Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Moderator: Moderatoren Forum 3

Benutzeravatar
DarkLightbringer
Beiträge: 40515
Registriert: Mo 19. Dez 2011, 16:49
Benutzertitel: Vive la Liberté !

Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon DarkLightbringer » Mi 24. Jul 2019, 16:42

Orbiter1 hat geschrieben:(24 Jul 2019, 16:27)

Ganz sicher nicht. Der Iran hat in seiner Heimatregion nahezu unbegrenzte Möglichkeiten der Destabilisierung, falls man es darauf anlegen möchte. Muss man aber nicht, in Sachen Destabilisierung ist ja auf die USA seit Jahrzehnten zu 100% Verlass.

Davon macht das Kleriker-Regime ja auch reichhaltig Gebrauch, im gesamten Bogen vom Mittelmeer bis runter zum Jemen, zum Tor der Tränen. All diese Milizen kosten Unterhalt und sie stoßen eben teils auch auf Widerstand.
Die Destabilisierung der Gewässer ist indes billig - noch.

Ein Kommentator der SZ betrachtet die Dinge aus zentraleuropäischer Sicht:
Die Mission wäre nicht alleine eine Antwort darauf, dass Iran den unter britischer Flagge fahrenden Tanker Stena Impero in omanischen Gewässern aufgebracht hat, sondern generell auf Teherans Versuche, die strategische Bedeutung der Straße von Hormus in politisches Erpressungspotenzial umzumünzen.
https://www.sueddeutsche.de/politik/ira ... -1.4536056

Ich würde nicht jede Formulierung davon übernehmen, aber er kommt zum richtigen Schluß. Der Vorschlag aus London sei klug und Berlin möge beispringen.
>>We’ll always have Paris<<
[Humphrey Bogart als Rick Blaine in >Casablanca<, 1942]
Benutzeravatar
King Kong 2006
Beiträge: 5718
Registriert: Di 3. Jun 2008, 11:41
Benutzertitel: Kongenial

Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 24. Jul 2019, 16:55

London schickt einen Gesandten um zu reden in den Iran. Geht jetzt...

Großbritannien schickt Vermittler in den Iran

https://www.tagesspiegel.de/politik/str ... 94274.html


Das das überhaupt soweit kommen musste. Wenn man überlegt, wie weit man vor Trump war. Wie gesagt, Wiederholung wie unter Bush.

Trump kann jetzt, wo es in den Wahlkampf geht schlecht mit einem riesen Regionalkrieg werben. Deshalb hat er das stellvertretend mit Afghanistan getan (10 MIllionen Tote in 7 Tagen - kann er auch nicht).

Er wird - falls er wiedergewählt wird - wohl 2 Jahre Zeit haben weiter zu eskalieren. Dann geht das Fenster zu. Man darf gespannt sein. Teheran hat angekündigt, wenn London nicht langsam schneller wird (wollten den Schwerwasserreaktor Arak modernisieren), dann wird man den Kern wieder in den alten Zustand versetzen. D.h. ähnlich wie nach Bush wird man auf ein "anders" strukturiertes Atomprogramm Iran (im Rahmen des NPT) stossen. Dank Mr. Trump. Auch das will London vielleicht auch noch kitten. Abwarten.
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
Wissen stellt eine Barriere dar, die einen daran hindert, etwas in Erfahrung zu bringen.
- Frank Herbert, Die Kinder des Wüstenplaneten
Benutzeravatar
DarkLightbringer
Beiträge: 40515
Registriert: Mo 19. Dez 2011, 16:49
Benutzertitel: Vive la Liberté !

Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon DarkLightbringer » Mi 24. Jul 2019, 17:22

Der SZ-Kommentator will offenbar auf eine strategische Autonomie der Europäer hinaus.
Zitat:
Zugleich ist sie ein weiterer kleiner Schritt hin zur strategischen Autonomie europäischer Außenpolitik, die allenthalben gefordert wird angesichts des oft erratischen Verhaltens der Trump-Regierung und ihres rücksichtlosen Umgangs mit den europäischen Verbündeten.
Auch ein überfälliges Signal an Iran ginge von einer solchen Mission aus: Bei allem Bemühen um das Atomabkommen gibt es Grenzen dessen, was die Europäer bereit sind hinzunehmen.
https://www.sueddeutsche.de/politik/ira ... -1.4536056

Nun ja, finde, das ist sehr kurzfristig und sehr eurozentrisch gedacht. Auch unter Obama hätte doch niemand etwas dagegen gehabt, wenn die Europäer selbständig und etwas erwachsener handeln. Im Gegenteil, das freundliche Zunicken war immer da.
Man sollte erahnen, dass in 5 Jahren die proaktive Friedenspolitik immer noch eine Beitragsveranstaltung sein wird und eben keine Couchparty. Die Welt, in der wir leben, ist kein reines Konsumgut, sie ist das Produkt dessen, was gemacht oder unterlassen wird. Nicht wenige Mitbürger ringen hier im Kampf zwischen Phlegma und Realismus - schauen wir mal, was die Oberhand gewinnt.
>>We’ll always have Paris<<
[Humphrey Bogart als Rick Blaine in >Casablanca<, 1942]
Kohlhaas
Beiträge: 1227
Registriert: So 24. Feb 2019, 19:47

Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon Kohlhaas » Mi 24. Jul 2019, 17:52

Orbiter1 hat geschrieben:(24 Jul 2019, 16:27)

Ganz sicher nicht. Der Iran hat in seiner Heimatregion nahezu unbegrenzte Möglichkeiten der Destabilisierung, falls man es darauf anlegen möchte. Muss man aber nicht, in Sachen Destabilisierung ist ja auf die USA seit Jahrzehnten zu 100% Verlass.

Seit einigen Jahren müssen die USA diesbezüglich nicht aktiv werden. Im Moment nutzt der Iran seine Möglichkeiten zur Destabilsierung, wo er nur kann. "Unbegrenzt" sind diese Möglichkeiten allerdings nicht. Sieht man ja an der Schreckreaktion auf die Ankündigung, dass die EU Kriegsschiffe schicken wird, um die Handelswege dort unten zu sichern.
Troh.Klaus
Beiträge: 1935
Registriert: Sa 28. Okt 2017, 21:56

Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon Troh.Klaus » Mi 24. Jul 2019, 17:55

DarkLightbringer hat geschrieben:(24 Jul 2019, 00:58)
Du siehst das immer so isoliert, sowohl zeitlich wie auch geografisch - jenseits der iranischen Scholle und der 12 Monate scheint es nur ein Vakuum zu geben.

Du siehst Dir die Welt mit der Mullah-Scheuklappe an und machst für alles, was in den letzten 40 Jahren in Nahost passiert ist, ausschließlich die Mullahs verantwortlich. Würdest Du zum Beispiel versuchen, die Vorgänge im Jemen unvoreingenommen in Deinen zeitlichen 40-Jahre-Kontext stellen, würde Dir auffallen, dass der direkte Nachbar Saudi-Arabien dort viel mehr Schaden angerichtet hat als die Mullahs.

Warten wir noch ein Weilchen, bis die Amerikaner mit ihren willigen Partnern den Iran in die Knie gezwungen haben und die Mullahs hinweg gefegt sind. Dann muss ja dann der große Frieden aus brechen. Kann sich nur noch um ein paar Wochen oder Monate handeln.
In varietate concordia.
Troh.Klaus
Beiträge: 1935
Registriert: Sa 28. Okt 2017, 21:56

Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon Troh.Klaus » Mi 24. Jul 2019, 18:00

Senexx hat geschrieben:(24 Jul 2019, 08:12)
Man müsste vom Iran die Kosten für die Einsätze einfordern. Am einfachsten durch Beschlagnahme von iranischen Handelsschiffen.

Am besten gleich die iranischen Ölhäfen und Ölförderanlagen als Kaution besetzen. Nicht, dass da am Ende Nix mehr zu holen ist.
In varietate concordia.
Benutzeravatar
King Kong 2006
Beiträge: 5718
Registriert: Di 3. Jun 2008, 11:41
Benutzertitel: Kongenial

Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 24. Jul 2019, 18:10

Troh.Klaus hat geschrieben:(24 Jul 2019, 18:00)

Am besten gleich die iranischen Ölhäfen und Ölförderanlagen als Kaution besetzen. Nicht, dass da am Ende Nix mehr zu holen ist.


Das wird wie unter Bush laufen. Am Ende wird man ausser Deals anbieten nicht viel mehr machen können
Krieg ist keine wirkliche Option. Teheran fordert inzwischen, falls Trump einsichtiger wird, inzwischen eine permanente Aufhebung der US Sanktionen.

Bis man dahin kommt wird die Eskalation durch Trump's dysfunktionalen Manövern noch für viel Stress in der gesamten Region führen. Denn er hat Zeitdruck. Mehr als zwei Legislaturperioden hat er nicht. Mit Bolton, Kushner und den anderen.
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
Wissen stellt eine Barriere dar, die einen daran hindert, etwas in Erfahrung zu bringen.
- Frank Herbert, Die Kinder des Wüstenplaneten
Troh.Klaus
Beiträge: 1935
Registriert: Sa 28. Okt 2017, 21:56

Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon Troh.Klaus » Mi 24. Jul 2019, 18:11

Senexx hat geschrieben:(24 Jul 2019, 15:42)
Man passt erst an, wenn sich Bedarf ergibt.

Zur Not auch rückwirkend.
In varietate concordia.
Kohlhaas
Beiträge: 1227
Registriert: So 24. Feb 2019, 19:47

Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon Kohlhaas » Mi 24. Jul 2019, 18:13

DarkLightbringer hat geschrieben:(24 Jul 2019, 16:42)

Davon macht das Kleriker-Regime ja auch reichhaltig Gebrauch, im gesamten Bogen vom Mittelmeer bis runter zum Jemen, zum Tor der Tränen. All diese Milizen kosten Unterhalt und sie stoßen eben teils auch auf Widerstand.
Die Destabilisierung der Gewässer ist indes billig - noch.

Ein Kommentator der SZ betrachtet die Dinge aus zentraleuropäischer Sicht:
https://www.sueddeutsche.de/politik/ira ... -1.4536056

Ich würde nicht jede Formulierung davon übernehmen, aber er kommt zum richtigen Schluß. Der Vorschlag aus London sei klug und Berlin möge beispringen.


In der Tat ein sehr guter Kommentar. Die Süddeutsche ist halt die Süddeutsche!

Ich würde dem nur in zwei Punkten widersprechen:

1.) Trump ist ein Trumpeltier mit einem toten Tier auf dem Kopf. Dieses tote Tier scheint aber noch mehr Hirn zu haben als sein Träger. Trotzdem ist Trump nicht verantwortlich für die Situation, die sich jetzt am Golf entwickelt hat. So blöd die Kündigung des Abkommens gewesen sein mag: Sie legitimiert nicht, dass Iran in omanischen Gewässern europäische Schiffe kapert. Auch die Festsetzung eines iranischen Tankers bei Gibraltar gibt dem Iran nicht das Recht, Schiffe zu kapern.

2.) Wenn ein europäischer Flottenverband dort hinfährt und die Seewege sichert, dann ist das keine "rein defensive" Aktion. Es ist ausgeprägt offensiv! Europa hat dort unten nichts zu sagen. Eigentlich sollte man erwarten, dass die Anrainer-Staaten dort alles selbst in den Griff kriegen und anständig regeln. Wenn die EU dort jetzt Kriegsschiffe hinschickt, dann übermittelt sie den dortigen Nationen/Staaten/Emiraten genau eine Botschaft: Wir vertrauen Euch nicht mehr und wir nehmen das jetzt selbst in die Hand. Das ist keine Verteidigungsaktion, das ist Machtpolitik! Und ich finde, das ist an der Stelle mal eine gute Sache. Vielleicht hören die Mullahs dann auf mit ihren unerträglichen Versuchen, Europa erpressen zu wollen.
Benutzeravatar
DarkLightbringer
Beiträge: 40515
Registriert: Mo 19. Dez 2011, 16:49
Benutzertitel: Vive la Liberté !

Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon DarkLightbringer » Mi 24. Jul 2019, 18:13

Troh.Klaus hat geschrieben:(24 Jul 2019, 17:55)

Du siehst Dir die Welt mit der Mullah-Scheuklappe an und machst für alles, was in den letzten 40 Jahren in Nahost passiert ist, ausschließlich die Mullahs verantwortlich. Würdest Du zum Beispiel versuchen, die Vorgänge im Jemen unvoreingenommen in Deinen zeitlichen 40-Jahre-Kontext stellen, würde Dir auffallen, dass der direkte Nachbar Saudi-Arabien dort viel mehr Schaden angerichtet hat als die Mullahs.
Es ist bei uns nicht so geläufig, aber tatsächlich hatte das Revolutionsjahr 1979 vielfältige Folgen in der Region.

Im Jemen kam es im Zuge des Arabischen Frühlings zu einer Übergangsregierung, international anerkannt.
Die UNO benannte eindeutig Mr. Huthi und den früheren Präsidenten als verantwortlich für die Destabilisierung. Der entsprechende, iranische Einfluß ist auch kaum bestreitbar.
Die saudisch geführte Koalition reagierte, das ist klar. Und es gibt auch Kritik an der Kriegsführung, richtig. Ein Denkfehler wäre es jedoch, die UNO und die international anerkannte Regierung zu ignorieren.
Schau dir mal auf Wiki oder so an, welche Ziele der Clan von Mr. Huthi verfolgt. Mehr Dschihadismus geht gar nicht.

Warten wir noch ein Weilchen, bis die Amerikaner mit ihren willigen Partnern den Iran in die Knie gezwungen haben und die Mullahs hinweg gefegt sind. Dann muss ja dann der große Frieden aus brechen. Kann sich nur noch um ein paar Wochen oder Monate handeln.

Die Eindämmung der real stattfindenden Stellvertreter-Kriege und der Hochrüstung bietet natürlich die Chance auf Verringerung der Gewalt.
Eine Mästung des Kleriker-Regimes und ihrer Terror-Filialen ist jedenfalls destruktiver Natur.
>>We’ll always have Paris<<
[Humphrey Bogart als Rick Blaine in >Casablanca<, 1942]
Benutzeravatar
DarkLightbringer
Beiträge: 40515
Registriert: Mo 19. Dez 2011, 16:49
Benutzertitel: Vive la Liberté !

Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon DarkLightbringer » Mi 24. Jul 2019, 19:03

Kohlhaas hat geschrieben:(24 Jul 2019, 18:13)

In der Tat ein sehr guter Kommentar. Die Süddeutsche ist halt die Süddeutsche!

Ich würde dem nur in zwei Punkten widersprechen:

1.) Trump ist ein Trumpeltier mit einem toten Tier auf dem Kopf. Dieses tote Tier scheint aber noch mehr Hirn zu haben als sein Träger. Trotzdem ist Trump nicht verantwortlich für die Situation, die sich jetzt am Golf entwickelt hat. So blöd die Kündigung des Abkommens gewesen sein mag: Sie legitimiert nicht, dass Iran in omanischen Gewässern europäische Schiffe kapert. Auch die Festsetzung eines iranischen Tankers bei Gibraltar gibt dem Iran nicht das Recht, Schiffe zu kapern.

2.) Wenn ein europäischer Flottenverband dort hinfährt und die Seewege sichert, dann ist das keine "rein defensive" Aktion. Es ist ausgeprägt offensiv! Europa hat dort unten nichts zu sagen. Eigentlich sollte man erwarten, dass die Anrainer-Staaten dort alles selbst in den Griff kriegen und anständig regeln. Wenn die EU dort jetzt Kriegsschiffe hinschickt, dann übermittelt sie den dortigen Nationen/Staaten/Emiraten genau eine Botschaft: Wir vertrauen Euch nicht mehr und wir nehmen das jetzt selbst in die Hand. Das ist keine Verteidigungsaktion, das ist Machtpolitik! Und ich finde, das ist an der Stelle mal eine gute Sache. Vielleicht hören die Mullahs dann auf mit ihren unerträglichen Versuchen, Europa erpressen zu wollen.

Es sei an die Operation "Atalanta" am Horn von Afrika erinnert.
Man mag es initiativ nennen, die Verteidigung von Zivilisten und zivilen Objekten ist jedenfalls etwas anderes als ein Angriff auf Zivilisten oder zivile Objekte.
Dieser Unterschied ist sogar erheblich.

Ein Misstrauensvotum gegenüber VAE oder Oman ist das nicht, denn warum sollte Oman ein britisches Schiff vor iranischer Kaperung schützen?
Nicht mal die Amerikaner wollen alle Drittstaaten beschützen, von daher ist eine gewisse Selbstbeteiligung an eigenen Interessen durchaus sinnvoll.
>>We’ll always have Paris<<
[Humphrey Bogart als Rick Blaine in >Casablanca<, 1942]
Benutzeravatar
DarkLightbringer
Beiträge: 40515
Registriert: Mo 19. Dez 2011, 16:49
Benutzertitel: Vive la Liberté !

Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon DarkLightbringer » Mi 24. Jul 2019, 19:45

Der Strategie-Experte Adebahr von der DGAP stösst ins selbe Horn:
Einigkeit ist Europas Chance
https://www.zeit.de/politik/ausland/201 ... ettansicht

Auch er hält den Zusammenhalt für wichtig, bezieht das gar auf die Geschichte von 1914, der freie Handel im Persischen Golf sei behindert, eine Marinemission sei toll und gleichzeitig grenze man sich von Amerikanern und den arabischen Partnern ab.
Wichtig sei das Signal an die Islamische Republik, dass es eine Antwort gebe und "grundlegende Regeln" zu gelten haben.

Der Appell mag gut sein, um die Europäer aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken, vielleicht auch gut, um den Persischen Golf zu stabilisieren.
Langfristig wird man aber m. E. nicht darum herum kommen, sich sowohl mit den Amerikanern wie mit den Partnern vor Ort ins Vernehmen zu setzen - wenn man mehr will, als sich einmal auf die Brust zu trommeln.
>>We’ll always have Paris<<
[Humphrey Bogart als Rick Blaine in >Casablanca<, 1942]
Benutzeravatar
imp
Beiträge: 13261
Registriert: Fr 14. Jul 2017, 20:37
Benutzertitel: Es ist Zeit fuer eine Pause.

Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon imp » Mi 24. Jul 2019, 20:37

Cobra9 hat geschrieben:(24 Jul 2019, 13:05)
Diese teure Armee ist übrigens durchaus in der Lage wenn die Bundesregierung den Befehl erteilt auch Schiffe zu entsenden.

Tatsächlich ist es aber eher unwahrscheinlich, dass die deutsche Regierung dort dieses Jahr irgendwas tut. Nicht nur, weil dir Bundeswehr nur bedingt einsatzbereit ist sondern auch, weil es keinerlei Grund gibt, Deutschland mitten im Wahlkampf in einen weiteren uneinbringlichem Krieg zu stürzen.
"Don't say words you gonna regret" - Eric Woolfson
Benutzeravatar
imp
Beiträge: 13261
Registriert: Fr 14. Jul 2017, 20:37
Benutzertitel: Es ist Zeit fuer eine Pause.

Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon imp » Mi 24. Jul 2019, 20:59

King Kong 2006 hat geschrieben:(24 Jul 2019, 18:10)

Das wird wie unter Bush laufen. Am Ende wird man ausser Deals anbieten nicht viel mehr machen können
Krieg ist keine wirkliche Option. Teheran fordert inzwischen, falls Trump einsichtiger wird, inzwischen eine permanente Aufhebung der US Sanktionen.

Bis man dahin kommt wird die Eskalation durch Trump's dysfunktionalen Manövern noch für viel Stress in der gesamten Region führen. Denn er hat Zeitdruck. Mehr als zwei Legislaturperioden hat er nicht. Mit Bolton, Kushner und den anderen.

Problematisch an diesen Deals, die hinterher mit Nachforderungen gebrochen werden, ist nicht nur die mangelnde Bereitschaft des Iran, sich erpressen zu lassen. Inzwischen geben immer mehr Länder nicht mehr viel auf Versprechen, Verträge und Drohungen aus USA. Die Türkei macht es vor, die EU traut sich noch nicht so ganz. Indien und Kina machen sowieso ihr eigenes Ding und Russland führt vor, was trotz jahrelanger Konfliktmaßnahmen alles geht. Der Zeitrahmen, dem Iran irgendwas verbieten zu wollen, der war einmal.
"Don't say words you gonna regret" - Eric Woolfson
Benutzeravatar
King Kong 2006
Beiträge: 5718
Registriert: Di 3. Jun 2008, 11:41
Benutzertitel: Kongenial

Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 24. Jul 2019, 21:18

imp hat geschrieben:(24 Jul 2019, 20:59)

Problematisch an diesen Deals, die hinterher mit Nachforderungen gebrochen werden, ist nicht nur die mangelnde Bereitschaft des Iran, sich erpressen zu lassen. Inzwischen geben immer mehr Länder nicht mehr viel auf Versprechen, Verträge und Drohungen aus USA. Die Türkei macht es vor, die EU traut sich noch nicht so ganz. Indien und Kina machen sowieso ihr eigenes Ding und Russland führt vor, was trotz jahrelanger Konfliktmaßnahmen alles geht. Der Zeitrahmen, dem Iran irgendwas verbieten zu wollen, der war einmal.


Interesssant war der Dampf der unter Bush Junior entwickelt wurde. Damals war das Zeitfenster für die Neocons (siehe Projekt des amerikanischen Jahrhunderts) da. Bolton damals mit dabei. Sowjetunion weg, Russland zu schwach und sich erst langsam aufrappelnd. China noch weiter weg. D.h. keine Balance, kein Gegengewicht. Die EU weitaus bedeutungsloser als heute. Dieses Handlungsfenster ohne richtige Gegenwehr eines Schwergewichtes wurde genutzt. Auch wenn Berlin und Paris u.a. schwer dagegen waren.

Heute ist das noch schwerer. China ist gewachsen. Russland hat sich zumindest stabilisiert, wenn auch weit unter dem Niveau der Sowjetunion. Die Türkei, der Iran, Indien usw. werden selbstbewußter. Hier im speziellen Falle Irans haben die Neocons wie Bolton oder Netanjahu mit engsten Kontakten auch über Kushner zu Trump ein kleines Zeitfenster. Wenn das zugeht kann es vielleicht in der Form nie wieder so ein Fenster geben. Die Welt ändert sich. Trump startete dies mit der Eskalation der Kündigung und der aggressiven eskalierenden Sanktionen. Das hat er ja nicht ohne Grund gemacht. In diesem Kontext. Er hat jetzt nur ein paar Jahre etwas daraus zu machen.

Natürlich ist der Angriff auf den Iran auch im größeren Kontext Chinas und Russlands zu sehen.

War between US and Iran could last FIFTY years expert warns as he compares potential conflict to the Korean War

As tensions in the region reach boiling point some now fear America and Russia could be dragged into a long-running conflict akin to the Korean War.

https://www.thesun.co.uk/news/9569440/w ... fty-years/


Hier ist die Gewichtung auf Russland. Ich sehe China aber mindestens ebenso als Ziel am Horizont. Vermutlich sogar das größere.

Nun ja. Aber wie dem auch sei, es geht ja eigentlich um die iranische Atombombe. Die, genau die, immer in einem Jahr. Wenn nicht. Seit den 80er des letzten Jahrtausend. Es geht nicht um die Carter-Doktrin oder Geopolitik...
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
Wissen stellt eine Barriere dar, die einen daran hindert, etwas in Erfahrung zu bringen.
- Frank Herbert, Die Kinder des Wüstenplaneten
Troh.Klaus
Beiträge: 1935
Registriert: Sa 28. Okt 2017, 21:56

Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon Troh.Klaus » Mi 24. Jul 2019, 22:47

DarkLightbringer hat geschrieben:(24 Jul 2019, 18:13)
Im Jemen kam es im Zuge des Arabischen Frühlings zu einer Übergangsregierung, international anerkannt.
Die UNO benannte eindeutig Mr. Huthi und den früheren Präsidenten als verantwortlich für die Destabilisierung.

Der Arabische Frühling im Jemen fand ohne Mr. Huthi statt. Der war da nämlich schon seit sieben Jahren tot. Wenn die UNO den ehemaligen Präsidenten Salih für die Destabilisierung verantwortlich macht, dann benennt sie damit einen Parteigänger Rihads, der das Land 34 Jahre lang nach Gutdünken "regiert" hat. Das ging Mr. Huthi, dem Vertreter der zaiditischen Minderheit (ca. 40%) 2004 so auf den Sack, dass er eine kleine Revolte gegen Salih anzettelte, die ihn letztlich das Leben kostete.

Der "international anerkannte" Nachfolger Sadi, Protegé der Saudis, wurde 2012 zunächst als Hoffnungsträger begrüßt. Allerdings kamen ihm recht schnell einige (sunnitische) Generäle abhanden, die ihr eigenes Ding machten und sich u.a. mit Al Quaida im Jemen verbanden. Das war freilich kein Grund für Saudi-Arabien, im Jemen einzugreifen - Al Quaida bekämpfen geht wohl gar nicht. Erst als die schiitische Minderheit der Zaiditen mit ihrer Huthi-Miliz 2015 ebenfalls in dem allgemeinen Durcheinander zu den Waffen griffen und sogar erfolgreich in Sana'a einmarschierten, war's mit der saudischen Geduld vorbei. Da wurde dann sofort los gebombt, zusammen mit einer Allianz von Marokko bis zu den Emiraten, unter tätiger Unterstützung der USA und Großbritanniens.

Aber selbstverständlich - alles nur von Teheran gesteuert, alle anderen sind total unschuldig und versuchen ja nur den Frieden (der Friedhöfe) wieder her zu stellen.

Nur so nebenbei: Der ägyptisch-saudische Krieg im Jemen von 1962 bis 1970 kostete ca. 200.000 Menschenleben. Hoch sollen sie leben, diese Friedensfürsten.
In varietate concordia.
Benutzeravatar
Cobra9
Beiträge: 25752
Registriert: Mo 10. Okt 2011, 11:28

Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon Cobra9 » Mi 24. Jul 2019, 22:59

imp hat geschrieben:(24 Jul 2019, 20:37)

Tatsächlich ist es aber eher unwahrscheinlich, dass die deutsche Regierung dort dieses Jahr irgendwas tut. Nicht nur, weil dir Bundeswehr nur bedingt einsatzbereit ist sondern auch, weil es keinerlei Grund gibt, Deutschland mitten im Wahlkampf in einen weiteren uneinbringlichem Krieg zu stürzen.



Obwohl die Bundeswehr nur teilweise einsatzbereit ist erfüllt Sie ihre Aufträge und die Marine können Schiffe entsenden. Also läuft deine Kritik in dem Fall absolut ins Leere.

Der Befehl für Missionen muss aus Berlin kommen. So easy ist das. Die Teilnahme an der Schutzmission ist nicht in den Krieg ziehen, sondern lediglich eine Maßnahme um die freie Schifffahrt zu sichern.

Mit allem Respekt immer schön ducken wenn es brenzlig wird und darauf bauen andere Länder werden das richten ist naiv. Der Iran wäre schlecht beraten irgendwie sich zu trauen feindselig zu sein.
Zuletzt geändert von Cobra9 am Mi 24. Jul 2019, 23:04, insgesamt 1-mal geändert.
Politik-Forum wird immer besser und bischen mehr zu Allmystery

User auf Ignore erhalten keine Antwort

Auf meiner Liste : Alter Stubentiger, Alster
Benutzeravatar
Cobra9
Beiträge: 25752
Registriert: Mo 10. Okt 2011, 11:28

Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon Cobra9 » Mi 24. Jul 2019, 23:01

Troh.Klaus hat geschrieben:(24 Jul 2019, 22:47)

Der Arabische Frühling im Jemen fand ohne Mr. Huthi statt. Der war da nämlich schon seit sieben Jahren tot. Wenn die UNO den ehemaligen Präsidenten Salih für die Destabilisierung verantwortlich macht, dann benennt sie damit einen Parteigänger Rihads, der das Land 34 Jahre lang nach Gutdünken "regiert" hat. Das ging Mr. Huthi, dem Vertreter der zaiditischen Minderheit (ca. 40%) 2004 so auf den Sack, dass er eine kleine Revolte gegen Salih anzettelte, die ihn letztlich das Leben kostete.

Der "international anerkannte" Nachfolger Sadi, Protegé der Saudis, wurde 2012 zunächst als Hoffnungsträger begrüßt. Allerdings kamen ihm recht schnell einige (sunnitische) Generäle abhanden, die ihr eigenes Ding machten und sich u.a. mit Al Quaida im Jemen verbanden. Das war freilich kein Grund für Saudi-Arabien, im Jemen einzugreifen - Al Quaida bekämpfen geht wohl gar nicht. Erst als die schiitische Minderheit der Zaiditen mit ihrer Huthi-Miliz 2015 ebenfalls in dem allgemeinen Durcheinander zu den Waffen griffen und sogar erfolgreich in Sana'a einmarschierten, war's mit der saudischen Geduld vorbei. Da wurde dann sofort los gebombt, zusammen mit einer Allianz von Marokko bis zu den Emiraten, unter tätiger Unterstützung der USA und Großbritanniens.

Aber selbstverständlich - alles nur von Teheran gesteuert, alle anderen sind total unschuldig und versuchen ja nur den Frieden (der Friedhöfe) wieder her zu stellen.

Nur so nebenbei: Der ägyptisch-saudische Krieg im Jemen von 1962 bis 1970 kostete ca. 200.000 Menschenleben. Hoch sollen sie leben, diese Friedensfürsten.


Du könntest noch die Opfer der Römer erwähnen in der Region. Hat genau wie dein Beispiel die gleiche Relevanz zum aktuell geführten Konflikt
Politik-Forum wird immer besser und bischen mehr zu Allmystery

User auf Ignore erhalten keine Antwort

Auf meiner Liste : Alter Stubentiger, Alster
Benutzeravatar
Cobra9
Beiträge: 25752
Registriert: Mo 10. Okt 2011, 11:28

Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon Cobra9 » Mi 24. Jul 2019, 23:03

Kohlhaas hat geschrieben:(24 Jul 2019, 13:48)

Das Foto in dem verlinkten Text irritiert mich etwas. Wenn das aktuell ist, würde es darauf hindeuten, dass Frankreich seinen Flugzeugträger schickt. In dem Fall wäre es wohl nicht ausreichend, wenn Deutschland nur eine einsame Fregatte schicken würde.


Den Beitrag von Frankreich kann man derzeit nicht abschätzen. Das Photo könnte nur der Illustration dienen
Politik-Forum wird immer besser und bischen mehr zu Allmystery

User auf Ignore erhalten keine Antwort

Auf meiner Liste : Alter Stubentiger, Alster
Benutzeravatar
imp
Beiträge: 13261
Registriert: Fr 14. Jul 2017, 20:37
Benutzertitel: Es ist Zeit fuer eine Pause.

Re: Iran & USA - Ende der Feindschaft?

Beitragvon imp » Mi 24. Jul 2019, 23:03

Troh.Klaus hat geschrieben:(24 Jul 2019, 22:47)

Der Arabische Frühling im Jemen fand ohne Mr. Huthi statt. Der war da nämlich schon seit sieben Jahren tot. Wenn die UNO den ehemaligen Präsidenten Salih für die Destabilisierung verantwortlich macht, dann benennt sie damit einen Parteigänger Rihads, der das Land 34 Jahre lang nach Gutdünken "regiert" hat. Das ging Mr. Huthi, dem Vertreter der zaiditischen Minderheit (ca. 40%) 2004 so auf den Sack, dass er eine kleine Revolte gegen Salih anzettelte, die ihn letztlich das Leben kostete.

Der "international anerkannte" Nachfolger Sadi, Protegé der Saudis, wurde 2012 zunächst als Hoffnungsträger begrüßt. Allerdings kamen ihm recht schnell einige (sunnitische) Generäle abhanden, die ihr eigenes Ding machten und sich u.a. mit Al Quaida im Jemen verbanden. Das war freilich kein Grund für Saudi-Arabien, im Jemen einzugreifen - Al Quaida bekämpfen geht wohl gar nicht. Erst als die schiitische Minderheit der Zaiditen mit ihrer Huthi-Miliz 2015 ebenfalls in dem allgemeinen Durcheinander zu den Waffen griffen und sogar erfolgreich in Sana'a einmarschierten, war's mit der saudischen Geduld vorbei. Da wurde dann sofort los gebombt, zusammen mit einer Allianz von Marokko bis zu den Emiraten, unter tätiger Unterstützung der USA und Großbritanniens.

Aber selbstverständlich - alles nur von Teheran gesteuert, alle anderen sind total unschuldig und versuchen ja nur den Frieden (der Friedhöfe) wieder her zu stellen.

Nur so nebenbei: Der ägyptisch-saudische Krieg im Jemen von 1962 bis 1970 kostete ca. 200.000 Menschenleben. Hoch sollen sie leben, diese Friedensfürsten.

Dreimal hoch. Du weisst doch, dass einige hier etwas wirre Ansichten haben, sobald es um Saudistan und sein Patentrezept gegen Kopfschmerzen aller Art geht.
"Don't say words you gonna regret" - Eric Woolfson

Zurück zu „3. Außenpolitik - Aus aller Welt“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste