Abtreibungen mit Downsyndrom?

Moderator: Moderatoren Forum 7

Abtreibungen bei Kindern mit Downsyndrom?

Eher moralisch richtig (würde ich tun)
23
40%
Eher moralisch richtig (würde ich trotzdem nicht tun)
0
Keine Stimmen
Eher Unmoralisch (würde ich trotzdem tun)
8
14%
Eher Unmoralisch (würde ich nicht tun)
18
31%
Enthaltung
9
16%
 
Abstimmungen insgesamt: 58
Benutzeravatar
JJazzGold
Beiträge: 37573
Registriert: Mo 25. Mai 2009, 01:34
Benutzertitel: L'État, c'est moi

Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon JJazzGold » Do 16. Jan 2020, 10:48

Bartleby hat geschrieben:(15 Jan 2020, 22:46)

Die Prämisse der Userin lili kreist primär um den Status des Embryos/Fötus sowie der Stellung des daraus resultierenden Menschen im gesamtgesellschaftlichen Kontext und erst sekundär um die Entscheidungsfreiheit aufgrund von Sorgen und Nöten der Schwangeren, wenn sie eine Abtreibung ablehnt.

Die andere Fraktion fokussiert sich rein auf die Entscheidungsfreiheit der Schwangeren. Das Problem, das dabei auftritt, ist die Illusion, dass in dieser Version der Basis einer möglichen Ethik der Status des Fötus zwar eine Rolle spielt, das aber ausgeblendet wird. Auf diese Logik des theoretischen Umgangs mit dem Fötus bezog sich auch meine rein exemplarisch an der Singerschen Ethik angelehnte Frage, weshalb im Vergleich der Praxis der Spätabtreibung zum Fall des Tötens unmittelbar nach Geburt unter dieser Prämisse eine völlige Umkehr der moralischen Bewertung vollzogen werden kann. Jede Antwort, die dazu käme, würde die vorherige Argumentation vollkommen auf den Kopf stellen.

Also:

1. Es ist ethisch/moralisch vertretbar, im Falle von Trisomie 21 eine Abtreibung vorzunehmen.

2. Es ist zwar nicht vertretbar, aber akzeptabel, im Falle von Trisomie 21 eine Abtreibung vorzunehmen. (Das ist im Grunde das, was BVG und EGMR im Rahmen ihrer Urteile vertreten, weil beide den Widerspruch ausblenden zwischen den beiden Pärmissen - entweder ein Fötus hat generell Menschenrechte, die auch gegen Schwangere durchgesetzt werden müssen, oder man lässt doch selektive Merkmale zu, die rechtlich von dieser Durchsetzung befreit sind).


Das Problem, der blinde Fleck, den Vertreterinnen wie DA nun haben, lässt sich also u.a. anhand des Beispiels der Singerschen Ethik aufzeigen. Denn Ziffer 1. und 2. werden komplett ausgehebelt, wenn ein solches Kind geboren würde und die Eltern verlangen würden, es unmittelbar nach der Geburt zu töten. Was Stunden vorher richtig war, ist nun nicht nur rechtlich, sondern auch (angeblich) moralisch falsch.

Meine Behauptung geht dahin, dass die meisten Anti-lili-Vertreter in ihrer Argumentation verschleiern, dass der Status des Fötus in ihrer eigenen Argumentation sehr wohl eine entscheidende Rolle spielt, und dass das durchaus nachvollziehbare Argument der Entscheidungsfreiheit der werdenden Mutter/Eltern das ausblendet, dass man also auf der Basis von illusionären Prämissen hier argumentiert (oder zetert). Man lügt sich etwas vor, um besser zu sein, als man ist bzw. um nicht nachzudenken, was das, was man vertritt, bedeutet. Wer die Entscheidungsfreiheit als ausschließliches Kriterium und Basis einer Ethik möchte, wird Schwierigkeiten haben, erstens eine bestimmte Ausuferung von Selektionskriterien zu verhindern, zweitens vernünftig zu erklären, weshalb eine Tötung unmittelbar nach der Geburt plötzlich unmoralisch wäre.

Nachtrag: Natürlich ist das Selektion. Die Frage ist ja nur, unter welchen ethischen Vorzeichen es vertretbar ist.


Schwierige Frage, da ich nicht beurteilen kann, inwieweit Schlüsselreize bereits unmittelbar nach der Geburt einsetzen, die meines Erachtens das moralische Urteil bezüglich Lebenserhalt beeinflussen. Daher gehe ich davon aus, dass die gesetzliche Regelung nach dem Zeitpunkt der Geburt in erster Linie als Hilfestellung empfunden wird. Eine Eingrenzung, die die Last der individuellen Entscheidung abnimmt.
Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.
Alexander Freiherr von Humboldt
Benutzeravatar
Alana4
Beiträge: 3285
Registriert: Mo 20. Feb 2012, 19:09
Benutzertitel: immer mit etwas Traurigkeit
Wohnort: Großstadt

Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Alana4 » Do 16. Jan 2020, 10:52

Teeernte hat geschrieben:(16 Jan 2020, 10:38)

Schnucki, einfach mal in so einem Kreißsaaljobben gehen....

"Matsch" geht in die ewigen Jagdgründe... da "arbeitet" keiner an der Lebenserhaltung.

(Das ist in "D" die Schlucht der Spartiaten)

Sparta


Deine Art das auszudrücken, ist rabiat. Aber nicht falsch. Das Sterberisiko des Einzelnen am Lebensbeginn ist enorm hoch- so hoch wie erst wieder im Alter von 70 Jahren. Und dabei ist es egal, ob dieser "Lebensbeginn" an den Zeitpunkt der Zeugung, an irgendeinen Zeitpunkt währen der Schwangerschaft oder an den Zeitpunkt während oder kurz nach der Geburt gesetzt wird.
Ich beherrsche die deutsche Rechtschreibung! Aber meine Tastatur hat damit manchmal Probleme.
Benutzeravatar
Dark Angel
Moderator
Beiträge: 17256
Registriert: Fr 7. Aug 2009, 08:08
Benutzertitel: From Hell

Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Dark Angel » Do 16. Jan 2020, 13:37

Bartleby hat geschrieben:(15 Jan 2020, 22:46)
Meine Behauptung geht dahin, dass die meisten Anti-lili-Vertreter in ihrer Argumentation verschleiern, dass der Status des Fötus in ihrer eigenen Argumentation sehr wohl eine entscheidende Rolle spielt, und dass das durchaus nachvollziehbare Argument der Entscheidungsfreiheit der werdenden Mutter/Eltern das ausblendet, dass man also auf der Basis von illusionären Prämissen hier argumentiert (oder zetert). Man lügt sich etwas vor, um besser zu sein, als man ist bzw. um nicht nachzudenken, was das, was man vertritt, bedeutet. Wer die Entscheidungsfreiheit als ausschließliches Kriterium und Basis einer Ethik möchte, wird Schwierigkeiten haben, erstens eine bestimmte Ausuferung von Selektionskriterien zu verhindern, zweitens vernünftig zu erklären, weshalb eine Tötung unmittelbar nach der Geburt plötzlich unmoralisch wäre.

Nachtrag: Natürlich ist das Selektion. Die Frage ist ja nur, unter welchen ethischen Vorzeichen es vertretbar ist.

Diese Behauptung ist falsch!
Es geht NICHT um den "Status des Fötus" - der spielt bei der Entscheidungsfindung tatsächlich keine Rolle - sondern um die physische und vor allem psychische Situation ber betroffenen Frau bzw der betroffenen Eltern. Nur sie allein können die Entscheidung eine Entscheidung treffen und zwar auf der Grundlage eben dieser psychischen Situation UND ihrer eigenen ethisch-moralischen Werte und Vorstellungen.
Nur die Betroffenen können beurteilen, OB sie sich der Belastungen, die ein behindertes Kind mit sich bringt - und zwar ein Leben lang - gewachsen fühlen.
Die ethisch- moralische unbeteiligter, außenstehender Dritter ist dabei völlig irrelevant, weil die a) NICHT mit einer solchen Diagnose konfrontiert sind und b) auch NICHT in der Situation sind, ein solches Kind aufziehen zu müssen bzw aufzuziehen.

Deshalb ist auch die ethische Sichtweise Singers vollkommen irrelevant - er kann in diesem Zusammenhang schwätzen, was er mag, man kann sich dieser Sichtweise anschließen, muss es aber nicht.

Und wie ich bereits schrieb, eine Frau, die sich für das Austragen der Schwangerschaft entschieden hat, die im Verlauf der Schwangerschaft eine sehr enge Beziehung zu ihrem (werdenden) Kind aufgebaut hat, wird dieser Sichtweise Singers NICHT folgen.

Ich wiederhole noch einmal - auch wenn Ihnen das so gar nicht in den Kram passt - kein Mann (nicht ein einziger) und auch keine Frau, die kein Kind geboren hat, kann nachvollziehen WIE sich diese enge Bindung an das Kind entwickelt und zwar aus mehreren Gründen: wissen sie, wie sich eine Schwangerschaft körperlich "anfühlt", was mit und im Körper der Frau passiert? - Nein - können sie nicht! Wissen sie bzw können sie beurteilen, wie sich Körper und vor allem die Psyche der Frau (dauerhaft) während der Schwangerschaft (unter dem sich ständig verändernden Hormonhaushalt) verändert? - Nein- können sich nicht!

Niemand bestreitet, dass auch Männer eine enge Bindung an das werdende Kind entwickeln, dass sich auch ihr Hormonhaushalt ändert, aber (und das ist entscheident) sehr viel später und auf ganz andere Art und Weise.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen
Benutzeravatar
Dark Angel
Moderator
Beiträge: 17256
Registriert: Fr 7. Aug 2009, 08:08
Benutzertitel: From Hell

Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Dark Angel » Do 16. Jan 2020, 13:38

Bartleby hat geschrieben:(15 Jan 2020, 22:50)

Das war alles am Thema vorbei. Lauter Strohmänner.

Nein, das sind KEINE Strohmänner, denn genau darum geht es!
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen
Benutzeravatar
naddy
Beiträge: 1035
Registriert: Mo 18. Mär 2019, 11:50

Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon naddy » Do 16. Jan 2020, 14:25

Bielefeld09 hat geschrieben:(16 Jan 2020, 00:34)

Sehen Sie, ich werde Ihnen nicht vorschreiben.
was Sie zu denken haben,
aber halten Sie sich aus Entscheidungen künftiger Eltern heraus.
Weder für oder gegen.
Es ist nicht Ihre Entscheidung.
(gerichtet an den User Bartleby).

Ich denke es ist nicht allzu schwer einzusehen, daß die Diskussion der ethisch-moralischen Dimensionen eines Schwangerschaftsabbruchs auf "POLITIK-FORUM.EU" keinen nennenswerten Einfluß auf "Entscheidungen künftiger Eltern" haben wird. Auch wurde hier bisher nach meinem Überblick noch keine Gesetzesinitiative zur Änderung bestehender Regeln angekündigt. So weit ich weiß wird auch niemand zur Beteiligung an einer Diskussion gezwungen, wenn er sie für überflüssig oder uninteressant hält. Kein Grund also sich zu echauffieren, einfach ignorieren.
"Das gefährliche an der Dummheit ist, daß sie die dumm macht, die ihr begegnen." (Sokrates).
Benutzeravatar
Vongole
Vorstand
Beiträge: 6266
Registriert: Di 24. Mär 2015, 18:30

Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Vongole » Do 16. Jan 2020, 15:07

Dark Angel hat geschrieben:(16 Jan 2020, 13:38)

Nein, das sind KEINE Strohmänner, denn genau darum geht es!

Ja, den betroffenene Frauen geht es darum.
Dem TE und dem User Bartleby geht es jedoch um den philosophischen, bez. moralisch/ethischen Aspekt der Thematik. Da hier zwei völlig unterschiedliche Sichtweisen aufeinander treffen,
sind Missverständnisse oder Zoff vorprogrammiert.
Benutzeravatar
Dark Angel
Moderator
Beiträge: 17256
Registriert: Fr 7. Aug 2009, 08:08
Benutzertitel: From Hell

Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Dark Angel » Do 16. Jan 2020, 15:36

Vongole hat geschrieben:(16 Jan 2020, 15:07)

Ja, den betroffenene Frauen geht es darum.
Dem TE und dem User Bartleby geht es jedoch um den philosophischen, bez. moralisch/ethischen Aspekt der Thematik. Da hier zwei völlig unterschiedliche Sichtweisen aufeinander treffen,
sind Missverständnisse oder Zoff vorprogrammiert.

Und genau aus diesem Grund bin ich der Meinung, dass kein außenstehender Dritter, eine solch schwere Entscheidung moralisch bewerten sollte bzw nicht seine (eigenen) ethisch-moralischen Werte ansetzen sollte.
Kein außenstehender Dritter weiß, wie er selbst in solch einer Situation handeln würde, ob seine ethisch-moralischen Werte - mit denen er die Entscheidung anderer bewertet - dann noch Bestand haben.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen
Benutzeravatar
Vongole
Vorstand
Beiträge: 6266
Registriert: Di 24. Mär 2015, 18:30

Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Vongole » Do 16. Jan 2020, 15:42

Dark Angel hat geschrieben:(16 Jan 2020, 15:36)

Und genau aus diesem Grund bin ich der Meinung, dass kein außenstehender Dritter, eine solch schwere Entscheidung moralisch bewerten sollte bzw nicht seine (eigenen) ethisch-moralischen Werte ansetzen sollte.
Kein außenstehender Dritter weiß, wie er selbst in solch einer Situation handeln würde, ob seine ethisch-moralischen Werte - mit denen er die Entscheidung anderer bewertet - dann noch Bestand haben.

Diese Meinung teile ich, aber wir beide werden nichts daran ändern, dass in Teilen der Gesellschaft ein großes Bedürfnis besteht, betroffenen Frauen mit der Moralkeule zu kommen.
Einer Moral übrigens, die oft nicht mehr zum Tragen kommt, wenn es um den Umgang mit geborenen Trisomie21-Kindern oder behinderten Kindern an sich geht.
Benutzeravatar
Selina
Beiträge: 13024
Registriert: Do 29. Sep 2016, 15:33

Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Selina » Do 16. Jan 2020, 15:43

Dark Angel hat geschrieben:(16 Jan 2020, 15:36)

Und genau aus diesem Grund bin ich der Meinung, dass kein außenstehender Dritter, eine solch schwere Entscheidung moralisch bewerten sollte bzw nicht seine (eigenen) ethisch-moralischen Werte ansetzen sollte.
Kein außenstehender Dritter weiß, wie er selbst in solch einer Situation handeln würde, ob seine ethisch-moralischen Werte - mit denen er die Entscheidung anderer bewertet - dann noch Bestand haben.


Genauso siehts aus. Zumal es zum größten Teil Männer sind, die sich "ethisch-moralisch" äußern. Immer wieder. Die meisten Frauen empfinden das verständlicherweise als Einmischung und Arroganz. Die meisten Männer (auch einige wenige Frauen) wissen gar nicht genau, wovon sie eigentlich reden. Woher auch.
Zuletzt geändert von Selina am Do 16. Jan 2020, 15:52, insgesamt 2-mal geändert.
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
Benutzeravatar
Selina
Beiträge: 13024
Registriert: Do 29. Sep 2016, 15:33

Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Selina » Do 16. Jan 2020, 15:50

naddy hat geschrieben:(16 Jan 2020, 14:25)

(gerichtet an den User Bartleby).

Ich denke es ist nicht allzu schwer einzusehen, daß die Diskussion der ethisch-moralischen Dimensionen eines Schwangerschaftsabbruchs auf "POLITIK-FORUM.EU" keinen nennenswerten Einfluß auf "Entscheidungen künftiger Eltern" haben wird. Auch wurde hier bisher nach meinem Überblick noch keine Gesetzesinitiative zur Änderung bestehender Regeln angekündigt. So weit ich weiß wird auch niemand zur Beteiligung an einer Diskussion gezwungen, wenn er sie für überflüssig oder uninteressant hält. Kein Grund also sich zu echauffieren, einfach ignorieren.


Selbstverständlich kann man das auch äußern, wenn man Diskussionsbeiträge als sinnentleert, unpassend oder auch als übergriffig einschätzt. Das jeweilige Gegenüber sollte schon sehen, dass andere in bestimmten Punkten Grenzen sehen.
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
Benutzeravatar
Dark Angel
Moderator
Beiträge: 17256
Registriert: Fr 7. Aug 2009, 08:08
Benutzertitel: From Hell

Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Dark Angel » Do 16. Jan 2020, 16:59

Vongole hat geschrieben:(16 Jan 2020, 15:42)

Diese Meinung teile ich, aber wir beide werden nichts daran ändern, dass in Teilen der Gesellschaft ein großes Bedürfnis besteht, betroffenen Frauen mit der Moralkeule zu kommen.
Einer Moral übrigens, die oft nicht mehr zum Tragen kommt, wenn es um den Umgang mit geborenen Trisomie21-Kindern oder behinderten Kindern an sich geht.

Ja leider werden wir beide nichts daran ändern bzw ändern können, dass immer wieder gerne die Moralkeule augepackt und "der Stab über Betroffenen gebrochen" wird.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen
Benutzeravatar
naddy
Beiträge: 1035
Registriert: Mo 18. Mär 2019, 11:50

Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon naddy » Do 16. Jan 2020, 17:17

Selina hat geschrieben:(16 Jan 2020, 15:50)

Selbstverständlich kann man das auch äußern, wenn man Diskussionsbeiträge als sinnentleert, unpassend oder auch als übergriffig einschätzt.

Wenn sich das auf einen gesamten Thread bezieht, reicht allerdings auch eine einmalige Bewertung. Es sei denn, man hält "Einhämmern" für eine Diskussionsstrategie.
"Das gefährliche an der Dummheit ist, daß sie die dumm macht, die ihr begegnen." (Sokrates).
Benutzeravatar
Alana4
Beiträge: 3285
Registriert: Mo 20. Feb 2012, 19:09
Benutzertitel: immer mit etwas Traurigkeit
Wohnort: Großstadt

Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Alana4 » Do 16. Jan 2020, 17:40

naddy hat geschrieben:(16 Jan 2020, 17:17)

Wenn sich das auf einen gesamten Thread bezieht, reicht allerdings auch eine einmalige Bewertung. Es sei denn, man hält "Einhämmern" für eine Diskussionsstrategie.


Es liegt in der Natur einer Diskussion, einer Unterhaltung, dass jeder Beteiligte immer wieder seine Position darlegt. Es kommen Fragen, Antworten, es wird auf verschiedene Aspekte eingegangen. Manchmal ergeben sich Abzweigungen von der Ursprungsthematik, weil plötzlich Zusammenhänge erkannt werden, die man vorher noch gar nicht bedacht hat, manchmal erkennt ein Diskussionsteilnehmer dabei einen Irrtum oder erlangt Einsicht....ich finde das alles völlig normal. Was sonst ist ein Forum?
Und gerade in diesem Thread wird genau das sehr deutlich. Es besteht keinen Grund, eine solche Diskussion abzuwürgen, weil es ja "sinnlos" ist und der Teilnehmerkreis eh keine Lösung findet. Selbstverständlich findet er keine Lösung! Das ist doch auch gar nicht die Aufgabe oder das Ziel einer Diskussion.
Ich beherrsche die deutsche Rechtschreibung! Aber meine Tastatur hat damit manchmal Probleme.
Corella
Beiträge: 1253
Registriert: Sa 11. Jan 2014, 12:08

Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Corella » Do 16. Jan 2020, 17:49

Dark Angel hat geschrieben:(16 Jan 2020, 16:59)

Ja leider werden wir beide nichts daran ändern bzw ändern können, dass immer wieder gerne die Moralkeule augepackt und "der Stab über Betroffenen gebrochen" wird.


Moralkeule einerseits und "muss denn das (T21) heutzutage noch sein", von der anderen Seite. Damit können Betroffene konfrontiert sein, die ihre Energie wahrlich für besseres gebrauchen können. Ich kann Euch folgen.
Wir haben uns ... der Illusion hingegeben, dass es so etwas wie Umweltkapital nicht gibt. Dass man ... [es] zum Nulltarif nutzen kann und ... in diesen Kapitalstock nicht reinvestieren muss. (Klaus Töpfer 2005)
Benutzeravatar
Selina
Beiträge: 13024
Registriert: Do 29. Sep 2016, 15:33

Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Selina » Do 16. Jan 2020, 18:30

Die Moralkeule wird generell beim Thema Schwangerschaftsabbruch kräftig geschwungen von einigen Leuten, nicht nur bei Trisomie 21.
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
Benutzeravatar
Dark Angel
Moderator
Beiträge: 17256
Registriert: Fr 7. Aug 2009, 08:08
Benutzertitel: From Hell

Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Dark Angel » Do 16. Jan 2020, 19:25

Selina hat geschrieben:(16 Jan 2020, 18:30)

Die Moralkeule wird generell beim Thema Schwangerschaftsabbruch kräftig geschwungen von einigen Leuten, nicht nur bei Trisomie 21.

Stimmt, aber interessanterweise vorrangig von Männern, die sich bei der Entscheidung der Fraue "übergangen" fühlen, weil ihnen kein Mitspracherecht am Körper der Frau zugestanden wird.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen
Benutzeravatar
Alana4
Beiträge: 3285
Registriert: Mo 20. Feb 2012, 19:09
Benutzertitel: immer mit etwas Traurigkeit
Wohnort: Großstadt

Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Alana4 » Do 16. Jan 2020, 19:27

Selina hat geschrieben:(16 Jan 2020, 18:30)

Die Moralkeule wird generell beim Thema Schwangerschaftsabbruch kräftig geschwungen von einigen Leuten, nicht nur bei Trisomie 21.


Und besonders bemerkenswert sind dann "Keulen", die zwar generell nicht gegen Abtreibung sind, weil sie irgendwo einsehen (müssen) oder zumindest akzeptieren, dass da irgendwas mit "Rechten der Frau" ist, aber bei Abtreibung speziell bei festgestellter Trisomie21 beim Ungeborenen keinerlei Pardon kennen. ein "normaler" Abbruch innerhalb gesetzl. festgelegter Fristen ist halbwegs akzeptabel, ein Abbruch bei T21 nun aber überhaupt nicht!. Das verstehe ich z.Bsp. überhaupt nicht.
Ich beherrsche die deutsche Rechtschreibung! Aber meine Tastatur hat damit manchmal Probleme.
Benutzeravatar
Selina
Beiträge: 13024
Registriert: Do 29. Sep 2016, 15:33

Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Selina » Do 16. Jan 2020, 19:32

Dark Angel hat geschrieben:(16 Jan 2020, 19:25)

Stimmt, aber interessanterweise vorrangig von Männern, die sich bei der Entscheidung der Fraue "übergangen" fühlen, weil ihnen kein Mitspracherecht am Körper der Frau zugestanden wird.


Genau. Das hat was mit Besitzdenken zu tun, Motto "die Frau gehört mir". Erschreckend eigentlich, dass es solch ein Denken heute überhaupt noch gibt.
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
Benutzeravatar
Misterfritz
Vorstand
Beiträge: 10813
Registriert: So 4. Sep 2016, 15:14
Benutzertitel: Cheffe vons Rudel
Wohnort: Badische Sibirien

Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Misterfritz » Do 16. Jan 2020, 19:35

Dark Angel hat geschrieben:(16 Jan 2020, 13:37)
Ich wiederhole noch einmal - auch wenn Ihnen das so gar nicht in den Kram passt - kein Mann (nicht ein einziger) und auch keine Frau, die kein Kind geboren hat, kann nachvollziehen WIE sich diese enge Bindung an das Kind entwickelt und zwar aus mehreren Gründen: wissen sie, wie sich eine Schwangerschaft körperlich "anfühlt", was mit und im Körper der Frau passiert? - Nein - können sie nicht! Wissen sie bzw können sie beurteilen, wie sich Körper und vor allem die Psyche der Frau (dauerhaft) während der Schwangerschaft (unter dem sich ständig verändernden Hormonhaushalt) verändert? - Nein- können sich nicht!

Niemand bestreitet, dass auch Männer eine enge Bindung an das werdende Kind entwickeln, dass sich auch ihr Hormonhaushalt ändert, aber (und das ist entscheident) sehr viel später und auf ganz andere Art und Weise.

Und ich würde noch einen drauf packen:
Kein Mann kann nachvollziehen/erleben, wie psychisch belastend ein Abtreibung für eine Frau ist. Ich kenne keine Frau, die das mal eben im Vorübergehen gemacht hätte und danach nicht gelitten hätte! Auch wenn die Entscheidung gegen das Kind vernünftig gewesen ist.
Benutzeravatar
Billie Holiday
Beiträge: 16248
Registriert: Mi 11. Jun 2008, 11:45
Benutzertitel: Mein Glas ist halbvoll.
Wohnort: Schleswig-Holstein, meerumschlungen

Re: Abtreibungen mit Downsyndrom?

Beitragvon Billie Holiday » Do 16. Jan 2020, 19:40

Selina hat geschrieben:(16 Jan 2020, 19:32)

Genau. Das hat was mit Besitzdenken zu tun, Motto "die Frau gehört mir". Erschreckend eigentlich, dass es solch ein Denken heute überhaupt noch gibt.


Wie kann ein Mann denn mitteilen, dass er sehr gern Vater werden will und das Kind sehr gern hätte? Ich bezweifle ein Anspruchsdenken an den Körper der Frau. Er ist halt auf den Körper der Frau angewiesen, will er ein Kind haben.
Das Kind zu wollen ist offenbar genauso falsch wie Gleichgültigkeit oder Ablehnung.

Selbstverständlich hat er kein Recht darauf, dass sie es austrägt. Aber was soll er denn machen?
Dass ein westlich sozialisierter, zivilisierter Mann tatsächlich der Meinung sei, die Frau gehöre ihm, ist ja wohl Blödsinn.

Es ist sein gutes Recht, Abtreibung abzulehnen und um sein Kind zu kämpfen. Das letzte Wort hat natürlich die Frau.
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
K. Kinski

Zurück zu „70. Philosophie“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste