Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

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Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon Skeptiker » Do 2. Mai 2019, 22:49

Im Spiegel ist heute ein Artikel zur Veränderung der Mitgliederzahlen der christlichen Kirchen erschienen. Demnach geht die Mitgliederzahl bis 2060 auf ca. 22.7Mio Mitglieder zurück (insgesamt).
Demnach werden die Mitgliederzahlen beider Kirchen bis 2060 um etwa die Hälfte zurückgehen, von insgesamt 44,8 auf 22,7 Millionen Männer und Frauen. Grund dafür sind Sterbefälle und Kirchenaustritte, aber auch geburtenschwache Jahrgänge, die nachrücken. Die Babyboomer-Jahrgänge gehen in Rente, die sinkende Zahl der Kirchensteuerzahler wird dazu führen, dass die Einnahmen nicht im gleichen Maße wachsen wie die Ausgaben.

https://www.spiegel.de/panorama/gesells ... 65341.html

In einem zwei Jahre alten Artikel im Magazin "dieseits.de" sieht man die Konfessionslosen ab 2040 in der Bevölkerungsmehrheit.
Voraussichtlich ab etwa dem Jahr 2040 wird der größte Teil der deutschen Bevölkerung sich keiner der traditionellen Konfessionen mehr verbunden sehen. Die großen etablierten Kirchen werden in etwa zehn Jahren weniger als die Hälfte der Deutschen als Mitglieder verzeichnen können, sofern sich der Schwund der letzten Jahrzehnte fortsetzt. Gläubige Muslime werden eine relativ kleine religiöse Minderheit in Deutschland bleiben. Darauf hat heute der Vorstand des Humanistischen Verbandes Bayern anlässlich von Medienberichten zu einer aktuellen Prognose des US-amerikanischen Pew Research Center hingewiesen.
„Der mit Abstand bedeutendste Trend in der weltanschaulichen Landschaft bei uns ist das kontinuierliche Wachstum der Gruppe derjenigen Bürgerinnen und Bürger, die generell religionsdistanziert sind und keiner der religiösen Glaubensrichtungen mehr folgen. Wir erleben mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine Islamisierung, sondern stattdessen eine weitere Säkularisierung und Pluralisierung der Lebensauffassungen und Glaubensorientierungen. Dies ist die wesentliche Veränderung, mit der sich unsere Gesellschaft und die Politik auseinanderzusetzen hätten“, sagte Michael Bauer.

http://www.diesseits.de/perspektiven/na ... eutschland

Im gleichen Artikel wird eine PEW-Studie zitiert, welche den Anteil der Muslime um 2050 bei zwischen 6 und 17.5Mio liegen (mittel 8.5Mio).

Mit anderen Worten, Konfessionslose werden in ca. 20 Jahren die Mehrheit darstellen. Der Islam wird den christlichen Kirchen zwischen 2050 und 2060 von den Anteilen her ebenbürtig werden. Er wird dann erkennbar die Größe zumindest einer, vielleicht sogar beider christlichen Kirchen erreichen.

Was wird das für eine Gesellschaft bedeuten, die sich aktuell als Gesellschaft mit christlich aufgeklärtem Fundament identifiziert? Welchen Einfluss wird das haben auf die aktuell durch viele Trägerschaften in das Sozial- und Gesundheitswesen eingebundene Kirche und deren Unterorganisationen (Caritas, usw.)? Wird es zu einer weiteren Säkularisierung kommen, oder wird die Kirche diese Privilegien behalten aber mit anderen Religionsgemeinschaften teilen müssen? Wird sich eine mentale Wende vollziehen, weg von archaischem Spiritualismus, hin zu weltlichem Humanismus?
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon jellobiafra » Fr 3. Mai 2019, 21:37

Es ist zu erwarten, dass die AfD und die Linke dann die stärksten Parteien sind, da sie den größten Anteil an konfessionslosen Wählern haben. Eine muslimisch orientierte Partei wird dann auch im Bundestag vertreten sein.
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon imp » Fr 3. Mai 2019, 21:59

Skeptiker hat geschrieben:(02 May 2019, 22:49)

Im Spiegel ist heute ein Artikel zur Veränderung der Mitgliederzahlen der christlichen Kirchen erschienen. Demnach geht die Mitgliederzahl bis 2060 auf ca. 22.7Mio Mitglieder zurück (insgesamt).

https://www.spiegel.de/panorama/gesells ... 65341.html

In einem zwei Jahre alten Artikel im Magazin "dieseits.de" sieht man die Konfessionslosen ab 2040 in der Bevölkerungsmehrheit.

http://www.diesseits.de/perspektiven/na ... eutschland

Im gleichen Artikel wird eine PEW-Studie zitiert, welche den Anteil der Muslime um 2050 bei zwischen 6 und 17.5Mio liegen (mittel 8.5Mio).

Mit anderen Worten, Konfessionslose werden in ca. 20 Jahren die Mehrheit darstellen. Der Islam wird den christlichen Kirchen zwischen 2050 und 2060 von den Anteilen her ebenbürtig werden. Er wird dann erkennbar die Größe zumindest einer, vielleicht sogar beider christlichen Kirchen erreichen.

Was wird das für eine Gesellschaft bedeuten, die sich aktuell als Gesellschaft mit christlich aufgeklärtem Fundament identifiziert? Welchen Einfluss wird das haben auf die aktuell durch viele Trägerschaften in das Sozial- und Gesundheitswesen eingebundene Kirche und deren Unterorganisationen (Caritas, usw.)? Wird es zu einer weiteren Säkularisierung kommen, oder wird die Kirche diese Privilegien behalten aber mit anderen Religionsgemeinschaften teilen müssen? Wird sich eine mentale Wende vollziehen, weg von archaischem Spiritualismus, hin zu weltlichem Humanismus?

Das sind teilweise die falschen Fragen. Für die Zustimmung zu liberaler Demokratie und Menschenrechten haben die Religionen weder positiven noch negativen Effekt. Auch die Sozialverbände brauchen nicht zwingend eine Kirche. AWO, ASB, DRK/BRK, VdK, die konservative Lebenshilfe e.V. oder die ostdeutsche Volkssolidarität betreiben Altenheime, Sozialstationen, Jugendclubs oder Kitas nicht grundsätzlich schlechter oder anders als Caritas, Diakonie oder lokale Stiftungen der evangelischen oder katholischen Kirchen. Vielerorts gibt es daneben kommerzielle Kita- und Pflegeangebote und wahnsinnig viele kleinteilige konfessionsferne Trägervereine für Kitas, Jugendclubs, Stadtteiltreffs, Dorfgemeindehäuser usw. Ein Rückgang der Kirchenmitglieder wird da wenig dran ändern.

Manche Regelungen leben heute aber aufgrund der Annahme, die Mitgliedschaft in einer christlichen Kirche sei der Normalfall. Diese Regelungen sind genauso zu überprüfen wie der Einzug der Kirchen-Mitgliedsbeiträge durch den Staat mit der Kirchensteuer.
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon Skeptiker » Fr 3. Mai 2019, 22:09

jellobiafra hat geschrieben:(03 May 2019, 21:37)
Es ist zu erwarten, dass die AfD und die Linke dann die stärksten Parteien sind, da sie den größten Anteil an konfessionslosen Wählern haben. Eine muslimisch orientierte Partei wird dann auch im Bundestag vertreten sein.

Persönlich denke ich nicht, dass mehr Konfessionslose mehr Stimmen für AfD und Die Linke bedeuten. Es ist zwar richtig, dass diese Parteien eine große Anzahl Konfessionsloser haben, aber das ist nicht ihr Markenkern. Man wählt die AfD oder Die Linke nicht, weil man konfessionslos ist, sondern weil man mit der Politik in der Mitte nicht zufrieden ist - meine Einschätzung.

Von einer Migrantenpartei gehe ich ebenfalls aus. Die hat man schon in Belgien, wo sie mit interessanten Vorschlägen (Geschlechtertrennung im ÖPNV) von sich reden macht. Meiner Einschätzung nach wird es noch 5-10 Jahre dauern, aber dann wird eine solche Partei hochkommen und Erfolge haben.
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon Teeernte » Fr 3. Mai 2019, 22:22

imp hat geschrieben:(03 May 2019, 21:59)

Das sind teilweise die falschen Fragen. Für die Zustimmung zu liberaler Demokratie und Menschenrechten haben die Religionen weder positiven noch negativen Effekt. Auch die Sozialverbände brauchen nicht zwingend eine Kirche. AWO, ASB, DRK/BRK, VdK, die konservative Lebenshilfe e.V. oder die ostdeutsche Volkssolidarität betreiben Altenheime, Sozialstationen, Jugendclubs oder Kitas nicht grundsätzlich schlechter oder anders als Caritas, Diakonie oder lokale Stiftungen der evangelischen oder katholischen Kirchen. Vielerorts gibt es daneben kommerzielle Kita- und Pflegeangebote und wahnsinnig viele kleinteilige konfessionsferne Trägervereine für Kitas, Jugendclubs, Stadtteiltreffs, Dorfgemeindehäuser usw. Ein Rückgang der Kirchenmitglieder wird da wenig dran ändern.

Manche Regelungen leben heute aber aufgrund der Annahme, die Mitgliedschaft in einer christlichen Kirche sei der Normalfall. Diese Regelungen sind genauso zu überprüfen wie der Einzug der Kirchen-Mitgliedsbeiträge durch den Staat mit der Kirchensteuer.


Ich bin konfessionslos... halte jedoch die Politik der "ent-christianisierung" für falsch.
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon Quatschki » Fr 3. Mai 2019, 22:25

Fragt sich, wie verlässlich die Annahmen sind, die der Studie zugrunde liegen.
Die entsprechenden Ämter konnten ja in der Vergangenheit nichtmal den Bedarf an Kita- oder Schulplätzen korrekt vorhersagen. Oder die Entwicklung am Wohnungsmarkt beispielsweise.

Was sicher ist: dIe Alten gehen in Rente, zahlen da schon weniger Kirchensteuer. Und sterben absehbar irgendwann.(Wobei viele Kinderlose ihr Vermögen der Kirche vermachen)
Aber ob nun mehr Katholen oder Muslime zuwandern, wird ja politisch entschieden.
Eine Regierung, die die Idee hat, das Fachkräfteproblem mit muslimischen Flüchtlingen zu lösen, könnte auch auf die Idee kommen, das Kirchensteuerproblem mit der Massenaufnahme lateinamerikanischer oder afrikanischer gutkatholischer Slumbewohnern in den Griff zu kriegen.
Nur für die Protestanten gibt es kein solches Reservoir.
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon Skeptiker » Fr 3. Mai 2019, 22:27

imp hat geschrieben:(03 May 2019, 21:59)
Das sind teilweise die falschen Fragen. Für die Zustimmung zu liberaler Demokratie und Menschenrechten haben die Religionen weder positiven noch negativen Effekt.

Energischer Einspruch! Wenn man sich die christlichen Kirchen anschaut, oder säkular geprägte Muslime, dann mag das stimmen. Es gibt aber einen weltweiten Trend zur konservativen Auslegung des Islam, und der verdrängt an vielen Stellen die gemäßigte Auslegung. Diese Form des Islam hat Machtanspruch und steht mit oben genannten Werten im Widerspruch. Das kann man mE nicht einfach ignorieren, auch wenn das sehr beliebt ist …
Auch die Sozialverbände brauchen nicht zwingend eine Kirche. AWO, ASB, DRK/BRK, VdK, die konservative Lebenshilfe e.V. oder die ostdeutsche Volkssolidarität betreiben Altenheime, Sozialstationen, Jugendclubs oder Kitas nicht grundsätzlich schlechter oder anders als Caritas, Diakonie oder lokale Stiftungen der evangelischen oder katholischen Kirchen. Vielerorts gibt es daneben kommerzielle Kita- und Pflegeangebote und wahnsinnig viele kleinteilige konfessionsferne Trägervereine für Kitas, Jugendclubs, Stadtteiltreffs, Dorfgemeindehäuser usw. Ein Rückgang der Kirchenmitglieder wird da wenig dran ändern.

Konfessionelle Trägerschaften durch weltliche abzulösen wäre ein sehr positiver Effekt. Die stille Machtausübung von Religionsgemeinschaften durch Trägerschaften im Gemein- und Sozialwesen, ist einer der größten Kritikpunkte meinerseits an der Vermischung von Religion und Staat in Deutschland. Man sieht, dass Du im Osten zuhause bist. Ich hier auf dem Land (im Westen) lebe in einer quasi 100% konfessionsgebundenen Infrastruktur. In unserem Ort gibt es schlicht keinen weltlichen Kindergarten (bei >17000 Einwohnern).
Allerdings ist nicht gesagt, dass die Kirchen - und auch die Muslime - sich dieser Einflussnahme ohne Gegenwehr berauben lassen. Diese werden versuchen die Privilegien eher auch anderen Religionsgemeinschaften zuzutragen, als selber darauf zu verzichten. Für mich eine offene Entwicklung. Vielleicht müssen sich die Menschen einfach auch mal darüber klarwerden ob sie Religionsonkel in der Leitung gesellschaftlicher Infrastruktur sehen wollen. Ich lieber nicht mehr, aber auf dem Lande gibt es sehr viele Menschen, die der Kirche dort immernoch einen riesen Bonus geben.
Manche Regelungen leben heute aber aufgrund der Annahme, die Mitgliedschaft in einer christlichen Kirche sei der Normalfall. Diese Regelungen sind genauso zu überprüfen wie der Einzug der Kirchen-Mitgliedsbeiträge durch den Staat mit der Kirchensteuer.

Klar, und eine Idee wird lauten die "Lasten" dann auch auf Konfessionslose zu verteilen. Da deutet sich dann an, dass in einer Gesellschaft mit mehrheitlich Konfessionslosen der eine oder andere gesellschaftliche Vertrag neu ausgehandelt werden muss.
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon imp » Fr 3. Mai 2019, 22:44

Skeptiker hat geschrieben:(03 May 2019, 22:27)

Energischer Einspruch! Wenn man sich die christlichen Kirchen anschaut, oder säkular geprägte Muslime, dann mag das stimmen. Es gibt aber einen weltweiten Trend zur konservativen Auslegung des Islam, und der verdrängt an vielen Stellen die gemäßigte Auslegung. Diese Form des Islam hat Machtanspruch und steht mit oben genannten Werten im Widerspruch. Das kann man mE nicht einfach ignorieren, auch wenn das sehr beliebt ist …


Klar kann man diesen Unsinn ignorieren. Zumal nicht mal gesagt ist, wer von den jungen Muslimen in 20 Jahren überhaupt noch praktisch religiös ist. Mitgliedschaft gibt es da keine.

Konfessionelle Trägerschaften durch weltliche abzulösen wäre ein sehr positiver Effekt. Die stille Machtausübung von Religionsgemeinschaften durch Trägerschaften im Gemein- und Sozialwesen, ist einer der größten Kritikpunkte meinerseits an der Vermischung von Religion und Staat in Deutschland.

Die Diakonie trägt ihre Sozialdienste ganz überwiegend aus staatlichen Zuwendungen, Zuwendungen der Sozialkassen, Zuwendungen von Stiftungen sowie aus Spenden und Nachlässen - wie andere Träger auch. Ein sehr wichtiger kleiner Teil kommt bei Diakonie und Caritas noch aus den Kirchenbeiträgen. Ich würde behaupten, die Caritas kann Ehrenamt und Spenden auch heute schon von vielen Gutwilligen ohne Konfessionsbindung einwerben und das kann sie auch, wenn die Kirchen mal schwächer dastehen.

Man sieht, dass Du im Osten zuhause bist.

Ich wohne in einem bayrischen Städtchen. Beide Kitas sind inzwischen kommunal, die kirchennahe Stiftung hat sie übergeben. Ich kenne aber auch die Zustände weiter nördlich. Wichtig ist, dass Angebote da sind und dass Menschen sich auch außerhalb von Beruf und Steuer engagieren. Ob nun mit Kreuz oder ohne...

Allerdings ist nicht gesagt, dass die Kirchen - und auch die Muslime - sich dieser Einflussnahme ohne Gegenwehr berauben lassen.

Dafür haben wie die Demokratie, dass die Übermacht der Mehrheit nicht zur Diktatur gegen die Minderheit wird, sondern die Gesellschaft eine Fortentwicklung nimmt, mit der alle irgendwie leben können.



Klar, und eine Idee wird lauten die "Lasten" dann auch auf Konfessionslose zu verteilen. Da deutet sich dann an, dass in einer Gesellschaft mit mehrheitlich Konfessionslosen der eine oder andere gesellschaftliche Vertrag neu ausgehandelt werden muss.

Heisst es nicht so in der Bibel der Steuerbürger? Ein jeder teile des anderen Last ein?

Ich sehe da viel Dialog und Kompromiss über die Jahre kommen. Angst haben müssen die Kirchler nicht.
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon sunny.crockett » Fr 3. Mai 2019, 23:15

Skeptiker hat geschrieben:(03 May 2019, 22:09)
Von einer Migrantenpartei gehe ich ebenfalls aus. Die hat man schon in Belgien, wo sie mit interessanten Vorschlägen (Geschlechtertrennung im ÖPNV) von sich reden macht. Meiner Einschätzung nach wird es noch 5-10 Jahre dauern, aber dann wird eine solche Partei hochkommen und Erfolge haben.


Ich glaube, da reiben sich schon einige Parteien die Hände. So eine linksgrün-islamische Koalition könnte dann eine Mehrheit erlangen.
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon Skeptiker » Fr 3. Mai 2019, 23:50

sunny.crockett hat geschrieben:(03 May 2019, 23:15)
Ich glaube, da reiben sich schon einige Parteien die Hände. So eine linksgrün-islamische Koalition könnte dann eine Mehrheit erlangen.

Ich würde eine Migrantenpartei, insbesondere wenn sie islamlastig wäre, eher dem konservativen Spektrum zuordnen. Aktuell wählen doch viele Migranten weniger aus weltanschaulichen Gründen links, als schlicht aus der Tatsache heraus, dass linke Parteien ihnen gegenüber besonders wohlgesonnen sind.
Mit einem größeren Anteil Muslimen, in der Größenordnung der Christen in Deutschland, würde der Opferstatus zurückgedrängt. Stattdessen würden weltanschauliche Themen in den Vordergrund rücken - und die sind bei einer zunehmenden Anzahl von Muslimen in der Welt erzkonservativ. Ich bin mir also nicht so sicher, dass Migrantenparteien gute Koalitionspartner für linke Parteien wären - jedenfalls nicht solange die ihre feministische Politik ernst nehmen.
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon sunny.crockett » Sa 4. Mai 2019, 00:08

Skeptiker hat geschrieben:(03 May 2019, 23:50)

Ich würde eine Migrantenpartei, insbesondere wenn sie islamlastig wäre, eher dem konservativen Spektrum zuordnen. Aktuell wählen doch viele Migranten weniger aus weltanschaulichen Gründen links, als schlicht aus der Tatsache heraus, dass linke Parteien ihnen gegenüber besonders wohlgesonnen sind.
Mit einem größeren Anteil Muslimen, in der Größenordnung der Christen in Deutschland, würde der Opferstatus zurückgedrängt. Stattdessen würden weltanschauliche Themen in den Vordergrund rücken - und die sind bei einer zunehmenden Anzahl von Muslimen in der Welt erzkonservativ. Ich bin mir also nicht so sicher, dass Migrantenparteien gute Koalitionspartner für linke Parteien wären - jedenfalls nicht solange die ihre feministische Politik ernst nehmen.


Also ich sehe hier keine Möglichkeit, dass eine Islampartei beispielsweise mit der CDU/CSU koalitionsfähig wäre. Oder man legt das "C" im Parteinamen ab, so wie Bedford-Strom und Marx ja schon das Kreuz abgenommen haben, um den Islam nicht zu verärgern. Dagegen sind Grüne und Linke eigentlich wenig religiös, auch die frauenfeindliche Haltung hat bisher nicht mal die (frühere) Feministin Claudia Roth gestört. Bei einer Koalition von christlichen und islamischen Parteien ziehen sicher nicht die Muslime den Schwanz ein und übermehmen christliche Standpunkte.
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon Domingo » Sa 4. Mai 2019, 00:40

Skeptiker hat geschrieben:(02 May 2019, 22:49)

Im Spiegel ist heute ein Artikel zur Veränderung der Mitgliederzahlen der christlichen Kirchen erschienen. Demnach geht die Mitgliederzahl bis 2060 auf ca. 22.7Mio Mitglieder zurück (insgesamt).

https://www.spiegel.de/panorama/gesells ... 65341.html

In einem zwei Jahre alten Artikel im Magazin "dieseits.de" sieht man die Konfessionslosen ab 2040 in der Bevölkerungsmehrheit.

http://www.diesseits.de/perspektiven/na ... eutschland

Im gleichen Artikel wird eine PEW-Studie zitiert, welche den Anteil der Muslime um 2050 bei zwischen 6 und 17.5Mio liegen (mittel 8.5Mio).

Mit anderen Worten, Konfessionslose werden in ca. 20 Jahren die Mehrheit darstellen. Der Islam wird den christlichen Kirchen zwischen 2050 und 2060 von den Anteilen her ebenbürtig werden. Er wird dann erkennbar die Größe zumindest einer, vielleicht sogar beider christlichen Kirchen erreichen.

Was wird das für eine Gesellschaft bedeuten, die sich aktuell als Gesellschaft mit christlich aufgeklärtem Fundament identifiziert? Welchen Einfluss wird das haben auf die aktuell durch viele Trägerschaften in das Sozial- und Gesundheitswesen eingebundene Kirche und deren Unterorganisationen (Caritas, usw.)? Wird es zu einer weiteren Säkularisierung kommen, oder wird die Kirche diese Privilegien behalten aber mit anderen Religionsgemeinschaften teilen müssen? Wird sich eine mentale Wende vollziehen, weg von archaischem Spiritualismus, hin zu weltlichem Humanismus?

Willst du den Moslems anlasten das die Deutschen auf einem christlich aufgeklärten Fundament bestehen, aber reihenweise aus der Kirche austreten? :D
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon Skeptiker » Sa 4. Mai 2019, 00:41

sunny.crockett hat geschrieben:(04 May 2019, 00:08)
Also ich sehe hier keine Möglichkeit, dass eine Islampartei beispielsweise mit der CDU/CSU koalitionsfähig wäre. Oder man legt das "C" im Parteinamen ab, so wie Bedford-Strom und Marx ja schon das Kreuz abgenommen haben, um den Islam nicht zu verärgern. Dagegen sind Grüne und Linke eigentlich wenig religiös, auch die frauenfeindliche Haltung hat bisher nicht mal die (frühere) Feministin Claudia Roth gestört. Bei einer Koalition von christlichen und islamischen Parteien ziehen sicher nicht die Muslime den Schwanz ein und übermehmen christliche Standpunkte.

Die Trennlinie in der Gesellschaft wird nicht die sein zwischen Christen und Moslems, nein, die Trennlinie geht zwischen Religiös und Säkular. Das mit dem C meinst Du doch nicht ernst, oder? Das war vor 20 Jahren vielleicht noch so - heute ist das vorbei. Die CDU ist eine rein wirtschaftsliberale Partei mit einer ganz breit aufgestellten gesellschaftspolitischen Bandbreite. Dadurch ist sie ja profillos geworden. Die Religion spielt heute keine Rolle bei der Union.

Die religiösen Parteien sind typischerweise konservative Parteien - siehe AKP in der Türkei. Daher werden die sich von ihren linken Steigbügelhaltern emanzipieren sobald sie ausreichend eigene Machtbasis haben, und die wird eben in 20-30 Jahren auf jeden Fall da sein. So interpretiere ich die Zahlen.
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon Skeptiker » Sa 4. Mai 2019, 00:46

Domingo hat geschrieben:(04 May 2019, 00:40)
Willst du den Moslems anlasten das die Deutschen auf einem christlich aufgeklärten Fundament bestehen, aber reihenweise aus der Kirche austreten? :D

:?: Äh, nein. Ich will niemandem was anlasten. Ich möchte einfach nur die prognostizierte Entwicklung diskutieren.

Ich weiss, es mag verrückt klingen, aber das ist hier nicht primär ein Strang um Moslems zu bashen. Es geht darum gesellschaftliche Entwicklungen zu bewerten, die in der Form zu erwarten sind. Da kann man sich ja mal fragen welche Auswirkungen die haben.

Du kennst ja meine Position zur Kirche. Ich kann auf den Laden auch vollständig verzichten. Trotzdem wäre es sinnvoll sich Gedanken zu machen wie es unsere Gesellschaft verändert, wenn - glücklicherweise - der Einfluss von Konfessionen zurückgeht.
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon Domingo » Sa 4. Mai 2019, 00:54

sehe auch schwarz für das Jahr 2060! Die Zahl der Moslems wird sich vervierfacht haben! Jeder 2. Knabe heißt Mohamed! Eine Moslempartei stellt die Bundeskanzlerin mit Kopftuch! Kirchen werden abgerissen und Protzmoscheen werden gebaut! Morgens weckt uns der Ruf des Muezzin und nicht mehr der Wecker! Verzehr von Schweinefleisch wird unter Strafandrohung verboten! Arabisch wird in der Schule zur pflichtfremdsprache! O je!
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon Vongole » Sa 4. Mai 2019, 00:55

Skeptiker hat geschrieben:(04 May 2019, 00:41)

Die Trennlinie in der Gesellschaft wird nicht die sein zwischen Christen und Moslems, nein, die Trennlinie geht zwischen Religiös und Säkular. Das mit dem C meinst Du doch nicht ernst, oder? Das war vor 20 Jahren vielleicht noch so - heute ist das vorbei. Die CDU ist eine rein wirtschaftsliberale Partei mit einer ganz breit aufgestellten gesellschaftspolitischen Bandbreite. Dadurch ist sie ja profillos geworden. Die Religion spielt heute keine Rolle bei der Union.

Die religiösen Parteien sind typischerweise konservative Parteien - siehe AKP in der Türkei. Daher werden die sich von ihren linken Steigbügelhaltern emanzipieren sobald sie ausreichend eigene Machtbasis haben, und die wird eben in 20-30 Jahren auf jeden Fall da sein. So interpretiere ich die Zahlen.


Ich denke, wie sich in Zukunft die Parteienlandschaft zusammen setzt, hat überhaupt nichts mit dem Glauben zu tun, sondern damit, welche Parteien in einer sich fast täglich verändernden Welt
die richtigen Lösungsansätze bieten.
Dass die Kirchen reihenweise auch schon heute Mitglieder verlieren, liegt m.E. nicht an gesteigerter Säkularität, sondern an Enttäuschung und natürlich nach den Missbrauchsfällen auch an Abscheu.
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon Domingo » Sa 4. Mai 2019, 01:04

Skeptiker hat geschrieben:(04 May 2019, 00:46)

Ich weiss, es mag verrückt klingen, aber das ist hier nicht primär ein Strang um Moslems zu bashen. Es geht darum gesellschaftliche Entwicklungen zu bewerten, die in der Form zu erwarten sind. Da kann man sich ja mal fragen welche Auswirkungen die haben.
.

Wer denkt denn an Moslembashing nur weil man über machtübernahme durch erzreligiöse Islamparteien und linke Steigbügelhalter nachdenkt? :D
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon Bielefeld09 » Sa 4. Mai 2019, 01:39

Domingo hat geschrieben:(04 May 2019, 01:04)

Wer denkt denn an Moslembashing nur weil man über machtübernahme durch erzreligiöse Islamparteien und linke Steigbügelhalter nachdenkt? :D

Keiner, wo liegt eigentlich das Problem?
Bestimmt doch nicht in der Verschiebung der Konfessionsanteile.
Die Zeit der Religionskriege ist einfach vorbei!
Wann wird das für alle klar?
Sorry Mods, es ist nie persönlich gemeint. Ihr habt immer recht. Sorry :( :p
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon DarkLightbringer » Sa 4. Mai 2019, 03:53

sunny.crockett hat geschrieben:(03 May 2019, 23:15)

Ich glaube, da reiben sich schon einige Parteien die Hände. So eine linksgrün-islamische Koalition könnte dann eine Mehrheit erlangen.

Da könnten dann nationalradikale Templer dagegen halten.
>>We’ll always have Paris<<
[Humphrey Bogart als Rick Blaine in >Casablanca<, 1942]
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Re: Verschiebung der Konfessionsanteile bis 2060

Beitragvon jellobiafra » Sa 4. Mai 2019, 07:45

Es gibt ein relativ einfaches Mittel Kirchenaustritten vorzubeugen und das ist die Abschaffung der Kirchensteuer.
Die Zahl der Christen wird dann aus demographischen Gründen trotzdem sinken aber beileibe nicht so stark.

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