BGE als Alternative zu Hartz IV und BGE als Alternative und Ergänzung zur Sozialpolitik von heute

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Re: BGE als Alternative zu Hartz IV und BGE als Alternative und Ergänzung zur Sozialpolitik von heute

Beitragvon Occham » Mi 9. Sep 2020, 13:48

Nochmal zum mitschreiben für alle: ein BGE ist nur wirkungsfähig wenn sich das komplette Gesellschaftsmodell verändert. Jede Abhängigkeit muss auf das BGE zugeschnitten sein... aber da die Beführworter einfach „nur“ ein BGE haben wollen, ohne sich um die Umsetzung Gedanken zu machen, wird das auch nichts.
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Re: BGE als Alternative zu Hartz IV und BGE als Alternative und Ergänzung zur Sozialpolitik von heute

Beitragvon Atue001 » Mi 9. Sep 2020, 17:33

Ein halbwegs durchgerechnetes Modell mit einem BGE von 1500€ findet man beispielsweise hier:

"Grundeinkommen und MEnschenwürde" von Brüne Schloen,

Weiterführende Infos: http://www.dr-schloen.de/
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Re: BGE als Alternative zu Hartz IV und BGE als Alternative und Ergänzung zur Sozialpolitik von heute

Beitragvon Atue001 » Mi 9. Sep 2020, 17:40

Papaloooo hat geschrieben:(08 Sep 2020, 12:00)

Es freut mich außerordentlich,
dass die Politik diesen Schwachsinn mit mir teilt,
und es den Hängematten-Romanikern unmöglich macht,
ihrem zweifelhaften Lebenssinn zu frönen.

Und nein, das geht heute eben nicht!
Man merkt, dass viele BGE-Befürworter das eben nicht begriffen haben:
Man kriegt Harz IV und dann kommt eine Aufforderung einen 1€-Job zu tun.
Kommt man dieser Aufforderung (einmal oder wiederholt) nicht nach, dann gibt es berechtigterweise wirtschaftliche Sanktionen.

Da gebe ich dem dreifachen Kater recht:
Primär hat man für das eigene Leben selbst aufzukommen
und nicht die anderen der Gesellschaft.


In einer hochgradig arbeitsteiligen Gesellschaft ist nur noch ein sehr geringer Teil der GEsellschaft überhaupt in der Lage, für das eigene LEben selbst aufzukommen. Alle anderen leben ständig auch von Leistungen von anderen, die solidarisch erbracht werden.
Höhere zivilisierte Gesellschaften sind geprägt davon, dass diese solidarische Arbeitsteilung normal ist.

Indirekt sind die allermeisten Menschen willens und fähig für sich selbst aufzukommen. DAss ein wesentlicher Teil der GEsellscahft lediglich auf der faulen Haut liegen will, ist eine Mär, die sich nicht belegen lässt.

Das heutige Sozialsystem ist gerade im Bereich der Grundsicherung unsolidarisch, weil es beispielsweise die Forderung nach Vermögensauflösung aufstellt, oder auch die Forderung danach, auch schon bei geringem Einkommen bis zu 90% des Einkommens mit Hartz IV zu verrechnen. DAS verhindert wirkungsvoll und nachvollziehbar, dass sich arbeiten lohnt. Solange wir so etwas akzeptieren, fördern wir mit dem unsolidarischen Hartz IV System gerade das, was wir angeblich bekämpfen wollen - die Faulenzer.

Solange kein Beleg angeführt wird, dass das derzeitige System effektiv den Missbrauch bekämpft, bleibt es mehr als fragwürdig, ob das bisherige System taugt. BGE-Systeme arbeiten systemisch anders - und sind deshalb weniger anfällig für die typishcen Fehler des heutigen Systems. Deshalb sind sie dem heutigen System überlegen.

Die Politik tut sich schwer damit, diese Gedanken aufzugreifen, weil umfassende systemische Reformen scheinbar große Räder sind, die nur shwer dem Wähler zu vermitteln sind. Viele Politiker haben aber längst schon verstanden, dass das jetzige System dramatische Schwächen hat, die gelöst werden müssen. Nur - wirkliche Alternativen zu einem BGE gibt es dann auch nur wenige.
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Re: BGE als Alternative zu Hartz IV und BGE als Alternative und Ergänzung zur Sozialpolitik von heute

Beitragvon Atue001 » Mi 9. Sep 2020, 17:42

Bielefeld09 hat geschrieben:(08 Sep 2020, 23:39)

Nein, derzeitigen Rentenauskünften kannst du nichts abknipsen!
Bei einem BGE kannst du auch nichts mehr draufzahlen,
wenn der Behinderte mehr als ein BGE braucht!
Wer zahlt den Rollstuhl, wer zahlt das Taxi zum Krebszentrum?
Euer BGE für Alle?


Nirgends steht geschrieben, dass BGE zukünftig ein ausschließliches Merkmal für die Sozialversicherung ist. Allerdings sollte ein sinnvolles BGE schon die Höhe haben, dass die Mehrzahl der heutigen typsichen sozialen Forderungen damit abgedeckt sind.
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Re: BGE als Alternative zu Hartz IV und BGE als Alternative und Ergänzung zur Sozialpolitik von heute

Beitragvon Atue001 » Mi 9. Sep 2020, 17:43

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(06 Sep 2020, 14:01)

Genau das ist für mich nicht nachvollziehbar. Warum sollten hier Zusatzausgaben auf uns zukommen? Auf welchen Zeitraum betrachtet? Auf das Lebenseinkommen oder auf das aktuelle Einkommen?

Bezogen auf das aktuelle Einkommen müsste die Nettobelastung mit Steuern und Abgaben für jeden niedriger sein als zum jetzigen Zeitpunkt oder andersrum gesehen müsste jeder ein höheres verfügbares Einkommen haben. Sonst ergäbe die Umstellung ja überhaupt keinen Sinn.


Aktuell sind die Sätze die bei Hartz IV und dem Kindergeld bezahlt werden, nicht verfassungskonform. Auch deshalb werden gerade Reformen auf den Weg gebracht (aktuelle Nachrichten zu Hartz iv), die dann auch Mehrkosten generieren. Insofern habe ich diese bereits vorweggenommen.
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Re: BGE als Alternative zu Hartz IV und BGE als Alternative und Ergänzung zur Sozialpolitik von heute

Beitragvon Atue001 » Mi 9. Sep 2020, 17:45

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(08 Sep 2020, 11:31)

Mit dem Satz kann ich wenig anfangen. Aber ich kanns ja nochmal auf den Punkt bringen.
Das BGE bedingt einen Paradigmenwechsel. Ich formuliere es mal scharf:
Im Augenblick ist die Erwartung, dass für die Existenzsicherung eine Gegenleistung erbracht wird. Macht man das nicht, wird das als "asozial" betrachtet. Beim BGE hingegen wird die Erwartung dafür, dass man eine Gegenleistung dafür bekommt, dass man die Existenz anderer sichert als "asozial" bewertet.
Das ist schon ein erheblicher Unterschied.



klar hat der spezielle Fall. Er trägt aber nichts zur Finanzierung der Staatsausgaben bei, da der eigene Gemüseanbau nicht steuerpflichtig ist. Ein schönes Beispiel dafür die Kosten für den eigenen Lebensunterhalt auf andere zu verlagern, während man versucht selbst wenig dazu beizutragen. Ein klassischen Moral-Hazard-Problem.


Eine Gegenleistung darf man doch erwarten - jeder bekommt das BGE - die GEgenleistung ist nur nicht mehr individualisierbar! Trotzdem wird sie ganz allgemein erbracht. Das ist ähnlich wie in der Krankenversicherung - da kannst du auch nicht erwarten, dass jeder erst mal selbst in die KV einzahlt.
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Re: BGE als Alternative zu Hartz IV und BGE als Alternative und Ergänzung zur Sozialpolitik von heute

Beitragvon JJazzGold » Mi 9. Sep 2020, 17:46

Atue001 hat geschrieben:(09 Sep 2020, 17:33)

Ein halbwegs durchgerechnetes Modell mit einem BGE von 1500€ findet man beispielsweise hier:

"Grundeinkommen und MEnschenwürde" von Brüne Schloen,

Weiterführende Infos: http://www.dr-schloen.de/



Ich lass doch meine Erben nicht 45% Erbschaftssteuer für ein BGE Modell zahlen. Sollte das kommen, dann verkaufe ich es ihnen vorher für 1 Euro.
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Re: BGE als Alternative zu Hartz IV und BGE als Alternative und Ergänzung zur Sozialpolitik von heute

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mi 9. Sep 2020, 17:50

Atue001 hat geschrieben:(09 Sep 2020, 17:43)

Aktuell sind die Sätze die bei Hartz IV und dem Kindergeld bezahlt werden, nicht verfassungskonform. Auch deshalb werden gerade Reformen auf den Weg gebracht (aktuelle Nachrichten zu Hartz iv), die dann auch Mehrkosten generieren. Insofern habe ich diese bereits vorweggenommen.


dass die Höhe der H4-Sätze nicht verfassungskonform sein sollte, dafür hätte ich schon gerne einen Beleg, zumal das BVerfG bisher hier meines Wissens die gegenteilige Meinung vertreten hat.

Aber selbst wenn dem so wäre ändert das nichts an meine Aussage. Dass es zu einer Mehrbelastung kommen ist nicht nachvollziehbar. Die Belastung muss vielmehr niedriger sein, sprich jeder müsste eigentlich ein höheres Einkommen zur Verfügung haben. Wenn dem nicht so, muss etwas falsch laufen.
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Re: BGE als Alternative zu Hartz IV und BGE als Alternative und Ergänzung zur Sozialpolitik von heute

Beitragvon Skull » Mi 9. Sep 2020, 17:55

JJazzGold hat geschrieben:(09 Sep 2020, 17:46)

Ich lass doch meine Erben nicht 45% Erbschaftssteuer für ein BGE Modell zahlen.

Soll ja SERIÖS sein. :D

Gerade auch für Unternehmen. Die 50 prozentige Erbschaftssteuer soll dort dann gestreckt werden dürfen.
Von der Buba finanziert. Mal gucken, was das Handelsrecht dann zum Thema Verschuldung sagt. :p

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Re: BGE als Alternative zu Hartz IV und BGE als Alternative und Ergänzung zur Sozialpolitik von heute

Beitragvon Atue001 » Mi 9. Sep 2020, 17:55

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(09 Sep 2020, 17:50)

dass die Höhe der H4-Sätze nicht verfassungskonform sein sollte, dafür hätte ich schon gerne einen Beleg, zumal das BVerfG bisher hier meines Wissens die gegenteilige Meinung vertreten hat.

Aber selbst wenn dem so wäre ändert das nichts an meine Aussage. Dass es zu einer Mehrbelastung kommen ist nicht nachvollziehbar. Die Belastung muss vielmehr niedriger sein, sprich jeder müsste eigentlich ein höheres Einkommen zur Verfügung haben. Wenn dem nicht so, muss etwas falsch laufen.


Heute läuft einiges falsch - weil das bestehende System zur Vermögensakkumulation führt, gleichzeitig aber gerade die, die man angeblich in Arbeit haben möchte, dazu bringt, dass sich Arbeit nicht wirklich lohnt.
Da gehört einiges korrigiert - ohne deshalb gleich in Gleichmacherei oder Sozialismus zu verfallen!

Wenn du heute die Verrechnung von Hartz IV mit niedrigem Einkommen mit bis zu 90% beseitigst und glättest, kostet das (zunächst)

Dass die Belastung FÜR ALLE zu einer ENTLASSTUNG führt ,geht nur im Schlaraffenland - lediglich wenn man annimmt, man könnte den Sozialstaat dramatisch runterfahren, kommt man auf das schmale Brett, dass dann jeder mehr zur Verfügung haben könnte - wobei auch das nicht stimmt, denn die, die vom Sozialstaat leben (müssen) hätten dann ja weniger. wie kommst du also zu deiner Annahme?
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Re: BGE als Alternative zu Hartz IV und BGE als Alternative und Ergänzung zur Sozialpolitik von heute

Beitragvon Atue001 » Mi 9. Sep 2020, 18:00

Skull hat geschrieben:(09 Sep 2020, 17:55)

Soll ja SERIÖS sein. :D

Gerade auch für Unternehmen. Die 50 prozentige Erbschaftssteuer soll dort dann gestreckt werden dürfen.
Von der Buba finanziert. Mal gucken, was das Handelsrecht dann zum Thema Verschuldung sagt. :p

mfg



Es ist ein Modell von vielen - jedes mit seinen ganz spezifischen Ausprägungen.
Dieses Modell ist insofern relativ gut geeignet für eine Diskussionsbasis, weil es die konkret notwendigen Gesetzesänderungen benennt, die relativ schmalspurig daherkommen.

Andere Reformen greifen größer ein. Ich beispielsweise bevorzuge Modelle, die zunächst die KV/PV-Problematik lösen und diese auf eine Kopfpauschale umstellen - das ist allerdings gesetzlich schon eine größere Reform!

An dem Beispiel kann man auch nachlesen, wie viele unterschiedliche Gegenfinanzierungsquellen durch eine BGE-Einführung aktiviert werden.
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Re: BGE als Alternative zu Hartz IV und BGE als Alternative und Ergänzung zur Sozialpolitik von heute

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mi 9. Sep 2020, 18:05

Atue001 hat geschrieben:(09 Sep 2020, 17:45)

Eine Gegenleistung darf man doch erwarten - jeder bekommt das BGE - die GEgenleistung ist nur nicht mehr individualisierbar!


Die Gegenleistung ist ja jetzt schon nicht individualisierbar. Sie existiert aber jetzt, wenn auch nur implizit. Wenn aber nun bei einem BGE keine Erwartung mehr existiert, dass man seinen Lebensunterhalt grundsätzlich selber erwirtschaften muss, dann verpflichtet man diejenigen die arbeiten erstmal dazu bedingungslos für den Lebensunterhalt ohne eben eine konkrete reale Gegenleistung erwarten zu dürfen.
Das BGE schafft somit die Möglichkeit sich aus der Solidargemeinschaft auszuklinken.
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Re: BGE als Alternative zu Hartz IV und BGE als Alternative und Ergänzung zur Sozialpolitik von heute

Beitragvon JJazzGold » Mi 9. Sep 2020, 18:17

Skull hat geschrieben:(09 Sep 2020, 17:55)

Soll ja SERIÖS sein. :D

Gerade auch für Unternehmen. Die 50 prozentige Erbschaftssteuer soll dort dann gestreckt werden dürfen.
Von der Buba finanziert. Mal gucken, was das Handelsrecht dann zum Thema Verschuldung sagt. :p

mfg


Das Modell steht auf tönernen Füßen, wie jede Umverteilung von oben nach unten. Sobald ein Einnahmefaktor wegbricht, bricht die Finanzierung des gesamte Modells zusammen. Was sollte Diejenigen, die etwas zu vererben haben daran hindern rechtzeitig verkaufend zu übergeben? Zudem möchte ich den Handwerksbetrieb sehen, der es sich leisten kann, diese Erbschaftssteuer zu schultern und das über dreißig Jahre, woran dann nahtlos die Erbschaftssteuerverschuldung des nächsten Erben schließt.
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Re: BGE als Alternative zu Hartz IV und BGE als Alternative und Ergänzung zur Sozialpolitik von heute

Beitragvon Skull » Mi 9. Sep 2020, 18:56

Atue001 hat geschrieben:(09 Sep 2020, 18:00)

Es ist ein Modell von vielen - jedes mit seinen ganz spezifischen Ausprägungen.

Ich mein ja nur...Vorhin hiess es noch:

Atue001 hat geschrieben:(09 Sep 2020, 17:33)

Ein halbwegs durchgerechnetes Modell mit einem BGE von 1500€ findet man beispielsweise hier:

"Grundeinkommen und MEnschenwürde" von Brüne Schloen

Ich sehe da eben nichts -und auch nicht halbwegs- etwas durchgerechnet.

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Re: BGE als Alternative zu Hartz IV und BGE als Alternative und Ergänzung zur Sozialpolitik von heute

Beitragvon Skull » Mi 9. Sep 2020, 19:00

JJazzGold hat geschrieben:(09 Sep 2020, 18:17)

Zudem möchte ich den Handwerksbetrieb sehen, der es sich leisten kann,
diese Erbschaftssteuer zu schultern und das über dreißig Jahre,
woran dann nahtlos die Erbschaftssteuerverschuldung des nächsten Erben schließt.

Mein Hinweis -auf das Handelsrecht- war nicht nur zum Spass.

Eine plötzliche neuere Verschuldungshöhe in Höhe von weiteren 50 Prozent des Unternehmenswertes...
ist der Tod für viele Unternehmen. Kraft HGB. Nennt sich Überschuldung.


Aber das soll es von meiner Seite dazu gewesen sein. Threadthema ist ja ein anderes...

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Re: BGE als Alternative zu Hartz IV und BGE als Alternative und Ergänzung zur Sozialpolitik von heute

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mi 9. Sep 2020, 19:08

Atue001 hat geschrieben:(09 Sep 2020, 17:55)

Heute läuft einiges falsch - weil das bestehende System zur Vermögensakkumulation führt, gleichzeitig aber gerade die, die man angeblich in Arbeit haben möchte, dazu bringt, dass sich Arbeit nicht wirklich lohnt.
Da gehört einiges korrigiert - ohne deshalb gleich in Gleichmacherei oder Sozialismus zu verfallen!


Das Thema Vermögensakkumulation hat mit dem Thema BGE ja nichts zu tun. Und dazu kann man unterschiedlicher Meinung sein. Bring aber nichts das hier zu diskutieren, weil dann wären wir ganz schnell weg vom Thema.
Insofern ist es für dich sicherlich hilfreicher erstmal grundsätzlich die Effekte zu verstehen, die ein BGE mit sich bringt. Wichtig ist hier auch, das auch mal nicht mit anderen Themen zu vermischen.

Wenn du heute die Verrechnung von Hartz IV mit niedrigem Einkommen mit bis zu 90% beseitigst und glättest, kostet das (zunächst)

Dass die Belastung FÜR ALLE zu einer ENTLASSTUNG führt ,geht nur im Schlaraffenland - lediglich wenn man annimmt, man könnte den Sozialstaat dramatisch runterfahren, kommt man auf das schmale Brett, dass dann jeder mehr zur Verfügung haben könnte - wobei auch das nicht stimmt, denn die, die vom Sozialstaat leben (müssen) hätten dann ja weniger. wie kommst du also zu deiner Annahme?


Hier ist es jetzt erstmal wichtig, dass du verstehst wie unser jetziges Sozialsystem funktioniert und wie ein BGE funktioniert. Welche Grundprinzipien beidem zugrunde liegen. Hier jetzt allzu sehr ins Detail zu gehen sprengt den Rahmen des Forums. Daher mache ich es auch mal kurz und beschränke mich auf das Wesentliche. Bei weitergehendem Interesse sollte das aber genügen, dass du selber anhand geeigneter Literatur die noch offenen Fragen klärst. Gerne kannst aber auch mich dazu noch fragen, falls dir was unklar ist.

Erst einmal ist wichtig zu verstehen, dass unsere jetzigen sozialen Sicherungsysteme (genauer diejenigen, die unsere Existenz sichern - KV also außen vorgelassen) bedarfsorientiert sind. Sie orientieren sich also am individuellen Bedarf. Sieht man z.B. daran, dass das ALG1 unterschiedliche Höhen hat (je nach gezahltem Beitrag) oder die Rente. Selbst bei der Grundsicherung wird berücksichtigt, dass jemand in München einen höheren Bedarf hat als jemand der im bayerischen Wald lebt. Das schlägt sich vor allem in den Wohnkosten nieder, die individuell bezahlt werden und nicht Bestandteil des Regelsatzes nieder.
Das Grundprinzip eines BGE ist hingegen die Existenzsicherung. Das BGE orientiert sich somit nicht am individuellen Bedarf sondern am Existenzminimum. Für einen höheren individuellen Bedarf muss man selber aufkommen.

Soviel zum einen Unterschied. Bedarfsorientierung vs. Existenzminimumsorientierung bei der sozialen Sicherung.

Damit kommen wir zum zweiten Unterschied. Im jetzigen System ist die (auch implizite) Auszahlung der Leistungen an Bedingungen geknüpft. Diese sind unterschiedlich. Im Falle der Rente ist es z.B. das Erreichen eines bestimmten Alters, bei ALG1 das Eintreten von Arbeitslosigkeit und bei der Grundsicherung ist es die Bedürftigkeit, beim Ehegattensplitting der Trauschein, die Insanspruchname des Grundfreibetrags setzt Einkommen voraus. Das BGE hingegen wird bedingungslos ausgezahlt ohne das nur eine der vorgenannten Bedingungen vorliegen muss.

Als drittes wichtiges ist zu verstehen, dass ein Transfereinkommen (egal ob. z.B. Grundsicherung oder BGE) vom Grundprinzip her nichts anderes ist als eine negative Steuer, d.h. unter dem Strich ist nur die Nettosteuerbelastung relevant.

Wenn du dir das jetzt alles nochmal durchdenkst, dann sollte sehr schnell klar werden, dass die staatlichen Leistungen im Durchschnitt bei einem BGE (Existenzminimum) geringer sind als bei unserem jetzigen System. Es wird also weniger umverteilt dadurch muss die Belastung sinken.
Oder man nähert sich dem Thema von einer andere Seite. Will man in Bezug auf sein Lebenseinkommen keine Einbußen hinnehmen, muss man bei einem BGE privat für den individuellen Bedarf (z.B. im Alter) vorsorgen. Das wiederum bedingt, dass man in der aktiven Zeit (in der man arbeitet) ein höheres verfügbares Einkommen braucht als im jetzigen System, in dem der zum Teil die Bedarsorientierung in der sozialen Sicherun mitübernimmt. Also hieraus folgt eine niedrigere Nettosteuerbelastung.
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Re: BGE als Alternative zu Hartz IV und BGE als Alternative und Ergänzung zur Sozialpolitik von heute

Beitragvon JJazzGold » Mi 9. Sep 2020, 19:30

Skull hat geschrieben:(09 Sep 2020, 19:00)

Mein Hinweis -auf das Handelsrecht- war nicht nur zum Spass.

Eine plötzliche neuere Verschuldungshöhe in Höhe von weiteren 50 Prozent des Unternehmenswertes...
ist der Tod für viele Unternehmen. Kraft HGB. Nennt sich Überschuldung.


Aber das soll es von meiner Seite dazu gewesen sein. Threadthema ist ja ein anderes...

mfg


Du hast mich dazu angeregt, gründlich nachzulesen. Solche Anregungen schätze ich in Diskussionen. :thumbup:
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Re: BGE als Alternative zu Hartz IV und BGE als Alternative und Ergänzung zur Sozialpolitik von heute

Beitragvon Papaloooo » Mi 9. Sep 2020, 22:15

Atue001 hat geschrieben:(09 Sep 2020, 17:40)Indirekt sind die allermeisten Menschen willens und fähig für sich selbst aufzukommen. DAss ein wesentlicher Teil der GEsellscahft lediglich auf der faulen Haut liegen will, ist eine Mär, die sich nicht belegen lässt.

Das hat hier auch meines Wissens nach niemand behauptet.
Aber umgekehrt:
Selbst wenige, die auf der faulen Haut liegen, steigern die Unzufriedenheit derer, die das finanzieren.
Und dann werden immer mehr Menschen nicht mehr einsehen, dass sie noch arbeiten müssen, weil sich die Arbeit nicht mehr lohnt.
das wiederum erzeugt einen sich selbst verstärken den Effekt, denn umso weniger arbeiten umso mehr werden die belastet, die noch arbeiten.
Bis sich die Arbeit irgendwann überhaupt nicht mehr lohnt.
Dann spätestens kracht dieses System zusammen.
Deshalb wird es sowas niemals geben.
Das ist Kapitalismus:
Man kauft Dinge, die man nicht braucht von Geld, das man nicht hat, um Leute zu beeindrucken, die man nicht leiden kann.

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Re: BGE als Alternative zu Hartz IV und BGE als Alternative und Ergänzung zur Sozialpolitik von heute

Beitragvon Meruem » Mi 9. Sep 2020, 22:30

Papaloooo hat geschrieben:(09 Sep 2020, 22:15)

Das hat hier auch meines Wissens nach niemand behauptet.
Aber umgekehrt:
Selbst wenige, die auf der faulen Haut liegen, steigern die Unzufriedenheit derer, die das finanzieren.
Und dann werden immer mehr Menschen nicht mehr einsehen, dass sie noch arbeiten müssen, weil sich die Arbeit nicht mehr lohnt.
das wiederum erzeugt einen sich selbst verstärken den Effekt, denn umso weniger arbeiten umso mehr werden die belastet, die noch arbeiten.
Bis sich die Arbeit irgendwann überhaupt nicht mehr lohnt.
Dann spätestens kracht dieses System zusammen.
Deshalb wird es sowas niemals geben.


Naja,wenn sich nach deiner Ansicht arbeiten nicht lohnt kommt man wieder in die Disskussion von Gehälter und Mindestlohn ( wieviel darf es die Stunde sein 8,50€ oder doch eher 10 oder 15€? Nur mal zum Vergleich dass verdient eine Prostituierte wenn sie gut ist in nichtmals 20min.) bzw Niedriglohnsektor ( übrigens eine Nebeneffekt der schröderischen Agenda Politik die viele hier nach Jahre immer noch so positiv feiern, natürlich die Schattenseiten verschweigend ) mit einem BGE könnte man sich dass mit dem Mindestlohn und Kündigungsschutz usw schenken.
Zuletzt geändert von Meruem am Mi 9. Sep 2020, 22:40, insgesamt 1-mal geändert.
Mendoza
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Re: BGE als Alternative zu Hartz IV und BGE als Alternative und Ergänzung zur Sozialpolitik von heute

Beitragvon Mendoza » Mi 9. Sep 2020, 22:37

Papaloooo hat geschrieben:(09 Sep 2020, 22:15)

Das hat hier auch meines Wissens nach niemand behauptet.
Aber umgekehrt:
Selbst wenige, die auf der faulen Haut liegen, steigern die Unzufriedenheit derer, die das finanzieren.
Und dann werden immer mehr Menschen nicht mehr einsehen, dass sie noch arbeiten müssen, weil sich die Arbeit nicht mehr lohnt.
das wiederum erzeugt einen sich selbst verstärken den Effekt, denn umso weniger arbeiten umso mehr werden die belastet, die noch arbeiten.
Bis sich die Arbeit irgendwann überhaupt nicht mehr lohnt.
Dann spätestens kracht dieses System zusammen.
Deshalb wird es sowas niemals geben.

Genau so würde es sein :thumbup:

(von atue)
DAss ein wesentlicher Teil der GEsellscahft lediglich auf der faulen Haut liegen will, ist eine Mär, die sich nicht belegen lässt.

Das kannst du getrost vergessen! Schon heute leben über 600.000 Menschen als Privatier ohne richtige Erwerbsarbeit. Das sind fast doppelt so viel wie vor 20 Jahren! Die leben vom Ersparten. Das es nicht noch viel mehr sind liegt nur daran, dass sich andere das nicht leisten können. Man kann sich an einer Hand ausrechnen: Ein halbwegs auskömmliches BGE würde diesen Sachverhalt drastisch ändern!
Churchill "Dem Kapitalismus wohnt ein Laster inne: Die ungleichmäßige Verteilung der Güter. Dem Sozialismus hingegen wohnt eine Tugend inne: Die gleichmäßige Verteilung des Elends."

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