KI Chance oder Risiko

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Pro-tes-Tier
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KI Chance oder Risiko

Beitragvon Pro-tes-Tier » Di 28. Mai 2019, 13:56

In der letzten Zeit liest man immer mehr über den Einsatz von KI (Künstlicher Intelligenz).
Ist dass schon echte KI oder verarbeiten die Rechner nun - einfach durch Leistung und optimierte Algorithmen - die Daten einfach schneller und wirken dadurch "intelligent"?

Es gibt einige hochkarätige Wissenschaftler die vor echter KI warnen und die als Bedrohung der gesamten Menschheit sehen.

zB Elon Musk: https://www.theguardian.com/technology/ ... ial-threat
Stephen Hawking: https://www.businessinsider.de/stephen- ... nz-2017-11

Ist Künstlicher Intelligenz eine Bedrohung der Menschheit und ist es wirklich Künstlicher Intelligenz was wir da im Moment sehen?
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Tom Bombadil
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Re: KI Chance oder Risiko

Beitragvon Tom Bombadil » Di 28. Mai 2019, 21:52

Was nennst du "echte KI"? Die derzeitigen KIs sind Fachidioten, darauf trainiert, eine spezielle Aufgabe zu erledigen.
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Emin
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Re: KI Chance oder Risiko

Beitragvon Emin » Di 28. Mai 2019, 21:55

Elon Musk ist gar kein Wissenschaftler, und Stephen Hawking ist ein Wissenschaftler in einem völlig anderen Gebiet gewesen. Man ist jedenfalls noch weit, weit entfernt davon soetwas wie eine generelle KI zu programmieren, und das Problem sind nicht mangelnde Prozessorleistungen, sondern, dass wir Intelligenz an sich nicht wirklich verstehen.
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imp
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Re: KI Chance oder Risiko

Beitragvon imp » Mi 29. Mai 2019, 04:31

Die Folgen eines AI-Einsatzes können wie bei klassischen Algorithmen im Einzelfall sozial hart und unerwartet sein. Es fehlt die Kompetenz "Augenmaß" oder inhaltliche Erfassung von Konsequenzen für Betroffene.
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Re: KI Chance oder Risiko

Beitragvon Gutmensch1 » Mo 1. Jul 2019, 14:13

imp hat geschrieben:(29 May 2019, 04:31)

Die Folgen eines AI-Einsatzes können wie bei klassischen Algorithmen im Einzelfall sozial hart und unerwartet sein. Es fehlt die Kompetenz "Augenmaß" oder inhaltliche Erfassung von Konsequenzen für Betroffene.


Eigentlich gibt es keine KI wie dein Vorredner schrieb. Es fehlen uns schlicht die Intelligenz-Algorythmen. Jede Ameise ist schlauer als eine KI-Maschine.
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Re: KI Chance oder Risiko

Beitragvon Adam Smith » Mo 1. Jul 2019, 14:16

Gutmensch1 hat geschrieben:(01 Jul 2019, 14:13)

Eigentlich gibt es keine KI wie dein Vorredner schrieb. Es fehlen uns schlicht die Intelligenz-Algorythmen. Jede Ameise ist schlauer als eine KI-Maschine.


Wobei in Bezug auf Schach kein Mensch eine KI schlagen kann.
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Re: KI Chance oder Risiko

Beitragvon schokoschendrezki » Do 4. Jul 2019, 11:00

Gutmensch1 hat geschrieben:(01 Jul 2019, 14:13)

Eigentlich gibt es keine KI wie dein Vorredner schrieb. Es fehlen uns schlicht die Intelligenz-Algorythmen. Jede Ameise ist schlauer als eine KI-Maschine.

Man kann sich darauf einigen, von starker KI und schwacher KI zu sprechen. Auch wenn das sprachlich begrifflich vielleicht eher eine Krücke ist. Und richtig: starke KI ist nicht mal ansatzweise in Sicht.

Das Problem ist aber nicht, dass uns da Algorithmen fehlen. Eigentlich im Gegenteil: Das Algorithmische aller deterministischen Arten von Computerei ist gerade das Problem. Der Begriff "Intelligenz" läuft im Kern auf "wählen können" hinaus. Und egal, ob ein schwaches KI-Werkzeug nur mit Algorithmen oder auch mit empirischen Daten gefüttert wird: Das Ergebnis steht in jedem Fall fest. Mit der Menge der empirischen Daten scheint es eine sehr große Anzahl von Ergebnisentscheidungsmöglichkeiten zu geben. Aber zu einem gegebenen Zeitpunkt und zu einer gegebenen Datenlage und bei gegebenen ALgorithmen steht das Ergebnis eben dennoch fest. Es gibt kein "wählen können" sondern nur eine deterministische "Auswahlentscheidung". Das ist der Unterschied zu echter oder meinetwegen auch "starker" Intelligenz.

Will man starke Intelligenz bauen, braucht man Bausteine wie etwa "Willen", "Körperlichkeit", "Eigenbewusstsein", "Zufälligkeit". Aber die hat man ja. AM Ende baut man etwas nach, das zwangsläufig das ist, was sowieso vorhanden ist.
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Re: KI Chance oder Risiko

Beitragvon Ein Terraner » Do 4. Jul 2019, 11:23

KI an sich ist nicht schlimm, wenn es nur ein Kasten ohne Befugnisse und Verbindungen ist. Was sollte den eine KI so an Befugnissen und Aufgaben bekommen?
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Re: KI Chance oder Risiko

Beitragvon Ger9374 » Do 4. Jul 2019, 11:48

Es erstaunt mich, auch als Laien das eine KI entwicklung derartig viele hindernisse aufweist. Das auch heute noch. Nun muss man natürlich von diesem simplen handeln eines Industrieroboters abstand nehmen.
Dann tut sich da ein viel komplexeres Bild auf.Wenn von der weiteren entwicklung der KI ausgegangen werden soll wird der Zeitrahmen wohl eher ins nächste Jahrhundert gehen. Vielleicht wird auch das Menschliche Gehirn weitere hilfen Bei der entwicklung geben.Als Vorbild ect.
Jede meinung ist wichtig,sofern man eine eigene hat!
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Re: KI Chance oder Risiko

Beitragvon Gutmensch1 » Do 4. Jul 2019, 12:25

schokoschendrezki hat geschrieben:(04 Jul 2019, 11:00)

Man kann sich darauf einigen, von starker KI und schwacher KI zu sprechen. Auch wenn das sprachlich begrifflich vielleicht eher eine Krücke ist. Und richtig: starke KI ist nicht mal ansatzweise in Sicht.

Das Problem ist aber nicht, dass uns da Algorithmen fehlen. Eigentlich im Gegenteil: Das Algorithmische aller deterministischen Arten von Computerei ist gerade das Problem. Der Begriff "Intelligenz" läuft im Kern auf "wählen können" hinaus. Und egal, ob ein schwaches KI-Werkzeug nur mit Algorithmen oder auch mit empirischen Daten gefüttert wird: Das Ergebnis steht in jedem Fall fest. Mit der Menge der empirischen Daten scheint es eine sehr große Anzahl von Ergebnisentscheidungsmöglichkeiten zu geben. Aber zu einem gegebenen Zeitpunkt und zu einer gegebenen Datenlage und bei gegebenen ALgorithmen steht das Ergebnis eben dennoch fest. Es gibt kein "wählen können" sondern nur eine deterministische "Auswahlentscheidung". Das ist der Unterschied zu echter oder meinetwegen auch "starker" Intelligenz.

Will man starke Intelligenz bauen, braucht man Bausteine wie etwa "Willen", "Körperlichkeit", "Eigenbewusstsein", "Zufälligkeit". Aber die hat man ja. AM Ende baut man etwas nach, das zwangsläufig das ist, was sowieso vorhanden ist.


Ja richtig, die Körperlichkeit und die Sensorik, die wir haben, um Entscheidungen zu treffen + emotionale Intelligenz, das sind derzeit unüberbrückbare Hindernisse.
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Re: KI Chance oder Risiko

Beitragvon watisdatdenn? » Do 4. Jul 2019, 13:26

Ger9374 hat geschrieben:(04 Jul 2019, 11:48)
Vielleicht wird auch das Menschliche Gehirn weitere hilfen Bei der entwicklung geben.Als Vorbild ect.

Ein sehr korrekter Gedanke.
Genau das wurde nämlich bei den "neuen" KI Algorithmen gemacht!

Die Algorithmen Nach dem Forbild neuronaler Netze (=Gehirn) selbst sind in ihrer groben Form auch nichts neues.
Neu sind die Möglichkeiten durch Grafikchips sehr viele Rechenoperationen parallel zu machen.. So wie es unser Gehirn ja auch macht.

Neu ist auch diese (unter anderem durch deutsche Wissenschaftler verfeinerte) Algorithmen konsequent in der Spracherkennung oder Objekterkennung zu nutzen.

Das funktioniert sau gut!
Das kann ich bei meiner Praxiserfahrung (Hobbyprojekt ansteuern von Motor bei Objekterkennung) beim Nutzen von neuronalen Netzen bestätigen.


Etwas unheimlich ist es auch wie gut es funktioniert, wenn man den Motor darauf teached z.B. zu reagieren wenn jemand die Zunge raus streckt ;)



Risiko ist auch, das ist klar.
Ein bekannter hat das mit seiner elektronischen nerv-gun verknüpft und immer wenn die kleine Kamera an der Spitze der nerv-gun davor einen Menschen erkennt schießt sie automatisch..
Funktioniert auch unheimlich gut.
Es ist ein Werkzeug! Aber ein interessantes :).
Mit Werkzeugen kann man immer auch schlechtes machen...
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Re: KI Chance oder Risiko

Beitragvon watisdatdenn? » Do 4. Jul 2019, 13:51

schokoschendrezki hat geschrieben:(04 Jul 2019, 11:00)
Aber zu einem gegebenen Zeitpunkt und zu einer gegebenen Datenlage und bei gegebenen ALgorithmen steht das Ergebnis eben dennoch fest. Es gibt kein "wählen können" sondern nur eine deterministische "Auswahlentscheidung". Das ist der Unterschied zu echter oder meinetwegen auch "starker" Intelligenz.

Will man starke Intelligenz bauen, braucht man Bausteine wie etwa [...] "Zufälligkeit".

Ich widerspreche!
Ich denke auch eine "starke" Intelligenz würde sich deterministisch Voraussagen lassen, wenn man alle Parameter kennt.

Es ist aus meiner Sicht nur eine Frage der Skalierung und der Komplexität.
Ich bin überzeugt, dass auch möglich ist einen "künstlichen" Willen herzustellen.

Heute geht das noch nicht (außer natürlich durch die bekannten Methoden Sex -> Schwangerschaft -> Kinder) aber das ist "nur" eine Frage der Skalierung und Komplexität.
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Re: KI Chance oder Risiko

Beitragvon BlueMonday » Do 4. Jul 2019, 17:05

schokoschendrezki hat geschrieben:(04 Jul 2019, 11:00)

Man kann sich darauf einigen, von starker KI und schwacher KI zu sprechen. Auch wenn das sprachlich begrifflich vielleicht eher eine Krücke ist. Und richtig: starke KI ist nicht mal ansatzweise in Sicht.

Das Problem ist aber nicht, dass uns da Algorithmen fehlen. Eigentlich im Gegenteil: Das Algorithmische aller deterministischen Arten von Computerei ist gerade das Problem. Der Begriff "Intelligenz" läuft im Kern auf "wählen können" hinaus. Und egal, ob ein schwaches KI-Werkzeug nur mit Algorithmen oder auch mit empirischen Daten gefüttert wird: Das Ergebnis steht in jedem Fall fest. Mit der Menge der empirischen Daten scheint es eine sehr große Anzahl von Ergebnisentscheidungsmöglichkeiten zu geben. Aber zu einem gegebenen Zeitpunkt und zu einer gegebenen Datenlage und bei gegebenen ALgorithmen steht das Ergebnis eben dennoch fest. Es gibt kein "wählen können" sondern nur eine deterministische "Auswahlentscheidung". Das ist der Unterschied zu echter oder meinetwegen auch "starker" Intelligenz.

Will man starke Intelligenz bauen, braucht man Bausteine wie etwa "Willen", "Körperlichkeit", "Eigenbewusstsein", "Zufälligkeit". Aber die hat man ja. AM Ende baut man etwas nach, das zwangsläufig das ist, was sowieso vorhanden ist.


In sogenannten Intelligenztests für Menschen wird nun nicht festgestellt, ob jemand "frei" wählen kann. Das können wir gar nicht feststellen. Waren deine Entscheidungen am heutigen Tage "frei"? Wie willst du feststellen, ob du unter identischen Zuständen anders entschieden hättest? Dazu müsstest du diesen Tag praktisch noch einmal identisch durchleben und das ist nicht möglich. Panta rhei.

Ein umfangreicher Bestandteil dieser Intelligenztests ist die Mustererkennung, also das Fortsetzen von Reihen. Und genau dafür ist auch künstliche Intelligenz bestens geeignet und dafür wird sie entwickelt. Man will damit etwas nachbauen, um es dann ersetzen zu können (den menschlichen Fahrer im Auto bspw.). Das war bei den Maschinen der Vergangenheit ja auch das wesentliche Motiv. Den Mähdrescher hat man ersonnen, damit man eben nicht mehr manuell sensen und dreschen muss.
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Re: KI Chance oder Risiko

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 5. Jul 2019, 11:11

BlueMonday hat geschrieben:(04 Jul 2019, 17:05)

In sogenannten Intelligenztests für Menschen wird nun nicht festgestellt, ob jemand "frei" wählen kann. Das können wir gar nicht feststellen. Waren deine Entscheidungen am heutigen Tage "frei"? Wie willst du feststellen, ob du unter identischen Zuständen anders entschieden hättest? Dazu müsstest du diesen Tag praktisch noch einmal identisch durchleben und das ist nicht möglich. Panta rhei.

Ein umfangreicher Bestandteil dieser Intelligenztests ist die Mustererkennung, also das Fortsetzen von Reihen. Und genau dafür ist auch künstliche Intelligenz bestens geeignet und dafür wird sie entwickelt. Man will damit etwas nachbauen, um es dann ersetzen zu können (den menschlichen Fahrer im Auto bspw.). Das war bei den Maschinen der Vergangenheit ja auch das wesentliche Motiv. Den Mähdrescher hat man ersonnen, damit man eben nicht mehr manuell sensen und dreschen muss.


Der angeblich nicht existierende "freie Wille" ... das ist übrigens auch schon wieder Stand von vor 20 Jahren und längst überholt. Umgekehrt jedoch: Dass ein deterministisch arbeitender DIgitalapparat zum Zeitpunkt x bei einer KI-Aufgabenstellung ein absolut festgelegtes Ergebnis hat ... das jedenfalls steht völlig außer Frage.

Was mich wundert: Dass von den fraglos relevanten Aufgabenfeldern der schwachen KI eigentlich nur wenig die Rede ist. "Legal Tech" als Stichwort habe ich in diesem Forum nicht gefunden. Dafür massenhaft etwas über fahrerloses Fahren.

Typisches Beispiel: IT-Plattformen, die dir nach Eingabe von Lage, Größe, Ausstattung usw. deiner Wohnung sagen, ob deine Miete den Richtlinien entspricht und wenn nicht, was du zu einer Abänderung tun kannst. Aber nicht einfach nur so rein algorithmisch sondern natürlich auch mit Musterverarbeitung und Selbstlernmechanismen. Gerade die Tatsache, dass Juristen-Verbände momentan massiv dagegen vorgehen und darauf bestehen, dass Rechtsberatung nur und ausschließlich von registrierten Anwälten geleistet werden darf, zeigt, wie relevant das Thema eigentlich ist. Und es betrifft ja nicht nur im direkten Sinne "Rechtsberatung" sondern alles was auf Basis a) formaler vorgegebener Regeln und b) einer Historie von Beratungsfällen irgendwie schwach-KI-mäßig behandelbar ist. Finanzberatung, Steuerberatung, Kaufberatung, Berufsberatung usw. usf. https://www.deutschlandfunk.de/digitalisierung-in-der-justiz-wie-algorithmen-juristen.724.de.html?dram:article_id=450642.

Über kurz oder lang werden abertausende Damen und Herren in der Beraterwelt noch eine Weile sich um ihre Büropflanzen kümmern und dann aber mittelfristig überflüssig werden. Ist diese Entwicklungsperspektive nicht viel realistischer als selbstfahrende PKWs?
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Re: KI Chance oder Risiko

Beitragvon X3Q » Fr 5. Jul 2019, 11:19

schokoschendrezki hat geschrieben:(05 Jul 2019, 11:11)

... Über kurz oder lang werden abertausende Damen und Herren in der Beraterwelt noch eine Weile sich um ihre Büropflanzen kümmern und dann aber mittelfristig überflüssig werden. Ist diese Entwicklungsperspektive nicht viel realistischer als selbstfahrende PKWs?


Ja, dieser Bereich wird wohl mit als Erster von den kommenden KI-Systemen "gefressen" werden.

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Re: KI Chance oder Risiko

Beitragvon X3Q » Fr 5. Jul 2019, 11:23

Ein Terraner hat geschrieben:(04 Jul 2019, 11:23)

KI an sich ist nicht schlimm, wenn es nur ein Kasten ohne Befugnisse und Verbindungen ist. Was sollte den eine KI so an Befugnissen und Aufgaben bekommen?

Sie sollte niemals die Befügnis über den Notaus-Schalter bekommen würden ... ;)

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Re: KI Chance oder Risiko

Beitragvon Emin » Mo 8. Jul 2019, 13:21

schokoschendrezki hat geschrieben:(05 Jul 2019, 11:11)

Der angeblich nicht existierende "freie Wille" ... das ist übrigens auch schon wieder Stand von vor 20 Jahren und längst überholt. Umgekehrt jedoch: Dass ein deterministisch arbeitender DIgitalapparat zum Zeitpunkt x bei einer KI-Aufgabenstellung ein absolut festgelegtes Ergebnis hat ... das jedenfalls steht völlig außer Frage.

Was mich wundert: Dass von den fraglos relevanten Aufgabenfeldern der schwachen KI eigentlich nur wenig die Rede ist. "Legal Tech" als Stichwort habe ich in diesem Forum nicht gefunden. Dafür massenhaft etwas über fahrerloses Fahren.

Typisches Beispiel: IT-Plattformen, die dir nach Eingabe von Lage, Größe, Ausstattung usw. deiner Wohnung sagen, ob deine Miete den Richtlinien entspricht und wenn nicht, was du zu einer Abänderung tun kannst. Aber nicht einfach nur so rein algorithmisch sondern natürlich auch mit Musterverarbeitung und Selbstlernmechanismen. Gerade die Tatsache, dass Juristen-Verbände momentan massiv dagegen vorgehen und darauf bestehen, dass Rechtsberatung nur und ausschließlich von registrierten Anwälten geleistet werden darf, zeigt, wie relevant das Thema eigentlich ist. Und es betrifft ja nicht nur im direkten Sinne "Rechtsberatung" sondern alles was auf Basis a) formaler vorgegebener Regeln und b) einer Historie von Beratungsfällen irgendwie schwach-KI-mäßig behandelbar ist. Finanzberatung, Steuerberatung, Kaufberatung, Berufsberatung usw. usf. https://www.deutschlandfunk.de/digitalisierung-in-der-justiz-wie-algorithmen-juristen.724.de.html?dram:article_id=450642.

Über kurz oder lang werden abertausende Damen und Herren in der Beraterwelt noch eine Weile sich um ihre Büropflanzen kümmern und dann aber mittelfristig überflüssig werden. Ist diese Entwicklungsperspektive nicht viel realistischer als selbstfahrende PKWs?



Berufsgruppen, die verschwinden, ist nicht ein großes Problem. Das ist etwas, was schon seit 200 Jahren immer weiter passiert. Das ist an sich etwas positives, denn dann kann der Mensch eben was anderes tun. Dass wir überhaupt heute so viele Programmierer haben liegt eben auch daran, dass wir weniger Menschen an Fließbändern und Ackerfeldern brauchen, bspw.

Was eigentlich wirklich gefährlich ist und bevorstehen könnte, auch wenn nicht viel darüber geredet wird, ist nicht ein Computer, der irgendwann mal intelligenter ist als jeder Mensch (davon sind wir wie gesagt weit entfernt), sondern eher, dass sich Menschen ihre Gehirne mit Mikrochips "auftunen". Das ist prinzipiell technologisch deutlich mehr in Reichweite. Im Prinzip transplantiert man sich ein Smartphone ins Gehirn und bedient dieses direkt mit seinem Gehirn, anstatt mit seinen Fingern. Das läuft unter dem Oberbegriff "Human Enhancement" und ist mit ein paar anderen, eventuell bevorstehenden Technologien (insbesondere genetische Optimierung) eine absolute Gefahr für die Menschheit. Was diese Technologien so gefährlich macht ist zum einen das Ausnutzungspotenzial. Etwas plakativ gesagt könnte eine Regierung wie China oder Nordkorea jedem Bürger Microchips einpflanzen, die sie gefügig machen (oder auch sie genetisch so verändern, dass sie keinen freien Willen mehr besitzen). In einer kapitalistischen Welt wiederum könnte es sein, dass die Reichen biologisch alle anderen abhängen, da sie sich die besten Mikrochips und die beste biologische Optimierung leisten können.
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Re: KI Chance oder Risiko

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 12. Jul 2019, 09:23

Emin hat geschrieben:(08 Jul 2019, 13:21)

Berufsgruppen, die verschwinden, ist nicht ein großes Problem.

Ist auch nicht. Das Problem besteht vielleicht eher darin, dass solche Entwicklungen zu wenig vorausgesehen und berücksichtigt werden.

Irre ich mich oder haben die verschiedenen Berater-Berufe bei Jugendlichen nach wie vor ein hohes Ansehen als Zukunftsperspektive. Ich meine: Es ist doch klar. Die Anwendung von Regeln auf beschreibbare Realitätssituationen unter Berücksichtigung einer wachsenden Basis von empirisch gesammelten Daten und die Erstellung entsprechender Handlungsvorschläge ... das ist doch per se der Anwendungsfall für schwache KI. Zumal "Beratung" ja nicht "Steuerung" heißt und die ganze Problematik wie sie beim automatisierten Fahren herrscht hier nicht auftritt.

Es wird wohl eher so kommen, dass selbst die viel geringere Anzahl von IT-Fachleuten, die man für die Erstellung entsprechender Legal-Tech-Systeme braucht, nicht verfügbar sein wird. Zuviele wollen einfach nur schön "Berater" werden.

Mich würde mal interessieren, ob die aktuellen Umstrukturierungen bei der Deutschen Bank, der Abbau von - wiviel? 18 000? - Stellen unter anderem auch etwas mit dieser ganzen Problematik zu tun hat.
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Kamikaze
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Re: KI Chance oder Risiko

Beitragvon Kamikaze » Fr 20. Sep 2019, 08:20

Gedanke dazu:
Es laufen bereits Test mit "schwachen" KI-Programmen, die andere Programme schreiben und diese Optimieren und ausbauen können.
Damit arbeiten Programmierer aktiv an der Maschinengeneration, die sie eines Tages weitgehend ersetzen wird.
Irgendwie makaber, aber in sich nur logisch...
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pLenarum
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Re: KI Chance oder Risiko

Beitragvon pLenarum » So 6. Okt 2019, 11:26

Bei uns im Unternehmen ist KI bzw. AI (artificial intelligence) die größte und vermutlich die einzige Chance. Aktuell ist es so, dass die betreffende Branche, die ich hier nicht spezifizieren möchte, aufgrund des Kostendrucks die Produktion in Niedriglohnländern auslagert bzw. bereits ausgelagert hat. Also hauptsächlich in Orte wie Afrika, China und Indien. Dies liegt daran, dass der Produktionsprozess aus einer Tätigkeit besteht, die aufgrund ihrer natürlichen Komplexitität nur vom Mensch ausgeführt werden kann. In der Hinsicht sind die Lohnkosten also der größte Kostenfaktor, der eben in der westlichen Welt am teuersten ist. Dies führt(e) zur Verlagerung vieler Arbeitsplätze. Zusätzlich müssen die in bspw. Fernost Produzierten Waren durch temperierte Flugzeuge wieder in die westliche Welt importiert werden. Ergo stellt der Logistikprozess bei dem Produkt eine außerordentliche Umweltbelastung dar (Gemessen am Produkt bzw. Produktionsprozess). Hierzu wurde ein Automatisierungsprozess mittels AI bzw. DeepLearning entwickelt. Also das Kernstück ist eben nicht die plumpe "Robotik", sondern die Software.

Was ich sagen möchte ist, dass das Thema "KI" nicht nur die Substituierung des Menschen oder Arbeitsplätzen dient oder ausschließlich Risiken und Gefahren bestehen, sondern auch positive Möglichkeiten und Chancen bestehen. Im o.g. Beispiel werden wieder Arbeitsplätze vor Ort geschaffen. Natürlich nicht in der Quanität wie sie einst bestand, aber dafür Qualitativ hochwertige - dass wiedderum auch Auswirkungen auf Zulieferer hat. Synergieeffekte sind nicht zu unterschlagen! Die signifikante Verbessung des ökologischen Fußabdrucks des Produkts erheblich. Das ist schon etwas Win-Win artig.

Wer denkt, dass Thema "künstliche Intelligenz" diene ausschließlich dazu einen Menschen ähnlichen Roboter zu entwickeln, der irrt gewaltig. HIer geht es vielei im die Optimierung aufwendiger Teilprozessse.
Nichts ist eindeutig. Verallgemeinerungen sind Lügen. Alle Verallgemeinerungen sind falsch, diese eingeschlossen.

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