Eurovision Song Contest - alle Jahre wieder

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PeterK
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Re: Eurovision Song Contest - alle Jahre wieder

Beitragvon PeterK » So 19. Mai 2019, 12:30

Selina hat geschrieben:(19 May 2019, 07:53)
Jedes Jahr nehme ich mir vor, das Zeuchs im nächsten Jahr ganz bestimmt nicht mehr anzuschauen ...

Ich kenne nur die Version von Hape Kerkeling.
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Selina
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Re: Eurovision Song Contest - alle Jahre wieder

Beitragvon Selina » So 19. Mai 2019, 12:42

schokoschendrezki hat geschrieben:(19 May 2019, 12:24)

mmmh ... nein. Das hätte man vielleicht von diesem berühmten Munich Sound Ende der 70er sagen können. Giorgio Moroder & Co. Wie hier schon erwähnt: DIe Bedingungen und Umstände der Musikindustrie heute sehen komplett anders aus. Und möglicherweise (ich weiß es nicht) kannst Du dir kaum vorstellen, wie hoch die technisch-musikalischen Ansprüche gerade auch in der U-Musik heute eigentlich sind. VIele gefeierte Gitarrenhelden der 70er würde heute bei einer Bewerbung für eine Glitzershow wie z.B. die im Berliner Friedrichstadtpalast glatt durchfallen. Musikalisch so gesehen eigentlich das erste.


Nein, da hast du mich komplett missverstanden. Ich meinte natürlich, Abba in ihrer Zeit betrachtet. Was heute alles anders läuft und zu so genannter guter Pop- und Rock-Musik gehört, das ist mir selbstverständlich bewusst. Ich schaue und höre mir auch andere solche Dinge an und kann da schon ein klitzekleines bisschen mitreden. Was ich mit dem Abba-Vergleich meinte, ist einfach der musikalische Anspruch, die Reife der Produktion, die Ausstrahlung, das Feeling für Show. All das sind Aspekte, die man heute durchaus auch noch voraussetzen kann in einem so groß aufgezogenen Wettbewerb. Voraussetzen müsste. Vor allem Verschiedenartigkeit, Originalität der Beiträge. Und zuallererst: Musikalität. Aber nichts dergleichen ist da vorzufinden. Seit Jahren geht das nun schon so (Ausnahmen gibt es natürlich. Und die zwei deutschen Pop-Mädchen haben in diesem Genre durchaus ihre Sache gut gemacht, passten stimmlich hervorragend zusammen). Diesen Anspruch an das "Gesamtpaket" kann man schon von den Klassikern lernen. Auch wenn die Musik technisch und inhaltlich heute natürlich eine andere ist. Das ist einfach wie mit vielen Dingen auf diesen Gebiet. Alles verflacht und wird gefällig gemacht bis zur Unkenntlichkeit. Hat auch was mit der Zeit in einem weiteren Sinne zu tun.
Zuletzt geändert von Selina am So 19. Mai 2019, 13:11, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Eurovision Song Contest - alle Jahre wieder

Beitragvon Eulenwoelfchen » So 19. Mai 2019, 12:49

Selina hat geschrieben:(19 May 2019, 07:53)

Jedes Jahr nehme ich mir vor, das Zeuchs im nächsten Jahr ganz bestimmt nicht mehr anzuschauen, aber was mache ich? :D


Mein aufrichtiges Mitgefühl für Ihren Kampf gegen den inneren Schweinehund. :p

Ich habe es mir nicht (mehr angetan), sondern dafür München Mord (war sehr gut und etwas schräg) und anschließend als Alternative zum ESC
das aktuelle Sportstudio mit den feiernden Bayern. Auch so eine Murmeltiernummer und dem Angucken von ESC nicht unähnlich im gefühlten Seherlebnis.
Die fröhlichen Schmalzbacken, von Robben über Gold-Fronck bis hin zu Uli und seinem leicht bäckchenerrötenden Co-Genius Karl-Heinz R. sind
etwa so anregend eine ESC-Säusel- oder "Partynummer" von irgendwelchen Y-Stars und Sternchen, die sich durch den Contest
Hoffnungen auf einen Aufstieg in den Rang eines U-Promis erhoffen, nämlich gar nicht.

Um ehrlich zu sein, ich bin kurz nach Beginn des Sportstudios auf der Couch eingeschlafen und habe geträumt...

unter anderem, dass Marietta Slomka - einigermaßen entsetzt - im heute-journal Ausschnitte eines neuen Enthüllungsvideos (einer investigativen Recherchegemeinschaft
von arte, br und zdf mit dem vielsagenden Kommentar "mit dem Zweiten sieht man besser" präsentierte.

Da war ein ziemlich älterer Herr einer nicht mehr ganz unbekannten Partei beim Bodenwischen zu sehen, hinter ihm eine blonde Domina mit halblangen Haaren, die ihm den Hintern versohlte und - ihn dafür von ihm dringend gewollt und stocknüchtern - bestrafte, weil er ihr gestanden hatte, dass ihm durch einen vatikannahen und gemeinnützigen e.V. mit Hilfe (und freundlicher Unterstützung) von VW, Daimler Benz, BMW und der Deutschen Bank der Kauf und die Übernahme der FAZ und des Stern gelungen sei. Mit der großen Aussicht, die Putzfrau AKK stimmenmäßig in den Putzeimer zu verfrachten, bei der EU-Wahl und vor allem bei der nächsten BW-Wahl, wenn sie nach dem Abgang von "Mutti" den Merz für Alle machen muss. Und der hat es nun nicht so mit dem Putzen, soviel bekannt ist.
Aber die Betrafung für die ungeheuerliche mediale Tat des grauen Nationalistenphanters mit intelleller Wichtigtuer-Sehhilfe auf der politischen Pinocchionase war sein ausdrücklicher, heimlicher sexueller Wunsch, so die
Aussage eines Politikexperten, der der lieben Frau Slomka hilfreich zur Seite stand, als ihr die Sprache endgültig zu versagen drohte.

Dazwischen war noch ein Erinnerungsfetzen von einem ESC, den die hier gewonnen haben:


mit einer gemeinsamen, megasteilen DJ-cover-version von "venceremos"... :)
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Re: Eurovision Song Contest - alle Jahre wieder

Beitragvon Selina » So 19. Mai 2019, 12:55

yogi61 hat geschrieben:(19 May 2019, 12:08)

Liebe Selina, die Zeiten sind eben vorbei. Heute werden kaum noch Tonträger verkauft und einige dieser Künstler versuchen über die Performance später ein paar Auftritte und Tantiemen zu ergattern.
Warum schickt Großbritanien nicht einfach Elton John, Rod Stewart oder Coldplay dahin? Ganz einfach, weil die es nicht machen würden. :D


:thumbup: :D

Ja, genau das hab ich gestern auch gedacht: Wie gut wäre es, jetzt mal sonen Beatle dort zu haben. Oder ja, Elton John, Ronan Keating oder oder oder. Aber ja, die würden sich schwer hüten :D Die Aversion in diesen Kreisen gegen den Songcontest spricht doch auch Bände. Wenn das Ganze nur einen Funken Niveau hätte, würde da schon mal der eine oder andere der wirklichen Musik-Größen vorbeischauen oder von den Machern wenigstens zu Rate gezogen werden vorher. Aber so... ;) Und dieses langweilige Warm-up zuvor mit der ewig gleichförmigen Barbara Schöneberger, die sich selbst sicher für äußerst witzig hält. Nee. Das Beste war noch Annett Louisan.
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Re: Eurovision Song Contest - alle Jahre wieder

Beitragvon imp » So 19. Mai 2019, 13:26

Madonna war dort auch nur, weil ihr neuestes Album Werbung braucht. Dringend.
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Re: Eurovision Song Contest - alle Jahre wieder

Beitragvon schokoschendrezki » So 19. Mai 2019, 13:32

Selina hat geschrieben:(19 May 2019, 12:42)

Nein, da hast du mich komplett missverstanden. Ich meinte natürlich, Abba in ihrer Zeit betrachtet. Was heute alles anders läuft und zu so genannter guter Pop- und Rock-Musik gehört, das ist mir selbstverständlich bewusst. Ich schaue und höre mir auch andere solche Dinge an und kann da schon ein klitzekleines bisschen mitreden. Was ich mit dem Abba-Vergleich meinte, ist einfach der musikalische Anspruch, die Reife der Produktion, die Ausstrahlung, das Feeling für Show. All das sind Aspekte, die man heute durchaus auch noch voraussetzen kann in einem so groß aufgezogenen Wettbewerb. Voraussetzen müsste. Vor allem Verschiedenartigkeit, Originalität der Beiträge. Und zuallererst: Musikalität.

ALso verschiedenartig waren die ESC-Beiträge schon. Und "Musikalität" ... ja, was ist das eigentlich. ... an Professionalität, technischem Können usw. gibts da beim ESC jedenfalls wenig zu meckern. Allein schon die ganze ABwicklung der Veranstaltungsdurchführung ... alle Achtung. Der ESC bedient ein ziemlich großes Segment dieser postmodernen Vielfalt: Queer, bunt, aber auch auf große Emotionen bedacht.

Politisch gesehen viel interessanter als die künslterische "Originalität" der Beiträge ist für mich die Rolle der Staten des ehemaligen sowjetisch dominierten Systems und vor allem natürlich RUsslands selbst. In diesen Staaten spielt der ESC eine viel größere Rolle als z.B. in klassischen Popnationen wie UK. Und gleichzeitig stehen die LGBT-Bewegungen massiv unter Druck. In der internationalen politischen Wahrnehmung ... wo steht dieser ESC politisch eigentlich? Frage! Keine Ahnung.

Der Beitrag von Sergei Lasarew war in jeder Hinsicht performancemäßig perfekt. Und große Zentralstaaten wie RUssland oder China werden die Ästhetik solcher Überflieger nach Art von "Game of Thrones" in Zukunft vielleicht noch viel perfekter inszenieren können als der klassische Westen. Es wird unglaubliche Olympiade-Auftakte geben. Ich weiß nicht. Auf fliegenden Riesentribünen werden chinesische Ausnahmepianisten und russische Ausnahmetänzer auftreten. Es wird KI-gesteuerte Feuerwerke dazu geben und die Übertragung der Veranstaltung wird aus dreihundertstöckigen Hochhäusern in Moskau, Shanghai und Dubai gleichzeitig stattfinden.

Der Westen baut derweilen vor allem Autos und Autobahnen und eröffnet im New Yorker CBGB eine Herrenboutique.
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Re: Eurovision Song Contest - alle Jahre wieder

Beitragvon Skeptiker » So 19. Mai 2019, 13:40

Selina hat geschrieben:(19 May 2019, 12:01)
Die ganze Veranstaltung ist ein einziger musikalischer Einheitsbrei. Und das seit Jahren. Frag mich, ob das ernstzunehmenden Pop-Produzenten nicht auffällt. Man kriegt Kopfschmerzen von dieser Einheitlichkeit. Grell, laut, bonbonbunt, dümmlich. Selbst die ursprünglich mal grandiose Gesamtshow einschließlich Farb- und Lichteffekten wird allmählich immer gleichförmiger. Insgesamt ragen höchstens mal ein, zwei Songs, ein zwei Interpreten ein wenig heraus. Aber ansonsten: Musikalisch das Letzte. Wie oft sich die Veranstalter vorgenommen haben, dass das besser werden muss... Vergeblich. Wie gesagt: Man kann davon halten, was man will, aber das Abba-Songcontest-Niveau ist eben unerreicht. Einen Sinn sehe ich in dieser Schaffe nur noch insofern, dass sich da ganze Gruppen vergnügt vor den Fernseher setzen und gemeinsam kräftig ablästern :D

Bei der Bühnentechnik gibt es offensichtlich einen Trend zu LED- und Bildwänden. Es werden aber immer wieder sehr interessante künstlerische Techniken eingebunden. Auch die Bandbreite der Musik ist viel größer als es in den Siebzigern noch war.

In der von dir genannten Zeit haben sich die Beiträge im wesentlichen auf Tanz- und Gesangsperformance beschränkt. Es wären Punkmusik oder Monsterrock zu der Veranstaltung sicher garnicht erst zugelassen worden. Insofern war der ESC damals vergleichsweise fade. Die Tatsache alleine, dass es weniger Effekthascherei gab hat vielleicht den Fokus auf die Musik verlagert - okay.

Achte mal darauf wie unterschiedlich die Künstler die Effekte einsetzen. Es ist diesesmal z.B. in keinem einzigen Beitrag eine Windmaschine eingesetzt worden. Dafür gehen langsame Beiträge gezielt mit bescheidenen Effekten heran, im Gegensatz zu poppigen oder rockigen Beiträgen. Die Bühnentechnik ist mittlerweile so ausgefeilt, dass die den Beitrag zum Teil besonders hervorhebt (z.B. immer wieder Russland, aber auch Schweden minimalistisch mit Heroes).

Nein, sorry, ich kann nicht erkennen wie das ein Einheitsbrei sein soll. Ich sehe ganz das Gegenteil, insbesondere im Vergleich zur "alten Zeit".
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Re: Eurovision Song Contest - alle Jahre wieder

Beitragvon Skeptiker » So 19. Mai 2019, 13:55

Ich finde bei aller Kritik am ESC sollte man nicht übersehen welches tolle Event das für Menschen in ganz Europa ist. Es ist wahrlich eines der wenigen ganzeuropäischen Kulturgüter.

Wir sitzen als ganze Familie vor dem Fernsehen und schauen uns alles von vorne bis hinten an. Jeder hat seinen Favoriten - diesesmal z.B. bei beiden Kindern der aus Tschechien, der mir garnicht gefiel. Wir haben Familie, Freunde und Bekannte auch in anderen europäischen Ländern und dort ist es ähnlich. Mir fällt spontan kein Event mit einem derart europäischen Charakter ein.

Mein Eindruck ist, dass man manchmal etwas überkritisch damit ist. Wenn es sich 200Mio Menschen jedes Jahr anschauen, dann kann es nicht so schlecht sein. Im Gegenteil, es scheint viele Leute zu bewegen. Und nächstes Jahr in Holland ganz sicher wieder …
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Re: Eurovision Song Contest - alle Jahre wieder

Beitragvon BlueMonday » So 19. Mai 2019, 14:27

Naja der dt. Beitrag wurde ja schon im Vorfeld ziemlich vom Hater-Mob kaputt geredet und gefühlt dann auch von den Verantwortlichen etwas fallen gelassen.

Der Beitrag war jedenfalls weder Trash noch Fließband, sondern gehobenes ESC-Niveau. Ein Beitrag, der mehr verdient hätte. Aber das war schon bei "Black Smoke" so. Die Bühnenchoreografie war m.E. ein Rückschritt zum Vorentscheid.
Da mal ne professionellere Analyse: https://www.youtube.com/watch?v=9UQuyd-FTlw

Aber es ist auch schwierig bei so einer total heterogenen Votergemeinschaft den "Konsens" zu finden. S!sters spricht, obwohl thematisch darauf ausgerichtet, wohl gerade weniger die Frauen an. Die rufen eher für solche grauseligen Nettas wie im Vorjahr an. Neid regiert die Welt.
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Re: Eurovision Song Contest - alle Jahre wieder

Beitragvon schokoschendrezki » So 19. Mai 2019, 15:18

BlueMonday hat geschrieben:(19 May 2019, 14:27)

Naja der dt. Beitrag wurde ja schon im Vorfeld ziemlich vom Hater-Mob kaputt geredet und gefühlt dann auch von den Verantwortlichen etwas fallen gelassen.

Der Beitrag war jedenfalls weder Trash noch Fließband, sondern gehobenes ESC-Niveau. Ein Beitrag, der mehr verdient hätte. Aber das war schon bei "Black Smoke" so. Die Bühnenchoreografie war m.E. ein Rückschritt zum Vorentscheid.
Da mal ne professionellere Analyse: https://www.youtube.com/watch?v=9UQuyd-FTlw

Aber es ist auch schwierig bei so einer total heterogenen Votergemeinschaft den "Konsens" zu finden. S!sters spricht, obwohl thematisch darauf ausgerichtet, wohl gerade weniger die Frauen an. Die rufen eher für solche grauseligen Nettas wie im Vorjahr an. Neid regiert die Welt.


:p "Musikpolizist". Der Name ist Programm. Der Musikpolizist hat natürlich im großen und ganzen recht und ich nehm es dem auch ab, dass er den Song im Youtube-Beitrag das erstemal und spontan hört. Der Beitrag bestätigt nochmal, was ich schon weiter oben schrieb: Das technisch-könnerische Niveau ist im U-Musik-Bereich viel höher, als es wahrscheinlich von vielen vermutet wird. Wenn man sich erstmal auf ein Stilmittel-Repertoire geeinigt hat, wird man relativ schnell auf Kriterien kommen, um die Einhaltung und korrekte Befolgung dieser Stilmittel sehr genau beurteilen zu können. Dieser Dur-zu-Moll-Übergang in gleicher Tonart, von dem am Anfang die Rede ist, ist ein gängiges und beliebtes Stilmittel sowohl und vor allem in "Tavernenschlagern", wenns von optimistisch zu rührselig gehen soll, wie aber auch in neueren Britpop-Erfolgssongs (Oasis, "So I start a revolution from my bed", F-Dur zu f-moll) oder Party-Hits wie "Kling Klang" ("Bloß von hier weg, so weit wie möglich, bis du sagst ...", ebenfalls F-Dur zu f-moll) Aber das Problem ist natürlich diese rapide Stilmittel-Kanonisierung, so nenn' ichs mal, die man in ganz vielen Bereichen (auch außerhalb von Musik) vorfindet. LIege ich da falsch? Es ist in den letzten 10, 20, 30 Jahren überall eine große Liebe zur genauen Befolgung von "Szeneregeln" ausgebrochen. Und damit auch zur Etablierung, Verselbständigung und gegenseitigen Abgrenzung von "Szenen" entstanden.
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Re: Eurovision Song Contest - alle Jahre wieder

Beitragvon Mango » So 19. Mai 2019, 15:22

Der Auftritt von Madonna war zwar Sängerisch nicht so toll aber ich fand die Botschaft von Madonna die sie rein geschmuggelt hat auf den Rücken ihrer Tänzer nicht mal so übel die palästinensische und die israelische Fahne Hand in Hand so sollte es sein .
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Re: Eurovision Song Contest - alle Jahre wieder

Beitragvon schokoschendrezki » So 19. Mai 2019, 15:59

Auch nach nochmaligem Hören spricht mich der tschechische Beitrag (Lake Malawi: Friend of a Friend) am meisten an. Locker, lightweighted, reduziert, minimalistisch. Auch in der optischen Umsetzung. Ohne Vorprogrammierung auf Tränenausbrüche und Feuerzeugschwenken. Die Rhythmusgruppe, der Drive durch minimale rhythmische Versetzungen (z.B. zwischen Bass und Drums) macht die Musik. Der Song hat auch gruzndsätzlich eine Idee was den Text betrifft. Es bleibt aber nix hängen von dieser 0-8-15-Melodie. Es gibt grade in Ländern wie Tschechien, Polen oder Ungarn so viel viel besseres, was eigentlich alles auch super-ESC-tauglich wäre. Vielleicht ist diese Teilnahme ja wirklich eher ein Hindernis.

Ich würde in Begeisterungsstürme ausbrechen, wenn etwas so schräg-geniales beim ESC auftauchen würde wie etwa dies: https://www.youtube.com/watch?v=6g26StE8N60
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Re: Eurovision Song Contest - alle Jahre wieder

Beitragvon BlueMonday » So 19. Mai 2019, 16:19

schokoschendrezki hat geschrieben:(19 May 2019, 15:18)

:p "Musikpolizist". Der Name ist Programm. Der Musikpolizist hat natürlich im großen und ganzen recht und ich nehm es dem auch ab, dass er den Song im Youtube-Beitrag das erstemal und spontan hört. Der Beitrag bestätigt nochmal, was ich schon weiter oben schrieb: Das technisch-könnerische Niveau ist im U-Musik-Bereich viel höher, als es wahrscheinlich von vielen vermutet wird. Wenn man sich erstmal auf ein Stilmittel-Repertoire geeinigt hat, wird man relativ schnell auf Kriterien kommen, um die Einhaltung und korrekte Befolgung dieser Stilmittel sehr genau beurteilen zu können. Dieser Dur-zu-Moll-Übergang in gleicher Tonart, von dem am Anfang die Rede ist, ist ein gängiges und beliebtes Stilmittel sowohl und vor allem in "Tavernenschlagern", wenns von optimistisch zu rührselig gehen soll, wie aber auch in neueren Britpop-Erfolgssongs (Oasis, "So I start a revolution from my bed", F-Dur zu f-moll) oder Party-Hits wie "Kling Klang" ("Bloß von hier weg, so weit wie möglich, bis du sagst ...", ebenfalls F-Dur zu f-moll) Aber das Problem ist natürlich diese rapide Stilmittel-Kanonisierung, so nenn' ichs mal, die man in ganz vielen Bereichen (auch außerhalb von Musik) vorfindet. LIege ich da falsch? Es ist in den letzten 10, 20, 30 Jahren überall eine große Liebe zur genauen Befolgung von "Szeneregeln" ausgebrochen. Und damit auch zur Etablierung, Verselbständigung und gegenseitigen Abgrenzung von "Szenen" entstanden.


Ich sag mal, ich möchte kein Komponist sein. Die Gefahr sich zu wiederholen ist groß, gerade bei so einem beengten Format (3-4 Minuten, es muss spätestens nach 30 sek. "zünden" und von Millionen möglichst beim 1. Hören "verstanden" werden usw.). Das ist die große Kunst, dann doch das Besondere und Bleibende zu schaffen, wobei man damit nun nicht unbedingt so einen Konsenswettbewerb gewinnt. Das ist dann auch nicht so wichtig, aber "zero points" zehrt dann doch an den verletztlichen Seelen. Davon muss man sich erst einmal erholen. Persönlich stört mich nur, wenn der "Laie" respektlos und ahnungslos die Axt an kreativen Output legt. Dass etwas mit Respekt behandelt oder gar bestaunt wird, gibt es wohl immer weniger. Alles wird über die Maßen bemäkelt und heruntergezogen.
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Re: Eurovision Song Contest - alle Jahre wieder

Beitragvon Alexyessin » Mo 20. Mai 2019, 09:22

Skeptiker hat geschrieben:(19 May 2019, 13:55)

Ich finde bei aller Kritik am ESC sollte man nicht übersehen welches tolle Event das für Menschen in ganz Europa ist. Es ist wahrlich eines der wenigen ganzeuropäischen Kulturgüter.

Wir sitzen als ganze Familie vor dem Fernsehen und schauen uns alles von vorne bis hinten an. Jeder hat seinen Favoriten - diesesmal z.B. bei beiden Kindern der aus Tschechien, der mir garnicht gefiel. Wir haben Familie, Freunde und Bekannte auch in anderen europäischen Ländern und dort ist es ähnlich. Mir fällt spontan kein Event mit einem derart europäischen Charakter ein.

Mein Eindruck ist, dass man manchmal etwas überkritisch damit ist. Wenn es sich 200Mio Menschen jedes Jahr anschauen, dann kann es nicht so schlecht sein. Im Gegenteil, es scheint viele Leute zu bewegen. Und nächstes Jahr in Holland ganz sicher wieder …


Dahingehend betrachtet stimmt das. Ich bin nun wirklich kein Freund von Popmusik, aber trotzdem läuft der ESC auch bei uns und wir gehen das auch immer kritisch durch.
Meine Frau setzte auf die FYROM ( schreibt sich leichter :) ), ich war mal wieder für Spanien und die Malteserin. Naja, mein Weibilein hatte zumindest mehr Gespür für die Kritiker.
Und ja, es bindet Menschen aus ganz europa. Doch, das ist ein Aspekt, den ich so noch nicht betrachtet hab. :thumbup:
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Re: Eurovision Song Contest - alle Jahre wieder

Beitragvon Selina » Mo 20. Mai 2019, 10:02

schokoschendrezki hat geschrieben:(19 May 2019, 13:32)

ALso verschiedenartig waren die ESC-Beiträge schon. Und "Musikalität" ... ja, was ist das eigentlich. ... an Professionalität, technischem Können usw. gibts da beim ESC jedenfalls wenig zu meckern. Allein schon die ganze ABwicklung der Veranstaltungsdurchführung ... alle Achtung. Der ESC bedient ein ziemlich großes Segment dieser postmodernen Vielfalt: Queer, bunt, aber auch auf große Emotionen bedacht.

Politisch gesehen viel interessanter als die künslterische "Originalität" der Beiträge ist für mich die Rolle der Staten des ehemaligen sowjetisch dominierten Systems und vor allem natürlich RUsslands selbst. In diesen Staaten spielt der ESC eine viel größere Rolle als z.B. in klassischen Popnationen wie UK. Und gleichzeitig stehen die LGBT-Bewegungen massiv unter Druck. In der internationalen politischen Wahrnehmung ... wo steht dieser ESC politisch eigentlich? Frage! Keine Ahnung.

Der Beitrag von Sergei Lasarew war in jeder Hinsicht performancemäßig perfekt. Und große Zentralstaaten wie RUssland oder China werden die Ästhetik solcher Überflieger nach Art von "Game of Thrones" in Zukunft vielleicht noch viel perfekter inszenieren können als der klassische Westen. Es wird unglaubliche Olympiade-Auftakte geben. Ich weiß nicht. Auf fliegenden Riesentribünen werden chinesische Ausnahmepianisten und russische Ausnahmetänzer auftreten. Es wird KI-gesteuerte Feuerwerke dazu geben und die Übertragung der Veranstaltung wird aus dreihundertstöckigen Hochhäusern in Moskau, Shanghai und Dubai gleichzeitig stattfinden.

Der Westen baut derweilen vor allem Autos und Autobahnen und eröffnet im New Yorker CBGB eine Herrenboutique.


Schöner Song, den du an anderer Stelle verlinkt hast :D Ja, genau so etwas gehört dorthin. Und weil du es ansprichst: Neben dem Gedanken von internationaler Vielfalt und Weltoffenheit ist ganz sicher auch noch die deutlich zu spürende Stärkung der LGBT-Bewegung ein wichtiger Aspekt vom ESC. Auch wenn ich ihn musikalisch bis auf paar Ausnahmen langweilig finde.
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
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Re: Eurovision Song Contest - alle Jahre wieder

Beitragvon peterkneter » Mo 20. Mai 2019, 10:13

ich habe es mir dieses Jahr nicht angesehen. Hatte kurz bei Australien reingeschaltet und hab gleich gedacht: Der wird gewinnen.
Am Ende wurde es dann Niederlande mit einer schönen Ballade (wie es hieß). Für mich ziemlich wenige wiedererkennungswert vom Stück her. Ich sehe das ganze immer von der Perspektive der Komposition. Ich habe mal ein bisschen durch gehört nach dem ESC via youtube und muss sagen, dass ich Australien doch mit am besten fand. die show war natürlich auch klasse aber die ist für mich eigentlich nicht wichtig. Es gab aber schon mal Jahrgänge die deutlich verschiedenere Musikstücke aufwies. Vieles hat wohl auch damit zu tun, dass fast alle mitlerweile auf Englisch singen, deher geht es zimlich leicht ins Ohr aber auch ziemlich leicht wieder raus.
Vor ein paar Jahren fand ich mal eine Holländerin ganz gut mit dem Song "Birds falling from rooftops" der war inhaltlich etwas crazy aber musikalisch ziemlich gut.
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Re: Eurovision Song Contest - alle Jahre wieder

Beitragvon Lomond » Mo 20. Mai 2019, 10:48

Musik scheint beim ESC immer mehr eher Nebensache zu sein.
Mir schien das oft mehr so eine Übung im Bodenturnen zu sein - mit schlechter Musikbegleitung.
Dieses ständige dämliche Rumgehopse - was hat das mit Song oder Chanson zu tun?
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Re: Eurovision Song Contest - alle Jahre wieder

Beitragvon Wolverine » Mo 20. Mai 2019, 12:07

imp hat geschrieben:(19 May 2019, 13:26)

Madonna war dort auch nur, weil ihr neuestes Album Werbung braucht. Dringend.


Und der Auftritt war mehr als peinlich.
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Re: Eurovision Song Contest - alle Jahre wieder

Beitragvon Alexyessin » Mo 20. Mai 2019, 12:22

Wolverine hat geschrieben:(20 May 2019, 12:07)

Und der Auftritt war mehr als peinlich.


Fand ich gar nicht so schlimm. Hat Live gesungen und die Bühnenshow war künstlerisch interessant.
Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin kein Nazi, aber...
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Re: Eurovision Song Contest - alle Jahre wieder

Beitragvon TheManFromDownUnder » Mo 20. Mai 2019, 12:32

Wolverine hat geschrieben:(20 May 2019, 12:07)

Und der Auftritt war mehr als peinlich.


Dieses ganze ESC ist peinlich.

Wir haben kurz reingeschaut und dann ganz schnell ausgeschaltet! Idiotisch incl der australische Beitrag (seit wnn sind wir Teil von Europa???) Blondie auf einer Stange und Falsetto Gekreische. Schrecklich! :rolleyes:
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