Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon Skeptiker » So 5. Mai 2019, 21:52

streicher hat geschrieben:(05 May 2019, 20:20)
Kürzlich war erst zu lesen, dass die Großkirchen an Mitgliedern verlieren, aber zeitgleich der Wunderglaube zunimmt. Leider habe ich das nicht weiter verfolgt. Diversifizieren sich die Glaubensrichtungen und Glaubensarten, dadurch, dass die Großkirchen an Mitgliedern verlieren? Was ich mich auch frage: haben die Klein-, Frei- und Pfingstkirchen in Deutschland Zulauf? Gewinnt "Heidentum" an Reiz oder zum Beispiel solche Lehren wie die von der Geomantie?

Das ist in der Tat eine interessante Frage. Es neigen immernoch viele Menschen zu Spiritualität und suchen in der Verbindung damit moralstiftende Elemente. So kommt es bei streng gläubigen Menschen zur Konversion zum Islam oder bibeltreuen Christen. Andere schauen auf das Angebot an Religionen und wählen sich etwas, das ihren Neigungen entspricht (z.B. gerne Buddhismus). Wieder andere driften in Richtung Esoterik - man könnte sagen gerichteter Aberglaube wird durch ungerichteten ersetzt.

Ich denke es ist bei einem Rückgang der Koffessionsbindungen notwendig den Humanismus zu stärken um diese Strömungen auf ein weltliches Fundament zu lenken. Je eher und je mehr Menschen sich von Irrationalität loslösen umso eher werden sie in der Lage sein Probleme zu lösen anstatt neue zu schaffen.
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon Misterfritz » So 5. Mai 2019, 22:09

Skeptiker hat geschrieben:(05 May 2019, 21:52)
Ich denke es ist bei einem Rückgang der Koffessionsbindungen notwendig den Humanismus zu stärken um diese Strömungen auf ein weltliches Fundament zu lenken. Je eher und je mehr Menschen sich von Irrationalität loslösen umso eher werden sie in der Lage sein Probleme zu lösen anstatt neue zu schaffen.
Das wird nicht klappen.
Humanismus ist ein zutiefst vernünftiger Ansatz, hat nix Spirituelles, bietet keine Wunder, keine Räucherstäbchen, keine unerklärlichen Wirkungen, also nichts, was diese Suchenden suchen, damit sie beschäftigt sind :D
Früher, als es Naturwissenschaften noch nicht gab, haben die Menschen z.B. Gewitter entzürnten Göttern zugeschrieben - heute weiss man, dass dem nicht so ist. Scheint aber nicht den wirklichen Bedürfnissen vieler Leute zu entsprechen. Also suchen sie anderes, wie z.B. Fengh Shui und Shakra ;)
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon Ewu » Mo 6. Mai 2019, 06:31

Prognosen auf 40 Jahre kann man gleich wegwerfen, wir können ja nichtmal das Wetter drei Tage vorhersagen!
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon streicher » Mo 6. Mai 2019, 19:43

Ewu hat geschrieben:(06 May 2019, 06:31)

Prognosen auf 40 Jahre kann man gleich wegwerfen, wir können ja nichtmal das Wetter drei Tage vorhersagen!
Naja, man kann ja mal die Entwicklung der letzten beiden Dekaden bezüglich der Entwicklung der Mitgliederzahlen in den Großkirchen mal in die Zukunft extrapolieren. Die Großkirchen werden ganz sicher, aber wirklich ganz sicher, Mitglieder in den nächsten Jahren verlieren.
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon Ewu » Di 7. Mai 2019, 08:54

Das glaube ich auch, aber wir werden schon in den nächsten Jahren (nach meiner Einschätzung) dermaßen grundstürzende Veränderungen in Europa erleben, dass uns Höhen und Sehen vergehen wird! Nichts wird mehr sein wie die letzten 70 Jahre nach dem Krieg, Gretchens Ökowahn und Rassendurchmischungsehnsucht wird die gesamte Jugend erfassen, die sich dann in 125 oder noch mehr Geschlechter aufspalten wird, die Weltwirtschaft kollabieren und der Euro zusammenbrechen, daraufhin der Dritte Weltkrieg ausbrechen und wer weiß was sonst noch alles kommen....
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon schokoschendrezki » Di 7. Mai 2019, 09:33

Ersteinmal stellt der Rückgang an Kirchenmitgliedern in Nord- und Mittelwesteuropa (also UK, Benelux, Deutschland, Skandinavien) die Ausnahme dar. Nicht nur weltweit sondern auch in Gesamteuropa. Diesem Rückgang steht eine Renaissance auch der christlichen Kirchen gegenüber. Einen wirklichen Konflikt seh' ich da aber erst mal nicht. Es sind ganz normale aufgeklärte Menschen, Programmierer, Handwerker, Lehrer, Ärzte, die zum Beispiel in Osteuropa Sonntags wieder oder immernoch zum Gottesdienst gehen. Das ganze ist eher verbunden mit einer Renaissance klassischer Gutbürgerlichkeit. Man zieht sich ordentlich an. Ich selbst kann mit alldem wenig anfangen, beobachte das mit einigem Erstaunen, sehe aber wie gesagt bislang keine direkten Konflikte. Etwas anders siehts vielleicht im Westbalkan aus und überhaupt dort, wo christlich-orthodoxe eine relevante Gruppe bilden.
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon Misterfritz » Di 7. Mai 2019, 13:21

Ewu hat geschrieben:(07 May 2019, 08:54) ... und wer weiß was sonst noch alles kommen....
Weltuntergang? :D
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon Tom Bombadil » Di 7. Mai 2019, 13:24

Wichtig wäre, dass es immer weniger Religioten werden, wie die sich dann anteilsmäßig aufteilen wäre zweitrangig.
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon Ewu » Mi 8. Mai 2019, 07:39

Ungläubige pflanzen doch gar nicht nennenswert fort - was habt ihr denn schon zu melden? Das Problem wird sich von selber lösen, biologisch.
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 8. Mai 2019, 09:29

Tom Bombadil hat geschrieben:(07 May 2019, 13:24)

Wichtig wäre, dass es immer weniger Religioten werden, wie die sich dann anteilsmäßig aufteilen wäre zweitrangig.


Die Anzahl religiös gebundener Menschen weltweit steigt aber. Sowohl absolut wie relativ. Dass in Deutschland grob überschlagen in den letzten 25 Jahren bis an die 10 Millionen Menschen aus den beiden großen christlichen Kirchen ausgetreten sind ... geschenkt. Allein in Russland sind im gleichen Zeitraum sage und schreibe 30 000 Kirchen wiedereröffnet worden und es gibt sage und schreibe 150 Millionen neue Kirchenmitglieder. Das sind ganz andere Dimensionen. Die Welt als Ganzes tritt in eine Phase neuer Religiösität ein. Die wirklich große entscheidende Frage ist für mich, wie sich das ambivalente Verhältnis der chinesischen Regierung zur Religiösität entwickeln wird. In Putins Russland ist inzwischen die orthodoxe Kirche eine etablierte Säule im autokratischen Staatsgefüge.
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 8. Mai 2019, 09:48

Misterfritz hat geschrieben:(05 May 2019, 22:09)

Das wird nicht klappen.
Humanismus ist ein zutiefst vernünftiger Ansatz, hat nix Spirituelles, bietet keine Wunder, keine Räucherstäbchen, keine unerklärlichen Wirkungen, also nichts, was diese Suchenden suchen, damit sie beschäftigt sind :D
Früher, als es Naturwissenschaften noch nicht gab, haben die Menschen z.B. Gewitter entzürnten Göttern zugeschrieben - heute weiss man, dass dem nicht so ist. Scheint aber nicht den wirklichen Bedürfnissen vieler Leute zu entsprechen. Also suchen sie anderes, wie z.B. Fengh Shui und Shakra ;)

Die Frage für mich ist, ob und wenn ja wie ernst jüngere Meldungen darüber zu nehmen sind, dass sich - trotz sinkender Kirchenmitgliederzahlen - auch in Deutschland ein gewisser Einfluss kreationistischer Strömungen ausbreitet. Die klassischen Länder mit solchen Strömungen sind die USA, Israel und Südkorea. Also alles Superhochtechnologie-Gesellschaften. Das Phänomen "Hochtechnologie" verhindert das offenbar nicht. Es gab irgendwann in den letzten Jahren die Meldung, das ca. 5 Prozent der Biologielehrer (vor allem auch der jüngeren) in D zumindest Zweifel an der Evolutionstheorie haben. Das ist - oder wäre, wenn es stimmt - an sich nicht viel. Und auf der anderen Seite und angesichts der wissenschaftlichen Etabliertheit dieser Theorie wiederum auch völlig unbegreiflich viel.
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon Ammianus » Mi 8. Mai 2019, 16:16

schokoschendrezki hat geschrieben:(08 May 2019, 09:48)

Die Frage für mich ist, ob und wenn ja wie ernst jüngere Meldungen darüber zu nehmen sind, dass sich - trotz sinkender Kirchenmitgliederzahlen - auch in Deutschland ein gewisser Einfluss kreationistischer Strömungen ausbreitet. Die klassischen Länder mit solchen Strömungen sind die USA, Israel und Südkorea. Also alles Superhochtechnologie-Gesellschaften. Das Phänomen "Hochtechnologie" verhindert das offenbar nicht. Es gab irgendwann in den letzten Jahren die Meldung, das ca. 5 Prozent der Biologielehrer (vor allem auch der jüngeren) in D zumindest Zweifel an der Evolutionstheorie haben. Das ist - oder wäre, wenn es stimmt - an sich nicht viel. Und auf der anderen Seite und angesichts der wissenschaftlichen Etabliertheit dieser Theorie wiederum auch völlig unbegreiflich viel.


Wenn du reichlich mit den verschiedensten Lehramtsstudenten - immerhin werden viele von denen dann wirklich Lehrer - konfrontiert wirst, dann ist man mit 5 Prozent eigentlich sehr zufrieden. Man hätte Schlimmeres vermutet.
Es gibt Zahlen zur Ablehnung der Evolutionsbiologie durch Akademiker in Ländern wie Pakistan. Da sind die 5 Prozent ein "Vogelschiß" ...
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon streicher » Mi 8. Mai 2019, 19:11

Ewu hat geschrieben:(07 May 2019, 08:54)

Das glaube ich auch, aber wir werden schon in den nächsten Jahren (nach meiner Einschätzung) dermaßen grundstürzende Veränderungen in Europa erleben, dass uns Höhen und Sehen vergehen wird! Nichts wird mehr sein wie die letzten 70 Jahre nach dem Krieg, Gretchens Ökowahn und Rassendurchmischungsehnsucht wird die gesamte Jugend erfassen, die sich dann in 125 oder noch mehr Geschlechter aufspalten wird, die Weltwirtschaft kollabieren und der Euro zusammenbrechen, daraufhin der Dritte Weltkrieg ausbrechen und wer weiß was sonst noch alles kommen....
Aber auch das ist doch eine Extrapolation oder der Versuch einer Vorhersage. Punkt Rassendurchmischung: da habe ich eher den Eindruck, dass sich wenig "mischt", oder: dass das "Mischen" erstaunlich langsam vonstatten geht. Man bleibt sprachlich und kulturell eher unter sich (salad bowl). Vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass diejenigen, die kommen, insbesondere aus Afrika, durchaus im Schnitt mehr Glauben mitbringen und hier eine für sie erstaunlich säkularisierte Gesellschaft antreffen. Aber ich könnte mir vorstellen, dass es bei ihnen ebenfalls zu einer Diversifizierung der Glaubensrichtungen führt bzw. zu unterschiedlich starken Säkularisierungsbestrebungen.
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon schokoschendrezki » Do 9. Mai 2019, 08:02

Ammianus hat geschrieben:(08 May 2019, 16:16)

Wenn du reichlich mit den verschiedensten Lehramtsstudenten - immerhin werden viele von denen dann wirklich Lehrer - konfrontiert wirst, dann ist man mit 5 Prozent eigentlich sehr zufrieden. Man hätte Schlimmeres vermutet.
Es gibt Zahlen zur Ablehnung der Evolutionsbiologie durch Akademiker in Ländern wie Pakistan. Da sind die 5 Prozent ein "Vogelschiß" ...

Pakistan ist allerdings anders als USA, Südkorea oder Deutschland kein säkularer Staat. Die Frage steht dort ganz anders.

Ich habe auf der einen Seite erhebliche Bedenken, ob so etwas wie die "Bekenntnisschulbewegung" in Deutschland tatsächlich irgendeine Relevanz hat. Es handelt sich dabei im Kern um etwa 1100 Privatschulen in freier Trägerschaft. meist mit evangelikalem Hintergrund. Gar nicht etwa so sehr (wie ich bislang dachte) als Teil irgendeiner mitteleruopäischen religiösen Tradition sondern im eigenen Selbstverständnis als (wörtlich) "Reaktion gegen neomarxistische Schulreformen" vor allem in den 60er bis 80er Jahren. Die in (West)deutschland aber eher von einem linksgrünsozialdemokratischen Reformismus geprägt waren. Hat das irgendeine gesellschaftliche Relevanz? Ist das ernst zu nehmen?
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon schokoschendrezki » Do 9. Mai 2019, 08:27

Misterfritz hat geschrieben:(05 May 2019, 22:09)

Das wird nicht klappen.
Humanismus ist ein zutiefst vernünftiger Ansatz, hat nix Spirituelles, bietet keine Wunder, keine Räucherstäbchen, keine unerklärlichen Wirkungen, also nichts, was diese Suchenden suchen, damit sie beschäftigt sind :D
Früher, als es Naturwissenschaften noch nicht gab, haben die Menschen z.B. Gewitter entzürnten Göttern zugeschrieben - heute weiss man, dass dem nicht so ist. Scheint aber nicht den wirklichen Bedürfnissen vieler Leute zu entsprechen. Also suchen sie anderes, wie z.B. Fengh Shui und Shakra ;)

Nicht nur das. Dass das Genre Fantasy in Form von Serien und Computergames irgendeine auch noch so geringe politische Relevanz haben könnte ... das hatte ich bislang überhaupt nicht auf dem Schirm. Mehr als einfach nur Namen wie "Tolkien" oder "Game of Thrones" sind mir nicht bekannt. Ich weiß über das Ganze weniger als über das Leben von Nacktmullen oder Grottenolmen. Ein aktueller feuilletonistischer Kommentar dazu hat mir allerdings etwas zu denken gegeben.
Und ob einer wie Donald Trump sein Nullsummen-Weltbild aus Sieg und Niederlage, Verlust des einen und Gewinn des anderen tatsächlich aus der Fantasy-Welt übernommen hat? Manches spricht dafür. Fest steht, dass schon in der ersten Staffel von „Game of Thrones“ 2011 eine riesige Mauer die sieben Königreiche vor der Fiktion des Bösen sicherte. Wer nun „das Reich des ewigen Winters“ ersetzt durch „Mexiko“, der ahnt, woher solche Politik ihre Vorbilder bezieht.
https://www.deutschlandfunkkultur.de/fantasy-serien-wie-game-of-thrones-die-grosse-und-grobe.1005.de.html?dram:article_id=447311

Das, was eine Zeitlang auch von Intellektuellen, Journalisten, Literaturwissenschaftlern usw. als Differenziertheit und Tiefgang gesehen wurde, wird in dem obigen Beitrag als "pseudointellektuelle Dornenhecke" bezeichnet, die die Simplizität und eigentlich-immer-nach-dem-gleichen-Muster-gestrickheit des Genres Fantasy überdeckt. Wichtiger sei es, die Parallelen zur heutigen modernen Ökonomie zu erkennen. Brexit, Bankenübernahmen, Unternehmensgründerlegenden ... das seien nicht nur realiter die Ritterspiele der heutigen Zeit. Das sei vor allem auch die Vorstellung des modernen Zeitgenossen über die Funktionsweise der Welt. Nicht Vernunft, Wissen, Aufklärung feiern mehr Siege und Durchbrüche sondern die Helden des einen Clans erweisen sich als mächtiger und durchsetzungsfähiger als die Helden des anderen Clans. Sie haben die teureren Autos und die hübscheren Bräute. Ich kann es nicht wirklich beurteilen, ob das eine wenigstens teilweise zutreffende Sicht auf unsere Welt von heute ist. Das Agieren von mächtigen Politikern wie Putin oder Trump geht aber ganz klar in diese Richtung. Wir erleben einen Erfolg der Hochtechnologie nach dem anderen und fallen gleichzeitig zurück in eine ganz seltsame Welt der Vormoderne.
Zuletzt geändert von schokoschendrezki am Do 9. Mai 2019, 08:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon space » Do 9. Mai 2019, 08:27

Ewu hat geschrieben:(07 May 2019, 08:54)

Das glaube ich auch, aber wir werden schon in den nächsten Jahren (nach meiner Einschätzung) dermaßen grundstürzende Veränderungen in Europa erleben, dass uns Höhen und Sehen vergehen wird! Nichts wird mehr sein wie die letzten 70 Jahre nach dem Krieg, Gretchens Ökowahn und Rassendurchmischungsehnsucht wird die gesamte Jugend erfassen, die sich dann in 125 oder noch mehr Geschlechter aufspalten wird, die Weltwirtschaft kollabieren und der Euro zusammenbrechen, daraufhin der Dritte Weltkrieg ausbrechen und wer weiß was sonst noch alles kommen....


Den Zusammenhang zwischen "Rassendurchmischung" und Zusammenbruch der Weltwirtschaft müsstest du erklären.
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon Ammianus » Do 9. Mai 2019, 10:16

schokoschendrezki hat geschrieben:(09 May 2019, 08:02)

Pakistan ist allerdings anders als USA, Südkorea oder Deutschland kein säkularer Staat. Die Frage steht dort ganz anders.

Ich habe auf der einen Seite erhebliche Bedenken, ob so etwas wie die "Bekenntnisschulbewegung" in Deutschland tatsächlich irgendeine Relevanz hat. Es handelt sich dabei im Kern um etwa 1100 Privatschulen in freier Trägerschaft. meist mit evangelikalem Hintergrund. Gar nicht etwa so sehr (wie ich bislang dachte) als Teil irgendeiner mitteleruopäischen religiösen Tradition sondern im eigenen Selbstverständnis als (wörtlich) "Reaktion gegen neomarxistische Schulreformen" vor allem in den 60er bis 80er Jahren. Die in (West)deutschland aber eher von einem linksgrünsozialdemokratischen Reformismus geprägt waren. Hat das irgendeine gesellschaftliche Relevanz? Ist das ernst zu nehmen?


Neben bestimmten Esotherikern und dem Mainstream-Islam sind es, besonders in den USA, die Evangelikalen, die sich durch wissenschaftsfeindliche Ablehung der Evolutionsbiologie auszeichnen. Dort verfügen sie auch über eine große Anhängerschaft wärend sie bei uns mehr oder weniger nur ein Nischendasein führen. In Lateinamerika wächst ihre Anhängerzahl. Bei uns dürften sie doch eine marginale Gruppe bleiben.
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon jellobiafra » Sa 11. Mai 2019, 21:59

Welche politische Relevanz hat der Kreationismus? Ich halt das jetzt zwar für Quatsch, aber wenn man Darwin auf den Müll wirft, was würde sich ändern, in unserem täglichen Leben oder politisch?
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon Misterfritz » Sa 11. Mai 2019, 22:15

jellobiafra hat geschrieben:(11 May 2019, 21:59)

Welche politische Relevanz hat der Kreationismus? Ich halt das jetzt zwar für Quatsch, aber wenn man Darwin auf den Müll wirft, was würde sich ändern, in unserem täglichen Leben oder politisch?
Das Problem wäre, wenn man Darwin auf den Müll werfen würde: Die stockkonservativen Gläubigen würden sich bestätigt fühlen. Und da die nun mal Einfluss haben - oder sich nehmen - hätte das Folgen.
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon jellobiafra » Sa 11. Mai 2019, 23:00

Misterfritz hat geschrieben:(11 May 2019, 22:15)

Das Problem wäre, wenn man Darwin auf den Müll werfen würde: Die stockkonservativen Gläubigen würden sich bestätigt fühlen. Und da die nun mal Einfluss haben - oder sich nehmen - hätte das Folgen.


Dann halte ich es für ausreichend, Darwin nicht auf den Müll zu werfen. In den beiden großen deutschen Kirchen hat der Kreationismus ja wohl sehr wenige Anhänger. Bei den Katholiken, die das alte Testament ohnehin nicht wörtlich nehmen, ist das Thema sowieso irrelevant.

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