Lügenpresse oder Realitätspresse

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Quatschki
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon Quatschki » Mi 13. Feb 2019, 18:08

https://www.krone.at/1862002

So etwas würde ich mir auch von der deutschen Presse wünschen
Also quasi Realität statt Relotius
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Fliege
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon Fliege » Sa 16. Mär 2019, 20:58

Kohlhaas hat geschrieben:(aus dem Brexit-Thread; 16 Mar 2019, 20:15)
Und wenn ich schon den Begriff "Lügenpresse" lese, brauche ich [...]
nur an Relotius denken.
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon Kohlhaas » So 17. Mär 2019, 16:56

Der Unterschied: Der Fall Relotius wurde von der sogenannten "Lügenpresse" als Skandal eingestuft und entsprechend gewürdigt. Im Internet und den sogenannten "sozialen Medien" darf hingegen jeder, der es will, jeden Mist verbreiten, ohne dass irgendwer das auch nur nachprüft oder irgendwelche Belege dafür liefert. Vielmehr werden solche Meldungen gern als Beleg dafür hergenommen, dass die Presse lügt.

Für jeden Fall wie den des Herrn Relotius findest Du mit geringer Recherche sicher zehn Fälle, in denen Falschmeldungen aus dem Internet zu massiven öffentlichen Reaktionen geführt haben. Man denke da nur an die Sache mit der jungen Russlanddeutschen, die angeblich entführt und vergewaltigt wurde. Da wurde fast eine internationale Kriese draus.

Im übrigen habe ich mit dem Beitrag, den Du verstümmelt zitiert hast, darauf hingewiesen, von wem und zu welchem Zweck der Begriff "Lügenpresse" verwendet worden ist. Der Zweck ist heute noch der gleiche: Lügen und verunglimpfen.
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon Fliege » So 17. Mär 2019, 22:23

Kohlhaas hat geschrieben:(17 Mar 2019, 16:56)
Der Unterschied: Der Fall Relotius wurde von der sogenannten "Lügenpresse" als Skandal eingestuft und entsprechend gewürdigt. [...]

Du möchtest den Lügenpresse-Skandel des Spiegels relativieren?
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon Kohlhaas » Mo 18. Mär 2019, 15:14

Fliege hat geschrieben:(17 Mar 2019, 22:23)

Du möchtest den Lügenpresse-Skandel des Spiegels relativieren?

Du benutzt einen Begriff aus der Nazi-Terminologie, um pauschal die gesamte Presse zu verunglimpfen. Willst Du das relativieren, indem so tust, als hättest Du mit Deiner "Kritik" nur den Spiegel oder gar nur einen Ex-Autor des Spiegel gemeint?

Das Groteske ist: Die selbsternannten Apostel der Wahrheit, die so gern das Wort "Lügenpresse" im Mund führen, sind zumeist dieselben Leute, die im Internet jeden Mist verbreiten - ohne jede Prüfung, ohne jeden Beleg und ohne auch nur Quellen zu nennen. Und das selbst dann noch, wenn es nachweislich falsch ist. Hat sich ja auch in dieser Diskussion hier wieder gezeigt.
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon Fliege » Mo 18. Mär 2019, 19:19

Kohlhaas hat geschrieben:(18 Mar 2019, 15:14)
Du benutzt einen Begriff aus der Nazi-Terminologie, um pauschal die gesamte Presse zu verunglimpfen. Willst Du das relativieren, indem so tust, als hättest Du mit Deiner "Kritik" nur den Spiegel oder gar nur einen Ex-Autor des Spiegel gemeint?

Das Groteske ist: Die selbsternannten Apostel der Wahrheit, die so gern das Wort "Lügenpresse" im Mund führen, sind zumeist dieselben Leute, die im Internet jeden Mist verbreiten - ohne jede Prüfung, ohne jeden Beleg und ohne auch nur Quellen zu nennen. Und das selbst dann noch, wenn es nachweislich falsch ist. Hat sich ja auch in dieser Diskussion hier wieder gezeigt.

Ich bin an Relativierung nicht interessiert.
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon Sören74 » Mo 18. Mär 2019, 19:33

Es ist schon bezeichnend bei Relotius von einem Lügenpresse-Skandal zu sprechen. Nicht das Verlagshaus hat wissentlich Lügen verbreitet, sondern ein Autor der Zeitung (der u.a. auch für die Schweizer Weltwoche des Herrn Köppel arbeitete). Schlimm genug, dass sowas einer großen Zeitschrift passiert. Nur muss man nicht unzutreffende Verkürzungen anwenden.
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon Schnitter » Mo 18. Mär 2019, 19:43

Sören74 hat geschrieben:(18 Mar 2019, 19:33)

Es ist schon bezeichnend bei Relotius von einem Lügenpresse-Skandal zu sprechen. Nicht das Verlagshaus hat wissentlich Lügen verbreitet, sondern ein Autor der Zeitung (der u.a. auch für die Schweizer Weltwoche des Herrn Köppel arbeitete). Schlimm genug, dass sowas einer großen Zeitschrift passiert. Nur muss man nicht unzutreffende Verkürzungen anwenden.


Das ist doch die Masche bei allem was die Wutbürgerlis so ins Netz sabbern.

Noch nicht bemerkt ?
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon Kohlhaas » Mo 18. Mär 2019, 19:44

Fliege hat geschrieben:(18 Mar 2019, 19:19)

Ich bin an Relativierung nicht interessiert.

Blödsinn!

- Warum fragst Du mich nach angeblicher (und wiedermal nicht belegter) Relativierung, wenn Relativierung Dich doch gar nicht interessiert?
- Und warum relativierst Du zwanghaft, wenn Du nicht mal interessiert bist? Könnte auf eine politische Grunddisposition hindeuten...

Ich weise nur mal darauf hin, dass ich in diesem Thread nur gelandet bin, weil DU dem Trieb gefolgt bist, mich mit dem Hinweis auf einen Ex-Spiegel-Autoren "anprangern" zu wollen.

Ich wollte eigentlich noch mehr schreiben, aber ich fürchte, dass Du ... es nicht verstehen willst oder nicht verstehen kannst.
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon Sören74 » Mo 18. Mär 2019, 19:53

Schnitter hat geschrieben:(18 Mar 2019, 19:43)

Das ist doch die Masche bei allem was die Wutbürgerlis so ins Netz sabbern.

Noch nicht bemerkt ?


Doch. Ich sage trotzdem, dass es logisch falsch ist, was die sagen. :)
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon Fliege » Mo 18. Mär 2019, 20:34

Kohlhaas hat geschrieben:(18 Mar 2019, 19:44)
Ich weise nur mal darauf hin, dass ich in diesem Thread nur gelandet bin, weil DU dem Trieb gefolgt bist, mich mit dem Hinweis auf einen Ex-Spiegel-Autoren "anprangern" zu wollen.

Die von mir zitiert Passage aus deiner Feder war im anderen Thread offtopic, also Spam. Eine Antwort darauf konnte nicht im anderen Thread erfolgen. Dass dir, wie der weitere Gesprächsverlauf hier m. E. ergeben hat, die Tragweite des Spiegel-Skandals um Relotius wohl nicht klar ist, hat sich erhärtet.
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon Skeptiker » Mo 18. Mär 2019, 21:09

Sören74 hat geschrieben:(18 Mar 2019, 19:33)
Es ist schon bezeichnend bei Relotius von einem Lügenpresse-Skandal zu sprechen. Nicht das Verlagshaus hat wissentlich Lügen verbreitet, sondern ein Autor der Zeitung (der u.a. auch für die Schweizer Weltwoche des Herrn Köppel arbeitete). Schlimm genug, dass sowas einer großen Zeitschrift passiert. Nur muss man nicht unzutreffende Verkürzungen anwenden.

Es ist hinlänglich bekannt, dass der Ausdruck "Lügenpresse" nicht für von einer Clique gesteuerte Verbreitung von Lügen steht, sondern für missionarische und aktivistische Ausübung von Journalismus. Dass es manche Verwirrte gibt die irgendwelchen VT glauben, wird sicher so sein.

Der Spiegel hat natürlich nicht aktiv gefälscht und auch nicht stillschweigend Betrug geduldet. Das kann man sicher annehmen.
Genauso aber zeigt sich bei allem was ich von der Affäre gelesen habe, dass der Spiegel ein besonders vorteilhaftes Umfeld für Betrüger geschaffen hat, die das Weltbild der Gruppe von Journalisten teilen, die beim Spiegel das Sagen haben. Es gibt genügend Berichte, wie schwer es sogar für den Aufklärer gewesen ist Zweifel an Relotius geltend zu machen - ein Fakt, der für mich hauptsächlich dadurch zu erklären ist, dass Fakten selektiv hinterfragt wurden. Passen sie ins Weltbild, dann ist man nicht so genau - stammen sie von Seiten des so wahrgenommenen politischen Gegners, dann wird man sehr penibel.

Daher ist Relotius für mich das perfekte Beispiel für das was hinter dem Begriff "Lügenpresse" steht. Nämlich eine Verwässerung journalistischer Standards durch die Einflussnahme linkslastiger politischer Aktivisten im Schafspelz des seriösen Journalismus.
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon Fliege » Mo 18. Mär 2019, 21:30

Skeptiker hat geschrieben:(18 Mar 2019, 21:09)
Der Spiegel hat natürlich nicht aktiv gefälscht und auch nicht stillschweigend Betrug geduldet. Das kann man sicher annehmen.
Genauso aber zeigt sich bei allem was ich von der Affäre gelesen habe, dass der Spiegel ein besonders vorteilhaftes Umfeld für Betrüger geschaffen hat, die das Weltbild der Gruppe von Journalisten teilen, die beim Spiegel das Sagen haben. Es gibt genügend Berichte, wie schwer es sogar für den Aufklärer gewesen ist Zweifel an Relotius geltend zu machen - ein Fakt, der für mich hauptsächlich dadurch zu erklären ist, dass Fakten selektiv hinterfragt wurden. Passen sie ins Weltbild, dann ist man nicht so genau - stammen sie von Seiten des so wahrgenommenen politischen Gegners, dann wird man sehr penibel.

Daher ist Relotius für mich das perfekte Beispiel für das was hinter dem Begriff "Lügenpresse" steht. Nämlich eine Verwässerung journalistischer Standards durch die Einflussnahme linkslastiger politischer Aktivisten im Schafspelz des seriösen Journalismus.

Erstens möchte ich deiner Ausführung beipflichten und zweitens möchte ich auf Ulrik Haagerup vom dänisches Fernsehen hinweisen, der in einer Stellung gegenüber dem NDR bestätigte: "Journalism has been hijacked" (NRD-Medienmagazin Zapp, 19. Februar 2016; Youtube-Video, Minute 1:45). Zu Ulrik Haagerup lässt sich sagen: "For ten years he was the Executive Director of News at the Danish Broadcasting Corporation, Denmark's public service broadcaster" (Reporters without Borders online zu Ulrik Haagerup).
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon Skeptiker » Mo 18. Mär 2019, 21:45

Fliege hat geschrieben:(18 Mar 2019, 21:30)
Erstens möchte ich deiner Ausführung beipflichten und zweitens möchte ich auf Ulrik Haagerup vom dänisches Fernsehen hinweisen, der in einer Stellung gegenüber dem NDR bestätigte: "Journalism has been hijacked" (NRD-Medienmagazin Zapp, 19. Februar 2016; Youtube-Video, Minute 1:45). Zu Ulrik Haagerup lässt sich sagen: "For ten years he was the Executive Director of News at the Danish Broadcasting Corporation, Denmark's public service broadcaster" (Reporters without Borders online zu Ulrik Haagerup).

Ja, ich kenne den Beitrag. Er war hier irgendwo glaube ich schonmal verlinkt. Sehr passend.

Ich finde es immer wieder recht billig beim Thema "Lügenpresse" den Zusammenhang dieses Begriffes mit seiner Benutzung im 3. Reich zu betonen, oder so zu tun, als wenn er für die Mehrzahl der Leute die ihn verwenden tatsächlich bedeuten würde, dass sie meinen die Presse würde bewusst und gesteuert Lügen verbreitet. Damit unterschätzt man die Motivation die dazu geführt hat, dass er überhaupt wieder als Begriff hochgekommen ist.

Viele Menschen haben einfach die Schnauze davon voll, durch Vorfilterung und suggestive Meinungsmache manipuliert zu werden. Die greifen dann zu alternativen Medien und kommen vom Regen in die Traufe. Für mich spiegelt sich die gesellschaftliche Polarisierung nicht nur in manchen dieser Blätter wieder, sie wurde dadurch m.E. sogar bestärkt und teilweise herbeigeführt.
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon Fliege » Mo 18. Mär 2019, 22:06

Skeptiker hat geschrieben:(18 Mar 2019, 21:45)
Viele Menschen haben einfach die Schnauze davon voll, durch Vorfilterung und suggestive Meinungsmache manipuliert zu werden. Die greifen dann zu alternativen Medien und kommen vom Regen in die Traufe. Für mich spiegelt sich die gesellschaftliche Polarisierung nicht nur in manchen dieser Blätter wieder, sie wurde dadurch m.E. sogar bestärkt und teilweise herbeigeführt.

Macht man sich klar, dass Relotius tatsächlich log, weil er wusste, dass er log, sieht man die Tragweite des Relotius-Skandals, der aus "Lügenpresse" als Propagandabegriff einen die Realität beschreibenden Begriff gemacht hat.

Zudem ist mittlerweile ein weiterer Lügenbaron aufgeflogen, nämlich der Henri-Nannen-Preisträger Dirk Gieselmann, tätig gewesen für Blätter wie Süddeutsche Zeitung, Spiegel, Zeit (Meedia online, SZ, Spiegel und Zeit trennen sich von Autor – Preisträger Dirk Gieselmann und sein gestörtes Verhältnis zur Wahrheit, 5. März 2019). Auch in den Niederlanden und in Belgien gibt es einen Relotius-Lügenfall um Peter Blasic (Meedia online, Der holländische Claas Relotius – Journalist aus den Niederlanden erfand Quellen und schrieb Artikel ab, 24. Januar 2019).
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon Sören74 » Mo 18. Mär 2019, 22:29

Skeptiker hat geschrieben:(18 Mar 2019, 21:09)

Es ist hinlänglich bekannt, dass der Ausdruck "Lügenpresse" nicht für von einer Clique gesteuerte Verbreitung von Lügen steht, sondern für missionarische und aktivistische Ausübung von Journalismus.


Das halte ich jetzt doch für eine enorme Umdeutung des Ausdrucks Lügenpresse. Zudem wäre missionarischer Journalismus für diesen Sachverhalt der viel passendere Ausdruck.

Skeptiker hat geschrieben:Der Spiegel hat natürlich nicht aktiv gefälscht und auch nicht stillschweigend Betrug geduldet. Das kann man sicher annehmen.
Genauso aber zeigt sich bei allem was ich von der Affäre gelesen habe, dass der Spiegel ein besonders vorteilhaftes Umfeld für Betrüger geschaffen hat, die das Weltbild der Gruppe von Journalisten teilen, die beim Spiegel das Sagen haben. Es gibt genügend Berichte, wie schwer es sogar für den Aufklärer gewesen ist Zweifel an Relotius geltend zu machen - ein Fakt, der für mich hauptsächlich dadurch zu erklären ist, dass Fakten selektiv hinterfragt wurden. Passen sie ins Weltbild, dann ist man nicht so genau - stammen sie von Seiten des so wahrgenommenen politischen Gegners, dann wird man sehr penibel.

Daher ist Relotius für mich das perfekte Beispiel für das was hinter dem Begriff "Lügenpresse" steht. Nämlich eine Verwässerung journalistischer Standards durch die Einflussnahme linkslastiger politischer Aktivisten im Schafspelz des seriösen Journalismus.


Natürlich hat sich der Spiegel einiges in Sache Recherche und Kontrolle vorzuwerfen. Es geht aber weniger um den Punkt, passt ins Weltbild oder ist ein politischer Gegner. Man kann sehr wohl die Verwässerung journalistischer Standards kritisieren, sollte aber nicht im selben Atemzug falsche Begrifflichkeiten anwenden. Im übrigen dürfte Relotius wohl kaum ein linker politischer Aktivist gewesen sein, sonst hätte er wohl nicht u.a. für die Schweizer Weltwoche publiziert.
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon Skeptiker » Mo 18. Mär 2019, 23:13

Sören74 hat geschrieben:(18 Mar 2019, 22:29)
Das halte ich jetzt doch für eine enorme Umdeutung des Ausdrucks Lügenpresse. Zudem wäre missionarischer Journalismus für diesen Sachverhalt der viel passendere Ausdruck.

Es gibt sehr wenige Menschen, die so primitiv sind und auf der Straße die Presse als Lügenpresse beschimpfen. Ich kennen niemanden!

Es gibt sogar in meinem persönlichen Umfeld sehr viele Leute die ganz offen die Meinung vertreten, dass Journalismus hochmanipulativ geworden ist. Wenn nur eine kleine Minderzahl dieser Leute zu diesem Kampfbegriff greift, dann eher nicht, weil sie an eine große Verschwörung glauben, sondern weil sie diese Journalisten damit schlichtweg beschimpfen.

Das Linke die Nennung des Begriffes an die wörtliche Bedeutung binden, ist natürlich klar, weil man dadurch jeden der seiner Wut dadurch Ausdruck verleiht, so zur Hohlbirne abstempeln kann. Für mich ist es eher ein Zeichen eines einseitigen Umfeldes der Meinung zu sein, dass die Großzahl der Menschen die den Begriff "Lügenpresse" benutzen damit wörtlich die bewusste Verbreitung von Unwahrheiten meinen. Man meint m.E. vorwiegend suggestive und tendenziöse Meinungsmache, nicht neutral, aber vorgebend neutral zu sein.
Sören74 hat geschrieben:(18 Mar 2019, 22:29)
Natürlich hat sich der Spiegel einiges in Sache Recherche und Kontrolle vorzuwerfen. Es geht aber weniger um den Punkt, passt ins Weltbild oder ist ein politischer Gegner. Man kann sehr wohl die Verwässerung journalistischer Standards kritisieren, sollte aber nicht im selben Atemzug falsche Begrifflichkeiten anwenden. Im übrigen dürfte Relotius wohl kaum ein linker politischer Aktivist gewesen sein, sonst hätte er wohl nicht u.a. für die Schweizer Weltwoche publiziert.

Was die Verwendung von Begrifflichkeiten angeht, so fällt die Neigung der Linken den Menschen im Lande die Sprache bis ins Detail vorgeben zu wollen, diesen nun auf die Füße. Was man z.B. bei der AfD sieht ist ein Feuerwerk der Tabubrüche unter dem Beifall einer sich als gegängelt empfindenden Schicht von Kleinbürgern auf die eine sich selbst so empfindende linke Meinungselite nur mit Ekelempfinden herabschaut. Diese Gruppen entfernen sich mit Lichtgeschwindigkeit voneinander und man kann auch in diesem Forum den Hass auf die anderen und die Lust an der Spaltung jeden Tag aufs neue bewundern.

Ob Relotius ein linker Aktivist ist, kann ich nicht beurteilen. Ich habe mich nicht detailiert mit ihm auseinandergesetzt. Es ist allerdings bekannt, dass Journalisten als Berufsgruppe eine zur Normalbevölkerung stark links und grün verschobene politische Präferenz haben. Beim aktuellen Verständnis der politischen Linken als Heilbringer und Moralapostel für die Welt, sehe ich Menschen die durch erfundene Geschichten diese Wahrnehmung fördern durchaus in einer Rolle als Aktivisten, weil sie nicht offen für etwas werben (= Missionierung), sondern verdeckt zielorientiert agieren.
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon Schnitter » Di 19. Mär 2019, 00:35

Skeptiker hat geschrieben:(18 Mar 2019, 21:45)
Viele Menschen haben einfach die Schnauze davon voll, durch Vorfilterung und suggestive Meinungsmache manipuliert zu werden.


Und deswegen wählen sie dann die AfD.

Das macht Sinn, das müssen sehr kluge Menschen sein :D
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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon Asrael » Di 19. Mär 2019, 01:22

Kohlhaas hat geschrieben:(17 Mar 2019, 16:56)

Der Unterschied: Der Fall Relotius wurde von der sogenannten "Lügenpresse" als Skandal eingestuft und entsprechend gewürdigt. Im Internet und den sogenannten "sozialen Medien" darf hingegen jeder, der es will, jeden Mist verbreiten, ohne dass irgendwer das auch nur nachprüft oder irgendwelche Belege dafür liefert. Vielmehr werden solche Meldungen gern als Beleg dafür hergenommen, dass die Presse lügt.

Für jeden Fall wie den des Herrn Relotius findest Du mit geringer Recherche sicher zehn Fälle, in denen Falschmeldungen aus dem Internet zu massiven öffentlichen Reaktionen geführt haben. Man denke da nur an die Sache mit der jungen Russlanddeutschen, die angeblich entführt und vergewaltigt wurde. Da wurde fast eine internationale Kriese draus.

Im übrigen habe ich mit dem Beitrag, den Du verstümmelt zitiert hast, darauf hingewiesen, von wem und zu welchem Zweck der Begriff "Lügenpresse" verwendet worden ist. Der Zweck ist heute noch der gleiche: Lügen und verunglimpfen.


Aber es könnte auch objektiv eine Lügenpresse existieren.

Was wären denn die Kriterien?
Willst du wissen welche Agenda ein Forum verfolgt, achte darauf wer und was auf welche Art zensiert wird.

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Re: Lügenpresse oder Realitätspresse

Beitragvon Sören74 » Di 19. Mär 2019, 01:49

Skeptiker hat geschrieben:(18 Mar 2019, 23:13)

Es gibt sehr wenige Menschen, die so primitiv sind und auf der Straße die Presse als Lügenpresse beschimpfen. Ich kennen niemanden!


Sorry, ich finde das recht widersprüchlich, was Du da schreibst. Wenn diesen Begriff nur sehr wenige Menschen benutzen, wieso reden die Leute darüber und verwenden ihn bei jeder unpassenden Gelegenheit?

Skeptiker hat geschrieben:Ob Relotius ein linker Aktivist ist, kann ich nicht beurteilen. Ich habe mich nicht detailiert mit ihm auseinandergesetzt. Es ist allerdings bekannt, dass Journalisten als Berufsgruppe eine zur Normalbevölkerung stark links und grün verschobene politische Präferenz haben. Beim aktuellen Verständnis der politischen Linken als Heilbringer und Moralapostel für die Welt, sehe ich Menschen die durch erfundene Geschichten diese Wahrnehmung fördern durchaus in einer Rolle als Aktivisten, weil sie nicht offen für etwas werben (= Missionierung), sondern verdeckt zielorientiert agieren.


Du argumentierst mit Vermutungen und suggerierst linken manipulativen Journalismus im Fall von Relotius, ohne das wirklich ergründen zu können. Im Zusammenhang dessen, dass Du Journalismus diesen Suggestivcharakter vorwirfst, finde ich Den Posting recht seltsam.

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