihre Punkte gemacht. Insgesamt ist Estland in sehr vielen Fragen auf einem guten Weg.
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Re: Blick nach Estland

Beitragvon Europa2050 » Mo 4. Mär 2019, 13:28

imp hat geschrieben:(04 Mar 2019, 13:23)

Das ist eine gute Sache. Die EU-Hetzer haben leider auch ihre Punkte gemacht. Insgesamt ist Estland in sehr vielen Fragen auf einem guten Weg.


Ja, ok, die unvermeidlichen. Aber unter 20% Nationalisten ist doch für Ex-UdSSR, sogar für Ex-ComeCon ein starkes Zeichen, dass die Esten ihre Zukunft aktiv und positiv angehen.

Und eine 40-jährige Regierungschefin ist allemal zukunftsfähiger als über 70jährige verbitterte Gestrige.
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Re: Blick nach Estland

Beitragvon imp » Mo 4. Mär 2019, 13:37

Europa2050 hat geschrieben:(04 Mar 2019, 13:28)

Ja, ok, die unvermeidlichen. Aber unter 20% Nationalisten ist doch für Ex-UdSSR, sogar für Ex-ComeCon ein starkes Zeichen, dass die Esten ihre Zukunft aktiv und positiv angehen.

Und eine 40-jährige Regierungschefin ist allemal zukunftsfähiger als über 70jährige verbitterte Gestrige.

Darüber wirst du von mir keine Klagen hören :)
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Re: Blick nach Estland

Beitragvon odiug » Mo 4. Mär 2019, 13:56

imp hat geschrieben:(20 Oct 2017, 18:57)

In Israel kannst du neben dem israelischen Pass so viele andere haben wie die anderen Länder zulassen. Finde ich praktisch. Dass die Bürger überhaupt den estnischen Pass beantragen müssen, finde ich etwas unglücklich. Das Problem wird sich aber irgendwann reduzieren. Ich würde vorsichtig sein, Esten gegenüber von "den Baltenstaaten" oder ähnlichem zu reden. Das ist nicht Benelux. Vielen Esten ist Finnland gedanklich näher oder präsenter als Litauen. Was mich bei meinen Reisen etwas verwundert hat, ist ein etwas bedenkenloser Umgang mit der Ns-Vergangenheit in Denkmälern, Gedenktafeln, aber auch im kleineren Gespräch. Man darf das nicht mit einer politisch rechten Orientierung verwechseln. Zumindest die Leute, die mir begegneten, waren recht liberal und EU-affin, aber auch nicht sooo russenkritisch, wie der gemeine Zeitungsleser sich das vielleicht vorstellt. Freilich sollte man nicht jeden erstbesten auf russisch anreden. Das würde manche dann doch irritieren. Ein interessantes kleines Land, das ich im Sommer auch jungen Touristen empfehlen kann.

Das sind die Spätfolgen der russischen Umsiedlungspolitik aus den Zeiten der UdSSR.
Russland, als Rechtsnachfolger der UdSSR hat es sträflich versäumt, diese Vergangenheit aufzuarbeiten und sich um ein besseres Verhältnis mit seinen westlichen Nachbarn zu bemühen.
Putins Politik der neuen, russischen Stärke und der mit ihm verbundene Machtanspruch über seine eingebildete Einflusssphäre ist dabei auch nicht sonderlich hilfreich, bestehende Ressentiments in den ehemaligen Satellitenstaaten zu verringern.
Von daher ist es zumindest nachvollziehbar, dass die baltischen Staaten von der russischstämmigen Bürgern eine Loyalitätsbekundung fordern, auch wenn das in unsren, westlichen Augen eher unschön aussieht.
Es liegt an Moskau, das zu ändern.
So nebenbei, es gibt keine baltische NS 'Vergangenheit !
Es gibt Kollaboration mit den NS Schergen während der deutschen Besatzung.
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Aber wir sind edel und gut, gerecht und unbestechlich und sorgen uns innig um das Wohlergehen unsrer Foristen.
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Re: Blick nach Estland

Beitragvon imp » Mo 4. Mär 2019, 14:06

odiug hat geschrieben:(04 Mar 2019, 13:56)

Das sind die Spätfolgen der russischen Umsiedlungspolitik aus den Zeiten der UdSSR.
Russland, als Rechtsnachfolger der UdSSR hat es sträflich versäumt, diese Vergangenheit aufzuarbeiten und sich um ein besseres Verhältnis mit seinen westlichen Nachbarn zu bemühen.

Kann man so nicht sagen. Russland hat sich ein ganzes Jahrzehnt bemüht und dann über die verbliebenen Konflikte ein wenig den Glauben verloren. Es wird auch wieder vorwärts gehen mit dem Austausch, wenn die aktuellen Probleme überwunden sind. Die aktuellen Wahlen sehen gut aus und auch in Russland ist längst die Frage auf dem Tisch, was eigentlich nach dem aktuellen Anführer weitergeht.
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Re: Blick nach Estland

Beitragvon H2O » Mo 4. Mär 2019, 14:46

Auf jeden Fall macht Estland eine sehr gute Figur durch die weitgehende Abwesenheit von Korruption. Seit einiger Zeit treibt mich die Erkenntnis um, daß Bürgersinn und Gemeinsinn auf der Strecke bleiben, wenn das Übel "Korruption" um sich greift. Darin sehe ich auch die Grundlage für den raschen wirtschaftlichen Aufstieg dieses kleinen Landes.

Daß es systematische Reibereien mit der russischsprachigen oder gar russischen Minderheit gibt... wer will sich darüber ernsthaft entrüsten. Die Leute haben bis vor 27 Jahren noch unter sowjetischer Herrschaft gestanden, die sich weitgehend auf russische Führungskräfte stützte. Die waren das Maß aller Dinge, und die befanden sich in einer überlegenen Klasse. So etwas wirkt doch nach! Für die Russen muß jede Gleichsetzung doch wie eine Zurücksetzung wirken... will sagen: Auch die haben es nicht leicht, in der neuen estnischen Gesellschaft an zu kommen. Demokratie wirkt dann auch wie ein Filter, der die Minderheit so lange von der politischen Teilhabe ausschließt, wie sie sich bewußt als Minderheit mit "großer Geschichte" sieht.

So weit ich in den vergangenen Jahren davon etwas zu lesen bekam, hieß es, daß diese Minderheit nur dann vollberechtigte Esten sein können, wenn sie die Weltsprache Estnisch in Wort und Schrift sicher beherrschen. Tja, das versuche man einmal mit Angelsachsen, die in Griechenland in erklecklicher Anzahl angesiedelt worden sein könnten. Mit Estnisch käme man da nicht weit, aber vielleicht mit Griechisch... Aber die Griechen, als gute Geschäftsleute, die verstehen sich ganz gut auf Englisch. Aber Türkisch... das klappt wohl doch nicht!

So meine ich, muß man sich diesem estnischen Konflikt nähern. Bei genügend Einsicht beiderseits sollte sich im Laufe der Zeit ein vernünftiges Miteinander einstellen. In fernerer Zukunft könnte die russischen Minderheit in den baltischen Staaten doch als Kitt zu einem liberalen demokratischen Rußland wirken, wo Esten estnisch sein dürfen und Russen sich kulturell als Russen sehen und als Staatsbürger als Esten oder Russen eingetragen sind.
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Re: Blick nach Estland

Beitragvon imp » Mo 4. Mär 2019, 15:02

H2O hat geschrieben:(04 Mar 2019, 14:46)

Auf jeden Fall macht Estland eine sehr gute Figur durch die weitgehende Abwesenheit von Korruption. Seit einiger Zeit treibt mich die Erkenntnis um, daß Bürgersinn und Gemeinsinn auf der Strecke bleiben, wenn das Übel "Korruption" um sich greift. Darin sehe ich auch die Grundlage für den raschen wirtschaftlichen Aufstieg dieses kleinen Landes.

Das ist eine der Grundlagen. Man hat vieles richtig gemacht, vieles konsequent gemacht. Es gibt auch den Euro, das ist viel wert.

So weit ich in den vergangenen Jahren davon etwas zu lesen bekam, hieß es, daß diese Minderheit nur dann vollberechtigte Esten sein können, wenn sie die Weltsprache Estnisch in Wort und Schrift sicher beherrschen. Tja, das versuche man einmal mit Angelsachsen, die in Griechenland in erklecklicher Anzahl angesiedelt worden sein könnten. Mit Estnisch käme man da nicht weit, aber vielleicht mit Griechisch... Aber die Griechen, als gute Geschäftsleute, die verstehen sich ganz gut auf Englisch. Aber Türkisch... das klappt wohl doch nicht!

Verschiedene Situationen. Die einen Länder haben Einwanderer, die viel Geld mitbringen, die anderen haben eine Bevölkerung, die nun mal da ist. Da lässt sich nicht alles gleich machen. Die schlimmste Stimmungsmache liegt schon in der Vergangenheit. Inzwischen ist da auf allen Seiten viel Realismus und Pragmatismus. Auch ein Erfolg, von dem viele etwas haben.
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