Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

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Selina
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Selina » Do 2. Mai 2019, 00:57

Uffhausen hat geschrieben:(02 May 2019, 00:35)

Was soll dann bitte deine Durchschnitts-Defintion - DAS IST SCHUBLADENDENKEN!


Grenzen gibt's bei mir auch. Aber halt nicht nur.

Ich habe so einige Leute in meinem Umfeld, mit denen ich z. B. nicht über Politik diskutieren kann, aber deswegen habe ich diese Menschen noch nicht aufgegeben oder erkläre sich leichtfertig zu meinen Gegnern oder Feinden. Bspw. eine politische Meinung ist ja schließlich nicht alles, was einen Menschen ausmacht. Dich sehe ich trotz unserer Meinungs-Differenzen hier auch nicht als Gegnerin oder Feindin; also zähle mich bitte nicht zu den Usern, denen du unterstellst, sie würden sich nur an dir "abarbeiten" wollen.


Klar. Aber was ist bspw. "menschenfeindlich"?

"Menschenfeindlich" sind in meinen Augen alle, die andere Menschen aus nichtigen Gründen ablehnen. Das betrifft für mich Leute, die bspw. alle Flüchtlinge gemeinhin als Sozialschmarotzer abstempeln, genauso wie Leute, die alle AfD-Wähler gemeinhin als Nazis verunglimpfen.

"Menschenfeindlich" ist im Grunde nichts anderes, als die Kommode, zu der u. a. die "rechtsbraune Nazi"- und die "linksgrüne Traumtänzer"-Schubladen gehören.


Ich gehe auch mit offenen Augen durchs Leben und höre genau hin - aber noch dazu unterhalte ich auch mit den Leuten in erster Linie ohne Vorbehalte = und komme höchstwahrscheinlich deshalb zu einem völlig anderem Ergebnis, wie du. Aber niemals würde ich diesbezüglich von mir behaupten "Ich weiß es genau". Über dafür benötigte Arroganz, Selbstüberschätzung und Eigenlob verfüge ich nicht.


Dieses "ich weiß es genau" bezog sich auf Dinge und Situationen, die ich mit eigenen Augen gesehen hab. Da müsste man schon sehr kurzsichtig sein, um diese Art von Schulterschluss nicht zu sehen. Und was das Reden mit Menschen anbelangt, das habe ich in meinem Leben (ich glaube, ich bin doppelt so alt wie du) mehr als genug getan und tue es auch weiterhin. Vor allem haben wir da immer viel Spaß dabei... beim Miteinander-Reden. Dieser ganze bräunliche Zirkus entbehrt nämlich mitunter nicht einer gewissen Komik.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Domingo » Do 2. Mai 2019, 06:41

Misterfritz hat geschrieben:(01 May 2019, 22:26)

Ich würde mal behaupten, die durchschnittliche Mitte hat heute allenfalls eine Fahrradtour oder einen Spaziergang gemacht, bevor sie gegrillt haben. Meist mit Familie, ab und an noch mit Freunden. Die durchschnittliche Mitte wirst Du also kaum auf einer Demo gesehen haben, weder auf einer linken noch auf einer rechten.
Die Leute, die Du getroffen hast, waren zumindest politisch interessiert bis engagiert - das ist die Masse nicht. Und in dieser Masse hängt nun mal auch die politische Mitte rum.
Das ist auch nicht schlimm, man kann nicht erwarten, dass die Menschen sich grossartig für Politik interessieren oder gar dafür demonstrieren, solange sie sich an Recht und Gesetz halten und keine umstürzlerischen Gedanken verfolgen. Und genau da liegt eigentlich etwas, was man nur findet, wenn die Leute sich eher weniger Sorgen machen über die Welt, in der sie leben. Das scheint in Deutschland nicht so schlecht zu sein.
Das heisst nicht, dass man alles gut finden muss oder nichts verbesserungswürdig wäre.


Wenn ich mal dran erinnern darf: Gestern war Tag der Arbeit. Die Leute sind auf die Straße gegangen für Arbeitnehmerrechte. Sollte gerade die bürgerliche Mitte interessieren! Engagiert haben sich auf Demo und Maifest wie jedes Jahr Lunkspartei, SPD, Grüne, Gewerkschaften, Naturfreunde, Umweltschützer, Schwulenverbände! Alles eher links Angesiedelte! Erfreulich war auch wie jedes Jahr: Sehr viele junge Leuge waren dabei. Aber auch denen war schon optisch anzusehen das sie eher aus der alternativen Szene kommen. Die bürgerliche Mitte ist lieber Fahrrad gefahren! Schade eigentlich!
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon JJazzGold » Do 2. Mai 2019, 08:29

Domingo hat geschrieben:(02 May 2019, 06:41)

Wenn ich mal dran erinnern darf: Gestern war Tag der Arbeit. Die Leute sind auf die Straße gegangen für Arbeitnehmerrechte. Sollte gerade die bürgerliche Mitte interessieren! Engagiert haben sich auf Demo und Maifest wie jedes Jahr Lunkspartei, SPD, Grüne, Gewerkschaften, Naturfreunde, Umweltschützer, Schwulenverbände! Alles eher links Angesiedelte! Erfreulich war auch wie jedes Jahr: Sehr viele junge Leuge waren dabei. Aber auch denen war schon optisch anzusehen das sie eher aus der alternativen Szene kommen. Die bürgerliche Mitte ist lieber Fahrrad gefahren! Schade eigentlich!


Die bürgerliche Mitte auf dem Land im Süden war beim Fest des Maibaumaufstellens, ebenfalls mit Beteiligung vieler junger Leute.
Die haben den sonnigen Tag im Kreise von Familie und Freunden genossen, statt sich den seit Jahrzehnten bekannten Parolen von Flugsünder Bsirske&co und Grünen Weltuntergangspredigern, oder dem inzwischen ebenso hinlänglich bekannten rechtspopulistischen Geschwätz einer Höcke&co Truppe auszusetzen, sowie eventuell später erfolgenden gewaltsamen Ausschreitungen.

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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon JJazzGold » Do 2. Mai 2019, 08:40

Uffhausen hat geschrieben:(01 May 2019, 23:25)

Das linke Wehrverhalten gegen rechts ist definitiv nicht uneigennützig zu verstehen. Würde es nur darum gehen, einfach nur nicht rechts zu wählen, wäre das insgesamte Theater ja vergleichsweise harmlos. Aber es geht tatsächlich vielmehr darum, nicht nur nicht rechts zu wählen, sondern stattdessen links. Klarer Fall von Entweder/Oder. Das Ekelhafte daran ist, dass die Rechten mit derselben Taktik auf Stimmenfang gehen. Das ist es, was bzgl. Links bei mir Widerstand auslöst. Eben die unbestreitbaren Parallelen zu Rechts.


So ist es, mit der suggerierten Verantwortung, sich als bürgerliche Mitte gefälligst offenkundig streitbar gegen den Rechtsruck zu positionieren, geht die Verpflichtung, dies gefälligst im solidarischen Zusammenschluss mit linken Randgruppierungen zu tun, einher. Das Spiel ist allerdings so durchschaubar, dass sich die bürgerliche Mitte verweigert. Was ihr wiederum vom linken Rand als rechtspopulistisch affin angeheftet wird.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon schokoschendrezki » Do 2. Mai 2019, 08:48

Misterfritz hat geschrieben:(01 May 2019, 22:26)
Ich würde mal behaupten, die durchschnittliche Mitte hat heute allenfalls eine Fahrradtour oder einen Spaziergang gemacht, bevor sie gegrillt haben. Meist mit Familie, ab und an noch mit Freunden. Die durchschnittliche Mitte wirst Du also kaum auf einer Demo gesehen haben, weder auf einer linken noch auf einer rechten.
Die Leute, die Du getroffen hast, waren zumindest politisch interessiert bis engagiert - das ist die Masse nicht. Und in dieser Masse hängt nun mal auch die politische Mitte rum.

Ich habe wirklich keinen Kontaktmangel mit irgendeiner bürgerlichen Mitte. Ich höre allerdings auch genau hin, was bei einer Grillparty so nach einigen Glas Bier geredet wird. Nein. Es geht nicht um Pläne für irgendeine Gewalt-Aktion. Es geht dabei häufig um den ganz alltäglichen beschissenen erbärmlichen Alltagsrassismus. Der sich in "gebildeten" Kreisen auch schon mal darin äußert, dass man "Rassismus" und "Rechtsruck" geographisch zu Osteuropa zuordnet und nicht zu den demokratiefeindlichen politischen Kräften in Osteuropa. So sei er nunmal, der "Osteuropäer". Das ist natürlich nicht rechts oder rassistisch sondern ganz bürgerlich demokratisch ... Oder? Da schließt sich der Maurer auf der Baustelle, der "Albaner nicht leiden kann" (letztens gehört) mit den "Gebildeten" zusammen, die am liebsten den Eisernen Vorhang wieder errichten würden.

Ein Problem in diesem Thread besteht darin, dass nicht klar ist, ob das Problem der "bürgerlichen Mitte" im Verhältnis zu einem Rechtsruck auf Deutschland bezogen sein oder in größerem Maßstab verhandelt werden soll. Die Sorge vor einem neuen nationalistischen Fiasko in Europa leitet sich für mich in erster Linie aus der Erfahrung der Jugoslawien-Kriege ab. Auch wenn ich nicht direkt vor Ort war. Ich wüsste nicht, warum eine historische Aufarbeitung dieser Kriege weniger angebracht sein soll als die Aufarbeitung der beiden Weltkriege. Die rein zahlenmäßig unterschiedlichen Bedeutsamkeiten sind jedenfalls kein Grund. Es zeigt sich dabei auf jeden Fall eines: Menschen, die über Jahrzehnte hinweg zumindest äußerlich friedlich nebeneinander lebten und sehr wohl so etwas wie eine bürgerliche Mitte bildeten, teils befreundet und verschwägert waren, gehen mit Messern und Gewehren aufeinander los und glauben, es nicht miteinander aushalten zu können. Da ich das eben nicht auf irgendeine Kulturprägung, geographische Herkunft, Ethnie oder gar Rasse schiebe ... kommt für mich als Schlussfolgerung nur in Betracht, dass diese "bürgerliche Mittigkeit" auch in Deutschland nur ein dünner, provisorischer Film ist, unter dem die Wölfischkeit des Menschen jederzeit wieder hervorbrechen kann. Für die bürgerliche Mitte in Deutschland und Mitteleuropa sind die Schrecknisse des 20. Jahrhunderts inzwischen so etwas wie die vagen Erinnerungen an einen Alptraum irgendwann um 10 Uhr vormittags nach einem guten Frühstück: Was hast du da schreckliches geträumt? Und inzwischen weiß man wieder: Gestern, das war Aufklärung, Humboldt, Mozart, Goethe, Kant. Heute, das ist die verfassungspatriotische Bundesrepublik, DGB, Bundesliga, ZDF-Sportstudio. War da was?

Der Rechtsruck in der bürgerlichen Mitte ist gleichzeitig eine entschiedene Abkehr von diesem Rechtsruck. Zumindest in dieser sogenannten "bildungsbürgerlichen" Mitte. In Frankreich läuft im rechten Teil dieser bildungsbürgerlichen Mitte in jüngerer Zeit zum Beispiel eine Renaissance rund um die (ja schon seit Jahrhunderten) überhöhte Figur der Jungfrau von Orleans. Ständig gibt es neue Bücher zum Thema. Und nun mit dem Brexit und einer vermeintlichen historischen Parallele der "Engländer-Vertreibung" nach zig Jahrhunderten nimmt diese nationalistische "Jeanne d'Arc"-Verehrung noch einmal richtig Fahrt auf. Ja, bitte, kneif' mir mal jemand in den Arm. In welchem Jahrhundert leben wir denn? Und gibts da wirklich einen fundamentalen Unterschied zur Trianon-Bewegung in Ungarn oder zu den Amselfeldschlachten-Beschwörern in Serbien? Es gibt in dieser bürgerlichen Mitte sowohl in Frankreich als auch in Ungarn nicht wenige entsetzte Intellektuelle, die um nix in der Welt bei diesen Entwicklungen dabei sein wollen. Und dann schon mal als Panikmacher bezeichnet werden.

Anderes Beispiel aus Deutschland: Voriges Jahr ist es einer Mehrheit der Belegschaft der Uni Greifswald nun doch gelungen, den Namen "Ernst-Moritz Arndt", der ihr 1933 ehrenhalber verliehen wurde und vom DDR-Regime wohlfeil verlängert wurde, abzulegen. Eigentlich gegen ein entsprechendes Referendum. Es gibt den einen Teil der bildungsbürgerlichen Mitte, der unter keinen Umständen bei einer Recherche seiner Publikationen in irgendeinen Zusammenhang mit Joseph Göbbels oder Walter Ulbricht gebracht werden will. Verständlich! Und es gibt den anderen Teil, der auf Vaterlandstradition beharrt und gerade mit Arndt in Verbindung gebracht werden will. Gerade in der juristischen Fakultät in Greifswald sind Personen-Netzwerke über schlagende Verbindungen so relevant, als hätte es 40 Jahre DDR nie gegeben.

Die "bürgerliche Mitte" in Europa arbeitet sich durchaus am Rechtsruck und am Nationalismus ab. Nur natürlich nicht mit einer eindeutigen Tendenz.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon schokoschendrezki » Do 2. Mai 2019, 09:12

BlueMonday hat geschrieben:(01 May 2019, 15:09)

Allein die Existenz des heutigen deutschen Nationalstaates("Deutschland") oder sonstiger Staaten beweist doch, dass der Nationalismus nicht nur irgendwo "angekommen" ist, sondern die Basis der heutigen politischen Strukturen bildet. Auf Basis dieser Idee der Zugehörigkeit wird dann bspw. das Staatsvolk besteuert.

Nein. Das stimmt einfach nicht. Basis der Steuerpflicht ist nicht die "Idee einer Zugehörigkeit" sondern so etwas wie die Meldepflicht der Bürger. Nüchterner könnte diese Basis der Steuerpflicht gar nicht sein. Es ist die Sache oder Macke jedes Einzelnen, aus Dingen wie Meldepflicht und Steuerveranlagung so etwas wie Zugehörigkeitsgefühl saugen zu wollen.
Was hat zur deutschen Einheit geführt? Das kann ja wohl bloß die Idee einer deutschen Nation, die irgendwie zusammengehört, gewesen sein. Wer gegen Nationalismus und Kollektivismus ist, müsste stattdessen für Seperation, Sezession etc sein, die bis hinunter zum Einzelmenschen reicht.

Wer für Separation bis hinunter zum Einzelnen ist, ist nicht gegen Nationalismus sondern ein Dummkopf. Dass Dinge wie Besteuerung, Gesundheitswesen, Bildung usw. weder straßenweise noch europaweit am besten regelbar sind sondern in sinnvollen territorialen Einheiten irgendwo dazwischen, die sich praktischerweise an den historischen Einheiten und vor allem auch wenigstens ungefähr an den Sprachräumen ausrichten, ist vor allem eine Sache praktischer, rationaler Vernunft.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Skeptiker » Do 2. Mai 2019, 09:15

Selina hat geschrieben:(02 May 2019, 00:30)
"Durchschnittliche Linke" marschierten schon mal nicht Schulter an Schulter mit Höcke, Bachmann, Pro Chemnitz und rechtsextremen Hooligans durch Chemnitz. Und das werden sie auch künftig nicht tun. Und die "durchschnittlichen Mitte-Leute", die ich bei der Mai-Feier traf, waren keine AfD-Freunde. Ganz bestimmt nicht. Im Gegenteil: Denen ist es ziemlich peinlich, wie sich einige "besorgte Bürger", die sich selbst dummerweise auch "Mitte" nennen, benehmen... im Schulterschluss mit Herrn Höcke. Es gibt halt sone und sone unter den Durchschnittlich-Mittigen :D

Selina, Du hast das ja richtig erkannt. Ich frage mich allerdings ob Dir ein Zacken aus der Krone bricht, wenn Du nun einfach mal eingestehst, dass es etwas anderes ist davon zu reden, dass "manche Mitte-Leute", ggf. auch "mache durchschnittliche Mitte-Leute" etwas anderes bedeutet wie "durchschnittliche Mitte-Leute" ganz allgemein (so wie Du es eben ursprünglich eingesetzt hast).

Ist Dir wirklich nicht klar worum es bei dieser begrifflichen Unterscheidung geht, oder möchtest Du das einfach nicht eingestehen? Sorry, aber es ist doch offensichtlich ein Unterschied zu scheiben "durchschnittliche Linke sind Mörder" oder "es gibt auch durchschnittliche Linke die Mörder sind".

Für mich ist das Thema damit durch. Ich sehe es nicht als mein Problem an wenn Du durch sprachliche Ungenauigkeiten - ob bewußt oder unbewußt eingesetzt - hier hitzige Diskussionen um nichts auslöst.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon schokoschendrezki » Do 2. Mai 2019, 09:58

JJazzGold hat geschrieben:(02 May 2019, 08:40)

So ist es, mit der suggerierten Verantwortung, sich als bürgerliche Mitte gefälligst offenkundig streitbar gegen den Rechtsruck zu positionieren, geht die Verpflichtung, dies gefälligst im solidarischen Zusammenschluss mit linken Randgruppierungen zu tun, einher. Das Spiel ist allerdings so durchschaubar, dass sich die bürgerliche Mitte verweigert. Was ihr wiederum vom linken Rand als rechtspopulistisch affin angeheftet wird.


Man müsste das anhand der Reaktion auf offensichtliche und symptomatische Beispiele für Rechtsruckungen genau untersuchen.

Eins der bekanntesten Beispiele dürfte die "Denkmal-der-Schande"-Äußerung von AfD-Rechtsaußen Höcke sein. Als Reaktion darauf stellte die linke Gruppierung "Zentrum für politische Schönheit" eine Nachbildung des Holocaust-Mahnmals als Provokation direkt neben Höckes Wohnhaus. Zumindest der Linken-MP Thüringens Ramelow, dessen Regierung für den Fall verantwortlich ist, stellte sich unmissverständlich dagegen. DIe Privatsphäre habe auch bei politisch berechtigtem Protest aus rechtsstaatlichen Gründen tabu zu sein. Der ZPS-Chef darf sich nach Gerichtsbeschluss dem Höcke-Haus nicht mehr nähern. Ramelow hat nicht dazu aufgerufen, sich an der Kunstaktion zu beteiligen.

Was soll ich daraus schlussfolgern? Dass Thüringens Linken-Politiker selbst zum eben nur linken Rand der bürgerlichen Mitte zählen? Andererseits war es ein ganz normales bürgerliches Landgericht aus Köln, das diesen Holocaust-Denkmalsnachbau als zulässig im Rahmen der Kunstfreiheit ansah.

Das Problem ist einfach zu relevant, um es nur für ein Links-Rechts-Palaver zu nutzen. Politisch seriöse Analysen versuchen, es in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext und einen politischen Entwicklungstrend einzuordnen.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Selina » Do 2. Mai 2019, 10:16

Skeptiker hat geschrieben:(02 May 2019, 09:15)

Selina, Du hast das ja richtig erkannt. Ich frage mich allerdings ob Dir ein Zacken aus der Krone bricht, wenn Du nun einfach mal eingestehst, dass es etwas anderes ist davon zu reden, dass "manche Mitte-Leute", ggf. auch "mache durchschnittliche Mitte-Leute" etwas anderes bedeutet wie "durchschnittliche Mitte-Leute" ganz allgemein (so wie Du es eben ursprünglich eingesetzt hast).

Ist Dir wirklich nicht klar worum es bei dieser begrifflichen Unterscheidung geht, oder möchtest Du das einfach nicht eingestehen? Sorry, aber es ist doch offensichtlich ein Unterschied zu scheiben "durchschnittliche Linke sind Mörder" oder "es gibt auch durchschnittliche Linke die Mörder sind".

Für mich ist das Thema damit durch. Ich sehe es nicht als mein Problem an wenn Du durch sprachliche Ungenauigkeiten - ob bewußt oder unbewußt eingesetzt - hier hitzige Diskussionen um nichts auslöst.


Sorry, aber ich weiß echt nicht, was dein Problem ist. Zu Missverständnissen gehören immer mehrere Seiten. Ich hab mindestens an fünf Stellen gesagt, dass ich selbstverständlich nicht die gesamte "durchschnittliche bürgerlicher Mitte" meine, sondern solche Höcke-Bachmann-Kohlmann-Schulterschluss-Leute, die nicht müde werden zu betonen, sie seien nicht rechtsradikal und schon gar nicht rechtsextrem, sondern eher "der Mitte zugehörig" und die dennoch wie selbstverständlich mit diesen Leuten Schulter an Schulter durch die Gegend laufen. Und ja, dieses ständige Gerede von "nicht integrierbar", "Asylantenflut", "unkontrollierte Masseneinwanderung" und "Überfremdung" das kommt zuweilen auch aus dieser "durchschnittlichen Mitte". Auf der anderen Seite treffe ich oft auch "durchschnittliche Mitte-Leute", die nie auf die Idee kommen würden, sich auch nur ansatzweise rassistisch oder fremdenfeindlich zu äußern. Das ist halt alles sehr differenziert und widersprüchlich, was in dieser Mitte so abläuft.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Selina » Do 2. Mai 2019, 10:28

schokoschendrezki hat geschrieben:(02 May 2019, 08:48)

Ich habe wirklich keinen Kontaktmangel mit irgendeiner bürgerlichen Mitte. Ich höre allerdings auch genau hin, was bei einer Grillparty so nach einigen Glas Bier geredet wird. Nein. Es geht nicht um Pläne für irgendeine Gewalt-Aktion. Es geht dabei häufig um den ganz alltäglichen beschissenen erbärmlichen Alltagsrassismus. Der sich in "gebildeten" Kreisen auch schon mal darin äußert, dass man "Rassismus" und "Rechtsruck" geographisch zu Osteuropa zuordnet und nicht zu den demokratiefeindlichen politischen Kräften in Osteuropa. So sei er nunmal, der "Osteuropäer". Das ist natürlich nicht rechts oder rassistisch sondern ganz bürgerlich demokratisch ... Oder? Da schließt sich der Maurer auf der Baustelle, der "Albaner nicht leiden kann" (letztens gehört) mit den "Gebildeten" zusammen, die am liebsten den Eisernen Vorhang wieder errichten würden.

Ein Problem in diesem Thread besteht darin, dass nicht klar ist, ob das Problem der "bürgerlichen Mitte" im Verhältnis zu einem Rechtsruck auf Deutschland bezogen sein oder in größerem Maßstab verhandelt werden soll. Die Sorge vor einem neuen nationalistischen Fiasko in Europa leitet sich für mich in erster Linie aus der Erfahrung der Jugoslawien-Kriege ab. Auch wenn ich nicht direkt vor Ort war. Ich wüsste nicht, warum eine historische Aufarbeitung dieser Kriege weniger angebracht sein soll als die Aufarbeitung der beiden Weltkriege. Die rein zahlenmäßig unterschiedlichen Bedeutsamkeiten sind jedenfalls kein Grund. Es zeigt sich dabei auf jeden Fall eines: Menschen, die über Jahrzehnte hinweg zumindest äußerlich friedlich nebeneinander lebten und sehr wohl so etwas wie eine bürgerliche Mitte bildeten, teils befreundet und verschwägert waren, gehen mit Messern und Gewehren aufeinander los und glauben, es nicht miteinander aushalten zu können. Da ich das eben nicht auf irgendeine Kulturprägung, geographische Herkunft, Ethnie oder gar Rasse schiebe ... kommt für mich als Schlussfolgerung nur in Betracht, dass diese "bürgerliche Mittigkeit" auch in Deutschland nur ein dünner, provisorischer Film ist, unter dem die Wölfischkeit des Menschen jederzeit wieder hervorbrechen kann. Für die bürgerliche Mitte in Deutschland und Mitteleuropa sind die Schrecknisse des 20. Jahrhunderts inzwischen so etwas wie die vagen Erinnerungen an einen Alptraum irgendwann um 10 Uhr vormittags nach einem guten Frühstück: Was hast du da schreckliches geträumt? Und inzwischen weiß man wieder: Gestern, das war Aufklärung, Humboldt, Mozart, Goethe, Kant. Heute, das ist die verfassungspatriotische Bundesrepublik, DGB, Bundesliga, ZDF-Sportstudio. War da was?

Der Rechtsruck in der bürgerlichen Mitte ist gleichzeitig eine entschiedene Abkehr von diesem Rechtsruck. Zumindest in dieser sogenannten "bildungsbürgerlichen" Mitte. In Frankreich läuft im rechten Teil dieser bildungsbürgerlichen Mitte in jüngerer Zeit zum Beispiel eine Renaissance rund um die (ja schon seit Jahrhunderten) überhöhte Figur der Jungfrau von Orleans. Ständig gibt es neue Bücher zum Thema. Und nun mit dem Brexit und einer vermeintlichen historischen Parallele der "Engländer-Vertreibung" nach zig Jahrhunderten nimmt diese nationalistische "Jeanne d'Arc"-Verehrung noch einmal richtig Fahrt auf. Ja, bitte, kneif' mir mal jemand in den Arm. In welchem Jahrhundert leben wir denn? Und gibts da wirklich einen fundamentalen Unterschied zur Trianon-Bewegung in Ungarn oder zu den Amselfeldschlachten-Beschwörern in Serbien? Es gibt in dieser bürgerlichen Mitte sowohl in Frankreich als auch in Ungarn nicht wenige entsetzte Intellektuelle, die um nix in der Welt bei diesen Entwicklungen dabei sein wollen. Und dann schon mal als Panikmacher bezeichnet werden.

Anderes Beispiel aus Deutschland: Voriges Jahr ist es einer Mehrheit der Belegschaft der Uni Greifswald nun doch gelungen, den Namen "Ernst-Moritz Arndt", der ihr 1933 ehrenhalber verliehen wurde und vom DDR-Regime wohlfeil verlängert wurde, abzulegen. Eigentlich gegen ein entsprechendes Referendum. Es gibt den einen Teil der bildungsbürgerlichen Mitte, der unter keinen Umständen bei einer Recherche seiner Publikationen in irgendeinen Zusammenhang mit Joseph Göbbels oder Walter Ulbricht gebracht werden will. Verständlich! Und es gibt den anderen Teil, der auf Vaterlandstradition beharrt und gerade mit Arndt in Verbindung gebracht werden will. Gerade in der juristischen Fakultät in Greifswald sind Personen-Netzwerke über schlagende Verbindungen so relevant, als hätte es 40 Jahre DDR nie gegeben.

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Nur ein kleiner Hinweis: Natürlich sollte diese ganze Geschichte über die "bürgerliche Mitte" - und wie sie sich zum Rechtsruck verhält - nicht nur unter nationalem, sondern auch unter internationalem Blickwinkel diskutiert werden. Das hab ich im Thread-Anreißer (siehe Link) auch so geschrieben. Irgendwo ein bisschen versteckt steht das dort. Warum? Der Rechtsruck vollzieht sich europaweit und auch in Amerika so gravierend und sichtbar, das kann man nicht nur im streng deutschen Rahmen diskutieren, finde ich. Zumal die internationale Vernetzung schon enorm ist. Mich hätte deshalb auch interessiert, was andere User zu deinen, wie ich finde, interessanten "grenzüberschreitenden" Schilderungen sagen.

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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Uffhausen » Do 2. Mai 2019, 10:51

Selina hat geschrieben:(02 May 2019, 00:57)
Dieses "ich weiß es genau" bezog sich auf Dinge und Situationen, die ich mit eigenen Augen gesehen hab. Da müsste man schon sehr kurzsichtig sein, um diese Art von Schulterschluss nicht zu sehen.

Du weißt lediglich genau diverse selbsterlebte Situationen zu beurteilen - aber deswegen kannst du noch lange nicht von den "durchschnittlichen Mitte-Bürgern" INSGESAMT sprechen! Ich habe in meinem Leben auch schon einige Linke kennengelernt, aber ich würde deswegen niemals leichtfertig und öffentlich über "durchschnittliche Links-Bürger" urteilen.

Ja, vielleicht hast du diese Art von Mitte-Bürgern erlebt, die den Schulterschluss mit Rechts eingehen - ich überhaupt noch nie. Ist meine Meinung, meine Sicht deswegen falsch oder weniger wert als deine? Vielleicht war das bei dir und mir jeweils nur "Zufall" und in einer anderen Situation entpuppt sich unser bisheriges Bild wiederrum anders. Ich fände das interessant, ich habe kein Problem damit, meine Karten neu zu mischen - dir wäre es wahrscheinlich egal - DU hast dein Urteil ja schon längst gefällt.

Dieser ganze bräunliche Zirkus entbehrt nämlich mitunter nicht einer gewissen Komik.

Aha. Dann begegne den Rechten doch mal mit Humor, statt mit Ernst, wenn du sie so lustig findest. :|
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Selina » Do 2. Mai 2019, 11:10

Uffhausen hat geschrieben:(02 May 2019, 10:51)

Du weißt lediglich genau diverse selbsterlebte Situationen zu beurteilen - aber deswegen kannst du noch lange nicht von den "durchschnittlichen Mitte-Bürgern" INSGESAMT sprechen! Ich habe in meinem Leben auch schon einige Linke kennengelernt, aber ich würde deswegen niemals leichtfertig und öffentlich über "durchschnittliche Links-Bürger" urteilen.

Ja, vielleicht hast du diese Art von Mitte-Bürgern erlebt, die den Schulterschluss mit Rechts eingehen - ich überhaupt noch nie. Ist meine Meinung, meine Sicht deswegen falsch oder weniger wert als deine? Vielleicht war das bei dir und mir jeweils nur "Zufall" und in einer anderen Situation entpuppt sich unser bisheriges Bild wiederrum anders. Ich fände das interessant, ich habe kein Problem damit, meine Karten neu zu mischen - dir wäre es wahrscheinlich egal - DU hast dein Urteil ja schon längst gefällt.


Aha. Dann begegne den Rechten doch mal mit Humor, statt mit Ernst, wenn du sie so lustig findest. :|


Letztmalig: Nein, ich spreche im Zusammenhang mit dem Schulterschluss nicht von allen "durchschnittlichen Mitte-Bürgern". Und nein, ich hab kein Urteil gefällt, sondern lediglich meine Meinung gesagt. Wenn ich hier in meinem Umfeld die große "Urteile-Fällerin" wäre, hätte mich schon längst einer aus dem Fenster geschmissen :D
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Uffhausen » Do 2. Mai 2019, 11:43

Selina hat geschrieben:(02 May 2019, 11:10)

Letztmalig: Nein, ich spreche im Zusammenhang mit dem Schulterschluss nicht von allen "durchschnittlichen Mitte-Bürgern".

Weiter oben hast du geschrieben:

Ich hab mindestens an fünf Stellen gesagt, dass ich selbstverständlich nicht die gesamte "durchschnittliche bürgerlicher Mitte" meine, sondern solche Höcke-Bachmann-Kohlmann-Schulterschluss-Leute,...

Trifft das auf soviele Mitte-Bürger zu, dass du TROTZDEM so selbstverständlich von einem "Durchschnitt" sprechen kannst? Durchschnitt ist im Grunde ein Mittelmaß; es könnte mindestens die Hälfte von etwas sein. Heißt also, deiner Meinung nach könnten mindestens die Hälfte der Mitte-Bürger den rechten Schulterschluß suchen.

Gut, lassen wir das mal so stehen - beschäftigen wir uns doch aus Gründen der Gerechtigkeit mal mit der anderen Mindest-Hälte des Mitte-Durchschnitts - nämlich jenen Bürgern, die DEFINITIV NICHT den Schulterschluß zu Rechts suchen. Was kannst du dazu sagen? Sind diese Mitte-Bürger von Bedeutung? Ist deren Meinung wichtig? Können sie ausschlaggebend sein?
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Selina » Do 2. Mai 2019, 12:03

Uffhausen hat geschrieben:(02 May 2019, 11:43)

Weiter oben hast du geschrieben:

Ich hab mindestens an fünf Stellen gesagt, dass ich selbstverständlich nicht die gesamte "durchschnittliche bürgerlicher Mitte" meine, sondern solche Höcke-Bachmann-Kohlmann-Schulterschluss-Leute,...

Trifft das auf soviele Mitte-Bürger zu, dass du TROTZDEM so selbstverständlich von einem "Durchschnitt" sprechen kannst? Durchschnitt ist im Grunde ein Mittelmaß; es könnte mindestens die Hälfte von etwas sein. Heißt also, deiner Meinung nach könnten mindestens die Hälfte der Mitte-Bürger den rechten Schulterschluß suchen.

Gut, lassen wir das mal so stehen - beschäftigen wir uns doch aus Gründen der Gerechtigkeit mal mit der anderen Mindest-Hälte des Mitte-Durchschnitts - nämlich jenen Bürgern, die DEFINITIV NICHT den Schulterschluß zu Rechts suchen. Was kannst du dazu sagen? Sind diese Mitte-Bürger von Bedeutung? Ist deren Meinung wichtig? Können sie ausschlaggebend sein?


Erstens: Das Beiwort "durchschnittlich", das ich da verwendet habe und das nun für so viel Aufregung sorgt, hat viele Bedeutungen. Nicht nur mathematische. Hier mal die synonymen Bedeutungen von "durchschnittlich":

Synonyme zu durchschnittlich

mittlere; (umgangssprachlich) im Schnitt
alltäglich, gewöhnlich, normal, ordinär; (bildungssprachlich) banal, medioker, profan, trivial; (umgangssprachlich) mittel[gut];(umgangssprachlich scherzhaft) mittelprächtig; (meist abwertend) mittelmäßig; (Kaufmannssprache) average


https://www.duden.de/rechtschreibung/durchschnittlich

Zweitens: Du fragst, was mit "jenen Bürgern" ist, "die DEFINITIV NICHT den Schulterschluß zu Rechts suchen. Was kannst du dazu sagen? Sind diese Mitte-Bürger von Bedeutung? Ist deren Meinung wichtig? Können sie ausschlaggebend sein?" Na selbstverständlich sind diese Mitte-Bürger und ihre Meinung wichtig. An anderer Stelle sagte ich mehrfach, es könnte zum Beispiel bei einem drohenden neuen Faschismus (nur mal rein theoretisch) außerordentlich wichtig für den Erhalt und den Schutz der Demokratie sein, dass die Mitte mit anderen gesellschaftlichen Kräften temporäre Bündnisse bildet, die dann wieder aufgelöst werden, sobald der Anlass der Bündnis-Bildung wieder entfällt.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Uffhausen » Do 2. Mai 2019, 12:24

Selina hat geschrieben:(02 May 2019, 12:03)

Erstens: Das Beiwort "durchschnittlich", das ich da verwendet habe und das nun für so viel Aufregung sorgt, hat viele Bedeutungen.

Deswegen sorgt es ja auch für soviel Aufregung - weil niemand genau wusste, was du damit meintest. Und es ist immernoch nicht klar, von was genau die Rechter-Schulterschluß-Mitte der Durchschnitt sein soll. Deine persönlichen Erfahrungen mit Mitte-Bürgern ist lediglich für deine persönliche Meinung über dein persönliches Umfeld relevant - aber deswegen kannst du hier noch lange nicht allgemein von "durchschnittlichen Mitte-Bürgern" sprechen. Ich dachte, du lehnst Schubladen-Denken ab. :s


Zweitens: Du fragst, was mit "jenen Bürgern" ist, "die DEFINITIV NICHT den Schulterschluß zu Rechts suchen. Was kannst du dazu sagen? Sind diese Mitte-Bürger von Bedeutung? Ist deren Meinung wichtig? Können sie ausschlaggebend sein?" Na selbstverständlich sind diese Mitte-Bürger und ihre Meinung wichtig. An anderer Stelle sagte ich mehrfach, es könnte zum Beispiel bei einem drohenden neuen Faschismus (nur mal rein theoretisch) außerordentlich wichtig für den Erhalt und den Schutz der Demokratie sein, dass die Mitte mit anderen gesellschaftlichen Kräften temporäre Bündnisse bildet, die dann wieder aufgelöst werden, sobald der Anlass der Bündnis-Bildung wieder entfällt.

Wenn du tatkräftige Bündnisse willst, müsste man erst mal nahe an einer gemeinsamen Meinung sein. Und nicht nur bei den Themen AfD, Neue Rechte, Menschenfeindlichkeit usw. Es gibt noch weitaus andere und bedeutendere Faktoren, die unser ALLER Leben bestimmen. Lass' uns doch mal darüber reden. Bzgl. Rechts sind wir ja im Grunde ein- und derselben Meinung, dass wir das nicht wollen und nicht befürworten. Aber Deutschland, Europa und die restliche Welt leidet bekanntlich nicht nur unter dem Erstarken von rechtspolitischen Kräften. Jetzt bist am Zug! Ich muss zur Arbeit.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Teeernte » Do 2. Mai 2019, 13:52

Selina hat geschrieben:(02 May 2019, 12:03)

Erstens: Das Beiwort "durchschnittlich", das ich da verwendet habe und das nun für so viel Aufregung sorgt, hat viele Bedeutungen. Nicht nur mathematische. Hier mal die synonymen Bedeutungen von "durchschnittlich":

Synonyme zu durchschnittlich

mittlere; (umgangssprachlich) im Schnitt
alltäglich, gewöhnlich, normal, ordinär; (bildungssprachlich) banal, medioker, profan, trivial; (umgangssprachlich) mittel[gut];(umgangssprachlich scherzhaft) mittelprächtig; (meist abwertend) mittelmäßig; (Kaufmannssprache) average


https://www.duden.de/rechtschreibung/durchschnittlich

Zweitens: Du fragst, was mit "jenen Bürgern" ist, "die DEFINITIV NICHT den Schulterschluß zu Rechts suchen. Was kannst du dazu sagen? Sind diese Mitte-Bürger von Bedeutung? Ist deren Meinung wichtig? Können sie ausschlaggebend sein?" Na selbstverständlich sind diese Mitte-Bürger und ihre Meinung wichtig. An anderer Stelle sagte ich mehrfach, es könnte zum Beispiel bei einem drohenden neuen Faschismus (nur mal rein theoretisch) außerordentlich wichtig für den Erhalt und den Schutz der Demokratie sein, dass die Mitte mit anderen gesellschaftlichen Kräften temporäre Bündnisse bildet, die dann wieder aufgelöst werden, sobald der Anlass der Bündnis-Bildung wieder entfällt.


Die Bürgerliche MITTE regt sich zB darüber auf....>>>

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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon JJazzGold » Do 2. Mai 2019, 14:22

schokoschendrezki hat geschrieben:(02 May 2019, 09:58)

Man müsste das anhand der Reaktion auf offensichtliche und symptomatische Beispiele für Rechtsruckungen genau untersuchen.

Eins der bekanntesten Beispiele dürfte die "Denkmal-der-Schande"-Äußerung von AfD-Rechtsaußen Höcke sein. Als Reaktion darauf stellte die linke Gruppierung "Zentrum für politische Schönheit" eine Nachbildung des Holocaust-Mahnmals als Provokation direkt neben Höckes Wohnhaus. Zumindest der Linken-MP Thüringens Ramelow, dessen Regierung für den Fall verantwortlich ist, stellte sich unmissverständlich dagegen. DIe Privatsphäre habe auch bei politisch berechtigtem Protest aus rechtsstaatlichen Gründen tabu zu sein. Der ZPS-Chef darf sich nach Gerichtsbeschluss dem Höcke-Haus nicht mehr nähern. Ramelow hat nicht dazu aufgerufen, sich an der Kunstaktion zu beteiligen.

Was soll ich daraus schlussfolgern? Dass Thüringens Linken-Politiker selbst zum eben nur linken Rand der bürgerlichen Mitte zählen? Andererseits war es ein ganz normales bürgerliches Landgericht aus Köln, das diesen Holocaust-Denkmalsnachbau als zulässig im Rahmen der Kunstfreiheit ansah.

Das Problem ist einfach zu relevant, um es nur für ein Links-Rechts-Palaver zu nutzen. Politisch seriöse Analysen versuchen, es in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext und einen politischen Entwicklungstrend einzuordnen.


Was soll man daraus schlussfolgern?
Vielleicht, dass weder Ramelow, noch das Landgericht exemplarisch für die sog. bürgerliche Mitte stehen?

Ich behaupte jetzt mal einfach, die bürgerliche Mitte hat den Vorfall zur Kenntnis genommen und wahlweise jeweils zustimmend genickt, oder jeweils den Kopf geschüttelt, oder ist die Achseln zuckend zum nächsten Thema über gegangen. Mich darauf berufene, dass keine verlässlichen Daten existieren, wie die Melange der bürgerlichen Mitte in % auf die oben geschilderten Vorgänge reagiert hat.
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Domingo » Do 2. Mai 2019, 19:16

JJazzGold hat geschrieben:(02 May 2019, 08:40)

So ist es, mit der suggerierten Verantwortung, sich als bürgerliche Mitte gefälligst offenkundig streitbar gegen den Rechtsruck zu positionieren, geht die Verpflichtung, dies gefälligst im solidarischen Zusammenschluss mit linken Randgruppierungen zu tun, einher. Das Spiel ist allerdings so durchschaubar, dass sich die bürgerliche Mitte verweigert. Was ihr wiederum vom linken Rand als rechtspopulistisch affin angeheftet wird.

Die bürgerliche Mitte verweigert sich nicht bei uns. Sie geht Hand in Hand mit den Linken! Woanders geht die bürgerliche Mitte Hand in Hand mit den Rechten! So verschieden ist das halt!
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Tom Bombadil » Do 2. Mai 2019, 19:29

Die bürgerliche Mitte geht weder Hand in Hand mit Links- noch mit Rechtsradikalen, würde sie das tun, wäre sie ja nicht die Mitte, sondern links oder rechts. Logik, über die du vllt. zweimal denken musst :p
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Re: Die bürgerliche Mitte - Wie verhält sie sich zum Rechtsruck?

Beitragvon Domingo » Do 2. Mai 2019, 21:59

Tom Bombadil hat geschrieben:(02 May 2019, 19:29)

Die bürgerliche Mitte geht weder Hand in Hand mit Links- noch mit Rechtsradikalen, würde sie das tun, wäre sie ja nicht die Mitte, sondern links oder rechts. Logik, über die du vllt. zweimal denken musst :p

Wenn ich Hand in Hand mit einem Schwarzen gehe werde ich nicht selbst schwarz. Auch nicht, wenn ich zweimal in den Spiegel sehe. :D

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