Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

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Förderung: A ein Jahr vor Einschulung, B bei Einschulung, C bei mangelh. Sprachkenntnis 1J danach?

A: Freiwillige Sprachförderung
2
6%
A: Verpflichtende Sprachförderung
6
19%
B: Einschulung und freiwillige Sprachförderung
0
Keine Stimmen
B: Einschulung und verpflichtende Sprachförderung
9
28%
B: Keine Einschulung und verpflichtende Sprachförderung (ein Schuljahr)
4
13%
C: (Einschulung und) freiwillige Sprachförderung
0
Keine Stimmen
C: (Einschulung und) verpflichtende Sprachförderung
4
13%
C: Verpflichtende Sprachförderung und Einschulung erst mit ausreichender Sprachkenntnis
7
22%
 
Abstimmungen insgesamt: 32
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Skeptiker
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Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon Skeptiker » Di 6. Aug 2019, 17:26

Das Thema kommt gerade in den Medien hoch, weil der CDU-Politiker Linnemann diesbezüglich einen Vorschlag gemacht hat.

Hier ein eher PRO Artikel in der Welt:
Lehrervertreter unterstützen den Vorstoß des CDU-Politikers, Kinder mit Sprachdefiziten in Vorschulklassen vorzubereiten
  • Susanne Lin-Klitzing, Vorsitzende des Philologenverbandes, ist für eine Einschulung dieser Kinder in Vorklassen.
  • Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Lehrerverbandes, plädiert für ein „verpflichtendes Kita-Jahr“.
Der Schulbesuch ist ebenso eine Pflicht wie ein Recht von Kindern. Deshalb ist die Aufregung darüber jetzt wohl auch so groß, dass der CDU-Politiker Carsten Linnemann gefordert hat, Kinder ohne ausreichende Deutschkenntnis erst mal nicht zu beschulen. Der Begriff „Grundschulverbot“ macht die Runde – als wollte Linnemann, der sich sonst eigentlich mit Mittelstandspolitik beschäftigt, Kinder von der Schule ausschließen, damit die übrigen dadurch keine Nachteile erfahren.

https://www.welt.de/politik/deutschland ... recht.html

Hier ein eher KONTRA Artikel im Spiegel:
Konkret sagte der CDU-Politiker, dass es nicht reiche, nur Sprachstandserhebungen bei Vierjährigen durchzuführen. Es müssten auch Konsequenzen gezogen werden. "Um es auf den Punkt zu bringen: Ein Kind, das kaum Deutsch spricht und versteht, hat auf einer Grundschule noch nichts zu suchen. Hier muss eine Vorschulpflicht greifen, notfalls muss seine Einschulung auch zurückgestellt werden", sagte Linnemann.

In der Politik regt sich gegen diese Forderung heftiger Widerstand. Kritik üben auch jene, die ihre Schullaufbahn selbst ohne Deutschkenntnisse begannen - sie wollen damit ein klares Zeichen gegen Linnemann setzen.

Unter den Hashtags #Grundschulverbot, #Linnemann und #NieWiederCDU sammeln Nutzer ihre Geschichten - um zu zeigen, dass auch Kinder erfolgreich die Schule abschließen können, die ohne die deutsche Sprache aufwachsen.

https://www.spiegel.de/lebenundlernen/s ... 80648.html

Wie steht die werte Userschaft zu dem Vorschlag?

Edit: Ich habe eine Umfrage hinzugefügt
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imp
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Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon imp » Di 6. Aug 2019, 17:37

Skeptiker hat geschrieben:(06 Aug 2019, 17:26)

Das Thema kommt gerade in den Medien hoch, weil der CDU-Politiker Linnemann diesbezüglich einen Vorschlag gemacht hat.

Hier ein eher PRO Artikel in der Welt:

https://www.welt.de/politik/deutschland ... recht.html

Hier ein eher KONTRA Artikel im Spiegel:

https://www.spiegel.de/lebenundlernen/s ... 80648.html

Wie steht die werte Userschaft zu dem Vorschlag?

Der Mann ist ein Idiot. Es gilt die Schulpflicht. Es gibt genug Menschen, die etwa als Jugendliche nach Deutschland kamen ohne große Sprachkenntnis und nachher an der Schule den Anschluss schafften, Karriere machten und angesehene Leute sind. Es gibt auch muttersprachliche Totalausfälle. Die Folgeprobleme, wenn Kinder aus Zuwanderfamilien "häufiger" schon größer und kräftiger sind (7-8 Jahre vs 6-7) sind dann die vorgesehenen nächsten Aufreger. Sinnvoller wäre, Kinder mit Sprachproblemen in freiwilligen Angeboten vorher (Kita) und begleitend (daf-Kurs) herauszufordern statt sie auf die lange Bank zu schieben.
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Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon JJazzGold » Di 6. Aug 2019, 18:15

imp hat geschrieben:(06 Aug 2019, 17:37)

Der Mann ist ein Idiot. Es gilt die Schulpflicht. Es gibt genug Menschen, die etwa als Jugendliche nach Deutschland kamen ohne große Sprachkenntnis und nachher an der Schule den Anschluss schafften, Karriere machten und angesehene Leute sind. Es gibt auch muttersprachliche Totalausfälle. Die Folgeprobleme, wenn Kinder aus Zuwanderfamilien "häufiger" schon größer und kräftiger sind (7-8 Jahre vs 6-7) sind dann die vorgesehenen nächsten Aufreger. Sinnvoller wäre, Kinder mit Sprachproblemen in freiwilligen Angeboten vorher (Kita) und begleitend (daf-Kurs) herauszufordern statt sie auf die lange Bank zu schieben.


Weshalb ist jemand ein Idiot, der empfiehlt, Sechsjährige ohne ausreichende deutsche Sprachkenntnisse, ein Jahr zurück zu stellen und sie erst mit sieben Jahren und erweiterten Deutschkenntnissen mit der Grundschule starten zu lassen? Mir scheint das dem Kind gegenüber fairer zu sein, als es ohne Kenntnisse der deutschen Sprache zwei Lernprozessen gleichzeitig auszusetzen.
Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.
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Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon Tom Bombadil » Di 6. Aug 2019, 18:16

"Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?"
Antwort: Nachhilfe geben.
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Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon VaterMutterKind » Di 6. Aug 2019, 18:20

Kinder müssen in die Schule. Und sie lernen kein Deutsch, wenn sie mit lauter anderen Kindern in einer Vorschulklasse sind, die ebenfalls kein Deutsch können.

Auf der andere Seite sind Grundschulklassen mit 90% schlecht oder gar nicht deutsch sprechenden Kinder natürlich ein Problem.

Eine Lösung kenne ich nicht. Ausser Kindergartenpflicht vielleicht.

Ich bin nur froh, dass ich das Problem nicht habe bzw. meine Kinder das Problem nicht haben. In deren Klassen können alle Deutsch. Auf der ganzen Schule gibt es niemanden, der kein Deutsch kann.
Zuletzt geändert von VaterMutterKind am Di 6. Aug 2019, 18:23, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon jack000 » Di 6. Aug 2019, 18:21

JJazzGold hat geschrieben:(06 Aug 2019, 18:15)

Weshalb ist jemand ein Idiot, der empfiehlt, Sechsjährige ohne ausreichende deutsche Sprachkenntnisse, ein Jahr zurück zu stellen und sie erst mit sieben Jahren und erweiterten Deutschkenntnissen mit der Grundschule starten zu lassen? Mir scheint das dem Kind gegenüber fairer zu sein, als es ohne Kenntnisse der deutschen Sprache zwei Lernprozessen gleichzeitig auszusetzen.

So sehe ich das auch. Es besteht nämlich durch die Doppelbelastung die Gefahr, dass dann beides scheitert.
=> Dann doch lieber in einer Reihenfolge, bzw. man kann ja früher ansetzen um Kenntnisse der deutschen Sprache zu vermitteln.
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Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon jack000 » Di 6. Aug 2019, 18:22

VaterMutterKind hat geschrieben:(06 Aug 2019, 18:20)

Kinder müssen in die Schule. Und sie lernen kein Deutsch, wenn sie mit lauter anderen Kinder in einer Klasse sind, die ebenfalls kein Deutsch können.

Wenn du einen Sprachkurs machst, sitzt du doch auch mit anderen Leuten in einem Raum die die zu erlernende Sprache nicht können. Der Unterschied ist allerdings, dass die Kids dann keine gemeinsame Sprache haben, sondern unterschiedliche Sprachen sprechen.
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Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon JJazzGold » Di 6. Aug 2019, 18:27

jack000 hat geschrieben:(06 Aug 2019, 18:21)

So sehe ich das auch. Es besteht nämlich durch die Doppelbelastung die Gefahr, dass dann beides scheitert.
=> Dann doch lieber in einer Reihenfolge, bzw. man kann ja früher ansetzen um Kenntnisse der deutschen Sprache zu vermitteln.


Richtig, dass bereits früher angesetzt wird, empfiehlt er ja auch mit seiner “Vorschulpflicht“.

Für absurd halte ich die im Spiegel gelisteten “Erfolgsbespiele“, die gemessen an der Gesamtbevölkerung im Promillebereich liegen dürften. Als ob jedes Kind in der Lage wäre, ein Überflieger zu sein.
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Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon becksham » Di 6. Aug 2019, 18:46

JJazzGold hat geschrieben:(06 Aug 2019, 18:15)

Weshalb ist jemand ein Idiot, der empfiehlt, Sechsjährige ohne ausreichende deutsche Sprachkenntnisse, ein Jahr zurück zu stellen und sie erst mit sieben Jahren und erweiterten Deutschkenntnissen mit der Grundschule starten zu lassen? Mir scheint das dem Kind gegenüber fairer zu sein, als es ohne Kenntnisse der deutschen Sprache zwei Lernprozessen gleichzeitig auszusetzen.

Ich kann mir das auch vorstellen, dass es eine verpflichtende Vorschule mit intensivem Lernen der Sprache gibt. Spätestens mit 7 sollten sie dann aber eingeschult werden, da sie sonst wesentlich älter als ihre Mitschüler sind und vermutlich nicht richtig in der Gemeinschaft ankommen. In dem Punkt hat imp nicht unrecht.
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Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon John Galt » Di 6. Aug 2019, 18:48

Tom Bombadil hat geschrieben:(06 Aug 2019, 18:16)

"Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?"
Antwort: Nachhilfe geben.


Einige Kinder könnten auch Nachhilfe in Mathe gebrauchen, aber die haben wohl in diesem Land den falschen Ausweis.

Wie wäre es, wenn man zuerst den Aufenthaltsstatus checkt.

Dazu auch:
https://www.spiegel.de/lebenundlernen/s ... 60431.html
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Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon Selina » Di 6. Aug 2019, 18:53

becksham hat geschrieben:(06 Aug 2019, 18:46)

Ich kann mir das auch vorstellen, dass es eine verpflichtende Vorschule mit intensivem Lernen der Sprache gibt. Spätestens mit 7 sollten sie dann aber eingeschult werden, da sie sonst wesentlich älter als ihre Mitschüler sind und vermutlich nicht richtig in der Gemeinschaft ankommen. In dem Punkt hat imp nicht unrecht.


Genau. Zumal ja nicht einmal erwachsene Germanen die deutsche Sprache richtig beherrschen. Witzig wirds dann, wenn Leute von morgens bis abends erklären, wie wichtig es angeblich sei, die "deutsche Identität" und "das Eigene" nicht durch "das Fremde" zerstören oder "unterwandern" zu lassen. Aber sie selbst schreiben nicht einmal einen einzigen fehlerlosen deutschen Satz :D
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Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon Skeptiker » Di 6. Aug 2019, 18:58

Die Diskussion in den Medien scheint schon eine Wende zu nehmen. Nach anfänglich kritischen Stimmen, scheibt nun sogar der Stern:
Aber nicht Linnemanns Äußerung ist der Skandal – sondern der Umgang damit. Die wenigsten dürften das Interview, in dem der Politiker sich geäußert hat, in Gänze gelesen haben. Ahnungslos empört es sich ja auch leichter. Die verfasste die Überschrift: "CDU-Politiker: Grundschulverbot für Kinder, die kein Deutsch können." Dabei hatte Linnemann gar kein Grundschulverbot gefordert. Trotzdem übernahmen mehrere Medien diese Formulierung.
[…]
Auf Nachfrage der Journalisten, was man dann tun könne, antwortet Linnemann: "Es reicht nicht nur, Sprachstandserhebungen bei Vierjährigen durchzuführen, sondern es müssen auch Konsequenzen gezogen werden. Um es auf den Punkt zu bringen: Ein Kind, das kaum deutsch spricht und versteht, hat auf einer Grundschule noch nichts zu suchen. Hier muss eine Vorschulpflicht greifen, notfalls muss seine Einschulung auch zurückgestellt werden. Das kostet Geld, aber fehlende Integration und unzureichende Bildung sind am Ende viel teurer."
[…]
Eltern, die ihre Kinder ohne ausreichende Kenntnisse der Landessprache auf eine Grundschule schicken, versündigen sich an der Zukunft ihres Nachwuchses und schaden der Allgemeinheit. Dabei ist es völlig egal, ob es sich dabei um Zuwanderer-Familien oder deutsche Hartz-IV-Haushalte handelt.
Diesen Eltern muss klar gemacht werden, dass sie ...
... den Lehrern ein fast unlösbares Problem vor die Tür kippen.
... ihren eigenen Kindern schaden, weil diese vom ersten Schultag an zu den Bildungsverlierern gehören und dies auch in demütigender Weise erfahren werden.
... die Hartz-IV-Empfänger von morgen produzieren.
... die Zukunftschancen von Kindern, die Deutsch können und nun auf der Schule Lesen, Schreiben und Rechnen lernen wollen, verbauen, weil monatelang, vielleicht gar jahrelang, auf die Sprach-"Nachzügler" im Unterricht gewartet werden muss.
... die Keimzelle für die Entstehung neuer Parallelgesellschaften legen.
... die ohnehin schon vorhandene Benachteiligung von Kindern aus sozial schwachen Familien verschärfen, weil deren Eltern anders als Wohlhabende nicht auf teure Privatschulen "ausweichen" können, wo (fast) alle Deutsch können
... die soziale Spaltung vertiefen, weil alle, die es können, ihre Kinder von solchen Schulen abziehen, so dass Schüler mit unzureichenden Sprachkenntnissen weitgehend unter sich bleiben.

https://www.stern.de/politik/deutschlan ... 35860.html

Werden nun also auch Konsequenzen aus Sprachtests gezogen werden? Letztendlich geht es ja darum, ob das zu mehr oder weniger verpflichtenden Sprachschulungen noch vor Schulantritt führen würde. Lässt sich das durchsetzen, oder was wäre dem zu entgegnen?
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Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon JJazzGold » Di 6. Aug 2019, 18:59

becksham hat geschrieben:(06 Aug 2019, 18:46)

Ich kann mir das auch vorstellen, dass es eine verpflichtende Vorschule mit intensivem Lernen der Sprache gibt. Spätestens mit 7 sollten sie dann aber eingeschult werden, da sie sonst wesentlich älter als ihre Mitschüler sind und vermutlich nicht richtig in der Gemeinschaft ankommen. In dem Punkt hat imp nicht unrecht.


Beckham, die in Gang gesetzte Hysterie beruht doch wieder einmal nur auf einer, inzwischen korrigierten, Schlagzeile der dpa, die andere Zeitungen übernommen haben. Es hätte ebenso gut die BILD sein können. Von Grundschulverbot war nie die Rede. Das ließe sich doch gar nicht durchsetzen, siehe Schulpflicht.

Es kann sich also nur um die erste Klasse handeln und da bin ich der Meinung, dass man einem Erstklässler nichts Gutes tut, wenn man ihn ohne Sprachkenntnisse dem Dilemma aussetzt, zeitgleich eine unbekannte Sprache und den Lernstoff bewältigen zu müssen. Inwieweit so ein fröhliches Miteinander zustande kommt, halte ich für fraglich.

Ich kann mir auch schwer vorstellen, dass Begeisterung für Schule und Lernen bei den meisten Kindern aufkommt, die neben der Gewöhnung an Schule und Lernen gezwungen sind täglich zusätzlich ein Nachhilfepensum bewältigen zu müssen, während die anderen Kinder draussen spielen.

Dann doch lieber ein Jahr später und in dem vorherigen Jahr nur vorbereitenden Deutschunterricht.
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Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon Nightrain » Di 6. Aug 2019, 19:02

Wir reden von Kindern, die dem Unterricht aufgrund massiver Sprachmängel gar nicht folgen können. Ich halte es für verständlich, dass man solche Kinder nicht in die Regelklasse reinstopft, weil (zumindest hier in Bayern) dann schon in der ersten Klasse sitzengeblieben wird, wenn die Mindestanforderungen für die zweite Klasse nicht erfüllt werden.

Wir brauchen also ein Konzept, das einerseits sehr begabten Migranten die Möglichkeit gibt die Grundschule ohne Wiederholungen zu schaffen und andererseits den Durchschnitt einerseits nicht komplett aus der Klasse nimmt aber andererseits den Unterrichtsplan stark zu Deutschunterricht abwandelt. Letztere würden dann 2x die erste Klasse machen, um den kompletten Schulstoff abzudecken.

JJazzGold hat geschrieben:(06 Aug 2019, 18:59)
Schlagzeile der dpa


dpa Meldungen fallen mir immer häufiger negativ auf. Schlecht recherchiert, im Details oft falsch/missverständlich, manchmal sogar offen tendenziös. Da könnte man manchmal ja echt schon BILD-Schlagzeilen als Referenzmeldung benutzen...
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Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon Selina » Di 6. Aug 2019, 19:07

Vorschule, wie becksham sagt, finde ich besser. Das ist quasi das letzte Kita-Jahr. Einige Kommunen machen das meines Erachtens auch schon so, glaube ich. Gabs auch damals in der DDR. In der Vorschule lernen die Kinder noch im Kindergarten einfachstes spielerisches Rechnen und Lesen. Und heute wäre es dann eben vor allem auch die deutsche Sprache, die diese Kinder in der Vorschule, sprich Kita, lernen. Dann könnten sie pünktlich eingeschult werden. Und wenn nicht in der Kita, dann in speziellen Vorschuleinrichtungen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Vorschule
Zuletzt geändert von Selina am Di 6. Aug 2019, 19:12, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon becksham » Di 6. Aug 2019, 19:08

JJazzGold hat geschrieben:(06 Aug 2019, 18:59)

...

Dann doch lieber ein Jahr später und in dem vorherigen Jahr nur vorbereitenden Deutschunterricht.

Ja, oder meinetwegen auch das letzte Kitajahr als Vorschuljahr nutzen.
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Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon Skeptiker » Di 6. Aug 2019, 19:10

John Galt hat geschrieben:(06 Aug 2019, 18:48)

Einige Kinder könnten auch Nachhilfe in Mathe gebrauchen, aber die haben wohl in diesem Land den falschen Ausweis.

Wie wäre es, wenn man zuerst den Aufenthaltsstatus checkt.

Dazu auch:
https://www.spiegel.de/lebenundlernen/s ... 60431.html

In diesem Strang wird ausschließlich um die von der sprachlichen Qualifikation betroffenen Aspekte gehen. Dieses ist kein Flüchtingsstrang. Das Thema "Flüchtling" hat hier ausschließlich im Sinne des Strangthemas Platz. Dieses bitte ich zu beachten. Danke
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Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon JJazzGold » Di 6. Aug 2019, 19:13

becksham hat geschrieben:(06 Aug 2019, 19:08)

Ja, oder meinetwegen auch das letzte Kitajahr als Vorschuljahr nutzen.


Z.B., das halte ich für eine gute Idee, die auch dem kleinen Sepp aus Niederbayern, oder den kleinen Adrian aus Rheinland-Pfalz, die für die Lehrkraft nur unverständlichen Dialekt sprechen, zugute kommt.
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Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon Selina » Di 6. Aug 2019, 19:15

becksham hat geschrieben:(06 Aug 2019, 19:08)

Ja, oder meinetwegen auch das letzte Kitajahr als Vorschuljahr nutzen.


Genau. Wie ich es zeitgleich oben drüber auch gerade schrieb ;) Fand ich damals schon eine gelungene Sache. Gibt es auch in anderen Ländern, zum Beispiel in Großbritannien.
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Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon Nightrain » Di 6. Aug 2019, 19:16

Und im Grund hat Linnemann nichts anderes gesagt, als in BaWü und Bayern schon heute üblich ist:

"Eine Grundschulförderklasse ist eine lediglich in Baden-Württemberg bestehende schulische Einrichtung, die schulpflichtige, aber vom Schulbesuch zurückgestellte Kinder in einem Jahr zur Schulfähigkeit führen soll.[1] Grundschulförderklassen sind an Grundschulen angegliedert"

"In Bayern erhalten Kinder, deren Eltern beide nicht deutschsprachiger Herkunft sind und denen durch Sprachstandserhebung unzureichende Deutschkenntnisse bescheinigt werden, eine 240 Stunden dauernde spezielle Deutschförderung, den sogenannten Vorkurs. Die Vorkurse finden über einen Zeitraum von insgesamt eineinhalb Jahren statt. Verpflichtend sind sie für schulpflichtige Kinder ausländischer Herkunft ohne ausreichende Deutschkenntnisse, die von der Einschulung zurückgestellt werden."

Ansonsten ist das letzte Kindergartenjahr in Bayern grundsätzlich auch "Vorschule". Bis zur Einschuldung können die Kinder eigentlich problemlos im Zahlenraum bis 10 rechnen und auch schon etwas schreiben.
(wikipedia)
"Gleiches gilt in Deutschland für AfD und Pegida. Der gewalttätige Antisemitismus kommt heute nicht von rechts, auch wenn die irreführenden Statistiken etwas anderes sagen." (Michael Wolffsohn)

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