BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

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Misterfritz
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Misterfritz » Mi 2. Okt 2019, 09:18

lili hat geschrieben:(02 Oct 2019, 09:14)

Dann braucht man eben Kontrolleure. Irgendwann braucht man sie aber nicht mehr und außerdem weiß man nicht welcher Transportmittel die Ware in Zukunft transportiert.
Bis wir Waren beamen können, wird es sicherlich noch ein paar Jahre brauchen :D
Und nein, es braucht keine Kontrolleure, sondern Fahrer, die im Fahrzeug sind.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon JJazzGold » Mi 2. Okt 2019, 09:21

Europa2050 hat geschrieben:(02 Oct 2019, 09:13)

Ja, wir werden so oder so interessante Zeiten erleben, wobei Du schon und ich bis dahin auch aus der Altersruhestandsperspektive. Mit dem Vorteil, dass die Blech- und Siliziumkameraden unsere Rente sichern werden.

Ich möchte mal einen ehemaligen Zeitgenossen fehlzitieren: „Die Automatisierung in ihrem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf“. Auch kein „M-S against future“.

Warum? Jeder ist zwar frei mitzutun oder nicht. Aber die mittun werden die Erfolgreichen sein. Und dann schlägt Darwin zu...

Also muss der Mensch weg vom alten sozialistischen bzw. christlich-evangelischen Arbeitsethos hin zu einer Kombination von liberalem Selbstverwirklichungsstreben kombiniert mit christlich-katholischem Verantwortungsbewusstsein für sich selbst, den Nächsten und die Schöpfung.

Oder andersrum: Mehr Bayer und weniger Preuße ist gefragt. :cool:

Wird spannend.
Sagt Europa2050 ...


Ich prophezeie, dass der Widerstand sich völlig unabhängig von bis dato bekannten politischen und gesellschaftlichen Ideologien entwickelt, er wird eine eigenständige Ideologie sein. ;)

Ich werde das ebenso wenig miterleben, wie ein BGE.
Schade eigentlich.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon lili » Mi 2. Okt 2019, 09:22

Misterfritz hat geschrieben:(02 Oct 2019, 09:18)

Bis wir Waren beamen können, wird es sicherlich noch ein paar Jahre brauchen :D
Und nein, es braucht keine Kontrolleure, sondern Fahrer, die im Fahrzeug sind.


Das Fahrzeug fährt doch in Zukunft alleine.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 2. Okt 2019, 09:24

JJazzGold hat geschrieben:(02 Oct 2019, 08:56)

Eher Psychologie, als Sozialismus. ;)
Erinnere dich an das Bild, das immer wieder für Hartz Vl Bezieher bemüht wird, sinngemäß, “sitzt den ganzen Tag mit Bier und Zigaretten vor der Glotze und schaut Soaps“. Mal abgesehen davon, dass dieses Bild nur anteilig der Realität entspricht, darauf wollte ich nicht hinaus.

Wie man u.a. in diesem Thread feststellen kann, herrscht bereits heute nicht nur Begeisterung, sondern auch Animosität gegenüber einer robotisierten Welt. Je weiter sich diese entwickelt und zum Einsatz kommt, desto mehr wird diese Animosität wachsen. “Die Maschine nimmt uns die Arbeitsplätze, das Selbstwertgefühl weg“. Nicht jeder Mensch fühlt sich zufrieden damit, nostalgisch in einem Kübel ein paar Kartoffeln auf dem Balkon anzubauen. Was letztendlich darauf hinausläuft, sich nutzlos im Bezug auf eigenverantwortliche und gemeinschaftliche Versorgung zu fühlen. Was bewegt dich dazu, zu glauben, die Menschen würden homogen zufrieden sein, sich mit einer Handvoll BGE in die von Ihnen gefühlte Bedeutungslosigkeit zu begeben, unabhängig davon, ob dieses Gefühl angemessen ist, oder nicht? Ist es nicht im Gegenteil vorstellbar, dass sich der Zorn gegen die Maschine richtet?

Könntest du dir zu einem zukünftigen Zeitpunkt x ein Monday 'til Sunday against Robotik vorstellen, mit allen daraus resultierenden Folgen? ;)


Ebenfalls schönen Vorfeiertag! :)




Trotz aller Robotik und KI. Kurz- und mittelfristig sieht es absolut nicht danach aus, dass Suche nach Arbeit anstelle von Suche nach Arbeitenden das große gesellschaftliche Problem wird. Es werden tendenziell mehr Logistiker und Programmierer als Kraftfahrer gesucht werden. Unabhängig davon kann ich mir aber nicht vorstellen, dass man sich lieber von einem Roboter als von einer schönen jungen Frau die Haare waschen und schneiden lassen will.

"Zorn" dagegen gibts genug. Stichwort Frankreich. Gelbwesten. Der Zorn der Gelbwesten richtet sich nicht gegen ROboter sondern gegen Rumänen. Dagegen, dass es einen Wettbewerb um die Ware Arbeitskraft gibt. Sowohl um Preise dieser Ware wie auch den Wert dieser Ware.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mi 2. Okt 2019, 09:29

Es gäbe noch jede Menge einzusparen in der Verwaltung. z.B. bei der Polizei und Justiz. Das ist auch vollkommen unnütz. Bringt alles nichts. Denn immer noch gibt es Kriminelle und Verbrecher. Das ist total ineffizient. Und das das Finanzamt schaffen wir bei der Gelegenheit auch ab. Auch nur ein riesiger ineffizienter Haufen. Da werden Steuerpflichtige drangsaliert, müssen alle ihre steuerrelevanten finanziellen Verhältnisse offenlegen, bis hin zu genauesten Vermögensaufstellungen. Und damit nicht genug. letztendlich muss so mancher Steuerpflichtige auch noch umfangreiche Kontrollen über sich ergehen lassen. Da nisten sich dann Finanzbeamte monatelang in den Räumen des Steuerplichtigen ein und beanspruchen die Kapazitäten des Steuerzahlers, kriegen Zugang zu den EDV-Systemen des und allen Unterlagen. Und nicht nur das! Im Falle von Auslandsbeziehungen mit verbundenen Unternehmen steht man sogar noch in der Nachweispflicht, dass man alles ordentlich gemacht hat. Faktisch Beweislastumkehr. Und für was? Für nichts. Alles ineffizient, bringt nix. Dann nach wie vor gibt es Steuerhinterziehung. Da sollte man sich das Geld lieber sparen. Und überhaupt. Auf welchem Menschenbild basiert so eine Ungerechtigkeit? Da wird ja so getan als hätte würde keiner mehr Steuern zahlen, wenn es denn hier keinen Zwang und keine Kontrolle gäbe. Das ist doch vollkommen absurd. Jeder will schließlich kostenlose Bildung und eine gute Infrastruktur. Natürlich zahlen die Leute weiterhin ihre Steuern. Ein paar mag's geben, die das nicht machen oder halt weniger. Ist aber vernachlässigbar bei dem was man einspart. Außerdem fallen die ganzen Ungerechtigkeiten weg. Jemand der keine korrekten Angaben macht zahlt halt weniger als jemand der korrekte Angaben. Und kontrolliert wird auch nicht jeder. Vollkommen ungerecht und absurd das alles.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Misterfritz » Mi 2. Okt 2019, 09:39

lili hat geschrieben:(02 Oct 2019, 09:22)

Das Fahrzeug fährt doch in Zukunft alleine.
Kapierst Du es nicht?
Was ist, wenn ein System in dem LKW ausfällt? Der LKW bremst einfach nicht mehr. Soll der dann einfach in ein anderes Fahrzeug krachen, nur weil DU meinst, es braucht keine Fahrer mehr?
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Billie Holiday » Mi 2. Okt 2019, 09:44

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(02 Oct 2019, 09:29)

Es gäbe noch jede Menge einzusparen in der Verwaltung. z.B. bei der Polizei und Justiz. Das ist auch vollkommen unnütz. Bringt alles nichts. Denn immer noch gibt es Kriminelle und Verbrecher. Das ist total ineffizient. Und das das Finanzamt schaffen wir bei der Gelegenheit auch ab. Auch nur ein riesiger ineffizienter Haufen. Da werden Steuerpflichtige drangsaliert, müssen alle ihre steuerrelevanten finanziellen Verhältnisse offenlegen, bis hin zu genauesten Vermögensaufstellungen. Und damit nicht genug. letztendlich muss so mancher Steuerpflichtige auch noch umfangreiche Kontrollen über sich ergehen lassen. Da nisten sich dann Finanzbeamte monatelang in den Räumen des Steuerplichtigen ein und beanspruchen die Kapazitäten des Steuerzahlers, kriegen Zugang zu den EDV-Systemen des und allen Unterlagen. Und nicht nur das! Im Falle von Auslandsbeziehungen mit verbundenen Unternehmen steht man sogar noch in der Nachweispflicht, dass man alles ordentlich gemacht hat. Faktisch Beweislastumkehr. Und für was? Für nichts. Alles ineffizient, bringt nix. Dann nach wie vor gibt es Steuerhinterziehung. Da sollte man sich das Geld lieber sparen. Und überhaupt. Auf welchem Menschenbild basiert so eine Ungerechtigkeit? Da wird ja so getan als hätte würde keiner mehr Steuern zahlen, wenn es denn hier keinen Zwang und keine Kontrolle gäbe. Das ist doch vollkommen absurd. Jeder will schließlich kostenlose Bildung und eine gute Infrastruktur. Natürlich zahlen die Leute weiterhin ihre Steuern. Ein paar mag's geben, die das nicht machen oder halt weniger. Ist aber vernachlässigbar bei dem was man einspart. Außerdem fallen die ganzen Ungerechtigkeiten weg. Jemand der keine korrekten Angaben macht zahlt halt weniger als jemand der korrekte Angaben. Und kontrolliert wird auch nicht jeder. Vollkommen ungerecht und absurd das alles.


Bauaufsicht, Denkmalschutz, Wasserbehörde, Gesundheitsamt, Lebensmittelüberwachung, Bußgelder, Führerscheinbehörde, Naturschutzbehörde, Abfall- und Bodenschutz, Straßenbauamt, Kommunal- und Liegenschaftsverwaltung, Waffenbehörde, Sprengstoffe, Erziehungsberatung, soziale Dienste allgemein, Schulamt, Ausländerbehörde, RPA, Katastrophenschutz, Kreiskasse, Landeskasse, etc.....alles unnütz, kann alles weg.
Machen wir alles fürs BGE in Eigenregie.
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Europa2050 » Mi 2. Okt 2019, 09:49

Misterfritz hat geschrieben:(02 Oct 2019, 09:39)

Kapierst Du es nicht?
Was ist, wenn ein System in dem LKW ausfällt? Der LKW bremst einfach nicht mehr. Soll der dann einfach in ein anderes Fahrzeug krachen, nur weil DU meinst, es braucht keine Fahrer mehr?


Kennst Du die Aussage vom alten Daimler, der seinerzeit den maximalen weltweiten Bedarf an Automobilen auf unter eine Million prognostizierte - mit der Begründung, es gäbe nicht genügend Chauffeure?

War sicher ein hochintelligenter Mensch seiner Zeit, sonst hätte er nicht das geschaffen, was er geschaffen hat - aber da hat er einfach die Zukunft mit den Methoden der (damaligen) Gegenwart gedacht.
Nationalismus lehrt Dich,
stolz auf Dinge zu sein, die Du nie getan hast und
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon JJazzGold » Mi 2. Okt 2019, 10:27

schokoschendrezki hat geschrieben:(02 Oct 2019, 09:24)

Trotz aller Robotik und KI. Kurz- und mittelfristig sieht es absolut nicht danach aus, dass Suche nach Arbeit anstelle von Suche nach Arbeitenden das große gesellschaftliche Problem wird. Es werden tendenziell mehr Logistiker und Programmierer als Kraftfahrer gesucht werden. Unabhängig davon kann ich mir aber nicht vorstellen, dass man sich lieber von einem Roboter als von einer schönen jungen Frau die Haare waschen und schneiden lassen will.

"Zorn" dagegen gibts genug. Stichwort Frankreich. Gelbwesten. Der Zorn der Gelbwesten richtet sich nicht gegen ROboter sondern gegen Rumänen. Dagegen, dass es einen Wettbewerb um die Ware Arbeitskraft gibt. Sowohl um Preise dieser Ware wie auch den Wert dieser Ware.


Sie denken in Jahrzehnten, denken Sie in Jahrhunderten und global.

Ich sehe das pragmatisch. Die Arbeit für den Menschen wird nicht verschwinden, sie wird sich nur auf andere Tätigskeitsfelder verlagern.
Nehmen wir als Beispiel das Telefon.
Egal ob ein altes Telefon, mit Wählscheibe und Standort gebunden, oder Smartphone, nach wie vor ist es der Mensch, der die Maschine bedient. Ansonsten ist sie unnütz.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon franktoast » Mi 2. Okt 2019, 14:53

Europa2050 hat geschrieben:(01 Oct 2019, 18:30)

Dem ersten Teil möchte ich widersprechen, ich sehe das nicht so. Ich hab das da schonmal zusammengeschrieben, warum;

viewtopic.php?f=46&t=51437&start=11960#p4571345

Oder in kurz: Wenn sich arbeiten auch im Niedriglohnbereich lohnt, weil dadurch nicht die Sozialleistungen geschmälert werden, tun es auch mehr - ohne Peitsche (Sanktionen) dahinter.

Lernt man in jedem Führungsseminar: Druck durch Motivation ersetzen. Nur gesamtgesellschaftlich machen wir das Gegenteil.

Ich weiß schon, was du meinst. Nur erreicht man bei dem heutigen System eine breite gesellschaftliche Akzeptanz. Dass ein Frisör weniger verdient als ein Ingenieur, wird akzeptiert. Dass der Frisör für andere Menschen einen Wert schafft, ist auch klar. Dass sich das ändert, wenn der Frisör nun lieber Bilder zeichnet, die er dann online stellt, hm. Oder wenn er lieber Musik macht. Oder auf Reisen geht und ein Onlinetagesbuch veröffentlich. Und falls er für andere einen Wert schafft, wie hoch ist der? Dass die meisten Künstler mit ihrert Kunst weniger verdienen als der Frisör, hat ja auch einen Grund.

Und wenn jemand nachweislich eine psychische Erkrankung hat, deswegen nicht arbeiten kann und somit Hartz4 bezieht, ist das gesellschaftlich auch akzeptiert. Wenn der Frisör nun sagt "Oh, wegen Jammergrund1 und Jammergrund2 kann ich nicht mehr als Frisör arbeiten und nur noch Fernsehen", dann bringt das Zweifel auf und eine geringe gesellschaftliche Akzeptanz - va. bei denen, die jetzt auch nicht dem tollsten Job der Welt nachgehen, aber jeden Morgen aufstehen.

Natürlich hängt das dann auch viel davon ab, wie viel ein reiner BGEler im Vergleich zum Erwerbstätigen hat. Ein BGE etwas unter Hartz4-Niveau könnte weitgehend akzeptiert werden - je nach Ausprägung.



Und ich denke, Geld bezahlt zu bekommen, ist bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze immer noch die zuverlässigste Motivation - in der anonymen Welt. Innerhalb einer Familie oder Freundschaftskreis ist das anders. Ich mag meinen Job wirklich gerne. Aber wenn ich ab morgen nicht mehr arbeite, hätte das ziemlich schlechte Konsequezen für meine Familie (Alleinverdiener). Peitsche hin oder her.

Wenn jemand die Wahl hat zwischen Scheißjob mit guter Bezahlung und Superjob ohne Bezahlung, brauchen die - die sonst ihren Unterhalt nicht bestreiten können - nicht lange nachdenken.

Dem zweiten Teil stimme ich logischerweise zu, wobei herstellen ein weites Feld von klassischer Produktivität über Selbstversorgung, sozialem Engagement, Ehrenamt ... ist.

Nicht unbedingt. Du kannst auch zB. Rentnern Gesellschaft leisten und dafür bezahlt werden. Ansonsten gibt es immer neue Tätigkeiten. Webdesigner sind zB. immer mehr gefragt. Projektmanager. Ein Freund von mir hat 80€ dafür bezahlt, damit ihm jemand zeigt und mit ihm ein selbstgemachtes Messer macht.
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon lili » Mi 2. Okt 2019, 17:21

Misterfritz hat geschrieben:(02 Oct 2019, 09:39)

Kapierst Du es nicht?
Was ist, wenn ein System in dem LKW ausfällt? Der LKW bremst einfach nicht mehr. Soll der dann einfach in ein anderes Fahrzeug krachen, nur weil DU meinst, es braucht keine Fahrer mehr?


Es geht nicht um mich, aber die Wirtschaft hat gewarnt, dass durch das autonome Fahren Jobs verschwinden werden.
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jorikke
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon jorikke » Mi 2. Okt 2019, 17:50

JJazzGold hat geschrieben:(02 Oct 2019, 08:56)

Eher Psychologie, als Sozialismus. ;)
Erinnere dich an das Bild, das immer wieder für Hartz Vl Bezieher bemüht wird, sinngemäß, “sitzt den ganzen Tag mit Bier und Zigaretten vor der Glotze und schaut Soaps“. Mal abgesehen davon, dass dieses Bild nur anteilig der Realität entspricht, darauf wollte ich nicht hinaus.

Wie man u.a. in diesem Thread feststellen kann, herrscht bereits heute nicht nur Begeisterung, sondern auch Animosität gegenüber einer robotisierten Welt. Je weiter sich diese entwickelt und zum Einsatz kommt, desto mehr wird diese Animosität wachsen. “Die Maschine nimmt uns die Arbeitsplätze, das Selbstwertgefühl weg“. Nicht jeder Mensch fühlt sich zufrieden damit, nostalgisch in einem Kübel ein paar Kartoffeln auf dem Balkon anzubauen. Was letztendlich darauf hinausläuft, sich nutzlos im Bezug auf eigenverantwortliche und gemeinschaftliche Versorgung zu fühlen. Was bewegt dich dazu, zu glauben, die Menschen würden homogen zufrieden sein, sich mit einer Handvoll BGE in die von Ihnen gefühlte Bedeutungslosigkeit zu begeben, unabhängig davon, ob dieses Gefühl angemessen ist, oder nicht? Ist es nicht im Gegenteil vorstellbar, dass sich der Zorn gegen die Maschine richtet?

Könntest du dir zu einem zukünftigen Zeitpunkt x ein Monday 'til Sunday against Robotik vorstellen, mit allen daraus resultierenden Folgen? ;)


Ebenfalls schönen Vorfeiertag.




JJ, ich stimme dir zu. (leider zu oft :D ) Das Zerrbild von Bier-Zigaretten-Soaps konsumierenden, Unterstützung beziehenden Mitmenschen ist ungerecht, es stimmt nur zum Teil (Einige) mit der Wirklichkeit überein.
Die nicht üppige Alimentation bewirkt tatsächlich, viele von ihnen bemühen sich noch ernsthaft um Arbeit, um eigen erwirtschaftetes Einkommen.
Um eine stimmige Beurteilung aller zu erreichen, stimme ich Lili zu. BGE, und über kurz saufen alle. Dann entfällt endlich das Pauschalurteil von heute.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Atue001 » Do 3. Okt 2019, 00:27

Ob wir genügend Arbeit haben oder nicht - das halte ich nicht für die relevante Fragestellung. Roboter und selbst KI-Systeme können vielleicht viele heutiger Jobs ersetzen - aber gleichzeitig werden hunderttausende neue Jobs entstehen, weil wir uns diese als Gesellschaft leisten wollen. Heute schon reden wir davon, dass in der Pflege 40.000-80.000 Menschen fehlen. Für den Umbau des Waldes als Vorbereitung für den Klimawandel schätzt man 60.000 weitere notwendige Stellen ab. In der IT schätzt man ca. 80.000 derzeit nicht besetzte offene Stellen ab. 15.000 Lehrer fehlen 2019, und der Druck steigt.
Bis 2030 geht man davon aus, dass der Fachkräftemangel in Deutschland auf in Summe über 3,5 Millionen Menschen anwachsen wird, weil zunehmend mehr die Geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen, und relativ gesehen geburtenschwache Jahrgänge berufstätig werden. Die größten Mängel sind im Bereich MINT, Handwerk und Pflege - und gerade hier wird Automation und KI allenfalls teilweise eine Entlastung bringen.

Insofern halte ich die Idee, dass wir ein BGE deshalb brauchen, weil uns die Arbeit ausgeht, für eigentlich falsch.
Richtig ist allerdings, dass sich die Jobs noch mehr als heute vom industriellen Sektor hin zum Dienstleistungssektor verlagern werden - was Umverteilungsproblematiken mit sich bringt. Eine BGE-Gesellschaft hat das Potential, dass es die Umverteilungsproblematik gut organisieren kann, weil man in BGE-GEsellschaften leichter Transparenz bezüglich Vermögen und Einkommen herstellen kann, als dies bei der komplex organisierten Sozialstaats- und Subventionspolitik derzeit der Fall ist. Eine Garantie dafür gibt es auch nicht in einer BGE-Gesellschaft - aber eine stringente Organisation hat zumindest das Potential, dass sie Effektiv und Effizient wirkt - und das wäre für sich genommen schon ein großer Gewinn gegenüber dem, was wir heute in diesem Umfeld ertragen müssen.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon lili » Fr 8. Nov 2019, 18:10

In Österreich gibt es eine positive Entwicklung:

Das Volksbegehren in Österreich kämpft für ein BGE.

https://www.meinbezirk.at/innsbruck/c-politik/bedingungsloses-grundeinkommen-wird-angestrebt-mit-umfrage_a3737439


Ich finde es ausgezeichnet, dass andere Länder sehr aktiv bei diesem Thema sind. Ich kann nur sagen weiter so! :thumbup:

Ein wichtiger Beitrag zur Emanzipation des Individuums.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Realist2014 » Fr 8. Nov 2019, 18:12

lili hat geschrieben:(08 Nov 2019, 18:10)

In Österreich gibt es eine positive Entwicklung:

Das Volksbegehren in Österreich kämpft für ein BGE.

https://www.meinbezirk.at/innsbruck/c-politik/bedingungsloses-grundeinkommen-wird-angestrebt-mit-umfrage_a3737439


Ich finde es ausgezeichnet, dass andere Länder sehr aktiv bei diesem Thema sind. Ich kann nur sagen weiter so! :thumbup:

Ein wichtiger Beitrag zur Emanzipation des Individuums.


Diese Volksbegehren werden aber keine Mehrheit finden

Die Schweizer hatten ja eines

78% haben das BGE abgelehnt....
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon lili » Fr 8. Nov 2019, 18:15

Realist2014 hat geschrieben:(08 Nov 2019, 18:12)

Diese Volksbegehren werden aber keine Mehrheit finden

Die Schweizer hatten ja eines

78% haben das BGE abgelehnt....


Das war 2016 und jetzt haben wir 2019. Die Zeiten ändern sich....
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon lili » Fr 8. Nov 2019, 19:53

Mit einem BGE würde es eine Handlungsfreiheit geben. Der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber stehen auf Augenhöhe und können beide einen Vertrag abschließen.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Realist2014 » Fr 8. Nov 2019, 19:57

lili hat geschrieben:(08 Nov 2019, 19:53)

Mit einem BGE würde es eine Handlungsfreiheit geben. Der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber stehen auf Augenhöhe und können beide einen Vertrag abschließen.


Nein, du möchtest die Bewerber bevorteilen

Das wird nicht statt finden

Deine "Lohnvorstellungen" sind nun einmal das Geschäftsmodell/ Branche des Unternehmens "gedeckelt"

Deswegen gibt auch viele Tariflöhne im Bereich des Mindestlohnes
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon lili » Fr 8. Nov 2019, 20:02

Realist2014 hat geschrieben:(08 Nov 2019, 19:57)

Nein, du möchtest die Bewerber bevorteilen

Das wird nicht statt finden

Deine "Lohnvorstellungen" sind nun einmal das Geschäftsmodell/ Branche des Unternehmens "gedeckelt"

Deswegen gibt auch viele Tariflöhne im Bereich des Mindestlohnes


Wieso möchte ich den Bewerber bevorteilen? Der Unternehmer kann nur eine Auswahl treffen, bei den Bewerbungen die er bekommen hat. Der Bewerber könnte sogar ein Job annehmen indem er weniger verdient, da er ja bereits ein BGE hat. Es gibt doch viele Unternehmer die ein BGE befürworten. Es ist für den Unternehmer und für den Bewerber ein Vorteil.
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Re: BGE - bedingungsloses Grundeinkommen

Beitragvon Realist2014 » Fr 8. Nov 2019, 20:08

lili hat geschrieben:(08 Nov 2019, 20:02)

Wieso möchte ich den Bewerber bevorteilen? Der Unternehmer kann nur eine Auswahl treffen, bei den Bewerbungen die er bekommen hat. Der Bewerber könnte sogar ein Job annehmen indem er weniger verdient, da er ja bereits ein BGE hat. Es gibt
doch viele Unternehmer die ein BGE befürworten. Es ist für den Unternehmer und für den Bewerber ein Vorteil.


Und das Geld fällt vom Himmel.

Klar, bei 600 Euro BGE und 2 Euro Stundenlohn wird das Modell auch für Unternehmen interessant
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