Laschet oder Söder

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Wer sollte Kanzlerkandidat der Union werden?

Armin Laschet
20
24%
Markus Söder
43
51%
Ist mir egal
22
26%
 
Abstimmungen insgesamt: 85
Wähler
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Re: Laschet oder Söder

Beitragvon Wähler » Sa 17. Apr 2021, 09:25

Wähler hat geschrieben:(17 Apr 2021, 08:57)
Ich sehe da keinen direkten Zusammenhang zu dem, was ich geschrieben habe. Auf dem CDU-Parteitag stammten die Delegierten aus allen Ebenen der Partei, während in der Bundestagsfraktion allein die CDU-Direktkandidaten entscheiden werden. Diese wissen nur, dass es in jedem Fall eng werden wird für ihre Direktmandate. Sie legen ihre ganze Hoffnung in Umfrageergebnisse, die nicht die gemittelte Sonntagsfrage sind, sondern eine Beliebtheitsumfrage. Warum Herr Söder erfolgreicher als Herr Laschet sein soll, wird überhaupt nicht systematisch hinterfragt. Die anderen Parteien werden sich in jedem Fall über eine solch angstgetriebene Union freuen. Eine Mitgliederbefragung verbunden mit einem gemeinsamen Wahlprogramm wäre strategisch klüger gewesen.

Skeptiker hat geschrieben:(17 Apr 2021, 09:18)
Natürlich ändert der Spitzenkandidat die Situation der CDU-Direktkandidaten.
Es wird maßlos überschätzt, wieviel Gedanken sich ein Durchschnittsbürger bei der Abgabe von Erst- und Zweitstimme macht. Auch werden Programme maßlos überschätzt. Die BTW ist zu allererst eine Personenwahl. Dementsprechend wird ein Großteil der Stimmen vergeben.

Das gilt nicht für alle Parteien gleichermaßen. Zumindestens wird die kontinuierliche Sonntagsfrage einen Hinweis geben. Der große Unterschied zu früher ist das Erstarken der Grünen. Dein Bauchgefühl in allen Ehren. Aber empirische Belege gibt es für Deine Hypothese nur wenige.
siehe auch:
https://www.bpb.de/politik/wahlen/wahle ... reitfragen
https://www.blaetter.de/node/30125/download
Zuletzt geändert von Wähler am Sa 17. Apr 2021, 10:15, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Laschet oder Söder

Beitragvon yogi61 » Sa 17. Apr 2021, 09:38

Da haben sie sich wohl unterhalten, aber ohne Ergebnis.

Der Streit um die Kanzlerkandidatur der Union dauert an. Ein Gespräch zwischen dem CDU-Vorsitzenden Armin Laschet und dem CSU-Vorsitzenden Markus Söder ging in der Nacht zum Samstag ohne Einigung zu Ende, erfuhr WELT.

Laschet lehnte es ab, auf die Kanzlerkandidatur zu verzichten und seinem Rivalen den Vortritt zu lassen. Der CDU-Vorsitzende beharrt darauf, von den demokratisch legitimierten Spitzengremien seiner Partei getragen zu werden. Auch Markus Söder ist bisher nicht zum Verzicht bereit.


https://www.welt.de/politik/article2304 ... ichen.html

„Wir sind nicht Helmut Kohl und Franz Josef Strauß“
Das stimmt wohl, ändert aber nichts an dem Drama.
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Re: Laschet oder Söder

Beitragvon aleph » Sa 17. Apr 2021, 09:39

JJazzGold hat geschrieben:(17 Apr 2021, 09:07)

Volkspartei definiere ich als erfolgreiche Sammlung unterschiedlicher Interessen die durch eine Partei vertreten werden.
Passt.
Die hat sich erledigt.
Insofern -> “interessante“ Zeiten, denen wir entgegen gehen, denn bei einer Konstellation von vier bis sechs Regierungsparteien wird die gemeinsame Schnittmenge immer geringer und müssen zwangsläufig die Kompromisse immer größer werden. Was letztendlich zur Bildung weiterer Parteien und deren Supporter über die 5% Hürde führt. Letztere wird zu einem Zeitpiunkt x obsolet

Das hat aber mit Volksparteien nichts zu tun, wobei Volksparteien per se leichter koalieren, weil sie ja viele verschiedene Programmpunkte haben. Ist aber ein anderes Thema. Volksparteien haben sich überlebt, vielleicht sogar Parteien im klassischen Sinne, von dem ja das Wort Partei, teil und teilen herkommt. Die beiden großen US Parteien sind ja keine Parteien in unserem klassischen Sinne.
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Re: Laschet oder Söder

Beitragvon sünnerklaas » Sa 17. Apr 2021, 10:00

yogi61 hat geschrieben:(17 Apr 2021, 09:38)

Da haben sie sich wohl unterhalten, aber ohne Ergebnis.



https://www.welt.de/politik/article2304 ... ichen.html

Das stimmt wohl, ändert aber nichts an dem Drama.

Hab das hier zu dem Thema gefunden. Ist 36 Jahre alt, passt aber im Angesicht der jetzigen Situation wie Arsch auf Eimer.
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Re: Laschet oder Söder

Beitragvon yogi61 » Sa 17. Apr 2021, 10:05

sünnerklaas hat geschrieben:(17 Apr 2021, 10:00)

Hab das hier zu dem Thema gefunden. Ist 36 Jahre alt, passt aber im Angesicht der jetzigen Situation wie Arsch auf Eimer.


Jo und hier ein Artikel, wie das damals ablief.
Wie Franz Josef Strauß 1979 Kanzlerkandidat wurde


https://www.faz.net/aktuell/politik/inl ... 97637.html
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Re: Laschet oder Söder

Beitragvon odiug » Sa 17. Apr 2021, 10:06

sünnerklaas hat geschrieben:(17 Apr 2021, 10:00)

Hab das hier zu dem Thema gefunden. Ist 36 Jahre alt, passt aber im Angesicht der jetzigen Situation wie Arsch auf Eimer.

Ja ... damals, im kalten Krieg nannte man das MAD :D
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Re: Laschet oder Söder

Beitragvon JJazzGold » Sa 17. Apr 2021, 10:08

PeterK hat geschrieben:(17 Apr 2021, 09:11)

Im Grunde ist/wäre das IMO nur eine Verlagerung der Kompromisse, die bisher innerhalb der sogenannten Volksparteien eingegangen wurden.


Das ist schon richtig, nur offeriert eine Volkspartei ein Programm und eine Strategie der Umsetzung bereits vor Antritt der Wahl gebündelt und verabschiedet. Im für diese Partei besten Fall müssen zwar in Koalitionsverhandlungen Kompromisse eingegangen werden, aber doch wesentlich weniger, als in Koalitionsverhandlungen mit fünf anderen Parteien, die jeweils ein Programm nur zugeschnitten auf die speziellen Bedürfnisse ihres Wählerklientels aufweisen.
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Re: Laschet oder Söder

Beitragvon PeterK » Sa 17. Apr 2021, 10:22

JJazzGold hat geschrieben:(17 Apr 2021, 10:08)
Im für diese Partei besten Fall müssen zwar in Koalitionsverhandlungen Kompromisse eingegangen werden, aber doch wesentlich weniger, als in Koalitionsverhandlungen mit fünf anderen Parteien, die jeweils ein Programm nur zugeschnitten auf die speziellen Bedürfnisse ihres Wählerklientels aufweisen.

Das stimmt selbstverständlich. Im zweiten Fall wird die Gewichtung der verschiedenen Interessen stärker durch die Wähler als durch Parteimitglieder bestimmt und das bringt auch Nachteile mit sich.
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Re: Laschet oder Söder

Beitragvon Wähler » Sa 17. Apr 2021, 10:24

Ein unglückliches Verfahren in der Union-Bundestagsfraktion droht wie 1979:
FAZ 17. April 2021 Wie Franz Josef Strauß 1979 Kanzlerkandidat wurde
https://www.faz.net/aktuell/politik/inl ... 97637.html
"Den Ausschlag hatte die vielfache Argumentation von CSU- wie auch von CDU-Abgeordneten, meist unter Berufung auf Wahlkreisstimmungen und Umfragen, gegeben, die Wähler verlangten nach klarer Sprache, nach Politik mit Kanten und Härten, nach Überzeugungskraft und Standfestigkeit, also nach all dem, was das Strauß-Lager weder Albrecht noch Kohl zutraute."
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Re: Laschet oder Söder

Beitragvon sünnerklaas » Sa 17. Apr 2021, 10:26

aleph hat geschrieben:(17 Apr 2021, 09:39)

Das hat aber mit Volksparteien nichts zu tun, wobei Volksparteien per se leichter koalieren, weil sie ja viele verschiedene Programmpunkte haben. Ist aber ein anderes Thema. Volksparteien haben sich überlebt, vielleicht sogar Parteien im klassischen Sinne, von dem ja das Wort Partei, teil und teilen herkommt. Die beiden großen US Parteien sind ja keine Parteien in unserem klassischen Sinne.


Sagen wir einmal so: die beiden Volksparteien haben sich überlebt, weil sich ihre Grundmillieus aufgelöst haben. Die große Klammer war dabei die konfessionelle Zugehörigkeit: die CDU/CSU war in einem großen Maße im Katholizismus verwurzeit, die SPD und auch die FDP im Protestantismus. Sehr schön konnte man das immer in Nord- und Westdeutschland beobachten: räumliche Konfessionsgrenzen waren sehr oft auch harte Parteigrenzen. Auch auf dem Lande wählte man in den ländlich geprägten protestantischen Gebieten in Niedersachsen nicht CDU, denn das war die Partei der katholischen Kirche. Umgekehrt wählte man in ländlich geprägten katholischen Regionen nicht SPD, denn das war die Partei der evangelischen Kirche.
Um sich in diesen Gebieten die klaren Mehrheiten zu sichern, mussten sich beide Parteien von Anfang an nach 1945 immer bewegen: die SPD war an der Küste schon immer sehr viel konservativer, als die Bundes-SPD, umgekehrt war die CDU dort sehr viel liberaler und sozialdemokratischer, als die Bundes-CDU. Beide konnten weder Unternehmern, noch Gewerkschaften, noch Bauernverbänden vor den Kopf schlagen. Gerhard Schröder als "Genosse der Bosse" ist kein Gerhard-Schröder-Phänomen, sondern eines der norddeutschen SPD. Ebenso die Stärke der Seeheimer in der SPD an der Küste.
Umgekehrt wusste Strauß im katholischen Bayern, dass er als CSU-Parteivorsitzender in Bayern keine konservative Politik pur betreiben konnte, sondern in der praktischen Politik in Bayern stets auch sozialdemokratische Positionen vertreten und sozialdemokratische Strömungen einbinden musste. Hätte er das nicht gemacht, wäre nicht nur der Umbau Bayerns vom armen Agrarstaat hin zu einem erfolgreichen Industriestandort nicht gelungen, die Partei hätte sich ganz schnell der lange Zeit sicheren absoluten Mehrheit beraubt.
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Re: Laschet oder Söder

Beitragvon sünnerklaas » Sa 17. Apr 2021, 10:29

yogi61 hat geschrieben:(17 Apr 2021, 10:05)

Jo und hier ein Artikel, wie das damals ablief.


https://www.faz.net/aktuell/politik/inl ... 97637.html


Man könnte daraus für das Jahr 2021 - also 42 Jahre später - ableiten: CDU und CSU sind in gewissen Grundstrukturen im Jahre 1979 stecken geblieben. Ist nicht gut...
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Re: Laschet oder Söder

Beitragvon yogi61 » Sa 17. Apr 2021, 10:33

sünnerklaas hat geschrieben:(17 Apr 2021, 10:29)

Man könnte daraus für das Jahr 2021 - also 42 Jahre später - ableiten: CDU und CSU sind in gewissen Grundstrukturen im Jahre 1979 stecken geblieben. Ist nicht gut...


Sie haben vor allen Dingen nichts daraus gelernt und sie haben kein Verfahren für so ein Situation. Vielleicht liegt das aber an 32 Jahren Kohl/Merkel
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Re: Laschet oder Söder

Beitragvon Laertes » Sa 17. Apr 2021, 10:36

sünnerklaas hat geschrieben:(17 Apr 2021, 10:29)

Man könnte daraus für das Jahr 2021 - also 42 Jahre später - ableiten: CDU und CSU sind in gewissen Grundstrukturen im Jahre 1979 stecken geblieben. Ist nicht gut...
Ist zwar Offtopic, aber passt zu dem Muster die digitale und organisatorische Reform der Verwaltung auch gefühlt seit 1979 verschlafen zu haben. Mit dem Kanzlerabo gab es da wohl zu wenig Innovationsdruck für die CDU/CSU in der Vergangenheit.
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Re: Laschet oder Söder

Beitragvon Skeptiker » Sa 17. Apr 2021, 10:40

sünnerklaas hat geschrieben:(17 Apr 2021, 10:29)

Man könnte daraus für das Jahr 2021 - also 42 Jahre später - ableiten: CDU und CSU sind in gewissen Grundstrukturen im Jahre 1979 stecken geblieben. Ist nicht gut...

Die Grundstruktur nennt sich "Union". Und es ändert sich grundsätzlich nichts daran, wie man unter Partnern einen Kanzlerkandidaten bestimmt.

In diesem Fall hat der kleinere Partner den aussichtsreicheren Kandidaten. Dem nicht den Vorzug zu geben, sondern auf Seilschaftsentscheidungen zu beharren, das löst diese Krise aus.

Im Kern ist es allerdings wenig spektakulär. Wenn man sich nicht einigen kann, dann wird halt abgestimmt. Den Schaden für den Verlierer könnte man sich sparen - manchmal aber offensichtlich wohl auch nicht.
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Re: Laschet oder Söder

Beitragvon Skeptiker » Sa 17. Apr 2021, 10:43

yogi61 hat geschrieben:(17 Apr 2021, 10:33)

Sie haben vor allen Dingen nichts daraus gelernt und sie haben kein Verfahren für so ein Situation. Vielleicht liegt das aber an 32 Jahren Kohl/Merkel

Die CDU muss ganz klar an der bürger- und basisnähe arbeiten. Das zeigt dieses Dilemma ganz klar. Man kann keine Volkspartei sein, wenn man das "Volk" auf einen inneren Zirkel von Personen einschränkt.
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Re: Laschet oder Söder

Beitragvon sünnerklaas » Sa 17. Apr 2021, 10:51

yogi61 hat geschrieben:(17 Apr 2021, 10:33)

Sie haben vor allen Dingen nichts daraus gelernt und sie haben kein Verfahren für so ein Situation. Vielleicht liegt das aber an 32 Jahren Kohl/Merkel


Die Partei ist nicht nur in ihren Strukturen erstarrt, sondern auch in ihren Denk- und Handlungsmustern. Probleme werden vertagt, man versucht sie auszusitzen. Auch innerparteiliche Struktur-Probleme. Irgendwann geht das nicht mehr, irgendwann werden solche Problem zu einem Riesenproblem. Und weil man nicht vorrausschauend gedacht und gehandelt hat, dazu gar nicht in der Lage ist, bricht das ganze dann wie ein Kartenhaus in sich zu sammen.

Mir fällt da immer ein gern von sich gegebener Standardspruch ein: Problem ABC interessiere jetzt nicht, das löse man, wenn es so weit sei. Es jetzt zu lösen hieße, schlafende Hunde zu wecken oder sogar die Büchse der Pandora zu öffnen. Die Leute seien doch schon vom letzten Mal noch nicht richtig zur Ruhe gekommen. Und vielleicht sei man ja dann, wenn das Problem akut würde, schon längst tot.

Wohin das dann führt und was passiert, wenn dann wirklich plötzlich etwas sehr akut wird, hat Helmut Schmidt einmal beschrieben: Als er bei der Hamburger Sturmflut am Morgen des 17. Februars 1962 im Krisenstab erschien, rannten dort alle durcheinander, wie aufgeregte Hühner. Den Verantwortlichen war alles komplett entglitten. Stattdessen regierten Bedenkenträger und Leute, die an fiskalischen Ängsten litten.
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Re: Laschet oder Söder

Beitragvon sünnerklaas » Sa 17. Apr 2021, 10:57

Skeptiker hat geschrieben:(17 Apr 2021, 10:43)

Die CDU muss ganz klar an der bürger- und basisnähe arbeiten. Das zeigt dieses Dilemma ganz klar. Man kann keine Volkspartei sein, wenn man das "Volk" auf einen inneren Zirkel von Personen einschränkt.


Dann ist die Partei aber kein Kanzlerwahlverein mehr. Das ist aber ihre DNA. Wenn man mal CDU-Leute fragt, warum sie seinerzeit in die Partei eingetreten sind, bekommt man eine einfache Antwort: man sei Fan von Adenauer und Kohl. Das Abo aufs Kanzleramt spielt eine zentrale Rolle und die in der Geschichte fest dazugehörende Personalunion von Kanzleramt und Parteivorsitz. Man wird also von oben praktisch-politisch bedient und erwartet das auch. Umgekehrt sichtert das dem Bundesvorsitzenden und Kanzler die Macht. Ein Geschäft also - eine Win-Win-Situation.
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Re: Laschet oder Söder

Beitragvon sünnerklaas » Sa 17. Apr 2021, 11:04

Skeptiker hat geschrieben:(17 Apr 2021, 10:40)

In diesem Fall hat der kleinere Partner den aussichtsreicheren Kandidaten. Dem nicht den Vorzug zu geben, sondern auf Seilschaftsentscheidungen zu beharren, das löst diese Krise aus.


Das sind halt innerparteiliche Machtstrukturen. Die Partei denkt und funktioniert nach dem Prinzip, man hätte das schon immer so gemacht, nie wäre es anders gewesen, das könne man nicht zu ändern, da könne ja jeder kommen. Also das Prinzip vom sogenannten Guten Alten Recht. Diese Denkweise ist uralt und stammt noch aus dem 1806 zurecht implodierten römisch-deutschen Reich. Auch da spielten verkrustete und komplett erstarrte Strukturen eine große Rolle - und das Abo der Familie Habsburg auf den Titel des erwählten Kaisers.
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Re: Laschet oder Söder

Beitragvon aleph » Sa 17. Apr 2021, 11:11

Jedenfalls wird der nächste Kanzlerkandidat der Union eine gewisse Sturheit, Beharrungsvermögen und Durchsetzungsvermögen besitzen.

Warum bestimmt eigentlich nur das Präsidium der CDU den Kandidaten, wenn es doch ein gemeinsamer Kandidat der Union sein soll?
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Re: Laschet oder Söder

Beitragvon Misterfritz » Sa 17. Apr 2021, 11:23

Skeptiker hat geschrieben:(17 Apr 2021, 10:40)
Im Kern ist es allerdings wenig spektakulär. Wenn man sich nicht einigen kann, dann wird halt abgestimmt. Den Schaden für den Verlierer könnte man sich sparen - manchmal aber offensichtlich wohl auch nicht.
Der Schaden ist schon da, egal, wie es ausgeht.
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