Blick nach Russland Sammelstrang

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Cobra9
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon Cobra9 » Di 18. Feb 2020, 10:41

Alexander Sommer hat geschrieben:(17 Feb 2020, 19:46)

Der einzige Fakt an diesem "Vertrag" ist der, dass der Aggressor,nämlich Polen,dem Unterlegenen einen Diktatfrieden aufgezwungen hat den die Russen in ihrer damaligen Lage gar nicht ablehnen KONNTEN und der damit das Papier nicht wert war auf dem er geschrieben stand.

!939 haben dann die Russen nichts weiter getan als ihre, von den Alliierten des WK I festgelegte Westgrenze wieder herzustellen,nämlich entlang der sog. Curzon Linie.



Falsch Faktisch und nicht relevant. Die Sowjetunion hat Polen überfallen zusammen mit Nazi Deutschland.

Außerdem wäre es dann mal wieder lediglich der nächste Beweis das die Sowjetunion keine Verträge einhalten wollte. Gut tut Russland genauso ja.

Parallelen gibt's also :) Verträge mit der Sowjetunion und Russland sind nicht viel Wert im Zweifelsfall. Möchtest du das belegen :?:



Dazu wurde noch ein Abkommen geschlossen inklusive Vereinbarung wie Polen aufgeteilt wird. Hat man bestimmt gemacht ohne Grund gell :D

Du glaube was Du willst. Interessiert niemand da die Historische wissenschaftliche Arbeit andere Fakten klarstellen tut. Blöd für Dich und andere eben.

Wenn Du Russia overall magst bitte.
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon peter.ismus » Di 18. Feb 2020, 11:18

Hallo Cobra9,

Mit Deinem "Falsch Faktisch und nicht relevant." liegst Du in den Fakten daneben. Ich lese aus gegebenem Anlass Piotr Krukowskis Broschüre "Nad Wieprzem 1920". In dieser Broschüre legt er den militärischen Verlauf des "polnisch-bolschewistischen Krieges" dar.
Du hast Tausende Beiträge geschrieben, ich sehe mir diese an auch unter dem Gesichtspunkt Schopenhauers: "Die Kunst, Recht zu behalten".
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Cobra9
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon Cobra9 » Di 18. Feb 2020, 14:26

peter.ismus hat geschrieben:(18 Feb 2020, 11:18)

Hallo Cobra9,

Mit Deinem "Falsch Faktisch und nicht relevant." liegst Du in den Fakten daneben. Ich lese aus gegebenem Anlass Piotr Krukowskis Broschüre "Nad Wieprzem 1920". In dieser Broschüre legt er den militärischen Verlauf des "polnisch-bolschewistischen Krieges" dar.
Du hast Tausende Beiträge geschrieben, ich sehe mir diese an auch unter dem Gesichtspunkt Schopenhauers: "Die Kunst, Recht zu behalten".


Fakten sind nun mal Fakten. Märchenstunde bleibt Märchenstunde. Hier soll das Märchen erzählt werden das die Sowjetunion nur arg böses Unrecht korrigiert hat und Polen quasi befreit.

Dümmer geht nimmer. Es ist historischer Fakt das die Sowjetunion zusammen mit den Nazis gegen Polen in den Krieg gezogen ist mit der Absicht sich Gebiete zu sichern.

Das geheime Protokoll im Hitler-Stalin-Pakt ist wohl Zufall ne :rolleyes:


Ein geheimes Zusatzprotokoll das im Detail zufällig alles regeln tut inklusive Grenzen.
Für den Fall einer territorial-politischen Umgestaltung war der Pakt wertvoll fürbbeide Seiten. Es gestattete der Sowjetunion rein zufällig im Ersten Weltkrieg verlorene Territorien des Russischen Kaiserreichs wiederzugewinnen.


Die Gebiete Ostpolen, Finnland, Estland und Lettland wurden zur sowjetischen Interessensphäre, Westpolen und Litauen zur deutschen. Dabei wurde das seit dem Polnisch-Sowjetischen Krieg umstrittene Wilnaer Gebiet Litauen zugerechnet. In Polen sollten die Flüsse Narew, Weichsel und San die Einflusssphären abgrenzen. Im Südosten Europas wurde Bessarabien zum sowjetischen Interessengebiet.


Anderthalb Wochen bevor die deutsche Wehrmacht am ersten September 1939 über Polen herfiel, schlossen Hitler und Stalin zur Überraschung der Welt einen Nichtangriffspakt. In einem geheimen Zusatzprotokoll verständigten sich die beiden ideologischen Todfeinde über ihre jeweiligen Herrschaftsbereiche.

Das ist bestimmt reiner Zufall und die Sowjetunion wusste nichts. Wer das glaubt ist wohl nicht aufgewacht. Es ist falsch.

Nachlesbar die Wahrheit. Kostprobe davon wie gut die Zusammenarbeit funktionierte





Es ist sehr erstaunlich, in welchem Ausmaß hochrangige NKWD-Offiziere ins deutsche Generalgouvernement reisen und dort von Hans Frank, dem Generalgouverneur auf der Krakauer Burg, in Empfang genommen werden. Auch im Urlaubsort Zakopane, wo die SS eine Sicherheitspolizeischule eingerichtet hat, werden Gespräche geführt und verhandelt. Und umgekehrt reisen dann auch führende SS-Leute in die Sowjetische Besatzungszone.

Claudia Weber, Historikerin


Claudia Weber
Der Pakt. Stalin, Hitler und die Geschichte einer mörderischen Allianz
276 Seiten
C.H. Beck Verlag
978-3-406-73531-8

http://www.oeaw.ac.at/fileadmin/subsite ... n-Pakt.pdf

Der Vertrag von Riga ist nicht relevant für die Bewertung des Verhalten der Sowjetunion gegenüber Polen 1939.

Mit der gleichen Begründung ließe sich dann immer Verfahren wenn man historische Ansprüche, Forderungen oder ähnliches zur Rechtfertigung von falschen Taten vorbringen will. Sollen Wir jetzt Schmerzensgeld von Italien fordern weil die Römer mal im Land waren?

Mit ähnlichen Argumenten wie jetzt in Sachen Polen genannt werden, hat Russland und die Sowjetunion schon versucht den Überfall auf Finland zu rechtfertigen.


Wenn man mal auch hinschaut Bullshit. Ich würde mich mal im Detail dazu mit dem Ribbentrop-Molotow-Pakt beschäftigen. Da spielt Finnland neben Polen eine Rolle.

Ursprüngliches Kriegsziel der Sowjetunion war die Besetzung des gesamten finnischen Staatsgebiets. Aber dumm das Finnland anders als Polen sich wehren konnte.


Die ganze Story hier


https://www.amazon.de/Frozen-Hell-Russo ... 1565122496


Zu empfehlen.


Ich richte meine Bewertung auf der Grundlage verfügbarer wissenschaftlicher historischer Fakten aus. Nicht nach Recht haben.

Wir leben 2020. Nicht 1980 mehr wo eure Sowjetunion Story noch was gegolten hat in der DDR beispielsweise.

Zu DDR-Zeiten ein Tabu-Thema war das Zusatzprotokoll.

Zu DDR-Zeiten war das geheime Zusatzprotokoll zum Nichtangriffspakt, in dem die beiden Diktatoren ihre Einflusssphären von Finnland bis Rumänien absteckten, ein absolutes Tabu-Thema. Bis 1989 hatte die Sowjetunion die Existenz des Dokuments geleugnet und alle gegenteiligen Aussagen als westliche Propaganda geschmäht. Was bis dahin nur hinter vorgehaltener Hand gesagt werden konnte, wurde dank Gorbatschows Berater Alexander Jakowlew schließlich am 25.12.1989 vom sowjetischen Volksdeputiertenkongress für wahr befunden.

Aber hey back to good old Times ist toll.


Dieses Abstecken eigennütziger Interessen auf Kosten kleinerer Länder und ihrer Menschen, gemeinsam betrieben von zwei diktatorisch regierten Mächten, ist eines der Kapitel, das in die in Russland von der Führung gewollte Geschichtserzählung nur dann hineinpasst, wenn es umgedeutet wird.

Russlands Heroisierung der Vergangenheit soll hier weitergehen. Nö spiele ich nicht mit.

Am 23. August 1939 unterzeichneten Hitler-Deutschland und die Sowjetunion einen Nichtangriffspakt. Stalin wird dafür nach heutiger russischer Lesart kein Vorwurf gemacht. Die sowjetische Geschichte des Zweiten Weltkriegs wird unter Putin fast ausschließlich als Abfolge heroischer Opfer und Taten dargestellt. Schuld war nur Nazi Deutschland. Der Westen alternativ.

Dass eine Allianz mit Frankreich und Großbritannien aber auch an Diktator Stalins Forderungen scheiterte, bleibt unerwähnt in der Sache.

Auch unterschlagen Russische Darstellungen noch einiges. Sehr wenig Aufmerksamkeit lenken die Historiker dagegen auf die Tatsache, dass Moskau in neu eroberten Territorien missliebige Personen erschießen ließ und Berlin und Moskau noch Ende September 1939 den deutsch-sowjetischen Freundschafts- und Grenzvertrag schlossen, in dem die neue gemeinsame Grenze auf einer Karte eingezeichnet wurde.

Ach ja man hat Nazi Deutschland immer schon bekämpft :D


Dabei ist glasklar historisch belegt das die Sowjetunion auch Agressor und Täter war. Polen, Finnland.


Update


Bitte wenn jemand klar widerlegen kann, dass die Sowjetunion nicht den Pakt inklusive Vereinbarungen abgeschlossen hat her damit.

Oder das die Sowjetunion nicht gewaltsamen den Polen offensiv als Agressor in den Rücken gefallen ist.

Wer das stichhaltig widerlegen kann inklusive der genannten bzw. öffentlichen Quellen dann mal los.

Ich will niemanden beeindrucken oder sowas beklopptes. Aber unwidersprochen jeden Mist stehen lassen werde ich sicher nicht
Zuletzt geändert von Cobra9 am Mi 19. Feb 2020, 14:03, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon Europa2050 » Di 18. Feb 2020, 14:44

Alexander Sommer hat geschrieben:(17 Feb 2020, 19:46)

Der einzige Fakt an diesem "Vertrag" ist der, dass der Aggressor,nämlich Polen,dem Unterlegenen einen Diktatfrieden aufgezwungen hat den die Russen in ihrer damaligen Lage gar nicht ablehnen KONNTEN und der damit das Papier nicht wert war auf dem er geschrieben stand.

!939 haben dann die Russen nichts weiter getan als ihre, von den Alliierten des WK I festgelegte Westgrenze wieder herzustellen,nämlich entlang der sog. Curzon Linie.


In dem Gebiet zwischen Polen, Litauen, Belarus und Ukraine, d.h. der alten, im 18.Jhd. von Preussen und Russland unter Mithilfe K&K zerstörten Union entstand nach dem WK1 das gleiche Problem wie im zerstörten K&K oder Osmanischen Reich. Die Bevölkerung war zu durchmischt für eine valide Grenzziehung nach nationalen Gesichtspunkten. Zu durchmischt waren die Bevölkerungen. Deshalb war Curzons Versuch einer von vielen, letztlich auch nichts anderes als Sykes-Picot an anderer Stelle.

Der folgende Krieg, der ja in seiner maximalen Wirkung zwischen Warschau und Minsk hin und her ging, war also der Kampf der Polen, die alte Union zu restaurieren vs. Lenins Ziel, die Weltrevolution zumindest bis Berlin zu expandieren.

Und irgendwo im oben genannten Völkergemisch kamen die Armeen dann zum Stehen. Diese Linie aus obigen Gründen genau so falsch wie alle anderen. Aber nach Riga völkerrechtlich anerkannt.

Stalin war alles, aber kein Hasardeur. Ich würde ihn sogar als paranoid ängstlich bezeichnen, im Inneren wie Äußeren. Aber als Hitler ihm Ostfinnland, das Baltikum, Ostpolen und Moldawien gegen Wohlverhalten schenkte, griff er eben zu. Wäre in Finnland fast noch schief gegangen, das Baltikum war wehrlos und Polen von Hitler sturmreif geschossen.

Und am Ende noch eine Frage: Wenn es doch nur um die Freiheit der armen Belarusier und Ukrainer ging, wozu waren Kurapati und Katyn dann nötig?
Zumal in ersterem nicht nur die polnische sondern insbesondere auch die belarusische Intelligenzia physisch vernichtet wurde, wovon sich diese alte Kulturnation auch nie mehr erholt hat?
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon imp » Di 18. Feb 2020, 15:15

Europa2050 hat geschrieben:(18 Feb 2020, 14:44)

In dem Gebiet zwischen Polen, Litauen, Belarus und Ukraine, d.h. der alten, im 18.Jhd. von Preussen und Russland unter Mithilfe K&K zerstörten Union entstand nach dem WK1 das gleiche Problem wie im zerstörten K&K oder Osmanischen Reich. Die Bevölkerung war zu durchmischt für eine valide Grenzziehung nach nationalen Gesichtspunkten. Zu durchmischt waren die Bevölkerungen.

Man sollte vielleicht im 21. Jahrhundert langsam davon abrücken, die Bevölkerung sei zu durchmischt. Gerade angesichts der weltweiten Vernetzung und Migration sollte man vielmehr hinterfragen, was an völkisch definierten Grenzlinien eigentlich so verteidigenswert war oder ist. Schließlich müssen diese böse durchmischten Menschen es irgendwie mal miteinander ausgehalten haben - anders ist solche Mischung nicht zu erklären. Aushalten müssen werden wir auch heute und in Zukunft, dass irgendwelcher Reinheitswahn schlicht unpraktikabel ist und immer in Leid endet.

Stalin war alles, aber kein Hasardeur. Ich würde ihn sogar als paranoid ängstlich bezeichnen, im Inneren wie Äußeren. Aber als Hitler ihm Ostfinnland, das Baltikum, Ostpolen und Moldawien gegen Wohlverhalten schenkte, griff er eben zu. Wäre in Finnland fast noch schief gegangen, das Baltikum war wehrlos und Polen von Hitler sturmreif geschossen.

Der finnische Winterkrieg zeigt, wie wenige Alternativen die Sowjetunion zum Zeit kaufen wirklich hatte. Man muss das opportunistische Zulangen nicht verteidigen, das war imperiales Denken ganz alter Schule. Für Gleichsetzungsfantasien, die manche hier pflegen, ist die Luft dann aber doch etwas dünn. Wenn die Russen nun die Archive öffnen, kann das solche nüchterne Betrachtung von Grenzen und Möglichkeiten nur befördern. Ich finde das gut.

Und am Ende noch eine Frage: Wenn es doch nur um die Freiheit der armen Belarusier und Ukrainer ging, wozu waren Kurapati und Katyn dann nötig?
Zumal in ersterem nicht nur die polnische sondern insbesondere auch die belarusische Intelligenzia physisch vernichtet wurde, wovon sich diese alte Kulturnation auch nie mehr erholt hat?

Kurapaty war der sowjetischen Geschichtsschreibung nicht gerade genehm, insbesondere nachdem der Stalin dann einmal weg war. Man hätte das gern unter dem Berg nationalsozialistischer Opfer unauffällig versteckt. Hat nicht geklappt. Auch Lukaschenkos Regierung würde die ganze Sache am liebsten vergessen machen. Jahrelang wurden dort Menschen wie Viehladungen versammelt für die Massenerschießung und zum Verschwindenlassen. Ich würde das aber eher einreihen in die generelle physische Vernichtung alter Eliten in Stalins Herrschaftsbereich - wobei alt in den letzten Jahren zunehmend auch hieß, dass es Kommunisten und Revolutionäre der ersten Stunde traf. Gewisse Parallelen zu früheren Vorgängen in Paris sind, trotz des ganz anderen Maßstabes, wohl nicht rein zufällig.
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon Europa2050 » Di 18. Feb 2020, 15:28

imp hat geschrieben:(18 Feb 2020, 15:15)

Man sollte vielleicht im 21. Jahrhundert langsam davon abrücken, die Bevölkerung sei zu durchmischt. Gerade angesichts der weltweiten Vernetzung und Migration sollte man vielmehr hinterfragen, was an völkisch definierten Grenzlinien eigentlich so verteidigenswert war oder ist. Schließlich müssen diese böse durchmischten Menschen es irgendwie mal miteinander ausgehalten haben - anders ist solche Mischung nicht zu erklären. Aushalten müssen werden wir auch heute und in Zukunft, dass irgendwelcher Reinheitswahn schlicht unpraktikabel ist und immer in Leid endet.


Da habe ich mich wohl schlecht ausgedrückt, letztlich bin ich da zu 100% mit deiner Meinung d’accord. Grenzen sind immer Verlust an Lebensqualität.

Nur, im Rausch des Nationalismus vor und nach dem WK1 musste man eben die multiethnischen Ansätze als „Völkergefängnisse“ zerstören und Nationalstaaten bauen. Was dann für jede Minderheit in Rache und Hass endete. Und obendrein für die europäischen Juden in der Katastrophe endete (ohne die spezifische deutsche Schuld daran relativieren zu wollen).

Und jetzt?
Wird der multiethnische Ansatz der EU wieder von dem gleichen Ungeist in Frage gestellt und nationalistische Modelle a la Russland, Türkei, GB oder USA gepriesen.

Das mit der Lernfähigkeit üben wir noch.
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon imp » Di 18. Feb 2020, 15:42

Europa2050 hat geschrieben:(18 Feb 2020, 15:28)

Da habe ich mich wohl schlecht ausgedrückt, letztlich bin ich da zu 100% mit deiner Meinung d’accord. Grenzen sind immer Verlust an Lebensqualität.

Ich wollte dir nichts vorhalten. Ich fand nur den - sehr oft gehörten - Gedanken, mit dem man die Situation damals gern erklärt, aus heutiger Sicht immer weniger selbstverständlich. Wir sind hier ja nicht in der Geschichtsrubrik sondern im "Blick nach Russland" und dieser historische Exkurs hat einen gewissen Kontext.

Nur, im Rausch des Nationalismus vor und nach dem WK1 musste man eben die multiethnischen Ansätze als „Völkergefängnisse“ zerstören und Nationalstaaten bauen. Was dann für jede Minderheit in Rache und Hass endete. Und obendrein für die europäischen Juden in der Katastrophe endete (ohne die spezifische deutsche Schuld daran relativieren zu wollen).

Damit nicht genug, halfen Weltöffentlichkeit und - auch von den Sowjets und Verbündeten immer wieder gehätschelte - Eifersüchteleien der Teilrepubliken schließlich zu den Konflikten der spät- und nachsowjetischen Zeit: Abchasien, Berg-Karabach, Jugoslawien 1-2-3, Transnistrien. Um es mal so provokant zu sagen, angesichts der vielen Toten und Vertriebenen am Balkan ist es fast schon schade, dass es dort keine postsowjetische Armee hatte, die - durchaus eigennützig - anderswo die Hand drauf hatten. Ich weiß, das wird vielen Aspekten jetzt nicht ganz gerecht.

Und jetzt?
Wird der multiethnische Ansatz der EU wieder von dem gleichen Ungeist in Frage gestellt und nationalistische Modelle a la Russland, Türkei, GB oder USA gepriesen.

Das mit der Lernfähigkeit üben wir noch.

Das ist eben die Frage. Wobei man den Nationalismus etwa in Griechenland, antitürkischen Hass in Deutschland, spezifische antirussische Vorbehalte und den immer wieder aufkeimenden Antisemitismus europaweit ruhig immer mit erwähnen darf. Ich bin ja für einen eher inklusiven Ansatz.
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Cobra9
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon Cobra9 » Mi 19. Feb 2020, 13:56

Ich posted es mal hier. Weil Wirtschaft und Außenpolitik passt auch nicht 100%.


Es sei mir verziehen aber genau so ein Urteil gegen Russland ist zu begrüßen. Das darf und kann jeder anders bewerten.





Gerichtsurteil Russland soll früheren Yukos-Aktionären 50 Milliarden Dollar zahlen
Kehrtwende in einem spektakulären Rechtsstreit: Laut einem Den Haager Gericht muss die russische Regierung Aktionären des zerschlagenen Energieriesen Yukos eine horrende Entschädigung zahlen.


https://www.spiegel.de/wirtschaft/sozia ... 05c097bbe6
0

https://www.berliner-zeitung.de/wirtsch ... r-li.76328

Mir ist bewusst das noch zwei Verfahren möglich sind. Was nochmal einige Jahre dauern wird. Geschätzt 4-6 Jahre inklusive Streit wegen Pfändung und Beschlagnahme von russischen Werten im Ausland.

Schön das man entsprechende Werte aber mittlerweile pfänden kann. Russland kann auf Zeit spielen, das es noch größere juristische Überraschungen geben ist nicht zu erwarten. Der Rechtsweg ist jetzt dann ausgeschöpft für Russland.


Ich würde einen Vergleich aushandeln empfehlen. Im Sinne der Rechtssicherheit ein enorm wichtiger Fall
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon Ammianus » Di 10. Mär 2020, 20:28

Lustig. Da sehe ich so wie fast jeden Abend die Tagesschau und es kommt die Meldung über den neuen Trick mit dem sich Waldi Pupsi zum - im Prinzip - "Zaren auf Lebenszeit" machen wird. Und wer trägt das ins Parlament: Walentina Tereschkowa. Moment denke ich da, so hieß doch auch die 1. Frau im Weltall und irgenwie sah die Dame am Pult auch so aus.
Und Wiki sagte mir jetzt, dass sie es wohl auch ist.
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon sünnerklaas » Mi 11. Mär 2020, 01:13

Ammianus hat geschrieben:(10 Mar 2020, 20:28)

Lustig. Da sehe ich so wie fast jeden Abend die Tagesschau und es kommt die Meldung über den neuen Trick mit dem sich Waldi Pupsi zum - im Prinzip - "Zaren auf Lebenszeit" machen wird. Und wer trägt das ins Parlament: Walentina Tereschkowa. Moment denke ich da, so hieß doch auch die 1. Frau im Weltall und irgenwie sah die Dame am Pult auch so aus.
Und Wiki sagte mir jetzt, dass sie es wohl auch ist.


Ich höre von vielen Russen nur die angstvolle Frage, wer es denn, außer Putin, machen könne. Wenn Putin weg ist, könne das Leben in RU nur noch schlimmer werden. Das Väterchen würde fehlen.

Tatsache ist: Russland hat sich - auch zu Sowejtzeiten - nie wirklich vom Zarismus gelöst. Der einzige Unterschied: seit 1917 kommen die Tyrannen nicht mehr aus der Familie Romanov oder irgendeiner anderen Adelsfamilie.
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon streicher » Fr 13. Mär 2020, 21:12

sünnerklaas hat geschrieben:(11 Mar 2020, 01:13)

Ich höre von vielen Russen nur die angstvolle Frage, wer es denn, außer Putin, machen könne. Wenn Putin weg ist, könne das Leben in RU nur noch schlimmer werden. Das Väterchen würde fehlen.

Tatsache ist: Russland hat sich - auch zu Sowejtzeiten - nie wirklich vom Zarismus gelöst. Der einzige Unterschied: seit 1917 kommen die Tyrannen nicht mehr aus der Familie Romanov oder irgendeiner anderen Adelsfamilie.
Interessanter Gedanke. An irgendetwas muss es ja liegen, dass die Mehrheit das eigene Land in die Hände eines Präsidenten legt, der kein lupenreiner Demokrat ist.
Nun sieht es so aus, dass seine Amtszeiten auf "null" gesetzt werden und er weiterregieren darf. Am Ende hat er vielleicht länger regiert als Stalin.
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon Cobra9 » Mi 6. Mai 2020, 17:51

In Russland müssen Ärzte aufpassen was Sie sagen. Gleich Drei fallen aus dem Fenster. Waren Sie nicht auf Linie und haben den Preis bezahlt?

Nein natürlich nicht. Spontane Selbstmorde. Bin ich froh nicht in Russland zu leben
https://edition.cnn.com/2020/05/04/euro ... index.html


In Russland ist es mit der Beatmung in Krankenhäusern nicht so prickelnd

https://www.reuters.com/article/us-heal ... SKBN22G2F1
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon Cobra9 » Mi 6. Mai 2020, 18:18

Deutsche Quelle...... Medizinisches Personal in Russland sollte Fenster meiden

https://www.n-tv.de/panorama/Tod-russis ... 60288.html
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon Vongole » Mi 6. Mai 2020, 18:29

Cobra9 hat geschrieben:(06 May 2020, 18:18)

Deutsche Quelle...... Medizinisches Personal in Russland sollte Fenster meiden

https://www.n-tv.de/panorama/Tod-russis ... 60288.html

Es war ja schon öfter tödlich, die Vorgehensweise des neuen Zaren kritisch zu sehen.
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon Cobra9 » Mi 6. Mai 2020, 19:49

Vongole hat geschrieben:(06 May 2020, 18:29)

Es war ja schon öfter tödlich, die Vorgehensweise des neuen Zaren kritisch zu sehen.


Ich bin latent besorgt. Weil klar Unfälle geschehen. Aber das Kritiker gefährlich in Russland leben ist traurig
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon Cobra9 » Fr 15. Mai 2020, 08:58

Brandgefahr bei Beatmungstechnik aus Russland


https://www.deutschlandfunk.de/russland ... id=1130239
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon harry52 » Fr 15. Mai 2020, 10:18

Cobra9 hat geschrieben: Die Sowjetunion hat Polen überfallen zusammen mit Nazi Deutschland.

Ja und kurze Zeit später wurde Finnland überfallen (Winterkrieg)

Außerdem mal bedenken: (Zitate aus Wikipedia)

Ukraine:

"Im Verlauf des sehr blutigen Russischen Bürgerkriegs wurden die meisten Gebiete der Ukraine von der Roten Armee erobert und unter Leo Trotzki Sowjetrussland angeschlossen... seit 1929 die Landwirtschaft zwangsweise kollektiviert wurde, kam es in der Ukraine zu einer unter dem Namen Holodomor bekannten Hungersnot, die in der Ukraine nach neuesten Schätzungen ca. 3,5 Millionen Menschenleben forderte, ... (andere Schätzungen liegen zwischen 2,4 Millionen und bis zu 14,5 Millionen Opfern)."

Kasachstan:

"1925 wurde sie in Kasachische Autonome Sowjetrepublik umbenannt. ...
Die Bevölkerung Kasachstans litt in den Jahren von 1928 bis 1933 unter einer beispiellosen Agrarkrise, Folge der gewaltsamen und in der gesamten Sowjetunion durchgeführten Zwangskollektivierung und Entkulakisierung... Die soziale und ökonomische Lage war gekennzeichnet durch massenhafte Enteignungen, Massendeportationen, Massenflucht und weit verbreitete Unruhen. Hungerkatastrophen kosteten zirka 1,3 bis 1,5 Millionen Menschenleben.[42] Andere Stellen sprechen von 1,5 bis 1,7 Millionen Todesopfern sowie bis zu 42 % der Bevölkerung, die dem Hunger zum Opfer fielen.

Auch Kirgisistan, Usbekistan,
Tadschikistan, Turkmenistan, Aserbaidschan, Georgien, Armenien, Moldawien, Estland, Lettland, Litauen ... sind nicht freiwillig und auch nicht unblutig in der Sowjetunion gelandet. (oder zuvor auch teilweise unter russischer Herrschaft) Auch dort gab es millionen Verschleppte, Verhungerte, Gefolterte und Ermordete.

Ich persönlich bin froh über die Mehrheit der Menschen hier in Deutschland, die die Verbrechen aus der Vergangenheit nicht leugnen. Letztlich kann man auch nichts lernen, wenn man nicht ehrlich damit umgeht. Das Putin Regime zeigt im Gegensatz dazu auch bei der Bewältigung der Vergangenheit ihr menschenfeindliches, verlogenes und dummes Gesicht.
"Gut gemeint" ist nicht das Gleiche wie "gut gemacht".

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