Wohnungspolitik

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Re: Re:

Beitragvon Realist2014 » So 8. Nov 2020, 18:46

Thurax hat geschrieben:(08 Nov 2020, 18:43)


Aber ich würde spontan sagen, dass nichts tun schlimmer wäre. Man kann Probleme auch Schritt für Schritt lösen.


Die Folgen des Mietendeckels:

https://www.haufe.de/immobilien/wohnung ... 21046.html

https://www.zeit.de/wirtschaft/2020-08/ ... gle.com%2F
Zuletzt geändert von Realist2014 am So 8. Nov 2020, 18:47, insgesamt 1-mal geändert.
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Re: Re:

Beitragvon Senexx » So 8. Nov 2020, 18:46

Thurax hat geschrieben:(08 Nov 2020, 18:43)

Na ja, ob ein Mietpreisdeckel alleine reicht um das Wohnungsmangel- und Mietpreisproblem in den Griff zu bekommen wird man sehen müssen

Der Mietpreisdeckel führt zu Wohnraumknappheit und Mietpreissteigerungen. Das Dümmste, was man tun kann.
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Re: Wohnungspolitik

Beitragvon Kölner1302 » Di 17. Nov 2020, 21:05

firlefanz11 hat geschrieben:(03 Nov 2020, 11:23)

Gestern hab ich eine echt geile These gehört.
Zum Zwecke des Umweltschutzes sollen die Leute nicht so weit weg von der Arbeit wohnen, damit sie mit dem ÖPNV fahren können statt das Auto zu nehmen. Die paar Hundert EUR mehr, die man im Monat dafür Miete zahlt, hätte man ja durch den Verzicht auf Anschaffung u. laufende Kosten des Autos wieder raus... :rolleyes:


Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: stimmt

Teuer ist also die Peripherie. Denn da sind die Mieten / die Eigentumswohnungen teuer UND man braucht ein Auto.
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Re: Re:

Beitragvon Kölner1302 » Di 17. Nov 2020, 21:15

Thurax hat geschrieben:(08 Nov 2020, 18:43)

Na ja, ob ein Mietpreisdeckel alleine reicht um das Wohnungsmangel- und Mietpreisproblem in den Griff zu bekommen wird man sehen müssen.

Mit deinem Kommentar "Dieser Mietendeckel bewirkt schon jetzt genau das Gegenteil" willst du wohl darauf hinweisen, dass es sein kann, dass durch die relativ billigen Mieten noch weitere Menschen zuziehen wollen.
Und dadurch die Wohnungsknappheit noch größer wird, da auch der Anreiz zum privaten Bauen eventuell fehlt.

Wenn man nur die Mieten auf einem zu niedrigem Niveau einfriert wird das wohl tatsächlich passieren können. Man muss schon vernünftig regulieren. Wobei nicht hinreichendes Regulation des Marktes zur Erfüllung sozialer, ökologischer und sicherheitsorientierter Zwecke auf jeden Fall schlecht endet. Regulation zu solchen Zwecken ist eben nicht Aufgabe des Marktes, dafür haben die einzelnen Marktentscheider zum Zeitpunkt ihrer Entscheidung zu wenig Informationen verfügbar. Das ist daher Aufgabe staatlicher Institutionen. Man muss also als Regierender nach bestem Wissen und Gewissen den vernünftigsten regulativen Mix wählen. Und als Wähler diejenigen wählen, von denen deren Werte man genügend weit teilt, denen man das am ehesten zutraut.

Wie die konkrete Regulation im Falle von Berlin zu bewerten ist, kann ich aus Zeitgründen nicht detailliert genug prüfen.
Aber ich würde spontan sagen, dass nichts tun schlimmer wäre. Man kann Probleme auch Schritt für Schritt lösen.


Schon in den ersten Stunden des ersten Semesters Volkswirtschaft lernt man etwas über die Preisfindung. Der Marktpreis liegt da, wo sich Angebots- und Nachfragekurve schneiden, d.h. wo Angebot und Nachfrage gleich sind.
https://de.wikipedia.org/wiki/Marktgleichgewicht
Greift man nun ein, und legt den Preis staatlich fest, dann hat das folgende Folgen:
Festsetzung unter Marktpreis: Die Nachfrage steigt und das Angebot sinkt. Folge: Wohnungsknappheit
Wird die Preisbindung wieder aufgehoben, steigt wegen der Knappheit der Preis stark an.
https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%B6chstpreis
Zuletzt geändert von Kölner1302 am Di 17. Nov 2020, 21:44, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Wohnungspolitik

Beitragvon Kölner1302 » Di 17. Nov 2020, 21:25

Wähler hat geschrieben:(31 Oct 2020, 07:53)

SZ 30. Oktober 2020 Der Boden muss gerecht besteuert werden
https://www.sueddeutsche.de/politik/gru ... -1.5099636
"Wer "macht" eigentlich die Bodenwerte? Dies ist nicht der einzelne Grundstückseigentümer, sondern die Allgemeinheit. Vor allem die öffentliche Infrastruktur schafft die Voraussetzungen für Agglomerationen und Urbanität. Der wirtschaftliche Erfolg und die Lebensqualität einer Stadt wie München wäre ohne Universitäten, Krankenhäuser, S-Bahnen oder die Fußgängerzone nicht denkbar. Die Finanzierung der Infrastrukturmaßnahmen erfolgt vorwiegend über Steuermittel, die zum größten Teil durch Arbeitnehmer und Verbraucher aufgebracht werden. Diese wohnen in den großen Städten vorwiegend zur Miete...
Baden-Württemberg hingegen hat als erstes Bundesland ein eigenes Landesgrundsteuergesetz auf den Weg gebracht und schlägt damit einen völlig neuen Weg ein: Die neue Grundsteuer beschränkt sich - einfach - auf die Besteuerung des Bodenwertes, unter Ausnahme der aufstehenden Gebäude. Die Grundstückseigentümer geben so einen kleinen Teil des Nutzens zurück, den sie aus der Bereitstellung der kommunalen Infrastruktur ziehen und der sich in den Bodenwerten niederschlägt. Weil Gebäude ausgenommen sind, wird - anders als in allen anderen Modellen - auch nicht die Schaffung von Wohnraum steuerlich belastet."

Die Bereitstellung kommunaler Infrastruktur sollte stärker aus dem Boden finanziert werden.


Die Bodenwerte sind der Marktpreis für Baugrundstücke.

Kauft die Stadtverwaltung am Stadtrand ländliche Grundstücke auf und bietet sie nach Umwidmung als Baugrundstücke zusätzlich zum Verkauf an, steigt das Angebot und in der Folge fällt der Marktpreis.

Bietet die Stadtverwaltung die Grundstücke unter dem Marktwert an, steigt die Nachfrage danach über das Angebot. Die Stadt wird auswählen müssen, wem sie ein Grundstück verkauft. Dies können soziale Kriterien sein: junge Familien z.B., oder generell Menschen ohne Immobilieneigentum ...
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Re: Wohnungspolitik

Beitragvon Wähler » Mi 18. Nov 2020, 06:00

Wähler hat geschrieben:(31 Oct 2020, 07:53)
SZ 30. Oktober 2020 Der Boden muss gerecht besteuert werden
https://www.sueddeutsche.de/politik/gru ... -1.5099636
"Wer "macht" eigentlich die Bodenwerte? Dies ist nicht der einzelne Grundstückseigentümer, sondern die Allgemeinheit. Vor allem die öffentliche Infrastruktur schafft die Voraussetzungen für Agglomerationen und Urbanität. Der wirtschaftliche Erfolg und die Lebensqualität einer Stadt wie München wäre ohne Universitäten, Krankenhäuser, S-Bahnen oder die Fußgängerzone nicht denkbar. Die Finanzierung der Infrastrukturmaßnahmen erfolgt vorwiegend über Steuermittel, die zum größten Teil durch Arbeitnehmer und Verbraucher aufgebracht werden. Diese wohnen in den großen Städten vorwiegend zur Miete...
Baden-Württemberg hingegen hat als erstes Bundesland ein eigenes Landesgrundsteuergesetz auf den Weg gebracht und schlägt damit einen völlig neuen Weg ein: Die neue Grundsteuer beschränkt sich - einfach - auf die Besteuerung des Bodenwertes, unter Ausnahme der aufstehenden Gebäude. Die Grundstückseigentümer geben so einen kleinen Teil des Nutzens zurück, den sie aus der Bereitstellung der kommunalen Infrastruktur ziehen und der sich in den Bodenwerten niederschlägt. Weil Gebäude ausgenommen sind, wird - anders als in allen anderen Modellen - auch nicht die Schaffung von Wohnraum steuerlich belastet."

Die Bereitstellung kommunaler Infrastruktur sollte stärker aus dem Boden finanziert werden.

Kölner1302 hat geschrieben:(17 Nov 2020, 21:25)
Die Bodenwerte sind der Marktpreis für Baugrundstücke.
Kauft die Stadtverwaltung am Stadtrand ländliche Grundstücke auf und bietet sie nach Umwidmung als Baugrundstücke zusätzlich zum Verkauf an, steigt das Angebot und in der Folge fällt der Marktpreis.
Bietet die Stadtverwaltung die Grundstücke unter dem Marktwert an, steigt die Nachfrage danach über das Angebot. Die Stadt wird auswählen müssen, wem sie ein Grundstück verkauft. Dies können soziale Kriterien sein: junge Familien z.B., oder generell Menschen ohne Immobilieneigentum ...

Der Bodenpreis steigt mit der Verbesserung der Infrastruktur. Die Grundsteuer wird nach dem Kauf des Grundstückes erhoben und kann progressiv erhöht werden, je mehr Infrastruktur bereit gestellt wird.
Zeitungstexte bei Genios mit Bibliotheksausweis kostenlos: https://www.wiso-net.de/login?targetUrl=%2Fdosearch (Zugang auch bundesweit)
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Re: Wohnungspolitik

Beitragvon Senexx » Mi 18. Nov 2020, 06:20

Wähler hat geschrieben:(18 Nov 2020, 06:00)

Der Bodenpreis steigt mit der Verbesserung der Infrastruktur. Die Grundsteuer wird nach dem Kauf des Grundstückes erhoben und kann progressiv erhöht werden, je mehr Infrastruktur bereit gestellt wird.

Sie ist keine Ertragssteuer, sondern eine Substanzsteuer. Substanzsteuern sind Gift.

Vermieter können sie auf die Mieter umlegen, am Ende tragen die Mieter die Steuer.

Eigenheimbesitzer können sie nicht umlegen, am Ende können sie die Grundsteuer nicht mehr aufbringen und müssen verkaufen.

Die Grundsteuer ist kontraproduktiv, sie erschwert die Eigentumsbildung und lenkt in die falsche Richtung.

Wir brauchen mehr Vermögensbildung und nicht weniger. Die Erhöhung. Der Wohneigentumsquote ist wünschenswert.
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Re: Re:

Beitragvon Thurax » So 22. Nov 2020, 18:09

Kölner1302 hat geschrieben:(17 Nov 2020, 21:15)

Schon in den ersten Stunden des ersten Semesters Volkswirtschaft lernt man etwas über die Preisfindung. Der Marktpreis liegt da, wo sich Angebots- und Nachfragekurve schneiden, d.h. wo Angebot und Nachfrage gleich sind.
https://de.wikipedia.org/wiki/Marktgleichgewicht
Greift man nun ein, und legt den Preis staatlich fest, dann hat das folgende Folgen:
Festsetzung unter Marktpreis: Die Nachfrage steigt und das Angebot sinkt. Folge: Wohnungsknappheit
Wird die Preisbindung wieder aufgehoben, steigt wegen der Knappheit der Preis stark an.
https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%B6chstpreis


Das ist die Mikro- ökonomische Sichtweise. Makroökonomisch sieht die Sache so aus:

Sagen wir mal an einem Ort gibt es 500 Wohnungen und 490 Wohnparteien. Und nehmen wir mal an die Umzugsquote vor Ort wäre genau so, dass keine Wohnung länger als 4 Monate leer steht aber auch das Angebot von Nachfrage und Angebot wäre in etwa gleich. Dann blieben nach deinen genannten Mikro- ökonomischen Prinzipien die Mieten konstant.
Wenn nun aber eine neue Firma sich am Standort niederlässt und 10 neue Mietparteien als Arbeitnehmer sich ansiedeln, wird die Nachfrage das Angebot erst mal rasch übersteigen. Zumindest bis es Neubauten gibt oder aus einer Wohnung zwei gemacht werden, oder die Menschen weniger häufig am Ort umziehen. Durch Neubauten werden die Mieten im Durchschnitt ansteigen, auch die für diejenigen, die bereits hier wohnen, wenn sie mal umziehen müssen. Solange sie gleichviel verdienen, steigt der Anteil an ihrem Einkommen den sie für Miete ausgeben müssen dauerhaft. Und bis die neuen Wohnungen mal zur Verfügung stehen, übersteigt das Angebot die Nachfrage. Und das führt dann ohne Mietbremse zu einem ungebremsten Anstieg der Mieten vor Ort, bis ein Nachfrager nicht mehr mithalten kann. Also sehr wahrscheinlich weit über den Baupreis für neuen Wohnraum hinaus. Also ist hier ein clever gewählter Mietdeckel schon angebracht und unter sozialen Gesichtspunkten auch leicht zu begründen, man kann ihn ja so wählen, dass dadurch weiterer Wohnungsbau sich trotzdem lohnt und nur ein Anstieg der Mieten darüber hinaus verhindert wird. Politisch nichts tun lässt sich immer einfach sagen, wird dann aber meist irgendwann zu "unschönen" folgen führen. Und dann kann es noch passieren, dass gar kein Platz mehr für neuen Wohnraum zur Verfügung steht, oder das Bauen zumindest immer teurer wird. Und unreguliert konkuriert der Wohnungsbauwillige auch noch mit jedem anderen Bauwilligem. Also aus all diesen Gesichtspunkten muss man eben institutionell intelligent regulieren, nichts tun ist selten clever, besonders nicht aus ideologischen Motiven.
Thurax
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Re: Re:

Beitragvon Thurax » So 22. Nov 2020, 18:15



Na ja, die Alternative wenn man politisch gar nichts tut wäre dann irgendwann so etwas wie dies: https://de.wikipedia.org/wiki/Schlafg%C3%A4nger
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Re: Re:

Beitragvon Thurax » So 22. Nov 2020, 18:20

Senexx hat geschrieben:(08 Nov 2020, 18:46)

Der Mietpreisdeckel führt zu Wohnraumknappheit und Mietpreissteigerungen. Das Dümmste, was man tun kann.


Nicht unbedingt, wenn man den Mietpreisdeckel so wählt, dass dadurch Neubauten nicht unattraktiv werden, und/oder man andersweitig zusätzlich regulativ tätig wird sollte das nicht passieren. Und politisch nichts tun ist meist das Allerdümmste.
Senexx

Re: Re:

Beitragvon Senexx » So 22. Nov 2020, 18:26

Thurax hat geschrieben:(22 Nov 2020, 18:09)

Das ist die Mikro- ökonomische Sichtweise. Makroökonomisch sieht die Sache so aus:

Sagen wir mal an einem Ort gibt es 500 Wohnungen und 490 Wohnparteien. Und nehmen wir mal an die Umzugsquote vor Ort wäre genau so, dass keine Wohnung länger als 4 Monate leer steht aber auch das Angebot von Nachfrage und Angebot wäre in etwa gleich. Dann blieben nach deinen genannten Mikro- ökonomischen Prinzipien die Mieten konstant.
Wenn nun aber eine neue Firma sich am Standort niederlässt und 10 neue Mietparteien als Arbeitnehmer sich ansiedeln, wird die Nachfrage das Angebot erst mal rasch übersteigen. Zumindest bis es Neubauten gibt oder aus einer Wohnung zwei gemacht werden, oder die Menschen weniger häufig am Ort umziehen. Durch Neubauten werden die Mieten im Durchschnitt ansteigen, auch die für diejenigen, die bereits hier wohnen, wenn sie mal umziehen müssen. Solange sie gleichviel verdienen, steigt der Anteil an ihrem Einkommen den sie für Miete ausgeben müssen dauerhaft. Und bis die neuen Wohnungen mal zur Verfügung stehen, übersteigt das Angebot die Nachfrage. Und das führt dann ohne Mietbremse zu einem ungebremsten Anstieg der Mieten vor Ort, bis ein Nachfrager nicht mehr mithalten kann. Also sehr wahrscheinlich weit über den Baupreis für neuen Wohnraum hinaus. Also ist hier ein clever gewählter Mietdeckel schon angebracht und unter sozialen Gesichtspunkten auch leicht zu begründen, man kann ihn ja so wählen, dass dadurch weiterer Wohnungsbau sich trotzdem lohnt und nur ein Anstieg der Mieten darüber hinaus verhindert wird. Politisch nichts tun lässt sich immer einfach sagen, wird dann aber meist irgendwann zu "unschönen" folgen führen. Und dann kann es noch passieren, dass gar kein Platz mehr für neuen Wohnraum zur Verfügung steht, oder das Bauen zumindest immer teurer wird. Und unreguliert konkuriert der Wohnungsbauwillige auch noch mit jedem anderen Bauwilligem. Also aus all diesen Gesichtspunkten muss man eben institutionell intelligent regulieren, nichts tun ist selten clever, besonders nicht aus ideologischen Motiven.

Das ist Unsinn.

Bauen ist inzwischen so teuer, dass es jeden Mietpreisdeckel sprengt.

Preissteigerungen ergeben sich, weil jemand bereit ist, höhere Preise zu zahlen.
Maikel
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Re: Wohnungspolitik

Beitragvon Maikel » So 22. Nov 2020, 18:29

Wähler hat geschrieben:(18 Nov 2020, 06:00)Die Grundsteuer wird nach dem Kauf des Grundstückes erhoben und kann progressiv erhöht werden, je mehr Infrastruktur bereit gestellt wird.

Senexx hat geschrieben:(18 Nov 2020, 06:20)
Sie ist keine Ertragssteuer, sondern eine Substanzsteuer. Substanzsteuern sind Gift.
Vermieter können sie auf die Mieter umlegen, am Ende tragen die Mieter die Steuer.
Eigenheimbesitzer können sie nicht umlegen, am Ende können sie die Grundsteuer nicht mehr aufbringen und müssen verkaufen.

Aus meiner Sicht ist die Grundsteuer letztlich eine Einwohnersteuer. Da sie auf die Mieter umgelegt werden kann, zahlt idR. der Bewohner einer/s Wohnung/Hauses die Grundsteuer. Direkt an die Gemeinde, die Infrastruktur und vieles mehr zur Verfügung stellt.

Dabei gibt es den sozialen Aspekt, daß diejenigen, die in größeren/wertvolleren Wohnungen/Häusern leben eine höhere "Einwohnersteuer" zahlen.

Daß die Grundsteuer erstmal vom Eigentümer kassiert wird, hat vermutlich historische Gründe; aus einer Zeit, in der es noch wenige Mietwohnungen gab.

Wenn der Eigentümer auch bei Leerstand die Grundsteuer zahlen muß, dann paßt das nicht ganz zu meiner Sichtweise, ist aber heutzutage passend als "Strafe" dafür, daß er die Wohnung leersetehen läßt.
Die menschliche Sprache ist einzigartig, aber nicht eindeutig.
Jeder Versuch, sich mitzuteilen, kann nur mit dem Wohlwollen der anderen gelingen.
Thurax
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Re: Wohnungspolitik ...

Beitragvon Thurax » So 22. Nov 2020, 19:05

franktoast hat geschrieben:(16 Nov 2020, 17:23)

Ich will es nochmal sagen. Bestimmte Umstände lassen sich nicht lösen. Egal wie toll du es planst, in der ersten Reihe beim Elton John Konzert können nicht unendlich Viele sitzen. Und wenn du neue Wohnungen in München baust, dann musst du entweder in die Höhe oder weiter nach außen. In die Höhe ist teilweise nicht erlaubt bzw. teuer (höhere Mieten) und weiter außen ist weiter weg. Das will man ja auch nicht.

2004 hat München per Bürgerentscheid entschieden, dass auch außerhalb des Stadtkerns kein Gebäude höher als 100Meter sein darf und das bedeutet nicht, dass man somit automatisch bis 100Meter bauen darf. Das ist die Stadtplanung.
-> Es ist also oft schlichtweg verboten, neuen Wohnraum zu bauen.

Sollte man solche Bürgerentscheide verbieten, damit mehr Wohnraum entstehen kann?
Und jetzt rate mal, warum die Münchner für so etwas sind? Naja, welches Interesse haben Münchner, dass von außen mehr kommen? Hohe Gebäude haben den Nachteil, dass der Verkehr und Müll schlichtweg zunehmen.

Inwiefern ist das Problem also durch einen unregulierten Markt entstanden?


Also meine Meinung ist: Der Ausgleich kommt in der Regel von alleine. Paradoxerweise bedeuten ja steigende Mieten schlichtweg, dass die aktuellen Mieten zu niedrig sind. München hat einen starken Zuzug, die Vorteile überwiegen also. Man zahlt höhere Mieten, aber bekommt höhere Löhne, aber auch eine höhere Lebensqualität. Da kann man nicht sagen "Öh, das Leben in München ist so schlecht, wir müssen das Leben dort günstiger machen". Das Gegenteil wäre eher der Fall.

Ich bin gerade auch auf Haussuche. Je 10km weiter weg und das Haus wird etwa 20 000€ günstiger. Je weiter weg, desto günstiger das Leben, aber je weiter die Wege. It's as simple as that. Du kennst doch die Dokus aus New York City. Eine alleinerziehende Mutter lebt mit ihrer Tochter auf 20m² und bezahlt 1500€ Miete. In Manhatten. Und dann jammert sie über die hohe Miete und sagt am Ende, es ist ihr trotzdem wert. Weil es ist New York. Wo ist das Problem? Sie kann ja wo hinziehen, wo es günstiger ist. Dann zahlt sie die Hälfte und lebt die Philadelphia. Und nun?

Du kennst auch den neuen Trend. Man kauft sich in Thüringen ein Haus für wenig Geld und arbeitet von dort aus Home Office.

Man wundert sich immer über Landflucht und Innenstadtsterben der kleinen Städte. Aber dort gibt es die niedrigen Mieten. Aber man schaut immer nur auf die trendigen Hochmietstädte.


An der Diskussion, ob es in München deshalb wenig "bezahlbaren", oder überhaupt zu wenig freien Wohnraum gibt, weil dort entweder gar nicht, aus den falschen Motiven, oder einfach nur "suboptimal" reguliert wurde, kann ich mich aus Zeitgründen leider nicht beteiligen. Das geht dann zu sehr ins Detail, da muss ich Werte- gebunden meine Zeit anders priorisieren. :)
Aber du bist ja, wenn ich dich richtig verstanden habe, dafür, dass man gar nicht reguliert. Wo das meist hinführt kann man ja anhand der geschichtlichen Entwicklung sehen. Zum Beispiel hier zu: https://de.wikipedia.org/wiki/Schlafg%C3%A4nger

Und in einem unregulierten Markt und/oder ohne sozialen Ausgleich hat meist nicht jede alleinerziehende Mutter, um mal dein Beispiel aufzugreifen, solch eine für sie zumutbar bezahlbare Alternative "in Philadelphia". Es ist einfach nicht die Aufgabe des Marktes dafür zu sorgen. Das muss die Gesellschaft oder der Staat machen. Und die Frage in weit demokratisch legitimiert darüber entschieden werden soll, und von wem, lokal oder überregional, wer an einem bestimmten Ort Wohnrecht haben soll und unter welchen Bedingungen ist tatsächlich aus ethischer Sicht eine sehr spannende Frage.
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Re: Wohnungspolitik ...

Beitragvon Realist2014 » So 22. Nov 2020, 19:49

Thurax hat geschrieben:(22 Nov 2020, 18:35)
Na ja, zur FDGO gehört auch z. B. die Menschenwürde https://de.wikipedia.org/wiki/Menschenw%C3%BCrde und die wird sich mit zu langem Pendeln kaum vertragen.

Und wie sich das verträgt.
Und ob jemand der in München geboren wurde auch das Recht haben sollte dort wohnen bleiben zu können ist in der Tat eine spannende Frage.

Nö, hat er nicht- nur wenn er sich leisten kann. Oder eben, wenn das Jobcenter die Miete bezahlt....
Zumindest sollte er dann aber anderswo unterkommen können und den Umzug bei Bedarf bezahlt bekommen, wenn er sich München nicht mehr leisten kann.

Lustige "Träume"..
SELBER schleppen
Da muss man demokratisch eben entscheiden, wer hier welche Wohnrechte haben soll.

Es gibt keine derartigen "Wohnrechte"
Eine Festlegung in der FDGO, dass man das den Markt entscheiden lassen muss, gibt es meiner Ansicht nach nicht.

Deine "Ansicht" interessiert aber nicht bezüglich der FDGO- sondern die Gesetzeslage
Freiheit bedeutet nicht automatisch "Vorrang der wirtschaftlichen Freiheit".

Bei dem Thema auf jeden Fall. Es gibt kein "Grundrecht" in München wohnen zu können
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Re: Wohnungspolitik ...

Beitragvon Realist2014 » So 22. Nov 2020, 19:50

Thurax hat geschrieben:(22 Nov 2020, 19:05)

Und in einem unregulierten Markt und/oder ohne sozialen Ausgleich hat meist nicht jede alleinerziehende Mutter, um mal dein Beispiel aufzugreifen, solch eine für sie zumutbar bezahlbare Alternative "in Philadelphia". Es ist einfach nicht die Aufgabe des Marktes dafür zu sorgen. Das muss die Gesellschaft oder der Staat machen. Und die Frage in weit demokratisch legitimiert darüber entschieden werden soll, und von wem, lokal oder überregional, wer an einem bestimmten Ort Wohnrecht haben soll und unter welchen Bedingungen ist tatsächlich aus ethischer Sicht eine sehr spannende Frage.



Ist es nicht.

Wer nach München "ziehen" will, der muss es sich leisten können.

Sonst muss er "draußen" bleiben

So einfach ist das
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Re: Wohnungspolitik ...

Beitragvon Sören74 » So 22. Nov 2020, 20:56

Realist2014 hat geschrieben:(22 Nov 2020, 19:50)

Ist es nicht.

Wer nach München "ziehen" will, der muss es sich leisten können.

Sonst muss er "draußen" bleiben

So einfach ist das


Das hört sich so an, als wenn Du noch nie was vom sozialen Wohnungsbau gehört hast. :|
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Re: Wohnungspolitik ...

Beitragvon Realist2014 » So 22. Nov 2020, 21:02

Sören74 hat geschrieben:(22 Nov 2020, 20:56)

Das hört sich so an, als wenn Du noch nie was vom sozialen Wohnungsbau gehört hast. :|


Inwiefern widerspricht das meinem "Statement"?

Wer von "außerhalb" bekommt eine Sozialwohnung in München?
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Re: Wohnungspolitik ...

Beitragvon Sören74 » So 22. Nov 2020, 21:06

Realist2014 hat geschrieben:(22 Nov 2020, 21:02)

Inwiefern widerspricht das meinem "Statement"?

Wer von "außerhalb" bekommt eine Sozialwohnung in München?


Das widerspricht sich etwas mit Deinem vorherigen: "Wer nach München "ziehen" will, der muss es sich leisten können." Oder ist man nicht offiziell nach München gezogen, wenn man dort in einer Sozialwohnung lebt? :p
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Re: Wohnungspolitik ...

Beitragvon Realist2014 » So 22. Nov 2020, 21:10

Sören74 hat geschrieben:(22 Nov 2020, 21:06)

Das widerspricht sich etwas mit Deinem vorherigen: "Wer nach München "ziehen" will, der muss es sich leisten können." Oder ist man nicht offiziell nach München gezogen, wenn man dort in einer Sozialwohnung lebt? :p


Die Bewohner eine Sozialwohnung sind nicht von "außerhalb" in diese gezogen....
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Re: Wohnungspolitik ...

Beitragvon Sören74 » So 22. Nov 2020, 21:20

Realist2014 hat geschrieben:(22 Nov 2020, 21:10)

Die Bewohner eine Sozialwohnung sind nicht von "außerhalb" in diese gezogen....


Wieso nicht? Dürfen nur Einheimische eine Sozialwohnung mieten?

Davon abgesehen gibt es auch Eigentumsförderung, damit sich Menschen eine Wohnung (z.B. in München) leisten können, die sie sich sonst nicht leisten können.

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