Müll in Indien

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ThorsHamar
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Müll in Indien

Beitragvon ThorsHamar » Di 4. Jun 2019, 14:55

Habe ich eben gelesen und vor Jahren ja auch schon mal selbst gesehen:
http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/panorama/Müllberg-in-Neu-Delhi-wächst-pro-Jahr-um-zehn-Meter-article4119510.html

"Indiens höchstes Gericht hat die städtischen Behörden schon mehrfach angemahnt, mehr gegen die Müllkrise zu unternehmen. Nach Angaben aus der Stadtverwaltung werden trotzdem jeden Tag rund 2000 Tonnen Müll auf dem "Berg von Ghazipur" abgeladen. "

Was können zivilisierte Menschen tun, um den Leuten dort beizubringen, dass es wichtiger ist, mal den Müll wegzuräumen, als Atomwaffen zu besitzen?
Sagt überhaupt jemand im Westen mal dazu ein Wort? Oder lassen wir es bei Bildern von "deutschen" Plastiktüten in Asien, die dann von den grünen Weltenrettern um Greta in unsere Allein-Schuld umgewandelt und per Ökosteuern von uns bezahlt werden?
Gehen Greta und co. auch mal nach Indien, Pakistan und Umgebung?
Was sagen die Inder, wenn dort Kinder in den Schulstreik treten, für saubere Eltern, saubere Städte, sauberes Wasser ?

Was passiert eigentlich, wenn "der Westen" ab sofort Müllverbrennungsanlagen baut und den Dreck wegräumt? Ist das dann Kolonialismus und Bevormundung?
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Re: Müll in Indien

Beitragvon Maikel » Di 4. Jun 2019, 18:26

ThorsHamar hat geschrieben:(04 Jun 2019, 14:55)

Was können zivilisierte Menschen tun, um den Leuten dort beizubringen, dass es wichtiger ist, mal den Müll wegzuräumen, als Atomwaffen zu besitzen?

Ich schätze, die meisten Inder (so sie sich damit beschäftigen) leben lieber mit dem Müllberg, als mit einer Bedrohung durch Atombomben des Erzfeindes Pakistan. Ohne dieser Bedrohung etwas "gleichwertiges" entgegensetzen zu können.
In "unserem" kalten Krieg hat die gegenseitige Bedrohung ja auch geholfen.

Was sagen die Inder, wenn dort Kinder in den Schulstreik treten, für saubere Eltern, saubere Städte, sauberes Wasser ?

Meiner Meinung nach würden sie z.B. sagen: Ein wenig mehr "Wohlstand", z.B. ein festes Dach überm Kopf und jeden Tag genug zu Essen, ist uns wichtiger als saubere Flüsse.

Was passiert eigentlich, wenn "der Westen" ab sofort Müllverbrennungsanlagen baut und den Dreck wegräumt? Ist das dann Kolonialismus und Bevormundung?

Das käme wohl auf die Umstände an. Wenn "der Westen" die Anlagen bezahlt, aber mit indischen Arbeitskräften bauen läßt, könnten die Inder das vielleicht akzeptieren.
Dann würde "nur noch" eine Erziehung fehlen, daß die Menschen auch nach deutschem Standard den Müll trennen, oder zumindest jeweils in die Mülltonnen werfen. Diese Mülltonnen müßten dann "nur noch" regelmäßig abgeholt werden, und über hoffentlich vorhandene Straßen zur Müllverbrennungsanlage gebracht werden.

Ich bin mir aber sicher, daß den Indern andere Transportaufgaben wichtiger wären, z.B. geerntetes Gemüse und Obst zu den Verbrauchern fahren, rechtzeitig bevor ein Großteil davon verdirbt, wie es jetzt mangels Transportkapazitäten (Lastwagen und Straßen) der Fall ist.

Zusammengefaßt: Die Inder haben wohl dringendere Probleme als die Müllberge.
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Re: Müll in Indien

Beitragvon ThorsHamar » Di 4. Jun 2019, 18:37

Maikel hat geschrieben:(04 Jun 2019, 18:26)

Ich schätze, die meisten Inder (so sie sich damit beschäftigen) leben lieber mit dem Müllberg, als mit einer Bedrohung durch Atombomben des Erzfeindes Pakistan. Ohne dieser Bedrohung etwas "gleichwertiges" entgegensetzen zu können.
In "unserem" kalten Krieg hat die gegenseitige Bedrohung ja auch geholfen.


Meiner Meinung nach würden sie z.B. sagen: Ein wenig mehr "Wohlstand", z.B. ein festes Dach überm Kopf und jeden Tag genug zu Essen, ist uns wichtiger als saubere Flüsse.


Das käme wohl auf die Umstände an. Wenn "der Westen" die Anlagen bezahlt, aber mit indischen Arbeitskräften bauen läßt, könnten die Inder das vielleicht akzeptieren.
Dann würde "nur noch" eine Erziehung fehlen, daß die Menschen auch nach deutschem Standard den Müll trennen, oder zumindest jeweils in die Mülltonnen werfen. Diese Mülltonnen müßten dann "nur noch" regelmäßig abgeholt werden, und über hoffentlich vorhandene Straßen zur Müllverbrennungsanlage gebracht werden.

Ich bin mir aber sicher, daß den Indern andere Transportaufgaben wichtiger wären, z.B. geerntetes Gemüse und Obst zu den Verbrauchern fahren, rechtzeitig bevor ein Großteil davon verdirbt, wie es jetzt mangels Transportkapazitäten (Lastwagen und Straßen) der Fall ist.

Zusammengefaßt: Die Inder haben wohl dringendere Probleme als die Müllberge.


Ja, offensichtlich. Ich weiss das ja, weil ich dort war.
Das ist halt ein Beispiel für die Komplexität von Ökologie und die exclusive Idiotie der Grünen Retter in Deutschland, die wir alsbald noch mehr bezahlen werden, weil uns eben oktroyiert wird, welche Probleme wir zu haben haben. :cool:
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Re: Müll in Indien

Beitragvon Teeernte » Di 4. Jun 2019, 19:05

Maikel hat geschrieben:(04 Jun 2019, 18:26)

Zusammengefaßt: Die Inder haben wohl dringendere Probleme als die Müllberge.


Die ohne Geld , ja.

Die mit Geld ....interessiert es nicht so - dass man für sowas Geld gibt.... Für teueren Schmuck oder Autos...Appartements ist ausreichend Schütte da.
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Müll in Indien

Beitragvon streicher » Di 18. Jun 2019, 23:17

ThorsHamar hat geschrieben:(04 Jun 2019, 14:55)
Was passiert eigentlich, wenn "der Westen" ab sofort Müllverbrennungsanlagen baut und den Dreck wegräumt? Ist das dann Kolonialismus und Bevormundung?
Oder findet Indien seine eigenen Wege?


Der Schrotthändler Abdul Khan in der westindischen Millionenstadt Pune sammelt Abfälle aus Haushalten und Kleinbetrieben und verkauft sie an Großhändler; diese liefern sie an Betriebe zur Weiterverwertung. Auch Müllsammlerinnen, die Wertstoffe auf den Straßen auflesen und in großen Säcken auf dem Rücken tragen, beliefern Khan. „In der Regel zahle ich meinen Lieferanten die Hälfte dessen, was mir die Großhändler geben“, beteuert er. „Mein Betrieb ernährt fast 50 Menschen, meine eigene Großfamilie sowie die meiner Angestellten.“
Doch das Geschäft läuft nicht mehr so gut, seit die Regierung im vergangenen Jahr einige Plastikprodukte verboten hat. Danach seien die Preise gefallen und mit ihnen auch sein Gewinn, sagt Khan. „Die Menge von Plastikmüll ist zurückgegangen.“ Vielen Großhändlern und Recyclern sei der Umgang mit Plastik zu riskant geworden, sie hätten ihre Betriebe geschlossen oder auf andere Materialien umgestellt.
Kampf gegen die Plastikflut
Ich denke, dass das Bewusstsein über dieses Problem und die Bereitschaft, Initiativen gegen die Müllproblematik ins Leben zu rufen, in Indien durchaus steigt. Bei diesen Massen braucht es natürlich auch Massen an Initiativen, oder auch Kooperationen. Vieles läuft in Indien auch informell und eben nicht von staatlicher Hand. In Mumbai gab es zum Beispiel eine Initiative eines Rechtsanwalts, der viele Helfer begeisterte, dort regelmäßig den Strand zu säubern. Zwischendurch streichte er die Segel, aufgrund fehlender Unterstützung von staatlicher Seite.
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Re: Müll in Indien

Beitragvon Watchful_Eye » Mi 19. Jun 2019, 00:43

ThorsHamar hat geschrieben:(04 Jun 2019, 14:55)
Was passiert eigentlich, wenn "der Westen" ab sofort Müllverbrennungsanlagen baut und den Dreck wegräumt? Ist das dann Kolonialismus und Bevormundung?

Demnach, was ich gelesen habe, ist der Müll, der dort unsachgemäß entsorgt wird, eben nicht nur der heimische, sondern stammt oft auch aus dem Westen. Insofern können wir da nicht nur mit dem Finger auf andere zeigen, schätze ich.. https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ ... -1.4418422

Es gibt aber zunehmend Pläne, den Export von Müll in Nicht-EU-Länder zu verbieten.
https://www.report-k.de/Politik-Nachric ... ell-116874
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Re: Müll in Indien

Beitragvon Sören74 » Mi 19. Jun 2019, 00:53

Naja, ich bin in einer Zeit aufgewachsen (in der DDR muss man dazu sagen), da gab es noch offene Deponien und Müllberge und im Westen gab es die einige Jahrzehnte davor wohl auch noch. Bis wir einigermaßen brauchbar mit unseren Müll umgegangen sind, verging auch nochmal viel Zeit und im Grunde schmeißen wir immer noch jede Menge Rohstoffe einfach. In Indien mag die Müllsituation haarsträubend sein, aber eine 1+ würde ich uns selbst auch nicht geben wollen.
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Re: Müll in Indien

Beitragvon jack000 » Mi 19. Jun 2019, 00:55

Watchful_Eye hat geschrieben:(19 Jun 2019, 00:43)

Demnach, was ich gelesen habe, ist der Müll, der dort unsachgemäß entsorgt wird, eben nicht nur der heimische, sondern stammt oft auch aus dem Westen.

Und wer bestimmt im Land wessen Müll dort abgelagert wird?
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Re: Müll in Indien

Beitragvon jack000 » Mi 19. Jun 2019, 00:57

Sören74 hat geschrieben:(19 Jun 2019, 00:53)

Naja, ich bin in einer Zeit aufgewachsen (in der DDR muss man dazu sagen),

Das erklärt so einiges ...
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Re: Müll in Indien

Beitragvon Sören74 » Mi 19. Jun 2019, 01:00

jack000 hat geschrieben:(19 Jun 2019, 00:57)

Das erklärt so einiges ...


Das Du das jetzt bemerkenswert findest, erklärt auch so einiges. ;)
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Re: Müll in Indien

Beitragvon jack000 » Mi 19. Jun 2019, 01:04

Sören74 hat geschrieben:(19 Jun 2019, 01:00)

Das Du das jetzt bemerkenswert findest, erklärt auch so einiges. ;)

Konkretisiere das doch einfach ...
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Re: Müll in Indien

Beitragvon Sören74 » Mi 19. Jun 2019, 01:16

jack000 hat geschrieben:(19 Jun 2019, 01:04)

Konkretisiere das doch einfach ...


Nachdem Du mit einem "Das erklärt so einiges …" gekommen bist...…..pfffffffff, mach Dir selber einen Reim draus. ;)
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Re: Müll in Indien

Beitragvon Watchful_Eye » Do 20. Jun 2019, 00:32

jack000 hat geschrieben:(19 Jun 2019, 00:55)

Und wer bestimmt im Land wessen Müll dort abgelagert wird?

Du meinst, in deren Ländern? Das kann ich tatsächlich auch nicht so genau sagen. Wenn man das diplomatisch über schärfere Regelungen dererseits lösen könnte, die dann tatsächlich auch kontrolliert werden, wäre das natürlich auch nicht schlecht.

(Allerdings hört es sich bereits grob ineffizient an, ausgerechnet *Müll* durch die halbe Welt zu schippern.)
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Re: Müll in Indien

Beitragvon Fliege » Do 20. Jun 2019, 01:54

Watchful_Eye hat geschrieben:(19 Jun 2019, 00:43)
Es gibt aber zunehmend Pläne, den Export von Müll in Nicht-EU-Länder zu verbieten.
https://www.report-k.de/Politik-Nachric ... ell-116874

Ich bin auch dafür, dass der deutsche Plastikmüll in Deutschland bleibt, denn er eignet sich zur Verbrennung in regionalen Müllkraftwerken.
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Re: Müll in Indien

Beitragvon TheManFromDownUnder » Do 20. Jun 2019, 02:58

Fliege hat geschrieben:(20 Jun 2019, 01:54)

Ich bin auch dafür, dass der deutsche Plastikmüll in Deutschland bleibt, denn er eignet sich zur Verbrennung in regionalen Müllkraftwerken.


Verbrennen??? Das ist nicht umweltfreundlich und eine Verschwendung. Bis auf Plastik aus polyvinyl chloride (Plastiktueten, Duschvorhaenge etc) koennen alle Plastik Produkte recycled werden und das wiederholt zB:

PET (Polyethylene Terephthalate)
HDPE (High-Density Polyethylene)
PVC (Polyvinyl Chloride)
LDPE (Low-Density Polyethylene)
PP (Polypropylene)
PS (Polystyrene)

Es besteht absolut, wie du schreibst, kein Grund das wir unseren Plastikmuell nach dem Motto aus den Augen aus dem Sinn exportieren.
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Re: Müll in Indien

Beitragvon TheManFromDownUnder » Do 20. Jun 2019, 03:22

ThorsHamar hat geschrieben:(04 Jun 2019, 14:55)

Habe ich eben gelesen und vor Jahren ja auch schon mal selbst gesehen:
http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/panorama/Müllberg-in-Neu-Delhi-wächst-pro-Jahr-um-zehn-Meter-article4119510.html

"Indiens höchstes Gericht hat die städtischen Behörden schon mehrfach angemahnt, mehr gegen die Müllkrise zu unternehmen. Nach Angaben aus der Stadtverwaltung werden trotzdem jeden Tag rund 2000 Tonnen Müll auf dem "Berg von Ghazipur" abgeladen. "

Was können zivilisierte Menschen tun, um den Leuten dort beizubringen, dass es wichtiger ist, mal den Müll wegzuräumen, als Atomwaffen zu besitzen?
Sagt überhaupt jemand im Westen mal dazu ein Wort? Oder lassen wir es bei Bildern von "deutschen" Plastiktüten in Asien, die dann von den grünen Weltenrettern um Greta in unsere Allein-Schuld umgewandelt und per Ökosteuern von uns bezahlt werden?
Gehen Greta und co. auch mal nach Indien, Pakistan und Umgebung?
Was sagen die Inder, wenn dort Kinder in den Schulstreik treten, für saubere Eltern, saubere Städte, sauberes Wasser ?

Was passiert eigentlich, wenn "der Westen" ab sofort Müllverbrennungsanlagen baut und den Dreck wegräumt? Ist das dann Kolonialismus und Bevormundung?


Da du in Indien gewesen bist, wie du in einem anderen Posting schreibst,weisst du das das Muellproblem komplexer ist.

Wie soll dort zB in Mumbai eine geregelte Muellentsorgung aussehen? Millionen wohnen in Slums! Kein sauberes Wasser und unzureichende Sanitaeranlagen. Dheli, Calcutta, etc haben all die gleiche Situation. Mir ist aufgefallen, das in den Slum Vierteln eigentlich wenig Plastikmuell rumliegt. Warum? Die Leute sind viel zu arm um solchen Muell zu produzieren und was an Muell produziert wird, das wird gesammelt um ein par Rupiah zu verdienen. In Mumbai war ich in einem 5 Sterne Hotel untergebracht. Luxus pur. Wenn ich die Vorhaenge zurueck zog sah ich ueber eine riesige Muellhalde auf der hunderte von Menschen den Muell durchkaemmten und nach wiederzuverwerteten Dingen suchten. Leute verdienen damit ihren Lebensunterhalt! Unvorstellbar bei uns.

Muell produzieren die Reichen und die neue Mittelklasse und da Indien soviele Menschen hat gibt es von denen auch Millionen. Und mit besseren Lebensverhaeltnissen kommt Muell! Weil das Leitungswasser nicht trinkbar ist, benutzt jeder Wasser in Plastikflaschen, dann Plastiktueten vom Einkauf, Bier und andere Dosen, MC Donald Container usw usw und die Armen sammeln diesen Muell und verkaufen ihn an Recycler.

Indien recycled Plastik und exportiert das wiedergewonnene Plastikgranulat. Recycled Plastic wird auch im Strassenbau verwendet, Fortschritte werden gemacht recycled plastics als Betonzusatz zu verwenden (bessere tensile strength etc).usw. Man kann also nicht sagen Indien tut nichts.

Greta & Co sollten sich mit den indischen Kindern solidarisch erklaeren. Diese haben keine I-Phones und koennen oft nicht zur Schule gehen weil sie die Plastik vom Muell sortieren muessen und somit zum Lebenunterhalt der Familie beizutragen. Eine total andere Welt von unseren Wohlstands Kinder Demonstranten.
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Re: Müll in Indien

Beitragvon Agesilaos Megas » Do 20. Jun 2019, 06:53

Ah, die deutsche Überheblichkeit.

Immer schön den gebräunten Zeigefinger auf die Inder richten, aber trotzdem spottbillig z.B. Antibiotika aus Indien beziehen... Greta tut es schon richtig... der Fisch stinkt vom Kopf.
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Re: Müll in Indien

Beitragvon Quatschki » Do 20. Jun 2019, 08:49

Sören74 hat geschrieben:(19 Jun 2019, 00:53)

Naja, ich bin in einer Zeit aufgewachsen (in der DDR muss man dazu sagen), da gab es noch offene Deponien und Müllberge und im Westen gab es die einige Jahrzehnte davor wohl auch noch. Bis wir einigermaßen brauchbar mit unseren Müll umgegangen sind, verging auch nochmal viel Zeit und im Grunde schmeißen wir immer noch jede Menge Rohstoffe einfach. In Indien mag die Müllsituation haarsträubend sein, aber eine 1+ würde ich uns selbst auch nicht geben wollen.

Dazu kann man sagen: Wir haben's damals nicht besser gewußt.
Viele Dinge gingen aus ökonomischen und politischen Grunden nicht, aber vieles auch nur deshalb, weil niemand drauf gekommen ist und weil der Blick über den Gartenzaun fehlte.

Deshalb ist das Beste ein Personal- und Erfahrungsaustausch.
Zum Beispiel über Partnerstädte.
Da können dann indische Kommunalbeamte mal für 6 Wochen herkommen, und dafür geht von hier jemand für 6 Wochen dorthin.
Sobald man aus seinem eigenen Mief herauskommt und sehen kann, wie es andere machen, sprudeln doch sofort die Ideen und man kann aus den Anregungen neue Lösungen entwickeln.
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Re: Müll in Indien

Beitragvon Sören74 » Do 20. Jun 2019, 12:19

Quatschki hat geschrieben:(20 Jun 2019, 08:49)

Dazu kann man sagen: Wir haben's damals nicht besser gewußt.


Diese These würde ich ehrlich gesagt anzweifeln. Die Giftigkeit der Müllberge war den Experten schon damals bestens bekannt. Aber es war eine Kostenfrage und solange es keine gesetzlichen Vorgaben gab, warum sollte man kostspieligere Varianten umsetzen? Für die DDR kann ich sagen, Umweltschutz war eine reine Kostenfrage. Man hatte auch schon damals Filtersysteme für die Kohlekraftwerke und Co. besäßen. Aber als die mal kaputt gingen, war kein Geld da, diese zu reparieren (oder anders ausgedrückt, man hat das Geld für andere Dinge ausgegeben).
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Re: Müll in Indien

Beitragvon streicher » Fr 21. Jun 2019, 20:46

Sören74 hat geschrieben:(19 Jun 2019, 00:53)

Naja, ich bin in einer Zeit aufgewachsen (in der DDR muss man dazu sagen), da gab es noch offene Deponien und Müllberge und im Westen gab es die einige Jahrzehnte davor wohl auch noch. Bis wir einigermaßen brauchbar mit unseren Müll umgegangen sind, verging auch nochmal viel Zeit und im Grunde schmeißen wir immer noch jede Menge Rohstoffe einfach. In Indien mag die Müllsituation haarsträubend sein, aber eine 1+ würde ich uns selbst auch nicht geben wollen.
Naja: seit 14 Jahren darf in Deutschland kein Müll mehr auf Halden gekippt werden. Das ist eigentlich erstaunlich kurz - kein Unterschied in "Ost" und "West", um das mal zu erwähnen.

Die Frage ist demnach auch, was man mit den alten Halden anfängt...
Seit 2005 darf in Deutschland kein unbehandelter Hausmüll mehr auf Halden gekippt werden. Das heißt: Was nicht wiederverwertet wird, wird verbrannt. Für manche Experten ist diese Form der Müllentsorgung eine gigantische Verschwendung von Ressourcen.
Im Unrat der Menschen stecken Rohstoffe. So gibt es Schätzungen, nach denen 4,5 Prozent der weltweiten Tantal-Produktion im deutschen Hausmüll verschwindet. Computerbauteile werden daraus gefertigt, Mobiltelefone würden ohne das Metall nicht funktionieren. Ausrangierte Smartphones gehören in die Wiederverwertung, der Hausmüll ist für Tantal definitiv der falsche Ort. Hinzu kommen Eisen- und Aluminiumschrott und andere Metalle. "Die Schlacken aus der Müllverbrennung enthalten 0,4 bis 0,7 Prozent Kupfer", sagt Daniel Goldmann, Professor für Rohstoffaufbereitung und Recycling an der Technischen Universität Clausthal, "Tendenz steigend".
Die geheimen Schätze der Mülldeponien

Nur, wie wird ein "Abbau" finanziert, hier in D oder in Indien, und wann wird es rentabel? Die Rentabilität scheint die rote Linie zu sein, die es zu überschreiten gilt. Vielleicht sollte man nicht nur die Dollarzeichen sehen.
Die Zukunft ist Geschichte.

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