Offizielles "Wording"

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ThorsHamar
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Re: Offizielles "Wording"

Beitragvon ThorsHamar » Do 4. Jul 2019, 09:15

Ein Terraner hat geschrieben:(04 Jul 2019, 09:12)

Public Viewing ist in England eine Aufbahrung.


JA, EBEN !!! :D Was meinst Du, warum ich genau Das erwähnt habe?
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Re: Offizielles "Wording"

Beitragvon NB3 » Do 4. Jul 2019, 11:10

H2O hat geschrieben:(04 Jul 2019, 08:12)
Wodurch sind wir Deutschen "ziemlich durchschnittlich", was ja noch zu ertragen wäre,


Haha, noch zu ertragen. Die Deutschen sind von sich selbst besessen. Auf neue Fremdwörter reagieren sie, wie man im Thread schön sieht, mit Überheblichkeit und/oder Existenzangst. "Deutscher benutzt ungenehmigtes Fremdwort in der Öffentlichkeit! Einzelversagen oder Systemfehler? Geht die deutsche Kultur vor die Hunde? Müssen wir ab nächsten Dienstag alle Englisch sprechen?" kann man ihnen als Titelbildschlagzeile verkaufen, nehmen sie gern mit, regen sie sich gern drüber auf, wollen sie mit Milliardenaufwand gesetzlich und behördlich reguliert und überwacht sehen. Ist bei den Franzosen, Spaniern, Dänen, usw. nicht großartig anders, die sind genauso verrückt. Durchschnitt, wie gesagt.

H2O hat geschrieben:(04 Jul 2019, 08:12)
sondern auch als Volk extrem engstirnig, verglichen mit Japan? Japan ist so weit weg, daß ich von der Weltläufigkeit dieses Volkes keine rechte Vorstellung habe.


Von Weitläufigkeit würde ich hier nicht reden, nur von der Akzeptanz und Adaption von Fremdwörtern und fremden Konzepten (bei Fremdsprachen sieht die Sache nämlich anders aus). Geht nirgendwo so schnell und problemlos wie in Japan. Es gibt sogar eine dedizierte Schrift für die Übertragung von Fremdwörtern ins Japanische, Katakana. Im Endeffekt sind nur etwa 30% des japanischen Vokabulars original japanisch, der Rest ist Chinesisch, Englisch, Portugiesisch, Holländisch, Deutsch, Französisch, usw. So wird beispielsweise derzeit 牛乳 (chinesisch) langsam durch ミルク (engrisch) verdrängt und keiner regt sich darüber auf. Verstanden wird beides, passt.
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Re: Offizielles "Wording"

Beitragvon Uffhausen » Do 4. Jul 2019, 13:07

NB3 hat geschrieben:(04 Jul 2019, 11:10)
Die Deutschen sind von sich selbst besessen. Auf neue Fremdwörter reagieren sie, wie man im Thread schön sieht, mit Überheblichkeit und/oder Existenzangst.

Falls du mich damit ansprechen willst - ich habe nur Fragen gestellt, die für mich beantwortet sind. Über deren Sachverhalt ich es wert finde, sich zu unterhalten und zu diskutieren. Ich nutze dieses Forum, wofür es geschaffen wurde. Schande über mich.

Und keine Ahnung, was du hier genau oder ausschließlich liest - oder was du dir einbildest = ich habe hier in diesem Strang den gegenteiligen Eindruck gewonnen; nämlich, dass die hiesigen Teilnehmern den Gebrauch von englischen statt deutscher Begriffe eher gelassen, nützlich und positiv sehen. Worin du deshalb HIER bei "den Deutschen" Selbstbessenheit, Überheblichkeit oder Existenzangst bestätigt und bewiesen siehst, erschließt sich mir nicht.

Ist bei den Franzosen, Spaniern, Dänen, usw. nicht großartig anders, die sind genauso verrückt.

Was ist verrückt an der Wahrung einer Landessprache? Wenn man natürlich meint, derartiges allein mit Geld in den Griff bekommen zu können, dann ja, DAS ist verrückt.

Verstanden wird beides, passt.

Es geht (mir) doch nicht ums Verstehen (von Fremdwörtern), sondern um das WARUM (Fremd- statt Landessprache).

Ich habe das hier titelgebende Wort "(...so das offizielle) Wording..." nicht nachschlagen müssen, mir war klar, was es bedeutet. Und entsprechend betroffener Satz in dem Artikel, welchen ich gestern gelesen habe, wäre nicht uneindeutiger oder missverständlicher geworden, hätte man stattdessen den deutschen Begriff "(...so der offizielle) Wortlaut..." verwendet.
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Re: Offizielles "Wording"

Beitragvon ThorsHamar » Do 4. Jul 2019, 13:44

NB3 hat geschrieben:(04 Jul 2019, 11:10)

Haha, noch zu ertragen. Die Deutschen sind von sich selbst besessen. Auf neue Fremdwörter reagieren sie, wie man im Thread schön sieht, mit Überheblichkeit und/oder Existenzangst. "Deutscher benutzt ungenehmigtes Fremdwort in der Öffentlichkeit! Einzelversagen oder Systemfehler? Geht die deutsche Kultur vor die Hunde? Müssen wir ab nächsten Dienstag alle Englisch sprechen?" kann man ihnen als Titelbildschlagzeile verkaufen, nehmen sie gern mit, regen sie sich gern drüber auf, wollen sie mit Milliardenaufwand gesetzlich und behördlich reguliert und überwacht sehen. Ist bei den Franzosen, Spaniern, Dänen, usw. nicht großartig anders, die sind genauso verrückt. Durchschnitt, wie gesagt.



Von Weitläufigkeit würde ich hier nicht reden, nur von der Akzeptanz und Adaption von Fremdwörtern und fremden Konzepten (bei Fremdsprachen sieht die Sache nämlich anders aus). Geht nirgendwo so schnell und problemlos wie in Japan. Es gibt sogar eine dedizierte Schrift für die Übertragung von Fremdwörtern ins Japanische, Katakana. Im Endeffekt sind nur etwa 30% des japanischen Vokabulars original japanisch, der Rest ist Chinesisch, Englisch, Portugiesisch, Holländisch, Deutsch, Französisch, usw. So wird beispielsweise derzeit 牛乳 (chinesisch) langsam durch ミルク (engrisch) verdrängt und keiner regt sich darüber auf. Verstanden wird beides, passt.


Gibt es denn in Japan auch sowas wie "Backshop" für Bäckerei, "Handy" für Telefon oder "Public Viewing" für 'ne Fussballübertragung auf 'nen Grossbildschirm, 'ne "Jogginghose", " Julia's Cafe" oder sowas?
Ich meine, es ist doch ein Unterschied, ob sich Sprache praktischerweise internationalisiert oder ob falsche Wortbedeutungen aus einer fremden Sprache zu einer "Geheimsprache" anstelle der eigenen Muttersprache zusammengebastelt werden ....
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Re: Offizielles "Wording"

Beitragvon Uffhausen » Do 4. Jul 2019, 13:54

NB3 hat geschrieben:(04 Jul 2019, 05:02)
Weil sie gebräuchlicher/bequemer sind, weil sie ein Konzept besser abbilden,...

...klingt nach fremdbestimmter Vorschrift, nicht nach natürlicher Entwicklung. :s

...weil sie mysteriös klingen, etc.

Viele Sprachen, bzw. Worte klingen mysteriös. "Mysteriös" z. B.! :D

Verglichen mit Japan sind sie extrem engstirnig.

Die japanische Landessprache ist also ungebräuchlicher/unbequemer, bildet Konzepte schlechter ab, klingt nicht mysteriös genug usw.? Ach so. Wissen das die Japaner schon oder erklärst du es ihnen noch? Am besten auf Englisch. :rolleyes:

...in einer Welt, in der jeder halbwegs gebildete Mensch Englisch spricht...

Also ist für dich jemand, der nicht der englischen Sprache mächtig ist, ungebildet? Aha. Schade, dass diese Menschen das nie erfahren werden, weil sie zu dumm dafür sind. :rolleyes:

Wozu soll das gut sein? Sadistische Ader und Spaß am Gängeln? Oder Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für gescheiterte Germanisten?

Ich habe doch geschrieben, dass dies bitte nicht rassistisch verstanden werden soll.

Was ist denn so schlimm an der deutschen Sprache, dass sie nicht gewahrt werden sollte?

Du argumentierst, dass das Verwenden von englischen statt deutscher Begriffe "gebräuchlicher/bequemer" sei, dass sie "ein Konzept besser abbilden" und dass sie "mysteriös klingen" - warum ist diese Entwicklung dann erst "so richtig" infolge des digitalen Zeitalters eingetreten - und nicht schon früher? Das Erlernen der englischen Sprache ist nicht erst seit dem es Youtube, Facebook & Co gibt in unserem allgemeinen Bildungssystem fest verankert.

Willst du die Typen, die jetzt Pornos und amerikanische Seifenopern mit Lachern vom Band synchronisieren, zur Sprachpolizei geadelt sehen?

Was hat Synchronisierung jetzt mit dem Thema zu tun?
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Re: Offizielles "Wording"

Beitragvon H2O » Do 4. Jul 2019, 14:32

Müssen wir ab nächsten Dienstag alle Englisch sprechen?" kann man ihnen als Titelbildschlagzeile verkaufen, nehmen sie gern mit, regen sie sich gern drüber auf, wollen sie mit Milliardenaufwand gesetzlich und behördlich reguliert und überwacht sehen.

Na ja, auf Flugreise nach Irgendwo geht es doch schon los! E-m-p-ö-r-e-n-d! "Sofort Deutsch sprechen, oder ich schieße!" habe ich aus einem Anekdotenbuch von Salcia Landmann gelernt. Da ging es um dem ersten israelisch-arabischen Krieg und um Soldaten, die sich auf Ivrit unterhielten. Das war dem armen Zuwanderer unheimlich!

Ich meine, daß wir Deutschen seit mindestens 50 Jahren so geringe Lebensängste aus zu stehen haben, daß wir solche Aufreger ganz einfach brauchen.
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Re: Offizielles "Wording"

Beitragvon Misterfritz » Do 4. Jul 2019, 19:49

Diese Bewahrer der deutschen Sprache sollten dann aber auch NIE an einer Frittenbude Pommes mit Mayo zu bestellen :D
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Re: Offizielles "Wording"

Beitragvon ThorsHamar » Do 4. Jul 2019, 20:07

NB3 hat geschrieben:(04 Jul 2019, 05:02)

...Willst du die Typen, die jetzt Pornos und amerikanische Seifenopern mit Lachern vom Band synchronisieren, zur Sprachpolizei geadelt sehen? ...


Nur mal als Tip nebenbei: Al Bundy und seine Familie wurden live auf der Bühne gespielt und teilweise sogar live im TV gesendet. Da man die Lacher des Publikums im Original natürlich nicht bei der Synchro übernehmen konnte, kamen die halt vom Band.
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Re: Offizielles "Wording"

Beitragvon imp » Mo 15. Jul 2019, 18:10

Viele Menschen können die deutsche Sprache nicht so gut anwenden und flüchten sich dann in eine Sprache, bei der Sprecher und Zuhörer gleichermaßen inkompetent sind. So ist auch der Alpenrap entstanden.
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Re: Offizielles "Wording"

Beitragvon Gen_Y » Mo 15. Jul 2019, 18:22

NB3 hat geschrieben:(04 Jul 2019, 11:10)

Haha, noch zu ertragen. Die Deutschen sind von sich selbst besessen. Auf neue Fremdwörter reagieren sie, wie man im Thread schön sieht, mit Überheblichkeit und/oder Existenzangst.


Sie sehen Gespenster. Natürlich unterliegt die deutsche Sprache dem Sprachwandel, sonst wäre sie schon längst ausgestorben.
Der Wortschatz unserer Sprache ist allerdings jetzt schon gigantisch, weshalb nicht jedes angelsächsische Modewort propagiert werden muss.

Menschen, die viel mit Anglizismen arbeiten, sind entweder nicht der deutschen Sprache mächtig oder Wichtigtuer.
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Re: Offizielles "Wording"

Beitragvon Julian » Mo 15. Jul 2019, 22:02

Die deutsche Modeschöpferin Jil Sander im Jahre 1996 im Magazin der FAZ:

"Ich habe vielleicht etwas Weltverbesserndes. Mein Leben ist eine giving-story. Ich habe verstanden, daß man contemporary sein muß, das future-Denken haben muß. Meine Idee war, die hand-tailored-Geschichte mit neuen Technologien zu verbinden. Und für den Erfolg war mein coordinated concept entscheidend, die Idee, daß man viele Teile einer collection miteinander combinen kann. Aber die audience hat das alles von Anfang an auch supported. Der problembewußte Mensch von heute kann diese Sachen, diese refined Qualitäten mit spirit eben auch appreciaten. Allerdings geht unser voice auch auf bestimmte Zielgruppen. Wer Ladyisches will, searcht nicht bei Jil Sander. Man muß Sinn haben für das effortless, das magic meines Stils."

https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-8907839.html

Die Deutschen haben einen Minderwertigkeitskomplex und wollen die Sprache der Sieger sprechen.
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Re: Offizielles "Wording"

Beitragvon Ewu » Fr 30. Aug 2019, 07:26

Das kommt dadurch, dass die (einflussreichen) Leute, die diese Anglizismen ins Deutsche einführen, fast perfekt zweisprachig sind und von daher seltenst mal in ein Wörterbuch schauen. Dann würden sie z.B. feststellen, dass WORDING unser 'Wortlaut' oder 'Wortwahl' ist. So kommt es auch zu dem Anglizismus EYECATCHER, der für Engländer nichts anderes als ein (ganz altmodischer) Blickfang ist! Aber dass EYE = BLICK ist, das kommt einem erst auf den zweiten Blick in den Sinn natürlich!
Zuletzt geändert von Ewu am Fr 30. Aug 2019, 07:33, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Offizielles "Wording"

Beitragvon Ewu » Fr 30. Aug 2019, 07:31

"Ich habe vielleicht etwas Weltverbesserndes. Mein Leben ist eine giving-story. Ich habe verstanden, daß man contemporary sein muß, das future-Denken haben muß. Meine Idee war, die hand-tailored-Geschichte mit neuen Technologien zu verbinden. Und für den Erfolg war mein coordinated concept entscheidend, die Idee, daß man viele Teile einer collection miteinander combinen kann. Aber die audience hat das alles von Anfang an auch supported. Der problembewußte Mensch von heute kann diese Sachen, diese refined Qualitäten mit spirit eben auch appreciaten. Allerdings geht unser voice auch auf bestimmte Zielgruppen. Wer Ladyisches will, searcht nicht bei Jil Sander. Man muß Sinn haben für das effortless, das magic meines Stils."

Das ist eben das, was ich meine: Jil Sander ist zwar perfekt zweisprachig, aber die genauen Übersetzungen für die Jet-Set-Fachausdrücke sind ihr auf die schnelle jedenfalls mal nicht geläufig! Das ist ein Phänomen, was auch bei Gastarbeitern eigentlich immer auftritt, dass die Sprachen gemischt werden, einfach weil man im Moment des Gesprächs nicht groß rumüberlegen kann, wie das jetzt in der anderen Sprache heißt! Das ist kein böser Wille!
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Re: Offizielles "Wording"

Beitragvon DarkLightbringer » Fr 30. Aug 2019, 08:21

Julian hat geschrieben:(15 Jul 2019, 22:02)

Die deutsche Modeschöpferin Jil Sander im Jahre 1996 im Magazin der FAZ:


https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-8907839.html

Die Deutschen haben einen Minderwertigkeitskomplex und wollen die Sprache der Sieger sprechen.

Der "Sieger" Karl Lagerfeld sprach hingegen sehr gutes deutsch.
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Re: Offizielles "Wording"

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 30. Aug 2019, 09:14

Julian hat geschrieben:(15 Jul 2019, 22:02)

Die deutsche Modeschöpferin Jil Sander im Jahre 1996 im Magazin der FAZ:


https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-8907839.html

Die Deutschen haben einen Minderwertigkeitskomplex und wollen die Sprache der Sieger sprechen.


Ja. 1996. Mit MInderwertigkeitskomplex hat das nix zu tun. 1996 war die Blütezeit dieses T-Aktien-Fiebers. Daimler-Benz-Chef Reuter träumte vom "internationalen integrierten Technologiekonzern". Bahnchef Mehrdorn wollte (etwas später) aus der Eisenbahn ein "international aufgestelltes Logistikunternehmen" machen. Die Deutsche Bank wollte ein globaler Großinvestor werden. Könnte es sein, dass du "Minderwertigkeitskomplex" mit "Selbstüberschätzung" verwechselst?
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Re: Offizielles "Wording"

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 30. Aug 2019, 09:24

So. Und wir haben inzwischen 2019. In einem neuen sehr großen Riesen-Monster-Shopping-Center, äh "Kaufpark" am Rande von Berlin stehen lauter pseudoaltberliner Sprüche wie "kieken" und "koofen". Da soll irgendeine Art von Kiezgemütlichkeit die Laune und die Kauffreudigkeit heben. Ich habe das mit sehr gemischten Gefühlen zur Kenntnis genommen. Es ist natürlich einfach nur ein Marketing-Konzept. Aber man rechnet sich freilich Zustimmung aus. Berlin hat in den letzten 30 Jahren konsequent etwas vermieden, was eigentlich gar nicht so unwahrscheinlich war: DIe Selbststilisierung zum Zille-Milljöh mit Bockwurst und Leierkasten. Das kosmopolitische Klima der 20er Jahre war zum Glück wesentlich prägender für die STadtentwicklung. Ich hoffe nicht, dass da jetzt nochmak eine späte Kehrt-Wende folgt.
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Re: Offizielles "Wording"

Beitragvon Ewu » Sa 31. Aug 2019, 09:40

DarkLightbringer hat geschrieben:(30 Aug 2019, 08:21)

Der "Sieger" Karl Lagerfeld sprach hingegen sehr gutes deutsch.


Der hat doch auch ständig von seinen "créations" und von "prêt-à-porter" gesprochen.
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Re: Offizielles "Wording"

Beitragvon Ewu » Sa 31. Aug 2019, 09:45

schokoschendrezki hat geschrieben:(30 Aug 2019, 09:24)

So. Und wir haben inzwischen 2019. In einem neuen sehr großen Riesen-Monster-Shopping-Center, äh "Kaufpark" am Rande von Berlin stehen lauter pseudoaltberliner Sprüche wie "kieken" und "koofen". Da soll irgendeine Art von Kiezgemütlichkeit die Laune und die Kauffreudigkeit heben. Ich habe das mit sehr gemischten Gefühlen zur Kenntnis genommen. Es ist natürlich einfach nur ein Marketing-Konzept. Aber man rechnet sich freilich Zustimmung aus. Berlin hat in den letzten 30 Jahren konsequent etwas vermieden, was eigentlich gar nicht so unwahrscheinlich war: DIe Selbststilisierung zum Zille-Milljöh mit Bockwurst und Leierkasten. Das kosmopolitische Klima der 20er Jahre war zum Glück wesentlich prägender für die STadtentwicklung. Ich hoffe nicht, dass da jetzt nochmak eine späte Kehrt-Wende folgt.


Ist schon erstaunlich, wie man mit Sprache Gefühle induzieren und eine Pseudorealität aufbauen kann! Wo gekiekt und gekooft wird, da fühlt man sich gleich in det alte Barlin versetzt, wa? Und wer seine crazy donuzz vertilgt, kommt sich sicher schon als halber Ami vor. Dazu noch ein bisschen US-Feeling und entsprechende Deko und endlich kann man mal ein bisschen aus dem tristen deutschen Alltag entfliehen!
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Re: Offizielles "Wording"

Beitragvon DarkLightbringer » Sa 31. Aug 2019, 10:47

Ewu hat geschrieben:(31 Aug 2019, 09:40)

Der hat doch auch ständig von seinen "créations" und von "prêt-à-porter" gesprochen.

...klingt französisch.
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Re: Offizielles "Wording"

Beitragvon odiug » Sa 31. Aug 2019, 11:07

Ich finde das ja schon positiv erwähnenswert, dass wording wenigstens korrekt geschrieben wurde, auch wenn die Großschreibung natürlich problematisch ist.
Ich kenne business Typen, die "gewordet" geschrieben hätten :D
In einem Interview mit nTV meinte mal so eine Leuchte des buisness englisch: "wie wir in unsrem Geschäftsbericht announced haben ... " :D
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Aber wir sind edel und gut, gerecht und unbestechlich und sorgen uns innig um das Wohlergehen unsrer Foristen.
Ich habe nun eine deutsche Tastatur ... äöüß :cool:

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