Klimasteuer

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JJazzGold
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Klimasteuer

Beitragvon JJazzGold » Mi 27. Feb 2019, 12:58

Beim Lesen des nachfolgenden Artikels

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ ... 344240!amp

stellt sich mir bei folgenden Absätzen

Der ganze Charme der Idee spiegelt sich in der Kürze des Aufrufs. Er hat nur fünf Punkte - und dennoch kein Problem ausgelassen. Etwa die Gerechtigkeitsfrage: Weil sich eine solche Steuer nicht am Einkommen bemisst, trifft sie Menschen mit weniger Geld grundsätzlich härter. Reiche können höhere Sprit- und Heizkosten leichter wegstecken als Familien mit weniger Geld. Als Antwort darauf verlangen die Ökonomen eine Klima-Dividende: Was der Staat an Klimasteuern einnimmt, soll er komplett wieder ausschütten - und zwar pro Kopf der Bevölkerung.

Weil aber Reiche meist einen viel größeren ökologischen Fußabdruck hinterlassen - größere Häuser beheizen, größere Autos fahren, mehr fliegen -, trifft sie auch die Klimasteuer überproportional. Ärmere dagegen bekommen mehr zurück, als sie einzahlen. Die kanadische Regierung, die gerade eine ähnliche Steuer einführt, hat den Effekt einmal durchrechnen lassen. Danach werden 70 Prozent der Haushalte nicht zusätzlich belastet, viele dagegen zusätzlich entlastet. Alles auf Kosten derer, die das Klima über Gebühr in Anspruch nehmen. Eine dergestalt aufgezogener Kohlenstoff-Preis muss nicht einmal den Zorn irgendwelcher Gelbwesten fürchten. Er belohnt die Genügsamen und belastet die Verschwenderischen.

die Frage, ob hier nur verkürzt berichtet wird, oder ob tatsächlich angedacht ist, nur nach Größe und nicht nach Verbrauch zu besteuern?

Schwarz-weiß gegenübergestellt kann sich ergeben, dass z.B. ein Einfamilienhaus mit Solaranlage und Luftwärmepumpe weniger Fussabdruck aufweist, als eine mit Ölheizung geheizte Zwei- bis Dreizimmer-Mietwohnung.
Ebenso dürfte unter dem Strich ein “großes“, aber nur drei bis viermal im Monat genutztes Auto einen geringeren Abdruck hinterlassen, als ein täglich für Arbeitsweg und Privatfahrten genutztes “kleines Auto“.

Entweder fehlt in den 5 Punkten die detaillierte Präzisierung, oder sie wurde nicht dargestellt, oder es ist ein monetärers Umverteilungsprojekt?
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Re: Klimasteuer

Beitragvon imp » Mi 27. Feb 2019, 13:12

JJazzGold hat geschrieben:(27 Feb 2019, 12:58)

Beim Lesen des nachfolgenden Artikels

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ ... 344240!amp

stellt sich mir bei folgenden Absätzen

Der ganze Charme der Idee spiegelt sich in der Kürze des Aufrufs. Er hat nur fünf Punkte - und dennoch kein Problem ausgelassen. Etwa die Gerechtigkeitsfrage: Weil sich eine solche Steuer nicht am Einkommen bemisst, trifft sie Menschen mit weniger Geld grundsätzlich härter. Reiche können höhere Sprit- und Heizkosten leichter wegstecken als Familien mit weniger Geld. Als Antwort darauf verlangen die Ökonomen eine Klima-Dividende: Was der Staat an Klimasteuern einnimmt, soll er komplett wieder ausschütten - und zwar pro Kopf der Bevölkerung.

Weil aber Reiche meist einen viel größeren ökologischen Fußabdruck hinterlassen - größere Häuser beheizen, größere Autos fahren, mehr fliegen -, trifft sie auch die Klimasteuer überproportional. Ärmere dagegen bekommen mehr zurück, als sie einzahlen. Die kanadische Regierung, die gerade eine ähnliche Steuer einführt, hat den Effekt einmal durchrechnen lassen. Danach werden 70 Prozent der Haushalte nicht zusätzlich belastet, viele dagegen zusätzlich entlastet. Alles auf Kosten derer, die das Klima über Gebühr in Anspruch nehmen. Eine dergestalt aufgezogener Kohlenstoff-Preis muss nicht einmal den Zorn irgendwelcher Gelbwesten fürchten. Er belohnt die Genügsamen und belastet die Verschwenderischen.

die Frage, ob hier nur verkürzt berichtet wird, oder ob tatsächlich angedacht ist, nur nach Größe und nicht nach Verbrauch zu besteuern?

Schwarz-weiß gegenübergestellt kann sich ergeben, dass z.B. ein Einfamilienhaus mit Solaranlage und Luftwärmepumpe weniger Fussabdruck aufweist, als eine mit Ölheizung geheizte Zwei- bis Dreizimmer-Mietwohnung.
Ebenso dürfte unter dem Strich ein “großes“, aber nur drei bis viermal im Monat genutztes Auto einen geringeren Abdruck hinterlassen, als ein täglich für Arbeitsweg und Privatfahrten genutztes “kleines Auto“.

Entweder fehlt in den 5 Punkten die detaillierte Präzisierung, oder sie wurde nicht dargestellt, oder es ist ein monetärers Umverteilungsprojekt?

Berechtigte Fragen. Ich gehe schon davon aus, dass es letztlich nicht nur nach Größe gehen kann. Jedoch haben Herstellungsaufwände und Unterhaltsaufwände ebenfalls Klimafolgen. Das aufwändigere Auto hat auch größere Klimafolgen als das kleine, wenn beide nur stehen. Ohne nutzungsabhängige Komponente ist das aber Murks.
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Re: Klimasteuer

Beitragvon JJazzGold » Mi 27. Feb 2019, 14:06

imp hat geschrieben:(27 Feb 2019, 13:12)

Berechtigte Fragen. Ich gehe schon davon aus, dass es letztlich nicht nur nach Größe gehen kann. Jedoch haben Herstellungsaufwände und Unterhaltsaufwände ebenfalls Klimafolgen. Das aufwändigere Auto hat auch größere Klimafolgen als das kleine, wenn beide nur stehen. Ohne nutzungsabhängige Komponente ist das aber Murks.


So, wie das System des Besteuerns dargestellt wird, kann ich mir eine Umsetzung nicht vorstellen. Denn das würde bedeuten, dass jede bereits getätigte Investition in klimafreundliche Bauweise und Sanierung keine Berücksichtigung erfährt, wenn nur nach zur Verfügung stehenden qm gerechnet wird. Das wäre ggfls sogar kontraproduktiv.
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Re: Klimasteuer

Beitragvon Vongole » Mi 27. Feb 2019, 14:21

JJazzGold hat geschrieben:(27 Feb 2019, 14:06)


So, wie das System des Besteuerns dargestellt wird, kann ich mir eine Umsetzung nicht vorstellen. Denn das würde bedeuten, dass jede bereits getätigte Investition in klimafreundliche Bauweise und Sanierung keine Berücksichtigung erfährt, wenn nur nach zur Verfügung stehenden qm gerechnet wird. Das wäre ggfls sogar kontraproduktiv.


Doch, sie würde berücksichtigt. Wenn Du in einem klimafreundlichen Haus lebst, verbrauchst Du weniger von der Steuer belasteten Brennstoff, wenn Du ein großes Auto besitzt, aber wenig fährst, gilt das Gleiche.
Besteuert wirst ja nicht Du, sondern nur das CO2- belastete Produkt, das Du kaufst.
Die Einnahmen aus der Steuer könnten andererseits weniger Begüterte dahingehend entlasten, dass z.B. die Krankenversicherung günstiger wird, Sozialleistungen steigen etc.
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Re: Klimasteuer

Beitragvon JJazzGold » Mi 27. Feb 2019, 14:33

Vongole hat geschrieben:(27 Feb 2019, 14:21)

Doch, sie würde berücksichtigt. Wenn Du in einem klimafreundlichen Haus lebst, verbrauchst Du weniger von der Steuer belasteten Brennstoff, wenn Du ein großes Auto besitzt, aber wenig fährst, gilt das Gleiche.
Besteuert wirst ja nicht Du, sondern nur das CO2- belastete Produkt, das Du kaufst.
Die Einnahmen aus der Steuer könnten andererseits weniger Begüterte dahingehend entlasten, dass z.B. die Krankenversicherung günstiger wird, Sozialleistungen steigen etc.


Bitte lese dir die von mir zitierten beiden Abschnitte noch einmal durch. Dort steht ohne weitere Ergänzung, dass die vorgeschlagene Klimasteuer nur nach Größe des Hauses oder des Autos berechnet wird. Das war es, was mich zum Grübeln und zur Nachfrage brachte. Ich suche im Net immer noch nach der detaillierten Auflistung der fünf Punkte, weil ich mir nur schwer vorstellen kann, dass allein die Größe bei der Besteuerung ausschlaggebend sein soll.

Wenn ich hochrechnen, was eine klimafreundliche Sanierung des Hauses kostet, unseres ist fünfzig Jahre alt, und werde noch zusätzlich jährlich durch eine qm Steuerabgabe belastet, dann könnte sich je nach Lebensalter und vorausichtlichem Nutzungszeitraum des Hauses ergeben, dass es günstiger kommt, nicht zu sanieren, sondern die Summe anteilig für höhere Heizkosten und Klimasteuer zu nutzen und den Rest zu verfliegen.
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Re: Klimasteuer

Beitragvon Vongole » Mi 27. Feb 2019, 14:46

JJazzGold hat geschrieben:(27 Feb 2019, 14:33)

Bitte lese dir die von mir zitierten beiden Abschnitte noch einmal durch. Dort steht ohne weitere Ergänzung, dass die vorgeschlagene Klimasteuer nur nach Größe des Hauses oder des Autos berechnet wird. Das war es, was mich zum Grübeln und zur Nachfrage brachte. Ich suche im Net immer noch nach der detaillierten Auflistung der fünf Punkte, weil ich mir nur schwer vorstellen kann, dass allein die Größe bei der Besteuerung ausschlaggebend sein soll.

Wenn ich hochrechnen, was eine klimafreundliche Sanierung des Hauses kostet, unseres ist fünfzig Jahre alt, und werde noch zusätzlich jährlich durch eine qm Steuerabgabe belastet, dann könnte sich je nach Lebensalter und vorausichtlichem Nutzungszeitraum des Hauses ergeben, dass es günstiger kommt, nicht zu sanieren, sondern die Summe anteilig für höhere Heizkosten und Klimasteuer zu nutzen und den Rest zu verfliegen.


Ja, das ist leider ein ziemlich schlampig recherchierter/geschriebener Artikel. Lies bitte mal den, der ist genauer:
https://www.heise.de/tr/artikel/Kanada- ... 88764.html

Besteuert wird das Produkt, respektive der Produzent, der Konsument eben nur danach, was er kauft. Großes Haus -> viel Brennstoff, großes klimafreundliches Haus -> weniger Brennstoff.
Fliegen dürfte allerdings wirklich teurer werden, und zwar für alle.
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Re: Klimasteuer

Beitragvon Vongole » Mi 27. Feb 2019, 14:52

Vongole hat geschrieben:(27 Feb 2019, 14:46)

Ja, das ist leider ein ziemlich schlampig recherchierter/geschriebener Artikel. Lies bitte mal den, der ist genauer:
https://www.heise.de/tr/artikel/Kanada- ... 88764.html

Besteuert wird das Produkt, respektive der Produzent, der Konsument eben nur danach, was er kauft. Großes Haus -> viel Brennstoff, großes klimafreundliches Haus -> weniger Brennstoff.
Fliegen dürfte allerdings wirklich teurer werden, und zwar für alle.


Edit: Ergänzend noch ein Artikel aus dem Handelsblatt:
Die Expertenkommission der Kanzlerin stärkt die Position von SPD und Grünen: Sie empfiehlt eine CO2-Steuer. Draufzahlen soll aber nur, wer sich besonders klimaschädlich verhält.
https://www.handelsblatt.com/politik/de ... 42222.html
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Re: Klimasteuer

Beitragvon JJazzGold » Mi 27. Feb 2019, 16:49

Vongole hat geschrieben:(27 Feb 2019, 14:46)

Ja, das ist leider ein ziemlich schlampig recherchierter/geschriebener Artikel. Lies bitte mal den, der ist genauer:
https://www.heise.de/tr/artikel/Kanada- ... 88764.html

Besteuert wird das Produkt, respektive der Produzent, der Konsument eben nur danach, was er kauft. Großes Haus -> viel Brennstoff, großes klimafreundliches Haus -> weniger Brennstoff.
Fliegen dürfte allerdings wirklich teurer werden, und zwar für alle.


Das klingt völlig anders, nach einer Besteuerung nach Verbrauch, nicht nach Fläche. Allerdings auch nach hohem bürokratischem Aufwand. Mir ist nicht ganz klar geworden, nach welcher Berechnung die zuvor eingezogenen Gelder ausgeschüttet werden. Bekommt jeder Haushalt eine pauschale Summe zurück, oder geht es dann nach Bedürftigkeit?

Und ist das nicht letztendlich nur ein absurder Geldkreislauf?
Gesetzt den Fall, ich besitze ein Mietshaus, dann zahle ich die Klimasteuer für alle Wohnungen an den Staat, danach lege ich diese auf die Miete um und der Mieter bekommt den Betrag zurück von Staat?

Dass das Fliegen teurer wird stört mich nicht.
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Re: Klimasteuer

Beitragvon Vongole » Mi 27. Feb 2019, 17:10

JJazzGold hat geschrieben:(27 Feb 2019, 16:49)

Das klingt völlig anders, nach einer Besteuerung nach Verbrauch, nicht nach Fläche. Allerdings auch nach hohem bürokratischem Aufwand. Mir ist nicht ganz klar geworden, nach welcher Berechnung die zuvor eingezogenen Gelder ausgeschüttet werden. Bekommt jeder Haushalt eine pauschale Summe zurück, oder geht es dann nach Bedürftigkeit?

Und ist das nicht letztendlich nur ein absurder Geldkreislauf?
Gesetzt den Fall, ich besitze ein Mietshaus, dann zahle ich die Klimasteuer für alle Wohnungen an den Staat, danach lege ich diese auf die Miete um und der Mieter bekommt den Betrag zurück von Staat?

Dass das Fliegen teurer wird stört mich nicht.


Wie diese Ausschüttung funktioniert, weiß ich auch nicht, in Kanada fließt sie wohl in die KV ein, auf jeden Fall soll sie sozial schlechter gestellte Menschen entlasten.
Was Dein fiktives Mietshaus angeht, da zahlst Du ja nur, wenn Du "warm" vermietest, sonst zahlen die Mieter selber durch die Heizkosten.

Hier wird ein Modell vorgestellt:
Dabei gibt es Konzepte der längst überfälligen CO2-Bepreisung, die – richtig kommuniziert – weder „Benzinwut“ noch Verarmung der aufs Auto angewiesenen Bürger auslösen, sondern sogar sozialpolitisch positiv wirken können. Soeben haben zwei renommierte Ökonomen ein solches Konzept für Deutschland vorgelegt, der Chef des Essener Wirtschaftsforschungsinstituts RWI, Christoph Schmidt, und der Co-Chef des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Ottmar Edenhofer.
https://www.fr.de/wirtschaft/eine-co2-s ... 46969.html
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Re: Klimasteuer

Beitragvon JJazzGold » Mi 27. Feb 2019, 17:28

Vongole hat geschrieben:(27 Feb 2019, 17:10)

Wie diese Ausschüttung funktioniert, weiß ich auch nicht, in Kanada fließt sie wohl in die KV ein, auf jeden Fall soll sie sozial schlechter gestellte Menschen entlasten.
Was Dein fiktives Mietshaus angeht, da zahlst Du ja nur, wenn Du "warm" vermietest, sonst zahlen die Mieter selber durch die Heizkosten.

Hier wird ein Modell vorgestellt:
Dabei gibt es Konzepte der längst überfälligen CO2-Bepreisung, die – richtig kommuniziert – weder „Benzinwut“ noch Verarmung der aufs Auto angewiesenen Bürger auslösen, sondern sogar sozialpolitisch positiv wirken können. Soeben haben zwei renommierte Ökonomen ein solches Konzept für Deutschland vorgelegt, der Chef des Essener Wirtschaftsforschungsinstituts RWI, Christoph Schmidt, und der Co-Chef des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Ottmar Edenhofer.
https://www.fr.de/wirtschaft/eine-co2-s ... 46969.html


Obwohl ich bei dem Modell die “Gewinner takes it all“ Karte ziehen würde, erscheint es mir doch nicht plausibel, das eingenommene Geld einfach per Scheck zum freien Gebrauchcwieder auszuschütten. Weshalb fließen diese Gelder nicht in Subventionen von klimafreundlichen Investitionen?

Nehmen wir mein fiktives Mietshaus. Statt mir und meinen Mietern einen EUR 100.- Scheck zu Weihnachten in die Hand zu drücken, wäre es doch sinnvoller, das Geld gebündelt als zweckgebundene Subvention auszuschütten, für z.B. Dämmung, Umstellung der Heizung, etc.
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Re: Klimasteuer

Beitragvon MoOderSo » Mi 27. Feb 2019, 17:28

Wenn man einen CO2-Freibetrag definieren würde und nur wer drunter bleibt, bekommt was wieder. Dann würde das noch irgendwie Sinn ergeben.
Aber so ein 200 Euro Weihnachtsgutschein ist doch albern.
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Re: Klimasteuer

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 27. Feb 2019, 17:34

JJazzGold hat geschrieben:(27 Feb 2019, 12:58)

Was der Staat an Klimasteuern einnimmt, soll er komplett wieder ausschütten - und zwar pro Kopf der Bevölkerung.

Ja, "soll". Das glaube ich erst, wenn ich es sehe. Aber auch sonst sehe ich wenig Sinn in so einer Steuer, damit der CO2-Ausstoß für einen Reichen wirklich unattraktiv wird, müsste die Steuer schon ziemlich hoch gewählt werden und dann stellt sich die Frage, wie der Mittelstand und die Armen das bezahlen sollen, auch wenn sie es nachher wieder zurück bekommen, reißt es erstmal ein Loch in die Kasse. Und wer bezahlt die Steuer für diejenigen, die vom Staat leben? Der Steuerzahler. Und bekommt der H4'ler dann auch eine Rückzahlung, obwohl er selber gar nichts bezahlt hat?

Im Grunde läuft es darauf hinaus, dass fossile Energieträger für alle Verbraucher teurer gemacht werden mit dem Trostpflaster, dass alle etwas aus dem Topf zurück bekommen sollen. Man sollte aber nicht meinen, dass das die "Reichen" treffen wird, entweder sind sie so reich, dass ihnen das sowieso egal ist oder sie sind reich genug, um ihren CO2-Ausstoß stark einzuschränken. Das ist dann zwar vordergründig toll für's Klima, aber da wo es drauf ankommt, in der Masse, da wird weiter CO2 produziert, weil die Alternativen zu teuer sind oder man sie nicht installieren kann, wenn man zB. zur Miete wohnt.
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Re: Klimasteuer

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 27. Feb 2019, 17:37

JJazzGold hat geschrieben:(27 Feb 2019, 16:49)

Mir ist nicht ganz klar geworden, nach welcher Berechnung die zuvor eingezogenen Gelder ausgeschüttet werden.

Ich vermute, da wird nichts berechnet. Nehmen wir mal an, es werden 8 Mrd € über die Steuer eingenommen, dann bekommt jeder der 80 Mio in D lebenden Menschen am Ende des Jahres 100,- € zurück.
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Re: Klimasteuer

Beitragvon JJazzGold » Mi 27. Feb 2019, 18:06

Tom Bombadil hat geschrieben:(27 Feb 2019, 17:34)

Ja, "soll". Das glaube ich erst, wenn ich es sehe. Aber auch sonst sehe ich wenig Sinn in so einer Steuer, damit der CO2-Ausstoß für einen Reichen wirklich unattraktiv wird, müsste die Steuer schon ziemlich hoch gewählt werden und dann stellt sich die Frage, wie der Mittelstand und die Armen das bezahlen sollen, auch wenn sie es nachher wieder zurück bekommen, reißt es erstmal ein Loch in die Kasse. Und wer bezahlt die Steuer für diejenigen, die vom Staat leben? Der Steuerzahler. Und bekommt der H4'ler dann auch eine Rückzahlung, obwohl er selber gar nichts bezahlt hat?

Im Grunde läuft es darauf hinaus, dass fossile Energieträger für alle Verbraucher teurer gemacht werden mit dem Trostpflaster, dass alle etwas aus dem Topf zurück bekommen sollen. Man sollte aber nicht meinen, dass das die "Reichen" treffen wird, entweder sind sie so reich, dass ihnen das sowieso egal ist oder sie sind reich genug, um ihren CO2-Ausstoß stark einzuschränken. Das ist dann zwar vordergründig toll für's Klima, aber da wo es drauf ankommt, in der Masse, da wird weiter CO2 produziert, weil die Alternativen zu teuer sind oder man sie nicht installieren kann, wenn man zB. zur Miete wohnt.


Was ist denn mit den Reichen, die à la ehemaligem Aldi Süd Besitzer in einem 08/15 Bungalow oder Einfamilienhaus leben, mit einem ebenso großen oder kleinen ökologischem Fussabdruck, wie der Besitzer eines mittelständischen Betriebes?

Ich gestehe, dass mir das pauschale “die Reichen“, die für alles löhnen sollen inzwischen reich-lich auf die Nerven geht.

Wenn Ökosteuer, die nicht mehr zu verhindern sein wird und von der ich ebenso wie du annehme, dass sie zu einem Zeitpunkt x nicht mehr in Haushalte rückgeführt wird, weil sich die Belastungen gegen 0 aufrechnen lassen werden, dann über Verbrauch und pauschale prozentuale Belastung für alle Haushalte. Dann kann sich der Einzelne überlegen, wie er die Belastung möglichst gering hält, wenn sie on top den Haushalt belastet.
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Re: Klimasteuer

Beitragvon JJazzGold » Mi 27. Feb 2019, 18:07

Tom Bombadil hat geschrieben:(27 Feb 2019, 17:37)

Ich vermute, da wird nichts berechnet. Nehmen wir mal an, es werden 8 Mrd € über die Steuer eingenommen, dann bekommt jeder der 80 Mio in D lebenden Menschen am Ende des Jahres 100,- € zurück.


So wird es anfänglich aussehen.
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Re: Klimasteuer

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 27. Feb 2019, 18:26

JJazzGold hat geschrieben:(27 Feb 2019, 18:06)

Wenn Ökosteuer, die nicht mehr zu verhindern sein wird und von der ich ebenso wie du annehme, dass sie zu einem Zeitpunkt x nicht mehr in Haushalte rückgeführt wird, weil sich die Belastungen gegen 0 aufrechnen lassen werden, dann über Verbrauch und pauschale prozentuale Belastung für alle Haushalte.

Ich frage mich nur immer wieder aufs Neue, wie viele Steuern der deutsche Michel denn noch abzudrücken bereit ist, um die Welt zu retten, obwohl damit die Welt selbstverständlich nicht gerettet werden kann.
Bei Autos würde ich es ganz anders machen, nämlich über die KFZ-Steuer, die berechnet sich dann aus Zylinder, Hubraum, PS und Gewicht der Karre und kann gerne exponentiell ansteigen, damit das richtig weh tut. Auch bei Öl- und Gasheizungen könnte man über eine Steuer anhand der Effizienz der Heizung nachdenken, die dann nicht auf die Mieter umgelegt werden darf, das tut dann dem Eigentümer der Immobilie weh und setzt ihn unter Druck, die Heizung zu modernisieren. Fliegen müsste sowieso deutlich teurer werden, "Hopser" über ein paar hundert Kilometer dürfen sich überhaupt nicht mehr rechnen, das ginge imho relativ einfach über eine Kerosinsteuer vllt. in Verbindung mit der Größe des Fliegers (je größer, desto weniger Steuer, weil weniger CO2 pro Passagier), da müssten aber viele Staaten mitziehen. Dann könnte man sich auch den Unsinn mit der Rückzahlung schenken.
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Re: Klimasteuer

Beitragvon Sören74 » Mi 27. Feb 2019, 18:47

Wir haben ja schon Besteuerungen auf verschiedene Energieträger, z.B. Mineralöl. Wer mehr Energien verbraucht, muss auch mehr Steuern bezahlen. Diese Energiesteuer ist aber bezogen auf das Klima nicht konsequent, weil sie nicht den tatsächlichen CO2-Verbrauch in allen Lebensbereichen beinhaltet. Also statt der ganzen Mineralölsteuer, Kfz-Steuer usw. könnte man eine CO2-Steuer verwenden, mit der ein Teil unseres Haushalts finanziert wird. Zur Entlastung einkommensschwacher Schichten könnte ein Freibetrag für die jährliche Steuer festgelegt werden.
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Re: Klimasteuer

Beitragvon JJazzGold » Mi 27. Feb 2019, 19:37

Tom Bombadil hat geschrieben:(27 Feb 2019, 18:26)

Ich frage mich nur immer wieder aufs Neue, wie viele Steuern der deutsche Michel denn noch abzudrücken bereit ist, um die Welt zu retten, obwohl damit die Welt selbstverständlich nicht gerettet werden kann.
Bei Autos würde ich es ganz anders machen, nämlich über die KFZ-Steuer, die berechnet sich dann aus Zylinder, Hubraum, PS und Gewicht der Karre und kann gerne exponentiell ansteigen, damit das richtig weh tut. Auch bei Öl- und Gasheizungen könnte man über eine Steuer anhand der Effizienz der Heizung nachdenken, die dann nicht auf die Mieter umgelegt werden darf, das tut dann dem Eigentümer der Immobilie weh und setzt ihn unter Druck, die Heizung zu modernisieren. Fliegen müsste sowieso deutlich teurer werden, "Hopser" über ein paar hundert Kilometer dürfen sich überhaupt nicht mehr rechnen, das ginge imho relativ einfach über eine Kerosinsteuer vllt. in Verbindung mit der Größe des Fliegers (je größer, desto weniger Steuer, weil weniger CO2 pro Passagier), da müssten aber viele Staaten mitziehen. Dann könnte man sich auch den Unsinn mit der Rückzahlung schenken.


Gut, dass du mich auf die Lücke hinweist, dann muss die Miete von vorne herein höher angesetzt werden, um die Zusatzkosten zu deckeln.

Was das Fliegen betrifft, kann ich mich nur wiederholen, das darf gerne teurer werden. Das beschleunigt den ohnehin absehbaren Prozess, dass sich einige Airlines verabschieden und der Markt überschaubarer wird.

Weshalb bei Autos über KFZ Steuer und Hubraum, fair geht das in erster Linie über den Verbrauch. EUR 0,20 - 0,30 auf den Spritpreis für nicht firmenmäßig genutzte Autos, da wird sich schnell so mancher überlegen, ob er überhaupt ein Auto benötigt.
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Re: Klimasteuer

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 27. Feb 2019, 21:23

JJazzGold hat geschrieben:(27 Feb 2019, 19:37)

dann muss die Miete von vorne herein höher angesetzt werden, um die Zusatzkosten zu deckeln.

Ja, ganz toll, die Mieten, besonders in den Städten, sind wohl immer noch nicht hoch genug.

Weshalb bei Autos über KFZ Steuer und Hubraum...

Damit die fetten SUVs endlich wieder von der Straße verschwinden. Ich habe die Kombination der vier Komponenten schon absichtlich gewählt, denn damit wären auch die hochgezüchteten 1,5l Biturbo-Motoren mit 200+ PS betroffen. Wenn du nur den Verbrauch besteuerst bestrafst du auch nur wieder die Leute, die wenig Geld haben, nicht in der teuren Stadt leben können und mit dem 12 Jahre alten Gebrauchten zur Arbeit pendeln müssen.

Soll man den sozialen Frieden für symbolischen Klimaschutz opfern?
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Re: Klimasteuer

Beitragvon JJazzGold » Mi 27. Feb 2019, 21:34

Tom Bombadil hat geschrieben:(27 Feb 2019, 21:23)

Ja, ganz toll, die Mieten, besonders in den Städten, sind wohl immer noch nicht hoch genug.


Damit die fetten SUVs endlich wieder von der Straße verschwinden. Ich habe die Kombination der vier Komponenten schon absichtlich gewählt, denn damit wären auch die hochgezüchteten 1,5l Biturbo-Motoren mit 200+ PS betroffen. Wenn du nur den Verbrauch besteuerst bestrafst du auch nur wieder die Leute, die wenig Geld haben, nicht in der teuren Stadt leben können und mit dem 12 Jahre alten Gebrauchten zur Arbeit pendeln müssen.

Soll man den sozialen Frieden für symbolischen Klimaschutz opfern?


Das könnte der Fall sein. Ich vermute allerdings eher einen gravierendem Rechtsruck, wenn einseitig besteuert wird.
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