Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

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Kamikaze
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Re: Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

Beitragvon Kamikaze » Mo 13. Jan 2020, 08:45

imp hat geschrieben:(13 Jan 2020, 07:36)

Das passiert so oder so, wird aber wohl noch eine ganze Weile dauern. Tests mit automatischem Bus laufen derzeit mit 25 km/h an. Das ist vorerst noch ein Ubahn-Thema.


Und dennoch geht selbst dort gefühlt nichts vorwärts mit der Automatisierung...
Zwar gibt es einige "Teststrecken" im Regelbetrieb (z.B. in Nürnberg), auf denen alle U-Bahnen ohne menschlichen Fahrer unterwegs sind, aber in anderen Städten ist das Thema anscheinend (noch) gar keines. Hier in München gibt es keine einzige automatisierte Strecke und auch keine (öffentlich bekannten) Bauprojekte zu dem Thema, obwohl doch inzwischen ausreichend Erfahrung mit der Technik gegeben sein sollte.
Auch die "zweite Stammstrecke" wird anscheinend nicht gleich für den automatischen Betrieb ausgerüstet werden, obwohl diese komplett neu gebaut wird.
Warum geht da nichts weiter, obwohl das Personal sich immer mehr zum großen Bremsfaktor entwickelt (weil nicht genug vorhanden und kaum noch Neuzugänge; Dazu kommt, dass Automaten keine Lohnerhöhungen fordern und meist nicht streiken)?
Ich fürchte, dass man mit dieser Verzögerungstaktik gewaltigen Investitionsbedarf verschleppt und der (irgendwann sicher notwendige) schlagartige Umbau unnötig viele (unter großem Aufwand rekrutierte) Lokführer treffen wird (das Personal könnte man bei kontinuierlichem Umstieg langsam "ausschleichen" lassen, so dass allenfalls ein paar wenige Lokführer irgendwann ihren Job an einen Automaten verlieren würden).
Also warum tut sich da so wenig?
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Orbiter1
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Re: Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

Beitragvon Orbiter1 » Mo 13. Jan 2020, 08:54

Kamikaze hat geschrieben:(13 Jan 2020, 08:45)

Ich fürchte, dass man mit dieser Verzögerungstaktik gewaltigen Investitionsbedarf verschleppt und der (irgendwann sicher notwendige) schlagartige Umbau unnötig viele (unter großem Aufwand rekrutierte) Lokführer treffen wird (das Personal könnte man bei kontinuierlichem Umstieg langsam "ausschleichen" lassen, so dass allenfalls ein paar wenige Lokführer irgendwann ihren Job an einen Automaten verlieren würden).
Also warum tut sich da so wenig?
Die Antwort findet man einem Artikel der Süddeutschen:

"Die Gründe dafür sieht Euler sowohl in der finanziellen, als auch der rechtlichen Lage des automatisierten Fahrens: Ähnlich wie in der Automobilbranche sei noch nicht endgültig geklärt, wer wann Verantwortung für mögliche Unfälle oder Schäden durch Assistenzsysteme übernehme.

Reinhard Hennes, der Finanzchef des Eisenbahnbundesamtes sieht den Grund für die fehlenden flächendeckenden Einsätze ähnlich wie Euler in der unzureichenden Finanzierung. Allein für das Kernprojekt der Automatisierung - die vollständige technische Umrüstung auf den neuen Standard der Leit- und Sicherungstechnik, ETCS (European Train Control System) - benötige die Deutsche Bahn etwa 2,5 Milliarden Euro jährlich." Quelle: https://sz.de/1.4373949
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Adam Smith
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Re: Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

Beitragvon Adam Smith » Mo 13. Jan 2020, 09:03

Ende 2021 soll eine S-Bahn in Hamburg automatisiert fahren. Ohne Fahrer jetzt nicht.

https://www.hamburg1.de/nachrichten/434 ... siert.html
Das ist Kapitalismus:

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Re: Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 13. Jan 2020, 09:29

jack000 hat geschrieben:(20 Dec 2019, 12:21)

Mein Reden! Das ist auch das, was ich den "ÖPNV-kostenlos-dafür-Auto-teurer"-Jüngern immer versucht habe zu erklären. Es sind 1. die Kapazitäten nicht vorhanden für einen signifikanten Umstieg und 2. gar nicht die Verbindungen (z.B. in meinem Beispiel eine Erhöhung der Fahrtzeit zur Arbeit von 0:30 auf 1:43-1:58 und bis zu 6 mal Umsteigen, das ist völlig inakzeptabel 3,5 - 4 Stunden im ÖPNV zu sitzen nur um zur Arbeit und zurück zu kommen)


Gibt es irgendein Gesetz, das es einem Staat, einer Region, einer Kommune untersagt, Kapazitäten zu erweitern?

Meines Wissens wird Paris bis 2030 seine Metrokilometer im Rahmen des Grand-Paris-Vorhabens ungefähr verdoppeln und einen Großteil dieser Strecken dann fahrerlos betreiben.

Und der eine Punkt, bei dem Labour in UK sehr wohl eine große Mehrheit der Bevölkerung hinter sich hatte, war die Forderung der (Wieder)verstaatlichung der Eisenbahn.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
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Kamikaze
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Re: Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

Beitragvon Kamikaze » Mo 13. Jan 2020, 09:53

Orbiter1 hat geschrieben:(13 Jan 2020, 08:54)

Die Antwort findet man einem Artikel der Süddeutschen:

"Die Gründe dafür sieht Euler sowohl in der finanziellen, als auch der rechtlichen Lage des automatisierten Fahrens: Ähnlich wie in der Automobilbranche sei noch nicht endgültig geklärt, wer wann Verantwortung für mögliche Unfälle oder Schäden durch Assistenzsysteme übernehme.

Reinhard Hennes, der Finanzchef des Eisenbahnbundesamtes sieht den Grund für die fehlenden flächendeckenden Einsätze ähnlich wie Euler in der unzureichenden Finanzierung. Allein für das Kernprojekt der Automatisierung - die vollständige technische Umrüstung auf den neuen Standard der Leit- und Sicherungstechnik, ETCS (European Train Control System) - benötige die Deutsche Bahn etwa 2,5 Milliarden Euro jährlich." Quelle: https://sz.de/1.4373949


Danke für den Link!
Also kann man zusammenfassen: Aus Geldmangel wird die Zukunft verschlafen (was zwar in Zukunft noch wesentlich mehr Geld kosten wird, aber das ist heute erst mal egal). :dead:
Manchmal zweifle ich am Weitblick der politischen Entscheidungsträger. Hauptsache "schwarze Null" und keinen Cent zu viel in die Infrastruktur... Wir können es uns ja leisten. Aber die Klimaaktivisten gefährden den Wirtschaftsstandort Deutschland. Logisch! :thumbup:
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Re: Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

Beitragvon imp » Mo 13. Jan 2020, 22:56

Kamikaze hat geschrieben:(13 Jan 2020, 08:45)

Und dennoch geht selbst dort gefühlt nichts vorwärts mit der Automatisierung...
Zwar gibt es einige "Teststrecken" im Regelbetrieb (z.B. in Nürnberg), auf denen alle U-Bahnen ohne menschlichen Fahrer unterwegs sind, aber in anderen Städten ist das Thema anscheinend (noch) gar keines. Hier in München gibt es keine einzige automatisierte Strecke und auch keine (öffentlich bekannten) Bauprojekte zu dem Thema, obwohl doch inzwischen ausreichend Erfahrung mit der Technik gegeben sein sollte.
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Also warum tut sich da so wenig?

Wenn man hinreichend viele vom weiteren Verkehr vollständig getrennte Strecken hat, ist es leichter als wenn jede Route mindestens einen heiklen Punkt hat.
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Re: Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

Beitragvon sünnerklaas » Di 14. Jan 2020, 14:30

Kamikaze hat geschrieben:(13 Jan 2020, 09:53)

Danke für den Link!
Also kann man zusammenfassen: Aus Geldmangel wird die Zukunft verschlafen (was zwar in Zukunft noch wesentlich mehr Geld kosten wird, aber das ist heute erst mal egal). :dead:
Manchmal zweifle ich am Weitblick der politischen Entscheidungsträger. Hauptsache "schwarze Null" und keinen Cent zu viel in die Infrastruktur... Wir können es uns ja leisten. Aber die Klimaaktivisten gefährden den Wirtschaftsstandort Deutschland. Logisch! :thumbup:


Ich sag's mal anders: es wird am falschen Platz gespart. Die berühmte sparsame Schwäbische Hausfrau ist nämlich so blind, dass ihr nicht einmal der Blindenstock mehr hilft. Von ihr ist keine weitsichtige Finanzpolitik zu erwarten.
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Re: Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

Beitragvon schokoschendrezki » Di 14. Jan 2020, 14:42

Das große europäische Leuchtturmprojekt 2019 im öffentlichen Nah- und Regionalverkehr war doch der binationale Léman-Express rund um Genf bzw. den Genfer See, oder? Europas größtes grenzüberschreitendes S-Bahn-Netz. Ich bin begeistert!! Kommt jemand von dort? War das hier schon Thema? Und da gehts doch gar nicht so sehr um autonomes Fahren sondern um - endlich, endlich - wenn schon nicht die Ablösung sondern doch die Zurückdrängung des motorisierten Individualverkehrs in einer ganzen Metropolregion. Ich muss da unbedingt mal hin und mir das anschauen.
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Re: Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

Beitragvon Realist2014 » Di 14. Jan 2020, 15:02

Kamikaze hat geschrieben:(13 Jan 2020, 09:53)

D
Manchmal zweifle ich am Weitblick der politischen Entscheidungsträger. Hauptsache "schwarze Null" und keinen Cent zu viel in die Infrastruktur... :



Es liegen dafür ( Infrastruktur) Mrd auf den Konten und werden nicht abgerufen.
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Re: Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

Beitragvon Realist2014 » Di 14. Jan 2020, 15:04

schokoschendrezki hat geschrieben:(14 Jan 2020, 14:42)

Das große europäische Leuchtturmprojekt 2019 im öffentlichen Nah- und Regionalverkehr war doch der binationale Léman-Express rund um Genf bzw. den Genfer See, oder? Europas größtes grenzüberschreitendes S-Bahn-Netz. Ich bin begeistert!! Kommt jemand von dort? War das hier schon Thema? Und da gehts doch gar nicht so sehr um autonomes Fahren sondern um - endlich, endlich - wenn schon nicht die Ablösung sondern doch die Zurückdrängung des motorisierten Individualverkehrs in einer ganzen Metropolregion. Ich muss da unbedingt mal hin und mir das anschauen.



Ich war im Oktoberein paaar Tage nördlich von Genf auf halber Strecke nach Lausanne.

Volles Verkehrschaos auf den Autobahnen.... :|


Kannst du dir gerne anschauen... :p
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Re: Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

Beitragvon schokoschendrezki » Di 14. Jan 2020, 15:20

Realist2014 hat geschrieben:(14 Jan 2020, 15:04)

Ich war im Oktoberein paaar Tage nördlich von Genf auf halber Strecke nach Lausanne.

Volles Verkehrschaos auf den Autobahnen.... :|


Kannst du dir gerne anschauen... :p


Ja. Eben. Genau das wird ja als (berechtigte) Begründung für den Ausbau eines Regionalbahnnetzes auch angegeben. Es ist nicht das Problem, dass die Kapazitäten des Öffentlichen Verkehrs nicht ausreichen, sondern dass sie nicht ausgebaut werden. Und zwar erstmal auch konventionell. Viele Menschen im Südwesten Deutschlands sind - glaube ich zumindest - in zweifacher Hinsicht blind. Die denken einerseits, im Nordosten gibts schlechte Straßen mit Schlaglöchern. Nein! Alles ist super in Ordnung. Autobahnen in Richtung Stettin und Breslau sind ausgebaut und prima in Schuss! Und die denken andererseits, alles läuft mit der Bahn. Nein! Die Bahnstrecke von der deutschen Hauptstadt in eine der beiden nächstgelegenen Großstädte (Stettin) ist eingleisig, unelektrifiziert und auf manchen Teil-Abschnitten kann ich fast nebenher mitlaufen und Blümchen pflücken. Neunzehntes Jahrhundert im Einundzwanzigsten.
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Re: Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

Beitragvon Selina » Di 14. Jan 2020, 15:22

schokoschendrezki hat geschrieben:(14 Jan 2020, 14:42)

Das große europäische Leuchtturmprojekt 2019 im öffentlichen Nah- und Regionalverkehr war doch der binationale Léman-Express rund um Genf bzw. den Genfer See, oder? Europas größtes grenzüberschreitendes S-Bahn-Netz. Ich bin begeistert!! Kommt jemand von dort? War das hier schon Thema? Und da gehts doch gar nicht so sehr um autonomes Fahren sondern um - endlich, endlich - wenn schon nicht die Ablösung sondern doch die Zurückdrängung des motorisierten Individualverkehrs in einer ganzen Metropolregion. Ich muss da unbedingt mal hin und mir das anschauen.


Ja, interessant. Hier bitte einen Text dazu.

https://www.aargauerzeitung.ch/schweiz/ ... -136100465

Aber auch hier bei uns in Ostdeutschland gibt es Ansätze für einen klugen verbesserten und erweiterten ÖPNV. Ist zwar ne ganze Nummer kleiner als deine Genfer Geschichte, aber trotzdem sehr interessant. Einige Abschnitte des "Chemnitzer Modells" sind schon jahrelang in Betrieb: Die Fahrgastzahlen steigen kontinuierlich weiter an. Das Ganze ist noch lange nicht zu Ende gebaut, aber insgesamt sehr interessant und zukunftsträchtig. Der Witz: Mit der Straßenbahn über Eisenbahngleise und umgekehrt. Die Großstadt wird mit Kleinstädten im Chemnitzer Umland per S-Bahn vernetzt. Mit der Bahn bis in die City.

https://de.wikipedia.org/wiki/Chemnitzer_Modell

https://www.mdr.de/sachsen/chemnitz/che ... e-100.html
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
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Re: Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

Beitragvon schokoschendrezki » Di 14. Jan 2020, 15:42

Selina hat geschrieben:(14 Jan 2020, 15:22)

Ja, interessant. Hier bitte einen Text dazu.

https://www.aargauerzeitung.ch/schweiz/ ... -136100465

Aber auch hier bei uns in Ostdeutschland gibt es Ansätze für einen klugen verbesserten und erweiterten ÖPNV. Ist zwar ne ganze Nummer kleiner als deine Genfer Geschichte, aber trotzdem sehr interessant. Einige Abschnitte des "Chemnitzer Modells" sind schon jahrelang in Betrieb: Die Fahrgastzahlen steigen kontinuierlich weiter an. Das Ganze ist noch lange nicht zu Ende gebaut, aber insgesamt sehr interessant und zukunftsträchtig. Der Witz: Mit der Straßenbahn über Eisenbahngleise und umgekehrt. Die Großstadt wird mit Kleinstädten im Chemnitzer Umland per S-Bahn vernetzt. Mit der Bahn bis in die City.

https://de.wikipedia.org/wiki/Chemnitzer_Modell

https://www.mdr.de/sachsen/chemnitz/che ... e-100.html

Das ist ein sehr gutes Konzept. Das Straßenbahnsystem in Berlin, das drittgrößte der Welt, zeichnet sich vor allem durch eine extreme Asymmetrie aus. Es existiert mit Ausnahme von zwei wiederaufgebauten Teilstrecken praktisch nur im Ostteil.

Der nordöstliche (Teil)Bezirk Weißensee zeichnet sich a) durch sehr hohe aktuelle Zuzugsraten aus und b) dadurch, dass er untypischerweise über keinerlei S- und U-Bahnhof verfügt. Pläne für eine U-Bahn nach Weißensee gibts seit fast hundert Jahren. Es zeigt sich aber nun, dass durch eine vom Autoverkehr separierte Streckenführung und durch längere Züge und dichtere Abfolgen auch ein sehr sehr großes Fahrgastaufkommen durch Trams bewältigt werden kann. (M4). Der Neubau der M10 in den innerstädtischen Westteil zum Hauptbahnhof und ein Stück weiter ist aus meiner Sicht dagegen komplett sinnlos. Selbst spazieren gehen geht schneller. "Wie einen die M10 in den Wahnsinn treibt" war einmal ein Artikel in einer Berliner Zeitung überschrieben.
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Re: Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

Beitragvon Selina » Di 14. Jan 2020, 15:51

schokoschendrezki hat geschrieben:(14 Jan 2020, 15:42)

Das ist ein sehr gutes Konzept. Das Straßenbahnsystem in Berlin, das drittgrößte der Welt, zeichnet sich vor allem durch eine extreme Asymmetrie aus. Es existiert mit Ausnahme von zwei wiederaufgebauten Teilstrecken praktisch nur im Ostteil.

Der nordöstliche (Teil)Bezirk Weißensee zeichnet sich a) durch sehr hohe aktuelle Zuzugsraten aus und b) dadurch, dass er untypischerweise über keinerlei S- und U-Bahnhof verfügt. Pläne für eine U-Bahn nach Weißensee gibts seit fast hundert Jahren. Es zeigt sich aber nun, dass durch eine vom Autoverkehr separierte Streckenführung und durch längere Züge und dichtere Abfolgen auch ein sehr sehr großes Fahrgastaufkommen durch Trams bewältigt werden kann. (M4). Der Neubau der M10 in den innerstädtischen Westteil zum Hauptbahnhof und ein Stück weiter ist aus meiner Sicht dagegen komplett sinnlos. Selbst spazieren gehen geht schneller. "Wie einen die M10 in den Wahnsinn treibt" war einmal ein Artikel in einer Berliner Zeitung überschrieben.


Ja. Ich kenne mich nicht besonders gut damit aus. Was ich aber immer wieder feststelle, ist die Fehlplanung des Berliner Hauptbahnhofes, der ja nach wie vor nicht ausreichend ans S-und-U-Bahn-Netz angeschlossen ist und man immer erst bis Friedrichstraße fahren muss, von wo aus es dann weitergeht. Müsste nicht so ein weltstädtischer Hauptbahnhof eigentlich auch gleichzeitig Nahverkehrs-Knotenpunkt sein?
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Re: Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

Beitragvon frems » Di 14. Jan 2020, 18:13

Adam Smith hat geschrieben:(13 Jan 2020, 07:37)

Nur selbstfahrende Busse und Bahnen sind in der Lage das Problem zu lösen.

Bringt alleine aber auch nicht viel. Mit menschlichen Fahrern könnte man bereits problemlos alle 120 Sekunden eine U- und S-Bahn an einem Bahnhof halten lassen, ggf. auch alle 90. Dazu benötigt man aber eine digitalisierte Infrastruktur (ETCS), um auf Signalisierungen verzichten zu können. Auch im Busverkehr kann man Linien alle 120 bis 150 Sekunden verkehren lassen. Da ist das Problem aber die Verteilung der Kapazitäten, da es im Berufsverkehr schnell zur sog. Pulkbildung kommt. Das heißt, dass bspw. ein Bus mit 120% Auslastung vorne weg fährt und nur einige Sekunden später ein weiterer Bus mit 60% Auslastung folgt. Da kann man aber auf Hauptstraßen mit vielen kleinen Maßnahmen bereits für wenig Geld einiges erreichen. Bei uns hat die Hochbahn teilweise ihre Kapazität auf Hauptlinien mit über 50.000 Fahrgästen am Tag um bis zu 25% erhöhen können, u.a. durch Kauf größerer/längerer Busse, konsequenteres Vorgehen gegen Falschparker, Ausweitung der Ticketautomaten und Onlinetickets (und Abschaffung des Verkaufs durch den Fahrer), Vorrangschaltungen an Lichtsignalanlagen, Verlagerungen von Haltebuchten und -stellen hinter Knotenpunkte, Ausweitung der Fahrbahnen für Busse und Taxen ("Busspur") etc. pp. Alles keine Raketenwissenschaft, aber es bedeutet oftmals eine höhere Flächeninanspruchnahme sowie eine temporäre Verschlechterung der Verkehrsqualität für andere Verkehrsmodi. Und somit ist es eine politische und nicht technische Frage. Mit autonomen Bussen und Bahnen alleine hat man keine eierlegende Wollmilchsau, wenn es weiterhin an vielen Abschnitten regelmäßig hakt.
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Re: Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

Beitragvon Pfandpirat » Di 14. Jan 2020, 20:16

Apropos CBTC: In Frankfurt gibt es derzeit eine 12-Mio-Förderung für eine CBTC-Anlange an einer der Strammstrecken: https://frankfurt.de/sixcms/detail.php?id=8440&_ffmpar[_id_inhalt]=36488698

Beispielsweise kann so die Taktfolge um 25% auf der A-Strecke erhöht werden (da wird aber wohl die 12 Millionen nicht für reichen). Aktuell besteht meiner Meinung nach auf der Strecke nicht unbedingt der Bedarf, da sowieso schon im 2 1/2 Minuten-Takt in der Hauptverkehrszeit gefahren wird. In naher Zukunft ist der Bedarf sicherlich da, vor allem wenn man weiß, wie wichtig der Komfort den Autofahrern ist, so ist die Auslastungsquote sicherlich beim Umsteigen von Auto auf Bus/Bahn eine wichtige Komponente. Einer der größten Hindernisse ist ja nicht der Preis (i.d.R. zahlt man mehr für ein Auto als für den ÖPNV), sondern der mangelnde Komfort. Wenn ich jahrzehntelang alleine Auto fahren, macht es mir eben kein Spaß in einer überfallten Straßenbahn zu sitzen. Da kann eine Takterhöhung sicherlich einen Beitrag schaffen. Deswegen bin ich auch kein großer Fan vom kostenlosen ÖPNV, Tallinn hat vorgemacht, dass nur wenige Leute wirklich umsteigen.

@frems: Ich arbeite aktuell in der Nahverkehrsplanung. Bei einer neuen Bushaltestelle kochen da schon die Gemüter, wenn da drei oder vier Parkplätze wegfallen... ganz zu schweigen von Busspuren. In meiner Heimatstadt Bonn sind letztens 60 Parkplätze weggefallen für eine Busspur. Das kann ich dann allerdings auch wieder nachvollziehen, dass man als Anwohner nicht gerade erfreut ist. Nichtsdestotrotz halt ich Autonomes Fahren für einen sehr wichtigen Punkt, sieht man doch, dass es in fast jeder Stadt an Bus- und Bahnfahrern mangelt. Wenn ich den Takt erhöhe, bringt es leider nichts, wenn ich dazu keine passenden Fahrer finde. Allerdings ist für mich das noch große Zukunftsmusik, die Busse fahren noch sehr langsam, sind nicht behindertengerecht, sind klein und benötigen noch einen Operator. Für mich ist AV wahrscheinlich erst in 10-20 Jahren betriebsfähig. Also geht es erstmal darum, den Bahn-/Busfahrerjob attraktiver zu machen. Ob alleine Lohnerhöhungen dafür reichen?
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Re: Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

Beitragvon H2O » Di 14. Jan 2020, 22:27

...da es im Berufsverkehr schnell zur sog. Pulkbildung kommt. Das heißt, dass bspw. ein Bus mit 120% Auslastung vorne weg fährt und nur einige Sekunden später ein weiterer Bus mit 60% Auslastung folgt.


Dieses Verhalten habe ich in Bremen auch beobachtet. Rein technisch interessiert mich, wie die Steuerung von Straßenbahnen und Bussen diese "Panik" einebnen kann. Gibt es dazu Maßnahmenbündel? Ich denke da an das Umsteigen in andere Linien, die vielleicht nicht unbedingt im Doppelpack unterwegs sind und verpaßte Anschlüsse, unfreiwillige Standzeiten. Haben Verkehrsbetriebe in Großstädten eine übergeordnete KI-Steuerung für die gesamte Fahrzeugflotte? Wie geht man dann mit den Fahrplänen und Anschlußzeiten um?
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Re: Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

Beitragvon H2O » Di 14. Jan 2020, 22:53

Kamikaze hat geschrieben:(13 Jan 2020, 09:53)

Danke für den Link!
Also kann man zusammenfassen: Aus Geldmangel wird die Zukunft verschlafen (was zwar in Zukunft noch wesentlich mehr Geld kosten wird, aber das ist heute erst mal egal). :dead:
Manchmal zweifle ich am Weitblick der politischen Entscheidungsträger. Hauptsache "schwarze Null" und keinen Cent zu viel in die Infrastruktur... Wir können es uns ja leisten. Aber die Klimaaktivisten gefährden den Wirtschaftsstandort Deutschland. Logisch! :thumbup:


Muß nicht so sein, aber könnte so sein:

Viele Infrastukturmaßnahmen werden vielleicht schon deshalb auf die lange Bank geschoben, weil einschlägig befähigte Zulieferer die dazu erforderlichen Fachkräfte nicht clonen können.

Wenn klar ist, daß Ganztagsbetreuung von Schülern eine Forderung unserer Zeit ist, woher dann die Lehrer dazu nehmen... selbst dann, wenn die notwendigen Milliarden Steuermittel dazu bereit stehen sollten? Die Zahlen fehlender Lehrer, Polizisten, Pflegekräfte, MINT-Personal sind unfaßbar... bei 3% Arbeitslosigkeit in unserem Lande. Still liegende Reserven vermute ich in diesen Bereichen nicht... das wäre ja auch wieder Wahnsinn.

Bleibt bei allem Ärger doch nur die Notwendigkeit, die bekannten Mängel in zäher Kleinarbeit ab zu räumen... und unversehens neue Löcher auf zu reißen. Bösen Willen vermute ich in diesem Notbetrieb nirgendwo. Vielleicht zu hohe Erwartungen bei "Selbstverständlichkeiten"?
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Re: Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

Beitragvon frems » Sa 18. Jan 2020, 19:52

Pfandpirat hat geschrieben:(14 Jan 2020, 20:16)
@frems: Ich arbeite aktuell in der Nahverkehrsplanung. Bei einer neuen Bushaltestelle kochen da schon die Gemüter, wenn da drei oder vier Parkplätze wegfallen... ganz zu schweigen von Busspuren. In meiner Heimatstadt Bonn sind letztens 60 Parkplätze weggefallen für eine Busspur. Das kann ich dann allerdings auch wieder nachvollziehen, dass man als Anwohner nicht gerade erfreut ist. Nichtsdestotrotz halt ich Autonomes Fahren für einen sehr wichtigen Punkt, sieht man doch, dass es in fast jeder Stadt an Bus- und Bahnfahrern mangelt. Wenn ich den Takt erhöhe, bringt es leider nichts, wenn ich dazu keine passenden Fahrer finde. Allerdings ist für mich das noch große Zukunftsmusik, die Busse fahren noch sehr langsam, sind nicht behindertengerecht, sind klein und benötigen noch einen Operator. Für mich ist AV wahrscheinlich erst in 10-20 Jahren betriebsfähig. Also geht es erstmal darum, den Bahn-/Busfahrerjob attraktiver zu machen. Ob alleine Lohnerhöhungen dafür reichen?

Das Problem ist ja, dass Autofahrer über Jahrzehnte Privilegien genossen haben und diese nicht ansatzweise für andere abgeben möchten. Bei uns in Hamburg kann man sich einen Bewohnerparkausweis für 25 Euro bequem online bestellen oder verlängern. 25 Euro. Im Jahr. Für gut 15qm in zentraler Lage. Und den Betrieb (Wartung und Instandsetzung) übernimmt auch noch Vater Staat. Volkswirtschaftlich ein totaler Irrsinn. Ich bin jedenfalls heilfroh, dass wir im Hafen (fast) keine Anwohner haben, sondern nur ein paar Anlieger in Form von Unternehmen. Und das kann schon nervig genug sein, da dann nicht auf Bürgerveranstaltungen herumgepöbelt wird, sondern gleich beim Senator oder Bürgermeister das Telefon klingelt. :D

Ich begrüße autonome Busse und Bahnen ebenfalls, aber an vielen Stellen hakt es halt und daran kann ein maschineller Triebfahrzeugführer wenig ändern. Bei einer S-Bahnlinie haben wir derzeit massive Probleme mit den Türen, da der Hersteller geschlampt hat bei der Umsetzung von Auflagen des Eisenbahnbundesamtes. Ergebnis: wenn jemand noch "in letzter Sekunde" in die Bahn springt oder ein Fahrgast noch die Lichtschranke blockiert, führt dies in der Regel zu einer Betriebsstörung, deren Lösung durch einen Neustart des Betriebssystems erfolgt. Dabei müssen alle Türen nochmal geöffnet und geschlossen werden. Ende von der Geschichte: der Zug steht gerne mal fünf Minuten herum und blockiert das Gleis -- mit Folgeverspätungen für alle folgenden Züge, während sich an den "nächsten" Haltestellen die Menschenmassen sammeln und dazu neigen, das Dilemma einen Stopp weiter zu wiederholen.

Und naja, dass man erstmal mit 25 km/h oder so im Busverkehr anfängt, ist ja logisch. Die Durchschnittsgeschwindigkeit von "normalen" Bussen ist meist im innerstädtischen Bereich eh niedriger, sodass die Höchstgeschwindigkeit diesen Durchschnitt nicht signifikant senken würde. Und je mehr Erfahrungen man sammelt und Fortschritte in der Technik erzielt, desto schneller wird man die Fahrzeuge verkehren lassen. Aber immerhin: ein autonomes Fahrzeug geht nicht in den Streik für höhere Löhne.
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Re: Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt

Beitragvon frems » Sa 18. Jan 2020, 20:00

H2O hat geschrieben:(14 Jan 2020, 22:27)

Dieses Verhalten habe ich in Bremen auch beobachtet. Rein technisch interessiert mich, wie die Steuerung von Straßenbahnen und Bussen diese "Panik" einebnen kann. Gibt es dazu Maßnahmenbündel? Ich denke da an das Umsteigen in andere Linien, die vielleicht nicht unbedingt im Doppelpack unterwegs sind und verpaßte Anschlüsse, unfreiwillige Standzeiten. Haben Verkehrsbetriebe in Großstädten eine übergeordnete KI-Steuerung für die gesamte Fahrzeugflotte? Wie geht man dann mit den Fahrplänen und Anschlußzeiten um?

Es gibt für solche Maßnahmenbündel, aber die sind stets individuell und nicht auf andere Relationen einfach so zu übertragen. Eine überfreundliche kurze Auflistung für Beispiele gibt es hier: http://www.via-bus.de/massnahmen/

Ist natürlich immer nicht immer für alle nachvollziehbar. Manch einer ärgert sich, wenn er nicht mehr beim Busfahrer seinen Fahrschein lösen kann, sondern auf Automaten oder -- noch schlimmer -- Smartphones verwiesen wird. Wie Pfandpirat schon anmerkte, ist auch das Thema Pkw-Parkplätze sehr emotional verpackt. Manch Umweltfreund trauert einem zu fällenden (ggf. eh kranken) Baum nach. Geschäftsleute beschweren sich über jede (Straßen-)Baustelle vor ihrer Tür. Und wenn ein Autofahrer dann noch an einer roten Ampel steht oder hinter einem stehenden Bus ohne Haltebucht, dann ist das Tor zur Hölle eröffnet. Da ist das Nimbytum weit verbreitet. Selbst Deutschlands oberste Propaganda-Organisation ADAC sieht mittlerweile ein, dass der Ausbau des ÖPNV auch für Autofahrer Vorteile bringt, wenn bspw. mehr Arbeitnehmer auf die Öffis umsteigen und somit Stau und Parkplatzsuche für jene, die weiter mit dem Auto fahren müssen (oder einfach wollen), erleichtern. Aber hat man gefühlt -- und sei es nur für wenige Wochen -- Nachteile beim Blick durch die Windschutzscheibe, steigt erstmal die Wut. Als junger Student hätte ich auch nicht geglaubt, wie viele gefühlte Meinungen über so banale Dinge wie Signalisierungsprogramme von Lichtsignalanlagen in breiten Teilen der Gesellschaft verbreitet sind und Gemüter erzürnen. :?
Labskaus!

Ob Mailand oder Madrid -- Hauptsache Europa.

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