Führt Wohlstand zu Anspruchsdenken und Jammerkultur?

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NicMan
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Führt Wohlstand zu Anspruchsdenken und Jammerkultur?

Beitragvon NicMan » Mo 18. Feb 2019, 19:05

So gut wie alle Kenzahlen wirtschaftlicher und menschlicher Entwicklung sind in den letzten zweihundert Jahren massiv nach oben gegangen. Die Leute leben länger, haben (zum Großteil) mehr Geld und mehr Möglichkeiten als früher. Trotzdem scheinen viele unzufrieden und träumen von einer verklärten Vergangenheit in der alles einmal besser gewesen sein soll. Man will nicht, dass es einem gut geht, sondern dass es einem besser geht.

All das äußert sich in riesigen Erwartungen an das Leben, den Partner, den Sozialstaat und die ganze Welt. Schwer zu ertragen für viele die Vorstellung, doch nur einer von 7 Milliarden auf diesem Planeten zu sein und wenig ändern zu können.

Nun gibt es sicherlich tatsächlich viele Menschen, die ein gewisses Wohlstandsniveau, welches sie einmal hatten, nicht mehr haben und sicherlich ist in den letzten Jahrzehnten nicht für jeden das Leben besser geworden. Jedoch findet man auch unter sehr gut verdienenden Menschen immer wieder Unzufriedenheit mit dem eigenen Einkommen, Leben etc.

Ist diese Unzufriedenheit berechtigt? Oder Ausdruck von Jammer- und Neidkultur?
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Milady de Winter
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Re: Führt Wohlstand zu Anspruchsdenken und Jammerkultur?

Beitragvon Milady de Winter » Mo 18. Feb 2019, 19:24

Wer legt denn fest, was "berechtigtes" und was "unberechtigtes" Jammern ist? Die Messlatten und Akzeptanzschwellen sind unterschiedlich hoch. Was für den einen schrecklich ist, bringt den anderen nicht um den Schlaf. Und anders herum: was den einen überglücklich macht, entlockt dem anderen ein müdes Lächeln. Ich erlaube mir da kein Urteil. Was ich persönlich jedoch beobachte, zum Teil auch bei mir selbst, ist ein Jammern auf hohem Niveau. Ich fang mich dann meistens damit ein, dass ich zu schätzen weiß, was ich habe. Das funktioniert aber nicht bei jedem. Und meiner Beobachtung nach ist es auch oft so, dass das Gejammer indirekt proportional zur Größe der Probleme ist. Aber auch hier wieder: für jemanden, der im Grunde keine gravierenden Probleme hat, ist schon eine Kleinigkeit einen Aufreger wert.

Und was das Finazielle betrifft: auch hier gibt es Menschen, die nie zufrieden sind, egal wie viel sie haben.
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Re: Führt Wohlstand zu Anspruchsdenken und Jammerkultur?

Beitragvon Diplomatensohn5000 » Do 21. Feb 2019, 16:02

Hier gehts wohl um die berühmte "Hedonische Tretmühle".

Man vergleicht sich nicht mit den "armen Afrikanern", sondern mit seinem direkten Nachbarn. Und wenn der ein dickeres Auto fährt als man selbst, geht das Drama los.

Nicht umsonst heißt es ja, dass 'materieller Wohlstand' kaum mit 'empfundenem Glück' korreliert.
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Re: Führt Wohlstand zu Anspruchsdenken und Jammerkultur?

Beitragvon irgendwer » Do 21. Feb 2019, 17:00

NicMan hat geschrieben:(18 Feb 2019, 19:05)

Nun gibt es sicherlich tatsächlich viele Menschen, die ein gewisses Wohlstandsniveau, welches sie einmal hatten, nicht mehr haben und sicherlich ist in den letzten Jahrzehnten nicht für jeden das Leben besser geworden. Jedoch findet man auch unter sehr gut verdienenden Menschen immer wieder Unzufriedenheit mit dem eigenen Einkommen, Leben etc.

Ist diese Unzufriedenheit berechtigt? Oder Ausdruck von Jammer- und Neidkultur?


Ich würde diesen Allgemeinplatz "Wohlstandsgesellschaft" schon etwas kritischer sehen. Bei genauerer Betrachtung sieht man doch, dass sich dieser Wohlstand, der gern in Statistiken geführt wird, auf wenige beschränkt. Damit sind solche gemeint, bei denen Geld wirklich keine Rolle mehr spielt, man besitzt es eben und "es" arbeitet vor sich hin für sie.
Daneben ist z.B. Wohlstands-Deutschland aber auch zum Niedriglohnsektor verkommen. Man sieht Leute, die sich kein Gebiss leisten können, man sieht Arbeiterinnen, die arbeiten, um genug Geld zu verdienen, arbeitsfähig zu sein, man sieht auch alleinerziehende Mütter, die arg sparen müssen, wenn sie mit ihren Kindern mal ins Kino gehen wollen. Die Liste wäre um einiges erweiterbar. Auch ein Mindestlohn, der gut ist, ändert an diesen beengten Lebensumständen nicht viel. Man kann in dieser wunderschönen Glitzerschaufensterwelt eben noch nicht einmal kaufen, was man dringend braucht. Mich betrifft es nicht selbst, ich hüte mich auch davor, mir künstlich Bedürfnisse aufdrücken zu lassen und rate jedem davon ab. Aber ich kann gerade wegen meiner finanziellen Freiheit doch gut mitdenken, was in diesen Menschen vorgeht.

Bei all dem Konsumgedöhns gehen häufig auch die Prioritäten verloren. Geld allein soll alles ermöglichen. Unbestritten, dass es Vorteile mit sich bringt. Aber dass es eben nicht das Erstrebenswerteste ist, merkt spätestens der Mann, der all seinen Zierrat verloren hat und prompt von seiner Frau verlassen wird. Einfach weil er provoziert hatte, dass sich jemand nicht in ihn, sondern in seinen Besitz verliebt. Dagegen hilft kein Gejammer. Noch weniger Schuldzuweisungen an andere, insbesondere stets böse und raffgierige Weiber als Teufelsersatz. Dagegen hilft nur ein bisschen Selbstkritik und Sinn für die Realität.
Schön wär's, wenn in dieser Konsumgesellschaft auch irgendjemand "da oben" ein Interesse daran hätte, das zu vermitteln. Aber das wird wohl kaum der Fall sein.
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Re: Führt Wohlstand zu Anspruchsdenken und Jammerkultur?

Beitragvon Skull » Do 21. Feb 2019, 17:02

irgendwer hat geschrieben:(21 Feb 2019, 17:00)

Ich würde diesen Allgemeinplatz "Wohlstandsgesellschaft" schon etwas kritischer sehen.

Bei genauerer Betrachtung sieht man doch, dass sich dieser Wohlstand,
der gern in Statistiken geführt wird, auf wenige beschränkt.

Welches Land meinst Du ? :?:

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Re: Führt Wohlstand zu Anspruchsdenken und Jammerkultur?

Beitragvon Klopfer » Do 21. Feb 2019, 17:07

Diplomatensohn5000 hat geschrieben:(21 Feb 2019, 16:02)

Hier gehts wohl um die berühmte "Hedonische Tretmühle".

Man vergleicht sich nicht mit den "armen Afrikanern", sondern mit seinem direkten Nachbarn. Und wenn der ein dickeres Auto fährt als man selbst, geht das Drama los.

Nicht umsonst heißt es ja, dass 'materieller Wohlstand' kaum mit 'empfundenem Glück' korreliert.

Nach Lesart Liberaler und Libertärer hat sich der normale mittelständische Arbeitnehmer und alles darunter durchaus mit den Bewohnern dritter Weltstaaten zu vergleichen denen es doch viel schlechter geht.
Für die reichen "Leistungsträger" gilt das selbstverständlich nicht. Da gelten vollkommen andere Massstäbe.
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Re: Führt Wohlstand zu Anspruchsdenken und Jammerkultur?

Beitragvon Skull » Do 21. Feb 2019, 17:51

Klopfer hat geschrieben:(21 Feb 2019, 17:07)

Nach Lesart Liberaler und Libertärer hat sich der normale mittelständische Arbeitnehmer und alles darunter durchaus mit den Bewohnern dritter Weltstaaten zu vergleichen denen es doch viel schlechter geht.
Für die reichen "Leistungsträger" gilt das selbstverständlich nicht. Da gelten vollkommen andere Massstäbe.

Bevor Du jetzt in Deinem üblichen Rundumschlag-Modus verfällst...

ich halte es durchaus legitim, Wohlstand einer Gesellschaft mit anderen Gesellschaften zu vergleichen.
Die absolute Verhältnismässigkeit.

Und auch wenn DU verschiedene Zustände oder Verteilungsgerechtigkeiten in Deutschkand bemängeslt,
IST es trotzdem so, dass Deutschland als ganzes und Deutschland als Gesellschaft
-> eine Wohlstands- und Konsumgesellschaft ist.

Das es HIER -fast- allen Menschen erst einmal recht gut geht.
Zumindest in Bezug auf die materiellen (Grund) Bedürfnisse und der Versorgung.

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Re: Führt Wohlstand zu Anspruchsdenken und Jammerkultur?

Beitragvon Diplomatensohn5000 » Do 21. Feb 2019, 18:04

Klopfer hat geschrieben:Nach Lesart Liberaler und Libertärer hat sich der normale mittelständische Arbeitnehmer und alles darunter durchaus mit den Bewohnern dritter Weltstaaten zu vergleichen denen es doch viel schlechter geht.


Was ja nun auch nicht völlig daneben ist.

Wenn ich einen "Mangel" empfinde, weil ich mir das neueste iPhone nicht leisten kann, dann liegt es auf der Hand, dass hier was schief läuft. Ein verstärktes Bewusstsein für gefühlte und tatsächliche Grundbedürfnisse wäre hier zu schaffen.

Ungeachtet dessen ist sozio-ökonomische Ungerechtigkeit auch in den Industriestaaten absolut zu verurteilen.
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Re: Führt Wohlstand zu Anspruchsdenken und Jammerkultur?

Beitragvon Diplomatensohn5000 » Do 21. Feb 2019, 18:09

Skull hat geschrieben:ich halte es durchaus legitim, Wohlstand einer Gesellschaft mit anderen Gesellschaften zu vergleichen.
Die absolute Verhältnismässigkeit.


Eben das funktioniert aber nicht wirklich. Zumindest wenn man der "Glücksforschung" Glauben schenken will.
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Re: Führt Wohlstand zu Anspruchsdenken und Jammerkultur?

Beitragvon Skull » Do 21. Feb 2019, 18:31

Diplomatensohn5000 hat geschrieben:(21 Feb 2019, 18:09)

Eben das funktioniert aber nicht wirklich.

Zumindest wenn man der "Glücksforschung" Glauben schenken will.

Was soll nicht funktionieren ? :?:

mfg
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Re: Führt Wohlstand zu Anspruchsdenken und Jammerkultur?

Beitragvon Klopfer » Do 21. Feb 2019, 18:31

Skull hat geschrieben:(21 Feb 2019, 17:51)

Bevor Du jetzt in Deinem üblichen Rundumschlag-Modus verfällst...

ich halte es durchaus legitim, Wohlstand einer Gesellschaft mit anderen Gesellschaften zu vergleichen.
Die absolute Verhältnismässigkeit.

Und auch wenn DU verschiedene Zustände oder Verteilungsgerechtigkeiten in Deutschkand bemängeslt,
IST es trotzdem so, dass Deutschland als ganzes und Deutschland als Gesellschaft
-> eine Wohlstands- und Konsumgesellschaft ist.

Das es HIER -fast- allen Menschen erst einmal recht gut geht.
Zumindest in Bezug auf die materiellen (Grund) Bedürfnisse und der Versorgung.

mfg

Na prima, Vermögen gehört zum Wohlstand einer Gesellschaft. Und da siehts halt im Vergleich mit ähnlichen Gesellschaften nicht sonderlich gut aus für den Deutschen Michel, da muss dann der Senegal als Mass herhalten, oder? Für die reichen Opportunisten gilt das natürlich nicht!
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Re: Führt Wohlstand zu Anspruchsdenken und Jammerkultur?

Beitragvon Skull » Do 21. Feb 2019, 18:34

Klopfer hat geschrieben:(21 Feb 2019, 18:31)

Na prima, Vermögen gehört zum Wohlstand einer Gesellschaft.

Und da siehts halt im Vergleich mit ähnlichen Gesellschaften nicht sonderlich gut aus für den Deutschen Michel,
da muss dann der Senegal als Mass herhalten, oder?

Für die reichen Opportunisten gilt das natürlich nicht!

Lese meine Sätze und verstehe sie.

Stelle also Dein (übliches) Gegeifer ein.

mfg
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Re: Führt Wohlstand zu Anspruchsdenken und Jammerkultur?

Beitragvon Diplomatensohn5000 » Do 21. Feb 2019, 18:44

Skull hat geschrieben:(21 Feb 2019, 18:31)

Was soll nicht funktionieren ? :?:

mfg


Na, dass man seine Lebenszufriedenheit erhöht, indem man sich mit anderen vergleicht, die vermeintlich schlechter gestellt sind.
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Re: Führt Wohlstand zu Anspruchsdenken und Jammerkultur?

Beitragvon Skull » Do 21. Feb 2019, 18:55

Diplomatensohn5000 hat geschrieben:(21 Feb 2019, 18:44)

Na, dass man seine Lebenszufriedenheit erhöht,
indem man sich mit anderen vergleicht, die vermeintlich schlechter gestellt sind.

Und die andere Seite ?

Das man seine Lebenszufridenheit ja auch nicht erhöht,
indem man sich mit anderen vergleicht, die vermeintlich besser gestellt sind. :?

Also sollte man sie am besten gar nicht vergleichen. :D

mfg
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Re: Führt Wohlstand zu Anspruchsdenken und Jammerkultur?

Beitragvon Diplomatensohn5000 » Do 21. Feb 2019, 19:03

Skull hat geschrieben:Das man seine Lebenszufridenheit ja auch nicht erhöht,
indem man sich mit anderen vergleicht, die vermeintlich besser gestellt sind. :?


Willkommen auf Instagram :D

Wie gesagt: Wenn man das so hinnimmt, dass technologischer und ökonomischer Fortschritt nicht mit einem Mehr an Lebensglück einhergeht, ist das natürlich ernüchternd. Aber genau dies scheint empirisch betrachtet der Fall zu sein.

Man kann Sisyphos auch als glücklichen Menschen verstehen, wusste jüngst schon der Bundespräsident ;)
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Re: Führt Wohlstand zu Anspruchsdenken und Jammerkultur?

Beitragvon Klopfer » Do 21. Feb 2019, 19:49

Skull hat geschrieben:(21 Feb 2019, 18:34)

Lese meine Sätze und verstehe sie.

Stelle also Dein (übliches) Gegeifer ein.

mfg

Na wenn ich das mal so geschrieben hätte....
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Re: Führt Wohlstand zu Anspruchsdenken und Jammerkultur?

Beitragvon Skull » Do 21. Feb 2019, 20:03

Diplomatensohn5000 hat geschrieben:(21 Feb 2019, 19:03)

Wie gesagt: Wenn man das so hinnimmt, dass technologischer und ökonomischer Fortschritt nicht mit einem Mehr an Lebensglück einhergeht, ist das natürlich ernüchternd. Aber genau dies scheint empirisch betrachtet der Fall zu sein.

Weiß nicht. Das mag durchaus für reichere und entwickelte Gesellschaften zutreffen.

Ich denke aber, das die Masse der Menschen in Mitteleuropa,
heute zufriedener und glücklicher sind...als vor 400 Jahren.

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Re: Führt Wohlstand zu Anspruchsdenken und Jammerkultur?

Beitragvon Senexx » Do 21. Feb 2019, 20:25

Vor 400 Jahe hatte gerade der 30jährige Krieg begonnen.
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Re: Führt Wohlstand zu Anspruchsdenken und Jammerkultur?

Beitragvon Benutzername » Do 21. Feb 2019, 21:00

Wohlstand macht nicht automatisch zufrieden. Unzufrieden werden die Menschen, die nicht schätzen was sie haben, sondern nimmer auf andere gucken. Wer zufrieden sein will, der lernt zu schätzen was er hat. Auch ein Hartz 4 Empfänger kann glücklich sein. Es hängt von der Einstellung ab.
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Re: Führt Wohlstand zu Anspruchsdenken und Jammerkultur?

Beitragvon NicMan » Do 21. Feb 2019, 21:16

irgendwer hat geschrieben:(21 Feb 2019, 17:00)
Bei all dem Konsumgedöhns gehen häufig auch die Prioritäten verloren. Geld allein soll alles ermöglichen. Unbestritten, dass es Vorteile mit sich bringt. Aber dass es eben nicht das Erstrebenswerteste ist, merkt spätestens der Mann, der all seinen Zierrat verloren hat und prompt von seiner Frau verlassen wird. Einfach weil er provoziert hatte, dass sich jemand nicht in ihn, sondern in seinen Besitz verliebt. Dagegen hilft kein Gejammer. Noch weniger Schuldzuweisungen an andere, insbesondere stets böse und raffgierige Weiber als Teufelsersatz. Dagegen hilft nur ein bisschen Selbstkritik und Sinn für die Realität.
Schön wär's, wenn in dieser Konsumgesellschaft auch irgendjemand "da oben" ein Interesse daran hätte, das zu vermitteln. Aber das wird wohl kaum der Fall sein.


Ich stelle mal die Hypothese auf, dass die Konsumgesellschaft in einem kapitalistischen System (welches ich trotzdem noch für das beste halte) letzlich zu dem von mir beschriebenen Denken führt. Nicht nur soll man konsumieren um glücklich zu werden, mal selbst ist auch ein Produkt, welches verkauft werden muss (Jobsuche etc.). Jahrelang hat die Werbung den Menschen eingeredet, dass der Kunde König ist und das man mit Geld alles kaufen kann. Manch einer spürt vielleicht: "Die haben mich angelogen!"

Eine gewisse Einkommens- und Vermögensungleichheit trägt natürlich aber auch dazu bei, dass einige Menschen deutlich weniger vom allgemeinen Wohlstand in einer Gesellschaft haben, obwohl Sie sich anstrengen. Als Beispiel nehme eine Zahnartzthelferin mit 40 Stunden Woche, teilweise Überstunden und 1170 Euro Netto im Monat. Das ist zwar (auch kaufkraftbereinigt) immer noch ein Gehalt um das man von einem Großteil der Menschheit beneidet würde, aber gemessen am Medianeinkommen in Deutschland (Netto monatlich 1800 Euro) deutlich weniger. Bei diesen Menschen würde ich auch nicht von Jammerkultur sprechen.
Wenn sich aber ein Bekannter von mir (Geschfäftsführer eines mittelständischen Unternehmens, 180.000 Brutto im Jahr) über sein finanzielles Leben beschwert
läuft irgendetwas schief.

Was die Statistiken angeht darf man diese ruhig ernst nehmen. Ich studiere selbst angewandte Statistik im Master und bin immer wieder erstaunt über die ausgeklügelsten Methoden. Die schlechtesten Interpretationen von Statistiken kommen meiner Meinung nach hauptsächlich von fachfremden Laien und leider auch Journalisten.
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