Schüler gegen den Religionsunterricht

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Ein Terraner
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Re: Schüler gegen den Religionsunterricht

Beitragvon Ein Terraner » Di 26. Nov 2019, 10:50

H2O hat geschrieben:(26 Nov 2019, 10:28)

Bei den 10 Geboten; hier 8.: "Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider Deinen Nächsten!" Mir sind aber noch weitere ethisch unbedenkliche Inhalte bekannt. Sie müssen nur danach fragen.


Ok, als man soll keine Lügen über Jemanden erzählen, gut. Ja durchaus lobenswert.

Wie sieht es den hiermit aus, Gebot Nr. ?

Sexismus, Rassismus, Besitzverhältnisse. Frauen werden als Eigentum gleichgestellt neben Vieh und Sklaven.

Du sollst nicht Verlangen tragen nach deines Nächsten Hause. Du sollst nicht Verlangen tragen nach deines Nächsten Weibe, noch nach seinem Sklaven, seiner Sklavin, seinem Ochsen, seinem Esel, noch nach irgend etwas, was deinem Nächsten gehört.


Irgendwann wurden dann aus den Sklaven in einer späteren Übersetzung Diener in Form von Knecht und Magd wiederum eine Einstufung von Menschen als Eigentum oder Besitz.

Laß dich nicht gelüsten deines Nächsten Hauses. Laß dich nicht gelüsten deines Nächsten Weibes, noch seines Knechtes noch seiner Magd, noch seines Ochsen noch seines Esels, noch alles, was dein Nächster hat.

https://bibeltext.com/exodus/20-17.htm

Das halte ich jetzt als ethische Basis schon mal sehr ungeeignet.

P.S. Es geht nicht darum ob es unbedenkliche Inhalte gibt, es geht um ein ethisches Fundament für die heutige Gesellschaft.
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Re: Schüler gegen den Religionsunterricht

Beitragvon H2O » Di 26. Nov 2019, 11:22

Gerade unter den Volksvertretern gibt es eine ziemlich überwältigende Mehrheit, die entweder direkt christlich ist oder aber zu feige, sich mit den Kirchen anzulegen, und die Parteien fürchten viel zu sehr um ihre Macht, als dass sie dem Thema ihre Aufmerksamkeit schenken würden.


Ihnen fällt aber nicht der Widerspruch auf, daß nun ausgerechnet unsere Politiker sich vom "Volksganzen" dadurch absetzen, daß sie im Gegensatz zu diesem christlich sind und die Auseinandersetzung mit Gläubigen scheuen?

Immerhin sind derzeit 50% unserer Mitbürger ohne Glaubensbekenntnis... dazu zähle ich mich übrigens auch, trotz Kirchenangehörigkeit. Ich vermute, wenn ein Politiker sich allzu religiös oder kirchentreu äußert, daß er ebenso viele Wähler verprellt wie er an sich bindet. Ich tippe eher, daß das ganz normale Leute sind wie Sie und ich zu sein meinen, die sich eben verstärkt der politischen Gestaltung unserer Gesellschaft widmen möchten.

So ganz verstehe ich nicht, wo denn der gemeinsame europäische Bildungsansatz für Hochschulen "Bologna" gescheitert sein soll. Habe ich da nicht gut genug aufgepaßt? Da haben wir wohl eher mit Widerständigkeit und Obstruktion/Unfähigkeit zu rechnen.

Grundsätzlich vernünftig finde ich aber die Vereinheitlichung der Studienabschnitte und das erwartete Fachwissen bei Berufsabschlüssen schon. Daß diese Einheitlichkeit immer noch sehr von der Befähigung von Lehrenden und Lernenden abhängt, das war doch schon immer so! Aber das Ziel ist klar... meine ich. Da darf man nicht locker lassen, wenn wir die Durchlässigkeit der Landesgrenzen für künftige Generationen erreichen wollen.
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Re: Schüler gegen den Religionsunterricht

Beitragvon H2O » Di 26. Nov 2019, 11:40

Ein Terraner hat geschrieben:(26 Nov 2019, 10:50)

Ok, als man soll keine Lügen über Jemanden erzählen, gut. Ja durchaus lobenswert.

Wie sieht es den hiermit aus, Gebot Nr. ?

Sexismus, Rassismus, Besitzverhältnisse. Frauen werden als Eigentum gleichgestellt neben Vieh und Sklaven.



Irgendwann wurden dann aus den Sklaven in einer späteren Übersetzung Diener in Form von Knecht und Magd wiederum eine Einstufung von Menschen als Eigentum oder Besitz.


https://bibeltext.com/exodus/20-17.htm

Das halte ich jetzt als ethische Basis schon mal sehr ungeeignet.

P.S. Es geht nicht darum ob es unbedenkliche Inhalte gibt, es geht um ein ethisches Fundament für die heutige Gesellschaft.


Ja, dieser gesellschaftliche Wandel ist anhand der genannten Beispiele doch sehr gut dar zu stellen. Sie glauben doch wohl nicht im Ernst, daß ich meine Frau und meine Kinder als mein persönliches Eigentum betrachte? Das muß doch Gründe haben, oder?

Und genau darüber muß in der Schule unterrichtet werden, wenn die Eltern das so nicht vorleben. Denn dafür gibt es leider keine Garantie. Immerhin beklagen wir uns heute über 130.000 Körperverletzungen in Paarbeziehungen, davon 130 Morde. Ich vermute weniger, daß dabei gläubige Christen am Werk waren... aber sicher ziemlich dumpfe Typen.
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Re: Schüler gegen den Religionsunterricht

Beitragvon Bartleby » Di 26. Nov 2019, 11:52

H2O hat geschrieben:(26 Nov 2019, 11:22)

Ihnen fällt aber nicht der Widerspruch auf, daß nun ausgerechnet unsere Politiker sich vom "Volksganzen" dadurch absetzen, daß sie im Gegensatz zu diesem christlich sind und die Auseinandersetzung mit Gläubigen scheuen?

Immerhin sind derzeit 50% unserer Mitbürger ohne Glaubensbekenntnis... dazu zähle ich mich übrigens auch, trotz Kirchenangehörigkeit. Ich vermute, wenn ein Politiker sich allzu religiös oder kirchentreu äußert, daß er ebenso viele Wähler verprellt wie er an sich bindet. Ich tippe eher, daß das ganz normale Leute sind wie Sie und ich zu sein meinen, die sich eben verstärkt der politischen Gestaltung unserer Gesellschaft widmen möchten.



Warum Widerspruch? Die Politiker repräsentieren die Bevölkerung in Sachen Religion nicht, weil bei ihnen keine Religionskritik zu hören ist. Und genau deshalb geht diese Initiative zur Abschaffung des Religionsunterrichts wieder einmal nicht von der Politik aus.

Den Rest habe ich abgeschnitten - würde sich lohnen, Sinn oder Unsinn eines europäischen Zentralkanons von Bildung zu diskutieren. Dass Macht desto besser einzuhegen ist, je dezentraler sie verteilt ist, dieser Gedanke, der auch das Grundgesetz trägt, scheint abhanden zu kommen.
In der Massendemokratie ist Kommunikationsverweigerung die letzte offene Tür ins Freie.
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Re: Schüler gegen den Religionsunterricht

Beitragvon Ein Terraner » Di 26. Nov 2019, 12:32

H2O hat geschrieben:(26 Nov 2019, 11:40)

Ja, dieser gesellschaftliche Wandel ist anhand der genannten Beispiele doch sehr gut dar zu stellen. Sie glauben doch wohl nicht im Ernst, daß ich meine Frau und meine Kinder als mein persönliches Eigentum betrachte? Das muß doch Gründe haben, oder?

Und genau darüber muß in der Schule unterrichtet werden, wenn die Eltern das so nicht vorleben. Denn dafür gibt es leider keine Garantie. Immerhin beklagen wir uns heute über 130.000 Körperverletzungen in Paarbeziehungen, davon 130 Morde. Ich vermute weniger, daß dabei gläubige Christen am Werk waren... aber sicher ziemlich dumpfe Typen.


Es ist relativ egal wie du das siehst oder betrachtest, es geht um die Texte. Und wenn man die Texte erst soweit verbiegen muss das im Grunde das Gesellschaftliche Leben nichts mehr damit zu tun hat was da steht, dann sind diese schlicht überflüssig oder könnten durch irgendwas ersetzt werden. Diese Texte sollen die Regeln als ethisches Fundament darstellen, wie stellst du dir das vor?

Und na klar, das waren niemals Christen, wie uns die Geschichte lehrt sind Christen schon immer das friedliebendste was unser Planet zu bieten hat. Naja, wenn sie in Afrika nicht gerade Kinder verbrennen.
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Re: Schüler gegen den Religionsunterricht

Beitragvon H2O » Di 26. Nov 2019, 12:59

Ein Terraner hat geschrieben:(26 Nov 2019, 12:32)

Es ist relativ egal wie du das siehst oder betrachtest, es geht um die Texte. Und wenn man die Texte erst soweit verbiegen muss das im Grunde das Gesellschaftliche Leben nichts mehr damit zu tun hat was da steht, dann sind diese schlicht überflüssig oder könnten durch irgendwas ersetzt werden. Diese Texte sollen die Regeln als ethisches Fundament darstellen, wie stellst du dir das vor?

Und na klar, das waren niemals Christen, wie uns die Geschichte lehrt sind Christen schon immer das friedliebendste was unser Planet zu bieten hat. Naja, wenn sie in Afrika nicht gerade Kinder verbrennen.


Sie können es nicht lassen; ich bin Christ, und ich verbrenne auch keine Kinder. Ihre Aussage ist verletzend verallgemeinert und müßte nun wieder als regelwidrig abgestraft werden. Unterlassen Sie künftig bitte solche Anwürfe!

Natürlich stelle ich mir die Verwendung der Heiligen Schriften so vor, daß sie eine gesellschaftliche Entwicklung beschreiben, die von Jesus und seinen Jüngern aufgearbeitet wurde, die mißbraucht wurden und wieder von Martin Luther & Cie aufgearbeitet und immer weiter in unserer abendländischen Kultur entwickelt wurde. Bessere und ältere Zeugnisse einer 3.000-jährigen Gesellschaftsgeschichte von der Vielweiberei bis zur Homoehe, immer berichtet von Zeitgenossen, können Sie gar nicht beibringen.

Selbstverständlich lohnt sich auch die Gesellschaftsgeschichte des griechischen und römischen Altertums. Dann werden Sie bemerken, daß auch die vom Zeitgeist beherrscht war.

So etwas gehört ganz einfach zur Allgemeinbildung eines Europäers... aber nicht allein das!
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Re: Schüler gegen den Religionsunterricht

Beitragvon Ein Terraner » Di 26. Nov 2019, 13:02

H2O hat geschrieben:(26 Nov 2019, 12:59)

Sie können es nicht lassen; ich bin Christ, und ich verbrenne auch keine Kinder. Ihre Aussage ist verletzend verallgemeinert und müßte nun wieder als regelwidrig abgestraft werden. Unterlassen Sie künftig bitte solche Anwürfe!


Ist dir immer noch nicht klar das es nicht um dich geht? https://www.welt.de/welt_print/politik/ ... geria.html

Es geht um Ethik und wenn du darüber nicht reden kannst ohne alles Persönlich zu nehmen, dann lass es einfach bleiben.
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Re: Schüler gegen den Religionsunterricht

Beitragvon Amun Ra » Di 26. Nov 2019, 13:12

H2O hat geschrieben:(26 Nov 2019, 09:24)
...
Also Schritt 1:
Das Schulwesen auf den Bund übertragen... noch lieber auf die EU. Da gehört es nämlich hin, wenn wir eine immer engere Zusammenarbeit und Durchlässigkeit in Europa erreichen wollen.

Nein! Bildung ist und bleibt Ländersache! Bildung gehört eben nicht auf die Bundesebene, schon garnicht auf EU-Ebene. Zumal es auf EU-Ebene eh niemals eine Einigung zwischen allen EU-Mitgliedern geben würde. Die Skandinavier wollen ihr Schulsystem nicht verwässern, die Franzosen beharren auf ihrem System und in Deutschland scheitert man regelmäßig an der Abschaffung der Dreigliedrigkeit (zum Glück).
Schritt 2:
Religionsunterricht als Schulfach unabhängig von Glaubensgemeinschaften; das Schulfach darf auch "Ethik" genannt werden.

Religionsunterricht ganz abschaffen. Religion ist in unserer Zeit eh schon ein Anachronismus und hat in staatlichen Schulen schon ganz grundsätzlich nichts verloren. Wer seine Kinder religiös indoktrinieren will soll Sonntags- oder Koran- oder Wasauchimmerschulen gründen (und auch selber bezahlen!) und sie dorthin schicken. Aber Religion hat in Ethik nichts verloren. Darin geht es um Wertevermittlung und damit haben es die Religionen ja naturgemäß eher nicht so.
Schritt 3:
Aufgrund unserer gesellschaftlichen Veränderungen sind auch Moslems und andere Glaubensrichtungen zur Teilnahme verpflichtet.
...

Sind sie, zumindest in BW, schon jetzt, sofern sie nicht an einem konfessionellen Religionsunterricht teilnehmen. Ab Klasse 7 glaube ich ist hier Ethik verpflichtende Alternative. Müsste meine Stoffel fragen, seit wann sie Ethik haben.
'I find that offensive.' has no meaning; it has no purpose; it has no reason to be respected as a phrase. 'I am offended by that.' Well, so fucking what? - Stephen Fry
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Re: Schüler gegen den Religionsunterricht

Beitragvon H2O » Di 26. Nov 2019, 13:28

Ein Terraner hat geschrieben:(26 Nov 2019, 13:02)

Ist dir immer noch nicht klar das es nicht um dich geht? https://www.welt.de/welt_print/politik/ ... geria.html

Es geht um Ethik und wenn du darüber nicht reden kannst ohne alles Persönlich zu nehmen, dann lass es einfach bleiben.


Sicher geht es um Ethik; das lerne ich immer besser einzuschätzen. Unterlassen Sie die Beschimpfung von Gemeinschaften, die aus guten und bösen Menschen bestehen. Anderswo würde man von Rassismus und Hetze sprechen. Das ist so einfach zu verstehen, daß ich nur noch staunen kann, wie Sie sich hier als oberster Ethiker aufführen mögen.
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Re: Schüler gegen den Religionsunterricht

Beitragvon Ein Terraner » Di 26. Nov 2019, 13:33

H2O hat geschrieben:(26 Nov 2019, 13:28)

Sicher geht es um Ethik; das lerne ich immer besser einzuschätzen. Unterlassen Sie die Beschimpfung von Gemeinschaften, die aus guten und bösen Menschen bestehen. Anderswo würde man von Rassismus und Hetze sprechen. Das ist so einfach zu verstehen, daß ich nur noch staunen kann, wie Sie sich hier als oberster Ethiker aufführen mögen.


Aber in dem christlichen ethischen Basiswerk sind Sätze zu finden wie z.b.

2 Mose 22:17 / LUT
Die Zauberinnen sollst du nicht leben lassen.

3 Mose 20:27 / LUT
Wenn ein Mann oder Weib ein Wahrsager oder Zeichendeuter sein wird, die sollen des Todes sterben. Man soll sie steinigen; ihr Blut sei auf ihnen.

3 Mose 20:6 / LUT
Wenn eine Seele sich zu den Wahrsagern und Zeichendeutern wenden wird, daß sie ihnen nachfolgt, so will ich mein Antlitz wider dieselbe Seele setzen und will sie aus ihrem Volk ausrotten.


Ist also ethisch alles in Ordnung was da so passiert, ober nicht?
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Re: Schüler gegen den Religionsunterricht

Beitragvon H2O » Di 26. Nov 2019, 13:35

Amun Ra hat geschrieben:(26 Nov 2019, 13:12)

Nein! Bildung ist und bleibt Ländersache! ....

Meinen Sie zu Recht. Ich finde diesen Ansatz unvernünftig mit Blick auf unsere europäische Gemeinschaft. Hatte ich aber auch erläutert.

...
Aber Religion hat in Ethik nichts verloren. Darin geht es um Wertevermittlung und damit haben es die Religionen ja naturgemäß eher nicht so.


Eine ganz schlimme Fehleinschätzung, ganz schlicht durch eigene Erfahrung.

Sind sie, zumindest in BW, schon jetzt, sofern sie nicht an einem konfessionellen Religionsunterricht teilnehmen. Ab Klasse 7 glaube ich ist hier Ethik verpflichtende Alternative. Müsste meine Stoffel fragen, seit wann sie Ethik haben.


Das ist ein völlig vernünftiger Ansatz... aus meiner Sicht! Nur wäre es mir Wurst, wie dieser Unterricht heißt. Hauptsache er wirkt!
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Re: Schüler gegen den Religionsunterricht

Beitragvon H2O » Di 26. Nov 2019, 13:37

Ein Terraner hat geschrieben:(26 Nov 2019, 13:33)

Aber in dem christlichen ethischen Basiswerk sind Sätze zu finden wie z.b.



Ist also ethisch alles in Ordnung was da so passiert, ober nicht?


Ihre Frage zeigt mir, daß Sie nicht begreifen können oder wollen, daß auch Ethik geschichtlichen Prozessen ausgesetzt ist. Aber macht nix; dem Blinden Farbe zu erklären, das ist mir zu mühsam!
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Re: Schüler gegen den Religionsunterricht

Beitragvon Ein Terraner » Di 26. Nov 2019, 13:43

H2O hat geschrieben:(26 Nov 2019, 13:37)

Ihre Frage zeigt mir, daß Sie nicht begreifen können oder wollen, daß auch Ethik geschichtlichen Prozessen ausgesetzt ist. Aber macht nix; dem Blinden Farbe zu erklären, das ist mir zu mühsam!


Nein es zeigt einfach nur das du nicht verstehst das solche Dinge in der Ethik der heutigen Zeit nichts mehr zu suchen haben, also warum sollte man dem noch irgend eine Beachtung schenken? Weil es in diesem Werk voller Grausamkeiten zwei Sätze gibt die in grober Auslegung sagen das man nett zueinander sein soll?
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Re: Schüler gegen den Religionsunterricht

Beitragvon H2O » Di 26. Nov 2019, 13:55

Ein Terraner hat geschrieben:(26 Nov 2019, 13:43)

Nein es zeigt einfach nur das du nicht verstehst das solche Dingen in der Ethik der heutigen Zeit nichts mehr zu suchen haben, also warum sollte man das noch irgend eine Beachtung schenken? Weil es zwei Sätzen in diesem Werk voller Grausamkeiten zwei Sätze gibt die in grober Auslegung sagen das man nett zueinander sein soll?


Sagt denn irgend jemand, daß sich der Ethikunterricht auf die Geschichten in der Bibel, dem Neuen Testament und dem Koran beschränken soll? Daß diese Werke aber neben der griechisch-römischen Klassik eine Grundlage für unsere westliche Kultur sind, das sollte doch nicht zu schwierig zu verstehen sein. Auch daß wir uns als westliche Menschheit in unserem sittlichen Empfinden immer weiter entwickeln, das wird dabei klar. Irgendwann sollte auch der "Knigge" den Unterricht beleben (spätes 18. Jahrhundert). Das Ende der Geschichte und der Ethik gibt es nicht, so lange es hier Menschen gibt.
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Re: Schüler gegen den Religionsunterricht

Beitragvon naddy » Di 26. Nov 2019, 13:57

Falls sich dieses Nebenthema zu weit vom Thread entfernt, bitte ich den Mod um Abtrennung mit entsprechendem Link. Denn ich finde es schon wichtig zu wissen wovon man spricht, wenn es um "Religion" geht.

Bartleby hat geschrieben:(26 Nov 2019, 10:45)

Der ist halt "umgestiegen" und erzählt über Radikale.


Das ist sehr verkürzt. Er offenbart unter anderem die sehr spannende Innensicht einer fremden Kultur und formuliert seine Thesen darüber, wie es zu deren heutiger Erscheinungsform kam. Beispielsweise die, dass der aktuelle Islam wesentlich durch die Synthese der Herrschaftsstrukturen einer patrtiacharlischen Hirtenkultur mit einer speziellen Glaubenslehre geprägt wurde. Fand ich zumindest bedenkenswert.

Flasch erzählt in seinem Buch nichts über Radikale, sondern er nimmt die Lehrsätze der Kirche von innen heraus Stück für Stück auseinander, ...


Das war, wie bereits gesagt, über lange Jahre auch eins meiner "Hobbys". Dank Internet kann man sich dabei auf unzählige Quellen stützen und ist nicht auf ein Buch angewiesen. Das erwähnte Buch Flaschs kannte ich bisher nicht, habe mir deshalb mal kurz diese Rezension angeschaut und stieß dabei auf Sätze wie:

Flasch hat geschrieben:Da ihr Gott der einzige Gott sein soll, muss er es für alle sein. Und was die monotheistischen Religionen als sein Wort verkünden, soll für alle gelten. Weil wahr ist, was sie sagen, soll, muss es für alle wahr sein...

Die Christen geben auf diese Frage zumeist die sehr dumme Antwort, es sei ein persönlicher Gott. Mich hat das, als ich noch Christ war, schon immer gewundert, wie dumm die Leute sind. Denn gleichzeitig sagen sie, es sind drei Personen: Ist es ein einpersönlicher Gott oder ist es ein dreipersönlicher Gott? Sie möchten sich bitte mal entscheiden. Sie meinen mit dem persönlichen Gott wahrscheinlich, dass es ein Gott ist, zu dem es sinnvoll ist zu beten. Das gibt es vielleicht so her. Aber es ist auch ein Gott, der von seinem Sohn verlangt, dass er sein Blut hergibt, damit die böse Menschheit wieder mit ihm versöhnt ist.


Das mag für den ein oder anderen hilfreich sein, um in die Thematik einzusteigen, letztlich sind derartige Aussagen aber trivial und wurden so oder so ähnlich auch von hunderten anderer Autoren getätigt. Und wenn ich dann im letzten Absatz der verlinkten Rezension lese:

Blaise Pascal formuliert im 17. Jahrhundert seine berühmte Wette: Wer an Gott glaubt, der verliert nichts, wenn Gott am Ende nicht existiert, gewinnt aber das Paradies, wenn er existiert. In einer Welt, in der man die christlichen Vorschriften zwangsweise befolgen musste, verliert man vielleicht nichts. Heute müsste man sich der christlichen Sexualethik unterwerfen und dürfte gemäß des Vatikans nicht mal innerhalb der monogamen Ehe verhüten.


...kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Flasch noch tief in der Weltsicht des Glaubens befangen ist, von dem er sich zu distanzieren glaubt. Das hat auch nicht im Ansatz die Durchdringungstiefe eines Eugen Drewermann.

Über die "Pascalsche Wette" haben wir in anderen Foren übrigens bis zur Erschöpfung diskutiert. Hier hätte ich mich über den - insbesondere heute - naheliegenden Einwand gefreut, dass Pascals Rechnung nicht aufgeht, wenn man an den "falschen" Gott glaubt.
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Re: Schüler gegen den Religionsunterricht

Beitragvon Amun Ra » Di 26. Nov 2019, 14:01

H2O hat geschrieben:(26 Nov 2019, 13:35)

Meinen Sie zu Recht. Ich finde diesen Ansatz unvernünftig mit Blick auf unsere europäische Gemeinschaft. Hatte ich aber auch erläutert.

Die EU wurde nicht gegründet um die kulturellen Eigenheiten der Mitglieder zu nivellieren. Im Gegenteil, diese zu erhalten ist eine der Aufgaben der EU. Was du vorschlägst steht dieser Aufgabe diametral entgegen.
Eine ganz schlimme Fehleinschätzung, ganz schlicht durch eigene Erfahrung.

Die immer noch rasant steigenden Opferzahlen der Religionen (aller Religionen!) weltweit strafen deine Aussage lügen.
Das ist ein völlig vernünftiger Ansatz... aus meiner Sicht! Nur wäre es mir Wurst, wie dieser Unterricht heißt. Hauptsache er wirkt!

Naja, ob er "wirkt" sei dahingestellt. Was ich so von meinen Stoffeln höre würde ich eher sagen, er kann mit auf den Orkus. Als Integrationsmaßnahme mag er vielleicht taugen. Aber ansonsten? Eher von fragwürdigem Nutzen. Die Zeit wäre vermutlich mit einer weiteren Stunde Mathe, Deutsch oder einem der relevanten Nebenfächern sicher besser verwendet.
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Re: Schüler gegen den Religionsunterricht

Beitragvon Ein Terraner » Di 26. Nov 2019, 14:01

H2O hat geschrieben:(26 Nov 2019, 13:55)

Sagt denn irgend jemand, daß sich der Ethikunterricht auf die Geschichten in der Bibel, dem Neuen Testament und dem Koran beschränken soll? Daß diese Werke aber neben der griechisch-römischen Klassik eine Grundlage für unsere westliche Kultur sind, das sollte doch nicht zu schwierig zu verstehen sein. Auch daß wir uns als westliche Menschheit in unserem sittlichen Empfinden immer weiter entwickeln, das wird dabei klar. Irgendwann sollte auch der "Knigge" den Unterricht beleben (spätes 18. Jahrhundert). Das Ende der Geschichte und der Ethik gibt es nicht, so lange es hier Menschen gibt.

Boh ey, "Basis, Fundament", von was sprechen ich hier eigentlich die ganze Zeit ? Man kannst seinen Horizont immer erweitern, ist nur schwieriger wenn man dabei bei Start sich mit diesen Grausamkeiten rumschlagen muss. Nein Religion als ethisches Fundament für die heutige Welt fällt einfach aus. Erfüllt schlicht die Bedingungen und Ansprüche nicht.
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Re: Schüler gegen den Religionsunterricht

Beitragvon H2O » Di 26. Nov 2019, 14:27

Amun Ra hat geschrieben:(26 Nov 2019, 14:01)

Die EU wurde nicht gegründet um die kulturellen Eigenheiten der Mitglieder zu nivellieren. Im Gegenteil, diese zu erhalten ist eine der Aufgaben der EU. Was du vorschlägst steht dieser Aufgabe diametral entgegen.

Völlig richtig; das will aber auch niemand. Anders sieht die Sache aber aus mit Bildung und Berechtigungen zur Berufsausübung, also mit der Durchlässigkeit unserer Verwaltungsgrenzen (Staatsgrenzen). Da möchten wir schon erreichen, daß ein Müller überall das Richtige tut, oder ein Fleischer. Vor allem, daß er seine Kunden ordentlich berät und ordnungsgemäße Rechnungen ausstellt. Daß ein Ingenieur eine Brücke nach allgemein anerkannten Regeln baut, oder eine Maschine, je nach Fachrichtung. Oder ein europäischer Jurist weiß, wie die europäischen Gesetze aufgebaut sind und die demokratischen Rechtsstaaten. usw usf.
Die immer noch rasant steigenden Opferzahlen der Religionen (aller Religionen!) weltweit strafen deine Aussage lügen.

Bei Religion als Grundlage von Verbrechen komme ich aber ins Grübeln! Wenn Menschen bösartig sind, dann kann, nicht muß (!), das Studium der Heiligen Schriften sie anleiten, davon ab zu lassen. Einen Zusammenhang von Bösartigkeit und Religion sehe ich nicht. Eher im Gegenteil. Hat selbst seinerzeit Mohammed den christlichen Mönchen in Arabien zugebilligt... an hervorgehobener Stelle im Koran. Als Geschichtsbücher der Ethik in ihrer Zeit taugen die Heiligen Schriften immer!
Naja, ob er "wirkt" sei dahingestellt. Was ich so von meinen Stoffeln höre würde ich eher sagen, er kann mit auf den Orkus. Als Integrationsmaßnahme mag er vielleicht taugen. Aber ansonsten? Eher von fragwürdigem Nutzen. Die Zeit wäre vermutlich mit einer weiteren Stunde Mathe, Deutsch oder einem der relevanten Nebenfächern sicher besser verwendet.

Diese Nachricht finde ich sehr bedauerlich! Das würde ja bedeuten, daß der Ethik-Unterricht die Schüler nicht erreicht, und daß sie daran teilnehmen, weil der Stundenplan es so will. Ich bin seinerzeit gern in den Religionsunterricht gegangen, und ich meine, daß ich dort viel für den Rest meines Lebens dazu gelernt habe. Vielleicht war auch mein Lehrer besonders geeignet für diesen Unterricht!
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Re: Schüler gegen den Religionsunterricht

Beitragvon conscience » Di 26. Nov 2019, 16:30


Die Diskussion des Themas Schüler gegen den Religionsunterricht hat sich vom eigentlichen Schwerpunkt immer mehr entfern — bitte bleibt beim Thema.
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Re: Schüler gegen den Religionsunterricht

Beitragvon conscience » Di 26. Nov 2019, 22:03

Ein Terraner hat geschrieben:(26 Nov 2019, 21:53)

Wer entscheidet denn welcher Glaubensinhalt jetzt für die Diskussion zum Religionsunterricht wichtig ist und welcher nicht ?


Danke für die Anregung.

Wir können uns jetzt über Lehrpläne unter halte :cool:

https://www.schulentwicklung.nrw.de/leh ... index.html
Gegen Antisemitismus und Antizionismus!! Unterstützt Israel!!

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