Wahrnehmung der Akteure des zweiten Weltkrieges

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Wahrnehmung der Akteure des zweiten Weltkrieges

Beitragvon Skeptiker » Di 12. Mai 2020, 10:28

Im Gesellschaftsforum hat sich eine Debatte darüber entbrannt, wen man nun mehr oder weniger dafür würdigen müsse, dass der Nationalsozialismus aus Deutschland vertrieben wurde.

Mein Eindruck ist dabei, dass die Wahrnehmung dessen, was im zweiten Weltkrieg passiert ist, bis heute von den Entwicklungen nach dem Krieg überlagert werden.

Der Blick auf die Opfer zeigt in meinen Augen sehr eindrücklich wo die Hauptaktivität des Krieges lag, und welche Staaten/Gesellschaften den größten Anteil am daraus hervorgerufenen Leid zu tragen hatten.

In Wikipedia findet sich eine sehr eindrückliche Darstellung zu den Opfern des Krieges. Ich finde die Darstellung so eindrucksvoll, weil sie die Relationen nachvollziehbar macht, mit denen man es zu tun hat.

Ich greife mal ein paar Zahlen heraus, um die Unterschiede im Verhältnis der Kriegsparteien zueinander zu verdeutlichen.
Opferzahlen der unterschiedlichen (haupt)kriegsbeteiligen Staaten:
Russland:
  • Militär: 13.000.000
  • Zivilbevölkerung: 14.000.000
  • Prozent der Bevölkerung: 14.2% (47x im Vergleich zu den USA)
USA:
  • Militär: 407.000
  • Zivilbevölkerung: keine
  • Prozent der Bevölkerung: 0.3%
GB:
  • Militär: 270.000
  • Zivilbevölkerung: 62.000
  • Prozent der Bevölkerung: 0.7%
Frankreich:
  • Militär: 210.000
  • Zivilbevölkerung: 150.000
  • Prozent der Bevölkerung: 0.9%
Deutschland:
  • Militär: 5.185.000
  • Zivilbevölkerung: 1.170.000
  • Prozent der Bevölkerung: 9.2%
Japan:
  • Militär: 2.060.000
  • Zivilbevölkerung: 1.700.000
  • Prozent der Bevölkerung: ?
Quelle

Im Westen aufgewachsen, war für mich der Krieg immer einer, auf der die Alliierten mehr oder weniger gleichstark dargestellt wurden. Ich würde sogar sagen, dass im Westen eher das Bild des amerikanischen Befreiers dominiert, während man die Sowjetunion/Russen bis heute eher als bedrohlich und primitiv skizziert. Dieses Bild hat natürlich auch Gründe, die eben sicher auch in den Verbrechen der Deutschen in Russland (für mich fast synonym für die damalige Sowjetunion) liegen. Auch da sind die Opferzahlen in meinen Augen der Schlüssel zum besseren Verständnis, warum die Amerikaner und die Russen hier unterschiedlich wahrgenommen werden müssen. Während der Krieg für die Amerikaner sich auf das Militär beschränkt hat - die USA hatten keine (nennenswerten?) Opfer in der Zivilbevölkerung - war es für die Russen ein verlustreicher Kampf um die blanke Existenz. Natürlich ist das Verhältnis zu Menschen stärker belastet, wenn man deren Frauen und Kinder getötet hat und deren Dörfer und Städte niedergebrannt hat, als wenn es sich um eine rein militärische Auseinandersetzung gehandelt hat.

Ich möchte in diesem Thread die Wahrnehmung auf den zweiten Weltkrieg und deren Akteure diskutieren. Mir scheint diese bis heute propagandistisch belastet zu sein. Insbesondere im Westen erscheint mir die Rolle der Westalliierten erheblich überbetont, so wie der Weltkrieg an den Opferzahlen gemessen eher ein Deutsch/Sowjetischer und Japanisch/Chinesischer Krieg mit Nebenschauplätzen ist, mit bemerkenswert hohen Opfern in der Zivilbevölkerung von Polen und Indonesien (!) (wer hat hier eigentlich Indonesien im Kopf, wenn es um die Opfer des 2. Weltkrieges geht?).

Welche Gründe hat diese Wahrnehmung? Ist sie real, oder entspricht sie nur meiner Meinung? Wie unterscheiden sich ggf. die Sichtweisen in Ost und West?

PS: Hinweis an die Moderation: In diesem Thema geht es nicht ausschließlich um geschichtliche Tatsachen. Die politische Bewertung und persönliche Meinungen können aus einem solchen Thema nicht ferngehalten werden.
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Re: Wahrnehmung der Akteure des zweiten Weltkrieges

Beitragvon Ebiker » Di 12. Mai 2020, 11:39

Die hohe Zahl der Opfer in der Sowjetunion, Deutschland und Japan resultiert daraus das den jeweiligen Herrschenden Menschenleben völlig bedeutungslos waren. Isbesondere die Sowjetunion hat einen unfassbaren Blutzoll bezahlt weil da zwei menschenverachtende Diktaturen aufeinanderprallten. Andernseits ist für mich nicht begreifbar das Stalin z.T. heute noch verehrt wird nach allen Verbrechen die er am eigenen Volk begangen hat.
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Re: Wahrnehmung der Akteure des zweiten Weltkrieges

Beitragvon Skeptiker » Di 12. Mai 2020, 18:54

Ebiker hat geschrieben:(12 May 2020, 11:39)
Die hohe Zahl der Opfer in der Sowjetunion, Deutschland und Japan resultiert daraus das den jeweiligen Herrschenden Menschenleben völlig bedeutungslos waren. Isbesondere die Sowjetunion hat einen unfassbaren Blutzoll bezahlt weil da zwei menschenverachtende Diktaturen aufeinanderprallten. Andernseits ist für mich nicht begreifbar das Stalin z.T. heute noch verehrt wird nach allen Verbrechen die er am eigenen Volk begangen hat.

Die für die Sowjetunion aufgelisteten Zahlen verstehen sich aber nicht als Opferzahlen stalinistischer Herrschaft. Ich verstehe die als Opfer von Kriegshandlungen und Kriegsverbrechen.
Hast du irgendwelche Hinweise, dass in den 14Mio Opfern, Opfer Stalins enthalten sind?
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Re: Wahrnehmung der Akteure des zweiten Weltkrieges

Beitragvon DarkLightbringer » Di 12. Mai 2020, 19:57

Der Historiker Snyder ("Bloodlands - Europa zwischen Hitler und Stalin") sieht es ja ein bißchen anders: 14 Millionen Menschen wurden in den Territorien, die zwischen 1933 und 1945 unter deutscher oder sowjetischer Herrschaft standen ermordet.
Als "Bloodlands" bezeichnet er dabei ein exaktes Territorium in Osteuropa, welches allerdings nicht den heutigen Grenzen entspricht.
Und genau hier seien die weit überwiegenden Zivilopfer zu verzeichnen gewesen. Also nicht auf Soldaten bezogen, sondern auf Zivilbevölkerung.

Dazu in der "Zeit":
Nirgendwo, schreibt Snyder, starben in solch kurzer Zeit so viele Menschen wie in der Ukraine und in Weißrussland: während der Kollektivierung der Landwirtschaft, während des Großen Terrors der Jahre 1937 und 1938, zwischen 1939 und 1941, als Hitler und Stalin Polen, die baltischen Republiken und den Westen der Ukraine mit Terror und Gewalt heimsuchten, und während des Zweiten Weltkrieges, als die Nationalsozialisten ihr monströses Menschenvernichtungsprogramm in den Bloodlands exekutierten.
https://www.zeit.de/2011/29/L-Snyder-Bloodlands
>>We’ll always have Paris<<
[Humphrey Bogart als Rick Blaine in >Casablanca<, 1942]
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Re: Wahrnehmung der Akteure des zweiten Weltkrieges

Beitragvon Skeptiker » Di 12. Mai 2020, 20:11

DarkLightbringer hat geschrieben:(12 May 2020, 19:57)

Der Historiker Snyder ("Bloodlands - Europa zwischen Hitler und Stalin") sieht es ja ein bißchen anders: 14 Millionen Menschen wurden in den Territorien, die zwischen 1933 und 1945 unter deutscher oder sowjetischer Herrschaft standen ermordet.
Als "Bloodlands" bezeichnet er dabei ein exaktes Territorium in Osteuropa, welches allerdings nicht den heutigen Grenzen entspricht.
Und genau hier seien die weit überwiegenden Zivilopfer zu verzeichnen gewesen. Also nicht auf Soldaten bezogen, sondern auf Zivilbevölkerung.

Dazu in der "Zeit": https://www.zeit.de/2011/29/L-Snyder-Bloodlands

Bekanntermaßen hat der Russlandfeldzug im Sommer 41 begonnen. Ich gehe also davon aus, dass unter den Opfern des 2. Weltkrieges keine Opfer gezählt werden, die vor diesem Zeitpunkt in der Sowjetunion entstanden sind.

Beziehen sich seine Angaben also auf den Zeitraum 41 bis 45 oder 33 bis 45? Das gilt es auseinander zu halten.
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Re: Wahrnehmung der Akteure des zweiten Weltkrieges

Beitragvon DarkLightbringer » Di 12. Mai 2020, 20:43

Skeptiker hat geschrieben:(12 May 2020, 20:11)

Bekanntermaßen hat der Russlandfeldzug im Sommer 41 begonnen. Ich gehe also davon aus, dass unter den Opfern des 2. Weltkrieges keine Opfer gezählt werden, die vor diesem Zeitpunkt in der Sowjetunion entstanden sind.

Beziehen sich seine Angaben also auf den Zeitraum 41 bis 45 oder 33 bis 45? Das gilt es auseinander zu halten.

Er setzt wohl bereits 1937 an, die ganze Herangehensweise ist sehr an den Zivilopfern orientiert, weniger formal an Feldzügen und Ereignissen hinter der Front.
Das war ja das neue an Snyders Werk, abgesehen von der exakten Kartografierung der "Bloodlands".
In dieser Betrachtung agierten die Akteure Hitler und Stalin vor und während des Krieges und die "Killing Fields" waren das Experimentierfeld der Gewalt, weil nirgendwo sonst dieses Extrem in diesem Ausmaß umgesetzt werden konnte. So ungefähr die These.
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Re: Wahrnehmung der Akteure des zweiten Weltkrieges

Beitragvon Quatschki » Di 12. Mai 2020, 20:46

Skeptiker hat geschrieben:(12 May 2020, 20:11)

Bekanntermaßen hat der Russlandfeldzug im Sommer 41 begonnen. Ich gehe also davon aus, dass unter den Opfern des 2. Weltkrieges keine Opfer gezählt werden, die vor diesem Zeitpunkt in der Sowjetunion entstanden sind.

Beziehen sich seine Angaben also auf den Zeitraum 41 bis 45 oder 33 bis 45? Das gilt es auseinander zu halten.

Polen zählt seine Opfer ab dem 1.9.1939. Und zwar bezogen auf das Gebiet von Vorkriegspolen, wo ethnische Polen nur 60% der Bevölkerung stellten, während Juden, Ukrainer, Litauer, Weißrussen und auch Volksdeutsche den Rest bildeten.
Der westliche Teil dieser späteren "Bloodlands" lag auf diesem Gebiet.
Genau dort kam es auch zu heftigen Auseinandersetzungen der verschiedenen Partisanenfraktionen: der sowjetischen Partisanen, der polnischen Armia Krajowa und der ukrainischen Nationalisten der OUN, die sich gegenseitig bekriegten und auch gegenseitig die zivile Anhängerschaft in den Dörfern umbrachten.
Und bei den "Deutschen", gegen die sie alle miteinander auch gekämpft haben, waren oftmals nur die Offiziere Deutsche, während die Einheiten selbst aus einheimischen Freiwilligen und Überläufern bestanden.

z.B. https://en.wikipedia.org/wiki/Schutzman ... talion_118
Zuletzt geändert von Quatschki am Di 12. Mai 2020, 20:54, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wahrnehmung der Akteure des zweiten Weltkrieges

Beitragvon Bielefeld09 » Di 12. Mai 2020, 20:46

Skeptiker hat geschrieben:(12 May 2020, 10:28)

Im Gesellschaftsforum hat sich eine Debatte darüber entbrannt, wen man nun mehr oder weniger dafür würdigen müsse, dass der Nationalsozialismus aus Deutschland vertrieben wurde.

Mein Eindruck ist dabei, dass die Wahrnehmung dessen, was im zweiten Weltkrieg passiert ist, bis heute von den Entwicklungen nach dem Krieg überlagert werden.

Der Blick auf die Opfer zeigt in meinen Augen sehr eindrücklich wo die Hauptaktivität des Krieges lag, und welche Staaten/Gesellschaften den größten Anteil am daraus hervorgerufenen Leid zu tragen hatten.

In Wikipedia findet sich eine sehr eindrückliche Darstellung zu den Opfern des Krieges. Ich finde die Darstellung so eindrucksvoll, weil sie die Relationen nachvollziehbar macht, mit denen man es zu tun hat.

Ich greife mal ein paar Zahlen heraus, um die Unterschiede im Verhältnis der Kriegsparteien zueinander zu verdeutlichen.
Opferzahlen der unterschiedlichen (haupt)kriegsbeteiligen Staaten:
Russland:
  • Militär: 13.000.000
  • Zivilbevölkerung: 14.000.000
  • Prozent der Bevölkerung: 14.2% (47x im Vergleich zu den USA)
USA:
  • Militär: 407.000
  • Zivilbevölkerung: keine
  • Prozent der Bevölkerung: 0.3%
GB:
  • Militär: 270.000
  • Zivilbevölkerung: 62.000
  • Prozent der Bevölkerung: 0.7%
Frankreich:
  • Militär: 210.000
  • Zivilbevölkerung: 150.000
  • Prozent der Bevölkerung: 0.9%
Deutschland:
  • Militär: 5.185.000
  • Zivilbevölkerung: 1.170.000
  • Prozent der Bevölkerung: 9.2%
Japan:
  • Militär: 2.060.000
  • Zivilbevölkerung: 1.700.000
  • Prozent der Bevölkerung: ?
Quelle

Im Westen aufgewachsen, war für mich der Krieg immer einer, auf der die Alliierten mehr oder weniger gleichstark dargestellt wurden. Ich würde sogar sagen, dass im Westen eher das Bild des amerikanischen Befreiers dominiert, während man die Sowjetunion/Russen bis heute eher als bedrohlich und primitiv skizziert. Dieses Bild hat natürlich auch Gründe, die eben sicher auch in den Verbrechen der Deutschen in Russland (für mich fast synonym für die damalige Sowjetunion) liegen. Auch da sind die Opferzahlen in meinen Augen der Schlüssel zum besseren Verständnis, warum die Amerikaner und die Russen hier unterschiedlich wahrgenommen werden müssen. Während der Krieg für die Amerikaner sich auf das Militär beschränkt hat - die USA hatten keine (nennenswerten?) Opfer in der Zivilbevölkerung - war es für die Russen ein verlustreicher Kampf um die blanke Existenz. Natürlich ist das Verhältnis zu Menschen stärker belastet, wenn man deren Frauen und Kinder getötet hat und deren Dörfer und Städte niedergebrannt hat, als wenn es sich um eine rein militärische Auseinandersetzung gehandelt hat.

Ich möchte in diesem Thread die Wahrnehmung auf den zweiten Weltkrieg und deren Akteure diskutieren. Mir scheint diese bis heute propagandistisch belastet zu sein. Insbesondere im Westen erscheint mir die Rolle der Westalliierten erheblich überbetont, so wie der Weltkrieg an den Opferzahlen gemessen eher ein Deutsch/Sowjetischer und Japanisch/Chinesischer Krieg mit Nebenschauplätzen ist, mit bemerkenswert hohen Opfern in der Zivilbevölkerung von Polen und Indonesien (!) (wer hat hier eigentlich Indonesien im Kopf, wenn es um die Opfer des 2. Weltkrieges geht?).

Welche Gründe hat diese Wahrnehmung? Ist sie real, oder entspricht sie nur meiner Meinung? Wie unterscheiden sich ggf. die Sichtweisen in Ost und West?

PS: Hinweis an die Moderation: In diesem Thema geht es nicht ausschließlich um geschichtliche Tatsachen. Die politische Bewertung und persönliche Meinungen können aus einem solchen Thema nicht ferngehalten werden.
Sorry Mods, es ist nie persönlich gemeint. Ihr habt immer recht. Sorry :( :p
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Re: Wahrnehmung der Akteure des zweiten Weltkrieges

Beitragvon Realist2014 » Di 12. Mai 2020, 20:51

Skeptiker hat geschrieben:(12 May 2020, 10:28)
Im Westen aufgewachsen, war für mich der Krieg immer einer, auf der die Alliierten mehr oder weniger gleichstark dargestellt wurden. Ich würde sogar sagen, dass im Westen eher das Bild des amerikanischen Befreiers dominiert, n.


Die Militärmacht der USA hat den Krieg zugunsten der Allierten entschieden.

Die Sowjetunion hat schon 1941 Unterstützung durch die USA bekommen ( Material)

Daher war und ist dieses Bild im Westen korrekt

DIe Anzahl der Opfer ist in diesem Kontext irrelevant
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Re: Wahrnehmung der Akteure des zweiten Weltkrieges

Beitragvon conscience » Di 12. Mai 2020, 21:23

Der Ansatz des Threads ist von Anfang falsch.

Gefragt muss nach wirtschaftlicher Macht und politischer Zielsetzung;
militärischer Strategie und Taktik; außerdem die Kultur des Landes:
beliebig viele eigene Opfer in Kauf zu nehmen oder diese um jeden Preis klein zu halten.
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Re: Wahrnehmung der Akteure des zweiten Weltkrieges

Beitragvon Skeptiker » Di 12. Mai 2020, 21:37

conscience hat geschrieben:(12 May 2020, 21:23)
Der Ansatz des Threads ist von Anfang falsch.

Gefragt muss nach wirtschaftlicher Macht und politischer Zielsetzung;
militärischer Strategie und Taktik; außerdem die Kultur des Landes:
beliebig viele eigene Opfer in Kauf zu nehmen oder diese um jeden Preis klein zu halten.

Du bist nun schon der Zweite, der die Bereitschaft zu Opfern hier in den Vordergrund stellt.

Ich kann mir nicht helfen, aber der Ursache für 27000000 Kriegstote in der Sowjetunion und 400000 rein militärischen Kriegstoten der USA, liegt mE nicht in der „Bereitschaft“ die Opfer hinzunehmen, sondern in der Tatsache begründet, dass Deutschland auf Sowjetischem Gebiet einen Vernichtungskrieg geführt hat.

Ich bin offen dafür die Rolle Stalins, und gewisse Anteile von Opfern durch seine Politik erklären zu lassen. Das schließt aber nicht die Lücke von 0 Opfern zu 14000000 Opfern in der Zivilbevölkerung. Auch bei den Militärangehörigen wird dieser Unterschied nicht durch Stalins Rücksichtslosigkeit alleine erklärbar.
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Re: Wahrnehmung der Akteure des zweiten Weltkrieges

Beitragvon conscience » Di 12. Mai 2020, 22:04

Der deutsche Vernichtungskrieg gegen die Zivilbevölkerung erfolgte doch großenteils hinter der Front.

Die großen Zahl der sowjetischen Kriegsgefangenen in den Jahren 1941/2 ist eine Folge der verfehlten stalinistischen Kriegführung und die Überlegenheit der deutschen operativen Führung und der militärischen Erfahrungen der Wehrmacht aus den 21 Monaten vor Beginn des Unternehmens Barbarossa.

Der große Zahl der Toten sowjetischer Kriegsgefangenen ist dann tatsächlich die Folge des deutschen Vernichtungskrieges.

Aber eben nicht Ursachen von 2 auf 1, sondern umgekehrt.

Wenn man beispielsweise in Stalingrad von seitens der Sowjets die eigenen Truppen ohne Bewaffnung in den Kampf schickt, den eigenen Soldaten erklärt, sie sollen, das Gewehr des Gefallenen Kameraden nehmen, um damit weiter zu kämpfen, dann nimmt man Opfer in Kauf. Das gleiche gilt auch für die sogenannten Rollbahn-Schlachten.

Es ist eine Tatsache, dass bis in das Frühjahr 1944 die Rote Armee in taktischer Hinsicht unterlegen blieb. Noch in der Schlacht um die Seelower Höhen, 16.04.-19.04.1945, mit dem unsinnigen Anrennen von Infanterie in mehreren Wellen in das deutsche Abwehrfeuer zusammen mit einer verfehlten Disposition der russischen Panzer-Streitkräfte erlitt die Rote Armee höhere Verluste als die Wehrmacht.
Zuletzt geändert von conscience am Di 12. Mai 2020, 22:17, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wahrnehmung der Akteure des zweiten Weltkrieges

Beitragvon Skeptiker » Di 12. Mai 2020, 22:07

Realist2014 hat geschrieben:(12 May 2020, 20:51)
Die Militärmacht der USA hat den Krieg zugunsten der Allierten entschieden.

Unbestritten haben die USA einen erheblichen Anteil daran, dass der Krieg gewonnen wurde.
Die Sowjetunion hat schon 1941 Unterstützung durch die USA bekommen ( Material)

Die Amerikaner haben sich gut dafür bezahlen lassen. Irgendwann hat Stalin die Zahlungen eingestellt.

Wie war eigentlich die wirtschaftliche Situation der USA und Russlands nach dem Krieg? Auch das ist ein interessanter Aspekt den es zu betrachten gilt, und er hängt u.A. auch mit den Militärhilfen der USA zusammen.

Daher war und ist dieses Bild im Westen korrekt

DIe Anzahl der Opfer ist in diesem Kontext irrelevant

Die Amerikaner waren natürlich die netteren Onkel, korrekt. Wenn man Ursache und Wirkung komplett ausser Acht lässt, und nur schaut, wer einem nach dem selbstverschuldeten Krieg am meisten beschenkt hat, dann kann man sein Werturteil auch darauf aufbauen.
Wenn ich aber die Frau meines Nachbarn zur Rechten umbringe und dem Nachbarn zur Linken vors Knie haue, dann sollte ich meinen Nachbarn zur Rechten nicht deshalb geringschätzen, nur weil der nicht ganz so schnell wieder zum Alltag zurückkehrt.
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Re: Wahrnehmung der Akteure des zweiten Weltkrieges

Beitragvon conscience » Di 12. Mai 2020, 22:10

@skeptiker: Man merkt, dass Du Geschichte studiert hast.
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Re: Wahrnehmung der Akteure des zweiten Weltkrieges

Beitragvon Skeptiker » Di 12. Mai 2020, 22:19

conscience hat geschrieben:(12 May 2020, 22:10)

@skeptiker: Man merkt, dass Du Geschichte studiert hast.

Dieses ist ein Diskussionsforum. Du darfst meine Beiträge gerne kritisieren. Mit abwertender Spam befasse ich mich allerdings nicht.
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Re: Wahrnehmung der Akteure des zweiten Weltkrieges

Beitragvon conscience » Di 12. Mai 2020, 22:20

Schade, dass du ein ehrliches Lob derart zurückweisen tust. :mad:
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Re: Wahrnehmung der Akteure des zweiten Weltkrieges

Beitragvon Skeptiker » Di 12. Mai 2020, 22:21

conscience hat geschrieben:(12 May 2020, 22:20)

Schade, dass du ein ehrliches Lob derart zurückweisen tust. :mad:

Ich habe keine Geschichte studiert, und du solltest das wissen. Insofern gehe ich nicht von einem Lob aus.
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Re: Wahrnehmung der Akteure des zweiten Weltkrieges

Beitragvon Realist2014 » Di 12. Mai 2020, 22:25

Skeptiker hat geschrieben:(12 May 2020, 22:07)

U
Die Amerikaner waren natürlich die netteren Onkel, korrekt. Wenn man Ursache und Wirkung komplett ausser Acht lässt, und nur schaut, wer einem nach dem selbstverschuldeten Krieg am meisten beschenkt hat, dann kann man sein Werturteil auch darauf aufbauen.
.

So ganz fehlt dir die differenzierte Betrachtung

Meine Aussage bezog sich auf den wirksamen Einfluss hinsichtlich des Siegs der Allierten..
Der war am größten durch die USA.

Da spielt die Zeit nach dem WWII keine Rolle.

Das war die Zeit des kalten Krieges und da war die Sowjetunion der Feind mit seiner idiotischen Ideologie und die USA der Partner in der NATO- genau wie Frankreich und GB

Wie war eigentlich die wirtschaftliche Situation der USA und Russlands nach dem Krieg? Auch das ist ein interessanter Aspekt den es zu betrachten gilt, und er hängt u.A. auch mit den Militärhilfen der USA zusammen.

Das war einfach

Kapitalismus siegt über Kommunismus
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Re: Wahrnehmung der Akteure des zweiten Weltkrieges

Beitragvon Bielefeld09 » Di 12. Mai 2020, 22:36

Realist2014 hat geschrieben:(12 May 2020, 22:25)

So ganz fehlt dir die differenzierte Betrachtung

Meine Aussage bezog sich auf den wirksamen Einfluss hinsichtlich des Siegs der Allierten..
Der war am größten durch die USA.

Da spielt die Zeit nach dem WWII keine Rolle.

Das war die Zeit des kalten Krieges und da war die Sowjetunion der Feind mit seiner idiotischen Ideologie und die USA der Partner in der NATO- genau wie Frankreich und GB


Das war einfach

Kapitalismus siegt über Kommunismus

Sorry, aber die Vergewaltigung meiner Mutter im Alter von 12 Jahren durch russische Soldalten wird sie niemals verzeihen!
Sie schreiben hier einfach nur Unfug!
Oder betrachten eben alte Zeiten nicht.
Sorry Mods, es ist nie persönlich gemeint. Ihr habt immer recht. Sorry :( :p
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Re: Wahrnehmung der Akteure des zweiten Weltkrieges

Beitragvon Adam Smith » Di 12. Mai 2020, 22:39

Skeptiker hat geschrieben:(12 May 2020, 22:07)

Wie war eigentlich die wirtschaftliche Situation der USA und Russlands nach dem Krieg? Auch das ist ein interessanter Aspekt den es zu betrachten gilt, und er hängt u.A. auch mit den Militärhilfen der USA zusammen.


Es wäre erst einmal wichtig zu wissen wie die wirtschaftliche Situation während des Krieges war. Die Wirtschaft der USA ist hier sehr stark gewachsen. Das BIP hat sich zwischen 1939 und 1944 verdoppelt.

http://pdwb.de/nd23_2011.htm

Direkt nach dem Krieg ist das BIP der USA wieder etwas zurückgegangen. Nach 1950 wuchs die Wirtschaft der USA aber wieder stark.

In Bezug auf die Sowjetunion dürfte folgendes gelten.

Der Vernichtungskrieg der Deutschen dürfte der Wirtschaft der Sowjetunion stark geschadet haben.
Das ist Kapitalismus:

Die ständige Wahl der Bürger bestimmt das Angebot.

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