Allgemeine Frage zur Geldschöpfung

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Re: Allgemeine Frage zur Geldschöpfung

Beitragvon Wähler » Mi 2. Apr 2014, 08:06

Adam Smith » Di 1. Apr 2014, 17:23 hat geschrieben:
Populäre Irrtümer: Geschäftsbanken verleihen Zentralbankgeld

http://www.geldsystempiraten.de/wp/popu ... lbankgeld/

Adam Smith » Di 1. Apr 2014, 17:38 hat geschrieben:
2. Eine Erhöhung der Zentralbankgeldmenge führt nicht direkt zu einer erhöhten Geldschöpfung der Geschäftsbanken durch Kredite.


Es führt aber dazu, dass sich die Geldmenge erhöht und zwar so, dass sich die Umlaufgeschwindigkeit nicht verändert.


"https://wiki.piratenpartei.de/AG_Geldordnung_und_Finanzpolitik/AG_Konsens_Geldsch%C3%B6pfung2"
https://wiki.piratenpartei.de/AG_Geldor ... 3%B6pfung2
Wenn ich das richtig verstanden habe, erhöht der Kauf von Staatsanleihen durch Geschäftsbanken mittels Zentralbankgiralgeld die Geldmenge M1. Der Geldschöpfungsmultiplikator wird aber nur dann größer als 1, wenn auch die Giralgeldschöpfung der Banken durch Kreditvergabe an Nichtbanken in Schwung kommt.

Politisch betrachtet, würden also die LTRO-Kredite die Staatsfinanzierung der EWU-Staaten stabilisieren, indem die Geschäftsbanken mehr Staatsanleihen auf die Aktivseite ihrer Bilanz nehmen.

Die Überprüfung der Geschäftsbanken der EZB im Rahmen der Bankenunion macht vielleicht transparent, wieviel Staatsanleihen inzwischen die Aktivseite der Bilanzen anteilmäßig ausmachen.
Zuletzt geändert von Wähler am Do 3. Apr 2014, 07:23, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Allgemeine Frage zur Geldschöpfung

Beitragvon Postnix » Mi 2. Apr 2014, 08:26

Die EZB kennt keine M0.
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Re: Allgemeine Frage zur Geldschöpfung

Beitragvon Adam Smith » Mi 2. Apr 2014, 19:11

Hier hätte ich mal eine Übersicht zum konsolidierten Ausweis des Eurosystems am 24. August 2012.

https://www.ecb.europa.eu/press/pr/wfs/ ... 28.de.html

Einlagen auf Girokonten (einschließlich Mindestreserveguthaben) 525.497


Leider steht dort nicht wie hoch das Mindestreserveguthaben ist. Weiß hier einer wie hoch das ist?

edes Kreditinstitut ist verpflichtet, einen bestimmten Teil seiner kurz- und mittelfristigen Einlagen (Giro-, Termin- und Spareinlagen) nicht wieder auszuleihen, sondern als unverzinsliches Guthaben bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zu unterhalten. Ursprünglich dient diese Mindestreserve allein der Sicherheit des Kunden und der jederzeitigen Zahlungsfähigkeit der Bank. Die EZB kann die Höhe der Mindestreserven (den Prozentsatz) innerhalb bestimmter Grenzen verändern. Damit sind die Mindestreserven ein Mittel der Kreditpolitik. Durch eine Erhöhung der Mindestreservesätze werden z.B. die für die Kreditvergabe verfügbaren Mittel der Banken knapper.


http://boersenlexikon.faz.net/mindestr.htm
Das ist Kapitalismus:

Die ständige Wahl der Bürger bestimmt das Angebot.
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Re: Allgemeine Frage zur Geldschöpfung

Beitragvon Skull » Mi 2. Apr 2014, 19:33

Adam Smith » Mi 2. Apr 2014, 18:11 hat geschrieben:Leider steht dort nicht wie hoch das Mindestreserveguthaben ist. Weiß hier einer wie hoch das ist?
Die Daten zur Höhe des Mindestreserve-Solls auf der einen Seite
und der Mindestreserve Erfüllung auf der anderen Seite
werden i.d.R. im Statistikteil der Monatsberichte der Deutschen Bundesbank publiziert.

===> irgendwo auf den Seiten 40 - 45.

Rund 100 Mrd. SOLL , das doppelte bis dreifache etwa IST.

mfg
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Re: Allgemeine Frage zur Geldschöpfung

Beitragvon prime-pippo » Di 15. Apr 2014, 17:36

Sehr interessanter Vortrag von Dr. Erhard Glötzl zum Thema:

Zuletzt geändert von prime-pippo am Di 15. Apr 2014, 17:37, insgesamt 3-mal geändert.
"Banks do not, as too many textbooks still suggest, take deposits of existing money from savers and lend it out to borrowers: they create credit and money ex nihilo – extending a loan to the borrower and simultaneously crediting the borrower’s money account."
Lord Adair Turner
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Re: Allgemeine Frage zur Geldschöpfung

Beitragvon schokoschendrezki » Di 15. Sep 2020, 07:01

Ein aktueller Beitrag in der DLF-Reihe "Das Feature" vom 8. September:
Wie unser Geld wirklich entsteht
Money from nothing

Der größte Teil unseres Geldes wird nicht von der Zentralbank geschaffen, sondern von den Banken. Und zwar einfach so, aus dem Nichts. Die Tatsache ist weitgehend unbekannt. Aber sie gefährdet zunehmend die Stabilität unseres Finanzsystems. Kritiker fordern eine neue Geldordnung.
https://www.deutschlandfunkkultur.de/wie-unser-geld-wirklich-entsteht-money-from-nothing.3720.de.html?dram:article_id=480525

Bevor mir jetzt alle möglichen Finanz-Spezialisten (von denen es nach meinem Eindruck in diesem Forum nicht gerade wenige gibt ....) erklären, dass das alles Unfug ist und dass man nur einmal ...

Mindestens ebenso bemerkenswert wie die Thesen (und Gegenthesen) zum Thema ist doch die Tatsache, dass es über ein so alltägliches Ding wie "Geld" überhaupt so unterschiedliche Ansichten geben kann. In dem Beitrag kommt selbst ein ausgewiesener Geldspezialist wie Thomas Mayer, ehemaliger Chef-Volkswirt der Deutschen Bank, zu dem Schluss (sinngemäß), dass eigentlich niemand wirklich wisse wie Geld entsteht. Einschließlich der Menschen, die ein irgendwie geldrelevantes Fach studiert haben. Und die Autorin des Features, Vivian Leue, hat neben Journalismus u.a. auch Volkswirtschaftslehre studiert. Und kommt zu dem Schluss, dass man ihr lauter Unsinn beigebracht hat. Also egal wie man jetzt die Geldentstehung jeweils erklärt: Es herrschen jedenfalls in der Gesellschaft unter Leuten, die allesamt tagtäglich mit Geld zu tun haben ganz unterschiedliche Vorstellungen bzw. einfach Ratlosigkeit darüber. Das ist doch mindestens erstaunlich, oder?
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Re: Allgemeine Frage zur Geldschöpfung

Beitragvon Wähler » Di 15. Sep 2020, 07:34

schokoschendrezki hat geschrieben:(15 Sep 2020, 07:01)
Ein aktueller Beitrag in der DLF-Reihe "Das Feature" vom 8. September:
https://www.deutschlandfunkkultur.de/wie-unser-geld-wirklich-entsteht-money-from-nothing.3720.de.html?dram:article_id=480525
In dem Beitrag kommt selbst ein ausgewiesener Geldspezialist wie Thomas Mayer, ehemaliger Chef-Volkswirt der Deutschen Bank, zu dem Schluss (sinngemäß), dass eigentlich niemand wirklich wisse wie Geld entsteht. Einschließlich der Menschen, die ein irgendwie geldrelevantes Fach studiert haben. Und die Autorin des Features, Vivian Leue, hat neben Journalismus u.a. auch Volkswirtschaftslehre studiert. Und kommt zu dem Schluss, dass man ihr lauter Unsinn beigebracht hat. Also egal wie man jetzt die Geldentstehung jeweils erklärt: Es herrschen jedenfalls in der Gesellschaft unter Leuten, die allesamt tagtäglich mit Geld zu tun haben ganz unterschiedliche Vorstellungen bzw. einfach Ratlosigkeit darüber. Das ist doch mindestens erstaunlich, oder?

Wird da nicht mit Unwissen kokettiert. Jeder, der mit Eigenkapital und Fremdkapital eine Immobilie finanziert, weiß doch, dass die fremdfinanzierte Immobilie als Sicherheit der Bank gehört, sozusagen als Pfand für das geschaffene Giralgeld. Die Bank ihrerseits muss für die Giralgeldüberweisung an eine andere Bank mit geschaffenem Zentralbankgeld arbeiten, für welches sie ebenfalls eine Sicherheit hinterlegen muss. Was daran jetzt unsinnig, ratlos oder nihilistisch sein soll, erschließt sich mir nicht.
Siehe Einführung der Piratenpartei ins Geldsytem:
https://wiki.piratenpartei.de/AG_Finanz ... Geldsystem
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Re: Allgemeine Frage zur Geldschöpfung

Beitragvon schokoschendrezki » Di 15. Sep 2020, 07:59

Wähler hat geschrieben:(15 Sep 2020, 07:34)

Wird da nicht mit Unwissen kokettiert. Jeder, der mit Eigenkapital und Fremdkapital eine Immobilie finanziert, weiß doch, dass die fremdfinanzierte Immobilie als Sicherheit der Bank gehört, sozusagen als Pfand für das geschaffene Giralgeld. Die Bank ihrerseits muss für die Giralgeldüberweisung an eine andere Bank mit geschaffenem Zentralbankgeld arbeiten, für welches sie ebenfalls eine Sicherheit hinterlegen muss. Was daran jetzt unsinnig, ratlos oder nihilistisch sein soll, erschließt sich mir nicht.
Siehe Einführung der Piratenpartei ins Geldsytem:
https://wiki.piratenpartei.de/AG_Finanz ... Geldsystem


Genau eine solche Antwort hatte ich erwartet ... ;)

Aus dem verwiesenen Beitrag
Thomas Mayer hat geschrieben:Die meisten Leute glauben, wenn sie den Kreditvertrag unterschrieben haben, dann sucht die Bank die Geldscheine zusammen, zahlt die auf ihr Konto ein, so dass sie dann mit dem Geld was anfangen können. Tatsächlich ist es aber so, dass wenn sie bei der Bank einen Kreditvertrag unterschreiben, schafft die Bank das Geld für sie. Aus dem Nichts, einfach so. Und die Zentralbank folgt dem, folgt diesem Geldschöpfungsprozess, stellt also so viele Banknoten bereit, wie die Banken brauchen, wenn der Kunde das lieber bar hätte als als Sichteinlage.

Mayer, Ex-Chefvolkswirt der Deutschen Bank "kokettiert mit Unwissen"? Ich weiß nicht ... ja, kann man nicht ausschließen.

Mich persönlich interessiert auch nicht so sehr die Frage, wie nun Geld wirklich entsteht und obs "aus dem Nichts" kommt. Ich werde mal eine einigermaßene Rente bekommen, lebe in einem abbezahlten EFH, hab noch einen Zweitwohnsitz und vor allem auf der einen Seite etwas zuviel und auf der anderen Seite aber auch viel zu wenig Geld, als dass mich die Geldfrage irgendwie persönlich tangieren würde. Außer dass ich ab und zu schaue, ob mein Konto im Negativen ist, ist "Geld" im Prinzip aus meinem Bewusstsein nach und und nach entschwunden. Ich hole ab und zu diese Metallscheibchen und Papierscheine, um beim Bäcker oder im Restaurant zu bezahlen. Fast alles andere läuft irgendwo in Hintergrundtransaktionen. Teure Konsumgpüter oder aufwändige Fernreisen interessieren mich nicht. Umso mehr die Frage der gesellschaftlichen Wahrnehmung von "Geld". Bereits die Tatsache, dass mehrere eigentlich vernünftige und zumindest formal hochgebildete Personen unabhängig voneinander behaupten "Geld entstünde aus dem Nicbhts" oder dass niemand wirklich wisse, wie Geld entsteht ist an sich schon ein bemerkenswertes gesellschaftliches Phänomen oder vielmehr Paradoxon.

Ich kann auch nicht sagen, ob ich mit diesen Einstellungen zu irgendeinem Drittel oder zu einer Minderheit gehöre oder ein krasser Außenseiter bin. Ich unterhalte mich niemals mit Freunden über Geld.
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Re: Allgemeine Frage zur Geldschöpfung

Beitragvon Skull » Di 15. Sep 2020, 08:11

schokoschendrezki hat geschrieben:(15 Sep 2020, 07:59)

Umso mehr die Frage der gesellschaftlichen Wahrnehmung von "Geld". Bereits die Tatsache, dass mehrere eigentlich vernünftige und zumindest formal hochgebildete Personen unabhängig voneinander behaupten "Geld entstünde aus dem Nicbhts" oder dass niemand wirklich wisse, wie Geld entsteht ist an sich schon ein bemerkenswertes gesellschaftliches Phänomen oder vielmehr Paradoxon.

Ich kann auch nicht sagen, ob ich mit diesen Einstellungen zu irgendeinem Drittel oder zu einer Minderheit gehöre oder ein krasser Außenseiter bin. Ich unterhalte mich niemals mit Freunden über Geld.

Ich finde solche Art der Diskussion sinnlos.

Du beginnst mit einer Aussage eines „Dritten“:

Thomas Mayer hat geschrieben:
Die meisten Leute glauben, wenn sie den Kreditvertrag unterschrieben haben, dann sucht die Bank die Geldscheine zusammen, zahlt die auf ihr Konto ein, so dass sie dann mit dem Geld was anfangen können.


Alleine solch’ eine Aussage und Grundannahme ist quatsch.

Da behauptet jemand, ANDERE (die meisten) würden glauben, das ...

Ich glaube das nicht. Viele die ich kenne auch auch nicht.
Du bringst also irgendwelche Fiktionen (anderer) ins Spiel, die so weder nicht stimmen, noch korrekt sind.

Um anhand so einer These einfach irgendwelche fiktiven Zweifel oder vermeintlichen Widersprüche festzumachen.

Da ist wenig zielführend.

Menschen, die sich damit beschäftigen und beschäftigt haben, wissen i.d.R. wie das funktioniert. ;)

Ich übrigens auch. :D

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Re: Allgemeine Frage zur Geldschöpfung

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Di 15. Sep 2020, 08:44

schokoschendrezki hat geschrieben:(15 Sep 2020, 07:59)

Genau eine solche Antwort hatte ich erwartet ... ;)

Aus dem verwiesenen Beitrag



Das widerspricht sich nicht. Wähler hat ja genau das geschrieben. Die Immobilie als Pfand für das geschaffene Giralgeld. Es wird also bei der Kreditvergabe kein Geld zusammengesucht, sondern eben neu geschaffen. Genauer gesehen ist das eine Sichteinlage, die Bestandteil der Geldmenge M1 ist. Das ist eigentlich unspektakulär. Denn letztendlich ist das ja der Ursprung des Kredites. Jemand bürgt für deine Verbindlichkeiten. Genau das macht die Bank. Und bei einem Kreditausfall muss der direkt aus dem Eigenkapital der Bank beglichen werden.
Bei der Rückzahlung des Kredites wird dieses Geld (oder eben genauer die Sichteinlage) wieder "vernichtet".
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Re: Allgemeine Frage zur Geldschöpfung

Beitragvon Tom Bombadil » Di 15. Sep 2020, 08:56

Was würde eigentlich passieren, wenn zB. die EZB allen Banken alle "Schulden" erlassen würde und daraufhin die Banken ihren Kreditnehmern alle Schulden erlassen würden? Hätte dann jemand einen Verlust erlitten? Die EZB nicht, denn das Geld kam ja "aus dem Nichts", im Grunde wäre das eine Version des Helikoptergeldes, und könnte theoretisch zu mehr Inflation führen.
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Re: Allgemeine Frage zur Geldschöpfung

Beitragvon schokoschendrezki » Di 15. Sep 2020, 08:59

Skull hat geschrieben:(15 Sep 2020, 08:11)

Ich finde solche Art der Diskussion sinnlos.

Du beginnst mit einer Aussage eines „Dritten“:

Thomas Mayer hat geschrieben:
Die meisten Leute glauben, wenn sie den Kreditvertrag unterschrieben haben, dann sucht die Bank die Geldscheine zusammen, zahlt die auf ihr Konto ein, so dass sie dann mit dem Geld was anfangen können.


Alleine solch’ eine Aussage und Grundannahme ist quatsch.

Da behauptet jemand, ANDERE (die meisten) würden glauben, das ...

Ich glaube das nicht. Viele die ich kenne auch auch nicht.
Du bringst also irgendwelche Fiktionen (anderer) ins Spiel, die so weder nicht stimmen, noch korrekt sind.


Nun gut. Ich bringe diese Fiktionen aber nicht als Beleg für die entsprechenden Behauptungen (die kann ich als Finanzlaie gar nicht überprüfen) sondern als Beleg dafür, dass es zur Frage der Geldschöpfung in der Gesellschaft offenbar sehr verschiedene und teils auch sehr widersprüchliche Vorstellungen gibt. Von der VWL-Studentin bis hinaus zu einem Chefvolkswirt. In einer Gesellschaft wohlgemerkt, die sich mehrheitlich im internationalen Vergleich als eine Art "Nation von Geldverstehern" sieht. Darauf wird man ja wohl noch hinweisen dürfen. ;)
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Re: Allgemeine Frage zur Geldschöpfung

Beitragvon Skull » Di 15. Sep 2020, 09:20

schokoschendrezki hat geschrieben:(15 Sep 2020, 08:59)

Beleg dafür, dass es zur Frage der Geldschöpfung in der Gesellschaft offenbar sehr verschiedene und teils auch sehr widersprüchliche Vorstellungen gibt. Von der VWL-Studentin bis hinaus zu einem Chefvolkswirt. In einer Gesellschaft wohlgemerkt, die sich mehrheitlich im internationalen Vergleich als eine Art "Nation von Geldverstehern" sieht. Darauf wird man ja wohl noch hinweisen dürfen. ;)

Das nennt sich pluralistische Gesellschaft. Ein non event somit.

Auch bei den Themen, Covid19, Erderwärmung, Ökologie, Energieerzeugung,
Gesundheitssystem und und und....

gibt es sehr verschiedene widersprüchliche Vorstellungen.

Warum sollte das bei irgendeinem Thema somit anders sein ? :?: :D

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Re: Allgemeine Frage zur Geldschöpfung

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Di 15. Sep 2020, 09:24

Tom Bombadil hat geschrieben:(15 Sep 2020, 08:56)

Was würde eigentlich passieren, wenn zB. die EZB allen Banken alle "Schulden" erlassen würde und daraufhin die Banken ihren Kreditnehmern alle Schulden erlassen würden?


Das ist mehr oder weniger eher theoretisch. Geschäftsbanken brauchen eine bestimmte Eigenkapitalquote um überhaupt Kredite vergeben zu können. Würden Geschäftsbanken die Schulden erlassen, müsste das logischerweise durch das Eigenkapital der Bank gedeckt sein. Das ist aber nicht der Fall. Damit würde die Bank insolvent gehen und damit der Großteil der Guthaben verloren gehen.
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Re: Allgemeine Frage zur Geldschöpfung

Beitragvon Skull » Di 15. Sep 2020, 09:24

Tom Bombadil hat geschrieben:(15 Sep 2020, 08:56)

...ihren Kreditnehmern alle Schulden erlassen würden? Hätte dann jemand einen Verlust erlitten?

Auch die Zentralbankbilanz beinhaltet Verbindlichkeiten.

Und frage mal die Sparer, die ja eine Forderung an die Banken haben,
wenn ihr Geld futsch ist...ob sie dann Verluste erlitten haben.
Du hast ja gerade die Aktiva der Bilanz ... quasi eliminiert. :D

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Re: Allgemeine Frage zur Geldschöpfung

Beitragvon Tom Bombadil » Di 15. Sep 2020, 09:51

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(15 Sep 2020, 09:24)

Das ist mehr oder weniger eher theoretisch.

Sicher ist es das.

Würden Geschäftsbanken die Schulden erlassen, müsste das logischerweise durch das Eigenkapital der Bank gedeckt sein.

Bei der Geldschöpfung musste ja auch nur ein winziger Teil des neu geschaffenen Geldes durch das Eigenkapital der Bank gedeckt sein, das müsste bei der Rückabwicklung berücksichtigt werden.
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Re: Allgemeine Frage zur Geldschöpfung

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Di 15. Sep 2020, 09:57

Tom Bombadil hat geschrieben:(15 Sep 2020, 09:51)


Bei der Geldschöpfung musste ja auch nur ein winziger Teil des neu geschaffenen Geldes durch das Eigenkapital der Bank gedeckt sein, das müsste bei der Rückabwicklung berücksichtigt werden.


eben und der Rest wird eben gedeckt durch die Verbindlichkeiten, die im wesentlich wiederum die Sichteinlagen der Kunden sind.
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Re: Allgemeine Frage zur Geldschöpfung

Beitragvon Tom Bombadil » Di 15. Sep 2020, 10:25

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(15 Sep 2020, 09:57)

eben und der Rest wird eben gedeckt durch die Verbindlichkeiten, die im wesentlich wiederum die Sichteinlagen der Kunden sind.

Welcher Rest?
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Re: Allgemeine Frage zur Geldschöpfung

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Di 15. Sep 2020, 10:27

Tom Bombadil hat geschrieben:(15 Sep 2020, 10:25)

Welcher Rest?


Der der das Eigenkapital überschreitet.
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Re: Allgemeine Frage zur Geldschöpfung

Beitragvon Skull » Di 15. Sep 2020, 10:38

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(15 Sep 2020, 10:27)

Der der das Eigenkapital überschreitet.

Also 80 bis 90 Prozent.

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