Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

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Quatschki
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon Quatschki » Sa 15. Jun 2019, 23:13

Woppadaq hat geschrieben:(15 Jun 2019, 22:24)
Im übrigen gab es gar nicht so wahnsinnig viel Betriebe, verglichen mit dem Westen. Weshalb die Schliessung von einigen dort ziemliche Löcher hinterliess. Also von wegen "zehntausende Betriebe", so viele waren das gar nicht.

Wenn du da mal nicht falsch liegst.
Es gibt in praktisch jeder Stadt und jedem größeren Ort liquidierte Industriebetriebe,
manchmal nur Betriebsstätten mit 50 Leuten, aber das gilt ja heutzutage im Osten schon als Großunternehmen.
Zum Beispiel das Landmaschinenkombinat "Fortschritt". 1990 waren das 55.000 Beschäftigte, dutzende Zweigwerke und hunderte Betriebsteile für Zulieferkomponenten.
Ein riesiger Maschinenbaukonzern, in der Oberlausitz der Hauptarbeitgeber.
Vor einigen Wochen bin ich am Mähdrescherwerk Singwitz vorbeigewandert.
Südlich von Bautzen im idyllischen Tal der Spree (die da noch ein kleines Flüßchen ist) ein großes stillgelegtes Werk an einer stillgelegten Bahnstrecke in einer stillgelegten Gegend.
Eine der Hallen wird von einem Nachfolgebetrieb mit ein paar Dutzend Beschäftigten genutzt,
eine andere ist Stützpunkt einer LKW-Spedition. Der Rest gammelt vor sich hin...
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon Woppadaq » Sa 15. Jun 2019, 23:32

Misterfritz hat geschrieben:(15 Jun 2019, 22:49)

DAS möchte ich arg bezweifeln. Oder wie kam es, dass es trotz angeblicher Fertigungstrasse nach Westniveau die DDR es nie geschafft hat, Autos in der benötigten Menge zu produzieren (von der Qualität will ich gar nicht erst reden)?


Weil es eben nur eine Fertigungsstrasse war. Der Output von Autos aus jener Fertigungsstrasse ist heute nicht höher als damals.

Produktion von Wartburgs zwischen 88 und 91: 152.775 Stück
Produktion von Opel Adams zwischen 2013 und 2018: 136.069 Stück
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Teeernte
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon Teeernte » So 16. Jun 2019, 00:47

Skull hat geschrieben:(15 Jun 2019, 22:51)

Dann frische mal Deine Erinnerungen auf. Wieviel (11.000 ?) klassische VEB‘s es gab,
von den vielen anderen HO‘s, LPG’s, PGH’s , Konsum’s ... und anderen „Unternehmen“ mal ganz abgesehen. :D

mfg


Wir frischen auf..... HO - Handelsorganisation ....sowas wie ein Laden .... LPG - Landwirtschaft.... PGH Handwerk Konsum - ähnlich HO.

Im Westen - kein Problem eine Pleite in Eigenregie der Beschäftigten (Firmenleitung) - und Neuanfang.

In den HO sicher mit einem Umbau und anderem Warensystem - so wie es die EDEKA in vielen übernommenen Kaufhallen gemacht hat .....

...sicher brauchte man für Fotoapparate keine Reparaturhandwerker mehr - aber Elektro, Bau ....Tischler... gibt es ja heute wieder.

Jede Firma kann dazu sicher ein eigenes Lied anstimmen.

-------------------------------------------------------------------------------------

Ich bin die andere Seite >> Firmen Gründer - in der WENDEZEIT .

Man benötigt eine Firmenanschrift - ....auf ein Gewerbeobjekt. Da ging keine Garage... keine Wohnung.

Start mit NULL - ähmmm...stimmt - mit 100 DM - das Begrüssungsgeld. - im Westen - eine Partnerfirma gefunden, (die im alten Rolleigelände für 5 Pfennig Quadratmeter Miete eine halbe Halle angemietet hat.)

Arbeit war da - Leute ausreichend - es hate mir nur die Immobile gefehlt.

Da haben sich die Pleitegeier festgefressen - selbst HEUTE noch sind die Hallenimmobilien NICHT anzumieten - deshalb der Verfall . Kauf zu utopischen Preisen wird gern angeboten.

Über einen Wessi als Strohmann hab ich dann eine PGH MIET-Immobilie 160 qm im NEUBAUBLOCK mit 15 Angestellten übernehmen dürfen .
Volles Auftragsbuch organisiert.. ..satte Tagesumsätze aber keinen Platz zum Arbeiten.

Kredit zum Kaufen ? Als Ossi erstmal nicht.

Am Rande der Stadt hab ich dann einen Kuhstall anmieten ----und umbauen dürfen. 5000 qm 150.000 DM Umbaukosten - daneben angesehene West Firmen .....ebenfalls Umbau - es waren 10 Kuhställe.
Gewerbeanmeldung...

Nach einem halben Jahr wunderbarem Geschäft - kam die Verfügung - Die normale Geschäftsöffnung am Montag der nächsten Woche wird untersagt - bei 250.000 DM Ordnungsgeld. (Erst mal ohne Grund)
(Die Nutzungsänderungsgenehmigung hat gefehlt... :D :D :D ) Hatten die anderen (West) Firmen auch nicht . Nur mich hatte es getroffen. Hier sind die umliegenden Firmen mit ihren Rechtsabteilungen eingesprungen - sonst wär ich platt.

In der PGH Mietimmobilie >> Besuch vom Gewerbeamt - für die Menge Angestellte - zu wenig Toiletten... Nicht mehr als 10 Angestellte und nur ein Geschlecht. (es gab keine getrennten Toiletten - ein NEUBAU Klo im DDR Neubaublock da ist kein Umbau möglich gewesen)

Jeden Monat einen kleinen "Einschlag" ....alle halbe Jahre eben eine "Detonation" - Beispiel >> Knast/Hausdurchsuchung wegen "Verstoß" gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz .....ich hatte !einen! LO des Fischwarenkombinates an einen Holländer verkauft.....der diesen an einen Bulgaren verkauft hat. Der LO sieht so aus >> https://images.app.goo.gl/zEkijAQLPZuLTzwKA
und war GRÜN lackiert. Nach Zahlung von 50 DM "Ordnungsgeld" ein paar Seiten Papier weiter auf dem bewährten Kurs...

Lange Rede.... Nach 5 Jahren "Selbsthaftender" hab ich dann die 40 Leute entlassen - Arbeit war noch GENUG da
Letzter Grund ...Steuernachzahlung - die Fahrtenbücher (die man auf der Tankstelle kauft ) der Firma werden nicht anerkannt - weil nicht gebunden sondern NUR geklammert. ->> bin ich dann als Berater - mit dem selben Gewinn unterwegs gewesen.

Mein RAT >> Keine Selbständige NIEDERLASSUNG im OSTEN !!!

Kein Ost FINANZAMT ! Heute das größte Investitionshemmnis. Rechtsstaat ??? - klar kannst Du klagen....das Geld aber gleich zahlen - und die Verfahren verjähren - weil der Staat die Verfahrensmenge nicht schafft.
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon watisdatdenn? » So 16. Jun 2019, 07:00

Woa @Teeernte!

Das ist ein krasser Erfahrungsbericht!

Wobei das heute mit der haftungsbeschränkten UA einfacher sein sollte?
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon sünnerklaas » So 16. Jun 2019, 17:24

Sören74 hat geschrieben:(15 Jun 2019, 20:49)

Einfache Antwort. Weil die DDR-Bürger praktisch kein Kapital hatten. Viele hätten es wirklich gerne gemacht, ihren eigen Betrieb zu übernehmen.


Das fehlende Eigenkapital war und ist das Drama Osteuropas. Der Teufelskreis wurde dadurch verstärkt, dass qualifizierte Arbeitskräfte die neuen Länder und die Länder Osteuropas in Scharen verlassen haben. Für die osteuropäischen Länder war das am Anfang eine feine Sache: es kamen die Heimatüberweisungen in harter Valuta. das eigentliche Drame wird aber heute sichtbar: man ist auf Gedeih und Verderb auf ausländische Investoren und ausländisches Geld angewiesen. Eine wirkliche Gründerszene gibt es nicht, einen wirklichen Mittelstand auch nicht. Der polnische Handwerker geht lieber nach D, Benelux oder GB und meldet dort sein Unternehmen an. Der polnische Tüftler mach das erst recht - bei dem kommt noch hinzu, dass ein beim Bundespatentamt eingetragenes Patent einen deutlich besseren Ruf hat, als ein in Polen eingetragenes polnisches Patent. Ein polnischstämmiger Unternehmer, der hier in D ansässig ist und mehrere Patente angemeldet hat, hat mir mal erzählt, dass er dem Bundespatentamt mehr vertraut, als dem polnischten Patentamt...
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon Teeernte » So 16. Jun 2019, 17:53

watisdatdenn? hat geschrieben:(16 Jun 2019, 07:00)

Woa @Teeernte!

Das ist ein krasser Erfahrungsbericht!

Wobei das heute mit der haftungsbeschränkten UA einfacher sein sollte?


Nö - das Amt wittert hinter ALLEM kriminelle Energie.
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon Alter Stubentiger » Mo 17. Jun 2019, 16:01

Woppadaq hat geschrieben:(15 Jun 2019, 21:24)

Ich würd das nicht so eng sehen. Der KC85 war in etwa auf Höhe mit dem C64, der selbst anfang der 90er noch zahlreich verkauft wurde. Der 1990 vorgestellte EC1835 Turbo war bereits ein 80386, das war zur damaligen Zeit Mittelklasse.

Vorstellen kann man viel. Man muß aber liefern und Gewinn damit machen. Bedenke auch dass die Prozessoren der DDR und illegale Raubkopien waren. Robotron hatte kein Lizenz für Z-80 oder x86 Prozessoren!
Viele ehemalige Ostler machen sich über die Konkurrenzfähigkeit der damaligen Ostbetriebe ziemlich Illusionen.
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon Alter Stubentiger » Mo 17. Jun 2019, 16:04

Woppadaq hat geschrieben:(15 Jun 2019, 22:24)

Na, wenn du das sagst...ich glaub mehr der WiWo, zumal sich das mit meinen Beobachtungen deckt.

Die Firma, die den Wartburg hergestellt hat, wurde übrigends von Opel aufgekauft, und dort wird immer noch produziert - anstelle von Rüsselsheim. Der Motorradbau in Zschopau (MZ), der vor der Wende als der grösste Motorradbauer der Welt galt, hat noch bis 2008 produziert.

Im übrigen gab es gar nicht so wahnsinnig viel Betriebe, verglichen mit dem Westen. Weshalb die Schliessung von einigen dort ziemliche Löcher hinterliess. Also von wegen "zehntausende Betriebe", so viele waren das gar nicht.

Opel mußte beim Restart im Osten alles neu bauen. Von den Produktionsstätten des Wartburgs konnte nichts genutzt werden. Alles marode. Alles uralt. Die DDR-Industrie lebte von der Substanz.
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon BlueMonday » Mo 17. Jun 2019, 16:13

Oder so gesagt: Wäre der Realsozialismus der DDR so konkurrenzfähig gewesen, wie manche (immer noch) fantasieren, dann hätte man keine große teure Mauer um ihn bauen müssen und stattdessen wären die Menschen scharenweise vom "kapitalistischen Ausland" ins sozialistische Paradies geströmt. Die Strömungsrichtung war aber bekanntlich entgegengesetzt ... und dieser Sog wirkt ja bis heute über 30 Jahre nach der Revolution noch nach. Und die eigentliche spannende Frage bleibt, wie sich der Osten in Zukunft entwickelt, wie man wirklich konkurrenzfähig wird, wie man die Kehrtwende schafft ...
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon Agesilaos Megas » Mo 17. Jun 2019, 17:06

Inspyration hat geschrieben:(13 Jun 2019, 19:56)
danach werden sich viele Westdeutsche in ihren Legebatterien namens Köln oder Bremen, wo ich nicht mal tot überm Zaun hängen wollte, noch sehnen.


Also Halle und Leipzig sind schon recht schön, fortschrittlich und schneiden im Vgl. mit westdeutschen Städten derselben Größe ganz gut ab, wenn es um den ÖPNV oder die Innenstadt geht (weniger Autos). Braunschweig, Hannover, Wolfsburg etc. - das sind betonierte Massengräber ohne städtische Kultur, aber für eine desaströse Lebensweise.

Aber Du kannst halt auch nicht leugnen, dass schöne Städtchen wie Bautzen gruselig sind, weil halt die Menschen fehlen...
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon BlueMonday » Mo 17. Jun 2019, 17:14

Wenn man Ende der 80er ein Ostkid gefragt hätte, ob es lieber einen KC85/87 (der im offenen Handel praktisch nicht zu erwerben war - ein Heimcomputer, der in keinem Heim zu finden war) oder einen C64 oder gar einen Amiga 500 oder einen Atari haben will, dann wäre wohl die Antwort in allen Fällen gleich ausgefallen. Für solche Geräte wurden utopische Preise auf dem Schwarzmarkt gezahlt.
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon BlueMonday » Mo 17. Jun 2019, 17:21

Agesilaos Megas hat geschrieben:(17 Jun 2019, 17:06)

Aber Du kannst halt auch nicht leugnen, dass schöne Städtchen wie Bautzen gruselig sind, weil halt die Menschen fehlen...


https://de.wikipedia.org/wiki/Einwohner ... on_Bautzen

So gruselig liest sich die Entwicklung gar nicht. Man sollte nun auch nicht so tun, als ob im Osten nur noch menschenleere Steppe ist. Der Osten ist sicherlicher "luftiger" bewohnt, was aber auch durchaus mal ein Vorteil sein kann, etwa wenn man eine Wohnung sucht. M.E. wird sich sowieso der Trend umkehren und die Menschen müssen sich wieder mehr verteilen, raus aus den ganz extremen Ansammlungen. Da helfen eben keine "Mietpreisbremsen" und all dieser Quatsch, sondern ... Fortbewegung.
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon Agesilaos Megas » Mo 17. Jun 2019, 17:29

Woppadaq hat geschrieben:(15 Jun 2019, 20:24)

Na nun mal langsam. Ich sehe bei den Ossis nach all den Jahren eher sowas wie Widerspruchsgeist, der spricht auch für ein etwas gestiegeneres Selbstbewusstsein. Wenn die in den Osten ziehenden Wessis damit umgehen können, ist irgendwann auch das Vertrauen wieder da. Was man als Wessi jetzt sieht, sind Leute, die sich für die falsche Partei entscheiden, was manch Ossi sieht, ist, dass er sich für eine Partei entscheidet, die die Wessis auf eine Art hassen, die sie an die Verfolgung Andersdenkender in der DDR erinnert. Ost und West mögen nicht ganz gleich denken und fühlen, aber sie brauchen einander, und im Normalfall erkennen sie das auch.


Es ist immer wieder geil, wenn irgendjemand über den Ossi redet. Niemals aber mit ihm. Wollen wir gemeinsam über uns reden, und nicht über "die", Kollege? Ich bin Ost-West-Gänger, Du auch? Und ich muss sagen, dass es ein bisschen simpel ist, zu suggerieren, die AfD würde nur gewählt, um Dir eins auszuwischen. Die Sache ist viel komplexer und teilweise unbequem.
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon Woppadaq » Mo 17. Jun 2019, 17:39

BlueMonday hat geschrieben:(17 Jun 2019, 17:14)

Wenn man Ende der 80er ein Ostkid gefragt hätte, ob es lieber einen KC85/87 (der im offenen Handel praktisch nicht zu erwerben war - ein Heimcomputer, der in keinem Heim zu finden war) oder einen C64 oder gar einen Amiga 500 oder einen Atari haben will, dann wäre wohl die Antwort in allen Fällen gleich ausgefallen. Für solche Geräte wurden utopische Preise auf dem Schwarzmarkt gezahlt.


Das weisst du woher?

Der Amiga 500 war zur damaligen Zeit für Ossis unbezahlbar, der KC85/3 war aber auf Höhe mit C64 oder Atari 800XL, und der Preis, wenn man sie denn bekam, war in etwa gleich. Der KC war sogar recht beliebt, weil man problemlos mit jedem Kasettenrekorder abspeichern konnte - während die anderen beiden Spezialkabel oder Extra-Equipment brauchten.
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon Woppadaq » Mo 17. Jun 2019, 17:41

Agesilaos Megas hat geschrieben:(17 Jun 2019, 17:29)

Es ist immer wieder geil, wenn irgendjemand über den Ossi redet. Niemals aber mit ihm. Wollen wir gemeinsam über uns reden, und nicht über "die", Kollege? Ich bin Ost-West-Gänger, Du auch? Und ich muss sagen, dass es ein bisschen simpel ist, zu suggerieren, die AfD würde nur gewählt, um Dir eins auszuwischen. Die Sache ist viel komplexer und teilweise unbequem.


Unbequem für wen? Für mich bestimmt nicht.
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon Skull » Mo 17. Jun 2019, 17:41

Agesilaos Megas hat geschrieben:(17 Jun 2019, 17:29)
Und ich muss sagen, dass es ein bisschen simpel ist, zu suggerieren, die AfD würde nur gewählt,
um Dir eins auszuwischen. Die Sache ist viel komplexer und teilweise unbequem.

Guten Tag,

ich möchte daran erinnern, das dieses kein AfD-Strang ist.

Das Thema ist:

Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch




Es sei denn jemand vertritt die These, dass die AfD schuld sei, dass die Einwohnerzahl im Osten sinkt. :D
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon Agesilaos Megas » Mo 17. Jun 2019, 17:43

BlueMonday hat geschrieben:(17 Jun 2019, 17:21)

https://de.wikipedia.org/wiki/Einwohner ... on_Bautzen

So gruselig liest sich die Entwicklung gar nicht. Man sollte nun auch nicht so tun, als ob im Osten nur noch menschenleere Steppe ist. Der Osten ist sicherlicher "luftiger" bewohnt, was aber auch durchaus mal ein Vorteil sein kann, etwa wenn man eine Wohnung sucht. M.E. wird sich sowieso der Trend umkehren und die Menschen müssen sich wieder mehr verteilen, raus aus den ganz extremen Ansammlungen. Da helfen eben keine "Mietpreisbremsen" und all dieser Quatsch, sondern ... Fortbewegung.


Ach, warme Worte, vielen Dank. Wie schmeichelhaft. Ja, in der virtuellen Welt sind die realen Probleme immer so leicht lösbar - mit viel "müsste", "könnte" und "sollte". Aber sorry, ich miete nicht billig in Bautzen, um ins fette BaWü zu pendeln. Das gibt nicht einmal der westlichste Lebensstil her. Vllt. hast Du ja geniale neue Ansätze, Menschen aus dem Westen in den Osten fortzubewegen? Die Menschen brauchen sie dringend...
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon imp » Di 16. Jul 2019, 22:05

Es ist sehr differenziert. Einige Städte verlieren derart schnell Einwohner, dass die Kanalisation versandet. Einige wachsen. Einige haben moderate Rückgänge, die höchstens fiskalische Probleme bereiten.
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon H2O » Di 16. Jul 2019, 22:33

imp hat geschrieben:(16 Jul 2019, 22:05)

Es ist sehr differenziert. Einige Städte verlieren derart schnell Einwohner, dass die Kanalisation versandet. Einige wachsen. Einige haben moderate Rückgänge, die höchstens fiskalische Probleme bereiten.


Tja, man kann ja immer wieder nur den eigenen Eindruck schildern: Vor einigen Monaten war die Nord-Autobahn A20 vor Rostock unterbrochen (weggesackt!), und so bin ich versuchsweise über die Landstraße 110 ausgewichen, so richtig hinein ins Brandenburger Land, oder war das das südliche Mecklenburg-Vorpommern? Das war eine Reise in eine andere Welt. Auf Hauptstraßen durch den historisch bekannten Ort mit Tischlerplatten zugenagelte Häuser, seit vielen Jahren nicht mehr gestrichen. Kein funktionierender Laden oder Betrieb zu entdecken. Am Ortsrand etwas Gewerbegebiet und eine Tankstelle. Da geriet meine Stimmung wie von allein auf einen Nullpunkt... und dann denke ich an die Menschen, die in dieser trostlosen Umgebung ihr Leben fristen sollen. Da bleibt doch nur noch die Flucht für alle jene, die aus ihrem Leben etwas machen möchten... eine beruflich erfolgreiche Laufbahn, gelegentlich einmal nett ausgehen mit Freunden... und da meine ich keine Soljanka-Bude... nix gegen diese Suppe, aber als Höhepunkt eines abendlichen Ausgangs wenig anziehend. Ich vermute, daß diese Suppe in großen Eimern vertrieben wird...
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Re: Ostdeutschland: Einwohnerzahl sinkt dramatisch

Beitragvon imp » Di 16. Jul 2019, 22:37

H2O hat geschrieben:(16 Jul 2019, 22:33)

Tja, man kann ja immer wieder nur den eigenen Eindruck schildern: Vor einigen Monaten war die Nord-Autobahn A20 vor Rostock unterbrochen (weggesackt!), und so bin ich versuchsweise über die Landstraße 110 ausgewichen, so richtig hinein ins Brandenburger Land, oder war das das südliche Mecklenburg-Vorpommern? Das war eine Reise in eine andere Welt. Auf Hauptstraßen durch den historisch bekannten Ort mit Tischlerplatten zugenagelte Häuser, seit vielen Jahren nicht mehr gestrichen. Kein funktionierender Laden oder Betrieb zu entdecken. Am Ortsrand etwas Gewerbegebiet und eine Tankstelle. Da geriet meine Stimmung wie von allein auf einen Nullpunkt... und dann denke ich an die Menschen, die in dieser trostlosen Umgebung ihr Leben fristen sollen. Da bleibt doch nur noch die Flucht für alle jene, die aus ihrem Leben etwas machen möchten... eine beruflich erfolgreiche Laufbahn, gelegentlich einmal nett ausgehen mit Freunden... und da meine ich keine Soljanka-Bude... nix gegen diese Suppe, aber als Höhepunkt eines abendlichen Ausgangs wenig anziehend. Ich vermute, daß diese Suppe in großen Eimern vertrieben wird...

Ich bereise die Ostgebiete gelegentlich aber was ist eine Soljanka-Bude?
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