Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Moderator: Moderatoren Forum 5

Benutzeravatar
Sören74
Beiträge: 17766
Registriert: Mi 30. Jan 2019, 14:30
Benutzertitel: Dialoganbieter

Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon Sören74 » So 28. Feb 2021, 19:14

Moses hat geschrieben:(28 Feb 2021, 18:18)

Das allerdings sehe ich völlig anders. Das was Du hier auflistest ist Aufgabe des Elternhauses, die Schulen sollen Schulwissen vermitteln. Grundlagen für eine spätere Berufsausbildung - Lebenfähigkeit müssen immer noch die Eltern vermitteln.


Hmm, ich sehe das sowohl anders als Jack, aber auch als Du. Die Schule kann im einzelnen nicht all diese Fähigkeiten beibringen. In Teilen ist es durchaus sinnvoll und in Teilen wird es auch gemacht. Beispielsweise Gesunde Ernährung / Kochen in BaWü im Fach MUM (Mensch und Umwelt) an Realschulen. Aber alles kann und sollte man im Einzelfall nicht beibringen. Aber gleichzeitig kann man auch von Eltern nicht erwarten, dass sie ihren Kindern immer beibringen können, wie man vernünftig mit Geld umgeht, oder mit bestimmten Behörden umgeht, wenn sie es selber nicht gelernt haben.

In meiner Zeit gab es Lehrer, die sagten, wir können euch nicht alles beibringen, aber wir können euch beibringen, wie ihr die Fähigkeit erlernt, solche Probleme zu lösen. Das ist viel wichtiger als im Einzelfall zu wissen, wie man mit Pflanzen in der eigenen Wohnung umgeht. Also eine Ausbildung als Problemlöser. Und da können natürlich auch Eltern helfen. Da wird manchmal unter falsch verstandener Hilfe den Kindern vieles abgenommen, was sie dann wesentlich später selbst erlernen müssen.
Benutzeravatar
Milady de Winter
Beiträge: 14736
Registriert: Mi 18. Jan 2012, 16:37
Benutzertitel: Weiß wie Schnee, rot wie Blut

Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon Milady de Winter » So 28. Feb 2021, 19:14

Uffhausen hat geschrieben:(28 Feb 2021, 19:09)

Wie denn auch - der Staat hätte es ja gern, wenn beide Elternteile Vollzeit arbeiten und die Kinder währenddessen in Ganztageseinrichtungen verbleiben.

Wobei ich persönlich hier aus Erfahrung anmerken möchte, dass eine höhere physische Präsenz der Eltern beiweitem kein Garant für eine bessere Erziehung ist. Weder im Hinblick auf Bildung noch auf soziale Kompetenz.
- When he called me evil I just laughed -
Benutzeravatar
Billie Holiday
Beiträge: 20489
Registriert: Mi 11. Jun 2008, 11:45
Benutzertitel: Mein Glas ist halbvoll.
Wohnort: Schleswig-Holstein, meerumschlungen

Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon Billie Holiday » So 28. Feb 2021, 19:15

Uffhausen hat geschrieben:(28 Feb 2021, 19:09)

Wie denn auch - der Staat hätte es ja gern, wenn beide Elternteile Vollzeit arbeiten und die Kinder währenddessen in Ganztageseinrichtungen verbleiben.

Desweiteren - so zumindest mein ganz persönlicher Eindruck - sind die heutigen Kinder und Jugendlichen wesentlich abhängiger von sozialen Medien, als von ihrem Elterhaus. Sie würden bei dringenden Lebensfragen wohl eher auf Youtube vorbeischauen oder sich eine App runterladen, statt mal Mami oder Papi um Rat zu fragen...


Ja? Wo steht das?
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
K. Kinski
Benutzeravatar
McKnee
Beiträge: 5888
Registriert: Sa 2. Sep 2017, 16:18
Benutzertitel: Immer gerade und nie verbogen
Wohnort: Daheim

Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon McKnee » So 28. Feb 2021, 19:16

Milady de Winter hat geschrieben:(28 Feb 2021, 19:14)

Wobei ich persönlich hier aus Erfahrung anmerken möchte, dass eine höhere physische Präsenz der Eltern beiweitem kein Garant für eine bessere Erziehung ist. Weder im Hinblick auf Bildung noch auf soziale Kompetenz.


Manchmal ist es genau anders herum
Der Hauptgrund für Stress ist der tägliche Kontakt mit Idioten.

Es ist mir egal, ob es ein Albert-Einstein-Zitat ist ...

.....er wusste es :D
Benutzeravatar
Moses
Vorstand
Beiträge: 12158
Registriert: Di 20. Mär 2012, 14:43
Benutzertitel: Cogito ergo hic erro.
Wohnort: Da wo die Liebste wohnt

Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon Moses » So 28. Feb 2021, 19:16

Sören74 hat geschrieben:(28 Feb 2021, 19:14)

Hmm, ich sehe das sowohl anders als Jack, aber auch als Du. Die Schule kann im einzelnen nicht all diese Fähigkeiten beibringen. In Teilen ist es durchaus sinnvoll und in Teilen wird es auch gemacht. Beispielsweise Gesunde Ernährung / Kochen in BaWü im Fach MUM (Mensch und Umwelt) an Realschulen. Aber alles kann und sollte man im Einzelfall nicht beibringen. Aber gleichzeitig kann man auch von Eltern nicht erwarten, dass sie ihren Kindern immer beibringen können, wie man vernünftig mit Geld umgeht, oder mit bestimmten Behörden umgeht, wenn sie es selber nicht gelernt haben.

In meiner Zeit gab es Lehrer, die sagten, wir können euch nicht alles beibringen, aber wir können euch beibringen, wie ihr die Fähigkeit erlernt, solche Probleme zu lösen. Das ist viel wichtiger als im Einzelfall zu wissen, wie man mit Pflanzen in der eigenen Wohnung umgeht. Also eine Ausbildung als Problemlöser. Und da können natürlich auch Eltern helfen. Da wird manchmal unter falsch verstandener Hilfe den Kindern vieles abgenommen, was sie dann wesentlich später selbst erlernen müssen.

Korrekt - hier kann ich tatsächlich zustimmen!
Der Herr gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich nicht hinnehmen kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Benutzeravatar
Moses
Vorstand
Beiträge: 12158
Registriert: Di 20. Mär 2012, 14:43
Benutzertitel: Cogito ergo hic erro.
Wohnort: Da wo die Liebste wohnt

Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon Moses » So 28. Feb 2021, 19:17

McKnee hat geschrieben:(28 Feb 2021, 19:16)

Manchmal ist es genau anders herum

Auch da stimme ich voll zu.
Der Herr gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich nicht hinnehmen kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Uffhausen
Beiträge: 1122
Registriert: Mi 14. Dez 2016, 22:33

Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon Uffhausen » So 28. Feb 2021, 19:36

Sören74 hat geschrieben:(28 Feb 2021, 19:14)
Beispielsweise Gesunde Ernährung / Kochen in BaWü im Fach MUM (Mensch und Umwelt) an Realschulen.

Kann mich erinnern, war ein Wahlfach nebst Französisch und Technik - ich meine ab der 8. Klasse.

Fand ich damals schon krass: Die MUMler hatten damals ab 7.35 Uhr Doppelstunde; haben dort ein komplettes Sonntagsmenü kochen gelernt - und mussten es hernach auch bitteschön selber aufessen. Wegschmeißen wäre ja nicht bildungkonform gewesen. Schon vor der großen Pause um 10 Uhr eine Brühe, Braten mit Knödel und Gemüse samt Dessert im Magen - einfach übel. :dead:

Da war ich echt froh, mich stattdessen für Französisch entschieden zuhaben - obwohl ich's nie gelernt habe. Zumindest hatte ich nie Bauchweh danach. :D
"Man kann auf seinem Standpunkt stehen, aber man sollte nicht darauf sitzen." Erich Kästner
Benutzeravatar
Milady de Winter
Beiträge: 14736
Registriert: Mi 18. Jan 2012, 16:37
Benutzertitel: Weiß wie Schnee, rot wie Blut

Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon Milady de Winter » So 28. Feb 2021, 19:49

Uffhausen hat geschrieben:(28 Feb 2021, 19:36)

Fand ich damals schon krass: Die MUMler hatten damals ab 7.35 Uhr Doppelstunde; haben dort ein komplettes Sonntagsmenü kochen gelernt - und mussten es hernach auch bitteschön selber aufessen. Wegschmeißen wäre ja nicht bildungkonform gewesen. Schon vor der großen Pause um 10 Uhr eine Brühe, Braten mit Knödel und Gemüse samt Dessert im Magen - einfach übel. :dead:

Ernährungslehre wäre in meinen Augen angebracht. Ich hatte "Hauswirtschaft" (oder wie das hieß) auch mal ein Jahr lang, war sogar Pflichtfach... was wir da z.T. kochen mussten, war aber alles andere als ein Paradebeispiel für eine ausgewogene Ernährung. War mehr so eine Art Maggi-Kochkurs. Zudem wollte uns unsere Lehrerin fast zwingen, das Zeug zu essen, auch wenn etwas dabei war, was man nicht essen wollte, und zeitgleich verbieten, zum Essen etwas zu trinken - warum auch immer. Und da hörte es dann bei mir auf. Ich hab ihr gesagt, dass wir uns entweder darauf einigen, dass ich trinke, was ich will, und dass ich esse, was ich will - oder dass ich aufstehe und gehe. Und wenn's sein muss auf geradem Weg ins Büro des Rektors. Lief dann soweit. Aber ich war froh, als das Jahr rum war.
- When he called me evil I just laughed -
Uffhausen
Beiträge: 1122
Registriert: Mi 14. Dez 2016, 22:33

Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon Uffhausen » So 28. Feb 2021, 20:20

Billie Holiday hat geschrieben:(28 Feb 2021, 19:15)

Ja? Wo steht das?

Das hat mir so vor einigen Jahren mal einer unserer (ehrlichen) Lokalpolitiker erklärt:

Alles in Allem sei es der (politische!) Weg des geringsten Widerstands - laut Pisa-Studien sind deutsche Kinder dümmer als die Kinder anderer Länder = wenn man die Schulbildung deswegen reformieren würde, käme das einem politischen Eingeständnis des Versagens gleich. Also lieber die Eltern der Kinder als Versager hinstellen - Konsequenz: Ganztageseinrichtungen für die Kinder (bildungstechnisch kann alles beim Alten belassen werden) und möglichst Vollzeit-Arbeit für die Eltern (wenn sie schon zu dumm sind, ihren Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen, sollen sie wenigstens arbeiten und damit u. a. die Staatskassen füllen und die Statistiken aufhübschen).

Fand und finde ich immernoch nachvollziehbar und auch glaubwürdig.

Eine Kollegin meinte kürzlich, ihre Tochter sei deshalb "langsam am durchdrehen", weil ihr die gewohnte Struktur fehlt. Seit sie eineinhalb Jahre alt ist, ist sie das fremdbestimmte Ganztagessystem gewohnt - aber eben deshalb nicht wie es ist, zuhause zu sein oder Zeit mit den Eltern zu verbringen. Ich finde das entsetzlich - mein Zuhause war für mich damals der Ort, wo ich ich am wohlsten gefühlt habe; meine Eltern waren für mich die vertrautesten und vertrauenswürdigsten Menschen weit und breit.

Klar, hätte ich auch ein Ganztagessystem durchleben müssen, wäre mein Zuhause für mich wohl auch nur ein Ort wo ich mich aufhalten muss, wenn ich nicht in der Ganztageseinrichtung bin und meine Eltern nur noch Menschen geworden, die für mich sorgen müssen, wenn ErzieherInnen oder LehrerInnen nicht da sind. :dead:
"Man kann auf seinem Standpunkt stehen, aber man sollte nicht darauf sitzen." Erich Kästner
Benutzeravatar
Selina
Beiträge: 16105
Registriert: Do 29. Sep 2016, 15:33

Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon Selina » Mo 1. Mär 2021, 07:15

schokoschendrezki hat geschrieben:(28 Feb 2021, 14:38)

Auf der einen Seite veraltet. Aber auf der anderen Seite auch wieder irgendwie "überreformiert". Selbst in meiner Grundschulzeit, in den Endsechziger Jahren und selbst in der preußisch-konservativen DDR: Hielten bereits neben dem klassischen Frontalunterricht moderne Formen von gruppenorientiertem Lernen Einzug. "Lerngruppen". Ich habe sie gehasst. In meiner kindlichen Vorstellung haben sich damit die Erwachsenen und die Lehrer aus ihrer Verantwortung gestohlen. Ich wollte immer nur Frontalunterricht und für mich ganz allein und einsam lernen. Mein Gerechtigkeitsempfinden sagte mir: Warum soll ich der dummen Bärbel die Grundrechenarten beibringen? Wofür gibts denn die Lehrer?


Was ist das für ein "Gerechtigkeitsempfinden", das die "dumme Bärbel" ausschließt? Mein Gerechtigkeitsempfinden sagt mir immer, dass auch Bärbel mitkommen und den Stoff verstehen sollte. Und wenn es die Lehrer nicht schaffen, dass bei ihr der Knoten platzt, dann sind es halt hilfsbereite und freundliche Mitschüler. Solche, die nicht nur an sich denken.
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
Benutzeravatar
Billie Holiday
Beiträge: 20489
Registriert: Mi 11. Jun 2008, 11:45
Benutzertitel: Mein Glas ist halbvoll.
Wohnort: Schleswig-Holstein, meerumschlungen

Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon Billie Holiday » Mo 1. Mär 2021, 08:34

Selina hat geschrieben:(01 Mar 2021, 07:15)

Was ist das für ein "Gerechtigkeitsempfinden", das die "dumme Bärbel" ausschließt? Mein Gerechtigkeitsempfinden sagt mir immer, dass auch Bärbel mitkommen und den Stoff verstehen sollte. Und wenn es die Lehrer nicht schaffen, dass bei ihr der Knoten platzt, dann sind es halt hilfsbereite und freundliche Mitschüler. Solche, die nicht nur an sich denken.


Es ist nicht Job des Schülers, die Arbeit des Lehrers zu übernehmen.
Dass auch mal unbeliebte Mitschüler bei etwas ausgeschlossen werden, ist die Realität fernab von Träumen der Harmonie im Klassenraum.
Man hilft seinen Freunden, wenn die nicht klarkommen. Den Job des Lehrers übernimmt keiner freiwillig. Vor allem nicht bei Mitschülern, die man nicht mag.
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
K. Kinski
Benutzeravatar
Realist2014
Beiträge: 51514
Registriert: Mo 26. Mai 2014, 15:12
Benutzertitel: Sozialer Marktwirtschaftler
Wohnort: München , Stadt des FC Bayern

Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon Realist2014 » Mo 1. Mär 2021, 10:06

Selina hat geschrieben:(01 Mar 2021, 07:15)

Was ist das für ein "Gerechtigkeitsempfinden", das die "dumme Bärbel" ausschließt? Mein Gerechtigkeitsempfinden sagt mir immer, dass auch Bärbel mitkommen und den Stoff verstehen sollte. Und wenn es die Lehrer nicht schaffen, dass bei ihr der Knoten platzt, dann sind es halt hilfsbereite und freundliche Mitschüler. Solche, die nicht nur an sich denken.


Die "Dicken" und die "Grobmotoriker" wollte beim Fussball im Sportuntereicht während der "Manschaftstwahl" auch immer keiner im Team haben....

Un auch in der Schule gibt es schon den von dir ja "verhassten" Wettbewerb....

Denn die Schule ist auch schon die Vorbereitung für den Wettbewerb in der Leistungsgesellschaft im Berufsleben...

Beginnt ja dann direkt im Anschluß an die Schule beim Wettbewerb um die begehrten Lehrstellen oder Studienplätze.

Die "guten" bekommen diese begehrten dann- die anderen müssen das nehmen, was übrig bleibt.

Marktwirtschaft...
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
Benutzeravatar
Selina
Beiträge: 16105
Registriert: Do 29. Sep 2016, 15:33

Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon Selina » Mo 1. Mär 2021, 11:16

Realist2014 hat geschrieben:(01 Mar 2021, 10:06)

Die "Dicken" und die "Grobmotoriker" wollte beim Fussball im Sportuntereicht während der "Manschaftstwahl" auch immer keiner im Team haben....

Un auch in der Schule gibt es schon den von dir ja "verhassten" Wettbewerb....

Denn die Schule ist auch schon die Vorbereitung für den Wettbewerb in der Leistungsgesellschaft im Berufsleben...

Beginnt ja dann direkt im Anschluß an die Schule beim Wettbewerb um die begehrten Lehrstellen oder Studienplätze.

Die "guten" bekommen diese begehrten dann- die anderen müssen das nehmen, was übrig bleibt.

Marktwirtschaft...


Ich hasse doch den Wettbewerb nicht. So ein Unfug. Wettbewerb und andere nicht ausschließen und ausgrenzen, das lässt sich durchaus unter einen Hut bringen. Das ist alles ein Frage des Menschenbildes, das man selbst hat. Leute mobben, abwerten und schlechtreden, weil das "immer schon ganz normal war", halte ich für ein fragwürdiges und kaltes Menschenbild. Das beginnt in der Schule und setzt sich über etliche weitere Bereiche bis ins politische Leben fort.
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
Benutzeravatar
Realist2014
Beiträge: 51514
Registriert: Mo 26. Mai 2014, 15:12
Benutzertitel: Sozialer Marktwirtschaftler
Wohnort: München , Stadt des FC Bayern

Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon Realist2014 » Mo 1. Mär 2021, 11:21

Selina hat geschrieben:(01 Mar 2021, 11:16)
Ich hasse doch den Wettbewerb nicht. So ein Unfug. Wettbewerb und andere nicht ausschließen und ausgrenzen, das lässt sich durchaus unter einen Hut bringen.

Wettbewerb bedeutet Gewinner und Verlierer.... Die Verlierer sind dann logischweise "ausgegrenzt" von dem, um was es ging...
Das ist alles ein Frage des Menschenbildes, das man selbst hat. Leute mobben, abwerten und schlechtreden,

War hier nicht das Thema- das ist immer dein Thema...
weil das "immer schon ganz normal war", halte ich für ein fragwürdiges und kaltes Menschenbild.

Ich weiß nicht was bei dir "normal" war...
Das beginnt in der Schule und setzt sich über etliche weitere Bereiche bis ins politische Leben fort.

Der Mensch ist, wie er ist....
Nur ideologisch verblendete aus dem extremen Spektrum wollen durch "Erziehung" einen "neuen Menschen " schaffen...
So mit HJ, BDM, FDJ.....
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 16575
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 16:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 1. Mär 2021, 11:52

Selina hat geschrieben:(01 Mar 2021, 07:15)

Was ist das für ein "Gerechtigkeitsempfinden", das die "dumme Bärbel" ausschließt? Mein Gerechtigkeitsempfinden sagt mir immer, dass auch Bärbel mitkommen und den Stoff verstehen sollte. Und wenn es die Lehrer nicht schaffen, dass bei ihr der Knoten platzt, dann sind es halt hilfsbereite und freundliche Mitschüler. Solche, die nicht nur an sich denken.


Ja. Das ist von der moralischen Warte her schon richtig. Und ab einem gewissen Alter auch in irgedeiner Form erwartbar. Aber einem Grundschulkind fällt es ohnehin schon schwer, etliche Stunden in der Schule zu sitzen. Ich habe diese reformpädagogischen Ansätze als Grundschulkind immer so als eine Art Zwangskollektivierung empfunden. Die Menschen sind nun mal verschieden. Es gibt ja auch im Berufsleben ganz verschiedene Profile. Solche, bei denen es auf Teamwork ankommt und solche, bei denen man ganze Tage lang allein am Computer oder in einem Labor herumtüftelt.
Ich habe nie in meinem Leben irgendein Volk oder Kollektiv geliebt ... ich liebe in der Tat nur meine Freunde und bin zu aller anderen Liebe völlig unfähig (Hannah Arendt)
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 16575
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 16:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 1. Mär 2021, 12:08

Realist2014 hat geschrieben:(01 Mar 2021, 10:06)

Die "Dicken" und die "Grobmotoriker" wollte beim Fussball im Sportuntereicht während der "Manschaftstwahl" auch immer keiner im Team haben....

Un auch in der Schule gibt es schon den von dir ja "verhassten" Wettbewerb....


Da muss ich dir widersprechen. In der Schule gehts um Wissensvermittlung.
Und da bin ich auf der Seite derer, die Schule eben gerade nicht vorrangig als Vorbereitung auf die Alltagsbewältigung im späteren Leben sehen. Musik, Literatur, Genetik, Astronomie bereiten kaum auf irgendwelche praktischen Fragen des späteren Lebens vor. Sicherlich irritiert es, wenn man auch von Schülern selbst öfter die Ansicht hört, Schule müsse sich mehr praktischen Fragen wie etwa Steuererklärungen oder dergleichen widmen. Man muss diese Ansichten dennoch nicht teilen. Man muss ja auch nicht das an Schulen verbreitete Mobbing unter Schülern gut finden.
Ich habe nie in meinem Leben irgendein Volk oder Kollektiv geliebt ... ich liebe in der Tat nur meine Freunde und bin zu aller anderen Liebe völlig unfähig (Hannah Arendt)
Benutzeravatar
Realist2014
Beiträge: 51514
Registriert: Mo 26. Mai 2014, 15:12
Benutzertitel: Sozialer Marktwirtschaftler
Wohnort: München , Stadt des FC Bayern

Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon Realist2014 » Mo 1. Mär 2021, 12:12

schokoschendrezki hat geschrieben:(01 Mar 2021, 12:08)
Da muss ich dir widersprechen. In der Schule gehts um Wissensvermittlung.

natürlich- trotzdem gab und gibt es dort auch Wettbewerb...

Und da bin ich auf der Seite derer, die Schule eben gerade nicht vorrangig als Vorbereitung auf die Alltagsbewältigung im späteren Leben sehen. .


Ich hatte geschrieben, auf das Berufsleben..

Mit Wettbewerb um Ausbildungsplätze und Studienplätze...
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
Benutzeravatar
Selina
Beiträge: 16105
Registriert: Do 29. Sep 2016, 15:33

Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon Selina » Mo 1. Mär 2021, 13:18

schokoschendrezki hat geschrieben:(01 Mar 2021, 11:52)

Ja. Das ist von der moralischen Warte her schon richtig. Und ab einem gewissen Alter auch in irgedeiner Form erwartbar. Aber einem Grundschulkind fällt es ohnehin schon schwer, etliche Stunden in der Schule zu sitzen. Ich habe diese reformpädagogischen Ansätze als Grundschulkind immer so als eine Art Zwangskollektivierung empfunden. Die Menschen sind nun mal verschieden. Es gibt ja auch im Berufsleben ganz verschiedene Profile. Solche, bei denen es auf Teamwork ankommt und solche, bei denen man ganze Tage lang allein am Computer oder in einem Labor herumtüftelt.


Ja klar. Dieses vordergründige Auf-Kollektiv-Machen war mir auch immer sehr suspekt. An der POS in den ersten Klassen (was heute Grundschule wäre), hab ich mich deshalb mal geweigert, "Brigadeleiterin" zu werden. Meine Eltern meinten, ich hätte damals als Ausrede gesagt: "Das ist mir zu viel Arbeit" :D Und in den größeren Klassen diskutierten wir auch genau solche Fragen, wie zum Beispiel die widersprüchliche Geschichte "Individuum - Gesellschaft". Da gabs Leute, die brav nachplapperten, was gerne gehört wurde, aber auch einige, die anderes sagten, Kritisches. Wohlgemerkt, das war sone Öffnungsphase gerade, als ich meine wichtigen Schuljahre hatte. Kann mich an heftige und superinteressante Auseinandersetzungen erinnern, an deren Ende niemand schlapphutmäßig abgeholt worden ist. Obgleich ich natürlich weiß, dass es auch die andere Seite gab, die brutale, menschenfeindliche. Hatten wir hier ja schon hundertfach die Diskussion. Was ich einfach gut fand, war, dass etwas mehr darauf geachtet worden ist, für ein freundliches ellenbogenfreies Klima zu achten, wo auch solche Bärbels klarkamen. Ich selbst hab beides gehabt: Ab und zu war ich lieber alleine und machte meine Sache... ohne das Geschnatter und Gerede der anderen. Aber in anderen Zeiten fand ichs auch in einem Kollektiv ganz okay. Je, nachdem, wie das zwischenmenschliche Klima war. Übrigens: Freundlichkeit fördert Kreativität. Eiseskälte lähmt sie.
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
Benutzeravatar
Misterfritz
Vorstand
Beiträge: 17219
Registriert: So 4. Sep 2016, 15:14
Benutzertitel: Cheffe vons Rudel
Wohnort: Badisch Sibirien

Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon Misterfritz » Di 2. Mär 2021, 12:12

schokoschendrezki hat geschrieben:(01 Mar 2021, 11:52)
Aber einem Grundschulkind fällt es ohnehin schon schwer, etliche Stunden in der Schule zu sitzen.
Seltsam,
in den französischen Maternelles klappt das ab dem 3. Lebensjahr - für ALLE Kinder.
Das Salz in der Suppe des Lebens ist nicht Selbstdisziplin, sondern kontrollierte Unvernunft ;)
Benutzeravatar
syna
Beiträge: 597
Registriert: Fr 30. Okt 2015, 08:04

Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon syna » Di 2. Mär 2021, 12:34

Sören74 hat geschrieben:(28 Feb 2021, 19:14)
In meiner Zeit gab es Lehrer, die sagten, wir können euch nicht alles beibringen, aber wir können euch beibringen, wie ihr die Fähigkeit erlernt, solche Probleme zu lösen. Das ist viel wichtiger als im Einzelfall zu wissen, wie man mit Pflanzen in der eigenen Wohnung umgeht. Also eine Ausbildung als Problemlöser. Und da können natürlich auch Eltern helfen. Da wird manchmal unter falsch verstandener Hilfe den Kindern vieles abgenommen, was sie dann wesentlich später selbst erlernen müssen.


Hier stimme ich Dir absolut zu.

Ich gehe sogar noch weiter: Auch Naturwissenschaften und Mathematik kann man nicht vollumfänglich
lehren. Aber die Grundlagen und die Vorgehensweise sollten vermittelt werden, so dass die Schüler
verstehen, was denn Naturwissenschaften sind, und was eine "wissenschaftliche Studie" überhaupt
ist.

Auch Mathematik ist ist wichtig - nicht unbedingt, um die binomischen Formen rezitieren zu können
oder das Integral über 1/x dx lösen zu können, sondern um überhaupt logisch denken zu können, um
Schlussfolgerungen nachvollziehen zu können.

Und ja: Die Basics der Demokratie, Gewaltenteilung, freier Journalismus usw. sind extrem wichtig.

Wenn diese drei Punkte besser berücksichtigt würden im Lehrplan, hätten wir viele heutige Probleme
mit den Verschwörungstheoretikern, Klimaleugnern, AFDlern usw. nicht in dem heutigen Ausmaß!
--~~/§&%"$!\~~--

Zurück zu „5. Bildung - Kultur - Medien“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste