Blickwinkel zu Nord Stream 2 EU und Alternativen

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Blickwinkel zu Nord Stream 2 EU und Alternativen

Beitragvon Cobra9 » Di 22. Sep 2020, 05:03

Was ist denn eure persönliche Meinung zu Nord Stream 2 und Alternativen ?


Ich finde Nord Stream 2 hätte man nie anfangen dürfen zu bauen insgesamt. Es ist aber leider durchgezogen worden das Projekt und dafür hat man viel Porzellan zerschlagen auch politisch.






Nord Stream 2 ist keine politische Angelegenheit, das war jahrelang das Mantra der Bundesregierung, sondern allein ein wirtschaftliches Projekt. Immer wieder wurde das erzählt


Das war von Anfang an falsch, das zeigt sich jetzt doch sehr deutlich. Und auch, wenn es um den wirtschaftlichen Kern des Projekts geht, um das Gas und seinen Preis, landet man schnell beim Politischen Preis und bei Fragen von Energiewende, Umweltschutz und Versorgungssicherheit.

Nord Stream 2 zu forcieren, war ein Fehler der Bundesregierung. Denn mit 
Germany First wurde Europa wieder mal entzwei.


Außerdem ist die geplante Version mit Sonderrechten nicht akzeptabel gewesen. Damit ist die Bundesregierung jetzt gescheitert. Rat, Kommission und Europäisches Parlament haben sich darauf geeinigt, dass auch für Nord Stream 2 die europäische Gasrichtlinie gelten soll.Unbundling von Pipelinebesitz und Gaslieferung sowie Third Party Acces, also Nutzung der Rohre durch andere Lieferanten. In einem Kompromiss , der hierzulande wie ein Sieg gefeiert wurde, wird Deutschland beauftragt, mit Gazprom über die Umsetzung zu verhandeln. Die Bundesregierung bleibt dabei an die EU-Richtlinie gebunden. Ähnliche Bedingungen ließen Gazprom 2014 auf die geplante South-Stream-Pipeline verzichten.

Besonders die Interessen unserer östlichen EU-Partner sollten uns ein Herzensprojekt sein. Zu russischem Gas gibt es Alternativen. Zu europäischer Solidarität nicht. Nur irgendwie wurde das vergessen. Finde Ich. Aber dann wenn Frau Merkel was möchte soll Osteuropa mitmachen. Das ist nicht mehr so möglich. Und von wegen kein Widerstand damals

Kleines Beispiel

https://m.dw.com/de/widerstand-gegen-no ... a-47320779



Deshalb ist es mehr als gerechtfertigt das gerade in Osteuropa sich die Staaten selbst um Alternativen bemühen, teilweise geschaffen haben.


Was Polen beispielsweise bauen will ist zu begrüßen.


https://www.wiwo.de/wirtschaft-von-oben ... 91416.html



Grundsätzlich sollte man Gas aus dem Mittelmeer, Aserbaidschan und Alternativen mehr einbeziehen. Außerdem die Technik nutzen wo es schon gibt.

In diversen Studien ging man zudem davon aus das Osteuropa mitmachen will bei Nord Stream 2. Vergessen wir das.

Energiewirtschaftliche Gründe gibt es keine zwingend für mich unbedingt , sondern allein geostrategische eher für Russland , da die Ukraine als Transitland umgangen werden soll. Und Berlin spielt mit. Ich halte es für inkompetent.


Bleibt die Frage Energietechnisch sinnvoll.

In der DIW-Studie aus dem vergangenen Jahr schreiben die Forscher, dass keine Deckungslücke absehbar ist und es somit keinen energiewirtschaftlichen Bedarf für Nord Stream 2 gibt.

Das hat viel mit der Entwicklung alternativer Energiequellen zu tun. Denn allgemein wird davon ausgegangen, dass es rasch weitere Fortschritte bei der Energiegewinnung aus alternativen Quellen und bei der Speicherung geben wird. Würde man zusätzlich gerade bei Dämmung und Dezentralisierung der Kraftwerke im Kleinbetrieb setzen mit modernen Technologien, die schon verfügbar sind, würden wir davon profitieren.

Gerade wirtschaftlich.

Die Energiewende in Deutschland mag teuer erkauft sein, doch eine Industrienation wie Deutschland muss aber auch eine Vorreiterrolle beim Klimaschutz übernehmen und vor allem muss man die Technik im eigenen Nutzen einführen. Was funktioniert kann man exportieren. Aber hier ist man viel zu Lethargisch geworden.


Und was den Preis angeht wenn Nord Stream 2 angeht gibt's auch unterschiedliche Meinungen


https://www.n-tv.de/wirtschaft/Nord-Str ... 20598.html


Ich sage Nord Stream 2 jetzt endgültig zu stoppen wäre wahrscheinlich falsch. Auch geopolitisch wegen den USA.




Wenn man Putin treffen will, muss man die Lieferung von Erdgas drosseln, denn das trifft die Staatseinnahmen Russlands empfindlich. Es würde also am meisten Sinn ergeben, Nord Stream 2 fertig zu bauen, aber die Pipeline nicht in Betrieb zu nehmen. Ein solches Gasembargo kann noch verschärft werden, indem auch die Gaslieferungen durch die Pipeline Nord Stream 1 gedrosselt werden. Kombiniert man den Importstopp von Erdgas noch mit persönlichen Sanktionen gegenüber solchen Oligarchen, die das System Putin stützen, hat man einen Maßnahmenkatalog, der wirklich weh tut.




Das sollte Deutschland aber nicht allein entscheiden. Am wünschenswertesten wäre eine gemeinsame europäische Linie.
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Re: Blickwinkel zu Nord Stream 2 EU und Alternativen

Beitragvon Quatschki » Di 22. Sep 2020, 08:59

Bemerkenswert finde ich, dass über dieses Projekt, sein für und wider, in der Planungsphase kaum debattiert wurde.
Oder ist das nur mein subjektives Empfinden?
Und die Mutti blickte stumm.
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Re: Blickwinkel zu Nord Stream 2 EU und Alternativen

Beitragvon schokoschendrezki » Di 22. Sep 2020, 09:28

Könnte es sein, dass ganz allgemein die Planungsphasen von größeren Projekten auf der einen Seite immer länger werden, die äußeren Gegebenheiten (zum Beispiel Energiepreise, Energiebedarf) sich dagegen in immer kürzeren Zyklen ändern und dieser Widerspruch immer eklatanter wird?

Sage und schreibe 1963, also vor nunmehr 57 Jahren hat man die Fehmarnbeltuntertunnelung ins Auge gefasst. Heute, 2020, sind wir immerhin bei einem Genehmigungsverfahren vor dem Leipziger Verwaltungsgericht.
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Re: Blickwinkel zu Nord Stream 2 EU und Alternativen

Beitragvon Tom Bombadil » Di 22. Sep 2020, 10:24

Cobra9 hat geschrieben:(22 Sep 2020, 05:03)

Wenn man Putin treffen will, muss man die Lieferung von Erdgas drosseln, denn das trifft die Staatseinnahmen Russlands empfindlich.

Wo - und wie - kommt dann Ersatz her?
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Re: Blickwinkel zu Nord Stream 2 EU und Alternativen

Beitragvon Quatschki » Di 22. Sep 2020, 11:36

schokoschendrezki hat geschrieben:(22 Sep 2020, 09:28)

Könnte es sein, dass ganz allgemein die Planungsphasen von größeren Projekten auf der einen Seite immer länger werden, die äußeren Gegebenheiten (zum Beispiel Energiepreise, Energiebedarf) sich dagegen in immer kürzeren Zyklen ändern und dieser Widerspruch immer eklatanter wird?

Sage und schreibe 1963, also vor nunmehr 57 Jahren hat man die Fehmarnbeltuntertunnelung ins Auge gefasst. Heute, 2020, sind wir immerhin bei einem Genehmigungsverfahren vor dem Leipziger Verwaltungsgericht.

Nord Stream 1 und 2 zeigen, dass es auch anders geht, wenn an den richtigen Stellen geschmiert wird und man eine öffentliche Debatte über Für und Wider garnicht erst hochkommen lässt.
Nord Stream 1: Planungsbeginn 1995, Fertigstellung 2012
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Re: Blickwinkel zu Nord Stream 2 EU und Alternativen

Beitragvon schokoschendrezki » Di 22. Sep 2020, 12:27

Tom Bombadil hat geschrieben:(22 Sep 2020, 10:24)

Wo - und wie - kommt dann Ersatz her?


"Erdgas gibt es in Hülle und Fülle". So oder ähnlich habe ich es in den letzten Jahren zig mal gelesen oder gehört. Und es ist ja auch so. Im östlichen Mittelmeer, einmal vor Ägypten und zum anderen um Zypern herum. Und dann direkt vor Haifa in Israel (Leviathan-Erdgasfeld) würden eigentlich jeden Bedarf decken. Ähnlich wie beim desertec-Projekt scheinen aber politische Konflikte diese natürlich vorhandenen Ressourcen schier unerschließlich zu machen.
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Re: Blickwinkel zu Nord Stream 2 EU und Alternativen

Beitragvon Tom Bombadil » Di 22. Sep 2020, 12:42

Selbstverständlich gibt es genug Erdgas, aber wenn, dann müsste es ja auch von einem Partner mit gutem Leumund kommen und dann muss man sich einen Weg überlegen, wie man das Gas dann transportiert. Ob Israel den deutschen Bedarf decken kann weiß ich nicht.
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Re: Blickwinkel zu Nord Stream 2 EU und Alternativen

Beitragvon Cobra9 » Mi 23. Sep 2020, 03:42

Tom Bombadil hat geschrieben:(22 Sep 2020, 10:24)

Wo - und wie - kommt dann Ersatz her?


Die Steigerung die in Prognosen erwähnt ist können gedeckt werden. Beispielsweise ist Osteuropa ja raus was NS2 angeht schon. Ergo stimmt die Prognose da schon mal nicht mehr. Osteuropa verfolgt eigene Projekte.

Es gibt andere Lieferanten die zumindest unseren Bedarf ergänzen können bis Wir den fossilen Energieträger Erdgas ersetzen können. Was Wir auch müssen.

Das DIW geht indes davon aus, dass der Bedarf bis 2050 um bis zu 90 Prozent abnimmt, wenn die Klimaziele ernst genommen und umgesetzt werden.


Norwegen, Katar oder auch einige afrikanische Länder könnten geringere Erdgas-Lieferungen aus Russland kompensieren. Sollten dennoch Engpässe auftreten, könnten diese durch Flüssiggas ausgeglichen werden. Da es mehr LNG- als Pipeline-Anbieter gibt, würde zudem die Bezugsquellenabhängigkeit sinken. Eine Steigerung des Preises ist eher unwahrscheinlich. Warum ist einfach erklärt. Schauen wir mal nach Polen.


Die USA böten besonders günstige Bedingungen, so der Leiter des halbstaatlichen polnischen Gaskonzerns PGNiG Piotr Wozniak. Zitat aus der Presse :

„Ich halte mich an die Verabredung und werde den Preis nicht öffentlich nennen. Aber ich kann klar sagen, dass er in keinem Vergleich steht mit dem, den wir Russland zahlen. Er liegt über 20 Prozent niedriger. Aber noch müssen wir ja Gas aus Russland beziehen.“

Vom Jahr 2022 an, wenn ein langjähriger Vertrag ausläuft, will Polen gar kein russisches Gas mehr kaufen. Dafür soll das Flüssiggas-Terminal in Swinemünde noch ausgebaut werden. Derzeit kann es jährlich 5 Milliarden Kubikmeter Gas aufnehmen, künftig sollen es 7,5 Milliarden Kubikmeter werden.

Dabei ist die EU wesentlich breiter aufgestellt und es kommen mehrere Pipelineprojekte hinzu. Eastmed bis 2026 zusätzlich. Allein das bedeutet insgesamt NS2 ist nicht nötig unbedingt. In der Tagesschau etwa hieß es:


"Jenseits von 2030 wird auch Gas drastisch nach unten gefahren werden, wenn wir bis Mitte des Jahrhunderts klimaneutral sein wollen."

Werner Eckert, ARD-Umweltredakteur

https://www.deutschlandfunknova.de/beit ... limaschutz

Das hat viel mit der Entwicklung alternativer Energiequellen zu tun. Denn allgemein wird davon ausgegangen, dass es rasch weitere Fortschritte bei der Energiegewinnung aus alternativen Quellen und bei der Speicherung geben wird. Die Frage ist, wie lange und in welchem Umfang Erdgas gebraucht wird, um als Brückentechnologie zu wirken.

Hersteller gerade von Heiz und Klima Geräten sowie Kraftwerksbauer setzen ab 2021 erheblich auf Alternativen zu Erdgas und Öl.
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Re: Blickwinkel zu Nord Stream 2 EU und Alternativen

Beitragvon Cobra9 » Mi 23. Sep 2020, 03:44

Tom Bombadil hat geschrieben:(22 Sep 2020, 12:42)

Selbstverständlich gibt es genug Erdgas, aber wenn, dann müsste es ja auch von einem Partner mit gutem Leumund kommen und dann muss man sich einen Weg überlegen, wie man das Gas dann transportiert. Ob Israel den deutschen Bedarf decken kann weiß ich nicht.

Hat Russland einen guten Leumund. Nein. Wir müssen zumindest 20 Jahre die Versorgung mit Erdgas aufrecht erhalten.

Israel und Co. leisten einen Beitrag. Dazu afrikanische Staaten, Aserbaidschan usw.
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Re: Blickwinkel zu Nord Stream 2 EU und Alternativen

Beitragvon Cobra9 » Mi 23. Sep 2020, 12:36

Sehr interessant diese Aussage

Die EU habe Nord Stream 2 eine Rechtsgrundlage gegeben, weshalb es „ein europäisches und kein deutsches Projekt“ sei. Eine Aussage, die ausgerechnet von Josep Borrell, dem Hohen Vertreter der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, diese Woche ad absurdum geführt wurde.

„Nord Stream 2 ist kein europäisches Projekt. Ich muss sagen, dass die Europäische Kommission nie einen starken Enthusiasmus für Nord Stream 2 gezeigt hat“, sagte der spanische Politiker in einem Interview mit der Financial Times. Er fügte hinzu, dass die weitere Zukunft der Gaspipeline „allein in der Hand der Deutschen liege“.

https://www.cicero.de/aussenpolitik/nor ... pa-projekt
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Re: Blickwinkel zu Nord Stream 2 EU und Alternativen

Beitragvon Quatschki » Mi 23. Sep 2020, 12:39

Cobra9 hat geschrieben:(23 Sep 2020, 03:44)
... Dazu afrikanische Staaten, Aserbaidschan usw.

Nennst Du das typische Vorzeigedemokratien, die beispielhaft mit Oppositionellen und freiem Journalismus oder mit Umweltschützern umgehen und deshalb verdient haben, dass wir denen ihr Gas abkaufen?
Zuletzt geändert von Quatschki am Mi 23. Sep 2020, 12:40, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Blickwinkel zu Nord Stream 2 EU und Alternativen

Beitragvon Cobra9 » Mi 23. Sep 2020, 12:40

Quatschki hat geschrieben:(23 Sep 2020, 12:39)

typische Vorzeigedemokratien, die beispielhaft mit Oppositionellen und freiem Journalismus umgehen


1- hab ich das behauptet?

2- immer noch das kleinste Übel im Vergleich mit dem Kriegsverbrecher Russland
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Re: Blickwinkel zu Nord Stream 2 EU und Alternativen

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 23. Sep 2020, 16:19

Cobra9 hat geschrieben:(23 Sep 2020, 03:44)

Hat Russland einen guten Leumund. Nein.

Natürlich nicht, aber man will sich doch verbessern, oder nicht? Und dann ist da ja auch noch das zukünftige Lieferkettengesetz, das den Handel mit Putins Reich und anderen Despotien erschweren könnte.

Israel und Co. leisten einen Beitrag. Dazu afrikanische Staaten, Aserbaidschan usw.

Gibt es denn ausreichend Terminals und Schiffe, um die benötigte Menge zu transportieren?
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Re: Blickwinkel zu Nord Stream 2 EU und Alternativen

Beitragvon H2O » Mi 23. Sep 2020, 16:34

Ich bin der Meinung, daß das zu 90% fertiggestellte Projekt jetzt auch durchgezogen werden sollte. Wenn ich die Sache richtig gesehen habe, dann wird Vorpommern inzwischen mit einem Gasnetz ausgerüstet, das doch höchstwahrscheinlich auf Nordstream 2 aufbaut. Ich meine auch, daß das Netz bis Tschechien hinein ausgebaut wird, vermutlich also auch schon im Bau ist.

Es mag zwar wahr sein, daß es weltweit gesehen "genug" Erdgas zu kaufen gibt. Aber zum dreifachen Vertragspreis im Vergleich zu US-Fracking-Gas. Für unser Land entsteht also ein erheblicher Wettbewerbsvorteil. Kein EU-Partner würde sich vor dem Hintergrund noch anmeckern lassen.

Und die Russen reden mit der Bundesregierung wenigstens noch, wenn auch derzeit nicht viel Erbauliches zu hören ist. Alle Türen krachend zuschlagen, das ist doch kindisch!
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Re: Blickwinkel zu Nord Stream 2 EU und Alternativen

Beitragvon Cobra9 » Mi 23. Sep 2020, 16:43

Tom Bombadil hat geschrieben:(23 Sep 2020, 16:19)

Natürlich nicht, aber man will sich doch verbessern, oder nicht? Und dann ist da ja auch noch das zukünftige Lieferkettengesetz, das den Handel mit Putins Reich und anderen Despotien erschweren könnte.


Gibt es denn ausreichend Terminals und Schiffe, um die benötigte Menge zu transportieren?


Wenn Du tatsächlich mit Moral in der Wirtschaft arbeitest kannst Du ca 50% zumachen. Das spielt eine eher untergeordnete Rolle wenn Wir ehrlich sind.

Da sind doch Wir Normalmenschen keine Ausnahme. Oder prüfst Du ernsthaft jeden Einkauf vorher?

Wenn alle Projekte mit Pipelines abgeschlossen werden können und betrieben werden, dann haben Wir dafür eigentlich keine große Notwendigkeit für LNG.



Es muss kein Gas aus Russland oder den USA sein. Eventuell täte uns eine Emanzipation da sogar gut. Aus Sicht des DIW bsp. gibt es auf den internationalen Märkten ohnehin ein Überangebot an Gas. Auf jeden Fall Aserbaidschan, Norwegen, Katar oder auch einige afrikanische Länder könnten geringere Erdgas-Lieferungen aus Russland kompensieren ohne Probleme und teure Preise. Es kommen ja noch Eastmed und drei andere Projekte dazu. Was Engpässe eher unwahrscheinlich macht . Sollten dennoch Engpässe auftreten, könnten diese durch Flüssiggas ausgeglichen werden. Da es mehr LNG- als Pipeline-Anbieter gibt, gibt's zudem die Bezugsquellenabhängigkeit nicht .

Derzeit sind die LNG-Importterminals an Europas Küsten zudem nur schwach ausgelastet. Ein Ausbau dieser Infrastruktur ist also auch nicht nötig.




Ein solcher Kurs würde ein eklatantes machtpolitisches Problem des Kreml im übrigeneeinschränken. Die EU ist unabhängig von Deutschland dabei, sich von der Abhängigkeit von russischem Gas zu emanzipieren. Die Kapazität von Flüssiggas-Terminals, um Gas aus den Nahost, Afrika Australien oder Katar zu beziehen, sind ebenso ausgebaut worden wie Pipelines nach Norwegen oder Nordafrika schon auch. Nordafrika Pipelines sind massiv verbessert worden . Das Netz ist so ertüchtigt, dass selbst die Ukraine mit Erdgas versorgt werden könnte, das EU-Staaten zuvor importiert haben. Behauptungen, ein Aus von Nord Stream 2 gefährde die Versorgung, sind deshalb Blödsinn.


Die Auslastung von Terminals für Lng liegt bei max 40 %

https://www.bdew.de/presse/presseinform ... terminals/

https://de.statista.com/statistik/daten ... in-europa/
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Re: Blickwinkel zu Nord Stream 2 EU und Alternativen

Beitragvon Cobra9 » Mi 23. Sep 2020, 16:45

H2O hat geschrieben:(23 Sep 2020, 16:34)

Ich bin der Meinung, daß das zu 90% fertiggestellte Projekt jetzt auch durchgezogen werden sollte. Wenn ich die Sache richtig gesehen habe, dann wird Vorpommern inzwischen mit einem Gasnetz ausgerüstet, das doch höchstwahrscheinlich auf Nordstream 2 aufbaut. Ich meine auch, daß das Netz bis Tschechien hinein ausgebaut wird, vermutlich also auch schon im Bau ist.

Es mag zwar wahr sein, daß es weltweit gesehen "genug" Erdgas zu kaufen gibt. Aber zum dreifachen Vertragspreis im Vergleich zu US-Fracking-Gas. Für unser Land entsteht also ein erheblicher Wettbewerbsvorteil. Kein EU-Partner würde sich vor dem Hintergrund noch anmeckern lassen.

Und die Russen reden mit der Bundesregierung wenigstens noch, wenn auch derzeit nicht viel Erbauliches zu hören ist. Alle Türen krachend zuschlagen, das ist doch kindisch!

Ostdeutschland bekommt den Ausbau von Eugal. Das ist lediglich eine Maßnahme für die Verteilung von Erdgas usw.

Aber nicht notwendig für NS2. Ich bin gegen NS2.

Nicht notwendig, Umweltpolitisch idiotisch und wir haben genug Alternativen. Gegen Russland spricht mehr als Ich aufzählen kann.
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Re: Blickwinkel zu Nord Stream 2 EU und Alternativen

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 23. Sep 2020, 16:47

Cobra9 hat geschrieben:(23 Sep 2020, 16:43)

Wenn Du tatsächlich mit Moral in der Wirtschaft arbeitest kannst Du ca 50% zumachen

Dann guck dir mal das Lieferkettengesetz an ;)

Die Auslastung von Terminals für Lng liegt bei max 40 %

Ok. Und die restlichen 60% reichen dann, um Russlands Lieferungen zuu ersetzen? Vorausgesetzt, es gibt ausreichend Schiffe und die Lieferländer können das auch auf Schiffe "verladen".
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Re: Blickwinkel zu Nord Stream 2 EU und Alternativen

Beitragvon Cobra9 » Mi 23. Sep 2020, 17:01

Tom Bombadil hat geschrieben:(23 Sep 2020, 16:47)

Dann guck dir mal das Lieferkettengesetz an ;)


Ok. Und die restlichen 60% reichen dann, um Russlands Lieferungen zuu ersetzen? Vorausgesetzt, es gibt ausreichend Schiffe und die Lieferländer können das auch auf Schiffe "verladen".


Für Deutschland defentiv wenn die Bundesregierung nicht fundamental was an der Energiepolitik ändert.

Wasserstoff, synthetische Treibstoffe, Grüne Energie usw. sowie Dämmung, Effizienzsteigerung im Bestand müssen durchgezogen werden. Wir sollten außerdem weg teilweise von der Zentralisierung von Energie /Wärme Erzeugung. Mehr kleinere Anlagen regional.

Dann hat man auch eine bessere Absicherung gegen einen Blackout in der Fläche und bessere Möglichkeiten was lokale Fernwärme angeht.

Das Lieferketten Gesetz ist ein Ansatz. Aber wird nicht viel bringen. Einfach zu umgehen und macht wenig Sinn so. Es hat Lücken.
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Re: Blickwinkel zu Nord Stream 2 EU und Alternativen

Beitragvon H2O » Mi 23. Sep 2020, 20:30

Cobra9 hat geschrieben:(23 Sep 2020, 16:45)

Ostdeutschland bekommt den Ausbau von Eugal. Das ist lediglich eine Maßnahme für die Verteilung von Erdgas usw.

Aber nicht notwendig für NS2. Ich bin gegen NS2.

Nicht notwendig, Umweltpolitisch idiotisch und wir haben genug Alternativen. Gegen Russland spricht mehr als Ich aufzählen kann.


Mir können die EU-NS2-Gegner den Buckel herunter rutschen. Wir sollten immer dort Geschäfte machen, wo sie möglich sind und Gewinn versprechen, vor allem langfristig. Mir ist nicht ein EU-Partner bekannt, der seine Wirtschaftspolitik von seinen Nachbarn abhängig macht.

Unser Land sollte sich am Verhalten unserer Visegradskis ein Beispiel nehmen und das tun, was ihm speziell nützt. Gern auch mit Blick auf das Kern-Europa der Gründungsmitglieder und der Euro-Partner. Wenn das nicht möglich ist, dann eben sehr schade drum und Aufbruch zum eigenen Weg in die Zukunft.

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Re: Blickwinkel zu Nord Stream 2 EU und Alternativen

Beitragvon Audi » Mi 23. Sep 2020, 21:14

Umweltpolitisch? Also Dreckiges Frackingas welches mit den dreckigen Tankern aus den USA kommt ist gut. Günstigeres Gas aus Sibirien ist schlecht?
Hier was passendes
Russisches Erdgas scheint für die Grünen schlechtere Eigenschaften zu haben, als LNG-Importe aus Fracking-Regionen. Diesen Eindruck vermittelt zumindest ihr Spitzenpersonal
https://www.heise.de/tp/features/Die-me ... 06903.html

Klartext zu Gas-PipelineKein deutsches Projekt: Scholz spricht sich gegen Baustopp von Nord Stream 2 aus

Für Vizekanzler Olaf Scholz kommt ein Baustopp für die deutsch-russische Gas-Pipeline Nord Stream 2 als Reaktion auf die Vergiftung des Kremlkritikers Alexej Nawalny nicht infrage. „Nord Stream ist ein privatwirtschaftliches Energieprojekt, an dem sehr viele Unternehmen beteiligt sind“, sagte der SPD-Kanzlerkandidat der „Augsburger Allgemeinen“ am Mittwoch.

„Es handelt sich aber nicht um ein staatliches deutsches Projekt. Und darum geht es doch.

Die Kritik daran, die vor allem aus den USA und osteuropäischen Staaten kommt, weist Scholz als unrechtmäßig zurück: „Auch andere Länder, die uns jetzt gerade kritisieren, erhalten Gas aus Russland, und zwar gar nicht mal weniger als Deutschland.“ Zudem sei der Kritikpunkt, durch die Pipeline von Russland abhängig zu sein, aus der Luft gegriffen: „Wir sind im Übrigen nicht von den Gaslieferungen aus dieser Pipeline abhängig. Unsere Versorgung ist sehr diversifiziert.“

Kritiker werfen ihm vor, die Pipeline nur verhindern zu wollen, um mehr amerikanisches Flüssiggas in Europa verkaufen zu können.



https://www.focus.de/finanzen/boerse/wi ... 62038.html

Deutschland macht sich nicht abhängig und die EU kann selber entscheiden von wem man Gas bezieht. Der Markt macht die Preise. Niemand wird ausgeschlossen. Wozu sollten wir uns selbst ins Knie schießen?

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