Veränderung des Arbeitslebens durch EUGH Urteil zur Arbeitszeiterfassung

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JJazzGold
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Re: Veränderung des Arbeitslebens durch EUGH Urteil zur Arbeitszeiterfassung

Beitragvon JJazzGold » Mi 15. Mai 2019, 14:25

Troh.Klaus hat geschrieben:(15 May 2019, 12:19)

Eigentlich geht es um die Messung der Arbeitszeiten, nicht um Kontrolle. Und eigentlich ist das Ziel, Arbeitnehmerrechte zu stärken.
Natürlich kann das auch nach hinten los gehen. Aber drüber kann man erst sinnvoll diskutieren, wenn man die Durchführungsverordnung vorliegen hat.

Wie sieht denn bei Euch derzeit die Arbeitszeiten-Erfassung aus? Alle mit reiner Vertrauensarbeitszeit?

Mich trifft das Gesetz nicht (mehr). Aber während meiner ersten Angestelltenjahre habe ich vier Jahre bei Siemens mit Stechuhr gearbeitet, mit der Möglichkeit der manuellen Korrektur und Nacherfassung. Danach habe ich meine Arbeitszeiten immer selbst erfasst, inklusive Überstunden. Manchmal ganz analog auf Papier, manchmal fortschrittlich in einer Anwendung.


Wie sah sie aus. ;) Mich trifft es auch nicht mehr.

Wenn ich mich an den Anfang zurück erinnere, dann wurde zwar erfasst, handschriftlich, aber das wurde sehr vertrauensvoll und großzügig gehandhabt, nicht zum Nachteil der AN. Nachdem die Stechuhr kam, ging das nicht mehr, aber da war ich bereits eigenverantwortlich tätig, was ich sehr genossen habe, da ich zu den Nachtigallen gehöre und nicht zu den Lerchen.
Dass man von Zeiterfassung ungebunden dazu tendiert, mehr Stunden als die vorgegebene 40 Stunden Woche zu arbeiten, kann ich bestätigen, aber man holt sich auch immer wieder den Ausgleich.

Mir ist klar, was mit dem Urteil erreicht werden soll, nur fürchte ich, dass sich die Erfordernisse einer bürokratischen Regelung mittels daraus resultierender Vereinfachung der Erfassung und Kontrolle auch negativ auf diejenigen Beschäftigten auswirken kann, die heute vom Vertrauen leben.
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relativ
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Re: Veränderung des Arbeitslebens durch EUGH Urteil zur Arbeitszeiterfassung

Beitragvon relativ » Mi 15. Mai 2019, 15:11

JJazzGold hat geschrieben:(15 May 2019, 14:25)

Mir ist klar, was mit dem Urteil erreicht werden soll, nur fürchte ich, dass sich die Erfordernisse einer bürokratischen Regelung mittels daraus resultierender Vereinfachung der Erfassung und Kontrolle auch negativ auf diejenigen Beschäftigten auswirken kann, die heute vom Vertrauen leben. [/color]


Genau so könnte es vielerorts werden.
Bisher musste zwar auch jemand für diese Vertrauensarbeitszeit theoretisch gerade stehen, aber eben nicht schriftlich. Dies könnte sich jetzt in einigen Bereichen/Abteilungen ändern und somit evtl. auch das Vertrauen.
Ich gehe aber auch davon aus, daß viele Unternehmen Exeltabellen einführen werden, wo die Beschäftigten, oder die Bereichsleiter die Zeiten eintragen und da geht es dann wohl auch eher um Vertrauen.
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imp
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Re: Veränderung des Arbeitslebens durch EUGH Urteil zur Arbeitszeiterfassung

Beitragvon imp » Mi 15. Mai 2019, 15:45

JJazzGold hat geschrieben:(15 May 2019, 14:25)

Wie sah sie aus. ;) Mich trifft es auch nicht mehr.

Wenn ich mich an den Anfang zurück erinnere, dann wurde zwar erfasst, handschriftlich, aber das wurde sehr vertrauensvoll und großzügig gehandhabt, nicht zum Nachteil der AN. Nachdem die Stechuhr kam, ging das nicht mehr, aber da war ich bereits eigenverantwortlich tätig, was ich sehr genossen habe, da ich zu den Nachtigallen gehöre und nicht zu den Lerchen.
Dass man von Zeiterfassung ungebunden dazu tendiert, mehr Stunden als die vorgegebene 40 Stunden Woche zu arbeiten, kann ich bestätigen, aber man holt sich auch immer wieder den Ausgleich.

Mir ist klar, was mit dem Urteil erreicht werden soll, nur fürchte ich, dass sich die Erfordernisse einer bürokratischen Regelung mittels daraus resultierender Vereinfachung der Erfassung und Kontrolle auch negativ auf diejenigen Beschäftigten auswirken kann, die heute vom Vertrauen leben.

Ich sehe da weniger Probleme. 48 Stunden in der Woche reichen vollkommen aus, für bestimmte Randbereiche gibt es genehmigungspflichtige Ausnahmen. Arbeitszeiterfassung bedeutet nicht Arbeitszeitüberwachung - die Erfassung kann auch zeitnah nachträglich und von Hand erfolgen. Zudem ist aus einer Erfassung kein Verbot von Gleitzeit abzuleiten.
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Re: Veränderung des Arbeitslebens durch EUGH Urteil zur Arbeitszeiterfassung

Beitragvon peterkneter » Mi 15. Mai 2019, 17:41

relativ hat geschrieben:(15 May 2019, 15:11)

Genau so könnte es vielerorts werden.
Bisher musste zwar auch jemand für diese Vertrauensarbeitszeit theoretisch gerade stehen, aber eben nicht schriftlich. Dies könnte sich jetzt in einigen Bereichen/Abteilungen ändern und somit evtl. auch das Vertrauen.
Ich gehe aber auch davon aus, daß viele Unternehmen Exeltabellen einführen werden, wo die Beschäftigten, oder die Bereichsleiter die Zeiten eintragen und da geht es dann wohl auch eher um Vertrauen.


ja das fürchte ich. Dieses Gesetz kann sehr negative Folgen haben. Genauso wie damals beispielsweise die Reformierung des Wissenschaftszeitvertragsgesetz im Jahre 2016. Die Absicht dahinter war, dass
es möglichst mehr Festeinstellungen und weniger Befristungen geben sollte. Die Folge war, dass alle Befristeten Entlassen wurden. Nur so ein Beispiel von einem Gesetz, was gutes Will und Schlechtes Schafft.

Gerade in Betrieben ohne Betriebsrat kann das dann Schnell zur Überwachung kommen, alles Legitimiert durch das Gesetz. Ich hoffe das der Datenschutz da noch einiges Abfeder kann, von wegen der Vision
von JJazzGold mit dem Chip der Überwacht, wo man gerade ist und ob man an die Arbeit denkt oder in der Nasebort...Ich weiß, manche können beides gleichzeitig.
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Re: Veränderung des Arbeitslebens durch EUGH Urteil zur Arbeitszeiterfassung

Beitragvon Mango » Mi 15. Mai 2019, 17:52

Das mit der Arbeitszeit erfassung ist der grösste Witz .Ich bin selber Arbeitgeber und habe feste Zeiten als kleines Fachgeschäft mit Werkstatt Öffnungszeiten von bis da nach ich geschlossen.Bei Grösseren Firmen über 50 Mitarbeiter gibt es schon immer eine Zeiterfassung anstatt Bürokratie ab zu bauen ist Deutschland Spitzenreiter im aufbauen nur ein kleines Besispiel . Kurse zur Batterieverordnung dann Verpackungsverordnung dann Kurse von der Berufsgenosenschaft dann Certifizierungen und weitere mind.30 Auflagen es geht grade so weiter und die Einzelhändler sterben aus.Des weiteren massig Steuern und Abgaben der verantwortliche der sich das ausgedacht hat hat es meiner Meinung an der Ampel sollen die doch die Grossen Firmen lieber unter die Lupe nehmen aber das traut sich kein Politiker sonst fehlen ja die Parteispenden.
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Re: Veränderung des Arbeitslebens durch EUGH Urteil zur Arbeitszeiterfassung

Beitragvon Markus84 » Mi 15. Mai 2019, 18:01

Zeiterfassung ist richtig. Wenn ich mein Auto in die Werkstatt gebe und es dauert 2 Stunden kann ich auch nicht sagen ich zahle nur 40 Minuten.
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Re: Veränderung des Arbeitslebens durch EUGH Urteil zur Arbeitszeiterfassung

Beitragvon peterkneter » Mi 15. Mai 2019, 18:02

Mango hat geschrieben:(15 May 2019, 17:52)

Das mit der Arbeitszeit erfassung ist der grösste Witz .Ich bin selber Arbeitgeber und habe feste Zeiten als kleines Fachgeschäft mit Werkstatt Öffnungszeiten von bis da nach ich geschlossen.Bei Grösseren Firmen über 50 Mitarbeiter gibt es schon immer eine Zeiterfassung anstatt Bürokratie ab zu bauen ist Deutschland Spitzenreiter im aufbauen nur ein kleines Besispiel . Kurse zur Batterieverordnung dann Verpackungsverordnung dann Kurse von der Berufsgenosenschaft dann Certifizierungen und weitere mind.30 Auflagen es geht grade so weiter und die Einzelhändler sterben aus.Des weiteren massig Steuern und Abgaben der verantwortliche der sich das ausgedacht hat hat es meiner Meinung an der Ampel sollen die doch die Grossen Firmen lieber unter die Lupe nehmen aber das traut sich kein Politiker sonst fehlen ja die Parteispenden.


Gebe dir da absolut recht. Meine Frau ist auch Selbstständig in einem Kleinstbetreib und es gibt auch gefühlt jeden Monat eine Auflage mehr und ein Gesetz mehr, ein Bekleidungsraum, Wer Wäscht die Berufkleidung der Mitarbeiter, Ein Separater Raum für einen Server, Hygienevorschriften, Verordnete Anschaffungen, die man teuer Bezahlen muss ohne dass man eine Wahl hat. Das ist wirklich Grausam und Vermiest einem das Selbstständig sein gehörig. Bis es nur noch Großkonzerne gibt und die Innenstädte leer sind....Aber das ist ein anderes Thema.
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Re: Veränderung des Arbeitslebens durch EUGH Urteil zur Arbeitszeiterfassung

Beitragvon peterkneter » Mi 15. Mai 2019, 18:03

Markus84 hat geschrieben:(15 May 2019, 18:01)

Zeiterfassung ist richtig. Wenn ich mein Auto in die Werkstatt gebe und es dauert 2 Stunden kann ich auch nicht sagen ich zahle nur 40 Minuten.


Die Motivation des Gesetzes zweifelt auch keiner an, aber dass es zu Misbrauch führen kann und wird, das ist die Gefahr.
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Re: Veränderung des Arbeitslebens durch EUGH Urteil zur Arbeitszeiterfassung

Beitragvon JJazzGold » Mi 15. Mai 2019, 18:25

peterkneter hat geschrieben:(15 May 2019, 17:41)

ja das fürchte ich. Dieses Gesetz kann sehr negative Folgen haben. Genauso wie damals beispielsweise die Reformierung des Wissenschaftszeitvertragsgesetz im Jahre 2016. Die Absicht dahinter war, dass
es möglichst mehr Festeinstellungen und weniger Befristungen geben sollte. Die Folge war, dass alle Befristeten Entlassen wurden. Nur so ein Beispiel von einem Gesetz, was gutes Will und Schlechtes Schafft.

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Der Chip war nur halb scherzhaft gemeint. Irgendwann wird er unter der Flagge “zum Schutz des AN“ kommen.

Wie es pauschale Urteile so an sich haben, wird die nachzuweisende Messung, die aufgrund von glaubwürdigem Nachweis einer Kontrolle unterliegen muss, dem einen Teil der AN zugute kommen und dem anderen Teil in seiner kreativen Bewegungsfreiheit schaden. Es läuft auf eine Selbstverpflichtung der Betriebe hinaus, aber ob das als Nachweis im Zweifelsfall rechtlich reicht, daran habe ich so meine Zweifel. Um sicher zu gehen ist die Etablierung eines Kontrollsystems unerlässlich. Das ist erheblicher bürokratischer Aufwand. Den könnte man ggfls durch eine Erweiterung des zeitlichen Prüfrahmens reduziert halten und gleichzeitig anfallende Peaks damit legal abfedern.

Wenn ich einen kleinen Betrieb betrachte, der zukünftig nicht nur einen Azubi Mindestlohn stemmen muss, sondern auch noch ein kontrollierbares Zeitbemessungssystem etablieren, dann frage ich mich, wie ein kleiner, mittelständischer Betrieb das alles schultern soll.
Zuletzt geändert von JJazzGold am Mi 15. Mai 2019, 18:56, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Veränderung des Arbeitslebens durch EUGH Urteil zur Arbeitszeiterfassung

Beitragvon JJazzGold » Mi 15. Mai 2019, 18:28

imp hat geschrieben:(15 May 2019, 15:45)

Ich sehe da weniger Probleme. 48 Stunden in der Woche reichen vollkommen aus, für bestimmte Randbereiche gibt es genehmigungspflichtige Ausnahmen. Arbeitszeiterfassung bedeutet nicht Arbeitszeitüberwachung - die Erfassung kann auch zeitnah nachträglich und von Hand erfolgen. Zudem ist aus einer Erfassung kein Verbot von Gleitzeit abzuleiten.


Was verstehst du unter “zeitnah“?
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Re: Veränderung des Arbeitslebens durch EUGH Urteil zur Arbeitszeiterfassung

Beitragvon imp » Mi 15. Mai 2019, 18:32

JJazzGold hat geschrieben:(15 May 2019, 18:28)

Was verstehst du unter “zeitnah“?

Ungefähr so wie die gelebte Praxis beim Ausbildungs-Berichtsheft - je erwartbarer die tatsächliche Nachschau, desto kürzer. Übermorgen wäre in den meisten Fällen noch zu früh. Angeblich machen das viele sogar am Ende des Lehrjahrs en bloc.

Solange keine Partei motiviert ist, die Richtigkeit anzuzweifeln ... :)
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Re: Veränderung des Arbeitslebens durch EUGH Urteil zur Arbeitszeiterfassung

Beitragvon Mango » Mi 15. Mai 2019, 18:49

peterkneter hat geschrieben:(15 May 2019, 18:02)

Gebe dir da absolut recht. Meine Frau ist auch Selbstständig in einem Kleinstbetreib und es gibt auch gefühlt jeden Monat eine Auflage mehr und ein Gesetz mehr, ein Bekleidungsraum, Wer Wäscht die Berufkleidung der Mitarbeiter, Ein Separater Raum für einen Server, Hygienevorschriften, Verordnete Anschaffungen, die man teuer Bezahlen muss ohne dass man eine Wahl hat. Das ist wirklich Grausam und Vermiest einem das Selbstständig sein gehörig. Bis es nur noch Großkonzerne gibt und die Innenstädte leer sind....Aber das ist ein anderes Thema.

Recht haste das kennt nur jemand der sich mit der Materie auskennt :thumbup:
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Re: Veränderung des Arbeitslebens durch EUGH Urteil zur Arbeitszeiterfassung

Beitragvon McKnee » Mi 15. Mai 2019, 20:56

jack000 hat geschrieben:(15 May 2019, 10:19)

Der Schuss geht ganz schnell nach hinten los. Dann sind nämlich plötzlich:
- Ein Schwätzchen mit Kollegen
- Der Gang zum Kaffeeautomat
- Die Zigarette zwischendurch
- Der Gang zur Toilette
- etc..
Keine Arbeitszeiten mehr, sondern Freizeit.


Ich bitte dich :rolleyes:
Der Hauptgrund für Stress ist der tägliche Kontakt mit Idioten.

Es ist mir egal, ob es ein Albert-Einstein-Zitat ist ...

.....er wusste es :D
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Re: Veränderung des Arbeitslebens durch EUGH Urteil zur Arbeitszeiterfassung

Beitragvon McKnee » Mi 15. Mai 2019, 21:00

John Galt hat geschrieben:(15 May 2019, 11:33)

Die letzten 2000 Jahre hat sich kein Arbeitnehmer um die Zeiterfassung geschert, wovon sein Lebensunterhalt abhängig ist, bis der großartige EUGH kam.


In welcher Welt lebst du?
Der Hauptgrund für Stress ist der tägliche Kontakt mit Idioten.

Es ist mir egal, ob es ein Albert-Einstein-Zitat ist ...

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Re: Veränderung des Arbeitslebens durch EUGH Urteil zur Arbeitszeiterfassung

Beitragvon relativ » Do 16. Mai 2019, 00:25

peterkneter hat geschrieben:(15 May 2019, 18:03)

Die Motivation des Gesetzes zweifelt auch keiner an, aber dass es zu Misbrauch führen kann und wird, das ist die Gefahr.

Missbrauch gibt es auch mit der heutigen Regelung.
Grundsätzlich kann man sich ja mal Fragen, warum so viele Regelungen, Gesetze , Verbote hinzukommen. Nicht alle sind Gespinnste von Versicherungen, oder Regierungen
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Re: Veränderung des Arbeitslebens durch EUGH Urteil zur Arbeitszeiterfassung

Beitragvon Markus84 » Do 16. Mai 2019, 08:05

Die Zeiterfassung ist meiner Meinung nach keine zusätzliche Bürokratie. Durch die Einführung des Mindestlohn müsste eigentlich jeder sowas haben. Es gibt zwar Pessimisten die den Plausch mit dem Kollegen oder den tolletengang dann als privatzeit sehen. Aber umgekehrt ist dann die geleistete Arbeit für den Betrieb auch Arbeitszeit.
Ich kenne aus meinem Umfeld genug Arbeitnehmer bei denen täglich 1 bis 1,5 Stunden dann keine Arbeitszeit sind weil der Grund Arbeitsvorbereitung ist. Das finde ich ein Witz. Die leidtragenden an dieser Situation sind dann die Arbeitgeber welche die komplette Zeit bezahlen und dann im Nachteil durch höhere Kosten sind.

Eine effektivere Entlastung für Arbeitgeber wäre gegeben wenn es bei der Steuer und den Sozialabgaben einheitliche Fristen und Regeln gäbe. Davon würden wohl mehr profitieren.

Unterm Strich bleibt nur die Skepsis ob und wer die Einhaltung überwacht.
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Re: Veränderung des Arbeitslebens durch EUGH Urteil zur Arbeitszeiterfassung

Beitragvon Teeernte » Do 16. Mai 2019, 11:51

McKnee hat geschrieben:(15 May 2019, 20:56)

Ich bitte dich :rolleyes:


Mein Chef stellt mir 10 min. je Zigarette in "Rechnung".

Bei uns ist die Arbeitszeit noch ...vierfach händisch durch den AN zu erfassen -

1. Betriebsrat, nicht länger als 10 Stunden am Tag, Wochenend-,Nacht-, und Feiertagsarbeit nur auf Genehmigung durch den Betriebsrat...
2. Abrechnung für das Projekt (Gegenrechnung für das Kundenangebot)
3. Berechnung des privaten Arbeitszeitkontos 15 Min Frühstück, 30 Min Mittag (MUSS mindestens ab- berechnet werden) ...minus Zigarettenpause.
4. Fahrzeit....mit dem Dienstauto - ....minus 30 Minuten zur Fahrt nach Hause.

Alle Abrechnungen sind meistens Ungleich und werden nicht gegengeprüft....in unterschiedlichen Excellisten erfasst, ausgedruckt und unterschrieben...gescannt und als PDF weitergeschickt.

Im Auto ist ein GPS mit Fernabfrage - was durch den Arbeitgeber nicht zur Nachverfolgung // Arbeitszeitüberwachung genutzt werden darf. Fahrtenbuch erfolgt "Händisch" für das Finanzamt extra in ein Vordruckheft - was geklammert ist....und nicht gebunden - was wiederum zu Auseinandersetzung mit dem Finanzamt (Nichtanerkennung führen kann).

Des weiteren wird die Anschalt- Abschalt und Beriebszeit des Laptops und die Klicks//Anschläge mitgeschrieben - die wiederum nur für die Bezahlung der bereuenden Computerfirma genutzt wird...(darf).

Eine weitere Zeiterfassung erfolgt durch das Zugangssystem mit Schlüsselkarte .....und Zahlung in der Betriebskantine ...

Beim Rauchen .....muss man vor die Tür...und durch das Zugangssystem zurück.....und im Auto ist Rauchverbot. Das Betreten von Anlagen erfolgt mit AN und AB MELDUNG - und wird per Telefon dokumentiert.

Bei Homeoffice entfällt die Meldung für selbst gestalteten Tages//Wochenablauf - :D :D :D und die Überstundenmeldung. (Betriebsratfestlegung)

Manche Mechaniker der Firma haben zusätzliches Abrechnungssystem - mit Barcode ....Arbeitsvorgang , Objekt, ......Teile, Fahrzeit Ausgang vom Objekt -
Die Barcodes Objekt (Kunde Haus) an der Tür ...und für das Gerät - am Gerät oder in der Schaltschranktür. - einmal am Anfang ....und das Objekt bei Arbeitsende//bei mehreren Geräten jeweils dann noch einmal am Arbeitsende Gerät zwischendurch.

Die Tätigkeit gibt es in einem Vordruckheft ....

Manche benötigen für die Bürokratie 2 Stunden..... SAP sei es gedankt.

Nun also noch einmal EXTRA für die EU. >> Das braucht Staatskontrolleure, Listenerfasser und MELDER. ....sowas wie Steuermeldung... Berater, ...Programme, Kurse...Mitarbeiterschulung.

Werter Kunde .....geht grad NICHT .....ich mach grad irgendeine MELDUNG.
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Veränderung des Arbeitslebens durch EUGH Urteil zur Arbeitszeiterfassung

Beitragvon becksham » Do 16. Mai 2019, 11:58

Teeernte hat geschrieben:(16 May 2019, 11:51)
...
Nun also noch einmal EXTRA für die EU. >> Das braucht Staatskontrolleure, Listenerfasser und MELDER. ....sowas wie Steuermeldung... Berater, ...Programme, Kurse...Mitarbeiterschulung.

Werter Kunde .....geht grad NICHT .....ich mach grad irgendeine MELDUNG.

Das ist doch quatsch. Wenn es bei euch jetzt schon eine Erfassung über die komplette Arbeitszeit gibt, musst du doch nichts zusätzlich machen.

Ich erfasse meine Arbeitszeit in Excel, drucke sie monatlich aus, sie wird von meinem Vorgesetzten unterschrieben und geht dann zur Ablage in die Personalabteilung. Da ich auch schon jetzt die komplette Arbeitszeit erfasse und nicht nur die Zeit, die über 8 Stunden hinausgeht, wird sich durch das Urteil gar nichts ändern.
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Re: Veränderung des Arbeitslebens durch EUGH Urteil zur Arbeitszeiterfassung

Beitragvon imp » Do 16. Mai 2019, 12:05

becksham hat geschrieben:(16 May 2019, 11:58)

Das ist doch quatsch. Wenn es bei euch jetzt schon eine Erfassung über die komplette Arbeitszeit gibt, musst du doch nichts zusätzlich machen.

Ich erfasse meine Arbeitszeit in Excel, drucke sie monatlich aus, sie wird von meinem Vorgesetzten unterschrieben und geht dann zur Ablage in die Personalabteilung. Da ich auch schon jetzt die komplette Arbeitszeit erfasse und nicht nur die Zeit, die über 8 Stunden hinausgeht, wird sich durch das Urteil gar nichts ändern.

Ist doch egal ob EUDP/GDPR/DSGVO, jetzt das Zeiterfassungsurteil oder neulich die Arbeitszeitregelungen in Österreich: Jedes Mal wird jede Menge Unsinn verbreitet und für sehr viele Menschen wird sich gar nichts ändern. Die Hälfte der "Neuerungen" sind nur Neufassungen älterer Regeln aus anderen Gesetzen oder Formalisierung von "Praxisrecht" aus einer Reihe von Gerichtsurteilen.

Hauptsache, es hat sich wieder mal jemand aufgeregt. :) Du hast recht, viele Leute haben längst Zeiterfassung und weder muss dafür ein Mensch verbluten noch wurde auf Ausnahmeregeln für kritische Dienste verzichtet.
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Re: Veränderung des Arbeitslebens durch EUGH Urteil zur Arbeitszeiterfassung

Beitragvon relativ » Do 16. Mai 2019, 12:07

becksham hat geschrieben:(16 May 2019, 11:58)

Das ist doch quatsch. Wenn es bei euch jetzt schon eine Erfassung über die komplette Arbeitszeit gibt, musst du doch nichts zusätzlich machen.

Ich erfasse meine Arbeitszeit in Excel, drucke sie monatlich aus, sie wird von meinem Vorgesetzten unterschrieben und geht dann zur Ablage in die Personalabteilung. Da ich auch schon jetzt die komplette Arbeitszeit erfasse und nicht nur die Zeit, die über 8 Stunden hinausgeht, wird sich durch das Urteil gar nichts ändern.

Doch, auf denjenigen die vorher bei der Erfassung der Überstunden und Extraarbeit nix taten, kommen jetzt möglicherweise zusätzliche Belastungen zu.

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