Wie werden wir in 25 Jahren leben?

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3x schwarzer Kater
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Re: Wie werden wir in 25 Jahren leben?

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mi 31. Jul 2019, 10:41

Papaloooo hat geschrieben:(31 Jul 2019, 06:11)

- Polarisiering, durch Filterblasen



In welcher sitzt du?
„Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.“ (Karl Valentin)
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odiug
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Re: Wie werden wir in 25 Jahren leben?

Beitragvon odiug » Mi 31. Jul 2019, 10:53

Hier ist erst einmal zu.
Moderatoren sind die Herren des Forums :x
Aber wir sind edel und gut, gerecht und unbestechlich und sorgen uns innig um das Wohlergehen unsrer Foristen.
Ich habe nun eine deutsche Tastatur ... äöüß :cool:
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unity in diversity
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Re: Wie werden wir in 25 Jahren leben?

Beitragvon unity in diversity » Sa 3. Aug 2019, 03:15

Quatschki hat geschrieben:(31 Jul 2019, 08:49)

Was zum Beispiel in 25 Jahren immer noch gelten wird, ist der Energieerhaltungssatz.

Das ist richtig.
Um eine Masse zu beschleunigen, braucht man Energie.
Wenn die "Marschgeschwindigkeit" erreicht ist, braucht man nur noch Energie, um die Reibungsverluste auszugleichen, damit das Tempo gehalten wird. Da gibt es in 25 Jahren bestimmt Möglichkeiten.
Der Treibstoff könnte eine höhere Energiedichte haben, ob man dazu noch Benzin sagt, wer weiß.
Die Innovationsgeschwindigkeit wird in modernen Gesellschaften beschleunigt weiter wachsen...
Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze:
Den Falschen und den Unsrigen.
Aus den USA.
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Papaloooo
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Re: Wie werden wir in 25 Jahren leben?

Beitragvon Papaloooo » Sa 3. Aug 2019, 09:23

Ich möchte trotzdem nochmals sagen, dass es im Wesentlichen davon abhängt, dass auf der Erde möglichst vielen Menschen eine echte Perspektive geboten wird

Ein "uns geht es immer besser" halte ich einfach für ein Argument, dass daneben ist.
Ewige Abschottung und dennoch leben auf Kosten anderer funktioniert so einfach nicht mehr, das sieht man jetzt bereits.

Und nun gibt es eben wieder zwei gegenläufige Möglichkeiten (und viele dazwischen):

Entweder die Versorgung in armen Ländern wird verbessert, oder die Flüchtlingsströme verstärken sich um ein Vielfaches.

Man muss weder ein Schwarzmaler noch ein Prophet sein:

Werden die Flüchtlingsströme stärker, stärkt das auch die Rechten, die Ultrarechten und die rechten Untergrundorganisationen.

Man stelle sich Mal ein paar Brevics und Attentäter von Christchurch vor mit noch wesentlich fortschrittlicheren bewaffneten Minidrohnen.

Wollen wir in eine solche Welt steuern?

Falls nein, dann müssen wir die Entwicklungshilfe fördern und globaler in unserem Handeln werden.
Das ist Kapitalismus:
Man kauft Dinge, die man nicht braucht von Geld, das man nicht hat, um Leute zu beeindrucken, die man nicht leiden kann.

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Re: Wie werden wir in 25 Jahren leben?

Beitragvon Quatschki » Sa 3. Aug 2019, 11:28

unity in diversity hat geschrieben:(03 Aug 2019, 03:15)

Das ist richtig.
Um eine Masse zu beschleunigen, braucht man Energie.
Wenn die "Marschgeschwindigkeit" erreicht ist, braucht man nur noch Energie, um die Reibungsverluste auszugleichen, damit das Tempo gehalten wird. Da gibt es in 25 Jahren bestimmt Möglichkeiten.
Der Treibstoff könnte eine höhere Energiedichte haben, ob man dazu noch Benzin sagt, wer weiß.
Die Innovationsgeschwindigkeit wird in modernen Gesellschaften beschleunigt weiter wachsen...

Wenn deine Weltreise darin besteht, in einer Vakuumröhre von Hauptstadt zu Hauptstadt geschossen zu werden, dann könnte es passen. Aber nicht in 25 Jahren.
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Re: Wie werden wir in 25 Jahren leben?

Beitragvon Atue001 » Mi 7. Aug 2019, 00:05

1994 war ich bereits im Arbeitsleben. Wenn ich da 25 Jahre in die Zukunft geschaut habe, dann war vieles absehbar, was heute real da ist. Das Smartphone war von Raumschiff Enterprise schon vorgedacht, und der Zusammenbruch der Ostwirtschaft schon erkennbar - mit langen Aufholprozessen danach. 1994 habe ich den Euro schon fest vorhergesagt, und vieles was wir heute kennen, war damals auch schon klar.

So gesehen ist 2044 auch nicht mehr weit......

Politisch erwarte ich, dass die Tendenz zu weltweiten Spannungen anhalten und sogar noch zunehmen wird. Der Druck durch das weitere Bevölkerungswachstum, durch zunehmende Klimaveränderungen, durch Migrationsströme, durch lokale Konflikte etc. etc. wird zunehmen. Das auch, weil allen voran China eine immer wichtigere Rolle in der Welt einnimmt, während parallel dazu die USA an Kraft verliert, als weltweite Ordnungsmacht Polizei für alle zu spielen. Die Rolle Indiens in 25 Jahren sollte man auch nicht unterschätzen - 1994 war China noch selten in den Medien, heute fast täglich! 2019 ist Indien noch selten in den Medien - ich gehe davon aus, dass Indien ein weiterer großer Player werden wird!

Eine Gegenreaktion wird sein, dass einige Staaten deutlich autoritäter regiert werden, als wir das heute schon kennen.
In Europa erwarte ich, dass es die EU noch immer gibt, und auch der Euro wird Bestand haben. Weniger deshalb, weil alle das gut finden, als vor allem deshalb, weil es einfach keine bessere Alternative gibt.
Aufgrund der Flüchtlingsströme und dem Rückzug der USA von der Weltbühne wird man sich mit in der EU auf eine gemeinsame Verteidigungspolitik und Grenzsicherungspolitik einigen. Die wird menschenrechtlich kein Ruhmesblatt werden - aber ganz real helfen, den Wohlstand in der EU relativ zum Rest der Welt halbwegs zu halten.

Das Klima wird ein Thema sein - aber anders als heute. Der Umstieg auf regenerative Energien wird europaweit deutlich weiter sein als heute - es wird auch klare Konzepte geben, wie man den Rest noch schafft. Wir werden das Klimaabkommen von Paris in jedem Fall nicht erreichen, die Decarbonisierung wird aber auch wirtschaftlich dann schon günstiger sein, als ein "weiter so wie bisher".
Der Verkehr wird weitgehend elektrisch organisiert - wobei die Rolle des Wasserstoffs einen wichtigen Part dabei übernehmen kann. Dann allerdings eher mit der Brennstoffzelle denn mit dem Verbrennungsmotor.

Beim Klima wird es darum gehen, wie man mit den immer häufiger auftretenden Extremwetterlagen umgeht. Häuser werden auch in Deutschland zunehmend weiß aussehen. Dachflächen werden entweder weiß sein, oder begrünt, oder konsequent mit Solarzellen gepflastert.
Bei der Finanzierung der finanziellen Folgen von Klimaphänomenen wird die gesellschaftliche Diskussion darüber geführt, wie viel über private Absicherung über Versicherungen passieren soll, und was man gesellschaftlich über Steuern finanzieren möchte.
Wichtige anstehende Projekte beschäftigen sich mit dem Küstenschutz, mit dem Umgang von Dürreperioden und mit der Frage, wie man Starkregen ohne Überschwemmungen in städtischen Kanalisationen beherrschbar machen kann.

Ein großes Thema heute wie auch in 25 Jahren wird das Thema der Demographie sein. Meine Hoffnung wäre, dass wir dann schon im Bereich des Sozialstaates bei BGE-Gesellschaften wären - allerdings glaube ich, dass der reale Umstieg in Richtung BGE-Gesellschaft eher noch 50 Jahre dauern wird.

Die scheinbar großen Player des Internets (google, Microsoft, Amazon, Facebook....) wird es noch immer geben, aber ihre Bedeutung wird eher abnehmen. Dies liegt zum einen daran, dass es starke vergleichbare Unternehmen aus China und Indien gibt, die mächtig Konkurrenz machen. Zum anderen aber auch daran, dass man die internationale Steuerpolitik verändert hat, und das Steuerprinzip dahingehend verändert wurde, dass die Gewinne eines Landes in diesem Land auch zu versteuern sind.

KI wird auch in 25 Jahren der große Hoffnungsträger sein - die Anzahl erfolgreicher Geschäftsmodelle auf dieser Basis bleibt aber überschaubar.


Sharing wird immer populärer und zieht sich durch immer mehr Bereiche des Lebens. Man kauft kein Auto mehr - man mietet temporär eines, wenn man es braucht. Auch im Wohnungsmarkt beginnen sich Sharing-Modelle zu etablieren. Ich miete mir temporär eine Wohnung dort und in der Größe, die ich mir leisten kann und will.

Arbeiten von Überall wird zunehmen normal sein. Wissensarbeiter brauchen kein Büro. Die Produktion ist eh auf dem Rückzug, und wird dort, wo sie getätigt wird, immer mehr automatisiert. Das braucht nur wenige Menschen.


Auch in 25 Jahren rechne ich nicht mit einer hohen Arbeitslosigkeit - weil der Bedarf an Pflegekräften u.ä. rasend zunimmt. Auch eine Folge der Demographie in Europa.

Das Gesundheitssystem wird anders organisiert sein als heute. Ärzte werden in Ärztezentren zu finden sein, aber wesentliche Teile ihrer Beratung einfach Online erbringen. Das Apothekenmonopol in Deutschland wird Geschichte sein - es ist einfach zu teuer!

Großbritannien wird nach einigen Jahren Brexit seine Neuaufnahme in die EU beantragt haben - die dann auch durch sein wird.

Ach ja - die Schulpolitik in Deutschland wird noch immer über die Länder organisiert......was noch immer gleich chaotisch und schlecht zu heute funktioniert.

In 25 Jahren werden Disziplinen wie die Biologie/Medizin/Genetik dramatische Fortschritte gemacht haben. Im GEsundheitsbereich wird mit Genen selbstverständlich gearbeitet. Neben neuen Antibiotikas werden zunehmend mehr Phagentherapien sich durchsetzen. Medizin wird individueller - weil wir mehr über den einzelnen Menschen wissen und schneller analysieren können als heute.

Fernsehen wie wir es heute noch kennen, wird es auch in 25 Jahren noch geben - allerdings mit deutlich gesunkener Bedeutung. Streaming wird normal sein.

Deutschland und Europa werden deutlich weiter an Kreislaufwirtschaften dran sein als heute - aber in 25 Jahren ist das Thema noch nicht gelöst! In 25 Jahren wird langsam der Prozess zu Ende gehen, wie wir in Deutschland zu einem Endlager kommen.....es wird aber weitere 25 Jahre dauern, bis dass dieses dann auch in Betrieb geht......

In 25 Jahren wird der Berliner Flughafen kurz vor der Eröffnung stehen.....hofft die Politik......

Schnelles Internet - weitestgehend auch auf dem Land - wird normal sein.


Die AFD wird in 25 Jahren entweder sich weitgehend entradikalisiert haben, oder Geschichte sein. Die SPD ist in 25 Jahren nur noch eine Kleinpartei auf dem Niveau von 5-10%.

Rußland kämpft mit starken inneren Problemen. Der immer geringere weltweite Bedarf an russischer Kohle, Öl und Gas macht dem Reich wirtschaftlich großen Streß. Die unzufriedene Bevölkerung mit Druck zusammen zu halten wird immer schwieriger.

Die Bundesliga verliert an Bedeutung - weil die Europäische Liga inzwischen die erste Liga von Interesse ist.....

Soweit ein paar Skizzen von dem, was ich in 25 Jahren erwarte......
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Re: Wie werden wir in 25 Jahren leben?

Beitragvon firlefanz11 » Mi 7. Aug 2019, 11:15

Das Geldsystem des wertlosen Papiers wird Geschichte sein, die Staatsschuldenblase geplatzt, und Gold u. SiIber wieder primäre Zahlungsmittel...
"Wer hier ist, weil er Hilfe beansprucht, hat eine besondere moralische Verpflichtung, den Helfern nicht das Leben zu zerstören."
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Re: Wie werden wir in 25 Jahren leben?

Beitragvon lili » Mi 7. Aug 2019, 19:48

firlefanz11 hat geschrieben:(07 Aug 2019, 11:15)

Das Geldsystem des wertlosen Papiers wird Geschichte sein, die Staatsschuldenblase geplatzt, und Gold u. SiIber wieder primäre Zahlungsmittel...


Das sagen doch die Libertären?
,,Was sind unsere geistreichen und gebildeten Subjekte größenteils? Hohnlächelte Sklavenbesitzer und selber - Sklaven." Das unwahre Prinzip unserer Erziehung"

Max Stirner
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Re: Wie werden wir in 25 Jahren leben?

Beitragvon Atue001 » Mi 7. Aug 2019, 22:54

firlefanz11 hat geschrieben:(07 Aug 2019, 11:15)

Das Geldsystem des wertlosen Papiers wird Geschichte sein, die Staatsschuldenblase geplatzt, und Gold u. SiIber wieder primäre Zahlungsmittel...


Ein großer Irrtum - Gold und Silber sind ganu dann etwas wert, wenn irgendwer diesen Wert beimisst.
Gleiches gilt für Geld - was ein Tauschmittel ist. Ob das Geld in Form von Papier ausgetauscht wird, oder in Form von elektronischen Impulsen zwischen digitalen Konten, ist relativ unerheblich.
Entscheidend ist, dass man sich als Marktteilnehmer darauf verständigt, dem Geld einen Wert zuzuschreiben.
Dies geschieht bei modernen Währungen regelmäßig dadurch und deshalb, weil der Staat Rahmenbedingungen schafft, die ausreichend Vertrauen in die jeweilige Währung rechtfertigt.

Auf Gold oder andere Rohstoffe zu vertrauen KANN gutgehen - letzten Endes ist das aber ein reines Spekulationsobjekt. So mancher hat auch schon mit Gold und Silber viel verloren.....
Wenn du mit einem noch so großen Klumpen Gold vor einem Bauern stehst, der seine letzten Tomaten alternativ an dich verkaufen kann, oder seiner Familie den Hunger stillen kann.....dein Gold ist eine ziemliche Pleite.
Ob etwas als Tauschmittel taugt, hängt also von den Umständen ab - moderne Währungen kommen mit der Garantie der Staaten daher, so gänzlich schlecht sind die Umstände also nicht.
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syna
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Re: Wie werden wir in 25 Jahren leben?

Beitragvon syna » Do 15. Aug 2019, 13:01

Na Atue001,

da hast Du wirklich mal ausführlich erzählt, was Du in 25 Jahren erwartest. Danke dafür! :thumbup:

Atue001 hat geschrieben:(07 Aug 2019, 00:05)
Beim Klima wird es darum gehen, wie man mit den immer häufiger auftretenden Extremwetterlagen umgeht. Häuser werden auch in Deutschland zunehmend weiß aussehen. Dachflächen werden entweder weiß sein, oder begrünt, oder konsequent mit Solarzellen gepflastert.
Bei der Finanzierung der finanziellen Folgen von Klimaphänomenen wird die gesellschaftliche Diskussion darüber geführt, wie viel über private Absicherung über Versicherungen passieren soll, und was man gesellschaftlich über Steuern finanzieren möchte.

Wichtige anstehende Projekte beschäftigen sich mit dem Küstenschutz, mit dem Umgang von Dürreperioden und mit der Frage, wie man Starkregen ohne Überschwemmungen in städtischen Kanalisationen beherrschbar machen kann.


Hier habe ich eine andere Einschätzung. :(

Ich glaube, dass die Klimaerwärmung eine andere Größenordnung hat, als
alle Katastrophen und Herausforderungen zuvor. Und dass die Folgen der
Klimaerwärmung in 25 Jahren alles andere dominieren werden.

----------------------------------------------------------------------------------------------

Die Menschheit hat eine sehr schnelle, gigantische Klima-
erwärmung ausgelöst. Im erdgeschichtlichen Maßstab ist die
Klimaerwärmung rasend schnell. Für uns Menschen allerdings
ist die Erwärmung so langsam, dass wir sie kaum - oder nur
als harmlos - wahrnehmen.

Es ist wie mit dem "Frosch im Wasserglas":

Ein Frosch sitzt in einem Wasserglas. Wenn wir das
Wasserglas von außen plötzlich erwärmen, z.B. mit einem
Bunsenbrenner, dann merkt der Frosch, dass es heiß wird,
und rettet sich mit einem Sprung aus dem Glas.

Wenn wir das Wasserglas von außen aber nur gaaanz
langsam erwärmen, dann merkt der Frosch gar nicht, wie
es langsam immer heißer wird. Sobald er wahrnimmt, dass
es zu heiß ist, ist er schon fast gelähmt und kann sich nicht
mehr retten. Er stirbt.

So scheint es der Menschheit auch zu ergehen.
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Re: Wie werden wir in 25 Jahren leben?

Beitragvon schokoschendrezki » Do 15. Aug 2019, 13:16

Ich denke mal, wir leben zur Zeit in einer Art Ende einer zweiten Biedermeierepoche. Das was 1815 der Wiener Kongress und die Niederlage Napoleons war, war 1989 das Ende des Ost-West-Konflikts und die Neuordnung des ganzen weltweiten Staatengefüges. Man hat versucht, es sich in dieser neuen Weltordnung einzurichten. Biedermeierlich eben. Und nun stehen wir bei 1848 2. Auflage und bei einer Wieder- oder Neu- oder Überhauptentdeckung von Nation und Vaterland. Und da alle Entwicklungen schneller verlaufen als früher, werden wir in 25 jahren vor der Urkatastrophe 2. Auflage stehen.
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Re: Wie werden wir in 25 Jahren leben?

Beitragvon syna » Do 15. Aug 2019, 14:25

schokoschendrezki hat geschrieben:(15 Aug 2019, 13:16)
Ich denke mal, wir leben zur Zeit in einer Art Ende einer zweiten Biedermeierepoche ... werden wir in 25 jahren vor der Urkatastrophe 2. Auflage stehen.

Das ist ja ein eigentümlicher Vergleich. Aber die Biedermeier-Epoche kann
ich nicht entdecken; es ist eher so eine Art "Neoliberalierungs- und
Kommerzialisierungs-Epoche", die seit 1989 voranschreitet, und die mit der
Krise 2007-2009 einen Einbruch erlitt, nun aber munter weiterläuft.

Die Wirtschaft - und damit der Wohlstand von uns Allen - wird z.Zt. noch
determiniert durch Konjunktur-Auf-und Abschwünge, durch die Trump-
Handelstreitigkeiten und die chinesische Politik. Auf lange Sicht allerdings
wird der wirtschaftliche Rückgang aufgrund des Klimawandels immer
dramatischer werden.
Zuletzt geändert von syna am Fr 16. Aug 2019, 11:00, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wie werden wir in 25 Jahren leben?

Beitragvon Papaloooo » Do 15. Aug 2019, 17:58

syna hat geschrieben:(15 Aug 2019, 14:25)Auf lange Sicht allerdings
wird der wirtschaftliche Rückgang aufgrund des Klimawandels immer
dramatischer werden.

Genau das habe ich hier auch schon aufgeführt.
Daraufhin wurde mir eine pathologische Sichtweise angehängt.

Viele wollen das einfach nicht wahrhaben!
Und auch nicht, dass der Klimawandel zuallererst die ärmsten Länder betrifft, welche dann in gemäßigtere Zonen flüchten, was hier wiederum Identitär & Co beflügelt.
Dort wo es ohnehin selten regnet z.B. Sahelzone wird es unmöglich zu überleben.
Die Aussage, alle werden gleichermaßen betroffenen sein, stimmt eben nicht:
In Grönland z.B. werden neue Grünflächen entstehen.

Insgesamt aber wird es ein zusammenrücken auf weniger Lebensraum und ein Ende des Überflusses.

Alles unter der Voraussetzung, dass uns keine drastische Kehrtwende gelingt.
Das ist Kapitalismus:
Man kauft Dinge, die man nicht braucht von Geld, das man nicht hat, um Leute zu beeindrucken, die man nicht leiden kann.

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Re: Wie werden wir in 25 Jahren leben?

Beitragvon Teeernte » Do 15. Aug 2019, 22:38

Papaloooo hat geschrieben:(30 Jul 2019, 16:58)

Nun Szenarien, wie die globale Erwärmung sollten bei Zukunftsszenarien nicht außer acht gelassen werden.
Ich würde auch sagen, dass Harald Lesch kein Schwarzmaler ist, dennoch warnt er oft davor, dass wir baldmöglichst die okologische Kehrtwende einschlagen müssen.

Mag sein dass 25 Jahre nicht reichen, dann eben nochmals 25 Jahre. Und sollten wir die Kehrtwende schaffen, dann überhaupt nicht. Wäre natürlich am besten, aber sieht derzeit leider nicht so aus.



Es überleben NUR Die - die sich gut anpassen können. (Alle anderen sterben früh)

Kehrtwende ? Auf einem "fallenden" Stein ? :D :D :D
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Wie werden wir in 25 Jahren leben?

Beitragvon Atue001 » Do 15. Aug 2019, 23:56

syna hat geschrieben:(15 Aug 2019, 13:01)

Na Atue001,

da hast Du wirklich mal ausführlich erzählt, was Du in 25 Jahren erwartest. Danke dafür! :thumbup:



Hier habe ich eine andere Einschätzung. :(

Ich glaube, dass die Klimaerwärmung eine andere Größenordnung hat, als
alle Katastrophen und Herausforderungen zuvor. Und dass die Folgen der
Klimaerwärmung in 25 Jahren alles andere dominieren werden.

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Die Menschheit hat eine sehr schnelle, gigantische Klima-
erwärmung ausgelöst. Im erdgeschichtlichen Maßstab ist die
Klimaerwärmung rasend schnell. Für uns Menschen allerdings
ist die Erwärmung so langsam, dass wir sie kaum - oder nur
als harmlos - wahrnehmen.

Es ist wie mit dem "Frosch im Wasserglas":

Ein Frosch sitzt in einem Wasserglas. Wenn wir das
Wasserglas von außen plötzlich erwärmen, z.B. mit einem
Bunsenbrenner, dann merkt der Frosch, dass es heiß wird,
und rettet sich mit einem Sprung aus dem Glas.

Wenn wir das Wasserglas von außen aber nur gaaanz
langsam erwärmen, dann merkt der Frosch gar nicht, wie
es langsam immer heißer wird. Sobald er wahrnimmt, dass
es zu heiß ist, ist er schon fast gelähmt und kann sich nicht
mehr retten. Er stirbt.

So scheint es der Menschheit auch zu ergehen.


Ich denke nicht, dass wir so arg weit auseinander liegen - ich habe aber berücksichtigt, dass 25 Jahre nicht so arg weit weg sind.
Wäre die Frage nach "in 50 Jahren" gewesen, hätte ich den Einfluss der Klimakatastrophe schon höher eingeschätzt.

In 25 Jahren haben wir auch noch keine Erwärmung von 2 Grad zu erwarten - in 50 schon.
In den nächsten 5 Jahren werden die meisten Jahre ähnlich ausfallen, wie die letzten 10 Jahre. Zunehmend trockenere Sommer, eine leichte moderate aber spürbare Zunahme von Extremwettersituationen.
Das Froschbeispiel ist gar nicht so schlecht - die Frage ist nur, wann stirbt der Frosch.....und da wird es für Europa und vor allem für Deutschland noch nicht in 25 Jahren soweit sein, dass wir hier über dramatische Situationen reden - in anderen Teilen der Welt hingegen wird es schon deutlicher sein.
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Re: Wie werden wir in 25 Jahren leben?

Beitragvon Papaloooo » Fr 16. Aug 2019, 07:50

Teeernte hat geschrieben:(15 Aug 2019, 22:38)

Es überleben NUR Die - die sich gut anpassen können. (Alle anderen sterben früh)

Kehrtwende ? Auf einem "fallenden" Stein ? :D :D :D

Anpassung?
Meinst Du genetisch? Nicht in 25 Jahren!
Meinst Du epigenetisch? Spielt kaum eine Rolle!
Meinst Du technisch? Ja, aber nur die denen es gut geht (uns mit eingeschlossen)!
Bei allen Anderen ist die Anpassung das auswandern!

Und: wenn viele einen Beitrag leisten: weniger fliegen, nicht so weit fahren, in die Arbeit mit Fahrrad oder den Öffentlichen, weniger Fleisch, mit Strom sparsamer umgehen, die Wohnung im Winter nicht so weit aufheizen, sie Klimaanlage im Sommer auslassen, dann können die Vielen doch einiges bewegen.
Das ist Kapitalismus:
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Re: Wie werden wir in 25 Jahren leben?

Beitragvon Europa2050 » Fr 16. Aug 2019, 08:39

2050 werden unsere Kinder (vielleicht auch wir?) in einer völlig anderen Welt leben.
Der Unterschied mag im Vergleich so krass sein, als wenn man 1819 mit 2019 vergleicht (wegen der exponentiellen Entwicklung).

Krieg, Hunger und Krankheiten werden zwar nicht überall, aber flächendeckend ausgerottet sein.

Der Mensch wird mit allerhand eingebauter Technik seine körperliche und geistige Leistungsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit potenziert haben (weitere 25 Jahre später wird er sich vielleicht ganz von seiner biologischen Hülle gelöst haben).

Die Menschheit wird billige und umweltfreundliche Energie in beliebigen Mengen zur Verfügung haben, damit werden heutige Probleme wie Treibhausgase o.ä. lösbar. Ob das noch reicht, um das Klimagleichgewicht wieder herzustellen, hängt davon ab, wie irreversibel wir die Erde in den nächsten 10 Jahren schädigen.

Liberalismus wird neu zu definieren sein, Menschenmassen werden weder zum Fortbestand der Menschheit, noch für die Wirtschaft, noch zum Kriegführen noch für die Demokratie wirklich gebraucht, Allgorithmen können das besser.
Die politische Welt wird zudem gegenüber Ursupatoren gefährdeter, China macht da heute schon Angst. Orwell war vielleicht nur 60 Jahre zu bald gelegen ...

Ob ich in so einer Welt - bei all den beschriebenen Verbesserungen - leben will?

Fragt mich eh keiner ...
Nationalismus lehrt Dich,
stolz auf Dinge zu sein, die Du nie getan hast und
Leute zu hassen, denen Du nie begegnet bist.
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Re: Wie werden wir in 25 Jahren leben?

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 16. Aug 2019, 08:53

syna hat geschrieben:(15 Aug 2019, 14:25)

Das ist ja ein eigentümlicher Vergleich. Aber die Biedermeicher-Epoche kann
ich nicht entdecken, es ist eher so eine Art "Neoliberalierungs- und
Kommerzialisierungs-Epoche", die seit 1989 voranschreitet, und die mit der
Krise 2007-2009 einen Einbruch erlitt, nun aber munter weiterläuft.

Die Wirtschaft - und damit der Wohlstand von uns Allen - wird z.Zt. noch
determiniert durch Konjunktur-Auf-und Abschwünge, durch die Trump-
Handelstreitigkeiten und die chinesische Politik. Auf lange Sicht allerdings
wird der wirtschaftliche Rückgang aufgrund des Klimawandels immer
dramatischer werden.

"Neoliberalismus" wird eigentlich am häufigsten mit der Zeit der Thatcher- und Reagan-Regentschaften und die Wirtschaftslehren der Chikago Boys assoziiert. "Neo-Biedermeier" ist schon ein Begriff, der in der heutigen Kultursoziologie eine gewisse Rolle spielt. Nur mal danach suchen! Als eines der bedeutsamsten Symptome dafür wird häufig die ungebremste Popularität von Lifestylemagazinen wie "Landlust" oder auch die von TV-Starköchen genannt. Man muss bedenken, dass auch die Biedermeier-Zeit im 19. Jahrhundert nicht von allen Bevölkerungsschichten getragen wurde.

Keiner der gegenwärtig populären Staatslenker, weder Putin noch Abe noch Erdogan noch Modi noch Orbán und schon gar nicht Trump steht für "Neoliberalismus". Im Gegenteil.
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Re: Wie werden wir in 25 Jahren leben?

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Fr 16. Aug 2019, 10:28

Papaloooo hat geschrieben:(16 Aug 2019, 07:50)

Und: wenn viele einen Beitrag leisten: weniger fliegen, nicht so weit fahren, in die Arbeit mit Fahrrad oder den Öffentlichen, weniger Fleisch, mit Strom sparsamer umgehen, die Wohnung im Winter nicht so weit aufheizen, sie Klimaanlage im Sommer auslassen, dann können die Vielen doch einiges bewegen.


Da fehlt die Phantasie, daher auch deine Tendenz alles so negativ zu sehen. Und deine Vorschläge sind letztendlich nichts anderes als ein hilfloser Versuch, der die anstehenden Probleme nicht lösen wird, vor allem nicht die eines weltweit steigenden Energie- und Rohstoffbedarfs.

ich gehe jetzt mal von folgendem Szenario aus:

Fossile Brenn- und Rohstoffe haben ausgedient. Der neue Superrohstoff heißt CO2. Mit Hilfe regenerativer Energien, vor allem Sonnenenergie wird daraus synthetischer CO2-neutraler Erdöl und Erdgasersatz hergestellt, der auch Basis Basis für neue Kunststoffe bildet. Der weltweite Bedarf an CO2 steigt und die notwendige Lagerhaltung an den neuen Energieträgern sorgt für eine nachhaltige Reduzierung von CO2 in der Atmosphäre. Die Folgen des fossilen "Brennstoffzeitalters" auf das weltweite Klima halten sich dadurch in Grenzen. Diese neuen Rohstoffe lassen sich effizient nur dort produzieren, wo die notwendigen Flächen vorhanden sind und die klimatischen Bedingungen ideal sind. Das ist vor allem in heutigen Entwicklungsländern. Kapitalistische Unternehmen der Industrieländer werden massiv in diesen Ländern investieren. Da dafür wesentliche demokratische Grundordnungen Voraussetzung sind, werden diese Investitionen von einem politischen Prozess begleitet, der für eine weitgehende Demokratisierung dieser Länder sorgt. Das und der steigenden Wohlstand sorgen für ausgezeichnete Zukunftsperspektiven und nehmen damit den Migrationsdruck aus diesen Ländern. Die Globalisierung schreitet weiter voran und erhöht die weltweite Abhängigkeit der Länder untereinander. Das findet ihren Niederschlag in zahlreichen neuen multilateralen, internationalen Verträgen die für eine deutliche Zunahme der weltweiten Sicherheitslage sorgen.

Lediglich im Osten Asiens zwischen China und Japan gibt es noch ein kleines, unbedeutendes Land, das sich diesen Veränderungen widersetzt ;)

Ansonsten wird sich unser Alltag nicht allzu sehr in diesen 25 Jahren verändern. Wohl kaum mehr als die letzten 25 Jahre. Wir werden unseren Urlaub immer noch nicht auf dem Mars verbringen, allerdings auch nicht mehr das Fliegen als Klimakiller verteufeln ;)
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Re: Wie werden wir in 25 Jahren leben?

Beitragvon Papaloooo » Fr 16. Aug 2019, 14:24

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(16 Aug 2019, 10:28)

Da fehlt die Phantasie, daher auch deine Tendenz alles so negativ zu sehen. Und deine Vorschläge sind letztendlich nichts anderes als ein hilfloser Versuch, der die anstehenden Probleme nicht lösen wird, vor allem nicht die eines weltweit steigenden Energie- und Rohstoffbedarfs.

ich gehe jetzt mal von folgendem Szenario aus:

....


Ansonsten wird sich unser Alltag nicht allzu sehr in diesen 25 Jahren verändern. Wohl kaum mehr als die letzten 25 Jahre. Wir werden unseren Urlaub immer noch nicht auf dem Mars verbringen, allerdings auch nicht mehr das Fliegen als Klimakiller verteufeln ;)

Hat doch so etwas vom Zeugen-Jehovas-Denken:

Das Warten auf die verheißungsvolle Zukunft, und da diese ja ganz sicher kommen wird, ist jedes irdische Bestreben unnütz, ja sogar ungewollt.
Das ist Kapitalismus:
Man kauft Dinge, die man nicht braucht von Geld, das man nicht hat, um Leute zu beeindrucken, die man nicht leiden kann.

Volker Pispers

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