Kernenergie - eine Lösung gegen den Klimawandel?

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Welcher der folgenden Aussagen zur Kernenergie in Deutschland würden Sie am ehesten zustimmen?

Wir sollten aus der Kernkraft aussteigen wie beschlossen, da sie zu große Risiken birgt
25
42%
Wir sollten die Laufzeit der bereits bestehenden Kernkraftwerke ausdehnen, aber keine neuen bauen
8
14%
Wir sollten die Laufzeit der bereits bestehenden Kernkraftwerke ausdehnen und darüber hinaus neue bauen
18
31%
Ich halte die These, dass mittels Kernkraft der CO2-Ausstoß wesentlich verringert werden kann, für falsch
3
5%
Ich halte nichts von der These, dass der Mensch über CO2-Ausstoß zum Klimawandel beiträgt
5
8%
 
Abstimmungen insgesamt: 59
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Tom Bombadil
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Re: Kernenergie - eine Lösung gegen den Klimawandel?

Beitragvon Tom Bombadil » Fr 24. Jul 2020, 08:00

Die EE decken gerade mal 15% des Primärenergieverbrauchs in Deutschland: https://www.umweltbundesamt.de/sites/de ... -02-28.png
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Re: Kernenergie - eine Lösung gegen den Klimawandel?

Beitragvon Kamikaze » Fr 24. Jul 2020, 08:44

Tom Bombadil hat geschrieben:(24 Jul 2020, 08:00)

Die EE decken gerade mal 15% des Primärenergieverbrauchs in Deutschland: https://www.umweltbundesamt.de/sites/de ... -02-28.png


Danke für den Link. Tatsächlich betrachtet meine Quelle rein die elektrische Seite. Dennoch zeigt auch Ihre Quelle einen ziemlich eindeutigen Trend.
Nebenbei halte ich es für weitgehend unstrittig, dass die Umstellung und der Ausbau zu langsam von Statten geht. Dank ausufernder Bürokratie und immer mächtigeren NIMBYs dürfte sich daran aber voraussichtlich so schnell nichts ändern - leider.
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Re: Kernenergie - eine Lösung gegen den Klimawandel?

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 24. Jul 2020, 08:53

Kamikaze hat geschrieben:(24 Jul 2020, 08:44)

Danke für den Link. Tatsächlich betrachtet meine Quelle rein die elektrische Seite. Dennoch zeigt auch Ihre Quelle einen ziemlich eindeutigen Trend.

Ich habe den Unterschied in den beiden Prozentzahlen vor allem so verstanden, dass es sich einmal um eine Statistik der Erzeugung in Deutschland und zum anderen um eine Statistik des Verbrauchs in Deutschland handelt.

In einer ausführlichen Sendung zum Thema (die mich allerdings aufgrund meines Mangels an Sachkenntnis etwas überforderte ...) war davon die Rede, dass man angeblich verstehen müsse, dass "Energie" mehr und mehr nicht nur ein Objekt der Versorgungssicherheit sondern ein Handelsobjekt geworden ist. Deutlich werde das unter anderem an den extremen Strompreisunterschieden in D für Einzel-Endverbraucher auf der einen und für industrielle Großverbraucher auf der anderen Seite. Eine Aluminiumhütte etwa, die einen enormen Stromverbrauch hat, bekommt ihn im Vergleich zum normalen Bürger fast schon geschenkt.
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Re: Kernenergie - eine Lösung gegen den Klimawandel?

Beitragvon Kamikaze » Fr 24. Jul 2020, 09:24

schokoschendrezki hat geschrieben:(24 Jul 2020, 08:53)

Ich habe den Unterschied in den beiden Prozentzahlen vor allem so verstanden, dass es sich einmal um eine Statistik der Erzeugung in Deutschland und zum anderen um eine Statistik des Verbrauchs in Deutschland handelt.

In einer ausführlichen Sendung zum Thema (die mich allerdings aufgrund meines Mangels an Sachkenntnis etwas überforderte ...) war davon die Rede, dass man angeblich verstehen müsse, dass "Energie" mehr und mehr nicht nur ein Objekt der Versorgungssicherheit sondern ein Handelsobjekt geworden ist. Deutlich werde das unter anderem an den extremen Strompreisunterschieden in D für Einzel-Endverbraucher auf der einen und für industrielle Großverbraucher auf der anderen Seite. Eine Aluminiumhütte etwa, die einen enormen Stromverbrauch hat, bekommt ihn im Vergleich zum normalen Bürger fast schon geschenkt.


Jaein - Die Zahlen zum elektrischen Strom bilden weitgehend die Erzeugung in D ab, da diese Energieform ja idR. relativ nah am Verbraucher produziert wird, bzw. die Energieversorger mindestens bilanziell die gleiche Energie ens Netz der BRD einspeisen müssen, die verbraucht wird.
Die Zahlen zum Primärenergieverbrauch zeigen wie viel Energie generell verbraucht wird - egal ob Strom, Benzin, Diesel, Kohle oder Gase. Da die fossilen Brennstoffe (z.B: Benzin, Diesel und Heizöl und Erdgas) bzw. die Rohstoffe dafür nur zu geringen Anteilen aus eigenen Quellen "erzeugt" werden können, zählen hier natürlich auch die Importe mit hinein.

Die höchst unterschiedlichen Strompreise zwischen Schwerindustrie und Bürger sind in der Tat ein gigantisches Ärgernis für mich. Hier fließen gigantische Subventionen, ohne dass man das so unmittelbar mitbekommt. Die Rechnung lautet hier vielfach: Je mehr man abnimmt, um so weniger muss bezahlt werden. Gleichzeitig müssen die Mehrkosten für Bereitstellung, Netzausbau, etc. durch die "Kleinverbraucher" (Bürger) mitbezahlt werden.
Durchschnittlich bezahlte die deutsche Industrie 2018 ca. 7ct/kWh,(Quelle) während ich (Sammelvertrag für 4 Haushalte und damit ein "Großverbraucher" unter den Endkunden) ca. 27ct/kWh bezahlen muss (+ diverse Umlagen - auch für selbst produzierten Strom vom Hausdach). Dass ein Strompreis von DURCHSCHNITTLICH 7,7ct/kWh bei durchschnittlichen Stromgestehungskosten von 7,7ct/kWh (Ohne Transport/Leitungen) ökonomisch nur mit viel Trickserei sinnvoll um zu setzen ist, dürfte sich selbst erschließen. Leider machen diese Subventionen auch den Zubau von EE durch diese Großverbraucher oft unrentabel, weil diese Anlagen sich mit einem derart günstigen Strompreis schlicht kaum rechnen. Ein Dilemma.
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Re: Kernenergie - eine Lösung gegen den Klimawandel?

Beitragvon Kohlhaas » Fr 24. Jul 2020, 13:10

Kamikaze hat geschrieben:(24 Jul 2020, 07:07)
Wo wird Umweltzerstörung durch EE ein Thema? Aktuell höre ich eher von riesigem Potential in doppelt genutzten Flächen: https://www.ise.fraunhofer.de/de/leitth ... k-apv.html
Erste Erkenntnisse in dieser Sache legen nahe, dass sich auf diese Weise Ackerbau in besonders dürregeplagten Regionen massiv verbessern lässt - zusätzlich zum Solarstrom, der sozusagen nebenbei erzeugt wird.

Hochinteressantes Konzept! Ich kriege jedesmal Brechreiz, wenn ich sehe, wie landwirtschaftlich nutzbare Flächen mit großen "Solarparks" zugepflastert werden. Als würde es in Deutschland nicht genug überbaute Flächen geben, die man mit Solaranlagen bedecken könnte. Vor Jahren habe ich mal ein Interview mit einer Expertin aus Rüsselsheim geführt. Sie sagte damals, dass man zum Beispiel die Autobahnen mit Photovoltaikanlagen "überdachen" könnte... Die Idee, dass man auch Ackerland oder "Gewächshäuser" mit solchen Solardächern auszustatten könnte, ist bestechend!
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Re: Kernenergie - eine Lösung gegen den Klimawandel?

Beitragvon Tom Bombadil » Fr 24. Jul 2020, 14:46

Kamikaze hat geschrieben:(24 Jul 2020, 08:44)

Dennoch zeigt auch Ihre Quelle einen ziemlich eindeutigen Trend.

Ja, das tut sie. Es wurde ja auch genug Geld aufgewendet, um EE an den Start zu bringen, wäre ja noch trauriger, wenn sich das dann nicht auch irgendwo niederschlagen würde.

Nebenbei halte ich es für weitgehend unstrittig, dass die Umstellung und der Ausbau zu langsam von Statten geht.

Die Frage ist nur, mit welcher EE-Technologie man denn von jetzt 15% auf dann 100% kommen will. Die besten Plätze für Windräder sind belegt, offshore wäre noch Platz, aber man kann wohl auch schlecht die ganze dt. Nordsee mit Windrädern pflastern. Wobei da auch noch die Frage im Raum steht, wie effizient Windräder sind, die hinter anderen Windräder stehen.
Solarenergie hat sicherlich noch Potential, bringt aber so wirklich auch nur etwas an den sonnigen Tagen in den Sommermonaten.

Hast du eine Idee, welche EE-Technologie den Durchbruch bringen könnte?
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Re: Kernenergie - eine Lösung gegen den Klimawandel?

Beitragvon Teeernte » Fr 24. Jul 2020, 14:53

Tom Bombadil hat geschrieben:(24 Jul 2020, 14:46)

Ja, das tut sie. Es wurde ja auch genug Geld aufgewendet, um EE an den Start zu bringen, wäre ja noch trauriger, wenn sich das dann nicht auch irgendwo niederschlagen würde.

Hast du eine Idee, welche EE-Technologie den Durchbruch bringen könnte?


Laufräder - statt Muckibude....oder für Leute , die keine Arbeit finden... :D :D :D

https://www.holidaycheck.ch/m/tretmuehl ... 3411d89ddd
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Re: Kernenergie - eine Lösung gegen den Klimawandel?

Beitragvon Tom Bombadil » Fr 24. Jul 2020, 14:58

Auch eine Idee :D

Edit
Gibt es tatsächlich schon: https://www.pcgameshardware.de/Panorama ... o-1137281/ :D
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Re: Kernenergie - eine Lösung gegen den Klimawandel?

Beitragvon aleph » Fr 24. Jul 2020, 19:57

Das Problem an der Kernenergie ist zum einen ihre begrenzte Verfügbarkeit, die Vorräte an brennbarem material sind begrenzt, zum anderen die geologisch signifikante zeit, in der die abfälle tödliche strahlung abgeben. Es gäbe zwei sichere lagerungsstätten. Leider sind die sehr unzugänglich. Die eine ist die sonne, die andere das erdinnere, also erdkern oder erdmantel.
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Re: Kernenergie - eine Lösung gegen den Klimawandel?

Beitragvon Perkeo » Sa 25. Jul 2020, 09:01

aleph hat geschrieben:(24 Jul 2020, 19:57)

Das Problem an der Kernenergie ist zum einen ihre begrenzte Verfügbarkeit, die Vorräte an brennbarem material sind begrenzt, zum anderen die geologisch signifikante zeit, in der die abfälle tödliche strahlung abgeben. Es gäbe zwei sichere lagerungsstätten. Leider sind die sehr unzugänglich. Die eine ist die sonne, die andere das erdinnere, also erdkern oder erdmantel.

Das stimmt so nicht.
Wenn man wegen begrenztem Uran die Kernenergie als nicht erneuerbar bezeichnet, dann dürfte Sonne und Wind auch nicht erneuerbar sein, denn die Sonne hat ja auch nicht Brennstoff bis in alle Ewigkeit. Uran und Thorium könnten nämlich tatsächlich Milliarden Jahre reichen, wenn man alle Möglichkeiten ausschöpft.
Und was die Endlagerung betrifft:
- Wenn es keine Gesteinsformationen gibt, die Millionen Jahre alt sind, woher kommen dann die Dinosaurierknochen?
- Wenn es keine Lagerstätten geben kann, die Millionen Jahre hermetisch von der Oberfläche abgeschlossen sind, woher kommen dann Erdgas und Erdöl ?
- Wenn selbst Gorleben definitiv ungeeignet wäre, warum beschloss Rot-Grün dann ein Moratorium der Erkundung anstatt sie offiziell mit negativem Ergebnis zu beenden?
- Angenommen es gibt wirklich kein sicheres Endlager, welche Konsequenz ist besser:
a) Wir müssen Wiederaufarbeitung und ggf. Transmutation minorer Aktinide zum Laufen bringen.
b) Wir verbieten alles außer der direkten Endlagerung und machen sogar so völlig hirnrissige Einschränkungen wie ein Endlager für alle Abfallarten.
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Re: Kernenergie - eine Lösung gegen den Klimawandel?

Beitragvon Kohlhaas » Sa 25. Jul 2020, 13:54

Perkeo hat geschrieben:(25 Jul 2020, 09:01)

Das stimmt so nicht.
Wenn man wegen begrenztem Uran die Kernenergie als nicht erneuerbar bezeichnet, dann dürfte Sonne und Wind auch nicht erneuerbar sein, denn die Sonne hat ja auch nicht Brennstoff bis in alle Ewigkeit.

Die Sonne wird tatsächlich noch Milliarden Jahre "brennen" und genauso lange die Erde mit "kostenloser" Energie versorgen.

Uran und Thorium könnten nämlich tatsächlich Milliarden Jahre reichen, wenn man alle Möglichkeiten ausschöpft.

Das ist blanker Unsinn. Wenn man alle heute verfügbaren Möglichkeiten ausschöpft, dann reichen die verfügbaren Uranvorkommen nach Schätzungen deutscher Ministerien noch aus, um die Welt 60 bis 240 Jahre zu versorgen. Unter der Voraussetzung, dass jetzt nicht in großem Maßstab neue Atomkraftwerke erreichtet werden! Dann würde der Verbrauch nämlich drastisch steigen!

https://www.sueddeutsche.de/wissen/uran ... t-1.156702

Dein Hinweis auf mögliche Zukunftstechnologien hilft da nicht weiter. Es mag ja sein, dass in 50 oder 100 oder 500 Jahren die Kernenergietechnik so ausgereift ist, dass sie alle unsere Energieprobleme löst. Heute ist sie es aber nicht. Und wir müssen uns heute überlegen, wie wir unseren Gesellschaften morgen die benötigte Energie zur Verfügung stellen können.
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Re: Kernenergie - eine Lösung gegen den Klimawandel?

Beitragvon Perkeo » Sa 25. Jul 2020, 20:36

Kohlhaas hat geschrieben:(25 Jul 2020, 13:54)

Die Sonne wird tatsächlich noch Milliarden Jahre "brennen" und genauso lange die Erde mit "kostenloser" Energie versorgen.


Das ist blanker Unsinn. Wenn man alle heute verfügbaren Möglichkeiten ausschöpft, dann reichen die verfügbaren Uranvorkommen nach Schätzungen deutscher Ministerien noch aus, um die Welt 60 bis 240 Jahre zu versorgen. Unter der Voraussetzung, dass jetzt nicht in großem Maßstab neue Atomkraftwerke erreichtet werden! Dann würde der Verbrauch nämlich drastisch steigen!

https://www.sueddeutsche.de/wissen/uran ... t-1.156702

Dein Hinweis auf mögliche Zukunftstechnologien hilft da nicht weiter. Es mag ja sein, dass in 50 oder 100 oder 500 Jahren die Kernenergietechnik so ausgereift ist, dass sie alle unsere Energieprobleme löst. Heute ist sie es aber nicht. Und wir müssen uns heute überlegen, wie wir unseren Gesellschaften morgen die benötigte Energie zur Verfügung stellen können.

Deine eigene Quelle beantwortet schon deinen Einwand. Die Aussage: “Vorkommen reichen für 250 Jahre” bedeuten nicht, dass es in 250 Jahren kein Uran mehr gibt, sondern dass man 250 Jahre Zeit hat, um neue Vorkommen zu entdecken ODER neue Technologien zur Gewinnung zu entwickeln ODER mehr für den Brennstoff zu zahlen. Letzteres ist kein Problem, weil Brennstoffkosten bei der Kernenergie sowieso keine Rolle spielen - und die Technologie für hundertfach größere Energieausbeute existiert ja bereits seit Jahrzehnten.
Wann also ist bei Kernbrennstoff das Ende der Fahnenstange? Die unerwartete Antwort ist: Bei fünf Milliarden Jahren, auch nicht viel kürzer als Bei der Sonne.
https://web.archive.org/web/20070926033320/http://sustainablenuclear.org/PADs/pad11983cohen.pdf
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Re: Kernenergie - eine Lösung gegen den Klimawandel?

Beitragvon roli » Sa 25. Jul 2020, 21:17

aleph hat geschrieben:(24 Jul 2020, 19:57)

Das Problem an der Kernenergie ist zum einen ihre begrenzte Verfügbarkeit, die Vorräte an brennbarem material sind begrenzt, zum anderen die geologisch signifikante zeit, in der die abfälle tödliche strahlung abgeben. Es gäbe zwei sichere lagerungsstätten. Leider sind die sehr unzugänglich. Die eine ist die sonne, die andere das erdinnere, also erdkern oder erdmantel.

Bevor man radioaktive Abfälle im Erdmantel oder Richtung Erdkern lagert, könnte man doch auch die Energie aus diesem Bereich effektiver nutzen. Erdwärme wäre so ein Beispiel. Potential quasi ohne Ende. Aber die Kosten sind wohl zu hoch. Löcher bohren und dann kommt vielleicht zu viel raus. :D
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Re: Kernenergie - eine Lösung gegen den Klimawandel?

Beitragvon Perkeo » So 26. Jul 2020, 07:15

Kamikaze hat geschrieben:(24 Jul 2020, 07:07)

Aber eben nicht eingebaut (zumindest in der BRD). Auch gab es vor dem Beschluss des Atomausstiegs keinerlei Bestrebungen derartige Technik nachzurüsten (allenfalls auf Staatskosten). In sofern: Kein Argument.

Das ist die gleiche Logik - wenngleich nicht die gleiche Moral - wie die Universitäten, die nur weiße Männer zuließen und dann auf die mangelnde Bildung von Schwarzen und Frauen verwiesen.
Der Neubau von Kernkraftwerken ist in Deutschland seit 2000 verboten und auch davor wurde durch die Fundamentalopposition von Rot-Grün unter anderem die Invetriebnahme des ersten Kernkraftwerks mit Core Catcher verhindert.
Ein unabhängiges Notstandssystem wurde bei allen deutschen Kernkraftwerken außer Biblis auf Betreiberkosten nachgerüstet, und selbst dort war es beantragt, aber durch die rot-grüne Landesregierung nie genehmigt.

http://www.juramagazin.de/17186.html
Kamikaze hat geschrieben:(24 Jul 2020, 07:07)

Doch: Das bereits vorhandene und durch Laufzeit stetig wachsende Risiko verlängert und weitere radioaktive Abfälle erzeugt, die ebenfalls eingelagert werden müssen.

Wer meint, dass
- 20 Jahre Restlaufzeit ohne Nachrüstung weniger - oder auch nur nicht mehr - Risiko beinhalten als 40 mit optimaler Nachrüstung oder gar 80 mit komplett neuen Sicherheitssystemen
- das angesichts des geringen Volumens an hochradioaktivem Müll (3.8 Meter hoher Stapel auf einem Fußballfeld) die Menge der kritische Pfad ist,
ist herzlich eingeladen Argumente zu bringen.
Kamikaze hat geschrieben:(24 Jul 2020, 07:07)

> Um genau zu sein sind noch 56% der Primärenergie fossil und Atom. Der Rest ist aus erneuerbaren: https://strom-report.de/strom/
Zudem wäre die Formulierung "NUR NOCH" 56% wesentlich zutreffender. Die EE wachsen stetig.

Die 56% beziehen sich auf die Stromerzeugung. Mobilität fehlt, Heizung fehlt, Stahlerzeugung und andere Industrieprudukte fehlen. Alles zusammen sind es Stand 2019 noch 85%
https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/384/bilder/dateien/3_abb_pev-energietraeger_2020-02-28.pdf
Und selbst beim Strom ist es nur die Gesamtmenge, nicht auf die Grundlast. Wegen des geringen Anteils der Wasserkraft und kaum vorhandener Stromspeicher der Anteil EE sehr gering sein.
Frankreich ist auf einem guten Weg, wir nicht.
Kamikaze hat geschrieben:(24 Jul 2020, 07:07)
> Der Deutsche Pro-Kopf-CO2-Ausstoß im Jahr 2017 lag bei ca. 8,7t und damit tatsächlicher h im weltweiten Mittelfeld. Um so wichtiger was dafür bzw. dagegen zu tun. Sieht man sich die Statistik des Energiemix an wird man feststellen, dass seither einiges passiert ist und der Weg aus diesem Gesichtspunkt richtig erscheint. Leider konnte ich hierzu keine aktuelleren Daten finden, die den Trend verdeutlichen.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Länder_nach_CO2-Emission_pro_Kopf
Frankreich war also schon vor fast 50 Jahren, wo wir jetzt noch nicht sind. Großbritannien ist uns auch um Meilen voraus.
Mittelfeld ist daher zu schmeichelhaft - auch angesichts der über 500 Milliarden Euro die Deutschland jetzt schon ausgegeben hat.
Und wenn man die Ausrede „Es wird besser“ gelten lässt, haben wir Every-Child-gets-a-Trophy-Day. Fast jede Industrienation hat pro-Kopf-CO2 reduziert, auch Deutschland unter Kohl.
Kamikaze hat geschrieben:(24 Jul 2020, 07:07)

> Der Braunkohletagebau wird uns gemäß dem Beschluss zum Kohleausstieg noch bis ins Jahr 2038 verfolgen. Danach ist hoffentlich damit Schluss. Dauert zwar, ist aber schon beschlossene Sache.

Nach 2038 ist „hoffentlich“ Schluss. Na das weckt ja Hoffnung. :thumbup:
Wenn das OK ist, dann fehlt mir die Phantasie was dann noch schlecht sein soll.
Kamikaze hat geschrieben:(24 Jul 2020, 07:07)

> Wasserstofferzeugung, Lagerung, Transport und Nutzung sind bestens erforscht und bereits heute im Einsatz. Großtechnische Anlagen zur Wandlung von erneuerbarem Strom in eben solchen ist ebenfalls beschlossene Sache und erste Pilotanlagen sind bereits ans Netz gegangen. Etwas Lektüre zum Thema: https://www.br.de/wissen/wasserstoff-en ... o-100.html

Der Artikel enthält die üblichen Schwärmereien wir toll es werden wird, wenn man eines fernen Tages einmal in die Gänge kommt, aber es werden keine konkreten Pilotprojekte erwähnt und schon gar kein Plan es flächendeckend auszurollen.
Da sind selbst die Kernkraftwerke der 4. Generation weiter.
Kamikaze hat geschrieben:(24 Jul 2020, 07:07)
> Wo wird Umweltzerstörung durch EE ein Thema?

https://www.nabu.de/news/2014/11/17417.html

Kamikaze hat geschrieben:(24 Jul 2020, 07:07) Aktuell höre ich eher von riesigem Potential in doppelt genutzten Flächen: https://www.ise.fraunhofer.de/de/leitth ... k-apv.html
Erste Erkenntnisse in dieser Sache legen nahe, dass sich auf diese Weise Ackerbau in besonders dürregeplagten Regionen massiv verbessern lässt - zusätzlich zum Solarstrom, der sozusagen nebenbei erzeugt wird.

Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Der Verweis auf Vorteile und Chancen ist keine Entschuldigung Nachteile und Risiken zu ignorieren - und umgekehrt.
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Re: Kernenergie - eine Lösung gegen den Klimawandel?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 28. Jul 2020, 14:16

Tom Bombadil hat geschrieben:(24 Jul 2020, 14:46)

Ja, das tut sie. Es wurde ja auch genug Geld aufgewendet, um EE an den Start zu bringen, wäre ja noch trauriger, wenn sich das dann nicht auch irgendwo niederschlagen würde.


Die Frage ist nur, mit welcher EE-Technologie man denn von jetzt 15% auf dann 100% kommen will. Die besten Plätze für Windräder sind belegt, offshore wäre noch Platz, aber man kann wohl auch schlecht die ganze dt. Nordsee mit Windrädern pflastern. Wobei da auch noch die Frage im Raum steht, wie effizient Windräder sind, die hinter anderen Windräder stehen.
Solarenergie hat sicherlich noch Potential, bringt aber so wirklich auch nur etwas an den sonnigen Tagen in den Sommermonaten.


Ja, hier in Deutschland vielleicht.

Das wichtigste Hindernis ist nicht technologischer sondern politischer Natur. Es müssen Wege gefunden werden, die politische Instabilität der Sahara- und der Subsahara-Gebiete und im arabischen Raum zu beenden. Dort liegt das große Solarenergie-Potenzial. Und dort lassen sich auch mehrere wirklich große Zielstränge zusammenführen: Krisenbewältigung, Migrationsproblematik, Energieversorgung, Klimaschutz.

Momentan siehts ganz anders aus. Die Erdgasfunde im östlichen Mittelmeer werden nicht nur das Klima weiter anheizen sondern verschärfen schon jetzt all die Konflikte in Nordafrika und im Nahen Osten. Bis hin zu neuen Kriegen. Der liebe Gott, wenns ihn gäbe und wenn er auf der Seite des Menschen wäre: Er müsste alle Hähne für konventionelle Energie zudrehen.
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Re: Kernenergie - eine Lösung gegen den Klimawandel?

Beitragvon JJazzGold » Di 28. Jul 2020, 14:25

schokoschendrezki hat geschrieben:(28 Jul 2020, 14:16)

Ja, hier in Deutschland vielleicht.

Das wichtigste Hindernis ist nicht technologischer sondern politischer Natur. Es müssen Wege gefunden werden, die politische Instabilität der Sahara- und der Subsahara-Gebiete und im arabischen Raum zu beenden. Dort liegt das große Solarenergie-Potenzial. Und dort lassen sich auch mehrere wirklich große Zielstränge zusammenführen: Krisenbewältigung, Migrationsproblematik, Energieversorgung, Klimaschutz.

Momentan siehts ganz anders aus. Die Erdgasfunde im östlichen Mittelmeer werden nicht nur das Klima weiter anheizen sondern verschärfen schon jetzt all die Konflikte in Nordafrika und im Nahen Osten. Bis hin zu neuen Kriegen. Der liebe Gott, wenns ihn gäbe und wenn er auf der Seite des Menschen wäre: Er müsste alle Hähne für konventionelle Energie zudrehen.


Dazu braucht es keinen Gott, dem man die Verantwortung für Tote zuschieben kann. Man nehme sich ein Beispiel an Süafrika und schalte Privathaushalten nach einem veröffentlichten Roster vier Stunden täglich den Strom ab. Dort wurde das Verfahren aus der Not und Unfähigkeit geboren, hier würde es ggfls einige Menschen dazu anregen über den Satz, “Hüte dich vor der Erfüllung deiner Wünsche“, nachzudenken.
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Re: Kernenergie - eine Lösung gegen den Klimawandel?

Beitragvon Tom Bombadil » Di 28. Jul 2020, 16:53

schokoschendrezki hat geschrieben:(28 Jul 2020, 14:16)

Es müssen Wege gefunden werden, die politische Instabilität der Sahara- und der Subsahara-Gebiete und im arabischen Raum zu beenden.

Wie stellst du dir das vor gegen den Willen der dort ansässigen Bevölkerung?

Der liebe Gott, wenns ihn gäbe und wenn er auf der Seite des Menschen wäre: Er müsste alle Hähne für konventionelle Energie zudrehen.

In Duetschland arbeitet man ja an deinem Wunsch. Bleibt nur zu hoffen, dass man nachher nicht im Dunkeln sitzt oder den Strom rationieren muss.
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Re: Kernenergie - eine Lösung gegen den Klimawandel?

Beitragvon Kohlhaas » Di 28. Jul 2020, 19:25

JJazzGold hat geschrieben:(28 Jul 2020, 14:25)

Dazu braucht es keinen Gott, dem man die Verantwortung für Tote zuschieben kann. Man nehme sich ein Beispiel an Süafrika und schalte Privathaushalten nach einem veröffentlichten Roster vier Stunden täglich den Strom ab. Dort wurde das Verfahren aus der Not und Unfähigkeit geboren, hier würde es ggfls einige Menschen dazu anregen über den Satz, “Hüte dich vor der Erfüllung deiner Wünsche“, nachzudenken.

Du meinst, der Staat sollte die Energieversorgung einsetzen, um die Bürger zu disziplinieren?
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Re: Kernenergie - eine Lösung gegen den Klimawandel?

Beitragvon Orbiter1 » Di 28. Jul 2020, 21:34

Soll noch einer sagen die Russen würden sich nicht an den Wünschen ihrer Kunden orientieren. In Zukunft soll wohl auch "sauberer" Wasserstoff nach Europa geliefert werden. Generiert werden soll er entweder per Pyrolyse von Methan oder per Elektrolyse mit Atomstrom.

"Beim Aufbau der Wasserstoffwirtschaft geht es allerdings weniger um grünen Wasserstoff, der per Wasser-Elektrolyse aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. Rosatom hat zwar auch Windenergie im Portfolio, will aber in erster Linie Atomenergie für die Elektrolyse nutzen, also sogenannten gelben Wasserstoff produzieren. Bei Gazprom steht dagegen türkiser Wasserstoff im Vordergrund. Dieser entsteht durch die Pyrolyse von Methan. Als Nebenprodukt fällt fester Kohlenstoff an, der zum Beispiel als Dünger genutzt werden kann." Quelle: https://www.energate-messenger.de/news/ ... schaft-vor

Wasserstoff erzeugt mit Hilfe von Atomstrom, ob das hierzulande wohl auf Akzeptanz stößt?
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Re: Kernenergie - eine Lösung gegen den Klimawandel?

Beitragvon Teeernte » Di 28. Jul 2020, 21:51

JJazzGold hat geschrieben:(28 Jul 2020, 14:25)

Dazu braucht es keinen Gott, dem man die Verantwortung für Tote zuschieben kann. Man nehme sich ein Beispiel an Süafrika und schalte Privathaushalten nach einem veröffentlichten Roster vier Stunden täglich den Strom ab. Dort wurde das Verfahren aus der Not und Unfähigkeit geboren, hier würde es ggfls einige Menschen dazu anregen über den Satz, “Hüte dich vor der Erfüllung deiner Wünsche“, nachzudenken.


Stromsperre - kenn ich noch aus alten Ostzeiten.. In China mit viel Wind EE auch ein gängiges Mittel.

Flächenabschaltung in Uhrzeigersinn mittels Lastabwurf . Das vorletzte Mittel .
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D

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