Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

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Tom Bombadil
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Tom Bombadil » Do 2. Mai 2019, 23:54

TT'sche Logik :cool:
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Tom Bombadil
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Tom Bombadil » Fr 3. Mai 2019, 00:02

Domingo hat geschrieben:(01 May 2019, 20:02)

Du ignorierst das 9000 gewaltbereiten Linksextremen 12700 gewaltbereite rechtsextremisten entgegen stehen! Macht aber nichts. Ich helfe gerne!

Und du ignorierst das "Personenpotenzial islamistischer Terrorismus/​Islamismus": mindestens 25.810 und das ohne IS-Fans. Und wenn man dann noch bedenkt, dass der Anteil der Muslime an der Bevölkerung bei gerade mal 7% liegt, dann erkennt man doch sehr schnell, dass Deutschland noch ganz andere Gefahren drohen.
Quellen: https://www.verfassungsschutz.de/de/arb ... nzial-2017 und https://www.verfassungsschutz.de/de/arb ... nzial-2017[/quote]
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Munster » Fr 3. Mai 2019, 01:26

Was zur Hölle für ein Rechtsruck!?!?! In einem Land in dem Asylbewerber mit Teddybären beworfen werden, soll es einen Rechtsruck geben?
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Teeernte » Fr 3. Mai 2019, 07:38

Munster hat geschrieben:(03 May 2019, 01:26)

Was zur Hölle für ein Rechtsruck!?!?! In einem Land in dem Asylbewerber mit Teddybären beworfen werden, soll es einen Rechtsruck geben?


Wenn man vom Linken Kurs abkommt......und NUR NOCH die SPD Unterorganisation die Enteignung der Industrie/Immobilienbesitzer fordert ..... die CDU da nicht mitmacht ist dass schon ein RECHTS-Ruck...

Aber Rot Rot Grün macht dass schon... :D :D :D
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 3. Mai 2019, 09:19

JJazzGold hat geschrieben:(02 May 2019, 14:22)

Was soll man daraus schlussfolgern?
Vielleicht, dass weder Ramelow, noch das Landgericht exemplarisch für die sog. bürgerliche Mitte stehen?

Ich behaupte jetzt mal einfach, die bürgerliche Mitte hat den Vorfall zur Kenntnis genommen und wahlweise jeweils zustimmend genickt, oder jeweils den Kopf geschüttelt, oder ist die Achseln zuckend zum nächsten Thema über gegangen. Mich darauf berufene, dass keine verlässlichen Daten existieren, wie die Melange der bürgerlichen Mitte in % auf die oben geschilderten Vorgänge reagiert hat.


Vielleicht existieren ja sogar einigermaßen verlässliche statistische Daten über die politische Stimmungslage der Bevölkerung in Abhängigkeit von Merkmalen, die eine Zuordnung zu irgendeiner "Mitte" rechtfertigen könnten ... in unserer nach Statistiken und Umfragen vernarrten Welt würde es mich nicht wundern. In diesem Thread hier werden vorwiegend Einzel-Symptome für die eine oder andere Ansicht aus persönlicher Perspektive geschildert. Die können solche Mitte-Thesen in der Regel weder verifizieren noch falsifizieren.

Ich ziehe mich einmal auf einen ganz anderen Standpunkt zurück: Die Bundesrepublik ist bekanntlich eine repräsentative Demokratie. Es hat also eine gewisse Berechtigung, von den Verhältnissen im Bundestag auf das gesamtgesellschaftliche Klima zu schließen.

Fakt ist eins: Mit dem Einzug der AfD in den Bundestag hat sich das Debattenklima verschoben. Dabei geht es gar nicht um einzelne spekulative provokante und in den Medien stark reflektierte Äußerungen von AfD-Abgeordneten sondern darum, und das wird von Parlamentariern der "Linken" bis zu denen der CSU immer wieder bestätigt, dass es ein verändertes Hintergrundrauschen gibt: Ein ständiges provokantes Lachen, Saalverlassen, Ausrufe, Buhrufe ... die gab es zwar schon vorher, aber nicht annähernd in diesem Ausmaß. Ich will es mal so formulieren: Da macht sich im "Hohen Haus" der bürgerliche Grillabend Anfang Mai nach ein paar Flaschen Bier breit. Mit all seinen rechtspopulistischen Phrasen und Parolen. Das Programm lautet: "Wir werden sie jagen" (Gauland). Und da gibt es - völlig unabhängig von der Programmatik und nur bezogen auf die Debattenkultur - eine deutliche Asymmetrie zwischen Vertretern linker und rechter Parteien.

Die Hetzparolen kommen in aller Regel vom sogenannten "Flügel". Es gibt aber in der AfD auch einen Mitte-Flügel:
Alternative Politik für die bürgerliche Mitte

Herzlich willkommen auf der Webseite der Bundesarbeitsgruppe „Alternative Mitte Deutschland“. Wir sind die Mitte. Freiheitlich-patriotisch, bürgerlich-konservativ.


Die Partei AfD in ihrer faktischen Existenz und gesellschaftlichen Relevanz ist der offensichtliche Beweis für eine Klammerung, eine Brücke zwischen den Höcke-Leuten und der sogenannten "bürgerlichen Mitte".

Meine eigene bürgerliche Mittigkeit ist unter anderem von dem Ideal einer kultivierten Debatte geprägt. Auch wenn es zum Glück noch sehr unwahrscheinlich ist, aber inzwischen kann man wohl eine Parlamentsprügelei wie es sie in jüngerer Zeit etwa in Kiew oder Ankara gab, nicht mehr ganz ausschließen.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon JJazzGold » Fr 3. Mai 2019, 10:27

"schokoschendrezki"

Vielleicht existieren ja sogar einigermaßen verlässliche statistische Daten über die politische Stimmungslage der Bevölkerung in Abhängigkeit von Merkmalen, die eine Zuordnung zu irgendeiner "Mitte" rechtfertigen könnten ... in unserer nach Statistiken und Umfragen vernarrten Welt würde es mich nicht wundern.


Das würde ich auch nicht ausschließen, aber dementsprechend zu recherchieren überlasse ich der Thread Erstellerin.

In diesem Thread hier werden vorwiegend Einzel-Symptome für die eine oder andere Ansicht aus persönlicher Perspektive geschildert. Die können solche Mitte-Thesen in der Regel weder verifizieren noch falsifizieren.

Richtig, beruhend darauf, dass uns keine verlässlichen Daten zur politischen Zusammensetzung der bürgerlichen Mitte vorliegen.


Ich ziehe mich einmal auf einen ganz anderen Standpunkt zurück: Die Bundesrepublik ist bekanntlich eine repräsentative Demokratie. Es hat also eine gewisse Berechtigung, von den Verhältnissen im Bundestag auf das gesamtgesellschaftliche Klima zu schließen.

Darauf können wir uns gerne einigen. Da in den Wahlergebnissen pro Partei jeweils ein Anteil bürgerliche Mitte vertreten ist, legen wir in Ermangelung anderer Daten diese zugrunde. Woraus sich ergibt, dass das Verhalten der bürgerlichen Mitte zum Rechtsruck nur zu einem geringen Teil positiv ausfällt, wenn ich, gemäß meiner Annahme, dass sich Selina mit Rechtsruck ausschließlich auf die AfD und nicht auf angestrebt wieder erstarkende konservative Werte (AKK) bezieht, das Wahlergebnis betrachte.


Fakt ist eins: Mit dem Einzug der AfD in den Bundestag hat sich das Debattenklima verschoben. Dabei geht es gar nicht um einzelne spekulative provokante und in den Medien stark reflektierte Äußerungen von AfD-Abgeordneten sondern darum, und das wird von Parlamentariern der "Linken" bis zu denen der CSU immer wieder bestätigt, dass es ein verändertes Hintergrundrauschen gibt: Ein ständiges provokantes Lachen, Saalverlassen, Ausrufe, Buhrufe ... die gab es zwar schon vorher, aber nicht annähernd in diesem Ausmaß. Ich will es mal so formulieren: Da macht sich im "Hohen Haus" der bürgerliche Grillabend Anfang Mai nach ein paar Flaschen Bier breit. Mit all seinen rechtspopulistischen Phrasen und Parolen. Das Programm lautet: "Wir werden sie jagen" (Gauland). Und da gibt es - völlig unabhängig von der Programmatik und nur bezogen auf die Debattenkultur - eine deutliche Asymmetrie zwischen Vertretern linker und rechter Parteien.

Die Hetzparolen kommen in aller Regel vom sogenannten "Flügel". Es gibt aber in der AfD auch einen Mitte-Flügel:
Alternative Politik für die bürgerliche Mitte

“Herzlich willkommen auf der Webseite der Bundesarbeitsgruppe „Alternative Mitte Deutschland“. Wir sind die Mitte. Freiheitlich-patriotisch, bürgerlich-konservativ.“


Die Partei AfD in ihrer faktischen Existenz und gesellschaftlichen Relevanz ist der offensichtliche Beweis für eine Klammerung, eine Brücke zwischen den Höcke-Leuten und der sogenannten "bürgerlichen Mitte".

Meine eigene bürgerliche Mittigkeit ist unter anderem von dem Ideal einer kultivierten Debatte geprägt. Auch wenn es zum Glück noch sehr unwahrscheinlich ist, aber inzwischen kann man wohl eine Parlamentsprügelei wie es sie in jüngerer Zeit etwa in Kiew oder Ankara gab, nicht mehr ganz ausschließen.



Solch Alten wie mir sind die rabiaten, ritualisierten Auseinandersetzungen, explizit zwischen Strauß und Wehner, Schmidt und Kohl noch gut im Gedächtnis. Dagegen sind die heutigen Auseinandersetzungen weichgespült. ;)
Insofern gehe ich nicht davon aus, dass wir Parlamentsprügeleien zu erwarten haben. Wozu die zahlreichen Aufforderungen, der AfD mit Fakten, Fakten und nochmal Fakten zu begegnen, ihren Teil beitragen. Was zwar auch meiner Vorstellung entspricht, aber die bürgerliche Mitte weit weniger mitfiebern vom Hocker reißen dürfte, als die deftigen Auseinandersetzungen damaliger Zeit. Was nicht zuletzt auch daran liegt, dass sich die bürgerliche Mitte anders verhält. Konnte damals mit deftiger Wortwahl Emotion generiert werden, zugunsten oder zum Nachteil des jeweiligen Partei, gehe ich davon aus, dass sich die Mehrheit der bürgerlichen Mitte eher pikiert abwendet, während nur noch Restbestände in den AfD Bundestagsprovokationen des “das wird man doch wohl sagen dürfen“, ein ähnliches, emotional begeisterndes Muster analog zu o.e. Auseinandersetzungen vermuten.

Weshalb auch die AfD “bürgerliche Mitte“, deren Ausdrucksweise sich deutlich von der Vaterpartei unterscheidet, von Anhängern oder Ablehnern der AfD wenig bis gar nicht zur Kenntnis genommen wird. Zumal sie zudem noch den Anschein erweckt, nicht erfolgreich parteiintern zu agieren.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 3. Mai 2019, 13:25

Tom Bombadil hat geschrieben:(02 May 2019, 19:29)

Die bürgerliche Mitte geht weder Hand in Hand mit Links- noch mit Rechtsradikalen, würde sie das tun, wäre sie ja nicht die Mitte, sondern links oder rechts. Logik, über die du vllt. zweimal denken musst :p

Selbstdefinition durch Abgrenzung. Wenn genau ein Mensch "Hand in Hand" mit genau zwei anderen Menschen geht, befindet er sich zwangsläufig in der Mitte und die beiden anderen am linken und rechten Rand. Logik zweiter Ordnung?
Zuletzt geändert von schokoschendrezki am Fr 3. Mai 2019, 14:12, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 3. Mai 2019, 13:51

JJazzGold hat geschrieben:(03 May 2019, 10:27)
Solch Alten wie mir sind die rabiaten, ritualisierten Auseinandersetzungen, explizit zwischen Strauß und Wehner, Schmidt und Kohl noch gut im Gedächtnis. Dagegen sind die heutigen Auseinandersetzungen weichgespült. ;)

Das sehe ich ganz anders. (Und ich kenne die berühmten Strauß-Wehner-Auseinandersetzungen auch noch). Es geht gar nicht um Rabiatheit oder polemische Zugespitztheit. Die möge uns hoffentlich erhalten bleiben! Sondern um das koordinierte, kollektive Bloßstellen einer Parlamentsdebatte überhaupt. Wehner polemisierte gegen Strauß und Strauß gegen Wehner. Schärfer als man es heute tut. Aber keiner von beiden gegen den Parlamentarismus selbst. Es gibt ja die seltsamsten Statistiken. Zum Beispiel eine darüber, wie oft eine Fraktion im Bundestag für eine andere Fraktion klatscht und wie oft für Redner der eigenen Fraktion. Die FDP bringt es fertig, sogar noch ein wenig mehr für Redner anderer Fraktionen zu applaudieren als für die der eigenen Fraktion. Die Afd ...? https://projekte.sueddeutsche.de/artikel/politik/die-afd-im-bundestag-e362724/
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 3. Mai 2019, 14:08

Zurück noch einmal auf die europäische Ebene. Viktor Orbán und Matteo Salvini, das kann man wohl mit Fug und Recht sagen, stehen ganz und gar für das, was man die "europäische bürgerliche Mitte" nennen kann. Und beide haben sich in jüngerer Vergangenheit mehrfach gegenseitig als politische Vorbilder bezeichnet. Es geht gegen angebliche Bedrohungen des bürgerlichen Lebens von außen, gegen Mafia, Korruption, den "Süden" auf der einen, den "Osten" auf der anderen Seite. Gegen Einwanderer und "Zigeunerkriminalität". Da wo die Fidesz den Bürgermeister stellt (also auf dem Land fast überall) sind die Bürgersteige sauber, niemand klaut Fahrräder, die Kirchen sind renoviert und drinnen hängt die Nationalflagge. Die beiden haben sich vor einigen Tagen in Budapest getroffen. Hier der Innenminister eines der EU-Gründungsmitglieder und eines der nach wie vor wirtschaftsstärksten EU-Staaten. Dort der Premier des nach wie vor bzw. gerade auch heute wirtschaftlichen Musterknaben Ostmitteleuropas. Es geht um das Projekt einer neuen europäischen Rechts-Außen-Allianz. Noch ist Orbáns Fidesz - wenn auch suspendiertes - Mitglied der bürgerlich-konservativen EVP-Parteienfamilie. Aber man spürt bei den Bildern des Staatsempfangs in Budapest regelrecht körperlich, wie diese Flamme der europäischen bürgerlichen Mittigkeit rur rechten Seite hinüberzüngelt ...
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon JJazzGold » Fr 3. Mai 2019, 14:14

schokoschendrezki hat geschrieben:(03 May 2019, 13:51)

Das sehe ich ganz anders. (Und ich kenne die berühmten Strauß-Wehner-Auseinandersetzungen auch noch). Es geht gar nicht um Rabiatheit oder polemische Zugespitztheit. Die möge uns hoffentlich erhalten bleiben! Sondern um das koordinierte, kollektive Bloßstellen einer Parlamentsdebatte überhaupt. Wehner polemisierte gegen Strauß und Strauß gegen Wehner. Schärfer als man es heute tut. Aber keiner von beiden gegen den Parlamentarismus selbst. Es gibt ja die seltsamsten Statistiken. Zum Beispiel eine darüber, wie oft eine Fraktion im Bundestag für eine andere Fraktion klatscht und wie oft für Redner der eigenen Fraktion. Die FDP bringt es fertig, sogar noch ein wenig mehr für Redner anderer Fraktionen zu applaudieren als für die der eigenen Fraktion. Die Afd ...? https://projekte.sueddeutsche.de/artikel/politik/die-afd-im-bundestag-e362724/


Interessant, es war mir unbekannt, dass es bezogen auf ausserfraktionellen Applaus eine Statistik gibt. :D
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Trifels » Fr 3. Mai 2019, 14:26

schokoschendrezki hat geschrieben:(03 May 2019, 14:08)

Zurück noch einmal auf die europäische Ebene. Viktor Orbán und Matteo Salvini, das kann man wohl mit Fug und Recht sagen, stehen ganz und gar für das, was man die "europäische bürgerliche Mitte" nennen kann. Und beide haben sich in jüngerer Vergangenheit mehrfach gegenseitig als politische Vorbilder bezeichnet. Es geht gegen angebliche Bedrohungen des bürgerlichen Lebens von außen, gegen Mafia, Korruption, den "Süden" auf der einen, den "Osten" auf der anderen Seite. Gegen Einwanderer und "Zigeunerkriminalität". Da wo die Fidesz den Bürgermeister stellt (also auf dem Land fast überall) sind die Bürgersteige sauber, niemand klaut Fahrräder, die Kirchen sind renoviert und drinnen hängt die Nationalflagge. Die beiden haben sich vor einigen Tagen in Budapest getroffen. Hier der Innenminister eines der EU-Gründungsmitglieder und eines der nach wie vor wirtschaftsstärksten EU-Staaten. Dort der Premier des nach wie vor bzw. gerade auch heute wirtschaftlichen Musterknaben Ostmitteleuropas. Es geht um das Projekt einer neuen europäischen Rechts-Außen-Allianz. Noch ist Orbáns Fidesz - wenn auch suspendiertes - Mitglied der bürgerlich-konservativen EVP-Parteienfamilie. Aber man spürt bei den Bildern des Staatsempfangs in Budapest regelrecht körperlich, wie diese Flamme der europäischen bürgerlichen Mittigkeit rur rechten Seite hinüberzüngelt ...



Info 1 :
s. o.

Da wo die Fidesz den Bürgermeister stellt (also auf dem Land fast überall) sind die Bürgersteige sauber, niemand klaut Fahrräder, die Kirchen sind renoviert und drinnen hängt die Nationalflagge.



Info 2 :
s. woanders:

https://www.youtube.com/watch?v=uC6qAnt506w

https://books.google.de/books?id=2TTmnI ... &q&f=false

(https://www.uni-goettingen.de/de/49992.html)

Noch Fragen ?

....aber nicht an die bürgerliche Mitte sicherlich.
Denkanstoß. Gesicherte Quelle/Info -> take it or leave it.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Selina » Fr 3. Mai 2019, 14:36

schokoschendrezki hat geschrieben:(03 May 2019, 14:08)

Zurück noch einmal auf die europäische Ebene. Viktor Orbán und Matteo Salvini, das kann man wohl mit Fug und Recht sagen, stehen ganz und gar für das, was man die "europäische bürgerliche Mitte" nennen kann. Und beide haben sich in jüngerer Vergangenheit mehrfach gegenseitig als politische Vorbilder bezeichnet. Es geht gegen angebliche Bedrohungen des bürgerlichen Lebens von außen, gegen Mafia, Korruption, den "Süden" auf der einen, den "Osten" auf der anderen Seite. Gegen Einwanderer und "Zigeunerkriminalität". Da wo die Fidesz den Bürgermeister stellt (also auf dem Land fast überall) sind die Bürgersteige sauber, niemand klaut Fahrräder, die Kirchen sind renoviert und drinnen hängt die Nationalflagge. Die beiden haben sich vor einigen Tagen in Budapest getroffen. Hier der Innenminister eines der EU-Gründungsmitglieder und eines der nach wie vor wirtschaftsstärksten EU-Staaten. Dort der Premier des nach wie vor bzw. gerade auch heute wirtschaftlichen Musterknaben Ostmitteleuropas. Es geht um das Projekt einer neuen europäischen Rechts-Außen-Allianz. Noch ist Orbáns Fidesz - wenn auch suspendiertes - Mitglied der bürgerlich-konservativen EVP-Parteienfamilie. Aber man spürt bei den Bildern des Staatsempfangs in Budapest regelrecht körperlich, wie diese Flamme der europäischen bürgerlichen Mittigkeit rur rechten Seite hinüberzüngelt ...


Genauso siehts aus. Da kann man sich ja erstmal freuen, dass die von Matteo Salvini (Lega) geplante neue Fraktion "Europäische Allianz der Menschen und Nationen (EAMN)" vorerst nur ein feuchter rechter Traum bleibt. Europas Rechtspopulisten, die sich immer noch "bürgerliche Mitte" nennen, können sich offenbar in vielen Fragen nicht einigen. Dennoch werden die Rechtsnationalen im Europaparlament sicher große Stimmenzugewinne haben. Nur eben nicht so vereint.

Und im Hintergrund zieht der rechtsradikale Bannon die Fäden:

https://www.zeit.de/2018/23/steve-banno ... us/seite-2
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Bleibtreu » Fr 3. Mai 2019, 14:53

Achtung - hier ist das Forum InnenPolitik nicht EU - sollte diese Fremdschiene hier weiter diskutiert werden, landen alle Beitraege dazu in der Ablage!
Stellt eure Antworten dazu am Besten in einen passenden Strang im EU/AussenPolitik Forum ein - Danke.
•Wer fuer alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein.
https://www.shabak.gov.il/english/Pages/index.html#=2
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Dark Angel » Fr 3. Mai 2019, 17:08

Selina hat geschrieben:(03 May 2019, 14:36)

Genauso siehts aus. Da kann man sich ja erstmal freuen, dass die von Matteo Salvini (Lega) geplante neue Fraktion "Europäische Allianz der Menschen und Nationen (EAMN)" vorerst nur ein feuchter rechter Traum bleibt. Europas Rechtspopulisten, die sich immer noch "bürgerliche Mitte" nennen, können sich offenbar in vielen Fragen nicht einigen. Dennoch werden die Rechtsnationalen im Europaparlament sicher große Stimmenzugewinne haben. Nur eben nicht so vereint.

Und im Hintergrund zieht der rechtsradikale Bannon die Fäden:

https://www.zeit.de/2018/23/steve-banno ... us/seite-2

1. Solltest du nicht immer "rechts" mit rechtsradikal oder rechtsextrem gleichsetzen. Damit diffamierst und verleumdest du, eine nicht geringe Zahl von Demokraten, die mit Radikalismus oder Extrememismus nicht das Geringste am Hut haben und sich mit Fug und Recht zur bürgerlichen Mitte zählen, indem sie sich sich deutlich von den extremen/radikalen Rändern beiderseits der Gesellschaft abgrenzen.

2. Solltest du dich mal mit dem Begriff "Populismus" beschäftigen, dann fällt dir vielleicht auf, dass es nicht nur Rechtspopulismus gibt, sondern auch Linkspopulismus und beide verbindet, dass sie:

"Zwei Probleme ergeben sich hier: Das Wort "Populismus" ist außerordentlich wertgeladen und noch dazu unpräzise.

Mit Wertgeladenheit ist zunächst gemeint, dass der Populismus-Vorwurf ein gern genutztes Mittel in der politischen Auseinandersetzung ist. Kaum ein Politiker, der nicht schon andere Parteien und Politiker bezichtigt hätte, "populistische" Forderungen zu verbreiten. Das soll den politischen Gegner abwerten und die Ernsthaftigkeit und Realisierbarkeit seiner Forderungen in Abrede stellen. Die mit dem Populismus-Vorwurf einhergehenden Assoziationen reichen von "Stammtisch-Niveau" bis hin zu "Demagogie". Der angebliche Populist zielt in dieser Sichtweise darauf ab, die Gunst der Massen zu erringen, indem er Versprechungen macht, ohne auf deren Umsetzbarkeit zu achten. Versteht man Populismus in diesem Sinne vor allem als ein Stilmittel, das auf eine größtmögliche mediale Aufmerksamkeit abzielt, so kann man den Populismus-Vorwurf durch Politiker selbst als "populistisch" bezeichnen. [...]
Offenbar gibt es rechte Populisten genauso wie linke. Man braucht nicht lange zu suchen, um auch andere vermeintliche Spielarten des Populismus zu finden: So ist von „Nationalpopulismus“, "Ökopopulismus" oder "Steuerpopulismus" die Rede – die Liste ließe sich fortführen. In den seltensten Fällen wird jedoch klar, was genau mit "Populismus" gemeint ist.
Quelle


In diesem Sinne ist das, was du hier betreibst, indem du permanent rechts - besser konservativ demokratisch - mit rechtsextrem/rechtsradikal gleichsetzt, nicht anderes als Linkspopulismus.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Tom Bombadil » Fr 3. Mai 2019, 17:14

schokoschendrezki hat geschrieben:(03 May 2019, 13:25)

Logik zweiter Ordnung?

Im Kontext betrachtet Unlogik².
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon BlueMonday » Sa 4. Mai 2019, 02:21

schokoschendrezki hat geschrieben:(03 May 2019, 13:51)
Sondern um das koordinierte, kollektive Bloßstellen einer Parlamentsdebatte überhaupt. Wehner polemisierte gegen Strauß und Strauß gegen Wehner. Schärfer als man es heute tut. Aber keiner von beiden gegen den Parlamentarismus selbst.


Nun, das müsste ja immer das erste Prinzip sein, die Sache selbst zu hinterfragen, die man gerade tut. Reflexion. In gewisser Weise geht es auch um eine humorige, leichte Attitüde gegenüber dem eigenen Tun. Gerade der politische Teil der Bundesrepublik befindet sich ja desöfteren in einem schildbürgerlichen Zustand und darüber hinaus. Dem kann man eigentlich vernünftig nur mit Humor begegnen. So eine Partei wie die AfD erzeugt nun wenigstens einige Perturbationen in der "Blockierten Republik" (Der Spiegel). Zieht dem ollen Kaiser ab und zu die Hose herunter, und der alte Herr bemerkt es nicht einmal. Allein das ist es schon wert, dass sie dort sitzen. Und spätestens als ein auf "Bullen" einprügelnder und beturnschuhter Außenminister in dieser Bundesrepublik möglich wurde, der heute freilich mit jeder Falte seines Knautschgesichts so tut als wäre er von tiefster Ernsthaftigkeit und geistiger Schwere angetrieben, sollte man vieles oder gar alles für möglich halten, auch wenn manche so tun als wäre die AfD im Parlament eine Katastrophe, eine Unmöglichkeit, fast ein Dammbruch gegen den man sich beleidigt oder entsetzt stemmen müsste nachdem die jahrelange Ignoranz nicht gefruchtet und das Gegenteil bewirkt hat. Die Leichtigkeit fehlt eben. Man darf den Humor nie verlieren, aber er droht seit geraumer Zeit verlustig zu gehen, dieser existenzielle Humor, mit dem man die unnötige Ehrfurcht vorm Status quo, vor den Etablierten, vorm Gewohnten und Vertrauten verliert. Wobei da nun eine BRD weitaus mehr einstecken konnte als eine DDR. Deshalb gibt es sie ja auch noch, die BRD.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Selina » Sa 4. Mai 2019, 10:41

schokoschendrezki hat geschrieben:(03 May 2019, 13:51)

Das sehe ich ganz anders. (Und ich kenne die berühmten Strauß-Wehner-Auseinandersetzungen auch noch). Es geht gar nicht um Rabiatheit oder polemische Zugespitztheit. Die möge uns hoffentlich erhalten bleiben! Sondern um das koordinierte, kollektive Bloßstellen einer Parlamentsdebatte überhaupt. Wehner polemisierte gegen Strauß und Strauß gegen Wehner. Schärfer als man es heute tut. Aber keiner von beiden gegen den Parlamentarismus selbst. Es gibt ja die seltsamsten Statistiken. Zum Beispiel eine darüber, wie oft eine Fraktion im Bundestag für eine andere Fraktion klatscht und wie oft für Redner der eigenen Fraktion. Die FDP bringt es fertig, sogar noch ein wenig mehr für Redner anderer Fraktionen zu applaudieren als für die der eigenen Fraktion. Die Afd ...? https://projekte.sueddeutsche.de/artikel/politik/die-afd-im-bundestag-e362724/


Danke für den Link. Da gehts auch ums Lachen im Bundestag. Selbst das ist anders geworden, seit diese Leute im Parlament sitzen. Sehr aufschlussreich. Von wegen Humor. Und darüber hinaus: Das Klima im Parlament als Gradmesser für das Befinden der bürgerlichen Mitte zu nehmen, ist da gar nicht mal der schlechteste Ansatz. Wobei ich da oft sogar angenehm überrascht bin, mit welcher Klarheit und Deutlichkeit einzelne Vertreter der Mitte-Parteien (CDU, SPD, FDP) den Rechtspopulisten im Parlament Kontra geben.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 6. Mai 2019, 08:20

BlueMonday hat geschrieben:(04 May 2019, 02:21)

Nun, das müsste ja immer das erste Prinzip sein, die Sache selbst zu hinterfragen, die man gerade tut. Reflexion. In gewisser Weise geht es auch um eine humorige, leichte Attitüde gegenüber dem eigenen Tun. Gerade der politische Teil der Bundesrepublik befindet sich ja desöfteren in einem schildbürgerlichen Zustand und darüber hinaus. Dem kann man eigentlich vernünftig nur mit Humor begegnen. So eine Partei wie die AfD erzeugt nun wenigstens einige Perturbationen in der "Blockierten Republik" (Der Spiegel). Zieht dem ollen Kaiser ab und zu die Hose herunter, und der alte Herr bemerkt es nicht einmal. Allein das ist es schon wert, dass sie dort sitzen. Und spätestens als ein auf "Bullen" einprügelnder und beturnschuhter Außenminister in dieser Bundesrepublik möglich wurde, der heute freilich mit jeder Falte seines Knautschgesichts so tut als wäre er von tiefster Ernsthaftigkeit und geistiger Schwere angetrieben, sollte man vieles oder gar alles für möglich halten, auch wenn manche so tun als wäre die AfD im Parlament eine Katastrophe, eine Unmöglichkeit, fast ein Dammbruch gegen den man sich beleidigt oder entsetzt stemmen müsste nachdem die jahrelange Ignoranz nicht gefruchtet und das Gegenteil bewirkt hat.

Ist keine Katastrophe. Wir sind nur eben auch in Deutschland in der normalen durchschnittlichen europäischen politischen Realität angekommen, in der, so wie auch in SKandinavien, Polem, den Niederlanden usw. usf. ein Fünftel bis ein Viertel der Abgebordneten aus einer rechtspopulistischen Partei kommen. Und dies auch die gesellschaftlichen Verhältnisse wiederspiegelt. Traurig genug!

"Populismus" bedeutet hier durchaus mehr als einfach nur "uneinlösbare Versprechungen" zu machen. Das von der AfD bediente Geschichtsbild hat überhaupt nix mit irgendwelchen Versprechungen zu tun. Was versprechen Formulierungen wie "Denkmal der Schande" oder "Vogelschiss in der Geschichte" denn bitte? Mit schwierigen Sachtemen wie CO2-Senkung, Mietpreisen oder Lehrermangel haben die gar nix zu tun. Und genau das ist "Populismus".
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
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Selina
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Selina » Di 7. Mai 2019, 13:00

Dieser "Vogelschiss"-Mensch bezeichnet sich selbst ja auch als zur Mitte gehörig. Die Mitte ist wirklich ganz schön "mittig" :D
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Wähler » Mi 3. Jul 2019, 18:30

SZ 2. Juli 2019 Rezension: Cornelia Koppetsch: Die Gesellschaft des Zorns. Rechtspopulismus im globalen Zeitalter
https://www.sueddeutsche.de/kultur/corn ... -1.4507956
Hier lohnt ein längeres Zitat zu den neuen Eliten, auch als Stilprobe: "Lebenslanges Lernen, der Konsum schier unerschöpflicher Mengen von Wissens- und Kulturgütern, Kodeverfeinerungen und die permanente Optimierung aller Lebensvollzüge ist der Preis, den die Privilegierten für ihre Zugehörigkeit zu entrichten haben. Weniger begünstigte Milieus, die vor dem Hintergrund dieser avancierten Standards als weniger kultiviert, weniger gesundheitsbewusst und weniger selbstdiszipliniert erscheinen, werden von den Mitgliedern des postindustriellen Bürgertums intuitiv aussortiert und wirkungsvoll daran gehindert, in die Machtzentren aufzuschließen."

"Auch Koppetsch versteht den Rechtspopulismus als Antwort auf die nicht bewältigte Globalisierung. Er sei eine Protestbewegung, vergleichbar dem linken Protest von 1968...Längst gibt es ein globales Unten, ein weltweites Dienstleistungsprekariat. Und zweitens handelt es sich bei diesem Konflikt immer auch um Kulturkämpfe...Dabei entstehen neue Bündnisse, die sich kaum auf gemeinsame Klassenlagen zurückführen können, von entmachteten Eliten, enttäuschten Familienvätern, altmodischen Gebildeten, Ostdeutschen mit entwerteten Biografien beispielsweise..."
Soziologische Analyse der Gegenwart, bemüht um neue Akzente.
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