Iran & USA - Ende der Feindschaft?

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Kohlhaas
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon Kohlhaas » Mi 2. Okt 2019, 18:43

Alter Stubentiger hat geschrieben:(02 Oct 2019, 18:22) Am Ende schreibst du ja selber dass du wie Trump eigentlich die Kapitulation der iranischen Führung forderst. Das wäre zwar schön, ist aber unrealistisch. Und so dreht sich die Eskalationsspirale immer weiter.

Na, ist doch schön, dass wir uns zumindest in der Zustandsbeschreibung mal einig sind. Du solltest Dich nur mal selbst fragen, was Du da gerade eigentlich geschrieben hast.

Es ist "unrealistisch", dass der Iran vom Staatsziel der Vernichtung Israels abrückt? Was folgt daraus? Dass wir Demokraten mit dem Iran über die Vernichtung Israels verhandeln sollten? Weil die Alternative ja "unrealistisch" ist???? Bist Du noch ganz knusper? MEINEM Verständnis nach, reden wir hier über eine "rote Linie". NICHTS, was jenseits dieser Linie liegt, ist irgendwie verhandelbar. Wenn das Deiner Meinung nach die "Eskalationsspirale" weiter antreibt, dann ist das eben so. Hitler und seine Nazis waren auch nicht mit Geld und guten Worten zum Einlenken zu bewegen. Man musste diese Leute in den Dreck stampfen, damit endlich Ruhe war. Hat schätzungsweise 70 Millionen Tote gekostet. War so gesehen "sauteuer". Wie teuer wäre das aber wohl geworden, wenn die USA und andere Mächte - vor allem die UDSSR - damals auch gesagt hätten, dass sich die Eskalationsspirale so nicht dreht? Mir fällt da nur das Münchner Abkommen ein.

Gottverdammt.... Warum hat dieses Münchner Abkommen eigentlich so eine große Ähnlichkeit mit dem Atomdeal?
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon Vongole » Mi 2. Okt 2019, 18:49

Kohlhaas hat geschrieben:(02 Oct 2019, 18:43)

Na, ist doch schön, dass wir uns zumindest in der Zustandsbeschreibung mal einig sind. Du solltest Dich nur mal selbst fragen, was Du da gerade eigentlich geschrieben hast.

Es ist "unrealistisch", dass der Iran vom Staatsziel der Vernichtung Israels abrückt? Was folgt daraus? Dass wir Demokraten mit dem Iran über die Vernichtung Israels verhandeln sollten? Weil die Alternative ja "unrealistisch" ist???? Bist Du noch ganz knusper? MEINEM Verständnis nach, reden wir hier über eine "rote Linie". NICHTS, was jenseits dieser Linie liegt, ist irgendwie verhandelbar. Wenn das Deiner Meinung nach die "Eskalationsspirale" weiter antreibt, dann ist das eben so. Hitler und seine Nazis waren auch nicht mit Geld und guten Worten zum Einlenken zu bewegen. Man musste diese Leute in den Dreck stampfen, damit endlich Ruhe war. Hat schätzungsweise 70 Millionen Tote gekostet. War so gesehen "sauteuer". Wie teuer wäre das aber wohl geworden, wenn die USA und andere Mächte - vor allem die UDSSR - damals auch gesagt hätten, dass sich die Eskalationsspirale so nicht dreht? Mir fällt da nur das Münchner Abkommen ein.

Gottverdammt.... Warum hat dieses Münchner Abkommen eigentlich so eine große Ähnlichkeit mit dem Atomdeal?

Weil es dem ähnelt. Die Vertragspartner erkaufen sich nuclear peace für our time, ohne Rücksicht auf Israel.
Oder wie es der nominierte EU-Außenbeauftragte formulierte: Dass der Iran Israel auslöschen wolle, damit müsse man eben leben.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon Kohlhaas » Mi 2. Okt 2019, 19:03

Vongole hat geschrieben:(02 Oct 2019, 18:49)
Oder wie es der nominierte EU-Außenbeauftragte formulierte: Dass der Iran Israel auslöschen wolle, damit müsse man eben leben.

Ja, hast Recht. Eine menschenverachtendere Aussage habe ich lange nicht mehr gelesen. Blöd nur, dass die z.B. hier im Forum offenbar gern geteilt wird.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon Emin » Mi 2. Okt 2019, 23:11

Kohlhaas hat geschrieben:(02 Oct 2019, 18:12)

Vermeidet wirklich jeder den direkten Konflikt? Die Angriffe gegen saudische Ölanlagen kann man durchaus aus das Auslösen eines direkten Konflikts betrachen. Als "gezielte Provokation" geht das nämlich nur so lange durch, wie nicht hinreichend bewiesen ist, dass der Angriff vom Iran ausging. Sobald es bewiesen ist, ist es der von Dir zitierte "Schritt zu weit". Dann wäre es nämlich eine glasklare Kriegshandlung.

So betrachtet, stimmt es auch nicht, dass hier "jeder" auf gezielte Provokationen setzen würde. Weder die USA, noch Israel, noch die Saudis haben in dem Konflikt zivile Anlagen in anderen Staaten bombardiert oder Tanker in der Straße von Hormus in Brand gesteckt oder Raketen gegen einen Staat in Stellung gebracht, der mit dem iranisch-saudischen Konflikt nicht das geringste zu tun hat.

Mit Aussagen wie der oben zitierten, implizierst Du, dass die Schuld der Mullahs nicht größer sei als die von verschiedenen anderen Beteiligten und Nichtbeteiligten. Das ist falsch. Keine andere Nation verhält sich in dem Konflikt so gewalttätig und aggressiv wie der Iran. Mit Deinem Versuch der Gleichsetzung von "Provokationen" leugnest Du dies. Damit relativierst Du das schädliche Verhalten des Iran und das dadurch ausgelöste Blutvergießen.

Mir ist schon klar, dass es hier gemäß Threadthema um den Konflikt zwischen den USA und Iran geht. Dieser Konflikt wird aber unverständlich bleiben, wenn man Israel ignorieren will. Das Engagement der USA in der Region hängt in erster Linie mit dem Anspruch zusammen, Israel zu schützen. Da geht es nicht um Öl, da geht es nicht um Handelswege, da geht es nicht um Menschenrechte oder Demokratie - da geht es um das Existenzrecht Israels! Und an der Stelle machen die USA keine Kompromisse. Die Europäer sicher auch nicht. Genau das macht es so schwierig, mit einem "Partner" zu verhandeln, der ganz offen und ungeniert die Vernichtung Israels und der Juden anstrebt.

Wer hier behauptet, er wolle doch gar nicht den Iran verteidigen, sondern nur die persönliche Befindlichkeit der dortselbst herrschenden religiösen Fanatiker deutlich machen, der plädiert nolens volens dafür, dass deren Anspruch auf Vernichtung Israels und der Juden als "Verhandlungsthema" anerkannt werden sollte. Und das wird NIE! passieren!

Solange die persönliche Befindlichkeit dieser irren Fanatiker in Teheran die Vernichtung Israels verlangt, kann man mit denen über gar nichts verhandeln. Konsequenz daraus: Die Mullahs müssen "kapitulieren", ehe Verhandlungen möglich werden. Das geht nur durch Druck. Wie schon mehrfach betont, bin ich kein Freund von Trump. Ich hoffe sogar, dass er in die Geschichte eingeht als erster Präsident, der abgesetzt wird. Aber hinsichtlich Iran hat er vollkommen Recht!


Ich würde nicht sagen, dass es beim Iran nur um Israel geht. Mit der Türkei hat das Land auch keine guten Beziehungen und mit Saudi-Arabien ist es faktisch im Krieg. Es ist eigentlich mit der gesamten sunnitischen Welt im Konflikt. Und dieser Konflikt geht vom Iran aus, denn sie sind der selbsternannte Gottesstaat, der die ganze islamische Welt führen soll.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 2. Okt 2019, 23:24

Emin hat geschrieben:(02 Oct 2019, 23:11)

Ich würde nicht sagen, dass es beim Iran nur um Israel geht. Mit der Türkei hat das Land auch keine guten Beziehungen und mit Saudi-Arabien ist es faktisch im Krieg. Es ist eigentlich mit der gesamten sunnitischen Welt im Konflikt. Und dieser Konflikt geht vom Iran aus, denn sie sind der selbsternannte Gottesstaat, der die ganze islamische Welt führen soll.


Das ist interessant. Wo kann man nachlesen, daß der Iran die gesamte islamische Welt führen soll? Das lese ich jetzt von dir das erste Mal.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon Emin » Mi 2. Okt 2019, 23:40

King Kong 2006 hat geschrieben:(02 Oct 2019, 23:24)

Das ist interessant. Wo kann man nachlesen, daß der Iran die gesamte islamische Welt führen soll? Das lese ich jetzt von dir das erste Mal.


https://en.wikipedia.org/wiki/Political ... d_of_Islam

Bevor die Mullahs an die Macht kamen waren Iran und Saudi-Arabien gute Freunde.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon King Kong 2006 » Do 3. Okt 2019, 00:21

Emin hat geschrieben:(02 Oct 2019, 23:40)

https://en.wikipedia.org/wiki/Political ... d_of_Islam

Bevor die Mullahs an die Macht kamen waren Iran und Saudi-Arabien gute Freunde.


Das wohl eher nicht. Der Schah zeigte sich zwar gegenüber den al-Sauds "freundlich" diplomatisch ausgedrückt. Aber er machte klar, nachdem die alten Kolonialmächte sukzessiv den Rückzug antraten (aus der arabischen Welt des Persischen Golfes), das der Iran nun doch klarer seine uralte Führungsposition - zum Wohle aller - einzunehmen hätte. Die al-Sauds waren vom persischen Großkönig sowenig begeistert, wie von den Türken (Osmanen).

Die Vorstellungen Khomeinis von einer geeinigten Ummah hat sich bereits Anfang der Achtziger nicht umsetzen lassen.

Was immer noch realistische Option ist, wird u.a. von Samuel P. Huntington in seinem viel diskutiertem Buch "Clash of Civilizations" (1993) skizziert. Insbesondere in dem Kapitel, in dem er sogenannte core states definierte.

Dabei definierte er bestimmte kulturelle Regionen. Die Kultur (inklusive der Religion) als wichtigster Parameter dabei. Potentiell benannte er die Türkei, Ägypten, den Iran, Pakistan und Saudi-Arabien, wenn ich mich recht erinnere. In Bezugnahme des islamischen Kulturraumes. Man kann darüber streiten, ob das allgemeingültiges Kriterium wäre, aber ich lasse das mal so stehen. Dabei schälte er heraus, das kein islamisches Land alle notwendigen Faktoren zusammen bekäme, die notwendig für einen herrausragenden Kernstaat wären.

Die Türkei ist politisch und militärisch robust, die Wirtschaft aber nicht so gewichtig (wenn doch in der Region herrausragend) und die kulturelle Kompatibilität schwer belastet, um als Führungsmacht sich durchsetzen zu können. Ägypten ist ein bedeutendes arabisches Land, einige meinen das "wichtigste", am Rest fehlt es komplett. Saudi-Arabien ist arabisch, wirtschaftlich noch interessant. Militärisch, kulturell (trotz Mekka und Medina) und politisch ein Leichtgewicht. Pakistan ist weder ein arabisches Land, wenn auch sunntisch, noch wirtschaftlich attraktiv und einflußreich. Politisch fragil. Die Atombombe sichert eher das Überleben des Staates, denn eine Dominanz. Der Iran, der hier angesprochen wird, könnte wirtschaftlich interessant sein, militärisch, "scheitert" aber als nicht-arabisches Land (wie die Türkei) und weil es ein schiitisch geprägter Staat ist. Diese Staaten sind natürlich keine failed states. Sie stellen core states innerhalb der islamischen Welt dar, aber keiner ist - lt. Huntingtion - in der Position eine herrausragende, führende und somit dominante Position innerhalb der islamischen Welt einzunehmen. Ich sehe das übrigens auch so.

Was wir zur Zeit haben, ist das schiitische Gesellschaften, die außerhalb des Irans in der Minderheit sind bzw. unterdrückt wurden trotz Mehrheit (z.B. Irak) sich ihrer Position bewußt werden. Weil alte Ordnungen seit z.B. Sykes-Picot und den letzten US-Interventionen, davor dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches, sich verändern. Die mit Gewalt aufrecht gehalten wurden. Das schafft neue Spielräume.

Diese z.B. schiitischen Gesellschaften stellen allerdings nicht die islamische Welt dar. Sie sind in der Minderheit. Der Iran kann niemals diese Führungsposition einnehmen. Natürliche, kulturelle Grenzen machen es ihm, anders als sunntische Staaten physisch praktisch unmöglich eine allgemeine Führung der islamischen Welt zu erlangen. Da, wo schiitische Gesellschaften existieren, da ist eine Anbindung möglich. Siehe z.B. Irak. Gegen die Stellung einer Regional- oder Mittelmacht spricht dagegen nichts. Eines gewichtigen "core states".
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon Orbiter1 » Do 3. Okt 2019, 07:21

Emin hat geschrieben:(02 Oct 2019, 23:11)

Ich würde nicht sagen, dass es beim Iran nur um Israel geht. Mit der Türkei hat das Land auch keine guten Beziehungen und mit Saudi-Arabien ist es faktisch im Krieg.
Die Türkei gehört zu den wenigen Staaten die sich nicht vor den US-Sanktionen fürchten und weiterhin Öl und Gas aus dem Iran beziehen.

"Turkish President Tayyip Erdogan said on Friday it was impossible for Turkey to stop buying oil and natural gas from Iran, despite the threat of U.S. sanctions, and added that trade between the two countries would continue, according to broadcaster NTV. Speaking to reporters on his return flight from the United Nations General Assembly in New York, Erdogan said Turkey was not afraid of possible U.S. sanctions over its trade with Iran, adding that Ankara did not want to sever its cooperation with Tehran." Quelle: https://m.jpost.com/Breaking-News/Erdog ... NTV-603096

Die Türkei sitzt auch wegen dem Konflikt in Syrien permanent mit dem Iran am Verhandlungstisch, auch wenn man da unterschiedliche Positionen hat. Erdogan sieht auch keine Belege dass die Angriffe auf die saudischen Ölanlagen vom Iran ausgingen. Von keinen guten Beziehungen zwischen dem Iran und der Türkei kann man da nicht sprechen.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon Tom Bombadil » Do 3. Okt 2019, 09:55

Gleich und gleich gesellt sich halt gern, das ist keine neue Erkenntnis.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon DarkLightbringer » Do 3. Okt 2019, 12:21

Orbiter1 hat geschrieben:(03 Oct 2019, 07:21)

Die Türkei gehört zu den wenigen Staaten die sich nicht vor den US-Sanktionen fürchten und weiterhin Öl und Gas aus dem Iran beziehen.

"Turkish President Tayyip Erdogan said on Friday it was impossible for Turkey to stop buying oil and natural gas from Iran, despite the threat of U.S. sanctions, and added that trade between the two countries would continue, according to broadcaster NTV. Speaking to reporters on his return flight from the United Nations General Assembly in New York, Erdogan said Turkey was not afraid of possible U.S. sanctions over its trade with Iran, adding that Ankara did not want to sever its cooperation with Tehran." Quelle: https://m.jpost.com/Breaking-News/Erdog ... NTV-603096

Die Türkei sitzt auch wegen dem Konflikt in Syrien permanent mit dem Iran am Verhandlungstisch, auch wenn man da unterschiedliche Positionen hat. Erdogan sieht auch keine Belege dass die Angriffe auf die saudischen Ölanlagen vom Iran ausgingen. Von keinen guten Beziehungen zwischen dem Iran und der Türkei kann man da nicht sprechen.

Erdogans Türkei ist zum unsicheren Kantonisten geworden, was ja auch ungefähr die Hälfte der eigenen Bevölkerung mit Sorge betrachtet.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon Alter Stubentiger » Do 3. Okt 2019, 16:46

DarkLightbringer hat geschrieben:(02 Oct 2019, 18:31)

Da scheiden sich eben die Wege. Die Eindämmung von Krieg kann aus meiner Sicht keinesfalls der Holzweg sein.

Deine Vorstellungen haben in der Praxis beweisen dass sie den Krieg eskalieren lassen. Was zählt ist das Ergebnis. Und sonst nichts!
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon Alter Stubentiger » Do 3. Okt 2019, 17:07

King Kong 2006 hat geschrieben:(02 Oct 2019, 22:48)

Die Atomwaffen-Debatte ist ein Feigenblatt für das Problem, daß die USA den Iran, anders als z.B. Saudi-Arabien, nicht im Sack haben. Es könnte sein, daß wenn der Iran sich ein bißchen williger verhält der Sache der Wind aus den Segeln genommen wird. Darum geht es, den Umgang miteinander.

Der Iran konnte, der Iran kann und der Iran wird Atomwaffen bauen können. Das wird weder von den US-Nachrichtendiensten bestritten und selbst vom Iran ausgesprochen. Daran ist nichts zu ändern, von der Fähigkeit ist der Iran nicht abzuhalten, wenn man ein einigermassen entwickelter Atomstaat (nicht Atomwaffenstaat) ist. Wenn man eine einigermassen entwickelte metallarbeitende Industrie hat, kann man auch Waffen bauen, oder bei eine chemischen Industrie Chemiewaffen produzieren. Das ist auf dieser Ebene eine sinnlose Diskussion. Dafür gibt es Verträge und Kontrollen. Und die wurden abgeschlossen und die wurden eingehalten. Zuletzt das JPOAC. Als Trump dies beendet hat und gezielt eskalierte soll das jetzt besser werden?

Zudem ist die ganze Sache ohnehin ein Hohn. Siehe Atomwaffenfreie Zone Nahost (von "der Welt" spreche ich erst gar nicht). Nicht mal eine Atomwaffenfreie Zone Nahost ist, mit öffentlichen Aussagen untermauert, erwünscht. Einige kritisieren das zivile Atomprogramm Irans und sagen gleichzeitig, man lehne eine Atomwaffenfreie Zone ab. Ergo, man bejahe Atomwaffenprogramme. Geht das nach Sympathie? Ja. Das ist wie gesagt der springende Punkt. Nicht die Atombombe.

Die Atomdebatte wird seit den Achtzigern, zufälligerweise seit dem Bruch des Irans mit den USA thematisiert und instrumentalisiert. Als der Iran noch Verbündeter der USA war, waren die geplanten Dimensionen und von den USA, Deutschland und Frankreich im Iran begonnenen nuklearen Aktivitäten um einiges größer als das heutige iranische Programm. Wenn das heutige schon so angegangen wird, warum hat man als der Iran noch Verbündeter war sogar noch ein paar Schippen draufgelegt? Ist der springende Punkt vielleicht die Beziehung der beiden Staaten zueinander? Die nuklearen Aktivitäten können es ja so gesehen nicht sein.

Sehr wahrscheinlich ist es so. Der Iran hat auch ohne eine einzige Atombombe das Potential einer weit gewichtigeren Regionalmacht und Ordnungsmacht im nahen Osten. Und das ist nicht im Sinne der Saudis und damit der Amerikaner. Und darum geht es. Es geht um Macht. Das ist eben so im nahen Osten. Es ist auch mehr als fraglich ob der Iran diese Macht weiser verwenden würden als die Saudis oder Türken oder Russen die ja alle die Ordnungsmacht im nahen Osten sein wollen.

Es sollte nicht unsere Aufgabe sein uns auf eine Seite zu schlagen. Es sollte unsere Aufgabe sein das Machtstreben an sich zu hinterfragen und Anreize zu geben dass Kooperation zu einem besseren Leben für alle im nahen Osten führt. Und nicht Konfrontation. Der Weg der Verständigung wurde von Obama und der EU beschritten. Ein steiniger Weg. Aber der einzig Gangbare.

Meine tiefste Verachtung gilt allen hier die den Weg der Konfrontation befürworten weil sei meinen es gäbe die "Guten" und die "Bösen". Aber die Welt ist nicht so.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon Kohlhaas » Do 3. Okt 2019, 18:22

Alter Stubentiger hat geschrieben:(03 Oct 2019, 16:52)

Zu besonderen Anlässen fordert man im Iran medienwirksam die Vernichtung Israels und der USA. In der Realität bleibt es dabei und die Demonstranten gehen nach der angeordneten Demo nach Hause und schauen was Whatsapp sagt.

Das ist jetzt nicht Dein Ernst, oder?

Die Forderung nach der Vernichtung Israels und der USA ist Deiner Meinung nach "nebensächlich", weil die irren Mullahs ja ohnehin nicht in der Lage sind, sie durchzusetzen? Meinst Du das wirklich ernst???

Dann ist das ein Grund mehr, dass der Iran NIE! in den Besitz von Atomwaffen gelangen darf!

Nebenbei solltest Du Dir klarmachen, dass es in Deutschland heute strafbar ist, die Vernichtung der Juden zu fordern - scheißegal, ob man realistische Möglichkeiten hat, die Forderung durchzusetzen. Das ist auch durchaus richtig so. Das muss auch international gelten.

Jetzt wird hier schon die Aufforderung zum Völkermord an den Juden relativiert....! Leute, wo sind wir hier eigentlich?
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon Wolverine » Do 3. Okt 2019, 18:34

Kohlhaas hat geschrieben:(03 Oct 2019, 18:22)

Das ist jetzt nicht Dein Ernst, oder?

Die Forderung nach der Vernichtung Israels und der USA ist Deiner Meinung nach "nebensächlich", weil die irren Mullahs ja ohnehin nicht in der Lage sind, sie durchzusetzen? Meinst Du das wirklich ernst???

Dann ist das ein Grund mehr, dass der Iran NIE! in den Besitz von Atomwaffen gelangen darf!

Nebenbei solltest Du Dir klarmachen, dass es in Deutschland heute strafbar ist, die Vernichtung der Juden zu fordern - scheißegal, ob man realistische Möglichkeiten hat, die Forderung durchzusetzen. Das ist auch durchaus richtig so. Das muss auch international gelten.

Jetzt wird hier schon die Aufforderung zum Völkermord an den Juden relativiert....! Leute, wo sind wir hier eigentlich?


Die Aufforderung zum Völkermord wie der Iran sie betreibt ist eigentlich nach dem Völkerstrafgesetzbuch strafbar und müsste Konsequenzen nach sich ziehen. Aber die UN schweigt angesichts dieser Äußerungen seitens der Hamas oder des Iran. Das wundert mich nicht wirklich, denn die UN ist der größte Feind Israels. Wenn die Hamas Israel angreift, dann fordert die UN Israel auf, nicht darauf zu reagieren. Das sind Fakten und darüber kann man nur den Kopf schütteln.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon Kohlhaas » Do 3. Okt 2019, 18:45

Wolverine hat geschrieben:(03 Oct 2019, 18:34)

Die Aufforderung zum Völkermord wie der Iran sie betreibt ist eigentlich nach dem Völkerstrafgesetzbuch strafbar und müsste Konsequenzen nach sich ziehen. Aber die UN schweigt angesichts dieser Äußerungen seitens der Hamas oder des Iran. Das wundert mich nicht wirklich, denn die UN ist der größte Feind Israels. Wenn die Hamas Israel angreift, dann fordert die UN Israel auf, nicht darauf zu reagieren. Das sind Fakten und darüber kann man nur den Kopf schütteln.

Ich schüttele darüber den Kopf, ohne verschweigen zu wollen, dass auch die Israelis sich nicht immer "sauber" verhalten haben.

Was mich aber wirklich auf die Palme bringt, ist der Umstand, dass hier in einem deutschen Diskussionsforum ganz offen solche eindeutig rassistischen Thesen vertreten werden können.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon DarkLightbringer » Do 3. Okt 2019, 18:58

Alter Stubentiger hat geschrieben:(03 Oct 2019, 16:46)

Deine Vorstellungen haben in der Praxis beweisen dass sie den Krieg eskalieren lassen. Was zählt ist das Ergebnis. Und sonst nichts!

Du meinst die Meinungsverschiedenheiten zwischen USA und IR Iran? Die tatsächlichen Kriege sind ja schon länger eskaliert, nicht zuletzt auch wegen des Atomdeals.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon Vongole » Do 3. Okt 2019, 18:59

Kohlhaas hat geschrieben:(03 Oct 2019, 18:45)

Ich schüttele darüber den Kopf, ohne verschweigen zu wollen, dass auch die Israelis sich nicht immer "sauber" verhalten haben.

Was mich aber wirklich auf die Palme bringt, ist der Umstand, dass hier in einem deutschen Diskussionsforum ganz offen solche eindeutig rassistischen Thesen vertreten werden können.

Nicht rassistisch, aber antizionistisch und damit antisemitisch, denn gegen arab. Israelis richtet sich die Kritik ja nicht.
Bin mal gespannt, wie das wird, sollte in Israel eine Regierung unter Beteiligung der arab Liste zusammen kommen.
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Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon Moses » Do 3. Okt 2019, 20:32

Vongole hat geschrieben:(01 Oct 2019, 19:12)

Für Aufräumarbeiten vorrübergehend geschlossen.

Mod.


Wieder offen, bitte beim Thema bleiben.

Diese Ansage war eindeutig. Wegen Nichtbeachtung ist hier jetzt mal für ne Weile zu und auch Sanktionen - vor allem für User im verwarnten Status - sind nicht ausgeschlossen.

Moses
Mod
Der Herr gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich nicht hinnehmen kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

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