EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Moderator: Moderatoren Forum 3

Wähler
Beiträge: 5101
Registriert: Di 25. Dez 2012, 13:04
Wohnort: Bayern

Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Wähler » Do 12. Sep 2019, 07:55

Wähler hat geschrieben:(11 Sep 2019, 09:38)
Die Nordirland-Frage wird langfristig nicht offen bleiben. Wenn eine weitgehend digitale Grenze zwischen Irland und Nordirland ein Experiment wert wäre, dann auch eine Seegrenze zwischen Irland und England, so dass bestimmte Zollfragen schon in englischen Häfen geregelt werden könnten. Ideologische Sturrheit hat schon lange genug in eine Sackgasse geführt. Auch bei einem harten Brexit dürfte die Grenze zwischen Irland und Nordirland nicht auf Dauer hart bleiben.

garfield336 hat geschrieben:(11 Sep 2019, 11:12)
digitale Grenze was soll das sein? Menschen sind aus Fleisch und Blut.
Digital kann man villeicht grosse LKWs erfassen, aber nicht den kleinen Grenzverkehr.

Das wäre ein Argument für mehr Personenfreizügigkeit zwischen Nordirland und Irland und ein Argument für eine harte Seegrenze zwischen England und Nordirland. Ohne eine Sonderstatus von Nordirland dürfte der Brexit also nicht funktionieren.
Zeitungstexte bei Genios mit Bibliotheksausweis kostenlos: https://www.wiso-net.de/login?targetUrl=%2Fdosearch (Zugang auch bundesweit)
lili
Beiträge: 4568
Registriert: Mi 5. Nov 2014, 20:51

Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon lili » Do 12. Sep 2019, 08:18

,,Yellohammer": Schockbericht warnt vor Chaos-Brexit

https://www.bild.de/politik/ausland/politik-ausland/engpaesse-und-unruhen-bittere-szenarien-fuer-no-deal-brexit-der-britischen-regie-64581118.bild.html

Es geht z.B. um längere Wartezeit am Ärmelkanal. Dadurch kann es zu Lieferengpässen kommen u.s.w.
,,Was sind unsere geistreichen und gebildeten Subjekte größenteils? Hohnlächelte Sklavenbesitzer und selber - Sklaven." Das unwahre Prinzip unserer Erziehung"

Max Stirner
Benutzeravatar
Eiskalt
Beiträge: 2737
Registriert: Mi 2. Dez 2009, 11:05
Benutzertitel: Der Staat bin ich

Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Eiskalt » Do 12. Sep 2019, 08:27

Julian hat geschrieben:(11 Sep 2019, 20:26)

Merkel hat offenbar Angst vor einem Austritt Großbritanniens aus der EU ohne Vertrag, wenn man ihre Bundestagsrede anhört. Der Grund ist, dass in einem solchen Fall der EU in Großbritannien ein Wettbewerber ähnlich Singapur erwachsen würde: mit mehr Freiheit, weniger Regeln, niedrigen Steuern und mehr Wohlstand als in der EU möglich und gewünscht.

Es wäre ein Fenster einer freiheitlich organisierten Wirtschaft nahe dem sozialistischen Paradies. Ein Erfolg Großbritanniens könnte andere Länder auch überzeugen, dass der Brüsseler Wasserkopf und all die Richtlinien und Verordnungen von dort gar nicht sein müssen, und dass mehr Freiheit und eine bürgernahe, transparente und demokratische Regierung statt der Fremdbestimmung aus Brüssel auch zu mehr Wohlstand führen kann.


Ach sooooo.
Warum haben die Briten das denn nicht damals gemacht als sie der kranke Mann Europas waren?
Memento mori
-Römisches Sprichwort
Benutzeravatar
Eiskalt
Beiträge: 2737
Registriert: Mi 2. Dez 2009, 11:05
Benutzertitel: Der Staat bin ich

Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Eiskalt » Do 12. Sep 2019, 08:37

Eulenwoelfchen hat geschrieben:(12 Sep 2019, 01:21)

Zu Ihren von der Faktenlage entkoppelten Behauptungen gibt es nichts weiter zu sagen: Sie sind falsch und nur für Märchenstunden tauglich. Nicht aber ernstzunehmende politische Diskussionen.

Auch und ganz besonders in Hinblick auf die ökonomische Vorwärtsentwicklung und Gesundung GBs, aber besonders auch der genauso positiven Entwicklung der britischen Region Nordirland sowie des vor dem Beitritt zur EU ebenso auch schwer in den Seilen hängenden Landes Republik Irland, das damals natürlich traditionell sehr am Erfolg oder ökonomischen Erkrankungen des übermächtigen Nachbars GB litt bzw. sich in dessen Sog befand.
Besser wurde es für alle drei Länder/Regionen nämlich erst so richtig, weil man wie GB Mitglied incl. dessen Kolonialenklave Nordirland war oder wie die Republik Irland EU-Mitglied wurde und blieb.

Sie werden auch schwerlich einen Beleg finden, der etwa Margret Thatcher damals auch nur ansatzweise dazu veranlasst hätte, die EU-Mitgliedschaft GBs ernsthaft zu beenden.
Man killt doch nicht die Kuh, die man so schön melken kann und dabei noch bei jeder bietenden Gelegenheit draufhauen kann. Doof war "I want my back"-Maggie tatsächlich nicht. Sondern nur dreist und unverschämt ohne erkennbare Grenzen. Eine knallharte Rosinenpickerin ...und Paradepolitikerin in der Kunst, Vorteile GBs aus der dummen EU herauszuholen, wo es geht und damit auch die britische Wirtschaft dank der spendablen und leicht trotteligen EU und ihres genialen, auch und gerade für GB vorteilhaften Handelsrahmens zu benutzen. Selbstredend auch immer mit dem "Murmeltier"-Märchen, die EU blockiere GB oder sei grundsätzlich SCHEISSE.

Komisch nur, dass man das immer nur dahingehend nutzte, um eigenen politischen Scheiss zu vertuschen, indem man ihn der EU in die Schuhe schiebt bzw. immer schon schob. Politische Fehler (soziale Demontage als Dienerin von Konzern- und Investoreninteressen), die auch Mrs. Thatcher in ihrem Land genauso anrichtete und einfache Leute zur dummen und chancenlosen Masse degradierte, die man zugunsten von Großkonzern-/Finanz-/Bank- und Investoreninteressen in den Graben der Chancenlosigkeit wuchtete. Wer war schuld? Natürlich immer nur die EU am Ende des Tages.

Es war eine Politik ohne Skrupel oder politische Empathie für die einfachen Leute. Auch wenn die immensen Reichtümer und Erfolge der Finanzindustrie und großer Konzerne das Land insgesamt zweifellos ökonomisch gesunden ließen und sich die gesamte Einkommenssituation auch mit den großzügig hingeworfenen Krümeln für die kleinen und mittleren Einkommen verbesserte. Während die "oberen 2000" abkassierten wie die Bekloppten.
Ziemlich zeitgleich rasierte Ronald Reagan mit seinen "Reagonomics" den amerikanischen Mittelstand zugunsten von Großkonzernen auf lästige Lausgröße.

Irgendwie ist die Trump-Johnson Duplizität mit der Thatcher-Reagan-Regentschaft artverwandt und fast schon ein merkwürdig pittoresker Aufguß deckungsgleicher "Politik".

Naja...
Einem politisch rechtslastigen, in politischen Zusammenhängen mehr als naiven und AfD-affinen (=europafeindlichen) Betonkopf mit ideologischer Baustahlarmierung wie Ihnen das zu erklären und dabei etwas auszulösen, was man als Nachdenken bezeichnen könnte, ist sinnlos.

Es ist eine allgemeine Beschreibung und Gegendarstellung für geneigte Leser/innen, die mangels Zeit oder weshalb auch immer, nicht so genau
diesem Thema folgen können und dann den einfach gestrickten schwarz/weiss Mustern eines klaren Anti-EU-Propagandisten Ihres Schlages aufsitzen...

Für mich gilt nämlich in Sachen EU das Identische wie für Demokratie: Nicht ideal, immer verbesserungswürdig. Aber das Beste, das unter menschlichen Umständen erreichbar ist. Mit möglichst viel Machtteilhabe und Gestaltungschancen aller Menschen - zumindest theoretisch.
In Frieden, Rechtssicherheit und persönlicher, unbedrohter Freiheit an Leib und Leben. Und mit Zukunftsaussichten und Chancen für die Kinder und Kindeskinder, sich über Grenzen und Nationen hinweg
entwickeln zu können. Weil nicht nur in Sachsen die schönen Mädchen auf den Bäumen wachsen. Auch EU- "Ausländer/innen" haben schöne Töchter und Söhne. Natürlich auch Britannien. *Venessa Redgrave z.B.


Ein sehr guter BEitrag auf den Punkt gebracht!
Memento mori
-Römisches Sprichwort
Maikel
Beiträge: 430
Registriert: So 4. Jun 2017, 19:44

Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Maikel » Do 12. Sep 2019, 08:44

Eulenwoelfchen hat geschrieben:(11 Sep 2019, 20:23)
Könnten Sie sich damit anfreunden?

Zweites Referendum mit zwei Wahlmöglichkeiten:

1. Brexit mit oder auch ohne deal
2. NO BREXIT at all (For the sake of the nation, this Brexit MUST die! :D )

Ich hätte gar nichts gegen ein Referendum mit mehr als zwei Wahlmöglichkeiten, aber eben mit ggf. zweitem Wahlgang; um sicher eine Mehrheit >50% für eine der Alternativen zu bekommen.

So hätte schon das britische Parlament zu einer positiven Mehrheits-Entscheidung für eine Varianten kommen können.

Bei so einem Wahlverfahren brauchte man auch gar nicht so lange zu streiten, welche Alternativen in welcher Formulierung angeboten werden.

Bei Personenwahlen z.B. wird so ein Wahlverfahren regelmäßig angewendet (u.a. Parteivorsitz CDU, Bürgermeister in D, französischer Präsident, usw. In abgewandelter Form sogar bei der Wahl BoJos zum Vorsitzenden der Tories).
Eulenwoelfchen
Beiträge: 1317
Registriert: Do 8. Feb 2018, 23:16

Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Eulenwoelfchen » Do 12. Sep 2019, 09:35

Maikel hat geschrieben:(12 Sep 2019, 08:44)

Ich hätte gar nichts gegen ein Referendum mit mehr als zwei Wahlmöglichkeiten, aber eben mit ggf. zweitem Wahlgang; um sicher eine Mehrheit >50% für eine der Alternativen zu bekommen.

So hätte schon das britische Parlament zu einer positiven Mehrheits-Entscheidung für eine Varianten kommen können.

Bei so einem Wahlverfahren brauchte man auch gar nicht so lange zu streiten, welche Alternativen in welcher Formulierung angeboten werden.

Bei Personenwahlen z.B. wird so ein Wahlverfahren regelmäßig angewendet (u.a. Parteivorsitz CDU, Bürgermeister in D, französischer Präsident, usw. In abgewandelter Form sogar bei der Wahl BoJos zum Vorsitzenden der Tories).


Ich schließe mich gerne Ihren Referendumsdetails an. :thumbup: - SEHR darauf hoffend, es möge möglichst ein zweites dazu geben.
Und zwar VOR Neuwahlen...
Benutzeravatar
Misterfritz
Vorstand
Beiträge: 10057
Registriert: So 4. Sep 2016, 15:14
Benutzertitel: Cheffe vons Rudel
Wohnort: Badische Sibirien

Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Misterfritz » Do 12. Sep 2019, 10:14

Eulenwoelfchen hat geschrieben:(12 Sep 2019, 09:35)

Ich schließe mich gerne Ihren Referendumsdetails an. :thumbup: - SEHR darauf hoffend, es möge möglichst ein zweites dazu geben.
Und zwar VOR Neuwahlen...
Wird es nicht,
wer sollte das denn beschliessen?
Und, aus einem mir nicht bekannten Grund, kann man eine Neuwahl innerhalb von zwei Wochen organisieren, ein Referendum braucht 3 Monate Vorlauf.
Eulenwoelfchen
Beiträge: 1317
Registriert: Do 8. Feb 2018, 23:16

Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Eulenwoelfchen » Do 12. Sep 2019, 10:33

Misterfritz hat geschrieben:(12 Sep 2019, 10:14)

Wird es nicht,
wer sollte das denn beschliessen?
Und, aus einem mir nicht bekannten Grund, kann man eine Neuwahl innerhalb von zwei Wochen organisieren, ein Referendum braucht 3 Monate Vorlauf.


Möglicherweise haben Sie recht und es wird - LEIDER LEIDER - kein zweites Referendum geben. Beschließen könnte das das Parlament nach der Sommerpause
mit seiner Mehrheit gegen Johnson jederzeit. Sogar gesetzlich dies vorzuschreiben wäre möglich. Weil Sie danach fragten, wer das beschliessen sollte: Das britische Unterhaus! ;) ****

Was die größere Vorbereitungszeit eines Referendums angeht, bin ich sicher, dass aufgrund einer dann vorliegenden zwingenden Parlamentsmehrheit für ein Referendum
auch eine zwingend an diesen benötigten Zeitrahmen angepasste längere Verschiebung, sagen wir mal statt 3 auf 6 Monate vom Parlament der Regierung auf's Pflichtenhaupt
gelegt würde und der EU-Rat dem auch zustimmen würde.

Aber ich bestreite nicht, dass alles an einem seidenen Faden hängt und vor allem an einem brit. Unterhaus, dass sich nur darin einig ist, sich nicht einig zu sein.
Und vermutlich Johnson diese desolate Orientierungslosigkeit und Schwäche des Parlament ausnutzen wird und der no-deal-Brexit kommen wird. Höchstwahrscheinlich, sage ich mal.

Aber Toyota: Nichts ist unmöglich! - In diesen verwirrten Zeiten. Auch ein Schwenk zur Vernunft und zum Besseren. Selbst in GB nicht völlig undenkbar. :D

****Nachtrag:
Es wäre so quasi die Wende, mit der das Parlament den Weg zurück zu tatsächlichen demokratischen Prinzipien und Willensbildungsprosessen damit einleiten könnte,
und dem Versuch eines Cummings und eines Johnson, die britische Demokratie in totalitärer Absicht zu usurpieren verhindert und verschrottet.
Das Vermächtnis wirklicher Demokratie hast in GB ja allerhöchste Tradition und Priorität. Sie für Britanniens Menschen zu schützen und zu erhalten, wäre genau jetzt ALLERERSTE "Bürgerpflicht" des britischen Unterhauses.
But I admit, these are just my 2 cents... ;)
Kohlhaas
Beiträge: 1231
Registriert: So 24. Feb 2019, 19:47

Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Kohlhaas » Do 12. Sep 2019, 13:46

Wie es scheint, zeigt Johnson wachsende Sympathie für einen Vorschlag zu Irland, den Barnier mal vorgelegt hat: Der Backstop könnte auf Nordirland beschränkt werden. Die Zollgrenze würde dann nicht durch Irland, sondern durch die irische See verlaufen. May hat das damals abgelehnt, weil sie auf die Stimmen der Hardliner von der DUP angewiesen war.
Troh.Klaus
Beiträge: 1935
Registriert: Sa 28. Okt 2017, 21:56

Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Troh.Klaus » Do 12. Sep 2019, 13:58

Kohlhaas hat geschrieben:(12 Sep 2019, 13:46)
Wie es scheint, zeigt Johnson wachsende Sympathie für einen Vorschlag zu Irland, den Barnier mal vorgelegt hat: Der Backstop könnte auf Nordirland beschränkt werden. Die Zollgrenze würde dann nicht durch Irland, sondern durch die irische See verlaufen. May hat das damals abgelehnt, weil sie auf die Stimmen der Hardliner von der DUP angewiesen war.

Es würde mich wundern, wenn Johnson mit einem solchen "Deal" noch lange PM wäre. Da würde sogar Rees-Mogg selbst das "no-confidence"-Verfahren einleiten.
In varietate concordia.
Benutzeravatar
Alter Stubentiger
Beiträge: 5419
Registriert: Fr 6. Jan 2012, 08:20
Benutzertitel: Sozialdemokrat

Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Alter Stubentiger » Do 12. Sep 2019, 16:11

Julian hat geschrieben:(11 Sep 2019, 22:29)

Natürlich ist Großbritannien und vor allem London Ziel von Investoren aus aller Welt. Das ist doch positiv! Deutschland investiert vor allem im Ausland, und leider mit miserabler Rendite und mit hohem Risiko.

Dir ist nicht klar wie sic hdie Gewichte Richtung Asien verschieben durch die selbstverschuldete Schwäche der Briten. Wenn die Londoner Börse nach Asien geht ist dies eine gewaltige Machtverschiebung Richtung Asien.

Wo investiert Deutschland denn genau? Und wer eigentlich? Der deutsche Staat oder wer?
Niemand hat vor eine Mauer zu errichten (Walter Ulbricht)
...und die Mauer wird noch in 50 oder 100 Jahren stehen (Erich Honecker)
Benutzeravatar
Alter Stubentiger
Beiträge: 5419
Registriert: Fr 6. Jan 2012, 08:20
Benutzertitel: Sozialdemokrat

Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Alter Stubentiger » Do 12. Sep 2019, 16:20

Julian hat geschrieben:(11 Sep 2019, 22:37)

Einige Länder mögen in der Tat von der EU profitiert haben, so in erster Linie Luxemburg, das sich daran geradezu gemästet hat. Dass es mit Großbritannien wirtschaftlich stark aufwärts ging, hatte meiner Meinung nach aber weniger mit der EU und mehr mit einer Frau namens Margaret Thatcher zu tun, die dem zuvor sozialistischen Kurs eine Absage erteilte.

Betrachtet man den Wohlstand Islands, Norwegens, der Schweiz und Liechtensteins, muss man doch zur Auffassung kommen, dass ein Heil auch außerhalb der EU möglich ist.

Warum ist denn eigentlich Freihandel in Europa nicht einfach so möglich? Warum muss der Freihandel zwischen EU-Staaten verbunden sein mit Protektionismus nach außen, einem regulierungswütigen Wasserkopf in Brüssel und einer sozialistischen Subventionswirtschaft? Man könnte doch den Freihandel auch einzeln anbieten für Länder, die nicht an zentralistische Umverteilung und Regierung durch ungewählte Beamte glauben.

Island, Norwegen und die Schweiz sind mit der EU assoziiert. Dort gelten EU-Regeln. Dafür dürfen sie alle Vorteile der EU nutzen ohne Mitglied zu sein.
Einheitliche Regeln und Normen sind ein enormer Vorteil für die Volkswirtschaften der Mitgliedsländer und keine Belastung. Das war früher anders und deshalb gab es in Spanien andere Stromstecker als in Deutschland. Da muß dann der Lampenbauer für jedes Land einen extra Stecker einbauen. Was für ein Aufwand! Und dies ist nur ein ganz einfaches Beispiel. Es hat schon seinen Grund war um ein Land wie die Schweiz sich freiwillig den EU Regeln unterwirft. Unterm Strich profitiert es.

Oder nimm mal ein Land wie Norwegen. Die subventionieren ihre Landwirte viel mehr als es in der EU üblich ist. Subventionen finden sich also überall. Und unerwünschte Nebenwirkungen gibt es auch überall. Es ist eben alles nicht so einfach.
Niemand hat vor eine Mauer zu errichten (Walter Ulbricht)
...und die Mauer wird noch in 50 oder 100 Jahren stehen (Erich Honecker)
Benutzeravatar
Alter Stubentiger
Beiträge: 5419
Registriert: Fr 6. Jan 2012, 08:20
Benutzertitel: Sozialdemokrat

Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Alter Stubentiger » Do 12. Sep 2019, 16:23

Ger9374 hat geschrieben:(11 Sep 2019, 23:09)

Die Grundkonstruktion der E.U war eine Wirtschafts und Kriegsverhinderung Symbiose.
Das später Politische und der Währungsgedanke viel später konzipiert.
Vielleicht überstürzt !?

Es wurden viele Fehler gemacht. Manche Dinge waren aber auch unvermeidlich. Der €uro war ursprünglich eingeführt worden weil man die D-Mark und mögliche Hegemonialbestrebungen des wiedervereinigten Deutschlands fürchtete. Das gerade Deutschland mit 30 Milliarden Wohlstandsgewinn im Jahr durch den €uro da am meisten von profitiert hat keiner erwartet.
Niemand hat vor eine Mauer zu errichten (Walter Ulbricht)
...und die Mauer wird noch in 50 oder 100 Jahren stehen (Erich Honecker)
sünnerklaas
Beiträge: 4080
Registriert: Do 10. Aug 2017, 15:41

Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon sünnerklaas » Do 12. Sep 2019, 18:38

Alter Stubentiger hat geschrieben:(12 Sep 2019, 16:23)

Es wurden viele Fehler gemacht. Manche Dinge waren aber auch unvermeidlich. Der €uro war ursprünglich eingeführt worden weil man die D-Mark und mögliche Hegemonialbestrebungen des wiedervereinigten Deutschlands fürchtete. Das gerade Deutschland mit 30 Milliarden Wohlstandsgewinn im Jahr durch den €uro da am meisten von profitiert hat keiner erwartet.


Man hat seinerzeit so vieles nicht erwartet...
Die Einführung der Gemeinschaftswährung war seinerzeit eine Grundbedingung, die von den alliierten Siegermächten gestellt wurde, damit sie ihr OK für den 2+4-Vertrag gaben.
Dass dann andere Länder unter die Räder kamen, hatte man nicht bedacht.
Kohlhaas
Beiträge: 1231
Registriert: So 24. Feb 2019, 19:47

Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Kohlhaas » Do 12. Sep 2019, 19:30

Julian hat geschrieben:(11 Sep 2019, 22:37)Warum ist denn eigentlich Freihandel in Europa nicht einfach so möglich? Warum muss der Freihandel zwischen EU-Staaten verbunden sein mit Protektionismus nach außen, einem regulierungswütigen Wasserkopf in Brüssel und einer sozialistischen Subventionswirtschaft? Man könnte doch den Freihandel auch einzeln anbieten für Länder, die nicht an zentralistische Umverteilung und Regierung durch ungewählte Beamte glauben.

. . . ich schreibe es jetzt nochmal:

Die Nationen, die der Welthandelsorganisation (WTO) angeschlossen sind, haben Regeln festgelegt, wie Handel zwischen Nationen abzulaufen hat. Zu diesen Regeln gehört die Pflicht, Warenverkehr zu überwachen und Zollrichtlinien durchzusetzen. ALLE EU-Staaten gehören der WTO an. Auch Großbritannien. Also hat auch Großbritannien sich den Regeln der WTO zu fügen. Wie da ein gewisser "Julian" auf die Idee kommt, der EU vorzuwerfen, dass sie GB von "Freihandel" abhalten wolle, erschließt sich wohl nur dem notorischen EU-Hasser namens "Julian". Du flötest hier steile Thesen über "Freihandel" und hast nicht mal begriffen, dass Leute wie Johnson und Trump gar keinen Freihandel wollen. Die wollen "bilaterale Verträge". Die wollen ganz willkürlich entscheiden, mit wem sie unter welchen Bedingungen "freien Handel" treiben. Diesen Anspruch verteidigst Du und scheltest gleichzeitig die EU dafür, dass sie verbindliche Regeln für freien Handel festgelegt hat???

Persönliche Anfeindungen entfernt. Moses, Mod.
lili
Beiträge: 4568
Registriert: Mi 5. Nov 2014, 20:51

Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon lili » Do 12. Sep 2019, 20:45

,,Was sind unsere geistreichen und gebildeten Subjekte größenteils? Hohnlächelte Sklavenbesitzer und selber - Sklaven." Das unwahre Prinzip unserer Erziehung"

Max Stirner
Benutzeravatar
Alter Stubentiger
Beiträge: 5419
Registriert: Fr 6. Jan 2012, 08:20
Benutzertitel: Sozialdemokrat

Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Alter Stubentiger » Do 12. Sep 2019, 20:53

sünnerklaas hat geschrieben:(12 Sep 2019, 18:38)

Man hat seinerzeit so vieles nicht erwartet...
Die Einführung der Gemeinschaftswährung war seinerzeit eine Grundbedingung, die von den alliierten Siegermächten gestellt wurde, damit sie ihr OK für den 2+4-Vertrag gaben.
Dass dann andere Länder unter die Räder kamen, hatte man nicht bedacht.


Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Einige Länder, wie Dänemark und Deutschland, haben an ihren Schwachstellen gearbeitet, andere haben einfach auf notwendige Reformen verzichtet. Die sind dann unter die Räder gekommen. Griechenland, Italien, aber auch Frankreich.
Niemand hat vor eine Mauer zu errichten (Walter Ulbricht)
...und die Mauer wird noch in 50 oder 100 Jahren stehen (Erich Honecker)
Ger9374

Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Ger9374 » Do 12. Sep 2019, 21:04

Die Einführung der Gemeinschaftswährung war seinerzeit eine Grundbedingung, die von den alliierten Siegermächten gestellt wurde, damit sie ihr OK für den 2+4-Vertrag gaben.



Wie konnten denn bei den 2+4 Gesprächen solch Weitreichende Forderungen an Deutschland gestellt werden, das ist Finanzpolitisch überhaupt nicht zusicherbar gewesen!
Eulenwoelfchen
Beiträge: 1317
Registriert: Do 8. Feb 2018, 23:16

Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Eulenwoelfchen » Do 12. Sep 2019, 23:32

Ger9374 hat geschrieben:(12 Sep 2019, 21:04)

Die Einführung der Gemeinschaftswährung war seinerzeit eine Grundbedingung, die von den alliierten Siegermächten gestellt wurde, damit sie ihr OK für den 2+4-Vertrag gaben.



Wie konnten denn bei den 2+4 Gesprächen solch Weitreichende Forderungen an Deutschland gestellt werden, das ist Finanzpolitisch überhaupt nicht zusicherbar gewesen!


Das war eine rein politische Entscheidung Kohls, der sich damit die Wiedervereinigung erkaufte. Frankreich bestand nämlich darauf, dass Deutschland seine enorm harte und stabile
Währung DM zugunsten einer späteren Gemeinschaftswährung aufgibt. Dreimal dürfen sie raten, weshalb das den Franzosen so wichtig war?

Und wenn Sie möchten, können Sie sich auch Gedanken darüber machen, warum noch nie ein Deutscher (z.B. ein Bundesbank-Chef) EZB-Chef wurde, nur ganz zu Beginn ein
Niederländer (W. Duisenberg) dieses Amt rel. kurze Zeit (1998-2003) innehatte, und ihm dann kurz nach der Einführung des Euro ein Franzose nachfolgte (J.C. Trichet), dem dann ein Italiener (M.Draghi) nachfolgte,
dem wiederum eine Französin (Ch. Lagarde) nachfolgen wird...Ab dem Zeitpunkt der ersten franz. EZB-Präsidentschaft unter Trichet durfte man auch Griechenland mit seiner extrem harten Drachme in
der Eurofamilie begrüßen. :)

Kohl und sein Waigl opferten für die Wiedervereinigung das Sparvermögen der Deutschen und ihre Altersvorsorge. Wie die jüngste EZB-Entscheidung (noch unter Draghi) heute zeigt,
ging und geht dieser Weg der Vernichtung besonders der privaten deutschen Sparvermögen der Masse der kleinen Leute, die für diese Altersversorgung ihr Lebtag sparten und schufteten,
nachhaltig weiter. Wir merken uns, nachhaltig ist immer gut. (c) by DIE GRÜNEN.

Mit nunmehr 0,5% Strafzins für Banken, die das Geld lieber bei der EZB parken, als es mühselig und zudem zu wenig lukrativ in den Wirtschaftskreislauf zu bringen.
Sofern man es nicht für Börsenspekulationen oder Investments der anderen Art braucht. Arme Banken. Ich litt wie ein halbverhungerter Straßenköter mit Ihnen mit, während ich diese Zeilen schrub.

Aber das führt insoweit etwas vom Thema weg. Obgleich hier die britische Anti-Haltung gegenüber der Rest-EU, besonders dem EURO-Raum nachvollziehbar und SEHR weise war. Indem man darauf bestand, das Pfund behalten zu wollen.
Gut, die Briten hatten es auch leichter. Sie waren ja (sehr entscheidende) WWII-Siegermacht. Wofür man ihnen noch heute danken muss und das nie vergessen sollte. Auch nicht in BREXIT-Zeiten.
Deutschland war hingegen Kriegsverlierer und ein geteiltes Land, das für die Wiedervereinigung -unter anderem- mit der Aufgabe der DM bezahlen musste. Sich dem Euro nicht so einfach verweigern konnte wie GB.
Wer dafür dankbar sein will, kann das am Grabmal des Oggersheimer-Saumagenliebhaber machen.

Aber Fakt ist auch, dass der Euro D nicht daran hinderte, alle anderen Länder der EU in Sachen ökonomischer Power abzuhängen und mindestens so gut zu gedeihen wie die britische Volkswirtschaft mit ihrem
"Währungs-Pfund". Feixenderweise könnte man sagen, D steht trotz Wiedervereinigung und keiner eigenen Währung recht gut da. Im Vergleich zu Ländern mit eigener Währung.
Okay, die Sparer und ihre schwindenden Ersparnisse und Altersrücklagen sind ein kleines Problem. Ein ganz kleines. Und nur für D. Nicht für die anderen Eurostaaten. Oder auch GB.

Fazit: Reichtum ist nichts. Persönlichkeit alles! - Und überhaupt: Irgendetwas ist immer! :D
Ger9374

Re: EU-Mitgliedsschaft Großbritanniens

Beitragvon Ger9374 » Fr 13. Sep 2019, 03:13

Die DUP aus Nordirland wäre bereit einige E.U Gesetze weiter gelten zu lassen.
Aber aus der Zollunion soll GB mit Nordirland gemeinsam als ein Staat austreten .
Was würde das überhaupt bringen?
Augenwischerei oder ernsthaft gemeinte Chance auf ein weiterkommen bei den stagnierenden Gesprächen?!

Zurück zu „31. EU - EFTA“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast