Gehört der Islam zu Deutschland?

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relativ
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Re: Gehört der Islam zu Deutschland?

Beitragvon relativ » Mi 20. Jan 2021, 11:12

Alexyessin hat geschrieben:(19 Jan 2021, 08:46)

Der Islamismus hängt aber mit dem Islam zusammen. Ist genau so selbstverständlich. :thumbup:

Richtig , aber der Islamismus ist viel mehr als nur ein Teil des Islams, denn der Islamismus hat in erster Linie etwas mit Machtpolitik zu tun und deren durchsetzung. Der spirituell ausgeübte Islam in der Regel nicht. Letztendlich kann es jeder weltlichen Religion so ergehen wie mom. dem Islam, oder hat/hatte bereits die Erfahrung.
Der Islam ist deshalb aktuell im westlichen Fokus weil die meisten Regionen in denen er hauptsächlich praktiziert wird stetig "on fire" sind und die Religion dort als Machtinstrument über die Menschen benutzt wird. Theoretisch eignet sich dazu auch fast jede Religion.
Sollten die Regionen nicht dauerhaft aus den Gewaltspiralen herauskommen, wird dies wohl auch noch ziemlich lange so bleiben.
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relativ
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Re: Gehört der Islam zu Deutschland?

Beitragvon relativ » Mi 20. Jan 2021, 11:14

Alexyessin hat geschrieben:(19 Jan 2021, 09:27)

Natürlich.

Zumindest hält er selber sich für einen.
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Keoma
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Re: Gehört der Islam zu Deutschland?

Beitragvon Keoma » Mi 20. Jan 2021, 11:15

relativ hat geschrieben:(20 Jan 2021, 11:12)

Richtig , aber der Islamismus ist viel mehr als nur ein Teil des Islams, denn der Islamismus hat in erster Linie etwas mit Machtpolitik zu tun und deren durchsetzung. Der spirituell ausgeübte Islam in der Regel nicht. Letztendlich kann es jeder weltlichen Religion so ergehen wie mom. dem Islam, oder hat/hatte bereits die Erfahrung.
Der Islam ist deshalb aktuell im westlichen Fokus weil die meisten Regionen in denen er hauptsächlich praktiziert wird stetig "on fire" sind und die Religion dort als Machtinstrument über die Menschen benutzt wird. Theoretisch eignet sich dazu auch fast jede Religion.
Sollten die Regionen nicht dauerhaft aus den Gewaltspiralen herauskommen, wird dies wohl auch noch ziemlich lange so bleiben.


Mir fehlt im Grunde noch immer eine Definition des Islamismus.
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relativ
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Re: Gehört der Islam zu Deutschland?

Beitragvon relativ » Mi 20. Jan 2021, 11:19

Keinen_Faschismus! hat geschrieben:(19 Jan 2021, 10:49)

- jemand der einen Schah loswerden möchte?
- jemand der die Demographie in einem Land anpassen möchte?
- jemand der wirtschaftlich davon profitieren würde?
- jemand der Soviet-Russland schaden möchte?

Usw.
Da gibt es mannigfaltige mögliche Motivationen.

Mit fallen auch schon einige islamistische Bestrebungen ein, die bereits in der Vergangenheit von nicht-Muslimen stark gefördert wurden (*hust* CIA *hust*).

Trotzdem gehört das Zusammen, denn auch eine Tat die eher Machtpolitisch ist, aber mit den Glauben legitimiert wird, hat etwas mit der Religion selber zu tun, gerade wenn er unter diesen Anhängern auch viele Verbündete findet.
Diese Anfälligkeit tragen fast alle Religionen in sich. Liegt nicht an der Religion selber und deren möglichen Aussagen/Auslegung, sondern nur am Menschen der diese auslegt.
Zuletzt geändert von relativ am Mi 20. Jan 2021, 11:23, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Gehört der Islam zu Deutschland?

Beitragvon relativ » Mi 20. Jan 2021, 11:21

Keoma hat geschrieben:(20 Jan 2021, 11:15)

Mir fehlt im Grunde noch immer eine Definition des Islamismus.

Die hast du hier schon ein paar mal erzählt bekommen. Du willst die nur nicht annehmen.
...dem islamischen Fundamentalismus zugrunde liegende Ideologie...
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Re: Gehört der Islam zu Deutschland?

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 20. Jan 2021, 11:26

Keoma hat geschrieben:(20 Jan 2021, 11:15)

Mir fehlt im Grunde noch immer eine Definition des Islamismus.

Wie wäre es hiermit: https://www.verfassungsschutz.de/de/arb ... islamismus
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Re: Gehört der Islam zu Deutschland?

Beitragvon Keoma » Mi 20. Jan 2021, 14:06

Tom Bombadil hat geschrieben:(20 Jan 2021, 11:26)

Wie wäre es hiermit: https://www.verfassungsschutz.de/de/arb ... islamismus


Nach der Definition wäre so gut wie jeder gläubige Muslim eine Islamist.
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Re: Gehört der Islam zu Deutschland?

Beitragvon Fliege » Mi 20. Jan 2021, 14:44

Keoma hat geschrieben:(20 Jan 2021, 11:15)

Mir fehlt im Grunde noch immer eine Definition des Islamismus.
Tom Bombadil hat geschrieben:(20 Jan 2021, 11:26)

Wie wäre es hiermit: https://www.verfassungsschutz.de/de/arb ... islamismus
Keoma hat geschrieben:(20 Jan 2021, 14:06)

Nach der Definition wäre so gut wie jeder gläubige Muslim ein Islamist.

Um dem Publikum diese Darlegung zur Kenntnis zu geben:

Die betreffende Weltanschauung "basiert auf der Überzeugung, dass der Islam nicht nur eine persönliche, private Angelegenheit ist, sondern auch das gesellschaftliche Leben und die politische Ordnung bestimmt oder zumindest teilweise regelt". Diese Weltanschauung "postuliert die Existenz einer gottgewollten und daher 'wahren' und absoluten Ordnung, die über den von Menschen gemachten Ordnungen steht."
"Mit ihrer Auslegung des Islam" stehe diese Weltanschauung "im Widerspruch insbesondere zu den im Grundgesetz verankerten Grundsätzen der Volkssouveränität, der Trennung von Staat und Religion, der freien Meinungsäußerung und der allgemeinen Gleichberechtigung". "Ein wesentliches ideologisches Element" dieser Weltanschauung sei "außerdem der Antisemitismus" (ebenda).

Ich schlage nun vor, künftig diese Darlegung als Diskussionsgrundlage zu verwenden, sobald es um Themen geht, die mit dem Islam zu tun haben.
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Re: Gehört der Islam zu Deutschland?

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 20. Jan 2021, 15:43

Keoma hat geschrieben:(20 Jan 2021, 14:06)

Nach der Definition wäre so gut wie jeder gläubige Muslim eine Islamist.

Will denn so gut wie jeder gläubige Muslim die FDGO abschaffen und einen Gottesstaat errichten? Gibt es dazu eine Quelle? Und ja, die Umfrage zu den göttlichen und weltlichen Gesetzen kenne ich, das springt mMn. aber zu kurz.
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Re: Gehört der Islam zu Deutschland?

Beitragvon Keoma » Mi 20. Jan 2021, 15:49

Tom Bombadil hat geschrieben:(20 Jan 2021, 15:43)

Will denn so gut wie jeder gläubige Muslim die FDGO abschaffen und einen Gottesstaat errichten? Gibt es dazu eine Quelle? Und ja, die Umfrage zu den göttlichen und weltlichen Gesetzen kenne ich, das springt mMn. aber zu kurz.


Ist das so, es springt zu kurz?
Nun, ich erinnere mich an das Interview mit Carla Amina Baghajati, meiner liebsten Migrantin (aus Deutschland), gefragt, ob die Sharia auch in Österreich Rechtsgeltung erlangen sollte, antwortete Frau Baghajati mit:

"Nein - weil wir hier nicht die Mehrheitsgesellschaft sind."

Ich fasse das als Drohung auf.
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Re: Gehört der Islam zu Deutschland?

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 20. Jan 2021, 16:14

Keoma hat geschrieben:(20 Jan 2021, 15:49)

Ist das so, es springt zu kurz?

Ja, dazu bräuchte es eine spezifischere Umfrage.

Ich fasse das als Drohung auf.

Wie wahrscheinlich ist es denn, dass Muslime in den nächsten 100 Jahren in Österreich die Mehrheit stellen?
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Re: Gehört der Islam zu Deutschland?

Beitragvon Stoner » Mi 20. Jan 2021, 16:35

Tom Bombadil hat geschrieben:(20 Jan 2021, 16:14)

Ja, dazu bräuchte es eine spezifischere Umfrage.


Wie wahrscheinlich ist es denn, dass Muslime in den nächsten 100 Jahren in Österreich die Mehrheit stellen?


Ohne ein größere Völkerwanderung aus Nordafrika sicher wenig wahrscheinlich.

Allerdings sollte man - gerade auch im Lichte dessen, was hier der User Keinen_Faschismus zum Besten gibt - die Frage der Kompatibilität anhand solcher Äußerungen wie der Dame genau anders herum betrachten. Sie sagt ja implizit, dass die hiesige Gesellschaftsordnung nicht mit dem Islam kompatibel ist. Die Vorstellung einer muslimischen Mehrheitsgesellschaft ohne streng angewandten Blasphemieparagraphen und mit Gleichstellung der Frau und anderer Religionen wäre ja ziemlich naiv angesichts der Verfasstheit der muslimischen Gesellschaften dieser Welt.
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Re: Gehört der Islam zu Deutschland?

Beitragvon Keoma » Mi 20. Jan 2021, 16:38

Tom Bombadil hat geschrieben:(20 Jan 2021, 16:14)

Ja, dazu bräuchte es eine spezifischere Umfrage.


Wie wahrscheinlich ist es denn, dass Muslime in den nächsten 100 Jahren in Österreich die Mehrheit stellen?


Ad eins, wie spezifisch willst du das noch?
Wenn jemand die Gebote Allahs über die Verfassung stellt, reicht mir das.

Ad zwei, sehr.
Zumindest in den Ballungsräumen.
Wir holen den Vorsprung bei den Geburten nie mehr ein, dazu kommt wesentlich kürzere Reproduktionszeit, Familiennachzug und Verheiratung mit jemandem aus "alten Heimat".
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Re: Gehört der Islam zu Deutschland?

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 20. Jan 2021, 16:52

Keoma hat geschrieben:(20 Jan 2021, 16:38)

Wenn jemand die Gebote Allahs über die Verfassung stellt, reicht mir das.

Das muss aber nicht zwangsläufig bedeuten, dass die FDGO durch die Scharia ersetzt werden soll.

Ad zwei, sehr.

Angesichts von 700.000 Muslimen in Ö halte ich das nicht für sehr wahrscheinlich, zumal sich ja auch die Geburtenraten angleichen. Allerdings sollte man die Einwanderung unter dem Deckmantel des Asyls aus muslimischen Staaten begrenzen.
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Re: Gehört der Islam zu Deutschland?

Beitragvon Fliege » Mi 20. Jan 2021, 17:46

Keoma hat geschrieben:(20 Jan 2021, 15:49)

Nun, ich erinnere mich an das Interview mit Carla Amina Baghajati, meiner liebsten Migrantin (aus Deutschland), gefragt, ob die Sharia auch in Österreich Rechtsgeltung erlangen sollte, antwortete Frau Baghajati mit:

"Nein - weil wir hier nicht die Mehrheitsgesellschaft sind."

Ich fasse das als Drohung auf.

Das fasse ich ebenfalls als Drohung auf.

Soweit mir bekannt geworden ist, stellt sich Österreich mittlerweile gegen den Islamisierungsdruck. Wie wäre es, würden Deutschland und Frankreich die dringlichen Bemühungen Österreichs unterstützen?
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Re: Gehört der Islam zu Deutschland?

Beitragvon Stoner » Mi 20. Jan 2021, 18:24

Fliege hat geschrieben:(20 Jan 2021, 17:46)

Das fasse ich ebenfalls als Drohung auf.

Soweit mir bekannt geworden ist, stellt sich Österreich mittlerweile gegen den Islamisierungsdruck. Wie wäre es, würden Deutschland und Frankreich die dringlichen Bemühungen Österreichs unterstützen?


In Frankreich wird das sicher schärfer diskutiert als in Deutschland. Auch Macron positioniert sich inzwischen wesentlich kritischer:

Frage: Im Wahlkampf haben Sie geschrieben, jeder und jede erlebe das Land unterschiedlich. Heute gewinnt man dagegen den Eindruck, dass die gemeinsame Basis, die Republik, das Entscheidende für Sie ist. Ist das ein Paradigmenwechsel?

Macron: Nein. Was ich im Wahlkampf von 2017 gesagt habe, wurde oft missverstanden oder verzerrt. Es hieß, ich sei für den Multikulturalismus, das war ich aber nie. Im Grunde hatte Nicolas Sarkozy vor zehn Jahren recht, doch seine Formel von der "nationalen Identität" wurde zum Ziel unsachlicher Kritik. Die Frage, auf die wir eine Antwort finden müssen, ist einfach und schwierig zugleich: Was heißt es, französisch zu sein? Sie quält uns, denn der vorhin erwähnte Zweifel hat sich fest etabliert. Dieser Zweifel speist sich ja auch aus Erscheinungen wie den Migrationsbewegungen, diese haben eine gewisse "kulturelle Unsicherheit" ausgelöst. Und das wiederum führt zu der Frage, was es heißt, französisch zu sein. In meinen Augen bedeutet es zunächst, in einer Sprache und in einer Geschichte zu Hause zu sein, also ein Schicksal zu teilen. Deshalb werden wir die Anforderungen an die Geschichts- und Französischkenntnisse anheben, vor allem bei der Einbürgerung. Französischsein ist aber auch eine Staatsbürgerschaft, und zwar auf der Grundlage der Werte Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Laizität, die das vernunftbegabte, freie Individuum über alles andere stellen. In unserer Republik gab es das Abstammungsprinzip nie. Wir brauchen diesen gemeinsamen Rahmen, damit all die anderen sich verbinden können. Wie soll ich denn jemanden aufnehmen, wenn ich nicht weiß, was mein Haus ist? Wenn bestimmte Leute unser Fundament angreifen und infrage stellen, unsere Werte ablehnen, die Gleichstellung der Geschlechter, die Laizität – dann können sie keine Franzosen sein, denn sie lehnen die Grundprinzipien ab. Unser Fundament wird durch die Attacken in den Schulen mancher Viertel bedroht, weil wir mit der Verteidigung zu lange gezögert haben. Wir alle haben zu lange zugeschaut, zweifellos, weil die Politik nicht erkannt hatte, dass hier offensiv vorgegangen werden muss. Die Staatsangehörigkeit fordert aber keine Einheitlichkeit. Häufig wird vergessen, dass die Pluralität der Republik in unserer Verfassung verankert ist. Die Verteidiger des republikanischen Universalismus oder der republikanischen Werte irren sich, wenn sie diese Pluralität ablehnen und sich vor ihr fürchten. Oder wenn sie den Laizismus verfälschen, um ihn gegen andere Religionen zu richten. Wenn sie behaupten: "Wer seinem Kind keinen echt französischen Vornamen gibt, liebt Frankreich im Grunde nicht."

Aus dem Französischen übersetzt von Elisabeth Thielicke. Das Interview wurde von Laureline Dupont geführt und erschien am 23. 12. 2020 in "L’Express"


Quelle
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Re: Gehört der Islam zu Deutschland?

Beitragvon Fliege » Fr 22. Jan 2021, 19:26

Stoner hat geschrieben:(20 Jan 2021, 18:24)

In Frankreich wird das sicher schärfer diskutiert als in Deutschland. Auch Macron positioniert sich inzwischen wesentlich kritischer:
[...]
Quelle

Ich möchte diese Angabe herausgreifen: "Was ich im Wahlkampf von 2017 gesagt habe, wurde oft missverstanden oder verzerrt. Es hieß, ich sei für den Multikulturalismus, das war ich aber nie. Im Grunde hatte Nicolas Sarkozy vor zehn Jahren recht, doch seine Formel von der 'nationalen Identität' wurde zum Ziel unsachlicher Kritik."

Wieso braucht Macron drei Jahre, um diesen doch nicht ganz unwichtigen Punkt klar zu stellen? Eine Positionierung zu Beginn seiner Amtszeit gegen, wie ich Macron interpretieren möchte, identitären Multikulturalismus hätte in Frankreich und der EU einen Schub hin zu einem unverstellten Umgang mit Islam und unerwünschten Nebenwirkungen islamischer Migration auslösen können. Stattdessen haben wir es nun schon mit einer zu Cancel-Culture verdichteten politischen Korrektheit zu tun, die individuelle Freiheit von Jahr zu Jahr fester in kollektivistischen Würgegriff zu nehmen trachtet. Zu viel Zeit vergeudete Macron, so meine Kritik an ihm, mit bloß affektiert-lächerlichen Posen auf nationalem und internationalem Parkett. Dennoch wünsche ich ihm Erfolg während der Restlaufzeit seiner bisherigen Präsidentschaft.
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