Lässt sich der Klimawandel überhaupt verlangsamen?

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TheManFromDownUnder
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Re: Lässt sich der Klimawandel überhaupt verlangsamen?

Beitragvon TheManFromDownUnder » Di 30. Jul 2019, 06:25

Corella hat geschrieben:(27 Jul 2019, 21:13)

Schon die konservative Australische Regierung würde nicht oder nicht rechtzeitig mitziehen. Entmutigende Utopien erwarten uns überall.
.


Du liegst falsch. Irgenwelchen links/gruenen Fabrikationen aufgesessen?

https://www.environment.gov.au/land/20-million-trees


he Australian Government will work with the community to plant 20 million trees by 2020, to re-establish green corridors and urban forests.
The Programme has four strategic objectives:
20 million trees – 20 million trees and associated understorey planted by 2020.
Environmental conservation – support local environmental outcomes by improving the extent, connectivity and condition of native vegetation that supports native species
Community engagement – work cooperatively with the community
Carbon reduction – contribute to Australia reducing its greenhouse gas emissions.
Support the Australian Republican Movement
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Re: Lässt sich der Klimawandel überhaupt verlangsamen?

Beitragvon streicher » Di 30. Jul 2019, 21:59

Nachricht aus Äthiopien: in einer Mammutaktion wurden 350 Millionen Bäume gepflanzt. Äthiopien hatte wohl mal 30% Waldfläche, die aber auf 4% reduziert wurde. Nun lässt die Regierung gegensteuern: Rekord: Äthiopien pflanzt an einem Tag mehr als 350 Millionen Bäume.
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Orbiter1
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Re: Lässt sich der Klimawandel überhaupt verlangsamen?

Beitragvon Orbiter1 » Di 30. Jul 2019, 22:22

streicher hat geschrieben:(30 Jul 2019, 21:59)

Nachricht aus Äthiopien: in einer Mammutaktion wurden 350 Millionen Bäume gepflanzt. Äthiopien hatte wohl mal 30% Waldfläche, die aber auf 4% reduziert wurde. Nun lässt die Regierung gegensteuern: Rekord: Äthiopien pflanzt an einem Tag mehr als 350 Millionen Bäume.
Es sollen ja in Summe 4 Mrd Bäume in den kommenden Wochen gepflanzt werden. Wo bekommt man 4 Mrd Setzlinge her? Oder vergraben die nur Samen?
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Re: Lässt sich der Klimawandel überhaupt verlangsamen?

Beitragvon streicher » Fr 2. Aug 2019, 21:18

Orbiter1 hat geschrieben:(30 Jul 2019, 22:22)

Es sollen ja in Summe 4 Mrd Bäume in den kommenden Wochen gepflanzt werden. Wo bekommt man 4 Mrd Setzlinge her? Oder vergraben die nur Samen?
Die pflanzen tatsächlich Setzlinge. Dafür braucht es allerdings einen großen Haufen Baumschulen, allerdings. Die Organisation "Menschen für Menschen" hat allein schon bald 600 Baumschulen eingerichtet und in der Vergangenheit schon reichlich Setzlinge an Bauern verteilt.
Die groß angelegte Aktion wird auch kritisiert: die Setzlinge würden nicht gehegt und zum großen Teil eingehen. Zudem sei es eher Aktionismus und eher dem Gemeinschaftsgefühl zuträglich als der Ökologie - besonders wenn man lokale Gegebenheiten nicht beachtet.
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Re: Lässt sich der Klimawandel überhaupt verlangsamen?

Beitragvon H2O » Sa 3. Aug 2019, 10:32

streicher hat geschrieben:(02 Aug 2019, 21:18)

Die pflanzen tatsächlich Setzlinge. Dafür braucht es allerdings einen großen Haufen Baumschulen, allerdings. Die Organisation "Menschen für Menschen" hat allein schon bald 600 Baumschulen eingerichtet und in der Vergangenheit schon reichlich Setzlinge an Bauern verteilt.
Die groß angelegte Aktion wird auch kritisiert: die Setzlinge würden nicht gehegt und zum großen Teil eingehen. Zudem sei es eher Aktionismus und eher dem Gemeinschaftsgefühl zuträglich als der Ökologie - besonders wenn man lokale Gegebenheiten nicht beachtet.


Ohne fachliche Anleitung und Pflege kann man das Gelingen einer so umfangreichen Anpflanzaktion nur als Glücksfall bewerten. Das wäre in Mitteleuropa doch auch nicht anders.
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Re: Lässt sich der Klimawandel überhaupt verlangsamen?

Beitragvon Teeernte » Sa 3. Aug 2019, 13:42

streicher hat geschrieben:(30 Jul 2019, 21:59)

Nachricht aus Äthiopien: in einer Mammutaktion wurden 350 Millionen Bäume gepflanzt. Äthiopien hatte wohl mal 30% Waldfläche, die aber auf 4% reduziert wurde. Nun lässt die Regierung gegensteuern: Rekord: Äthiopien pflanzt an einem Tag mehr als 350 Millionen Bäume.


Die verheizen am Tag mehr als im Jahr gepflanzt werden....

https://www.nesdis.noaa.gov/content/fir ... ran-africa

Wenn der Wunsch besteht schau ich nach den Echtzeitdaten ...>> Noaa fire africa...

Aber gern.....>>> Hier dieECHTZEIT-DATEN.... >>> https://eumetview.eumetsat.int/static-i ... ERNAFRICA/

----und die "frischen" Bäume fressen die Ziegen wieder ab.
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Lässt sich der Klimawandel überhaupt verlangsamen?

Beitragvon BlueMonday » Sa 3. Aug 2019, 14:15

Auch ein Ansatz:

"Fighting Climate Change with Dance | KQED Arts"

"We worry that overemphasis on science may hamper the design of effective climate solutions."

https://www.youtube.com/watch?v=1N41d7BjShY
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Re: Lässt sich der Klimawandel überhaupt verlangsamen?

Beitragvon streicher » Sa 3. Aug 2019, 21:46

Teeernte hat geschrieben:(03 Aug 2019, 13:42)
----und die "frischen" Bäume fressen die Ziegen wieder ab.
Und Ziegen sind gründlich. Vielleicht wäre ein Umstellung anzudenken, wenn man von seinen Pflanzen noch etwas haben will. Zur Verwüstung können diese Nutztiere erheblich beitragen. Es sei denn, man zäunt sie schlauerweise ein.
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Re: Lässt sich der Klimawandel überhaupt verlangsamen?

Beitragvon H2O » So 4. Aug 2019, 00:26

streicher hat geschrieben:(03 Aug 2019, 21:46)

Und Ziegen sind gründlich. Vielleicht wäre ein Umstellung anzudenken, wenn man von seinen Pflanzen noch etwas haben will. Zur Verwüstung können diese Nutztiere erheblich beitragen. Es sei denn, man zäunt sie schlauerweise ein.


Erinnert mich an eine meiner ersten Reisen in die Türkei und Erzählungen von Freunden dort. Dort hatte Atatürk verboten, Ziegen in Anpflanzungen weiden zu lassen, wie das wohl seit "ewigen Zeiten" üblich war... und die Landschaft verkarstete. Schließlich hat das Militär die Anpflanzungen geschützt und erbarmungslos alle Ziegen abgeschossen, die gesetzwidrig dort hinein getrieben worden waren. Ob heute dort so strenge Bräuche noch an der Tagesordnung sind?
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Re: Lässt sich der Klimawandel überhaupt verlangsamen?

Beitragvon BlueMonday » So 4. Aug 2019, 19:37

Hier mal wieder ein vernünftiger Beitrag, ein Auszug:

In summary, CO2 levels of 1500 ppm are hugely beneficial and CO2 levels up to 200 times higher than today’s levels won’t harm us. So where exactly is the problem?

It is all about the greenhouse effect. But there are many proofs that the impact of this effect is grossly exaggerated. First, plants evolved to love 1500 ppm of CO2, which means the Earth did not burn up at that stage since we are all happily here today. Second, there is conclusive geological evidence of far higher CO2 levels in the past, even as the Earth was much hotter (the Earth has been cooling down since its creation). There was never any runaway greenhouse effect even at those much higher CO2 levels.

Climate change alarmists call those who question their false claims, “climate deniers” but they are the real climate deniers since they deny all proven biological and geological evidence. They rely, instead, on an entirely speculative impact.

The nature of the greenhouse effect is such that its “power” or “sensitivity” cannot be measured inside a lab. There are only two ways to do so: first, through geological studies which have already declared CO2 to be perfectly harmless even at much higher levels. The second is through climate models. So far, within just 30 years, the models have dramatically overshot reality. I expect them to even more badly overshoot reality by 2050.

https://timesofindia.indiatimes.com/blo ... s-in-2050/



Letztlich geht's auch gar nicht um "das Klima", sondern das ist nur der Aufhänger einer sozialistischen oder interventionistischen Attitüde, die unermüdlich nach Themen und Hebeln sucht, um top-down "einzugreifen".
2050 wird die Menschheit jedenfalls immer noch nicht untergangen sein. Es werden mehr Menschen auf der Welt leben. Die Menschen werden reicher sein als heute. Und es wird immer noch Alarmisten geben, die über sich scheinbar "schließende Zeitfenster" fabulieren und die Welt sonst untergehen sehen.
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Re: Lässt sich der Klimawandel überhaupt verlangsamen?

Beitragvon Sören74 » So 4. Aug 2019, 19:43

BlueMonday hat geschrieben:(04 Aug 2019, 19:37)

2050 wird die Menschheit jedenfalls immer noch nicht untergangen sein.


Das ist ja keine große Kunst. Aber vielleicht sollten die Parteien das in ihre Wahlprogramme schreiben: "Nicht bis 2050 untergehen".
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Re: Lässt sich der Klimawandel überhaupt verlangsamen?

Beitragvon streicher » So 4. Aug 2019, 19:53

H2O hat geschrieben:(04 Aug 2019, 00:26)

Erinnert mich an eine meiner ersten Reisen in die Türkei und Erzählungen von Freunden dort. Dort hatte Atatürk verboten, Ziegen in Anpflanzungen weiden zu lassen, wie das wohl seit "ewigen Zeiten" üblich war... und die Landschaft verkarstete. Schließlich hat das Militär die Anpflanzungen geschützt und erbarmungslos alle Ziegen abgeschossen, die gesetzwidrig dort hinein getrieben worden waren. Ob heute dort so strenge Bräuche noch an der Tagesordnung sind?
Ziegen essen "gründlicher" als Schafe. Sie schädigen die Grasnarbe, so dass es zur Erosion kommt. Und was Blätter angeht, essen sie alles zusammen was nur geht. Die halten sich die Schafe eher zurück.
Es fehlt auch das Umherziehen von Herden. Ob gehaltene Tiere oder Wildtiere: sie würden bei der Erhaltung und Düngung des Erdreichs durchaus eine positive Rolle spielen.
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Re: Lässt sich der Klimawandel überhaupt verlangsamen?

Beitragvon H2O » So 4. Aug 2019, 20:30

streicher hat geschrieben:(04 Aug 2019, 19:53)

Ziegen essen "gründlicher" als Schafe. Sie schädigen die Grasnarbe, so dass es zur Erosion kommt. Und was Blätter angeht, essen sie alles zusammen was nur geht. Die halten sich die Schafe eher zurück.
Es fehlt auch das Umherziehen von Herden. Ob gehaltene Tiere oder Wildtiere: sie würden bei der Erhaltung und Düngung des Erdreichs durchaus eine positive Rolle spielen.


Schwer zu beurteilen für einen Laien auf dem Gebiet der Schafherdenhaltung. In Südfrankreich wurden die Causses früher von einer Flut von Schafherden als Weide genutzt. Entsprechend verkarstet war auch dort die Landschaft. War sie das nun durch Überweidung oder durch Nutzung durch Schafsherden und Ziegenherden? Schwer zu sagen. Heute lohnen sich diese Herdenwanderungen wohl nicht mehr. Folglich würde ich jetzt eine Verbuschung und allmähliche Bewaldung mit Steineichen erwarten. Vielleicht ist es im Winter dort aber schon zu kalt! (Sommer > 40°C, Winter bis -30 °C)

Ich habe einmal unter "Causses de Quercy" nachgesehen; Schafzucht gibt es noch, aber die großen Herden wohl doch nicht mehr. Ich erinnere mich noch, wie in den 60er Jahren eine riesige Ziegenherde die Straße überflutete und uns die neugierigen Tiere noch in den Kofferraum unseres Autos sprangen. Die waren auf dem Heimweg zum Melken.

Im Sommer dürften aufgrund des Klimawandels dort die Temperaturen dafür sorgen, daß dort niemand mehr leben kann.
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Re: Lässt sich der Klimawandel überhaupt verlangsamen?

Beitragvon schokoschendrezki » Do 15. Aug 2019, 10:02

H2O hat geschrieben:(17 Jul 2019, 08:02)

Das sind fromme Wünsche; in der alltäglichen Schnellküche ist Fleisch ein schneller Sattmacher. Deshalb findet man in großen Städten immer noch Würstchenbuden im Wettbewerb mit Dönerbuden. Ich glaube nie und nimmer, daß diese Bequemlichkeit plötzlich von gesundheitspolitisch und umweltpolitisch gebotener Lebensweise abgelöst werden kann. Die Regale stehen voller Kochbücher, die bunten Blätter überbieten sich mit "Schlankheitsernährung", und die Wirklichkeit ist so, daß Fettleibigkeit zur Volkskrankheit vom Kindesalter an um sich greift.

Es ist durchaus nicht nur Bequemlichkeit. Wir haben nach wie vor eine völlig absurde EU-Agrarpolitik. Ist Ihnen bekannt, dass unter anderem das britische Königshaus als Landbesitzer von diesen Subventionen profitiert? Haben die es nötig? Es werden Flächen, nicht Agrarprodukte subventioniert. Völlig absurd! Schlicht und einfach ein Ende der EU-Gap würde einem Großteil dieses Agrarwahnsinns ein Ende bereiten. Und nebenher ein Stück des Migrationsdrucks aus Regionen wie Afrika herausnehmen, weil sich dort wieder eine normale Agrarproduktion entfalten könnte.
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Re: Lässt sich der Klimawandel überhaupt verlangsamen?

Beitragvon H2O » Do 15. Aug 2019, 11:00

schokoschendrezki hat geschrieben:(15 Aug 2019, 10:02)

Es ist durchaus nicht nur Bequemlichkeit. Wir haben nach wie vor eine völlig absurde EU-Agrarpolitik. Ist Ihnen bekannt, dass unter anderem das britische Königshaus als Landbesitzer von diesen Subventionen profitiert? Haben die es nötig? Es werden Flächen, nicht Agrarprodukte subventioniert. Völlig absurd! Schlicht und einfach ein Ende der EU-Gap würde einem Großteil dieses Agrarwahnsinns ein Ende bereiten. Und nebenher ein Stück des Migrationsdrucks aus Regionen wie Afrika herausnehmen, weil sich dort wieder eine normale Agrarproduktion entfalten könnte.


Doch, diese Dinge sind mir schon bekannt; sie sind grundsätzlich auch eine schlimme Fehlleistung der EU... nicht nur hier angeprangert. Allerdings hat sich die EU sehr bald zum Schutzherrn der Agrarindustrie entwickelt, und es gab politisch bitteren Streit zwischen Partnern, die diese Mißstände abstellen wollten und anderen, die davon große Vorteile hatten... nicht zuletzt durch groß angelegte Betrügereien. Fast will es scheinen, daß diese Art Agrarpolitik für die EU eine wesentliche "raison d'être" darstellt. Zum Haare Raufen!
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Re: Lässt sich der Klimawandel überhaupt verlangsamen?

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 19. Aug 2019, 09:10

Eine Neun-Stunden-Arbeitswoche könnte dem Klima helfen

Laut einer neuen Studie wäre es am nachhaltigsten, wenn wir alle nur neun Stunden pro Woche arbeiten würden. Doch was hieße das für unsere Gesellschaft?

https://www.derstandard.at/story/200010 ... ima-helfen


Das wäre sicher auch im Sinne des brit. Philosophen Bertrand Russell.
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
Wissen stellt eine Barriere dar, die einen daran hindert, etwas in Erfahrung zu bringen.
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Re: Lässt sich der Klimawandel überhaupt verlangsamen?

Beitragvon H2O » Mo 19. Aug 2019, 18:48

King Kong 2006 hat geschrieben:(19 Aug 2019, 09:10)

Das wäre sicher auch im Sinne des brit. Philosophen Bertrand Russell.


Die Quelle ist für gewöhnliche Teilnehmer nicht erreichbar. Welcher Grundgedanke führt denn zur Klimarettung durch weniger Arbeitseinsatz?

Mit der Sommerzeit/Winterzeit wollte man zu Beginn auch viel elektrische Energie sparen. Dabei kam wohl nichts Erfreuliches heraus. Am Ende wollte man nur mehr Lebensqualität durch Tageshelligkeit erzielen. Selbst der Gesichtspunkt hat nicht zur Entscheidung geführt, diesen Zeitwechsel 2-mal jährlich bei zu behalten. Deshalb bin ich sehr neugierig, wo jetzt der Vorteil liegen soll.
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Re: Lässt sich der Klimawandel überhaupt verlangsamen?

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 19. Aug 2019, 20:27

H2O hat geschrieben:(19 Aug 2019, 18:48)

Die Quelle ist für gewöhnliche Teilnehmer nicht erreichbar. Welcher Grundgedanke führt denn zur Klimarettung durch weniger Arbeitseinsatz?

Mit der Sommerzeit/Winterzeit wollte man zu Beginn auch viel elektrische Energie sparen. Dabei kam wohl nichts Erfreuliches heraus. Am Ende wollte man nur mehr Lebensqualität durch Tageshelligkeit erzielen. Selbst der Gesichtspunkt hat nicht zur Entscheidung geführt, diesen Zeitwechsel 2-mal jährlich bei zu behalten. Deshalb bin ich sehr neugierig, wo jetzt der Vorteil liegen soll.


Komisch. Ich bin auch gewöhnlich dort.

Weniger arbeiten, weniger konsumieren

Dazu komme laut Bergman, dass längere Arbeitstage ab einem gewissen Punkt nicht zu mehr, sondern zu weniger Produktivität und zu mehr Fehlern führen. Und Bregman sieht in weniger Arbeitsstunden auch einen Beitrag gegen die Klimakrise: "Weniger zu konsumieren beginnt damit, weniger zu arbeiten." Ist eine verringerte Arbeitszeit in Anbetracht der Klimakrise also vielleicht sogar eine Notwendigkeit?


Philipp Frey ist genau davon überzeugt. Er forscht am Karlsruher Institut für Technologie zu Technikfolgenabschätzung. Zu seinen Interessen zählen die Digitalisierung von Arbeit und die Frage, wie angesichts derer das Beschäftigungsniveau gehalten werden kann. Die aktuelle Antwort laute meist Kompensation: "Das Argument ist, einfach mehr zu produzieren", so Frey. Keine sehr umweltfreundliche Lösung, wie er findet.

Neun nachhaltige Stunden

Also wollte Frey herausfinden, wie viele Arbeitsstunden ökologisch nachhaltig wären. Und er begann für den unabhängigen britischen Thinktank Autonomy zu rechnen. Die sogenannte Kohlenstoffintensität eines Landes verriet ihm, wie viel Treibhausgasemissionen pro Wirtschaftsleistung anfallen. Anhand dieser Zahl könne man berechnen, wie viele Emissionen in einer Stunde Arbeit enthalten sind, so der Studienautor. Als Frey diese Zahlen mit dem Kohlenstoffbudget verglich, das ein Land für wirksamen Klimaschutz einhalten müsste, zeigte sich, dass die Arbeitsleistung deutlich zu hoch ist: Statt der üblichen 40-Stunden-Woche – Normalarbeitszeit auch in Österreich – wäre etwa in Deutschland eine neunstündige Arbeitswoche nachhaltig.

Das sehen auch andere Forscher so: So zeigte eine schwedische Studie, dass eine Reduktion der Arbeitszeit um ein Prozent den Energieverbrauch und die Emissionen jeweils um 0,7 und 0,8 Prozent herunterfahren würde. Länder mit kürzeren Arbeitswochen haben unabhängig von anderen Faktoren schon heute einen kleineren ökologischen Fußabdruck, so eine Studie der University of Massachusetts.

Sünden in der Freizeit

Dass die Metallindustrie viel Energie verbraucht und dass Menschen, die in einem Kraftwerk Kohle verbrennen, durch ihre Arbeit viel CO2 in die Luft blasen, ist nachvollziehbar. Doch auch simple Büroarbeit ist durchaus klimaschädlich – durch das Kühlen und Heizen von Gebäuden und durch die Verwendung technischer Arbeitsgeräte entstehen Emissionen, sagt Frey. Dazu kommt, dass viele Menschen täglich mit dem Auto zur Arbeit pendeln, klimaschädigende Geschäftsreisen unternehmen und dass Arbeitsgeräte instandgehalten werden müssen.


Mit einer Reduktion der Arbeitszeit sei es in Sachen Klima nicht getan, sagt die Ökonomin Sigrid Stagl, die das Institut für Ökologische Ökonomie an der Wirtschaftsuniversität Wien leitet. Denn wie könne man sicher sein, dass Menschen in der neu gewonnenen Freizeit nicht noch mehr Emissionen produzieren? Hier spielt der sogenannte Rebound-Effekt eine Rolle: Die Rechnung gehe nur auf, wenn Menschen, anstatt zu arbeiten, nicht erst recht klimaschädlich agieren und etwa in den Urlaub fliegen.

Teilzeit-Arbeitnehmer sind klimafreundlicher

Doch Philipp Frey ist überzeugt, dass das Freizeitverhalten der meisten Zeitgenossen weniger CO2-intensiv ist als die Arbeit selbst: "Im Moment sieht man das gut bei Leuten, die nur halbtags arbeiten und deswegen weniger Lohn bekommen. Sie können sich dementsprechend auch weniger Flugreisen leisten." Doch selbst bei gleichem Lohn und täglich mehr Freizeit würden die Menschen unterm Strich weniger emittieren. Denn wer mehr Zeit hat, der würde eher selbst kochen als zur klimatechnisch schlechten Tiefkühlpizza greifen. Er würde eher etwas reparieren, anstatt online gleich ein neues Produkt zu kaufen; eher zu Fuß gehen oder das Rad nehmen anstatt das Auto. Und er würde eher die persönliche Entwicklung und Gemeinschaft vor materiellen Konsum stellen, sagt Frey mit Verweis auf einen weiteren Bericht des Thinktanks Autonomy.

Sigrid Stagl sieht die Lösung in einer generellen Umstrukturierung der Arbeit: "Erwerbsarbeit und Emissionen sind in der momentanen Wirtschaftsstruktur und den verwendeten Energiequellen relativ eng miteinander gekoppelt." Die Problematik durch eine simple Arbeitszeitreduktion zu lösen sei zu kurz gefasst: "Wenn wir es schaffen, einen Strukturwandel weg von emissionsextensiveren Sektoren einzuleiten und eher mit Diensten als mit Gütern auszukommen, könnten wir auch mit einer hohen Arbeitszeit zum gleichen Ziel kommen." Doch es sei Vorsicht geboten: So wäre es ganz und gar nicht hilfreich, klimaschädliche Produktion in andere Länder auszulagern und die Waren dann wieder zu importieren.

WKO: Arbeitszeit kein Instrument der Klimapolitik

Das sieht auch Rolf Gleißner, stellvertretender Leiter der Abteilung für Sozialpolitik der österreichischen Wirtschaftskammer, so: "Klimapolitik muss im globalen Gleichschritt passieren. Es ist sinnlos, wenn Industriearbeitsplätze bei uns verschwinden und dafür in Indien entstehen."


Gleißner sieht in der Arbeitszeit generell kein Instrument der Klimapolitik: Es gehe nicht darum, wie viel gearbeitet wird, sondern um die Arbeitsumstände. "Freys Studie ist eine Milchmädchenrechnung. Ich halte Investitionsanreize im Bereich Klimaschutz oder Innovationen bei nachhaltigen Technologien für wirksam. Das reduziert nicht nur den CO2-Verbrauch des Einzelnen, sondern womöglich den weltweiten."

Nur ein Weckruf

Frey sieht in seiner Studie einen Weckruf: "Zu sagen, eine Sechs-Stunden-Woche müsse morgen eingeführt werden, ist unrealistisch. Es bräuchte einen breiten Umbau der Wirtschaft." Eine Vier-Tage-Woche, wie sie in Großbritannien diskutiert wird, fände er sinnvoll. Damit kann auch Gleißner etwas anfangen: "Wenn ein Pendler sagt, er will vier Tage arbeiten und einen von zu Hause, gewinnt er Zeit und spart sich den Weg. Das kann ein positiver Beitrag sein."

Doch wieso nicht an sich hinterfragen, wie viel wir arbeiten? Nachdem die Arbeitszeit über Jahrhunderte schrittweise reduziert wurde, seien die Forderungen ab den 1980er-Jahren verstummt, so Stagl. Obwohl es neben der Erwerbsarbeit weiterhin jede Menge notwendiger Arbeit gibt – Kinder- und Altenbetreuung, Arbeit im Haushalt oder bei Vereinen. Was wäre, wenn man für einen Teil seiner Lohnarbeit mehr Zeit statt mehr Geld bekäme? Stagl: "Prinzipiell wird das positiv wahrgenommen, aber man muss hier präzise sein." So könne weniger Wochenarbeitszeit sehr wohl zu mehr Zeit für klimafreundliches Verhalten führen. Reduziert man aber die Arbeitszeit aufs Jahr gesehen, führe das wohl eher dazu, dass die Menschen die gewonnene Zeit für Urlaub nützen. Das stärkste Instrument dagegen sei eine sozial-ökologische Steuerreform, die umweltschädliche Produkte und Handlungen teurer mache. Das mit einer Ökosteuer eingenommene Geld könnte wieder an die Haushalte ausgeschüttet werden. "Wodurch Leute mit einem weniger klimaschädlichen Lebensstil profitieren würden. Und genau das ist der gewünschte Effekt." (Katharina Kropshofer, 19.8.2019)
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Re: Lässt sich der Klimawandel überhaupt verlangsamen?

Beitragvon H2O » Mo 19. Aug 2019, 20:35

Gut, das könnten wir ja gleich haben. Wir verzichten auf große Teile unserer Einkommen, und schon geht es der Umwelt besser, weil wir nicht mehr so viele Güter verbrauchen können. Meist war das aber so, daß man auf große Mengen Arbeit verzichten wollte... bei vollem Lohnausgleich.
Ewu
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Re: Lässt sich der Klimawandel überhaupt verlangsamen?

Beitragvon Ewu » Mi 28. Aug 2019, 08:05

https://www.wnd.com/2019/08/court-rules ... f-creator/
Der Schöpfer der berühmten Hockeyschlägergraphik von 2001 hat das mittelalterliche Klimaoptimum einfach ausgelassen und wollte seine Daten vor Gericht nicht herausrücken....damit der ganze Betrug nicht herauskommt!
“Wer in der Demokratie die Wahrheit sagt, wird von der Menge getötet.” - Platon

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